Ittuflmidjei (VnrrtrT von SSolbflätten imb beu Bfcfecrifdjesi General Salbte linb qeffcm den Flügeladjittxrnten des Kaisers von Oesterreich Oberstleuttrant Brvugier.
Der Reichskanzler in Belgien.
Berlin. 80.Äug. Die „Nvrdd. ÄUgem. Ztg." berichtet: Dler Reichskanzler, der gestern abend eine Informationsreise nach Belgien an getreten bat. hörte am Tage die Vorträge des Chefs der politischen Abteilung beim Generalgouverneur in Belgien, FreLbmrn von der Lancken, und des Verrvaltirngschess für ?! ländern, Scheible. Während der Fahrt von Köln nach Aachen empfing der Reichskanzler ans ihren Wunsch einige Vertreter der rheinisch- westfälischen Industrie.
H r ns se l, 30. Äug. Reichskanzler Dr. Michaelis empfing hier eine Abordnung des Rates von Flandern, die ihn in einer längeren Ansprache begrüßte. Der Reichskanzler nahm in seiner Erwiderung Bezug auf die Erklärungen, die dem Rat von Flandern beim Besuch in Berlin am 3. März d. Js. von seinem Amtsvorqünger gegeben Mürben, und erklärte, daß sich an dem Standpunkte der Reühsregierung nicksts geändert habe.
*
Rücktritt des polnischen Staatsrats.
Warschau, 29. Aug. (W. B.) Ter provisorische Staatsrat bat beschlossen, sein Mandat niederzulegen. Er beschloß ferner die Bildung eines Ausschusses, dem sämtliche Verwaltung s- und Haus- baltiidngsairgelegenheiten, für die der Staatsrat zuständig ist, insbesondere betreffend die Hebern ahme des Gerichts- und Schub- Wesens, übertrage« werben sollen. Ter bischerige Zustand wird durch die BestlstWe sacksti chnicht verändert, da die Bildung des Ausschusses die Fortführung der Staatsge schäfte sichert.
Enthüllungen im Zuchomlinowprozeh
Stockholm, 28. Auig. (MTB. Nichtamtlich.) „Nonwje Wremsa" vom 26. August: Im Su cho m l i nowpro ze ß begann das Zeuaenverhör. Als erster Beuge sagte der frühere Stabschef des Höchfckomnmndiercndeu General Januschkenntsch aus. Verteidiger Sacharin fragt den Zeugen, ob ihm am Tage der Mobil- maclsting nicht der Exzar telephoniert habe, die Mobilmachung auf-u schieben oder einzuschränken. Zeuge antwortete, ein solches Telephon gespräch habe tatsächlich stattgefunden. Es habe sich aber nur um *
Abän d e rung d e r a l l g c m c i it c n Mobil m a chuug in eine Tcilmobilmachung der vier Südwestbezirke gehandelt. Auf Antrag der Verteidigung, sein Telephongespräch mit dem Exzaren detailliert wiüierzugeben, erzählt der Zeuge Umstände, tvelchc der Kriegserklärung vorangrngen. Zu Anfang mar beschlossen worben, nur die Tcilnwbil machuna der vier Bezirke zu erklären, um Oesterreich-Ungarn zu schrecken. Dann aber mturÄe die Fnwge anderweitig entschieden. Am 30. Juli wurde nach meinem Bortrag beim Ex^aren die Gesamtmobilmachung unterzeuhnet Auf der Gefanitmobilmach, arg bestehend, sagte ich damals, es sei unbedingt erforderlich, unsere Haltung nicht nur Oesterreich, sondern auch dem hi.n t e r s ei ne m Rücken st e°> hendeu D eu tschlaud bestimmt zu zeigen — hier kurze Telegramm ver stümmelung — Wir waren uns bewußt, daß der Zar sich nicht ohne weiteres dazu ablehnend verhalten konnte, dein: er wußte, daß unser ganzes Rüstu n gspro g ra m m bis zum Jahre 1918 fertig sein werde und es deshalb nötig sei, die Zeit bis zur Durchführung dieses Programms ausznnützen. Aus Peterhof erschien ich in der Ministerratsitzunq und überbrachte den von dem Exzaren Unterzeichneten MobilmachungSukas. Aber noch arm selben Tage, etwa <*ageu 11 Uhr abends, wurde ich von: Zaren ans Telephon gerufen. Es wurde nttr die Frage gestellt, wie weit die Mobilmackmug gediehen sei, ob mau nicht um die allgemeine Mobilmachung herum käme, ob mau sic nicht durch eine Teilmobilmachung lediglich gegen Oesterreich ersetzen körrne Ich antwortete: Dos ist außerordentlich schwierig. Es drohen katastrophale Folgen Die Mobilmachung hat bereits begonnen. 400 000 Reservisten sind bereits einberufen.
Dann erklärte mär der Exzar bestimmt, er habe von Kaiser Wilhelm
ein Telegramm erhalten, m welchen! sich jener mit seinem Ehrenwort dafür verbürgt, daß, falls die allgemeine Mobilmachung nicht erklärt werden würde, die Beziehungen zwischcn Rußland und De-utschland wie bisher freundschaftlich bleiben würden. Nach dieser Unterredung mit dem Exzaren fuhr ich zum Minister Safanow und überzeugte ihn, daß miau jetzt eine Auf- debung der allgemeinen Mobilmachung nickst bewerkstelligen könne. Es wurde beschlossen, daß er am Dtorgrn dem Kaiser einen neuen Vortrag lialten sollte Tatsächlich hat er diesen Vortrag gelialtest und am folgender! Tage um i\ 2 Uhr fand eine Beratung im Schlosse statt, an der Sasanow, Suchomlinow und ich teilnahmen. Ist etwa 10 Minuten hatten wir beschlossen, daß keine Möglichkeit vorhanden sei, die al1g e mei nc Mobilmachun g rückgän - g i g zu machen, und daß die Aufhebung der Mobilisation für Rußland verderbenbringend fei.
Nach tont Zeugen bittet Such om l in o w Ergänzungen zu der Aussage machen zu dürfen. Er spricht sehr einfach und macht weitaus lwlen de Gesten mit den Händen und schlägt sich ans die Banst: „Ist der Pacht zum 30. Juli," erklärt er, „läutete mich der E x z a r an und befahl mir, die M o b i I m a d> u n g auszu - p eben Ick> erhielt einen direkten Befehl, einen bestimmten Befehl. der keinerlei Erwiderung zuließ. Ich war ganz benommen. Die Mobilmachung war bereits erklärt und bei einer Rückgängigmachung drobte eine Katastrophe. Was sollte ich tun? Ich wußte, daß es unmöglich sei. die Mobilmachung rückgängig zu machen, daß es faktisch undurchführbar sei. WaS würde dann in Rußland Vorgehen? Weiß Gott, was da für «ein Brei hcrauSgekomMen wäre. Ich fühlte, daß ich zugrunde gehe. Eine halbe Stunde nach dem' Gespräch mit dem Exzaren läntete Ianusch k elvi t sch an. Er sagte »nfir, der Zar habe erklärt, die Mobilmachung einzn stellen. lind was laben Sie ihm' geantwortet, fragte ich. Ich antwortete ihm, daß es technisch unmöglich sei. Aber der Zar besaht trotzdem die Mobilmachung einzustellen. General I a n u s ch ke w i t s ch fragte mich nun, was jetzt geschehen solle. Ich antwortete: Tun Sic nichts! Ich fühlte, wie ein Seufzer der Erleichterung von seinen Lippen kam. Am nächsten Morgen
log ich dem! Zaren
vor und erklärte ihm, die M obil mach'u ng finde nur in den Bezirken der .Süd w c styeb i e t e statt. An diesem Tage kam ich um meinen Verstund. Ich wußte, daß die Mobil- mach ung in vollen!. Gange war und-daß es unmöglich sei, sic einzn- halten. Zum Glück brachte man dem Zaren an demselben Tage eine andere Ueberzeugung bei nnd ich bekam meinen Dank für die gute Durchführung der Mobilmachung. Andernfalls säße ich längst im Kerker "
Der Zeuge Ianusck ke fo i t s ch wird nochmals vorgerusen und läßt fick- ük^r fein«' Unterredung mit dem deutschen Militärs attacho ans: Jcki- gab ihm das Ehrenwort des Generalstabs- ick-efs, daß, in jenem Moment, genau um 3 Uhr, am 29. Juli die Mobilmachung- nicht er k l ä r t sei. Ich erinnere mich dieses wichtigen Momentes tu allen seinen Einzelheiten gcnan. Der Major glaubte mir nickst. Ich bot ihm an, es schriftlich zu geben, was er höflich, ablehnte. Ist hielt mich für berechttgt, ihm solche Erklärung schriftlich zu geben, u>eil die Mobilmachung in dies,-nt Moment tatsächlich nock> nicht erfolgt ivar Den U kas darüber hatte ich bei mir in der Ta sche.
(Änmertung des WTB.): Aus dieser Darstellung geht l^ervor:
1. daß der russische General st ab ssches den, deutschen ^Militärattache in ferner bekarotten ehrenwörtlicheu Erklärung bewußt getäuscht ,hat. Er hatte den Gesa mttno bi Iura- chungsbeiehl des Tiaren ^inr 29. schon iß! der Tasche und er halt kein Wort ermähnt. das Gegenteil emphatisch betont
2. Jmruschkewitsch bestätigt, daß tue russisch' Gesamt mo- bi l machung, nicht bloß gegen Oesterreich, schon« m 29 JIu 1 i ungeordnet und durchgefübrt wurde
3 IoTruschlewrtich, zusammen mit Safonow und Suchomlinow, haben gegen den Willeu hes Zaren den Weltkrieg --ntfesfelt, dadurch, daß sie den Befehl auf Einstellung der wobilmaebung nicht Folge geleistet mrd auch den Zaren lvlogen haben
Die Moskauer Uonferenz.
Tscheidse.
Petersburg, 28. Aug. (WTB) Die Petersburger T^e- graphen-Agentur Meldet über den Kongreß in dNvstau vom 27. August: Tscheidse, der Vertreter der Arbeiter- und Soldaten- rätc ganz Rußlands, bestieg die Rednertribüne unter dem begeisterten Beifall der Linken und miter dom Zuruf: ,,Es lebe der Führer'der russischen Revolution!". Ist! Namen der Vertreter einer Reihe demokrntiichcr Vereinigimgen verlas Tscheidse eine Erllä- rung, die hervorhebt, daß nur die tätige Mithilfe der revolutionären Demokratie die Wiedergeburt -der Armee und- des Landes und dre Rettung Rußlands und der Revolution ermöglicht! werde, daß die Demokratie nicht von dem revolutionären Lande getrennt werdet! tön.ne und daß nur eine Macht, die sich auf die ungeheuren Volrs- iuassen stütze, das Land atns ferner kritischen Lage retten und die äußeren und inneren Feinde besiegen könne. Tscheidse erklärte darauf, die geeinte revolutionäre Demdkratie erkenne, daß die Lcbens- interessen des Landes nnd die Revolution die unmittelbare Anwendung rolgcnder Maßnahmen verlange: 1. 2luf dein Gebiet der Lebensmittelversorgung muß die Regierung in Befolgung erner festen Politik das Monopol für Körnerfrüchte und feste Preise für landwirtschaftliche Erzengnisse aufrechterhialten. 2. Auf dem Gebiete des Handels, dar Industtie und der Landesverteidigung verlangt die Erzeugung und Lieferung von Munition durchgreifendere Rhaßnahmdu zur Regeluug des Transportes und zur Erhöhung der Ergiebigkeit der Industtie. 3. Die Finanzen verlangen rücksichtslose Anwendung der Gesetze bezüglich der Einkommen- und Kriegs- gewinnsteuer, ebenso eine Reform der Erbschaftssteuer sowie Einführung von Steuern hinsichtlich des Wertzuwachses und der Luxus- artikel und andere Stcuernlaßu ahmen. Bezüglich! der Anleihen imiß die Regierung kräftige Ädrßnahnien hinsichtlich ihrer Verteilung tteffen. 4. Die Agrarreform^ nruß i-ede Aneignung von Land sowohl durch einzelne als auch durch Perscmengruppen oder durch Gesellschafteu verhrndrwu. 3. Hinsichtlich der Organisation der Armee verlangt, die Erklärung Abgrenzung der^ Rechte und Pflichten der Führer imb der Armeekommissare. — Hinsichtlich der Rationali- tätenfuaqe besteht die Erklärung darans, daß die vorlänfige Regierung jeder Nationalität die Bestimmung Über ihr Schicllal überläßt, vorausgesetzt, daß die konstittnerende Versammlung ihre Einwilligung erteilt. Der Redner beendete seine Erklärung mit einein Appell an die vorläufige Regierung, die Mit voller Machtvollkoin- Menbeit auSgestattet werden müsse.
Petersburg. 28. Ang. (WTB. Nichtaintlich.) In der Llbendsitzung der Moskauer Konferenz wies der Petersburger Tele- gravheii-Agentur zufolge der frühere KriegÄninister Gutfchkoiv auf die ldrolende E^efahr einer Nied-erlage des russischen Heeres Und auf die Krise iist nationalen Wirtschaftsleben hin, die die Versorgung des Heeres mit Munition und Viwvflegungsmitteln täglich schlvie- riger Mache, llnzufriedenheit und Mißstimmnng seieu allgemein iM Volke verbreitet. Die Hauptfrage sei gegenwärtig die Wiedererftar- kung der ohnmächtig g-ewor-denen Zentralgewält. Gutschkow, der bei fernen Darlegungen die für jeden Redner festgesetzte Zeit überschreitet, nruß schließlich die Rednertribüne verlassen, wogegen die der Rechten augehörenden Teilnchnver der Konferenz protestierten. Nach OMtschkow sprackf Sckmlgm, der sich gegen die L-os-lösungs- besttebungen gewisser Teile der ntrainisckren Bevöllermrg wandte. Sodann verlas KerenSki -ein B'grüßungStelegraMm Wilsons, das ihm der amerikairische Botschafter übermittelt lfiatte, rmd beauftragte unter den! Beifall der Versainmlung den Minister des Aeußern Terestsck^nko. bcm 1 Botschafter den Dank der Konferenz-' teilnetm>er ausßnsprechn!. Der Mgcordnete der vierten Duma Ma- klakoiv drückte seinen Zweifel darüber' aus. daß es der Regierung gelingen werde, ihr Programm durchzuführen. Iin Namen der Arbeiter - und Soldatenräte sprach Tsnetelli über die wahrend der Revolution liervorgetretene Peden'ttmg der dem^okrattichen Organisationen.
Die dritte Tagung der StaatSkonserenz.
M o s kan. 28. Äug. lWTB. Nichtamtl.) Meldung der Peters brrrqer Telegraphen-Ägentur: Die dritte Sitzung der Staats konferenz begann mit einer Bleibe des Vertreters der Semstwos^ lGruziiww, des eheinaligen Militärgouverneurs von Moskau, der erklärte, tmß seine Gnchpe sich der. Erklärung der viertel! Duma anschlöffe, welch' Rodziauk» nicht Zeit gehabt hätte zu verlesen. Die Erklärung besage, die HrirptaUsgabe des gegenwärtigen Augenblicks sei, Rußland vor einem feiüdlichsn Einfall zu retten, und zu diesen! Zweck die Manneszuckst in der Arinee durch Beseiti gimg jeglicher Polittk wieder herzustellen, das Ansehen der Führer zu verstärken, die Machtbefugnisse der^ militärischen Ausschüsse aus il/re foirtschaftlich-.ni ?lufgaben zu beschränken und dem Ober- bes-ehlsl)aber die Möglichkeit zn -geben, seine Macht ohne Ein- fchrärrkung aus zu üben. Darauf ergrifft! Vertreter der Eisenbahn das Wort, unter ihnen Froiow, der Abgeordnete des' Bundes, der Ingenieure, der auf die vollständige Zerrüttung des Verkehrs lnnwies. Ein Vertreter der Israeliten (Gruzenberg) hielt eine lange Rede, in .der er sagte, das j Di sche Volk lieüe,^ tvo-tz der unerhörten Berfvlgimgen, denen es von der alten Regierung ausgesetzt gewesen sei, gleichwohl sein größtes Vaterland, und trug mächtig 'zu seiner Befreiung nnd Verteidigimg gegen den Feind bei. Vertreter der Ukraine Und des ösllichstu Riuschands, die so- -gm an Uten Weißrußlands, erklärten, ihre Völker feien bereit, dein Wohl des Vaterlandes alles zu opfern. Ein Vertreter der Letten sagte, Bttland werde niemals mit Deutschland sein. Ein, Vertreter des allgemeinen Bundes der russische!! Muhamedaner sagte, alle muhamedanischen Bürger Rußlands unterstützten voll die vvr- läufigc Regierung.
*
Finnland
Kopenhagen, 29. Äug. (WTB.) „Politiken" meldet auS Sdockh'olm: „Russkaja Woljeck' erfährt Uns sicherer Quelle, daß rveitere '-Ibteilnngen russischer Kavallerie mit Panzerkraftwagei! nach Finnland entfaiidt worden sind. Bekanntlich wurde heute der finnifck)e Landtag trotz des Verbotes eröffnet.
„Berlingske Didendc" inelde t ans Kristiania: Nach amtlichen Mitteilungen sind hier 1000 Familien obdachlos. Durch sttengste Handhabung des Gesetzes über die Einwanderung von Ausländern soll versucht, iverden, einer' Ver- schlrmmerniig der Wohnungsnot vorznbeugen.
WilsonS Antwort ans die Papstnote.
Washington, 28. ?lüg. > Privattelegrammh Reuter will wissen, die amerikanisch-? Wittvort aus die Rote des Papstes, die in die höflichste Form gekleidet ist, findet keinen Boden, auf dem mau die Erörterung des Friedens fortfetzen könnte, da eine Er-^ klärnng Deutschlands über die Bcding!m< 7 en fehlt.
*
Schlechte Ernte in England.
R-otterdarn, 29. Ang. (WTB. Richtarntlick^.) Der gestrige '^turin fügte, tvie der „Nieuwe Rotterdarnsche Eonrantt' ans London berichtet, der Ernte großen Schaden zu. Die „Dnnes" inahnt zur Sparsmnkett in Lebensnttttelm. Der taub Wirtscha f 11 iche Mtarbei ter der „Times" schreibt: Auf eine der schlechtesten Saats-aisonen folgte eine ebenso ungünstige Ernte. Der Schaden, den die scheren Regengüsse von Arrfarrg August anrichteten, lvurde nicht ivieder gut gemackst. Der Regen hielt die gan^e Zeit im gcrnKen Lande an, so- daß die Feldfäüchte zu Boden liegen und das Mähen nnd Etirbrtngen verzögert ivird. Durch den gestrigen Stnrni ist die Lage außerordentlich verschlechtert. Die Ernte wird sehr m!guustig. Es ist ein Glück, daß die Aussichten in Amerika und Kanada besser sind.
*
Reue Unruhen in Spanien.
Bern. 30. ?lug. Der „Temps" meldet ans Madrid: 9lus einigen Landesteilen treffcn neuerdings Rackpuchten über Unruhen und <Äävung ein. In einigen Städten, auch in Madrid, werden die Militärpatrouillen wieder- enr^efÜhrä.
Seefrleg.
Reue U-Boot Erfolge.
Berlin, 29. Ang. (Amtlich.) Durckr unsere U-Bootk wurden in der Nordsee und im Bristolkanal neuerdings vier Dampser und drei englisch^ Fischerfahrzeuge versenkt, darunter zwei bewaffnete englische, tiefgcladcne Dampfer von mindestens 4000 Tonnen, ei n ticfgeladener französischer ' Dampfer, anscheinend mit Kohlenladung, und die englischen Fischerfahrzeitge Nr. 101, Elraza (W. B- 105), S. H. 107.
Der Chef des Admiralstabcs der Marine.
Rotterdam, 29. Ang. (WTB.) „Maasbode" meldet: Der englische Dampfer „Royal Transport" (4652 T.) wurde nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Dampfer im Hafen von Quebec ans Strand gesetzt. Der amerikamsch-e Segler „Cachonn E. Roß" ist gestrandet und gllt als verloren. Der amerikanische Segler „George A. Mars!)" ist gesunken, ebenso der englische Dainpfer „Glenafton". Der ainerikanische Schoner „Liz-zie A. Williams" (189 T.) wurde verlassen aus See angetvosfen. Der englische Dampfer „Sels- vig" (971 T.) ist gesunken. Der englische Dampfer „Oriental" ist gesttandct und ivrack. Der französisck>e -Segler „Cygne" (303 D.) ist gesunken, ebenfalls das Motorschiff „Alfred Nobel" (108 D.). Der englische Segler „Clementine" (152 Tonnen) ist gesttandet und wrack: der Dampfer „Eve Marie" ist gestrandet und gllt als verloren. Der englische Dampfer „Clementts" (2162 Tonnen) ist gestrandet. Der Dampfer „Matnnga" aus Melbourne (1618 T.) ivird vermißt. Der dänische Dmnpfer „Ale)-ander Sl)nkofst^ (1652 T.) wurde versenkt.
Madrid, 29. Ang. (WTB. Nichtamtlich. > Blätter- ineldnngen zufolge hat ein Unterseeboot in der Nahe der portugiesischen Küste die Portugiesischen Dainpfer „Serra de Palas" und „Serra da Marac" versenkt.
Aus den« hauptausschutz des Reichstags.
Berlin, 29.Äug. (WTB.l Der Haupbausschuß des Reichs^ tags beriet lieute die vorliegenden Anttäge auf Aushebung der politische!! Zensur Und Wiederherstellung der Versammlnngsfreihert. Ein fortschrittlicher Redner brachte den bekannten Fall der „Frankfurter Zeitung" zur Sprache (Entgegnung auf einen Artikel der „Kreuzzeitung"). Wälzend gegen die „Kreuzzcitung" nichts unters uommen wurde, stellte das Gencralloiumandv in Frankfurt a. M. den von dem Berliner Bureau der „Frankfurter Zeitung^' telephonisch übermittelten Attikel unter Vorzensur. Es liege also eine Ungleichmäßigkeit in der Behandlung der beiden Blätter vor, die zweifellos aut politifche Gründe zurückzuführen sei. Deshalb fei die polittsck>e Zensur den Militärbehörden aus der Hand zu nehmen. Ueberhaupt begingen die Generalko nun andos auf allen inöglichei! Gebieten Uebergriffe, die zum Teil gegen die Gesetze verstießen. Bei Behanolung der Friedensbewegung gehe die Zensur tendenziös vor. Das prenßiscknc Belagerungszustandsgesetz von 1851 iniüsse durch ein nwdernes Reichsgefetz ersetzt werden, unter Ncu- rcgelmrg des Verhältnisses der Militärbehörden zu den Zivilverwaltungen.
Ein rmabhängiger Sozialist erklärte: Der 9icichskanzler sei ein Werkzeug des Ersten 0>eneralgilcirttern!eisters Lndendorff, und das Kttegsaint gebe den Ton au bei dem schroffen Vorgehen gegen die Arbeiterführer, besonders gegen die Angehörigen der unabhängigen Sozialisten. Dagegen ^verde die alldeutsche Agi- lation sogar ins Heer getragen, und Schulkinder ivürden in ihren Dienst^ gestellt. Gege>! die Partei und Gciverkschastsblätter der unabhängigen Sozialisten gelw die Zensur rigoros vor. Die Redakteure radikaler sozialistisck^er Blätter seien in Schutzhaft genommen) bzw. ins Heer eingereiht worden. Deslzalb sei der Belagerungszustand auszuheben und die Frcil>eit der Presse mrd Personen sowie des Vereins- uuld VersaunnlungSrockües wieder herzustellen..
Der Vertreter >>'S Reichskanzlers erwiderte hierauf: Nach dem Kanzlerwecküel verbreiteten die feindlichen Zeitungen die Be- 'hauptung, der neue Reichskanzler sei lediglich ein Werkzeug der angeblick>en Militärdiktatur. Der gegen unser Land gerichtete:: Zweck solcher Ausstreuungen sei für jedermann klar. Er stelle fest, daß der dlbgeordnete Dittmanu es fitt richtig gehalten habe, fin; draußen und im Lande zu verbreiteu, womit er wieder einnkal die Arbeit rmserer Feinde besorgt lxabe. Die Persönlichkeit deSi Reick>skanzlers stehe nwhl für die ganze Komniission zu hoch über sotcheu Angriffen, als daß er als Vertreter des Reichskanzlers! sie gegen Dittmann zu verteidigen brauche.
Unterstaatssekretär ^öalrafs erklärte, der Antrag aus ')lushebung des Belagerungszustaudcs, der jetzt lviederholt rvird, sch schon im Mai im Reichstage gestellt nnd abgelehnt ivvrden. .Nun habe sich aber die Lage nicht geändert. Keine der kriegführenden Mächte verzichte ans.diese für ihre Lebensinteressen nottvendigei! Macht- iniltel. Daher bitte er um Mehnnng dieses Antrages. Bei den anderen Anträgen, die auf Airsihebung der politisckMN Zensur hin- zieltcn, müsse man wohl erwägen, ob auch die äilßere Polittk im vollen Umfange freigegeben werden solle. Das verbiete sich lvohl
— was die Befrenmg der inneren Politik von der Zensur betreffe^ so seien auf diesen! Gebiete bereits Kriegsziele und kriegswirtschaftliche Dinge freigegeben worden. Die freie Aussprache der witt- fck>astlick)en Fragen lwbe auf den robusten Teil der Bevölkerung! günsttg gewirkt, ans den weniger widerstandsfähigen dagegen deprimierend.
Ein Zcntrmnsredner erblickt in diesen Darlegungen einen: bedeutungsvollen Schritt des Entgegenkommens. Das Spionagen gesetz mit seinen scharfen Bestimmungen genüge vollkoinmen für die TLahrnng der militärischen Interessen. Die betrachttiche Hand- heibnng der ^ Zensur l>abe zu unhaltbaren Zuständen geführt. Mehrere tausend Offiziere nnd Beamte — eine größere Zahl, als es Redakteure gebt' — sei bei den Zensurstellen tätig. Aber das politisckD? und vaterländische Ergebnis ihrer Arbeit sei nur gering. Redner fragte, wer die politische Verantworttmg fitt die .Kaiserr^e trage. 1904 sei dafür die volle Verantwottlichkeit des Reichs-1 kanzlers zngesagt worden. Die öffentlich. pnbliz!erten Reden des Kaisers müßten mit der amtlichen Politik konsorni gehen, da andernteits diese im Anslande nicht als zuverlässig angesehen werden.
' Der Staatssekretär des Aeußeru erwiderte zu den Bemerkun-. gen des Vorredners über die Frage, inwieroeit die Veröffent-l lich-ung von Aeußernngen S. M. des Kaisers von den verantwortlichen Dien Mellen gedeckt ivüriX', er weise darauf hin. daß daS Auswärtige Amt einen ständigen Vertteter im Hauptauartier habe, so daß die Verantivortlichkeit des Reichskauzlcrs gesickert sei. Der Staatssekretär betonte ferner die Notwendigkeit, gewisse Zensur^ befugnissc mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der auswärtigen Politik aufvockü zu erhalten. Es l>andle sich dabei um die ins Auslandt geliendei! Nachrichten.
Major Grau vom Kriegsnlinisterium ging ans einige der vor- gebrachten Beschw'?ttwn ein. Das Verbot, die Oberste Heeresleitungi in die politischen Erörterungen hineinznziehen, sei aus einen .ausdrücklichen Wunsch des Generalfeldmarsckialls von ^Hindcnburgi rnrückzuführen. Dieser Wunsch l>abe bei der Presse auch volles Verständnis gefnndim. Als Ende Juli dieses Jahres einige Berliner Blätter gegen das Verbot verstteßen, sei es !wchmals nach- driicklich in Erinnerung gebracht nwrden. Trotzdem sei in der „Fwankfurter Zeitung" ein politischer Artikel erschienen, der die Oberste Heerosleittnig nicht uneNoahnt ließ. Daraufhin seien die Berliner Telephonate dieser Zeitung unter tellweise Präventiv- zensur gestellt nwrden. Einer Beschwerde der Redaktion ülxw diese Maßnahme lwbe der Obermilitärbefehlshaber ftattgc;wben, »t^eÜ er die Zensurbestimmungen ihrem (Riste nach ausgelegk nässen tvollte.
— Das"Verbot der „Zukunft" sei erfolgt allein aus milllärisckien Rücksichten. Harden schreibe so, daß er oft mißverstanden nvrden müsse. Das habe das fcindlickie Ausland sich zunutze gemacht, in^ deni eS seine Artikel zur Wiederbelebung der gesunkeueu Kriegs-« begeisterung ausgefchlackstet habe. Das fei sotveit gegangen, daß der „Figaro" vom 5. Mar d Js. gefordert habe, der letzte HardcnckÄrttkel möge zur Belebimg der VolkSstimmung !N Frank- reick» öffentlich mrgestplageii toerden Eine Zusammenlegimg von


