Ausgabe 
2.8.1917 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

M.17Y

Zweites Blatt

Lffchcknt Ktzllch mit Ausnahme des Sonntags.

veil«gen: ..Sietzener Zamittenblätter^' und ..«reirttatt für den Breis Sietzen".

-ostfcheckronl,: Zranffvri am Main Nr. U686. Bankvertehr: Sewerbebank Gietzen.

>»r. Zahrgmg ^ ^ ^ ^ ^

General-Anzeiger fA G^rhesE

Donnerstag, 2. August

ZrvillingSrundoruci und Verlag:

B r ü hl'sche Unwersiläks-Bn.ch-u.Stsindruckerec. R. Lange, Gießen.

Schriftieitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulftraße?. EeschäfcssleUe u. Vertag: bl.

Schriftleuung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.

Die Eisenbahn-Güter-vesteuerrmg.

Bon urrsewm stBuerrechttichen Mitarbeiter

Der August tx I. bringt dem gesamten wirtschaftlichen Lebe« Deutschlands eine lveitere steuerliche Belastung, zu welcher uns der Zwang des gegenwärtigen Krieges und die danrit verbundene notwendige Deckung' des Reichsbedarfes nötigte: an diesem Tage werden alle Güter, welche der Eisen­bahn zur Beförderung übergeben tverden, mit 7 vom Hundert des Bsstörderungspreises M Lasten des Wsenders versteuert. Danrit tritt ein Teil des Gesetzes vom 8. April 1917 über dieBesteuerung des Personen- und Güterver­kehrs" in Kraft.

Nach § 12 genannten Gesetzes ist die Besteuerung der Güter eure einheitlich gleichmäßige prozentuale. Es ist hier­bei gleichgültig, welche Beförderungsart für das zur Auf­gabe kommende Gut in Frage kommt, und welche Stellung es in der für die Anwendung der Ersenbohntarife etwa maß­gebenden Güterklassifikation einnimmt: auch auf lvelche Ent- fermmg das Gut befördert wird, spielt in der Besteuerung keine Rolüe. .Dagegen sind die Frachter: für die Berechnung der Abgabe maßgebend. Je höher dieselben sich stellen, desto höher wird auch die Abgabe ausfallen, während sie bei niedrigen Frachten als kaum merklich in die Wagschale fallen dürste. Anßerdem haben neben den im (Nsetz erwähn­ten Privatanschlußfrachten auch die Frachtzuschläge zu gelten. Dagegen sollen Nebengebühren und bare Auslagen (z. B. die Nachnahmen des Spediteurs für Rollgeld, Spesen für Lagerung, Verpackung nsw., auch die Gebühren, die aus Anlaß der Zollüberwachung und Zollabfertigung entstanden sind) außer Ansatz bleiben. Hierbei sind unter Nebengebüh­ren auch diejenigen Gebühren zu verstehen, die in den Neben- gebühOentarifen als solche crnfgeführt sind. Um dein Leser eine ungefähre Uebersicht zu verschaffen, wie hoch sich die neujaeschaffene Abgabe stellt, seien hierfür folgende Bei­spiele aufgeführt: Der weitaus größte Teil der Güterbeför­derung vollzieht sich bei der Eisenbahn auf kurze Entfernun­gen (Na^erkehr). Die Mehrheit dieser Güter besteht aus steinen, Wegebaumateriallen ustv. Hier beträgt die Abgabe (nach dem Aus nähme tar i f 5), berechnet ans eine Entfernung vo« 50 1cm, für die Tonne 13 Pfennig. Im Kleinbahnverkehr, für den ebenfalls nur kurze Entfernungen in Betracht kommen, hält sich die Mzabenbelastung durchweg in niedri­gen Brennen. Für weitere Entfernungen stellt sich aber die Frachtenberechnuug höher; sie beträgt z. B. bei Massen­gütern, wie Kohle, auf 600 1cm Entfernung nach dem Roh­st off lür ff für die Tonne 11,00 Mk.; demnach würde hier die Abgabe 83 Pfennig für eine Tonne Kohle.betragen. Bei Stückgütern stellt sich die Abgabe natürlich wesentlich höher. So betragen 100 Kilo durchschnittliches Kaufmanns gut auf eine Entfernung von 590 Inn gerechnet 12 Mk. Fracht; dem­nach betragt die Abgabe 8t P^nnig.

Was den Begriff des ,-Gutes" anbelangt, so ist dieser everchv abzugrenzen, wie er in dem Gesetz über den Fracht- ilrkundenstempeL seine Festlegung erfahren hat. Nach dieser ArSIegiMg füllt insbesondere unter die Besteuerung nach dem neuen Gesetz auch die Beförderung von Fahrzeugen, für die Kilometerfracht für di-e Achse oder den Wagen' be- redptet wird; desgleichen di-e Beförderungen von Expreßgut.

Schuldner der Abgabe ist derjenige^ der den Befände- run^preis Au bezahlen hat. Erfolgt die Beförderung auf Grund veröfseirtlichter Tarife, so ist die Abgabe in diese ein- Mnehmen. Der Betriebsunternehmer hier also die Eisen­bahni vertritt den Steuerschuldner der Steuerbehörde gegenüber kraft Gesetzes in der Zahlung Obwohl dem MrichtSgrund nach öffentlichen Rechts, ist das Verhältnis Misch«: Betriebunternehmer nnd Steuerschuldner bürger- sijch^echllicher Natur. Demnach stellt sich im Verhältnis des Betrrebsirntennehmers zum Steuerpflichtigen die Ab­gabe als einZuschlag" zum Beförderungspreise dar. Unter diesen! Gesichtspunkte enffprach es der Zweckmäßigkeit, die Einrechnung der Abgabe soweit vorzuschreiben, als die Be­förderung auf Grundveröffentlichter Tarife" erfolgt. Im Güterverkehr wird die Einrechnung, soweit sie den inter­

nationalen Verkehr anbelangt, nur allmählich vorgenom­men werden können, da der gegenwärtige Krieg ein Hinder­nis darstellt, dies jetzt sofort vornehmen zu lassen. Dafür ist aber dem Bmrdesrat die Befugnis erteilt worden, von der Verpflichtung zur Ginrechnuna der Abgabe in den Be­förderungspreis Ausnahmen zuzulassen. Das würde zurzeit insonderheit bei solchen Gütern zutreffen, die nach dem Auslande bestimmt sind. Solche Güter sind übrigens nach 8 17 des neuen Gesetzes der dem Grenzpunkt nächstgelege­nen Steuersbelle spätestens vor der Ausfahrt zur Besteue­rung schriftlich anzjumelden.

Güter, die im Jnlande vom Auslande zur Aushändi­gung kommen, unterliegen ebenfalls der neugeschaffenen Abgabe, und sie beträgt ebenfalls 7 vom Hundert des Be­förderungspreises. Diese sind der für den Ort der Aushändi­gung zuständigen Steuerstelle schriftlich anzumelden. Die Entrichtung der Mgabe soll vor der Abgabe des Gutes bei der Steuerstelle erfolgen. Als. Unterlagen für die Anmel­dung haben die FrachtnrLunden oder Abschriften von diesem m dienen. Eine Belästigung für den Verkehr wird in diesem llrkundenzwang nicht bestehen, da die Ausstellung solcher Urkunden schon jetzt die Regel ist.

Ueber die Verjährung hat das neue Gesetz zweierlei Fristen vorgeschrieben. Einmal beginnt die Verjährung für Ansprüche, die dem Unternehmer wegen der Zahlung nach­geforderter Abgaben gegen den Schuldner zustehen, bereits mit dem Ablaufe des Tages, an dem die Nachzahlung erfolgt ist, während in bei: Fällen, wo die Abgabe überhaupt noch nicht entrichtet war, die Verjährung erst in fünf Jahren, seit denc Schluffe des Jahres, in dem die Abgabe fällig war, erfolgt. Entstehen aus Anlaß der Verpflichtung zur Entrich­tung der Abgabe Streitigkeiten, so ist der Rechtsweg zu­lässig. Eine solche Klage müßte, bei Verlust des Ktagerechts, binnen sechs Monaten nach erfolgter Beitreibung oder mit Vorbehalt geleisteter Zahlung bei dem Landgericht, ohne Rücksicht auf den Streitgegenstand, erhoben werden. Soweit bei diesem eine Kammer für Handelssachen vorhanden ist. gehört der Rechtsstreit vor letztere. .Die Revision geht an das Reichsgericht. Dr. R.

Aus Stadt nnd Land.

Gießen, 2. August 1917.

** Auszeichnung. Dem Stud. Karl Steitz, Viz^Fell^ webet bei einem AattLlieaie-Mrßttupp im Osten, ist das Allgemeine Ehrenzeichen am Kri-egsbande verliehen worden. Oberbahnmeffter Palberg in Gießen wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.

** Rotes Kreu z. Im Monat Juli 1917 wurden ans der Erftffchungsstelle des Roten Kreuzes am Bahnhof Gießen 2004 durchrasende Soldaten und Verwundete nüt Kaffee erfäscht; die Santtätswache hat 523 Transporte ausgeführt, sowie in 223 son- strgen Fällen Hilfe geleistet.

** Feststellung von Kriegsschäden im Reichs­gebiet. Das Großh. Ministerium des Innern hat zum Vorsitzen­den des bei Großh. Provinzialdirektion Oberhessen für die Provinz Oberhessen eingerichteten Ausschuß zur Feststellung von Kriegs- ichäden der Großh. Regierungsrat Langermann in Gießen er­nannt worden. Etwaige Anträge auf Schadenfeststellung oder Ent­schädigung sind an den Genannten zu richten.

** Wirtschaftliche Bereinigung Kriegsbeschä­digter, Gießen. Zu der gestrigen Notiz über die stattgefun­dene Versammlung sei noch daraiff hingewiesen, daß Anmeldungen zum Astrein bei Kamerad Horst, Seltersweg, entgegengenommen werden.

Kreis Wetzlar.

va. Atzbach, 31. Juli. Etwa 40 Ferienkinder sind wieder nach ihrer Vaterstadt Essen z!Urückgekehrt. Es verbleiben in der vereinigten Kirchen gemeinde Dorlar-Atzbach bis zum 20. Sep­tember noch 70 erholungsbedürftige Stadtkinder, für lvelche setzt eine Lehrerin erngetrosfeu fft.

Kreis Büdingen.

4t Büdingen, 31. Juli. Das Österreichische Kriegsoer- dienstkreuz dritter Klasse erhielt der- Oberleutnant Dingeldcin, die Hessische Tapferkeitsmedaille, früher Eisernes Kreuz, der Wehr­mann Karl Bornheim er.

4t Schwickartshausen, 31. Juli. Nach dreijähriger treue­ster Pflichterfüllung starb den Heldentod der Vizefeldwebel Gustav Schröder, Inhaber des Eisernen .Kreuzes und der Hessischen TopferkeitKnUdaille.

Kreis Schotten.

4t Eiche lsd o r f, 31. Jilli. Die hiesige Svar- und Darlehns- kaffe (e. G. nt u. H. > hatte im abgelaufenen Vereins) alxre einen Rein­gewinn ötrr 577 Mi. und einen Mitglu derbestand ron 100 Genossen.

4t Wingershausen, 31. Juli. Die Hessische Tapferkeits­medaille erhielt der Wehrmann Theodor Ho r ft.

Kreis Friedberg.

4t Butzbach, 31. Juli. Das Eiserne .Kreuz erhielt der Lehrer Weber.

V. Butzbach, 1. August. Da die Feldfrevel sehr überhand nehnien, hat man hier beschlossen. mehrere Geheimflur>- schützen zu betätigen. Eine größere Anzahl von Butzbacher Bürgern hat sich hierzu zur Verfügung gestellt. Gestern nach­mittag 3 Uhr traf RegiernngSrat Herberg, Kreisamt Fried­berg, zur Verpflichtung dieser Herren hier ein. Es wurde zur strengsten Pflicht gemacht, jeden Feldfrevel, über den die strengsten Strafen verhängt werden, zur Anzeige zu bringen

Starkenburg und Nheinhessen.

--- Mainz, 31. Juli. Auf der Großen Bleiche versuchte Montag abend ein Feldwebel auf einen in voller Fahrt befind­lichen Straßenbahnzug zu springen. Er kam zu Fall, wurde über­fahren und so schwer verletzt, daß er nach einigen Stunden verstarb.

= Nieder-Ramstadt, 31. Juli. Die .Hilfsschaffnerin H e n s e l aus Darmstadt wurde heute vormittag ans der hiesigen Station von einem Güterzuge überfahren und mff der Stelle ge­tötet.

Hessen-Nassau.

= Frankfurt a. M., 31. Juli. Unter dem Vorsitz eines Vertreters der Reichs-Obst- und Gemüseftelle fand hier eine Sitzung statt, die sich, mit der >O bstöe r sorgun g des FranffurteÄ Wirtschaftsgebietes beschäftigte. In dieser Konferenz, du vertrau­licher Natur war, fand die Ansicht der Stadtvertreter, bai Abhilfe nur durch die Aushebung der (Höchstpreise, durch Fvecheit im Einkauf und Gebundenheit im Verkauf bezüglich! der Preise für die Gemeinden möglich sei, den entschiedensten Widerspruch des Ver­treters der Reich,'sstelle.

X Hanau, 31. Juli. Dem Landkreise Hanau ist vo-n der Reichskartoffelstelle aufgegeben worden, bis pm 15. August d. Js. 28 000 Zentner Frühkartoffeln zu liefern. Die Lieferung hat zu erfolgen für Höchst a. M., Homburg v. d. H., Wiesbaden, Rüdvs- heim, Fulda, Schlüchtern und Schmalkachen. Außerordentlich a> schwert wird die Lieferung durch die in den Landgemeinden, an den Orten der Erzeuger, erfolgende Einharnsterei von Frühkartoffeln Besonders stark heimgesucyt werden die in der Nähe der Sllkdtt belegenen Landgemeinden. _

= Kassel, 31. Juli. Aus einer Wagenladung Kaffee van Köln nach Kaffel fehlten bei der Ankunft auf dem hiesigen Bahnhof, trotzdem alle Plombensicherungen unversehrt waren, 2 42 Sack Kaffee im Werte von rund 200000 Dtürk. Ob die wertvolle Ladimg gestohlen ist oder ob bei der Versendung ein Fehler vor- kam, wird die sofort eingeleitede Urrtersuchuny ergÄ»cn. Mr FrachL- strkunden über die Sendung lagen jedenfalls bei der Ankunft hier vollständig vor.

Nachrichte«.

--- Frankfurt a. M., 31. Juli. In der Naturw is senschaft- lichen Fakultät hat sich Dr. phäl. WllhÄm Brandt, Assistent am Bochanis^n Institut, als Privatdozent für Botanik habrlitiert.

[) Marburg, 30. Juli. Zu Dekanen der verschiedeueu Fcckultäten dei' 'hiesiger! llniperfität wurden für 1917/18 folgende Profefforen gewählt: Geh-Rat Simons für die theologische, Gech-- Rat Hofftmmn für die medizinische, .Gch-Rat Vogt für dre Mlo- sophische und der seitherige Rektor Leonhard für die jnrisWche.

Permif^tw*

Essen, 1. August. Auf der fiskalischen Zeche BergmonnSglück ber Buer brach ein Brand aus, dem sechs BargLante zum OvsiN ficken.

Ludwigs Hafen, 1. August. Eine schweve Bluttat verübte hier der Schlosser Hausdorfer. Er gab iin Streite einen Revolver^ schuß auf einen Auffeher der Anilinfabrik ab, der sofort tödlich wirkte, erschoß, dann seine neben ihm stehende Frau durch zwei Schüße, begab sich darauf in seine Wohnung, wo er eines sein«; Kinder sch-tver nrMandel te und eines erschoß, und stellte sich dann dar Polizei.

Kuuf* und wsftenfchaft.

Der Streit um Goethes Farbenlehre.

Die Farbenlehre, die Goethe zu verschiedenen Malen als eins feiner wichtigsten Arbeiten, ja vielleicht als das Hauptwerk seines Le­bens bezeichnete, ist seit ,eher von Wissenschaftlern heftig nm- stritten worden. Bor drei .Jahren hat neuerdings eine äußerst lebhafte .Bewegung für Goethes Farbenlehre eingesetzt, die jäoch nicht von Gelehrten, sondern von KünsÜerkreisen ausgeht, denn ihr Organ sind die von der Gesellschaft für rationelle Malverfahren heransgegcbenenTechnischen Mitteilungen für Malerei". Da also der Sttett neu entbrannt ist >und z. B. die Newton-Lehre sehr heftva angegriffen wird, erscheint es zeitgemläß^ dieUnsichtigsten der ftü Laufe der Jahre geäußerten Urteile über Goethes Farbenlehre zu Äerblicken. Wie der Professor der theoretischen Physik an der Universität München, A Sommerfeld, in der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Deutscher Revue dar­lest, haben ini Gegensatz zu Künstlern die Wissenschaftler sich fast immer gegen Goethes Farbenlehre ausgesprochen. Hckmholtz z. B., der Schöpfer der phtzf io logischen Optik, erklärte rn einem Vorttag des Jahves 1853, daß Goethes Farbenlehre reich an FrrtüMern sei, und daß Goethe Newton mißverstanden habe. Dies erklärte er durch Goethes eigenste poetffche Persönlichkleit, da es ja in der Dichtung nur auf idenschönen Schein" ankvmme, der das Ideale zur Anschauung bringt: wie dieser Schein zustande, ko-mine, sn für den Kidrstler gleichgültig, ßlnch Wilhelm' von Bezold, der sich später als Leiter des Potsdamer meteorologischen Observatoriums beson­dere Berdi-enste erwarb und in jungen Jahren mit Heinrich Hertz um !dre Entdeckung der elektrischeu VMen gswetteifert lachte, nxrndte sich in feiner 1874 herausgegebenen Farbenlehre gegen Goethe Nckt den Worten:Mancher Lffer verniißt vielleicht ungern jede eingehendere Würdigung oder Widerlegung von Goethes Farbenlehre. Der Verfasser zog es jedoch gerade aus Verehrung sür den großen Dichter vor, die Tatsachen, welche strenge Forschung nttage gefördert hat, einfach für sich selbst sprechen zu lass«!, statt auf die Kritik eines Werkes einzugehen, das cmf die Entwicklung der Wissenschaft durchaus leinen bleibenden Einfluß äußerte und schon längst vortreffliche Widerlegungen gefunden l^iat." Auch Pro­fessor Sommerfeld schließt sich nunmehr diesen Vternungen nn, wo­bei er jedoch rückl)altlvs .zugibt, daß Goethe int Gegensätze z. B. zu >)elmhoÜb über die ästhetische Wirkung der Farben viel Großartiges in schönster künstlerischer Form mitteilte. Aber bei der Farben­lehre handle es sich im Grunde nicht um Aesthbtik, sondern um Naturwissenschaft, das heißt um die obj>ettioe Untersuchung der Ur­sachen der Farben und die subjektive Berfotsung ihrer Wirkungen

auf unsere Nerven. Während z. B. die Gelehrten der verschiedensten

Richttcngen sich darin einig sind, daß Weiß eine zusammengesetzte Farbe ist, daß Schwarz objektiv betrachtet die Ablvesenheit von Lichtenergie bedeutet, ließ Goethe sich selbst hierin von einer gewissen>ftifd]en An schaumig über das Gegenspiel von Licht und Finsternis leiben. Ein Beffpick dieser für eine Farbenlehre unstatt­haften mittelalterlichen Myssik in Form eines poetischen 'Nieder­schlages erblickt Sommerfeld in den Worten Mephistos:Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar, ' Das stolze Licht, das nun der Mutter- Nacht / Den alten Rang, den Raum ihr streittg macht." Der- Streft über Goethes Farbenlehre wäre also in dem Sinne zu beenden, daß in diesem Punkte der Künstler in Goethe dem objekttven Gelehrten überlegen war.

*

Die älteste n chemischen Papyri. Zwei Papyrus­sunde, die wohl als die ältesten ägypsischen Papyri chemffchen In­halts betrachtet werden können, haben den Anlaß zur Erörterung der Frage gegeben, ob im alten Aegypten die Alchemie bekannt war oder nicht. Es handelt sich um den Leidener und den Stock- lwlmer Papyrus, die aus dem 3. Jahrhundert n. Ehr. stammen imd neuerdings von der .Wniglich dänischen Akademie der Wissen­schaften einer Prüfung in obenerwähnter Richtung unterworfen! wurden. Wahrend der ftanzvsische Forscher Berthetot die Ansicht vertrat, daß die Priester des ägyptischen Altertums schonin ent­legenster Zeit" alchemistischc Kenntnisse besessen hätten, die sie in Gestalt von Hieroglyphen auf den Säulen ihret Tempel und späterhin in den sog.hermetffcheii Büchern" ausgezeichnet hätten, wird dieser Meinung jetzt durch die dänische Forscherin Frau Dr. Jngebm-g Hammer Jensen energffch widersprochen. Wie einer Aus­lassung hierüber von Prof. Dr. Edmund O. v. Lippmann in der ChemikerftZeitarng zu entnehmen ist, handelt es sich bei diesen älte-i sten Papyri chemischen In Halles um Vorschriften, die sich weder aus Wissenschaft noch aus Theorie jtützen, sondern ausschließlich auf praktische Erfahrung. Der Leidener Papyrus spricht von Poch­ahmungen von (fl>elmetallen rmd Purpur, ist also vielleicht als das Rezeptbuch eines Fabrikanten derarsiger Wären zu betrachten. Ter Stockholmer Papyrus enthält Angaben über die Nac^ihmnng von Edelsteinen und Perlen. Daß in den Papyri die Geheim­haltung dieser Rezepte geboten wird, verleiht chnen keineswegs einen alchimistischen Charakter. Die bisher von dicken Gelehrten geteilte Ansicht Berthelots, daß hier ein dvkmnentarischer Beweis für das Geheimwissen und die alchemistische Wirksamkeft der äayp ttschen Priester vorliege, ist keineÄvegs erbracht. Da noch lieber- lieserungen bei Cäsar und Plinrus die Gallier das Versilbern von Mckulllvaren und die Herstellung falschen PurpmL gut verstand« !^

und da nach denselben Quellen die Inder frühzellig neben deü echten auch gefälschte Edelsteine in den Handel brachten, fft bei den Reserven der beLen chemischen Papyri hauptsächlich gallische und indische Herkunft vorauszusetzen, an einen Zusammenhang der^Papyri mit den Ursprüngen der Alchemie ist aber nicht zu dercken. Bei der Geheimhaltung der Rezepte drehte es sich auch nutzt um den von der Alchemie unzerttennlichen Schwindel und Be- um eme Art sehr begreiflichen Zunftgeheimniffes. Wi r^hlW en also in diesen beiden chemifchen Papyri Auszüge und Abschriften aus den Rezepten zu erblicken, nach welchen ziwrft in r* der allen Aeghpter die Götterbilder nnd

dwen Schmuck, lieilige Geräte, llthurgische Gewänder nsw., anS «yten. darm aber aus unechten Materialien hergestellt wur- msosern geheim, als urspriinglich dem Laien kein ^iNvlrck ermöglicht war, in der ptolomäischen nnd helemstischen Zett aber erreichte die Tempckindustrie eine an^rordentliche Llns- dehnung und griff ans die verschiedensten Gebiete über, so daß YS W^wachung durch die Priester allmählich wegffel. Alchemisti- zymiste der Aegypter werden also durch diese beiden cheimschen Papyri mcht erwiesen.

* Die Wanderung einer Jnfant eriekugel in er n Menschen he r z. Don einem merkwürdigen Falle, in deni emJnfanteriege schoß mit dem Blutstrome bis in das Herz eines .'Nenschcrr ver>chleppt wurde, berichtet LUistenzarzt A Jäffö in c? .!ffbärz1lichen Beilage der-Münchenw' Medizinischen Wochen-, ftdrist . Am 25. Oktober des vorigen Jahres wurde ein Artillerist mit einem Beckm schaffst im Lazarett ein geliefert: am 2 November trEn starke ')ljtembeschwerden und Lungerffchanerzen ans. man dachte an Lungenentzündung, deren Symptome schritten fort- wrd am 14. November trat der- Tod des Mannes ein, der mit der Diagnose: Becken»teckschuß und Lungenentzündung zur L-eicbeir- Öffnung singetiestrt ivurde. Das Ergebnis der Untersuchung war mm. daß m del- rechten Herzkammer ein russische.^ Jmsamerie-i NstE steckte, das fverbetveglich an der Rückwand lag. Irgendeine Derletzamg oder Vernarbung war- an den Hsr^niuSksln nicht aufzu- finden, und die llntersüch,nng des übrigen Körpers bewies daß das Geschoß durch den Blutkreislauf ins Herz geschleppl .vordem war. Der Einschuß lag aus der rechten Rückenseite olnrhalb der Darmbeinschaufel: das Geschoß lvar in die untere Hohlvene ge-« langt, die eine lim Nigrvße Oesffrmig aus einer Seite zeigte. Offenbar war die Wucht des Geschosses nur gering gewesen, denn die andere Wandung dieser Ader war unverletzt. Dann muß das Geschoß usit deni Bttrtströme durch den rechten Vorhof des Herzens in die rechte Kammer gespült worden sein, und hier' war es an der TriLuspidalklappc hangen geblieben.