Nr. M
Zweites Blatt
167. Jahrgang
Erscheint täglich mir Ausnahme des Sonntags.
Set lagen: „Gietzener ZamilienblSttett' ,md „Breisblatt für den Breis Stehen".
-ostjcheSranto: Lransintt am Main Nr. U686. Bantverfehr: SeVerbebimk Kietzen.
General-Anzeiger für Obsrheffen
Sam5iag?1?. r-sguft >4«?
Zwillmgsrundoruck und Verlag: Brühl'fcheUnioersitäts-Bnch-n.St indruckert .
R. Lange, Gießen.
Schriftleittine, GeschästssteLc nn6 Drnrkerel:
Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag:
Schriftlenung: 112.
?lnschriftfnr Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Ar«K Stodt und Land.
Gießen. 16. August 1917.
„Felicitas temporum."
„Felicitas tempornm", ,Mück ber Zeiten", lautet btc Unt= schirrst «iif einem Goldstück, das ans besonderem Anlaß in einem, alten, rin preußischen Geheimen Staatsarchiv vermährten Bericht erwähnt wird. Dieser Bericht enthält den ddachweis über Spenden, die das Breslauer königliche Mllitär-Gouvememmt im Jahre 1813 zur Wiederausrichtung des Staates rrnd zur Aufstellung der Armee gesammelt hat. Der Spender der goldenen Münze war Äarmann S., „zehn Jahre alt, ans seiner Sparbüchse". So brock) te ein Kind, unmündig noch aber doch schon erfüllt von dem Bmrntzltsein, daß das Baterlarrd in seiner Not nicht im Stick) gelasserr werden dürfe, seinen Besitz dar. Und dieses Opfer war nur eines von den vielen tausenden, die in jenen tiefernsten Tagen von der .Jugend einer großen Sache geweiht wurden.
Wer die Akten der Befveinngskriege durchbl ättett, lnaucht sich der Rührung und eitler Dräne nicht zu schämen, wmn er liest und immer wieder lieft, welch glühende Freude am Geben in der Brust derer lebte, die ihren Jahren nach! nur zum Empfangen da Ku-ftin schienen. Ta gibt Luise von Reckow ans Berlin, „neun Jahre alt", ihren silbernen Fingerhut: Zwei „Patriotisch geiimrte Mädchen vom Lande in der Nähe von Schweidnitz, wö- von die <6teste vierzehn Jahre alt ift^", bringen drei Dukaten und einen goldenen Ring; ein paar junge Mädchm geben „vier Ga- lanterierin^e, einer mit einem kleinen Chrysopas und einer mit .kleinen weißen Steinen": ein. vierzechnsähriges 'Mädchen bringt ihre silberne Strickscheide und dergleichen dLährings'!;, von „um Ueinen Mädchen" laufen eine Gerne silberne Kasserolle, eine silberne ^Kinderklapper nebst drei alten MLnzen ein, und „das Fräulein von Raumer. Tochter des danialiaen KomnrccndantenI General-Majoh: von Raumer zln Neiße, opfert in ihrem füns- zelmjahrigm !Mter ohne franche Eiuwtttting ans freiem Trrttre ihre Pretvos-m dem ^Baterlande."
Diese kleinen Heldm und Heldinnen wuchsen heran, gründeten einen Hausstand irnd sahen selbst Kinder und Kindeskiw- der erblühen. So sind durch das Band des Blutes die heuw Lebenden mit ihnen verbunden, so wirkt das, was damals ge-, uan wurde, gleiten einer geheimtrisvollen Zauberformel durch die Geschlechter, Irnd >der Ruf „Tuet desgleichen!" hallt aus dem >hattmrerch in Misere lebendige Gegenwart hinüber. Unsere heutige Jugend hvaMlt sich fürwahr vor jener Jugend nicht Zn schämen. Vom .ersten Kriegstagc an haben unsere Jungen und Unsere Mädel mit ungestümer Freudigkeit und aus eigenem Wollen, ohne einen Fahneneid zu. schitvöven, aber mit treuester .Hingabe ^Kriegsdienst" getan. Bleibt nun nichts mehr zu tun? Regt sich in manchen jungen .Herzen nicht mehr die Frage:, „womit kann ich meinem Vaterland noch weiter nützen? Gibt es nicht noch irgendein anderes Opfer, das ich ihm leisten kann?"
Ihr Kinder, es gibt :wch einetz, und es ist nicht einmal allzu groß. Bon einem kleinen Mädchen wird erzählt, es habe zum letzten Weihna-chtsfest dem Vater im Schützengraben etwas schicken wollen und habe ihm das Liebste, was es sÄbst 'besaß, hingen sendet: seine Puppe. Das ist kindlich imüberlegt und dennoch groh. Nun denn, ihr bef&t rnanches und Besseres, und ihr körmt es dem Deutschen Reiche, das euer all-er Vater und Mutter ist zur Berftiigcarg ftegert. DaS find gofbeat Schmucksachen, die ihr geerbt, die ihr geschenkt be - mm : «sr hobt.
Das deutsche Vaterland b vc v-A Gold. Laßt eirch von eimat und Lehern erklären, warum es zur .Kräftigung seines Besitzstände?, xirr WiedttherstMmg pktter- MnrichtuTvgm nach siegreichem FrieiLßi. Gold in seinen Kassen braucht. Was ihr zu den amtlicken GoldanLaffsstellm bringt, bekommt ihr zum vollen Goldfeinwert bezahlt, und ihr könnt eure Sparbüchse mit dem Erlöse ber-eübern. Ihr habt zugleich das schone Bewußtsein, zur Sicherung und zum Wohlstand des geliebten beirtfdrnt Landes beigetragen zu haben, zum „Glück der Zeiten", zum Glück unserer Zuftmft!
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** Petroleum erst vom 17. September ab. 'Ursprünglich war ungeordnet worden, daß der Verkauf von Petroleum an Verbraucher bereits am '31. August ds. Js. freigegeben würde. Um aber möglichst sparsam zu wirtschaften und in den Winter- vckmaten zu reitepm . ist dieser Termin verschoben imd am den 17. September verlegt Nwrden. Das Verbot, Lemhtöl an Wieder- verkänfer abzusetzen .endet nach wie vor Mit dem 31. August ds. Js. Dü Pettolmm-gestellfckwftm sind älso in der Lage, in der Zeit vom 1. September ab die verfügbaren Pettolmmmengen auszufahrm, so datz die Verbrauche! damit rechnen Emmen, gleichzeitig.mit dem
Uebergvn.g von der Sommerzeit zur Winterzeit, der bekanntlich am 17. September erfolgt, wieder Petroleum zugewiesen zu erhalten.
** Neue Maßnahmen gegen das Hamstern. Da neuerdings das Hamstern von Kartoffeln, insbesondere Fttih- larbosseln ^ und sonssigm, nicht im freien Verkehr befindlichen! Erzeugnissen in erhöhtem Maße eingesetzt hat, sind wieder neue ständige Gendarmerie- und Militärpatrouillen zur Bekämpfung des Hamsterns eingerichtet und in Gang gesetzt worden. Vor allem werden auch die Eisenbahnstationen polizeilich und militärisch überwacht und bei den .Hamstern alle nicht dem freien Verkehr unterliegenden Erzeugnisse bes chla g n a h m t u n d a b gen am m e n.
*,* Der E d e l h a m st c r. Uns wird geschrieben: An eine na ttwgeschichtliche Mlerkwüedigkctt sei hier nufii gedacht, viekniehr an ein Elernent, das ans den wirtschaftlichen .KriegsVerhältnissen heraus geboren ist. Zu den gCwölnrlichen Hamstern, die überall und allc- z-stt hamstern, was ihrer Gier erreichbar ist und unter die gesetzlichen Einteilungsbestimmungen gekört, ist ein ganz neuer Typ ge- .konrmen: der Edel Hamster! Er hamstert nicht aus niedrigen, sondern Men Drieben heraus. Er hamstert auch- nicht für den eigener; Magen und die eigene Person, sondern für einen Kranken, Mten und Schwächlichen. Er wandelt aus seinen .tzpmsterfahttm wie die m me Haut geschlüpfte Wcfopferungsfähigkeir umhdr. Er hat seine eigenen Verkehrsjorrmm und sein ureigenes Gesetz!. Ihm ist sogar schon, eine Rasseneigenti'tmlichkeit nack)znweisen. Er redet mit nn- derer Zunge als sein „minderwertiger" Mitbruder, insofern er näm- lrch inehr fordert, als bittet, rmd sein Vortrag über ^lächstenliebe nno Gerechtigkeit verfehlt selten die erwartete Wirkung. Mit dem gewöhnlichen -vamster zieht der Edelhcnnster mcht genreinschastlich eine Straße. Er halst ihn sogar', schimpft über ihn, verachtet rhn aus trepter Seele hevaus und stellt sich weltenweit über ilpr.
* In validenversi che ruu g. Ter Kckegsteilnehmer R. ^n Lang-Gstns, der vor einiger Zeit auf dem Feld der Ehre gefallen ist, hat früher lange Jahre hindurch Beiträge! zur Jnvalidenversicheru'.rg geleistet. Seine Witwe stellte deshalb für ihre minderjährigeri Kinder Antrag a n f Wa i s en r c n t c, mußte aber die Erfahrung machen, daß die Anwartschaft auf Rente bereits erloschen lvar, weil ihr verstorbener Ehe- maiat vor seiner Einberufung nicht die Mindestzahl der zur Auf- rechterhaltmrg der Amvartschaft rrotwendigen Marken geklebt hatte. Er hatte dies ;vohl, sofern er am Leben geblieben, noch nachholen! rönnen, doch ist eine Nachentrrchtung der fehlend-m Beiträge durch
gehörigen kann den Kriegsteilnehmern nickst dringend genug geraten werden, sich in allen derartigen Fragen an die Verwundet en-Beratungs stelle (Sprechstunden: Dienstag imd Freitag von 2 1 / 2 bis 3Vs Uhr im Soldatenheim! zu wenden.
** Miniderwertige Rezepte. „Nach lmrgem!" ist es Herrir Jo sch Mayer in Freilassing in Bayern gelungen, ürr Waschmittel ohne Fett rmd ^Oel in festen Stücken herzustellen. Das Re- zerst kostet „nur" 20 Mark. In Anlretracht dieses lwhen Preises sollte man glauben daß Herr RÜayer ein garrz besonders wertvolles Geheimnis verrate. Tern ist aber nicht ßo. „Es werden 3,5 .Wo Kreide, gewöhnliche, geschlenmtt mit 0,5 Kilo Federweiß vermischt. Dann löst man 100 Gramm Laugen stein in 1 Liter Wasser, gießt dies auf die Masse, knetet selber unter Zri g<Ä«e von Wasser gut durck), bis diese kittarttg wirH. Nachher wird selbe geformL und ist ist einigen Tagen gebrnuchssertrg^tz so lmttet das R^ept. Man steht, es wird hier ein Berfabrerr angepriesen, das allgemein bekannt ist. Das erzeugte WirschrMtel ist geringwertt'g und gleicht den vielfach jetzt inr Verkehr befindlichen minderwertigen Reinigungsmitteln. Aehnlich verhalt es sich mit den Rezepten, die Mayer zur .Her- sttllmig emes Masck>- rmrd Putzmittels zum Preise von 10 Mark, eines Kaffeefnrrogates zum Preise von 20 Mark, eines Rezeptes für ^nppe.nwürze zum Preise von 5 Vtark, eines Rezeptes für Salatölersatz zstm Preise von 5 Mark anbiettt. Die Rezepte .des Herrn Mayer bringen dnrckyveg nichts Neues. Wer ein sachliches Interesse i^rvan hat, weiteres über Malier ittrd seine Rezepte zu erfahren, ivende sich dirserl-alb an die Zentralstelle zur Bekamp- 1 nng der Schw in del firmen in Lübeck. Auf Grimd der reichen Erfahrungen, die >diese Stelle gerade airf denk Gebiete des Rezeptschwirtdels gesammelt hat, kann sie mrr dringend davon abraten, sich auf iebe-? noch so verlockende Rezevtangebot einzulassen, eke >m«an sich bei ihr oder an sonstiger zuständiger Stelle näher über den Ruf der cm Preisenden Firma und den Wert iltzes Rezeptes erkundigt hat.
Landkreis Gletzen.
** Grüningen. 18. Aug. Gardist Älht Hammel, Sohn des Landwirts Ludwig Hammel, bei einem Garde ^Infanterie-
Regunent, em noch junger, seit Dezember 1616 an der Front stellender Soldat. wurde wegerc hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eismnen Kwcnz ausgezeichiet.
Klein-Linden, 18. Aug. Heute feiern ihre Silberne Hoct:zeit Georg Görnert und Frau Marie geb. Schreiner.
.... ^^ug. Lairdsturmmmin Emil Buß erhielt das
Erlerne Kreuz 2. Klasic sowie das Hessische Allgemeine Kriegs- ehrenzerchen. Bnß ist bereits^28 Monate im Felde.
o, X A l) d heim , 18. Aug. Den Heldentod fürs Vaterland starb am ckl.^üll in Flandern der Feldartillerift Heinrich Aug. Kroll. Zwei.^ahre vor.Kriegsausbricch diente er als Freiwilliger bei einem thüintkgilchen Feldarttllerte-Rcgiment. Mit echter Begeisterung zog er rir den Kampf für sein Vaterland. Vor vier Wochen weilte er, ^üt dem Eisern en Kreuz und der Hessischen Tapserkeitsmedaille geschmückt, ans 'Urlaub in der Heimat bei seinen Angehöriger!. An der Spitze der Mimitionsfahrer seiner Batterie siel er im feindlichen Trommelfeuer bei der letzten englischen Offensive. Finnen Eltern die den Verlust ihres ettrzigen Müdes beklageir, gilt die Terlna-hme der ganzen Gemeinde. — Am Dienstag unternahnr das ^ 1 c H ^n c r „K rieg s" - Gemüseanto seine schon längst ge- plcntte Rimdreffe durch die GemÄnden des .Kreises, irm von der -andbevölkerrmg Gemüse aller Art ff'cr die Stadt aufzukausen. In denr äußersten Winkel des Kreises, in Rabertshausen, anfangend, berlirrtc es die verschiedensten Gem'einden in der Umgebung von Hungen. In der ^Hauptsache komtten Römischkohl un.d Gurken ver- krachtet wcrdeir. Für Bohnen, die vor allem ettvünscht waren, kam daS Auto leider einige Wochen zu spät. Wenn auch die gehegten Er- ^afirmgen bei dieser er)teil Rundsahrt des Gemüseautos nicht ganz erfüllt ivnrden. hat dies Unternehmeir ^ennoch> manches Gute zur Folge. Was früher an liberffüffigenr Gemüse als Viehsutter verwandt wurde oder einfach zugrunde ging, kann jetzt der Mensch- luben Ernährung zugänglich gemacht werdnr. Die Landbewohner werden mit den Marktpreisen der verschiedenen Gemüsearteir bekannt und lernen nun auch den Gentnsebarr als eine gute Einnahme- gnelle schätzen. Es ist daher sowohl iml Interesse der Städter, als auck) der Landbewohner wünsckrenswert, wenn das Auto noch mehrmals diese Rundfahrten unternimmt. Vielleicht wäre der Allgemeinst gedient, ivenn das Unternehmen audy späterhin zu bleibender Einrichtung geinacht würde. — Am Dienstag zog gegen Mittag ein sehr schweres Gewitter über Unser Dorf. Ein Blitzstrahl schttrg m die gefüllte Scheuer des Bergwämrs und Landwirts Otto Nagel em und zündete alsbald. Nach Kurzer Zeit rtxrr die ganze Scheuer ttotz des fcTrr hefttgen Regengitffes und der rechtzeittg an Ort und Stellv ttngreifenden Ortsfeuerwehr gänzlich mrsgebrannt. Der Beicher iit zum Glück versichert.
** Steinberg, 17. Aug. Der Schütze Karl Michel in emem Jnf.-Regt. wurde mit der Hessffchen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet.
der .Rabenau, 17. Aug. Wir haben hier nun Man ieik drei Wochen Regenwetter. Es verging in dieser Zeit kern Tap, ohne daß es wenigstens emmäl geregnet hat. In letzter Zeit wehrten ftf> die Gewitter, die besonders am 16. ds. Mtt viel Regen lnachten. Die landwirtschaftlick)en Arbeiten sind durch diese schlechte Mtteruiig nattttlich noch sehr im Rückstände. Uoberell (net den Feldern stehen die Kornhaiifen. Die Gerste liegt abgemäht aut Boderi. kam: weder trocknen noch eürgefahren werden. JÜ, bei Manchen Frnchthausen beginnen die Körner auszarsckLaoen. Sv >mw7che Hoffnung scheint durch das ungünstige Wetter vernichvet zu werden. Dnu bei längerer Daum Lönneir auch die SpMrr- toml n erh ÄLuh unter der Nässe Schaden leiden. So mrssichtsreich die Ernte in unserer (?>egerch> erschien, so kann mten gegenwärtig ttnter verärckerten Umstanden noch kein sicheres Urteil :lber ihren Ausfall fällen.
N* KrrkS Frlcdderg.
17 ' Wuy- Die von der hiesigen Polizei gegm den Schleichhandel gerichteten Maßnahmen werdän immer noch zu umgehen versucht. Vorgestern wurde ein heimlich abge ^ chl-achtetes Rmd und gestern ein Mastkalb von der Polizei abgc- fangen Tu ^ure waren zerlegt :md, wie in fn'iheren Fällen m Reffekcuben verpackt. Das Gewicht des Fleisches bettng übm V Zentner. In ettva 10 Tfagen sind — soweit es bekannfi ivorden — idwrcb die Polizei über 800 Pfund Fleisch be- ckllagnahntt, das hiesigen Wirten heimlich zugeführt werden sollte Wenn die Schmuggelei nicht aufhört, wird es wohl zu dev von der Polizei angedrohten Schließung von .Hotel- irnd ähnlichen Betrüben Sonrmen.
Starkenburg und Rheinhessen.
^ Bens he im a. B., 16. Mgust- Ein hiesiges 18jährigeS Dunftwädchen, das von einer Familie wegen eines Debstahls zur Rede gestellt Wurde, erschoß sich mrs Scham darüber nttt einem Revolver.
N«r?st nni> rvcssenschatt.
— Wie sehei: die Deutschen aus? De als uumitttl- bam Kriegsfvlge zu verzeichnende Vertiefung rmserer Volkskunde sowie die mmmigfachen- oft alle Grenzen der primittvsten Vernunft ittbersteigendeu „ivissenschaftlichen" Behauptungen unserer Gegner lassen frmte die obige Frage als ziemlich, selbstverständlich erscheinen. Jklue Beantwortung, wie sie Kuno Waltentath in der Zeitschrift „Niedersachsen" gibt, ist um^ so interessanter, als in dieser Hinsicht auch bei vielen Deutschen, eine ziemliche Dunkelheit herrscht. Bor kirrzem !morde beispielsweise deutscherseits die Behaichtung ausge- steM, wie die Engländer keine reinen Germtenen. sondern Anglo- kelten seien, ebensowmig seien wir Dattsche reine Germanen, sondern im Grunde bloß Germanoslawen. Dies ist durckxms falsch, denn als Deutsche mit stawischem Blut können allein die Ostelbier und Oesterreicher in Bettacht kommen, da nur auf ihreni Boden Slawen wohnten. Tie Ostelbier sind meist denffchen, niederländi- sck>en. vlamischen, selten wallonisckien:rn!d französischen Ursprunges, ziemlich das gleiche gilt.für die Deiutsch-Böhnre:: und Deutsch- Molpen, während die Oesterreicher im Südeir von Böhmen Und Mähren, hmrptsächlich süddeutscher, und zwar besonders bayerischer Abstimmung sind. Des erklärt auch die auffattende Verbreitung der brünette:: Farbe unter den Oesterreichern, da die Bayern im allgemeinen braun sind :md ebensolche oder dnnkelgraue Augen haben. Tritt man der Farbe näher, so stellt sich unweigerlich heraus, daß imsser Volk, trotz der Vermischung mit fremden Völkern und Rassen, Nicht wesentlich von den Germtenen Hermanns des Cherus- kers atondtf, Und zwar am wenigster oder gar nicht im niedersächsischen Norden, etwas ntthr beim ttänkischen und tkn'iringischen Stan:m, während verhältnismäßig am meisten verschieden der Bayer und Alemanne siird. Gutes Materickt z:rr Feststellung der natürlichen Abweichung vom durchschnittlichen Typirs lieferte eine Ende der 70 er Jahre in Dnffchland irnd der Schweiz an Schulkindern vorgenommene Untersuckynrg der Haarfarbe. Prozentual stellte man in Oeslerreick) 19,79 Monde und 23,17 Brmme fÄ, in der Schweiz 11 10 Blonde und 23,70 Braune, in Süddeutschland 24,5—18,4 Blonde und 19—25 Mcnrne, in Mitteldeutschland 32,5—30 Blorrde und 18—13 Braime, in Norddeutschland endlich 43—33 Blonde lmh nur 12—47 Bnairne. Der übrige Prozentsatz wird ans Leuten gebildet, die einem! MischlypUs an gehören, z. B. Dinkelltaariac mit bellen :md grauen Augen, häufiger noch Blonde mit braune:: Äugen. Unbedingt feststehend ist die Zsunahwe des blmrden Typus nack) Norden :cud bem Meere hin, bk des bjmften nack> den Alpen Mr. Schleswig-HÄstern und Oldenburg haben Mit 43 Potent die blondeste BevSlSerMrg. ihiven folgen Pomwo-rn imd Mecklenburg mit
42 Prozent, dann sind Hännover und Braun schweig .zu nennen. Erwähnt seien noch einige kleine Merkwürdigkertlm. So ist in Hessen die Bevölkerung der Hochflächen blonder als hie der FlUßtäler. tvas übrigens auch für das mittlere Rheinland yilt. Am Niederrhein nnedernim findet man lichtere Menschen als am Mittelrhein. Im Osten hat Hintcrpommern die meisten blonden Leute, die über- ttupt zu den hellstm in ganz Deutschland gehören. In der Provinz Brandenb:rrq wiederum^ ist die Bevölkerung des Regierungsbezirkes Potsdam blonder als die des Regierunqsbezttkes Fran'ksntt. In Norddcntschland sind die Großstädter weniger blond als das Landvolk, während si'ir Süddeutschland das Umgekehrte gilt. ?lnch die antlmopologischeu Untersuchirngen stellen die eingangs erwähnte Be lavptung als irrig hin, wie es ja auch vollkommen falsch ist, in jedem brünetten Ostelbier erneu Abkömmling der Slawen zu sehen. Bekanntlich sind im Gegenteil viele Slcrven urbloich. In seiner Gesamtheit stellt das deutsche Volk sich also unbedingt als echter Nachkomme der Germanen airs der Zeit des Cherusker - Her- ma:ms dar.
— DaS Museum geretteter Kunst in Mau8euge. Wahrend der Krieg bereits so viele kostbare Musenmsschätze sehr beschädigt oder gänzlich verrichtet hat, soll jetzt eines Museums gedacht sein, das im Gegenteil dem Krieg seine (tt:tstehung ver- dankt. Es handelt sich um das durch deutsche Rettungsarbeiten/ geschaffene Museum „Au prrnvre diable" in Manbeuge. Als sich in diesem Frühjahr an unserer Westfront eine der größten Heeres- bcwegungen der Kriegsgeschichte, die Rückwättsbey-egnug zur sog. Siegfriedstellung vollzog, war unsere großzügige OrgNTrisation bemüht, nicht nur für das eigene Material zu sorgen, sondern auch dre wichtigsten französischen M-rte aus dm neuerdings durch das serndliche Fmer gefährdeten Ortm in Sicherheit zu lmingen. ?lm wichttgstm erschien, wie in einer Schilderung dieses Rettungs- rveckes :m nachstm Heft der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinmdm Zeitschrift „Ueber Land und Meer" ausgeführt toirb, die Bergung der :mersetzt: chm Kunstwerke aus St. Qnenttn und Umgebung. Der Umsicht, der Sachkmntm's und dem aufopferungsvoNm Eifer der dmtschm „Barbarm" gelang es denn m:ch tatsächlich, alles wirklich WMtvolle vor DettMtung zu bewahren und in mehrerm tausend. .Kistm nach MnkbMrge zu überführen. Da natürlich Zeit, Kräfte und Transportmittel nicht ut unbeschränktem Maße zur Verfügung standm, mußte eine Auswahl getroffen werden, mit welcher der .Knnftchistoriker Leutnant Freiherr vm: Hadeln vom OberkomuDnido der dortigen Armee beauftragt wurde. Des drrngendstm Interesses wett war vor allem das Museum L^ttrper, das die berühmte Samluua von Pastellm La T^rrS besitzt. Außerdenr s«h n«h ^
tnele Gemälde und Plastikm, um kirchliche Kunst und Kmrstge- w^rba .Am schwrerig-ften gestaltete sich das Herausnehmen und B:rrückpihren der Glasmalereien aus dem Chor der bedrohten NchsckA! .Kathedrale. Diese ungeheure Aufgabe wurde von ei:vem Pnnnettomnrando in Gemeinschaft mit einem deutschen Kunst- glasermerfter bewältigt, indem man die bis 12 Meter hohen Fenster zerlegte, in Kisten packte und diese Arbeit auch noch wäh- rend der Beschießung fortsetzte, bis Verluste Einhalt qebotm. Die „Barbartt ^grng aber noch weiter: „Man wollte sich nicht mit der gl etchmaßrgert Magazinierung der Kunstwerke begnügm, da jederzeit von dm Franzosm in Holzsistm :mter- gebvachtm Pastelle, Gemälde und wettvollm Bücher Schimmel- soffen und andere Schädigungm aufwiesen. .Kurz entschlossen fchrrtt man zur Zusammmstellung eines Museums in Maubeuge :vobe: dem .Künstlnstottker der Bettiner Arcksttekt Lmtnant Keller bcngegAm wurde uich die militättschen Behörden in Maubeuge das Konsettrvnshmis Au pauvre diable" als Ausstellungsgeväude n^erwief>n.^Man durchbrach Mauern und zog neue, man umkleidete ctfenre Träaer als Säulm und bespannte die Wände mit qe- n serdenstoffm, so daß innerhalb weniger Wockim ein würdiges Mnse:nn gescbaffm war. dessen Raum- und Lichtverbältnisse den anfzunehmmdm Werken mtsprackx'n. Wenn man vom Haup!- platz ans das Gebäude bettitt, gelangt mau zuerst in einen Raum mit vottmegend ftrchlichm Plastiken. Unter dm lvettvollstm Bildwerken ans der Kathedrale von St. Quentin sindet sich hier die
cw, Ick Jahrhundert ^mende, ein Musterbeispiel der
Hochgotik ^darstellende Marmorstattle des heiligm Quinttnns J-m Stock betritt man zuerst den Empttesaal. von dessen rvter f ^ bcT ?«rmorne Kopf des Napoleon von Ea- nova abhebt. Hier mrd^auch zwer Arbeitm dmtscher Mnstler zu bemerkm, nanllich ein ^undmwll des Augsburgers Johann Rot- tmh^mer und eme ^eiellschaftsszene im Park" des 1774 vm- ^l^n VMm Emst Diettich. Nun folgen „die Obetticktgalerie mtt dem ^.Weißen Saal" und dem „Gttwm Zrmmer . wo sich der /^arpttchatz detz Museums befindet: die ^rmnünng von mehr als 80 Pastellm La Täurs. Außerdem sind
und lvettwlle Möbel :rntergebrachf ^ endlich gibt den lieber -
Mnseum, das mrr einen llemm deichen Triippvi geretteten Schätze atsizunehmiw verinochte, ist se:t kurzem für dre Angehörigen der ?lrmee wie auch für du franzomche Bevölkerung geöffnet. Es bandelt sich ^.^.^!usten Dokumente jener Kriegskulttrr, die ,mb des-Allinmm^n mit rittfm


