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24.8.1917 Zweites Blatt
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Nr. 198 Zweites Blatt chl. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Veiltrgen: ..Gteßener ^amtlienblüttett' und Ureisblatt für öen Ureis Gießen".

-ostscheiNonto. Frankfurt am Main Nr. U686. Vantverkebr: Gewerdebanl Gießen

Seireral-Anzeiger für Gberhejfen

Zrettag. 24. August M

ZwrlltngSrundornck und Verlag:

B r ü hl'fche Unwersitäls-Luch-u.Steindructerei.

R. Lange, Gießen.

5chnftteitung. GeschästssteKe und Druckerei:

Schulstrape?. Geschäjisslelle u. Vertag:

Schriftlettuug: 112.

Anschrift für Tra ht/mchrlchrent AnzeigerGießen.

Wer anderen eine Grube grabt

ii.

Frankreich, Weltbankier a. D., steht geld wirtschaft­lich noch miserabler da als England; der übrigen Wirtschaft nach aber ist es in der gleichen üblen Verfassung. Der Mansch der Phrasen hat die Zeichnungslust nicht gestachelt. Gedeckt sind van den Kriegs losten durch langfristige Anleihen noch nicht 30 Proz. ,,^icg" undVertrauen", die man den Kriegsanleihen vorgeheftet hatte, haben also ein Disagio von über 70 Proz. ergeben.

Der Noten-Umlaus hat dre schwindelnde Höhe von bald 21 Milliarden Franks erklettert und will turntet nach weiter hinauf. Die kommunalen Geldzettel überschwemmest das Land bis zur märchenhaften Höhe. Wie dentt man sich, daß Dadal-os und Ikaros wieder herunterkontrneu?

^ Die Verschuldung Frankreichs an das Ausland gibt Steimnann--Bucher ntit über 50 Milliarden Franks an, und ein französisches Blatt (Journal des Ddbats) seufzt, daß bald die .Hälfte, die volle Hälfte des ganzen BolkSeiukom- Nrens von 33 Milliarden Franks nötig sei für die Deckung der Kriegsschuldverzinsung und der anderen regelmäßigen Kosten als Folgen des Krieges. Auf 275 Milliardett Franks rvrrd das französische Volksvermögen geschätzt, 100 Milliar­den Franks werden bis Ende ds. Js. die unmittelbaren KriegSkapitalschnlden betragen.

Kohlennot und Ern ährungs schwierig ketten drosseln be­reits die Gemüter. Dem Volk macht man weiß: für jdie heiligftett Rechte der Menschheit, die aber doch niemand! antasten wallte, bis eben die Entente sie zertrampelte.

Italien hat von feinen Kriegskosten nur ein Drittel durch langfristige Anleihen gedeckt, rund 20 Milliarden Lires stehen noch offen bei 85 Milliarden L. Volksvermögen. Das will gemacht sein. Lebensmittelnot, Kohlennot und andere Röte. Die Not ist das Einzige, was ihm nicht fehlt. Ein mieses Kriegs ziel.

Rußland hat noch nicht den dritten Teil seiner Auf­wendungen langfristig decken rönnen. 14 Mliarden Rl. (Rubel!) Notenumlauf sind bald erreicht: die Golddeckung ist unter dürftige 10 Proz. noch herabgesunken; die Noten- Druckerei ist überlastet, und wir werden es der russischen Presse ausnahmsweise glauben können, wenn sie sagt, daß das Inland für Kriegsanleihen nicht aufnahmefähig mehr sei. Der Rubelwert ist nicht mehr weit vom Wert eines Frank. Brodelnde Gärung, Wirren an allen Ecken: aber an den Mnanzen war nichts mehr zu verderben.

So nnd iticht anders ist der Hintergrund, aus dem sich dre gespreizten Großmannsgesten des für alle Rollert ein- gesptelten englischen Diktators grell abheben: linker Hand, rechter Hand rauchende Trümmer der Menschlichkeit, des Bölker-Neutralitäts- und Blockade rechts, über allem die schwarzen Schatten der vergewaltigten nationalett Selb­ständigkeit neutraler Staaten.

lieber Serbien liegen Angaben in der breiten Oefsent- lichkeit nicht vor, und eine Anfrage bei der serbischen Regie­rung hat keinen vechteu Zweck.

Wir wissen nicht, watm endlich drüben die Bertrunft aus der Narkose erwacht, wann man wieder sehen und hftren will L-ogrscherweise müßte es bald seitt. Aber Logik und Verbissen­

heit haben so wenig füreinander übrig, wie die Franzosen für die Engländer. Mag matt jenseits des .Kanals den Mund englisch-amerikanischer Dimensionen so voll nehmen wie man will, das Strafgericht kommt tnit lautem Krach, die selbst das gut entwickelte Sprechorgan eines Lloyd George nicht übertönt Niemals, solange die'Welt steht, hat sich trost- gehärtete Ausdauer vor dem Ziele mehr gelohnt als eben jetzt Denn ob sie wollen oder nicht: ©ie reifen dem Frieden entgegen. Der wird ihnen nicht gestatten, dett Deutschen ihr schmählich Joch aufzuzwingen, wir aber werden für unsere Arbeitsamkeit zu Wasser und zu Land freie Bahn vorfinden. Die uns sozusagen auch ohne Krieg gebührt hatte.

Aus dem Nelche.

Kleine Anfragen'im Reichstag.

Berlin, 20. Aug. Dem wieder zusammengetretenen Reichs­tage sind eine ganze Reihe von kleinen Anfragen zugegangen, aus denen wir nur die wichttgsten hervor heben wollen.

Mg. M ü l l e r - Meiningen lFortschr. Vp.> hat folgende kleine Anfrage gestellt: Den in Gefangenschaft befindlichen deutschen Unter­offizieren und Mannschaften ist ihre Löhnung bisher nicht gezahlt worden Ist der Herr Reichskanzler bereit, um das schlimme Los der in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten erträglicher zu «machen, die Auszahlung ihrer Löhmnrg durchführen zu lassen, so­weit die Gefangenen damit einverstanden sind und auch durch Aus­zahlung an ihre Angehörigen?

Der Abg. Werner (Gießen l-at eine 'Anfrage eiiigebracht, in dar eg heißt: Unti das bedauerliche Verschwenden gewaltiger für die Volksernährung sehr wertvoller Blutmengen zu verhüten, hat die Reichsleitung kürzlich angeordnet, daß das nicht rstuelle Schäch­ten von Schlachttieren zu verbieten sei. Ist der Herr Reichskanzler bereit, aus dem gleichen Grunde auch das jüdisch-rituelle Schächten zu verbieten, und das der jüdischen Bevölkerung gewährte Aus­nahmegesetz zu beseitigen? Weiter fragt der Abgeordnete au: Die deutsche Heeresverwaltung lat wiederholt aus die religiösen Anliegen der jüdischen Kriegsteilnehmer bet israelitischen Festtagen weitest­gehende Rücksicht nehmen zu müssen geglaubt. Das sorgsame Ein­gehen aus die seelischen Belange der Judenheit hat sich aber auch auf die gefangenen jüdischen Offiziere und Soldaten erstreckt. Es ist ihnen nicht nur zu rettgiöseu Feiern und zu Speisungen bei den in Deutschland wohnenden Stammesgenossen Urlaub aus den Ge­fangenenlagern erteilt worden, sondern man gab ihnen auch in der Zeit schwerster Einschränkung für die deutsche Bevölkerung ausrei­chende Mengen feinsten Weizenmehls zur Herstellung der rituellen Mazzotb. Belege für diese Dinge habe ich seinerzeit dem Haupt­ausschuß erbracht. Eine Zusage aus Abstellung ist noch nicht erfolgt. Ich ersuche deshalb um schriftliche Atttwort, ob der Herr Reichs­kanzler die vorgetragcne Beschwerde für die Zukunft gegenstands­los zu machen gedenkt? Schließlich fragt der Abg. Wenter > Gießen) noch: Die lästige Zuwanderung von Personen jüdischen Stammes aus Polett, Galizien und Rumänien nimmt allmählich, wie in Deutsch-Oesterreich, so auch bei uns einen bedenklichen Umfang an Ist dem .Herrn Reichskanzler bekannt, daß diese, wie die Polizei­listen austveisen, gewerbsmäßige Hehler, Taschendiebe und Lebens­mittelwucherer sind, idaß sie sich alle durch starke Abneigung gegen Reinlichkeit und körperliche Arbeit atlszeichnen, und daß sic durch ihre geschäftliche Veranlagung und eigenartige Gesittung für den unter «der Not der Zeit schwer leidenden Mittelstand eine besondere Plage und vom völkischen Standpunkt gesehen, für das Deutsche Reich eineu höch,t unerwünschten Zwoachs bilden? Was gedenkt der Herr Reichskanzler hier zu Lun? Mir genügt eure schriftliche Antwort.

Aus Stadt'und Land.

Gießen. 24. August 1917.

** Auszeichnungen. Telephonist August Ziegler er­hielt das Eiserne .Krmz zweiter Klasse btt den stampfen in Flandern. Unteroffizier Paul Reumann aus Gießett, der im Ostm im Felde steht, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Ein Sohn des Trüberen Kreisstraßenmüsters St. Eduard Senßfelder, zur­zeit Adjutant bei eitrcni Artillerie^Heerespark, erhielt die Hessische Tapserkeitsmedaille. mit dem Eisernen Kreuz wurde er schon im Winter 1914 15 nach erlittener schwerer Verwundung ausgezeichnet Seht jüngerer Bruder Hans gilt seit den Novembertagen 1914 bei Lille tu>d? als vermißt

** Ihre StlherncHo chzeit begehen heute Ludwig Euler und Frau. Bleichstraße. ^

** E in gefährliches Spielzeug befindet sich fett einiger int Besitz zahlreicher.Kinder Es handelt sich um eine Drahtspiralc. über die ein Stück Blech, in Form 'eines Pro­pellers, geschoben lvird. Dieses mtt scharfen Kanten versehene Blech wird durch schnelle Schiebung vermittels eines Ringes in die .Höhe geschleudert und hat schon manches Unglück herbeigeführt. Namentlich lann das Spielzeug für die klugen der Kinder, aber auch. Erwachsener, gefährlich werden, weil das Blech durch die Spirale starken Schm mg erhält und böse Verletzungen l>erber- führett kann. Vorsichtige Eltern sollten diesesFlugzeug" nicht in den Händen threr Kruder dulden.

Auf den Gpfern und den Waffen ruht der Staat. Opfert euer Said auf dem Altar des Vaterlandes!

Die Holdünkausstelle

in den Räumen der Dezirkssparkasse Gießen ist morgen von 10 bis ui Uhr geöffnet!

Kreis Büdingen.

L Büdingen. 22. Aug. Das Verdien st kreuz für Kriegs«

Hilfe erhielten für Verdienst^' um die Werbetätigkeit für die Kriegsanleihen folgende Herrn im Kreise: Schulrat Baldaus- Büdingen, Dekan B r i l l-Ober-Widdersheim, Ptarrer Gödel- Büdingen, Pfarrer Kah n-Ortenberg, Amtsgerichtsrat K l i e l s ch- Büdingen, Oberamtsrichter Tr. Pu s ch-Ortetä>erg .Geh. Justizrat - R a b e n a u-Büdingen. Rechner der Bezirkskasse Nidda Rings- Hausen, Oberamtsrichter R ö m h e l b-Nidda imd Lehrer Stör k Ältenstadt.

Kreis Alsfeld.

rr. B e r n s h a u s e n , 22. Aug. Tic in vergangener Woche hier vorgenommene Sammlung für die U-Bvot-Spende ergab den Bettag von 56 Mark.

up. Ruppertenrod, 23. Aug. Ter Bernichtungskrieg unse­rer Schüler ge^en die K o h l w c i ß l i n g e in unserer Gemarkung hat mm sein Ende gesunden. Eingebracht wurden von der 1. Klasse 33 600 Stück, von der 2. Klasse 16 434 Stück, zusammen 50 034 Kohlweißlinge. Trotz dieser erfolgreichenFliegeriagd" ist doch am Gemüse Schaden zu beobachten. Dieser kommt aber weniger von den Kohlweißlingen her, sondern vott einem atidereit, weniger bemerkbareit Schmetterling, der Gemüseeule. Auch .Erdflöhe fehlen nicht. Wären die Kohlweißlinge mich dazu gekommen, dann wäre das Sauerkraut eingenrach/t gewesen.