Nr. \n Zweites Blatt
Erschein, täglich mit Ausnahme de? Sonntags
167. Jahrgang
Beilagen: ..Siietzener zamilienblätte^' und „Xreisblirtt für den Ureis Gießen".
-ostf fecktonto: Zrantfurt am Main Nr. U686. Banfocrfchr: Gewerbebank Gieren.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Dienstag. 31. )u!r M7
ZwillmgSrundoruck und Verlag:
B r ü h l'sche Unwersttäts-Buch- u.Steindruckere:. R. Lang e, Ließen.
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Anschrift für Traht mchrlchlen'.AnzeigerGießen.
vie Eroberung von Tarnopol.
28. Juli. Ein deutscher .Kriegsbemchterst.lltcr gE folgende nnschaulcche Schilderung von der Einnahme von Dcrruopol: „Tarnopol ist am Morgen des 25. Juli gesnUon. Nachdem ein Frontalangriff über die S reth- ^?een, der- mmötige Opfer gekostet und mcherden: als Bor- Esetz^rng die Zerstörung der von den Russen besetzten durch die deutsche und österreichische Artillerie ge- YmDent hätte, ochgegeben war, wurde der Sereth-Ueber- g<nrg südlich der Stadt erzwungen. Am 22. abends langten Nordwesten deutsche Div is tonen am Sereth an und sch^rlwen nach Osten gegen den Muß ein. Breit und tief sllLtzthrer der- Sereth zwischen Höhenzügen, die vor allem ^Mrr Ostufer )teil gogen den Wustgrund zu ab fallen. Die Mwrme der oöhen waren von stark eingedeckten Grüben gemro. Die Russen hatten die Sereth-llebergänge nur zum Zerstören können. Einzelne Hvlzbrücken, die nicht recht ,^QLer gesunken, waren für Jnfarrterie üb-erschreitbar:
waren völlig unversehrt Die Mrssen hlttten aber die EMklung-en stark mit Maschinengewehren besetzt und leisteten Ätyeu'Wdiersband. Die Deutschen setzten an den versckffede- i^r brrl sn zuerst mit kleinen Kommandos über, die durch AlMNerendeis Feuer gegen die russischen Stellungen die stellen langsam verbreiterte::. Den ganzen ^ — die 9Lacht zmn 24. Juki dauerte der ^der<Mbg. In heftigen: feindlichen Feuer besserten Pio- MMdre beschädigten Brücken aus und schlugen Pontonbrücke über den^Flnst, der an: Nachmittag des 24. bereits 7 ?, MMreichen Stellen zwischen Ostrow und Strusow fiir s chKvere A rttllerie passierbar- war. In den Dörfern an: linken ^erechuscr und auf den waldigen Höhen ösllich des Flusses J ® 1 es zu erbitterte:: Doch- und Waldgefechten. Mikulinee Legt voll toter Russe::. Die Feldbatterien setzte:: dicht der Infanterie über- de:: Mich, während die schwere Artillerie vom diesseitige:: Flnßuffr aus die Russen unter flankiereiche- Feuer uahm. Zahlreiche der alten Chaussee- häume an der nach Norden führender: Tarnvpoler Land- ltratze wurden vor: schwerer: Granate:: nmgelegt und sperr- ten f*> d« Rückzugsstraste. Die Ztusser: haben die große Gefahr erkannt, dir durch die Flankenbedrohung für vie Stadt besteht, derer: dreijährige Besetzung sie in weniger als einer:: Monat feiern wollten. Sie" haben starke Kräfte herangeführt, und in dem Raun: zwische:: den: Sereth und der Bahn Tarnopol—Treurbowla entspiun-en sich heftige Kämpfe. Langsam nur lveicht der Russe gegenüber dein wechselndem Druck bis an die Bahn und über die Bahn irach Osten und Norden zurück. Nördlich Bereczowjca komnrt es zu heftigen russischen Gegenangriffen. Dreimal greifen die Russen in dichlLn Masse:: voa: den Waldhöhe:: von Gaja^ Melk: heruarter an. Dreimal werben sie zurückgeschlagen. Danr^gehen am Merck: Neue deutsche Kräfte bei Ostrow über den Sereth, vor deren i:ngestü:nen Abrissen der Russe im Lause der- Nacht nartzgibt. Er gibt Tarnopol Preis, und an: Morgen des 25. ziehen deutsche Truppe:: in: Sturmhelm in die befreite Stadt, die sich vor Jubel und Seligkeit nicht M tassen kvviß.
Die wirtschaftlichen Verbindungen der Schweiz.
.ern . 29. Juli. lWTB.i Meldung der Schweizerischen Derschen-Agentur: Eine Konferenz, an der eine Aborchrung des Bundesrats, bestehend cm* dem Bundespräsidenten Schultheß. Bundesrat Mor. Chef des politischen Departements, und Vertretet der schweizerischen Presse teilnahmen, winden u. o. über die zw:schen der Schweiz :md den Ententestaaten schwebenden Ber- handlungen sowie über die Verhandttrngen zwischen der Schweiz und Deutschland betreffend das Handelsabkommen, nähere Mitteilungen gemacht, lieber die Verhandlungen in Paris wurde mit- geteckt, daß sie in diesen Tagen eröffnet werden. Sie beziehen sich aus Oie Ausfuhr von Holz und die Regelung einer Reihe Transit-, Ausfuhr- und Eins.uhrfragcn. Besoiwers dringlich ist. daß die der Schweiz nötigen Transportmittel gesichert werden, vor allem für die Beförderung überseeischer Waren. Die Verhältnisse gestalteten sich in letzter Zeit viel schwieriger. Der Schweiz ist es bis jetzt nicht möglich gewesen, sich den dringendst essorderlichen ^chtsfsraum zu sichern. Bezüglich des Verhältnisses der Schweiz zu Amerika hat die Schweiz Grund, anzunehmcn, daß die amerikanische Regierung nicht gesomun ist, der Schweiz ernstliche Schwierigkeiten zu machen und den Ankauf der nötigsten Waren M verhindern. Da die dort gekauften Lebensmittel und industrielle Rohstoffe usw. schon jetzt den cinsch rankeren Bestimmungen der S. S. unterliegen, darf angenommei: werden, daß Amerika Kr die Schweiz besonders interessiert und bereit ist, besonders ihrep Lage Rechnung zu trogen. Die Getreidean kaufe werden zurzeit tatsä chlich unterbrochen, da.keine gemjgende Ware vorhanden ist. Die Schwanz hofft, die Ankäufe nach der neuen Ernte ivieder cnrfnehmen zu können.
Bezüglich der Verhandlungen mit Deutschland ivurdc in der Mitteilung betont, daß für viele Lieferungen, vor allen: Kühle und Eisen. Ersatzlieferungen nicht möglich sind. Die Schweiz ist also daraus angewiesen, sich aus Deutschland vor allem die durchaus unentbehrliche Kohle zu beschaffe::, um den Betrieb ihrer Transportanstalten, Gaswerke :md Industrien zu sichen: und stzir die Heizung im nächsten Winter Vorsorge zu treffen. Deshalb entschied sich der Buickesrat dahin, daß der Abschluß eines n e u c n| Abkommens zu wünschen sei. da nur durch ein solches bestimmte Sicherheiten für die Lieferung der nötigen Waren geschaffen werden könnten. Der Bundesrat erklärte sich daher bereit, in Unter- handlimgen über den Abschluß eines neuen Mtömmens einzu- treten. Die Verhandlungen sind aber nicht leicht, da bekanitt ist. daß sich Deutschland selbst trotz seines Bodenreichtums in Verlegenheit betreff der Kohle befindet, angesichts der ungeheuren Bedürfnisse! der Kriegsindustrie. Auch dieZP r e is fr a g e 'bietet große Schwie rigkeüen, da aus deutscher ^>eite die Tendei-dz besteht, den Preis unter Berufung auf die Kohlenpreise anderer Libyer erheblich zu steigern, um sich für die dm'ch Deutschland zu leistenden Zahlungen die nötigen Drittel zu beschaffen. Die Vechandlmrgen gelangten noch zu keinem Mschluß. Soviel steht aber heute schon fest, daß die Schwerz sich nur d:rrch die tz^ewahr::ng eines sehr beträchtlichen An-> lehens eine erhebliche Menge Kohle zu erträglichen Preisen sichern kann.
Die Mitteilungen des Biu:despräside::ten wurden ergänzt durch de:: Bundesrat Ador, der mit dem Bundespräsidenten die außerordentlich schwierige Lage der Schweiz hervorhob und entschieden betonte, daß die Schweiz auf das Entgegenkomnren :md das Verständnis beider Mächtegruppen zur Auffechterhaltung ihres wirtschaftlichen Lebens angewiesen sei. Bezüglich des in Aussicht geu-omnrerun deutsche:: Anlechens vertrat auch er den Standpunkt, daß sich ein solches nicht werde umgehen lasse::.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 31. Juli 1917.
** Auszeichnung. Gefreiter Ludwig Herzberger, der seit Januar 191ö unwtterbrochen im Felde steht, wurde, dem er che Hessische TapferkeitsMedaille erhalten, nun auch mit dem Eiserne:: .Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
** Sammelt Kirschkerne. Seitdem die Kirschenernte in de:' Hauptsache vorbei ist, bemerkt mcn: unter den Kirschbäumen zahlreiche Ker::e, deren Verwertting zu Oel dringend nötig ist. Eine hauptsächlich für kleine Kinder passende Befchästigung ist es, diese zu sammeln, zu reinigen Und gegen Bezahlung an die in jedem Orte beffndlichen Sammelstellen abzuliesern. Da nur eine große Menge eine spürbare Linderung der großen Oelknappheit ver^ spricht und überhaupt erst rentabel ist — aus 1000 .Kilogramm Kernen gibt es höchstens 50 Kilogramm Oel — mso muß im vierte:: Kriegsjahr. in das wir diese Woche eintreten, das Sammeln mit größtem Eifer betrieben werde::. Kein Kirschkern darf ungenützt verkommen. Drum, frisch auf zur Sammlung!
Kreis Büdingen.
Büdingen, 30. Juli. Trotz des Verbots werden unreife W a l l n ü s s e in größeren dNengen angeerntet und in den Handel gebracht. Zuwiderhandlungen sollen oon nun ab icunachsichttich zur Anzeige gebracht werden.
4 - Ortenberg , 28. Juli. Die hiesige Ei n m a ch st e l t e des Rote:: Kreuzes und des Fvauenoereins ist in vollein Betrieb. Die Zufuhr von ffischem Obst und Gemüse ist über Erwarten viel größer als im vorigen Jahr, so daß gewöhnlich noch außerorde:rlliche Eru- machtage eingelegt werden müssen. Durch die ffeundliche Unterstütz: mg 'ber Schulen in den Genveinden Setters, Effolderbach, Eckartsborn, Lißberg, Bergheim, ttsenbor::. Hirzenhain, Merken- ^ ffitz. Ortend erg :uck> Wennings konnten bis jetzt allein 5 Zentner .Hinibeeren zu Saft verarbeitet werden. Graf .Kuno zu Swkberg- Rostla hatte aus de:: ffirstlichen Obstgärte:: allein fast 2 Zentner, Frau Rudolf-Konradsdorf \/ 2 Zentner .Kirschen zur Verfügung gestellt, dazu stifteten viele alte und nöce Freunde der Sttckle ans Ortenberg und vielen Gemeinden der Umgegend Obst und Gemüse in erfreulichen ALengen.^ Wenn der Eifer und die Gebeffsudig- keit weiter so anhält, so dürfte bis zum Herbst nffeder ein sehr be- sriet-igendes Ergebnis erzielt rverde::. — Infolge des großen Wter- tumswertes unserer Kffche bzw. ihrer Glocken braucht die Gemeinde nur eine ihrer vier Glocken abzuliefern. Die gottesdrenstüche Abschieds feier für diese Glocke fand an: Mittwoch abend bzw. Sonntag Morgen statt.
Kreis Alsfeld.
ch . Alsfeld, 29. Juli. Die Spar- und Leihkasse dahcer. tue sett dem Jahve 1827 besteht, und die zweit älteste in Hessen ist — die älteste ist die Spar- und Leihkasse Groß-Gerau —, hat ihre Tätigkeit eingestellt, ^und der gesamte Geschäftsbetrieb ist aus die hiesige Bezffkssparkaffe lLergegangen.
Kreis Friedberg.
** Bönstedt, 30.Juli. Bon Miseren bäben Ki-uchten- g lo cken wird die grö^re abgegeben. Sie ist noch zrenikch iungcn Mters, und mancher ältere Eorwohner Bönstedts e n t s üritt sich noch ganz gut des Tages, an dem sie aufgehängt irrtb geweiht wurde. Sie trägt M beide:: Seite:: eines Krirzifixes die Mssägiff „Ehre sei Gott in der Höhe" :m!d andererseits die Worte: W. Hr. Bach in Wöcdecken goß lntich — Bönstedt 1856. — Auf der kleineren Glocke steht die Umschrift:: In (Sottet Nahmen floß ich, Joh. Gg. Bttchund A B. Wmdecken goß mich. 1804.


