Vr.M
Zweiter Blatt
*67. Jahrgang
Erscheint tützNch mit AuSn«hme de- Sonntag«.
Veilagen: „Giehtner ZamilienblStte^' und „Kreisblatt für den Breis Liehen".
HoAscheükonlo: Krankfurl am Main Nr. U686. Bankverkehr: Sewerbeban? Siehe«.
General
für Oberheffen
Samstag. 25. August
ZwillAgSrunddruck und Verlag:
B r ü hi'sche Unwersität§-Buch-u.St: ittbrucf cv: R. Lange, Gießen.
Zchriftleilung» Geschastsstehe und Druckerei:
Schulslraße?. Geschäftsstelle u.Verlag:
Schrift! e klung: 112.
Anschristf.iv Drahtnachrichten:AnzeigerGießen.
Die lölrfunqen öes UWoot-Urieges in amtlicher DarfteUung.
(Schluß.)
Werfen wir nun zum Schluff einen Blick auf die Wirkungen be3 U-Boot krieges »cruf di? englische Kriegfilhrnng. Ganz abge-^ sehen davon, daß die U-Bootsabwehr Tauseno? von Geschlützen für die dauernd lvack sende lirnd dock nie ausreichende Zahl von) lb-Bootsjägern und für die Handelsschfiffe, Hunöei'te von Fliegerst für die Ueberwachung der Küst^engewässer von den Landsionteü abFieht, daß riesige Mengen von Munition und sonstigem Krjegs- ^ material wirkungslos mit den Schliffen, die sie übers Meer führten, versanken, das? manchem Truppentaanspottc die See zum Grabe -wurde, entzieht das U B.aot Englands Heei- all die Kräfte und kstoffc. oie nötig fiui>, um die lSchj äffen aiiszugleickirn, die es) Englands lebensnoNveudiger iBolkswirtschaft zufügt.
-l Mer ivefter: Es hat Engsand den Landkrieg in seiner ganzen Größe und Schärfe aufgczwungen. „Me Flotte kann den Krieg nicht gewinnen der ieri-eg imijj «ziu Lande ;wwmrnen werden", .sagte der lenglische Mmiralstabschef Jellicoe am 5. Mril 1917 jM den Vertretern der Gewerkschaft. England behiwrscht nickt iuehr die Soe: dem: das u Boot duvchfch^neidat ihm, unbehindert durch j die übermächtige Flotte, die Seeverbindungen. Das Insel reich kann ! darum nicht mehr uw-hlversprgt urit allen Erzeugnissen der Erde , nftd sich lMi'1'..wn.d durch einen ungebemmidm Handel und durch «die Ausfuhr seiner Industrie, Ar Schutze seiner unüberwindlichen »Flotte, den Krieg von Bundesgenossen imd Vasallen führen lassen und gemlächsich fein Ende abwarüm: es mach, in der beklemmenden! Ajngst, die Wurzeln seiner Kraft nach und nach durchschnitten zu sehen, versuch'.-:?, schnell zur Entscheidung, zum Siege zu kommen: daher die Beteiligung am Landkriege Mit einem Einsatz englischer Vollstraft, wie ihn Be Geschichte bisher noch nicht berichten konnte: daher, trotz aller Mißerfolge., die iminser erneuten Offensiven init Op fern an Blut, une sie vorher uoch> nie ein englischer Feldherr von englischen.Heeren gefordert hat.
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Wir baba: dargelegt, woraus sich unsere Zrrversicht gründet, baß wir im U-Boot-Krieg das rechte Mittel besitzen und arnoenden, um England zum Frieden geneigt zu machen.
Um es inr' zusammenzusassen: Der U-Bovt-Krieg ist das Problem des Schiffsraums: einmal insofern er einen Grundpfeiler der Bokkswirtschaft Englands unterwühtt, die Handelsftottc: dann, indem er den -englischen Seeverkehr immer nvehr beengt, lährni er dessen Funktionen^ das englische Volk mit Lebensmitteln und mit Rohstoffen zu -nriorgen, der englffck-en Armee rmd Flotte Unler- hatt und Kr:-'etzuritrel zuzufühven und den für ihre Lebenserhaltung UNMlänglick.'u Frachtraum der europäischen Bundesgenossen rvcnig- sterrs auf das erforderliche Mindestmaß ergänzen. An welchem Vnükte. zuerst die Rlöglichkert aushören unrd, diese mrentbehrlichen Funktionen iir geittigerchem Maße zu erfüllen. läßt sich nicht voranssehiul: das vnrd rvn der Verjüng Englands über seinen Schiffsraum abbängen An welcher stelle aber auch immer ter Schiffsraum fehlen wird, ob zuerst die Versorgung der englischen ZAilbevölkeruug vd"r der Kriegflihrung oder' der Bundesgenossen versaoeir wird, in iedem Falle gerät danrit die Grundlage ft'ir die Fcnftietzung des Krieges seitens des Verbandes ins Wanten. Tie Grenze des Erträglichen »Herr lmr überall näher rücken. Wir können den Abschluß dieser Enttvicttung, die mit vÄliger Sicherheit in absehbarer Zeit ihr Ende findeir wird, ruhig abwatten. England bat di" Hand >riedlicher Verständilnrng, die ihm gcwoten wurde, zurückges,!e. n. England fttbch Hai damit sein Schicksal ans sich hevatcheschwo ven.
Die yolkttt Schwedens.
Stockholm, 23. Ang. MDB. Mchtmnttrchi Der schwedische Minister oes Aeußern Lind mann hielt eine Rede über die äußere Politik Sck-wedens im Weltkriege. Zuerst wies er auf die wirts-chjaftkichen Schw>ierrgkerten inrolge des Warenmangels hin/ der durch, den U-Bvotkrieg rmd durch die englische Blockade verrrrsachir iei. Die Rickchlinicn für die .tzwltrmg Schwedens seren die Wahrung der Urrabhänchgteit und Souveränität des Landes und die Aufrechter Haltung einer zrnparteiischen Neutralität
auch dann aufre-chterhsrlwn kveroen könne. Bei der imnrer wachsen! den Wichligkeit der wirtschaftlichen Fragen sei dje Einfuhr genügender Lebensmittel und Rohstoffe eine der bedeutsamsten Fragen der Neutralftätspolitik. Die Handelsbezichnngen mit beiden krieg- führenden Teilen rm'rßten aufrechterhalten werden. Lindmann erklärte, die von der Regierung .lwvlanten Handelsvereinbarmrgenj müßten mit der Neittralitätspolitik übereinstimmen. Mit Bezug auf die Verhandlungen wit den Vereinigten Staaten hoffe er, VoK und Regierung Amerikas weiden die Tirrge von einem weiterr hu- mianftären Gesichtspunkte aus ansehen und Schweden nicht in einer so wichtigen Frage Schwierigkeiten bereiten. An Hand von Zahlen
wies Lindiuann nach, daß während des Krieges kerne ne nn en swerte^ s)lus fuhr von Getreide stnttgefunden^ labe und daß die Fl ei schau ssu h r durchaus nickst so umfarrg- reich sei, wie beha::ptet roerde. lieber die F r red en s> a u s s i ch - tosagte der Minister, die Neutralen klickst nrinder wie die Krieg- fühveiwen ersehnten jetzt de>r F'rieden, uiw z.var einen Frieden,» der den Bölkerik iir den Grekizen des Möglichen die unerhörten Leiden erspare, die ihnen der Ärwg gebracht habe. Mchts aber sei so unsicher, wieder Zeitpkmkt dl^ Friedensschlusses. Man müsse indeffeir hosf-en, daß er Näher sei, als mäst.glaube. Lindma-nn ei klärte ferner, die Frage des Schutzes der Jitteressen der Neutralität bei Fftiedcnsschttrß sei bei deik Zkffauijinenkünsteil der skandi- navisckpen Bdinister besprochen worden. Diese Frage habe auch Schritte l»ei deu anderekl eicropäisck-en Neuttachn veraiklaßt, ,irni dereil Mitwirlükkg zu erlaugen. Er sei der U.eberzeuginlg, daß alle kciegführeuden und neutralen Nationen .-krach den aus gestände neu Leiden mit aller straft 'daraiff hinarbeiten würden., nach dem Kriege bessere Bürgschaften zu schaffek'., irist internattonale Konflikte zu vermeiden
Nus dem Reiche.
Die Kaiserin in Köln.
Berlin, 23. Au.g. iWDB. Mchtamtlich > Ter zweite Tag, den die Kaiserin dem Besuch der Städte des Rheinlakldes widmete, führte sie schon zu früher Morgeklsturrde in den. Dom. Von deck Geistlichkeit begrüßt und geleitet, lauschte die Kaiserin mit sichtlicher Freude den Gesangs- kind Orgelvortragen, deklm sich ein Rundgang durch die Schatzkammer und die Besichtigung besonderer Sehenswürdigkeitekr des 'Domes angliederte. Obgleich keine allgemeine Bekanntgabe des Besuchs der Kaiserin erfolgt war, hatten sich Hunderte eingesundän, die ihrer Freude überall, wo die Käi'- serikk hiukam, in stürmischen Zurufen lttisdruck gaben. Vom Dom ging die Fahrt Mn Bereinslazarett des vaterländischen Franeu- vereins, wo zahlreiche Bernmndete und (Genesende durch Ansprache kind Galren erfreut wurden. Die gleiche Lickbiestättgkeit übte die Kaiserin im ftädtisckstn Krankenhaus Lindenburg aus. Am diach- mittag wurde ein Teil des Karlswerkes von Felten und Gkülleaume in Köln-Atühlheim besucht. Anschließerü) erfolgte eine Rmrdsahrt am Rhein, entlang über den Außeirring zum Volksgarten. Für Donnerstag ist die Besichttgnng der verschiedenen Lazarette und Kriegsfürsorgeeinrichtukrgen in Aachckl angesetzt.
Aris Seodt nnd €cmb.
r r : .e25. August 1917.
Ariegsarbelt in Gießen.
XXXI
Schuhftickktunde des Gietzeuer HauSfratteuvereinS.
Zu den mannigfaltigen Äiffgaben, mit denen sich der Gießener Haus frauerEeveftn im Laufe des Krieges befaßt hat, gehört auch die Schklhflicksttrnde, die nun seit knehreren Mmraten zu ernei' stärrdigen Einrichtturg geworden ist. Wer an ehrem Mittwv'ck) abend sich der Eike Bismarckstraße-Stephanftvaße nähert, wird ans dem Gebäude des Realgymnasiums ein lustiges .Hämmern hören, das unermüdlich bald stärker, bald schmärher herüberdringt. Wer nach der Ursache des P-ochens und Hämmerns fragt, wird erfahren, daß praktische Gießener Hausfrauen am Werke sind, über die Schu-hmit der ganzen Familie hinwegzuhelfen.
Treten wir in freu Klassenraum ein, den die Direktion des Realgymnasiums deit eifrigen Hausfrauen in liebenswürdiger Weise eingeräuint hat, so bietet sich ein höchst bewegtes Bild. An lärmen Arbeitstischen stehen Frauen und Mädchen, haben auf den Dreifuß, der vor chnen steht, einen Schuh geschoben und hämmerkl darauf los mit einem Eifer, als lstitten sie Zeit ihres Lebens nichts anders getan, asts das ehrsanrr Gewerbe des Nürnberger Poeten Haus Sachs ansgeiibt. lttcd doch sieht man unter ihnen Dameil der GesellsckMt, die es sich sicher nicht hätteic träumen lassen, daß sie einmal in die Lage kämMr. die schiesgetretenen Absätze ihres Ehegatten eigenhändig wieder gerade zu machen.
Manche der fleißigeil Flüffchusteriuneu kommeil stolz mit ihrem eigenen Dreifuß an, wers.en die mitgebrachte 'Arbeitsschürze über, packeri die „heruntergerissenen" Sttefel aus Und begeben sich an die Arbeit. Andere benützen einen Dreifuß des Vereins, den dieser, wie auch das gesamte Handlverkszeug, aus Ueberschüssen angeschafft hat
Heute heißt es nicht mehr so leicht: „Wenn das der Msatz wüßt', daß der Stiesel sterben müßt! Stiefel muß sterben, ist noch so jung." Heute wird einmal erst mit
kritischein Blick festgestellt, ob das Leben des Stiefels, wenn er noch so alt ist, nicht verlängert werden kann. In den meiste ir Fällen geht es, urrd die rührige Leiterin des Haus- srauenvereins, Frau Rechtsanwalt Leun, weiß irrrmer Rat uud .Hilfe. Unermüdlich ist sie tätig, paßt hier ein Paar Ersatzledersohlen ab, uktterrveist dort im Gebrauch der Schusterahle, hat für nrutlos ^-ewordeue Worte der Aus- munterurrg Ulkd für Geschicklichkeit Lob und Anerkennung. Danrit ist ihre Ausgabe bei weitem kricht erschöpft, auch wenrr rnan die nrancherlei Auskünfte hinzurechnet, die von ihr erbeteik urrd bereitwillig erteilt werden. Me größte Arbeit ist die der Materralbeschafsmrg. Me Zahl der Besucherinnen der Schuhflickstunde nähert sich dem ersteri Tan.seird. Alle wollerr aber nicht nur arbeiten, sie wolleir auch Sohlen, Flecke, Schoner, Nägel usw. haben. Die Schwre- rigreit der Materialbeschaffung steigt aber von Tag zu Tag. Erst gab-'s noch Ersatzleder, das das Aussehen ooir Lrnoleunl. hatte, danrr nrußte man sich mit einer Art Filzsohle behelfen. Jetz^t aber beginnt die große Neuerung, die. im Winter 191c wohl kaum jemand erspart bleiben wird, die Holzsohle, die ftn Aufträge der Reichsstellen cnrgefertigt wird.' Die ersten derartiger! Sohlen werden im Harw- ftauen-Verein schorr aufgenagelt. Sie sind airs einem starken, nicht besonders dickem Holz gearbeitet, sehen durch die wasserdichte Imprägnierung dunkelbraurr aus und sind doppelt gewölbt, für den Fuß nach innen rrnd für die Berührung mit dem Boden nach außen. Im Gegensatz zu ander'eu Holzsohlen bestehen sie aus einem einzigen Stück und haben kein Scharnier. Einige der Damen, die sie schon, ausprobiert haben, bestätigen, daß sich> recht bequem darin gehen läßt und daß sie den FUß warm halten.
Diese Sohlen auszunageln, muß auch erst gelernt fern. Auch dabei ist die Vorsitzende des Vereins behilflich und zeigt, wie man den etwa überstehenden Rand glatt abschneidet und die Schnittfläche schwarz einfärbt.
Außer den Sohlen kann auch das Oberleder Not lei- derr. Um dem abzuhelfeu, hat der Haussiaueuverein aus eigenen Mittelrr eine große Steppmaschine angeschafft, die von der einzigen bezahlten Kraft bedieirt wird. Alle übrigen Kräfte sind ehrenamtlich tätig. So auch das schwierige Amt der Kasseuverwalterin. Mese hat jeder neuankornrnerrdeu Hausftau einen Zettel mit Nanren und Numrner auszustellen, aitf dem alles eingetragen wird, kvas sie. an Sohlen, Flecken, Nägeftt usw. ersteht Me diese Gegenstände werden zu mäßigfteni Preise abgegeben. Me Benutzung der Gerät- schasterr ist firr die Mitglieder des Hausfrcmen-Bereins unentgeltlich.
Wer den Stolz beobachten kann, mit dem eine Hausfrau die Selbstgeflickteu betrachtet, und in Berechnung zieht, welche Ausgaben durch diese Selbsthilfe in den einzünen Haushalten erspart bleiben, der muß ohnse weiteres zugestehen, daß der Hausfrauew-Verein mit der Schuhflickstunde eine höchst verdienstvolle Einrichtung irrs Leben gerufen hat, und wird besonders seiner VorsitzerÄen, Frau Rechtsanwalt Leun, gegenüber mit seiner Anervemrung nicht rurückhalten.
Erwähnt sei noch, daß neben der Schuhsttckstuude ein Kursus im Schuhmachen einhergeht, der, ckberffalls von der Vorsitzenden des Bererns geleitet, in der in der Selbstanfer tigung von Schlüpfern, Pantoffeln und Schuhen unterrichtet wird.
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Die Heide blüht.. .
Draußen in der Natur null der Sommer Abschied nehmen. Me Heide blüht! Me Straßenränder, Waldlichtungen. Dickichte snw in liwllches Rot gehüllt durch tausend und abertausend Bücken der mycheinbaren Heide. Mit Aller Wehmut sieht es der Mensch. Heißt es doch bald scheiden vom Sommer und seinen Freuden. Eine reiche gesegnete Ernte ist teilweise unter Dach die Scheunen gefüllt und die Menschen voller Darck gegen Gvtr' der alles so prächttg hat gedeihen lassen. Und doch, wie ffckiwer koird dein Menschen das Mschiedn-ehmen von der Sonne, dem Lichte Me Heide draußen in Feld und Flur ist eine stumme ÜPahneriu. Me mei)den Wald- und Wiesenblumen sind abgeblüht und nur die Hewc allein beherrscht leuchtend die Flurm. Dies Heidekraut die letzte der Blumen! Mahnend sagt sie dem Menschen: „Wenn rch verblüht bin. dann noch eirre kurze Spanne Zeit, uud es fenimt der Winter mit Kälte und Sturm Schnee und Reis" Dichter Nebel lagert schon eben des Morgens über Feld und Flur. Später als im Anfang des Sonrmers bricht sich die Sonne siegreich Bahn.^Hier rmd dort zeigen die Bäume die ersten gelben Blätter' Von wag zu Tag lverden es mehr und mehr. Es herbstelt' Die ersten Zugvögel haben uns schon verlassen, um den ivärmeren
Zernwettervorhersage.
Der h lindert jährige Kalender des Äsbtes Moritz .Knauer in Langheim ist von ?sufgeklärten längst in die Rurnpelkantmer geworfen. In den jüngsten Jahren ist qber die Wissenschaft zu dem Ergebnisse gekommeri, daß in ihm doch, ein Körnchen Wahrheit steckt: ist- der hundertjährige Kalerrder als solcher auch Acht brauch»- bar, die Durchschliittsergebnisse langjähriger Beobachtnngsreihen, auf denen er sehr wohl hätte auffgel^aut 'rvcrden> körruen, sind außerordentlich ivertvoll, lund durch ihr Zufanrmenstelken mit Tages- werten kann man zu einer „Fernwettervorhersage" kommen, die sich über recht lange Zeiten erstreckt. Hermann Radestock veröffentlicht über {(riefe n Gegenstand in der ,,Naturrvffsenschaftlicheü Wochenschrift" (Verlag von Gustav Fischer, Jena) einen fesselnden Aufsatz. Wenn es sich um Fernmetterkünde handelt, ist die Vergangenheit genM' so wichtig wie disc ZMrAt: je länger die-be- trach-tett'n Zeiträume sind, um so zjuverltässsiger wird der MirchP schnitt. Hat mait auäii kerne besonders zuverlässigen schriftlichetr ^Aufzeichnunigen über has Wetter vor da: Mitte des 18. Jahr-» Hunderts, so hat doch die Nftttl,r gimnr „lebenden Witternngskalest- " angelegt, aus dem wkm Manches ablasen kann. Dahin gehören! keispielstveis-e oü alten Bäume. Sv hat mlan in Gbersloalde drrrch iifn'i: z>eh n tau send Mdessuttgen an Bäumen festgestellt, daß deren Wachstum (an den Iahvesringxn oder an den Quirl abständen ab- zitlesen' eine auffällige UeberAnstftnmung nrit der Sonnenftecken- häufigkeit ausweist, die seit 300 Jahren beobachtet loorden ist. Aehnlich kann man die Schuppen mancher Msche verwerten, deren Wachstum vo»l dan Lebwlsbvdingiimqein, dmnit vom Wetter — und schließlich feudi viou Exm Soirmmfleckeu — abhängig ist. Giob V'itm-fen. nämlich die Somvenflecken, daß schtvache Mesen- stizatten längere Zeit hurduch rljber größere Teile der Erde ziehen^ und die duvckx sie hervorgerufcme Abkühlung begünffvigl die Bildung von Wolken und Niederschlägen, lxtt also Einfluß! auf das Pflanzno« loachsttirli Sett 1749 li»!«en lückenlos die sogenamttm „Sonnen-" i!ecken^/ielativzahl-eiü' vor, Und 1826 hat man die kirrz-fristigo soitne.iftttöenpnstode von rund 1l Iahror aufstcklen können, deren V.usarmnenhang! nttt den« Wetter -ur Fernwettervorhersage gesühi'l
hät; man hat Ovei IiähchüAte aufgestellt, in deren jedem das« W-etter rm großen ganzen einheitlich, aber verschieden öfcxt bent anderen Jahrfünft ist. Professor Freybe hat langjährige Mittel- werte benutzt, mn dveiundsiebzig DaMnste für das Wsetter des! Jahres aufzustellen, und ist dabei M einem wickftigerr Gesetze gekommen: deckt sch für einen bestimmten Ort mrd Zeitpuntt die wirklchi eintretende LuftdriAverwilungS- und Wetteränderung mit der Tag-sünst-Karte, darin ist diese entscheidend rntfc das Wetter ändert sich in chrems Stin.lre durchgvoffend -und anhaltend: deckt sich die Eintagsckarte nchft. nrit der 'Fünftagekarte, so gibt es» entweder gar Ikeine oder eine rasch vorhergehende ^benderung' Hierbei ist der Durchsckmcktswert der G«genwatt mit denr ist großen Zügen ststgelegben geschichtlichen geschickt vereint, und nach dem cherchen Berfahrerr laffen die Wettervorliersagen auch für' viel längere -Zeitabschnitte machftn, und zwar besonders solche, wie ne der Landwirt, der Großhändler urrd der Ernährungspolittker. verlarrgem. Man t>at nämlich seit Jahren phänologische Beobach- tungeir gemacht und festgestellt, an welchem Tage gewisse Pffcnr^en das erste Laub, die ersten Mülea, die ersten reifen Früchte usw. Mgeil, und hat Hieras ein für die Ferwvettervorherfage wichtiges! l^getz abgeleitet: je früher in einer Gegend ein. Gewächs zu blühen l>eginnt, desto später in: Verhältnis bringt es veife Frucht, und umgekchrt. Bkübt >bei-spielsweise Pie Kirsche am 18. April so reist mt Durchschnitt am gleickM Ott die Fincht am 2 Juni, während, lveuu die Blüte am 8. 'April schon eintritt, die Früchte erst mn 9. Juni veif sind. Vergleicht mau nun di« Verfrlchung und die Berspätimg der phänologischen ErsL>einungerc für einen Ort mit dem langjährigen. Durchschnitte, so karm man darauf eine Fern- ^-^^-"age für die Fruchtreife gründen. Mäßgbend für die Blüte,
dw Blattentfaltung Usw. ist aber die Bodenteurperattir, und aus der Baobachtling weiß man, daß die »mn ^lüfblühen nötige Boden- Wärme durch,sckmittlich >z«hn Grad l>ettägt, und ieder Grad wemgep ecne Verzögerung von 10 Aagchr verursacht. Me Mpssnng der Bodentempenatur ist Uftthin, »venu man sie mit langjährigen Durchschnittswerten vergkei.üt, ein wertvolles Mittel für die Fern> »vettervorhersage.
,77- D«r Frerballon zur Erforschiiilq der Atm°. 's PH« re Sur die Untersuchuugsi der aimotzhärischen Borgänqe 'n de n ob eren erich-mt trotz Mrr B,-rvoMommdmq vw-
"Pf ,l at ? -R>«««US noch immer der Frmballm, am best«, geeignet. Kleber Probleme arrologischer Art, die mit Hilfe de-1 ^bAlons neuerdings gelöst wurden oder nock zu lösen sind, berichtet der PrometlMis. DMn Freiballon ivar z. B. die Fest- stellung zu danken, daß, während im allgemäinwr die Lnft mit zunchmendei^Hobe rrwwer kälter Wird, häuftg an klaren Wint-W^ tagen in Hoheii über 600 Meter die Inversion, d. b. Temperatur- umblu, Eintritt. /Dies istj von ^wesentlicher Bedeutung für die
^ .S««^ 2* der Atmosphäre, da
r« LusÜ,uvch.mffchung und die WokkeA-ildirng unbedingt vmst Frhlen lolcher stabilen schichten abhängen. Andererseits macki lentetts^eurer Höhe von 10 Womttteni dis „oberen Inverswn" geltend, in welcher jede vettikAe Lu^eweguna aufhött. Auch m den llnlersuchnnaen über A.ftwnchiigkett, Dolkenbildung, M.nst- und staubgebalt A den oberen Luftschichten lnAtt der Freiballon hervorragend^' M-nu. ^ ?Er kville wurde auch hmßckMich de. ElekttjzitäiH.a. '- von Everlmg noch in einer Höbe von 9000 Meter
6b,ft Oliven räumlickten Ladung Mi.
kkuft und der negwiven der Erde gemessen Bekanntlich erfuhr tmm, fcw ritltnKte ÄntsaNE her ,
Wrnimmt. ffmbanwutirtcrftutunum wrftai ,md, M ^rr hr,, in* bn emet Lvchftchrt dis 9300 SfelauSsÖK hn. 5&; 1 ' Mlrn ähnliche „durckchrAgende S^^g^ss^.^ach
^^ugfüglg^i Abnahme von ungefähr 1000 Mttei Hobe ab außerordentlich wäckch. so daß ihr kosmisch'- Urspmmz nimeski, „l. Untrr den n«,t unadlftm tiir tne 0min Betzracht Toimiu, fti* bnonbo N ILrnrr •
ÄSf™, ^ i i ai _r. b relt “ n<T d« Schalle, fotitr Bcuqü.m .!nri.ckwrrKmg ur* Brshung tu rnimi, mib iH>m LuftbvNm,


