kk. M Zwettes Blatt
167. Jahrgang
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An der LchweNe des vierten LLriegsjchrs.
Berlin, den 30. Juli 1917.
i2Dte nrir vor Jahresfrist einen Rückblick auf das zwcüe Jahr des gewalngen Völkerringens warfen, schien sich die Lage für die Mittelmächte sehr ernst #u gestalten. Im Osten drängte Brnssilow mit seinem Millionercheer vre Front der Verbündeter: in Galizien langsam zurück; im Westen setzte Frankreich alte seine Kraft und alle seine Hilfsmittel an der Somme-Front ein um mit Hilfö des endlich kampfbereiten englischer: Heeres die deutschen Linien zu durchbrechen, und Italien holte gerade zu neuem Schlage gegen Oesterreich-Ungarn am Jsonzo aus, nachdem die glücklich begonnene Offensive seines Gegners in: Treilliiw mit Rücksicht auf das Vordringen Brussilows vorzeitig hatte abgebrochen werde:: müsse::. Dazu drohte im Südosten eine neue Gefahr: Rumänien, das bisher eine abwartende Haltung beobachtet, glaubte seine Stunde gekommen, um ohne Risiko, wie int Balkankriege, seine Greirzeü ausdehnen zu können, und rüstete in aller Sülle. Zuversichtlich sahen unsere Feinde dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie entgegen, und Kitchener prvphezette, „er werde im November zum vernichtenden Schläge ausholen", denn auch von Deutschlaich erwartete man keinen ernst«: Widerstand mehr; die feindliche Presse hatte ja schon seit Jahresfrist ihren Lesen: mit 'Erschöpsunoj der deutschen Reserven Mut gemacht und sah mm in'der Fortsetzung des Ringens nur iwch „die letzten Zuckungen des tödlich gesoffenen Raubtiers". So wurden an der Schwelle des dritten Kriegsjahres die Nerven der im Vierbund vereinten Völker auf eine harte Probe gesteltt, zumal damals die Russen im siegreichen! Vordringen auf Lemberg begriffen waren und die Italiener Görz einnahmen.
In dieser ernsten Lage wurde:: die Stteitkräste an der Ostfront vom Meere bis Galizien dem Generalfeldmarschall Hind«v- burg unterstellt und alsbald alle verfügbaren Reserven dorthin geworfen, um den Vormarsch der Armeen Brussilows zum Stillstand zu bringen, die auch die Eisensront Bothmets ans beiden Flügeln umgangen und sie so zum Rückzug gezwimgen hatten. Die feindliche Presse sah für die dNittelm ächte das Ende gekommen, und die „Daily News" meinten, auch Hüwenburg werde sie nicht vor einer Katastrophe bewahre:: können. Alle glaubte::, setzt sei Oesterreich-Ilnaam am Ende seiner Kraft ur:d werde vom Bündnis ab fallen, wofern nicht Deutschland gewaltige Reserven abgebe. Doch woher solle es sie nehmen, sei doch von amerikanisches Berichterstattern, die die Ostfront bereist, festgestellt worden, daß diese „Mutfeet" sei. Da trat am 27. August auch Rumänien offen aus die Seite Unserer Feinde und rechtfertigte diese Tücke noch mit der scheinheiligen Erklärung; „es werde so zur Abkürzung des Kampfs beitragen." Was wunder, daß die Pariser Zeitungen schon in der Gewißheit der Niederlage der Mittelmächte schwelgten und Müjukow dem neuen VerbüMeten zurief, sein Eingreifen' entscheide Über das Schicksal Oesterreich-Ungarns.
Nun formten die MittelmLclüe auch von Süden her bedrängt werden; hatte Rußland doch alles aufgeboten, um die rumänische Armee mit Arttllerie und sämtlichem Kriegsgerät auf das reichste auszuftatten, so daß Brussilow sich von dem Ansturm des fast 750000 Mann zSUenven rrmränischen Heeres das baldige Ende des Krieges versprach Jur selben Zeit ging auch Sarrail iviedeö zum Angriff über und wies dabei den Resten des serbisch«: Heeres die schwierigste Aufgabe zu: ihr Land zurückzuerobern. Auch Italien meldete mm seine Balkan-Ansprüche an und ließ Deutschland gegenüber die Maske fallen, indem es ihm den Krieg erklärte.
'So schienen auf allen Fronten die Schwierigfetten für den Vttrbimd zu wachsen. Doch wo sich vielleicht Besorgnis einschlich, da bannte sie alsbald ein Name; Hindenbuvg. Er wurde in dieser ernsten Sttmde durch das Vertrauen seines Kaisers auf die erste Stelle berufen und übernahm den Platz, wo einst Moltke gestände::. Zur Sette aber blieb ihm-fein getreuer Gehilfe, Ludendorff, als Erster Generalquarüermeister. In London meinte man spöttisch, dem neuen Generalstabschef bleibe nichts anderes übrig, als den Rückzug aüs die preußische Grenze anzutreten und den Versuch zu machen, durch Hin- und Herwerfen der Armeen mittels der Bahn von der Westfront nach der Ostfront und umgekehrt noch einige Zett Widerstand zu leistem Die „Dimes" aber meinte, es sei hin unlösbares Problem, im Osten einen vernichtenden Schlag zu führen, ohne die Westfront zu schwächen. Dies unlösbare Problem wurde aber doch gelöst!
Noch jubelten unsere Feinde Wer den Einsall der Runränei: in Ungarn, als der Telegraph ganz unvermutet die Kunde brachte, daß deuÜche und bulgarische Bataillone die rumänischen Festungen Tuttakan und Silistria gestürmt hätten. Unb nun setzte ein Siegeszug der Verbündeten aus rumänischem Boden ein, wie ihn die Welt seit dem Einfall der deutschen Heere in Frankreich :m Jahre 1914 nicht mehr erlebt. Die rumänischen Heere, die in Ungarn standen, sehen sich plötzlich angesallen, umzingelt unb zurückgo- worsen, wobei sie große Verluste erleiden, llltb während die Sieger die Transsilvanischen Alpen überschreiten und in die Wallache: einsalleil, geht Feldmarschall v. Mackensen über die Donau undj die gewaltige Zenttalfestung Bukarest fällt nach verlorener Schlacht, ohne Widerstand zu leisten, in die Horche der Sieger. Die rumänische Heeresleitung hatte unter den wuchtigen Schlägen des Feirö- des die ruhige Ueberlegnng verlöre::, sie hatte Truppen dort weggenommen, wo sie :röüg wären, und sie da eingesetzt, wo sie zu •Mt kamen. Aus Lmchon, Paris und Rom ergingen dringende Hilferufe nach Petersburg: den geschlagenen^Bmrdesgenossen doch schleimigst Hilfe zu bringen, doch die russische Hilfe floß nur tropfenweise zu, :md als sie der Zahl nach genügte, war es bereits «zu spät. Die rumänischen Heere fluteten in voller Auflösung über den Sereth nach der Moldau zurück, wo fte endlich im Sckchtze ^russischer Verstärkungen zum Stillstcuch gebrächt wi:rden. Wie ffehr das Gefüge des Heeres durch die Niederlagen gelockert war, ersieht man daraus, daß es erst nach drei vierteljährig er Arbeit wieder imsta^e war, in den Kamps einzugreise::. Hatte die Offensive Brussilows dem Vordringen der österreichisch-ungarischen Trupp«: im Trentttw ett: Ziel gesetzt, so hatte das Eingreifen der Armee L infingen und die Zerschmetterung der rumänischen' Sttettkräste die Offenstve Brussilows zwischen dem Pripjet mtd der rumänischen Grenze zum Füllstand gebracht. Das GÄnet aber, daH die russischen Heere gewonnen, hatten sie mtt einem Verlust txm IV 2 Millionen Mann teuer bezahlen urüssen. Sowurde das „unlösbare Problem im Oster:" durch die Verlegene Führung und die Tapferkeit und Hingabe der verbündeten Armeen doch gelöst!
Mährend diese Kämpfe im Osten vor sich gingen, war unsere Fw:tt in: West«: keineswegs geschwächt Word«:, sie wurde im Gegenteil inaner stärker ausgestattet, mtt Via:rnschaft sowohl, als auch mtt allem technischen Gerät. So komrte benn im September auch dort den: Vordringen der Feirch« Halt geboten werden. Wähl versuchten sic immer »nieder, die Offensive neu. auszunehmen, doch im November war ihre Kraft erschöpft; der Generalstab konnte den Wschluß der Känrpfe an der Somme und <m der Aisne melden. JU fünfmonatigem Ansturm hatten Engländer und Franzosen sich abgemüht, urtter Einsetzung von 225 Divisionen die deutsche Front an der Somme und Aisne zu durchbrechen und das deutsche Heer zu vernichten. Ms ihr Ziel gaben sie freilich an, sie hätten den be: Verdun ringeichen Kräften Eittlastung bringen wollen, den Abtrarchport deutscher Streitkräfte nach dem Osten verhindern und die deutsche Macht cm der Somme zu erschöpfen. Hiervon war ihnen jedoch icur die Lösung der ersten Aufgabe gelungen: dev
deutsche Angriff auf Verdun war eingestellt worden. Zogen unsere Feinde das Fazit ans jenen bluttgen Klampfen, so hatten sie ihnen nicht weniger als 750 000 Mann gekostet, und zwar 500 000 Engländer und 250 000 Franzosen; auf jeden Quadratkilometer geloonnenen Geländes entftel mithin ein Verlust von 2500 Mann.
Nun setzte der harte Winter 1916/17 größeren Operationen ein Ziel. Das Friedensangebot des Vierbunds wiesen unsere Feinde mit Hohn und Spott zurück; sie wollten für das Frühjahr 1917 noch umfangreichere Vorbereitungen tteffen, als bisher, und hofften dann endlich den Endsieg zu erringen. Hatten sie bisher :mr einzelne Teile der Front mtt übermächtiger Arttllerie und allen technischer: Mitteln des modernen Krieges ausgerüstet, so sollte im kommend«: Frühjahr die ganze Front über diese Hilfsmittel verfügen. Am«Äa wetteiferte mit dem Vierverband in der Herstellung von Munition, Arttllerie und Kriegsgerät: so wollte man die Offensive an der Somme und in Galizien noch überbieten.
Dem gegenüber ttaf die deutsche, Oberste Heeresleitung ihre Gegenmaßnahmen. Es galt, die ganze imrtschaftliche Kraft Deutsch- lands Kusammenzusassen für die Zwecke der Kriegssührung, und dies wurde erreicht dirrch die Einführung des HllfMenstgesetzes, der jeden Mann aus den Platz stellt, wo er mit seiner Kraft am besten dem Vaterland zu dienen vermag. Des weiteren mußten unsere Linien im West«: noch nrehr verstärkt werden. Zu dem' Zweck wurden unsere Truppen in Stellungen gebracht, die eine wirksame Abwehr feindlicher Angriffe ermöglichten; gleichzeitig änderte man aber auch die Abwehr selbst War an der Somme noch, jeder Graben, jeder Trichter bis auf den letzten Mann verteidigt worden, .so wurde jetzt die Verteidigung beweglicher gemacht.^Die neuen Stellungen sollten Gelegenheit bieten, dem feindlichen Stoß mit einem Gegenstoß zu begegnen und den Feind, der sich in Besitz eines Stücks der Front gesetzt, im Gegenangriff zu werfen. Dabei erfuhr auch di? artilleristische Arrsrüstung unserer Linien eine be- trächlliche Verstärkung. Doch an der Wiestsront trat uns die gesamte Kraft unserer Gegner entgegen, die durch die Hilfe AnD- rikas «ne Steigerung erfuhr, der die Kraft Deutschlands allein auf die Dauer nicht gewachsen war. Es galt daher die Produktionskraft :rnserer Feinde zu Hemmern und das einzige Mtttel, um diesen Zweck zu erreichen, war der verschärfte Unterseebootkrieg. Hätte man aus ihn verzichtet, so würden unsere tapferen Truppen in: Frühjahr und Sommer 1917 unter für sie ungünstigen Bedingungen haben kämpfen müssen, well die Feinde Mer alle Produktionsmittel der Welt verfügten, während unsere Kraft begrenzt ist. Der Verlust des Kriegs stand zu befürchten, wenn nicht der verschärfte Unterseeboottrieg entscheidenden Einfluß auf den Fvrt- gang unseres Kampfes gegen die Welt gewann. D:e offene Feindschaft der Vereinigten Staaten von Nordamerika mußte dem gegenüber in Kauf genommen werden. Allerdings darf man den Zweck des.Unterseebootkriegs nickst in der Verhinderung der Lebtznsmittel- zufuhr rmch England erblicken, sondern in der Hemmung der gesamten wirtschaftlichen Produktion unserer Feinde.
Und diesen Zweck hat er erfüllt. Unsere Truppen haben in den letzten Kämpfen feststellen können, daß bei den Femden nicht mehr jener Ueberfluß cm MateriU vorhanden ist, wie iw Sommer vorigen Jähves.
Wie trefflich sich unser« Maßnahmen an der Westfront bewährt haben, hat der Verlaus der Frühjahrsoffen sioe der Engländer und Franzosen erwiesen. Die Zurückna.h'n'e der Front vollzog sich vom Feinde unbemerkt, und jetzt, nach sechs Monaten, hat er unsere SregfriLd-SteÄnng noch nicht ernstlich angegriffen; so sehr hat Hindenbnrgs geschickter Schachzug ihm das Km^ept verdorben! Als die Engländer vN April bei Arras mtt 28 Divisionen zuNr Angriff vorgingen, gelang ihnen wohl ein Teilerfolg, doch unsere Front vermochten sie nicht zu durchbrech«r Die Fvartzvsen vollends, die cm der Aisne Net 17 Divisionen zum Angriff vorgingen und bis zu!m! 1. Mpi 72 Divisionen einsetzten, erzielten nubt nur keinen Anfangserfolg, sondern gaben die großangekegche Offensive infolge ihrer schkvererr Verluste alsbald auf, so daß das Ringen dort sich in ein« Reihe von zusammenchinglosen EirrzeKämpsen auslöste. Die Engländer bSmKhvm sich zwar, den Anfangserfolg bei Arras weiter anszudehnen, doch in siebemoöchigem Ringen ist mrch tsteser Versuch geschettert. SeitdeNt tobt an der flandrischen Front ein heftiger Geschützkampf, der newe schwere Angriffe arrkÄrdigt.
Die BerbtÜVeten der ©rctatfce hatten derweil ebenßrlls keine Erfolge auszuwersen. Sarrails Offensive fron soicder zu spät; sein linker Flügel erreichte zwar wieder MßÄtastir, doch dann gerieten die Operationen ins Stöcken. Italien versuchte abermäls am Jsouzo und im Trentino sein Glück, erlitt jedoch auf dem Karst eine ernste Niederlage. Rußland aber, auf dessen Eingreifen Man große Hoff- mnrgen gesetzt, siel bei der FrürtzjahrsoffLnffvv völlig aus. Die deutschen Siege Hab«: das Zarentum gestürzt und seine Stütze, die Arme«, v-eruMet. Kerenstt versuchte zwar mtt allen Mitteln die in ihrem inneren Gesüg« zerrissene Arme« loveder kampffähig zu mach«: Und sein den Westn:ächten gegebenes Wort «nzülösen: doch ganze Einheiten des Heeres versagten den Gehorsam. Einem kleinen Anfangserfolg ist auch hier eine schwere Niederlage gefolgt, die Rußlands Streitkräfte aufs neue schwer erschüttern m!uß.
Aut Ende des dritten Kriegsjahres stehen wir somit ebensowenig vor dom! Abschluß des blutige:: Ringens, wie am Ende des ersten Jähres. Mrßland ist zwar utttttärisch niedergewors«:, die Saloniki- Armee 4veiß nicht, ob sie Wetter kämpfen wird, oder ob man sich zur Aufgabe des ganzen Unternehmens entschließt, Jtäti«: aber zaudert mit wettere:: Angriffen auf die unüber:vindlichen Karst-Linien. Blicken Unsere Feinde ledoch auf die Kämpft an der Westfront zurück, so >mÄsscu sie zugeben, daß sie dort v-rel weniger erreicht:, clls ftn Fähre zuvor, trvtzdckM sie ihre Mittel gewaltig vermehrt haben. Waren sie 1916 noch imstande, ihre Lürgrifse bis in den November fortzusetzen, so erschöpfte sich diesütal die französische Ofjchrftve schon nach zwei Tagen, während die englische ohne größeres Ziel länger yärgezogei: wurde, zurzeit, aber sich trat einiem Llriillerie-Duell be- girüigt, ohne die Infanterie zuM Angriff vv-rzuschicken.
I,: der feindlichen Presse spickt jetzt di« Hilfe Amerikas eine gro^ Rolle; von ihm ettvartet man jene übermächtige Unterstützung, die die Mittelmächte endgültig auf die Knie zwingen soll. Phan- .tasttsche Zahlen tragen das Ihrige dazu bei, im Volke d«r Glauben zu erwecken, daß die Unün: imilitärisch, wirtschaftlich mrd ffnanziell dem Vierverbmld das Uebergewicht über seine (Gegner verschaffen wett>e. .,Mic kennen diese ,kd15 war es Italien, das die
EntsckioÄuNg brachte, 1916 Rumänien, und jetzt Amerika! Aabe: weiß aber jeder auch nur halbwegs Unterrickstete, daß vor dem FrüLiäbr 1918 neruuniÄverte Hille vm: den Vevttniat«: Staaten überhaupt nicht zu er,v>rrten .ist Frmrkrech hat schon längst alle mrr irgendwie verwendbaren Vttrnnschaften eingestellt; England leidet aber auch schon unter MaargcL an Ersatz. Für 1917 forderte seine Heeresverwaltung lVz 1 Millionen neue _ 5Nannsck>aft, doch es erwies sich als unmögKch, drese aus Industrie und Handel her- auszuz.'re'hen.
Sah das erste Kriegsjahr den Kampf des deutschen Feldheeres, so brachte das zLoette Jahr die Aufstellung neuer Formattonien aus Landsturm tzmd ReMtt«:. das britte aber sah Volk gegen Volk mtter Ausbietung aller Mittel der toofocncen Technik kämpfen. Mit fester Zuversicht treten wir nun in das vierte Kriegsjahr ein: wir könne:: es im Vertrauen aus die über alles Lob erhabene Haltuirg der deutschen Truppen und ihrer Verbündet«: imb im Vertrauen auf unsere FülMMg, die sich l«der Lage gewachst:: gezeigt hat.
Aus Stadt rsttd
Gießer:, 1. August 1917.
Der Erntemonat.
,.Jn keinem Monat des ganzen Jahres bretet die Natur einen herrlicheren Anblick dar als im August. Der Frühling hat }tmi großen Reize, und der 9Nai ist frisch und blütenreich. Mlein die Schönheiten dieser Jahreszeit werd«: durch ihren Kontrast nttt den vorhergehenden Wintermonat«: gehoben^ Der Aügifft entbehrt dieses Vorteils. Er frrntmt. Inenn wir nichts meltr im Sinne haben als sonnige Tage, grünende Geftlde icnd süßduftende MieEn, trenn uns di« Erinnerung air Schnee !und Regen und Nordstürme so gänzlich entschwmweiE, als würde der gl eich«: nicht wieder kehren. — und doch> noch einmal, :velch ein köstlicher Monat ist er! Die Gärten icttb Kornfelder sind durch geschäfttge Arbeiter belebt; ttes s«:k«n sich die Zweige der Bäume über die Wucht goldener Früchte; das Korn steht in Haufen oder wogt gleich einem bewegtm See, wem: viuch mir ein Lüftchen darüber hinfährt, als wem: es die Sichel herbeivusen wollte, und breitet gold«:e Färb«: über die Landschaft aus . . . ." >So preist Charles Dickens in seinem berühmt«: Rornm: „Die Pickwickier" 1«en Monat August. Man nruß zugeben, daß in d«: Lobpreisungen dieser Jahreszeit ein richttger Ker:: steckt, wenn auch die schwärmerische Begeisterung des englischen Ronmn- dichters für d«: Monat August die Schönheiten anderer Monate vielleicht über Gebühr in den Schatten stellt. Noch prangt die Natur im Apgirst in ihrem voll«: Glanze, und wenn sie uns auch nicht so viele Blüten beut wie der herrliche Maimonat, so entschädigt sie uns doch crics der anderen Seite durch viele schöne Gaben, die niehr realer Natur sind und die ttotzdem^ ihren Zauber auf irns ausüben. Das reife Getreidefeld und das abgemähte Getteidestld, aus dem sich viele fleißige Hände regen, um den goldenen Segen des Himmels glücklich einzübringen, Hab«: auch ihre Poesie, für die wir gerade jetzt eine besondere Empfänglichkeit haben. Die GetreideLrntts hat ja bereits in: J!uli ihren Anfang genommen, aber die Haupt- erntezett fällt doch in den Monat August, dem^ daher der Kaiser Karl der Große mit vollem Recht den Namen Zbranmcknvch (Erntemonat) gegeben hat. Die alten deutschen Monatsnamen sind leider bei M:s in: Lause der Jahrhmckerte wieder abgekvmmen, und es :vürde besonderen Schwierigkeit«: beregn«:, sie wieder einzuführen; so wird also auch dieser M«onat sein«: lateinischen Namen beibehalt«:, den er Au Ehren des römischen Kaisers Augustus trägt. Das Mittelhochdeutsche suchte diesen Monatsnamen in der Form Oügest n:ehr einzudeutschen, dasselbe war im älteren Norddeutschen der Fall, in dem wir der Form Angst begegnen. Unter dem Eiiffluß der deutsch«: Kanzlei-und 'Lchulspräche aber siwd wir in der neuhochdeutschen Sckaiftsprache zu der Form August gelaugt, u:ü» :vir betonen dieses Wort der lateinischen Be- tmrung gemäß auf der letzten Silbe, wahrend wir den auf denselben Ursprung zurückgehenden männlichen Personeunan:«: August die den deutschen Betonungsgesetzen entsprechende Betonung aus der ersten Silbe zuteil werden lassen. Ltm wenigsten hat sich die nieder- dauffche Niündart durch die Kauzleffprache beeinflussen lassen; sie hat sich den latett:ischen Monatsnamen August sehr hübsch und sehr kurz als „Apst" zurechtgelegt, und sie hat diesem Worte auch eine allgenreine Bedeutung zuteil werd«: lassen. „SMl" bedeutet heute im Norddeutsch«: so viel wie Ernte, und mit dem Ausdruck Aust- äpfel belegt n:an in Nordde:ttschlmrd die bereits im August zur Zett der Getreideenrte reifende frühe Apselsorte, die man in Mtttel- und Oberdeutschland Ernteäpsel oder August äpfel nennt. Das Niederdetttsche hat auch ein besonderes Zeitwort austen, das so viel wie erat«: bedeutet. Nun ist überall in deutschen Land«: di« Err:te in vollem Gange, limb wir können am Beginn des vierten Kriegsjahves sicherlich auch von einem Erntesiege spreche:^ der sich den glänzenden Erfolgen unserer Waffen in Galizien würdig zlur Seite stellen kann.
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** Abhanden gekommen sind ttr letzter Zeit in hiesiger Stadt eine schwere goldene Herrermhrkette nnt großen Glieder::, die :mch den: Ende zu kleiner werden, im Weäe von 130 Mk., eine schwarze Brieftasche mtt 100 Mk. Inhalt Utid 1000 Grarnm Brotmarken. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriininalpolizei entgegen.
Landkreis Gießen.
Klein-Linden, 31. Juli. Zur Mschiedsfeier für unsere größt« Kirchenglocke fand an: Smntag ein Abendgottesdienst statt. In würdigster Weise vollzog sich die eindrucksvoll« Feier in dem dichtbesetzten Gotteshaus«.
LJ Lang- Göns, 1. August Unteroffizier Wilh. Lang amtde weg«: ferneö tapfer«: Verhaltens vor dem Feinde Mn Mzs- feldwebel befördert.
Kreis Schotten.
Fc. Schotten, 31. Juli. Um den Felddiebstahlen vor^»- beugen, wurden zum Feldschutz elf hiesige Einwohner als Ehren- feldhüter verpflichtet.
Fc. Schotten, 31. Juli. Da von den Milchpwduzeutrn der hiesigen Stadt täglich 110 Liter Milch zu wenig abgeliefert werden, die dem Quantum von 77 Pfund Butter in zehn Tagen entspricht, wird den hiesigen Butterempfangsberechtigten bei der nächsten Butterausgabe diese Fettmenge in A^ng gebracht.
Fc. Stausebach, 31. Juli. Während eines schweren Unwetters schlug der Blitz in die hiesige Kirche und verursachte außer sonstigen Schäden mtter dem Dach auch einen Brand, der bald gelöscht wurde.
^ Kreis Frledverq.
Fc. Bad-Nauheim, 31. Juli. Ein Feldgrauer, 8er ffch von seinem Truppenteil enfferM hatte .in der hiesigen Gegend herumtreibt Und von dem nahen Schwallieim stammt, überfiel aiuf der Straße nach.Frickberg am Hellen Tage ein Mädchen, warf es zu Boden und beraubte es seines Handtäschckiens. Er wurde festgenommen. '
Hessen-Nassau.
ZlBiedenkopf, 31. Juli. Wie in Frankenberg, so sind auch hier wegen Ider zunehmenden Felddiebstahle cttva 5 0 E h r e:: f e I d- Hüter bestellt worden. Von IOV 2 bis 4 Uhr früh ist der Aufenthalt , im Felde verboten. Viele Gememden stellen nachts Wachen aus.
2$. Marburg, 1. lAug. Von hiesige:: Schulkindern tvurden bis heute aus dem Rathause rund 60 000 Kohlweißlingc« abgeliefert. — Bei dem gestern nachmittag über unsere Geg«w niedergegangenen Gew:tter richtete der Regen in einigen ^ ' markungen :m Süden des Kreises, besonders in den Berglagen Schaden au. In em:gen Ortschaften drang«: die Wasiern:ass«: in die Ställe.
II Diu r bU r g, 30. Juli. I:: ain«n idyllisch«: Waldtal in den Lahnberg«: 0 : unmittelbarer Näl)« bev Landesheilanstalt, der sog. ftnstcr«: Kmmrver, ist eine Walderholungsstätte fü'- L Un gen kranke errichtet wo:-d«:, deren endgültige Fertigstellung irnd Jirbettuebnahme durch den Krieg u:rt«-brochen :rmrde Jetzt haben dort etwa 50 schwach)« Kinder aus der Stadt Fernn oU!«^att genvumveu, die unter ärztlicher Lhuffichst u:ü> Leitung twm Damen des vaterländisch«: Frau«wereins ft: den vm: IZoyc:: Dannen mnsümnten Waldwies«: sich ftöhlich tamukeln.


