Ausgabe 
10.8.1917 Zweites Blatt
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Nr. M Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen: ..Giehener ZamillendlStter" und Kreisblatt für den Kreis Gießen".

-ostschecktonto: $Mitffurt am Main Nr. Uö8ö- Vantveriehr: Gewerhebank Ziehen.

Blatt Jahrgang

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

Kettag. fy. August

ZwillingSrundüruck imb Verlag: Brühl'fthellnioerstläts-Buch-u.Steindruckerel. R. Lange, Gießen.

Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße 7. Geschäftsstelle u. Verlag; K,

Schristleitung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeiqerGießen.

Zur Berufung Schiffers in das Reichsschatzamt

schreibt die Natt. Korrespondenz:

Mit der Berufung des Obervertvaltungsgerichlsrats Schiffer tritt ein Meuter nöfoofrailltberoler 'Parlamentarier in die Regierung ein. ^ier tst ein Parlarnen tarier mit entern Amte betraut ivorden, reffen Bckeutu«^ bei alter Wertschätzung der fachmännischen Grund­lagen doch ru der voll tischen Wirkung liegt. Schiffer wrrd als Unter Itaat^kvÄLr des Reichsschatzanttes ent Arbeitsgebiet erhalten, das zunächst me Lteuergesetzgebung mtd im- wetteren Zusammenhang Eh, ^ ^öUe umfaßt. Es wird nwhl im ganzen Rah-

® cr Reü^leitutig und Reichsqesetzqebluig fern Etnzelqkbiet ge­ben, dr^ M der tzwgemoart und in der Zeit itach dem Kriege wich- .piobfejne m ftch schließt, als die StLüevgesetzgebung. Sehr an sich bÄienüend genug ist!, tritt dagegen ME. Es tft «Ähalo -gUMWlfätMch vcm Wert, daß hier einem Parlmnentarier die Lellu^ ubertragett ist.. Weiter tritt aber auch in dieser Tatsache >mich deuUtcher als bisher das Bestreben des Reichskanzlers zutage, mLl der Bottsoeri'i-ernng etn BertranensverMtnis anzubahnen. Es imrv ein Schrttt uletter in der Richtrmg getan, in der sich die Par- lwnQttarotemng der Regierung volltzrehan soll. Ms Untsrftaats- feiretär im ReuWschatzamt wird der ?lbgeordnete Schiffer für beide ^t-eM «gprieW.ch zwisckstn Regierung und Reichstag vermitteftt kön- m ^dne ^lzerige enge Fühlung mit den Fraktionen des Reichs- tages, d « alle Gleicherweise in ihm den gewandtst und zuvor- ro-um«emxn DarkaMMtZkollvgen schätzen, wird der Regierung bei choert künftige Beziehungen zum Reichstag große Dienste leisten. Was btsyer an sH'ihftutgttahme vermißt, was durch gegen, ei träfe! Mitzverstandntsft versäumt wurde, kann m Zukunft besser gemacht werdQt. Wir begrüßen also die Berufung des Abgeordneten Schiffer in die Regierung gerade auch deshalb, weil sie die Parlämentart- sterung in ihrer praktisch ivertvollen Form! vervollständigen Hilst.

Wir dürfen onnetzmen, daß Herr Schifftr selbst aus drese poli­tische SdLe seiner künftigen Amtsführung großen Wert legt. Er ist Nch«m! auch entschlossen, seine parlar.wnürrisckst Laufbahn nicht ab- ÄffcWetzen. DaS Reichstagsmandat wird der Abgeordnete >L>chiffer alleMngs ausgeben, da er zum Mitglied des Buudesrates wnannt werden wird und bekanntlich nach dem Artikel 9 der Reichsoer- sasfimg eine Bereinigung beider Mandate in einer Person unzu- lchsig ist. Dagegen wird der Abgeordnete Schiffei: Mitglied des preußischen Landtags bleiben. Wir freuen uns, daß er diesen Ent- i ckKuß g esüßt hat und daß seine Berufung tu die Regrerung erfreu­licherweise nicht zugleich das Ende in der Laufbahn eines wert- geschcchteu Parlamentariers bedeutet.

Achiffer ist: <mr 14. Februar 1860 in Breslau geboren, wo er das Gymnasium besuchte totb anfangs auch Rechte und Volkswirtschaft studvwtL. Er besuchte weiter die Universitäten in Leipzig und Tü­bingen. In seiner juristischen Laufbahn wurde er 1880 Amtsrichter in Zabrze, von tt» er im Jahre 1899 in gleicher Eigenschaft nach Magdeburg versetzt wurde. Dort wurde er int Jahre 1900 Land- richten Bon 1906 bis 1910 war er Kwümergerichtsrat, seit 1910 Oberverwoltungsgerichtsrat in Berlin. Schiffer wurde im Jahre 1912 iw 5. DÄgdeburgischen Wahlkreis Wolmirstedt-Neuhaldens- leben in den Reichstag gewählt. Er vertritt seit 1903 im preußi­schen Abgeordnetenhaus den Wahlkreis Magdeburg-Stadt. Schiffer ist auf dem Gebiete der furistischen Literatur iah der politischest Abhandlungen ein angesehener Autor. Aus letzter Zeit seien er- wWtt seine Broschüre über den Berftrsftrngsausschuß und die vor- bSdkch Lwrmentierte Astsgäbe des Hllfsdienstgefttzes, die er xu- sanrmeu Mit dem Abgeordneten Tr. Janck besorg hat. _

Aus Stadt ttttfc Land.

Gießen, 10. August 1917.

** AstsHeichnuQg. Dem Chemirer Dr. Ludwig Möser itm Chemischen llntersucchülgsamt für die Provinz Obierhessen! wurde vorn Gvoßherzog das Kriegsehrenzeichen verliehen.

** D a s Kr i eg s ehr enzei che n haben erhalten: Der Ver­walter und Rechner Carl L o tz, der Werkmeister Andreas Schrö­der, der Oberwärter Jakob' Mjitsch, die Haushälterin und Vorsteherin der Kochschule Frau .Käthe Koch, die W'eißzaug- beschließerin Frl. Luise Gail, der Sanitätssoldat Johs. Th eis. Das Militärsanitälskreutz die OberwärtergehilsÄt Joh. Bhil. Fischer und Heinr. Rn hl, die Wärter Valentin Fan st, Heinr. Pfeif. Karl Möller und Peter Leuser, sämtlich an der Landes-Heil- tntd Pflegeanstalt.

** He-rrenloses Girrt. Am 3. d. Mts. würde zwm hiesigen .Kindern eine gelbe Papiergeldtasche mit 26,80 Mk Inhalt abgenommen, von feer sie behaupteten, sie gesunden M haben. Da als verloren eine solche rticht gemeldet ist, sc> wird der Eigentümer ersucht, sich' bei der hiesigen Kriminal­polizei zu Tnelden.

** Eisen da hntra ns Port. Bei der derzeitigen gmfftigen Berkehrslage der Eisenbahnen ltegt es im eigensten Interesse der Industrie ufw., die gegenwärtige gute Verkehrslage auf allen Ge­bieten, sei es Mr Heranschasfung dort Vorräten, Räumung vost Lägern oder dergl. ballest nnd in weitgehendstem.Maße auszu­nutzen. Den .Härten, die eine schivierige Transportlage im Hechst und Winter wieder brirtgen wird, kann hierdurch vorgMMgt, bz-w. diese fmnttii dadurch erheblich gemildert werden. Mle Anträge aus Ausstellung von Tringltchkeitsbesäieinigungen toerden, soweit diese auf die Ausnutzung der jetzigen guten Verkehrslage hinzielen, von deit zuständigen Dienststellen, insbesondere von den .Kriegsamts­stellen, in weitgehendstem Maße berückftchtigt werden.

** 5 0-Psennig-StÜcke. Seit einiger Zeit werden die Fünfzig Pfennig stücke ber der Prägung nach dem Glühen nicht me hi gebest und gescheuert Sie habkn infolgedessen gegen früher eist dunkleres Aussehen. Die Münzen sind selbstverständlich vollwichtig und gültig. Es ist daher völlig ungerechtfertigt, wenn solche Stücke, wie geschehen, im Zahlungsverkehr zurückgewiesen werden.

Landkreis Gießen.

^ l^. Lang-G öns, 9. Aug. Dem Oberstabsarzt Dr. Mann Sohn des verstorbenen Lehrers Mann dahier, wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse oerltehen. Tie Hessische Tapserkeitsmedatlle und das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielt er bereits früher.

Kreis Schotten.

Rlchr-Erkrarrkungeir im Kreise Schotten.

** Herchenha in, 9. Ang. Wie bereits gemeldet, haben in unserem Orte plötzliche Krankheitsfälle den Tod mehrerer Einwohner herbeigeführt. Bis gestern abend waren s i e den T o d e s ll e zu verzeichnen, ihn einer wei­teren Verbreitung der Krankheit vorzubengen, sind Msperr- maßregeln ergriffen worden. Dies hatte in den Dörfern der Nachbarschaft die schlimmsten Gerüchte zur Folge. Aengst- liche Gemüter verbreiten, es handle sich um Cholera, und zwar sollen französische Kriegsgefangene einen bestimmten Brunnen verseucht haben. Infolgedessen sollen 60 Ortsein- wohner in Cholera erkrankt sein Diese Gerüchte find natür­lich weitaus übertriebeir. Nach den bisherigen Feststellungen handelt es sich um einige Mlle von Ruh rerkrankung. Een die schon alle Maßnahmen ergriffen sind. Hierhin gehört auch die Absperrung. Der Verdacht, daß die Kraücheit durch Kriegsgefangene hervorgerufen sei, hat sich als grund­los erwiesen. (Wiederchv-lt, da nur in einem Dell der gestrigen Auflage enthalten. Wir verweisen auch auf den Artikel über Mchrerkrankuugen in unserem Hauptblatt.)

Starkentmrg und Rheinhessen.

di Mainz, 8. Aug. Im Lauft des MonatZ Aprll sind in Mainz an WarenladamgsftnLrungerl int .Harengebiet 3737 angekom-

rsterr Und abgegangen. Die Zufuhr ftcLLte sich im Hasen bergwärts auf 21 781 Tonnen, talwärts auf 30 870 Tonnen, die Abfuhr berg­wärts mrf 3211 Tonnen, talwätts ans 45000 Tonnen. Der ge- sstmLe Verkehr betrug 100 862 Tonnen, int April des Borsahvss 101121 Tomtett. Im Monat Mai bettüg die ZatL der angekvm- iriLMn und abgegMtgenen Warenladuttgssenduttgelk oer Hafenbahn 3230. Der (Ällerverkehc betrug in der Zufuhr zu Berg 21 841 Tonnen, M Tal 35 184 Tonnen, in der Abfuhr zu Berg 4536 Donnen, zu Tal 28 917 Tonnen. Der gesamte Verkehr ststllle sich im Mai 1917 aus 90 450 Totmen gegen den Mai 1916 mit 110 830 Tonnen. Im Monat Juni betrugen die angekommenen und ab- gegangenen Wlnenkadungssestdungeii der Hcrfßnbahn lZ993. Der Güterverkehr im Hafen betrug in der Zinsulst zu Berg 34339 Tonnen, zu Tal 25 953 Tonnen, in der Abfuhr zu Berg 5973 Tonnen, zu Tal 21 257 Tonnen. Der gesamte Verkehr erreichte 87 422 Tpstnerr. während er iM Jtmi 1916 sich am 109 515 Tonnen stellte. '

= Worms, 9. Aug. In der Nacht zum Montag stahlen Diebe aus dem Warcnhans Landauer Waren im Werte von mehr als 12000 Mark. Tie Diebe konnten noch nicht ermittelt werden.

Hessen-Nassau.

= Frankfurt a. M., 9. Aug. Zu den Verhandlungen über die Lieferung vgü Gemüse und Obst aus Hessen nach Nassau, witt> von zuständiger hessischer Stelle mitgetellt, daß Frank­furt und Wiesbaden sich verpflichtet haben, die hessische Preisbasll anzuerkennen, einzn halten und eine Preisbeaufft chtigung durchs u- sühven. Diese Zusage und ihre Einhaltung wäre eine Botbedingung für eine Zustimmung von hessischer Seite. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlosset.

ul. Limburg, 9. Aug. In der heutigen Stadtverord- netenversammliing wurde zmtächst ein Abbnmnen der Stadt mit den Main-Kraftwerken über' die Ergänzung des Strom - lieferungsvertrages vom 9. März 1916 und die Aenderung des Elektriz-ttätsverttages vom 28. September 1917 gntgeheißen. Da­nach werden die Preise für elektrische Energie nach den jcwelligen Richiipreffen, des Kvhlensyndikats festgesetzt. Ferner erhält die Stadt von der Gesellschaft eine jährliche Abgabe von 3000 Mark als feste Pauschale anstelle der bisher gewährten 5 Prozent des Nettogewinns. Eine Magistratsvoriage betr Teilburgschaft für die Lebensmttteleinkaufsstellc G. m. b. H. im Betrage von 30 000 Mark findet einstimmige Zustimmung. An Stelle des vesttorbenen Magistralsjchösfen Jofts Harlmann wurde Stadtver­ordneter Joses Grimm, mtd anstelle desselben Verstorbenen als Ortsschätzer Stadtverordneter Hanusch gewählt. Zur besseren lleberwachung der Lebensmittel Verteilung in der ötabt ist bit Organisation eines städtischen Lebensmittelamtes geplant. Es wur­den etwa ein Dutzend Komuftssionen gebildet, denen Mftglieder des Stadtverordnetenkollegiums, Angehörige von Handel, G^oerbe und Bürgerschaft zugehören. Die einzelnen Kommissionen stehen unter dem Vkvtsitz des Bürgermeisters. Sie haben die Aufgabe, die Lebensmittelausgäbe der Stadt zu überwachen, Verbesserungen vor­zunehmen und Mängel abzustellen. Die Versammlung erklärte sich mit den Maßttahmen entöerftanben. Zum Schlüsse wurde die Herstellung und Ausgabe von städtischem Notgeld beschlossen. Es werden 20 000 Fünfzigpfennigscheine, 20000 Zehn- und 10000 Fünfundzwanzigpfennigscherne hergestellt.

Mechltche rrachrLchten»

Israelitische Religionrgemeinde. Gottesd. i. d. Synagoge (Süd-- Attlage). Stünstag, 11. Aug. Ärabd.: 8.30: morg.: 8.30 Pre­digt: abd.: 9.10 u. 9.45. Israelitische RellaionsaeseHschatt. S^batftftr^ll Aug. Freitag «rbd. : 7.50,' ©antgteg KW n^crchm.: 5XK); Sabbatausgang: 9.45. Wochengottesd.: morg. 7 00' abos. 8.00.