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Zvettes Blatt
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(67. Jahrgang
General-Anzeiger für G^rhejM
Samstag, 28. Zutt
ZwillrngSrunddruck und Verlag: Brühl'jcheUniversitäls-Buch-u.StLindruckerin. R. Lange, Gießen.
Lchriftlettung. «eschSfttsteke und Drvtterei: bchulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag:
Schrift leltung: 112.
Anschristfär Drahtnachrichten: AnzeigerGie^cn.
Englands Bedingungen für Friedensverhandlunge».
London 26. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Im 1lnterhau s e fragte King,
(S a t s o lt kürzlich in Dublin erklärt habe, daß irgendwelchen Ber- panbiuitgeii mit Deittschland die Zurückziehung kr beul-' scheu Truppen über den Rhein vorausgehen müsse, und ob die Rede Carsons den Standprmkt der 2llliierten in dieser Frage ^oiedevgede. B o n a r Law erwiderte, Carson hat in der Tat erklärt, wenn Deutschland den Frieden wünsche, müsse es sich vor allem bereit erklären, die besetzten Gebiete zu räumen. Die Erklärung werde von der englischen Regierung vollkommen gebilligt. (Beifall.) King fragte daraus: Wissen Bonar Law und Earson nicht, daß die beiden Rheimsser Deutschland aus eine beträchtliche Strecke gehören, daß Deutschland. wenn es sie besetzt hält, keineswegs feindliches Gebiet in Besitz nimmt? Bonar Law erwiderte: Sowohl Carsou wie ich wissen dies.
Ferner kam der Antrag der beiden Abgeordneten R am sah Macdonald und Trevelhan über die F r i e d e n s r e s o - AettLon des Reichstages zur Verhandlung. In diesem An- krag wurde gesagt, daß die deutsche Friedensresolution im Reichstage die stets von England verteidigten Ziele zum Ausdruck bringe, und die Regierung wurde aufgesordert. gemeinschaftlich mit den Verbündeten die Kriegsziele einer Revision zu imterziehen.
Rnfter meldet über die Verhandlungen: A s q u i t h erklärte, daß seiner Meinung nach Ramsay und Maedonald und Trevetyan dtzr Resolution des Reichstages einen größeren Wert beimessen., als diese verdiene. Sie scheinen vergessen zu haben, unter welchen Be.- dingimgen der Reichstag diese Resolution angenommen habe. Es sei eine Wstere Zckt in Berlin getoesen und es habe geschienen, als ob die Anhänger einer verhältnismäßig gemäßigteren Politik ihren Willen durchsetzten, daun a-ber seien die militärischen Führer erschienen, und diese hätten die Entlass'.mg des Reichskanzlers; Lurck)gesetzt, dem noch einige Tage zuvor der Kaiser sein volles und ungeschwächtes Vertrauen ausgesprochen habe. Der Friede, so fuhr Asquith sott, ist die große Sehnsucht der Menschheit geworden. 2lber auch er wird der alles überragenden Bedingung unterworfen, daß es ein Friede ist, der nicht die Ziele vernichtet,, für die die großen Nationen den Kampf begonnen und fortgesetzt h^en Das Ziel muß sein, daß nicht die unermeßlichen Verluste '™> Prüfungen, die wir gemeinsam teilen, für nichts gewesen sind Bei jeder Aenderung der Landkarte muß das führende Prinzip fern, die Interessen und die TLünsche der beteiligten Bevölkerungen zu wahren. Deutschland nruß nicht allein bereit gefunden werden, Belgien zuräumen, es muß auch v o l l st ä n d i'g e Wiederherstellung schaffen für die nnermcß- 1 1 ch e n ch ä d e n nnd die unerhörten Nachteile, die die verwüstende Besetzung des Landes begleiteten, ebenso ftir die tatsächliche Sklaverei an einem großen Teile der Bevölkernng. Aber ist Deittschland bereit, nicht nur einen Schein von Freiheit, sondern eine vollkommene uneingeschränkte ab s o titto Unabhängigkeit Belgien zurückzugeben? Beifall > Asguitb würde gerne von Deutschland die Antwort ans diese Frage baren. Er könne keine Antwort in der -unbestimmten Formel des: Reichstages finden. Er habe nicht den Wunsch, zu sagen, daß der Friede., u n m ö g l i ch sei, aber in den Vorgängen, die sich vor kurzen: in Berlin abgespielt haben, sehe er keine Annäherung von praktischen: Wert in der Richtung der Ziele der Alliierten.
Weiter eryärte Asgmth, er sei $nfrcefom, daß die Ko nfere n z, ocr Alliierten demnächst aus Eirlladnng Rußlands statt- Nnden werde. Hieraus könne nur (sftttes kommen. „Die Wieder--: hplüug unserer Kriegszielc," so fährt Asgufth fort, „ist gitt wegen zwei neuer Tatsachen, die seit Beginn dieses Jahres eingetreteui Und. Die erftc_ ist,, daß Rußland ft'rr immer aufgehört hat, eine Autokratie zu sein, die zweite ist das Vorgehen Amerikas mit allen seinen moralischer: und materiellen Hilfsquellen. Beide Tat-, lachen haben einen birettm praktischen Einfluß aus die Meinungl der Welt, sowie auch ans die Aufrichtigkeit unserer Ziele, und diese beiden Tatsachen schließen in sich ein, daß die Alliierten die übergroße Mehrheit der freien Völker der ganzen Welt bilden. Die Alliierten kämpfen lediglich für die Freiheit und ftir die Bedingung, daß nichts diese Freiheit feßle. Asgufth begrüßt c^_ Fmtim-r, daß jede Gelegenheft benutzt werden soll, um den Gedankenaustausch zwischen Yen Vertretern der großen Demokratien zu fördern. Es sei dies eine Angelegenheit der Völker und nicht der Regierungen, oder wenigstens nur insoweit der Regierungen, als sie sich als wirkliche Dolmetscher des Willens der Völker bekunden. Wenn die Temottatien der Welt dies einsehen, so könne man in absehbarer Zeit zu einem ehrenvollen Frieden ge-' langen. Inzwischen aber können tvir den Frieden nicht beschleunigen, wenn wir den Eindruck erwecken, als ob in unserer Ent- s-chlossenheit Zweifel bestehen, oder daß an unserer Kraft gezweifelt werden kann, die Lasten zu tragen, die wir mit so reinem Gewissen für die großen Ziele aus uns nahmen und die wir nur dann mit Ehren nftderlcgen können, wenn mir sicher fühlen, daß diese Ziele erreicht worden sind.
Der Vorsitzende der Arbeiterpartei schloß sich im Namen seiner Partei den Ausführungen Äsquiths an. Im ganzen' "and. so sagte er, besteht der aufrichtige Wunsch nach Frieden, aber dieser Wunsch ist. nicht gegründet am die Resolution deS.Reichstages, sondern aus die Erreichung der Ziele, für die tvir in den! Krieg Igln gen. Die Resolution der s r a n z ö si sch e n K a m. m e r im vergangenen Monat gibt eine klare und deutliche Antwort aus! die Resolution des Reichstages, uno wenn das deutsche Volk in der Tat den- Frieden wünscht, den es zu wünschen vorgibt, so kairn es ihn erhalten, loenn es seine Regierung zwingt, das zu tun, was die französische Kammer verlangt. Wir haben kein Recht, den Ursprung des Krieges zu vergessen. Bei den Alliierten herrscht noch dieselbe Ehrfurcht vor den moralischen Verpflichtungen, und kein Zeichen der Reue, und von seiten der sozialistischen Mehrheit besteht 'kein Verlangen, ein Abkommen zu schließen, wie dies der Antrag Ramsay Macdonalds unb Trevelyän wünscht. Die Arbeiter Englands sind u n c rs chü tt e r l i ch s e st.i n de m Wunsche, den Sieg zu erringen. Ramsay Maedonald und seine Freunde äußern ihre Ziele als fromme Wünsche. Tie Arbeiter aber begreifen, daß sie dafür zu kämpfen haben und daß sie die Ziele nur durch den Kampf erreichen können. TieAnnahme des Antrages würde die behauptete Wirkung nicht haben njtb er könne ihn deshalb nicht unterstützen.
Bonar Lato sagte, die Antragsteller lebten in einer un- wirkiichen Welt, sie hätten keinen Begriff von den wirklichen Tisse- renzen die iri der Welt aiesgegliären werden. Es ist ein Krieg, der beschließen soll, ob die moralische Kraft oder die medrige Ge sinnring der Welt regieren sollen. Wenn der deutsche Militarismus siegte, dann würden die zentralen Militärmächte das alte System in der Welt tvieder Herstellen. England känrpsc eben
sosehr wie die Riffsen für die Freiheit, und er ztveif'ele nicht, ^aß Rußland seine Rolle spielen und unter diesen Verhältnissen! der Sieg errungen werde. Bonar Law äußerte sich sarkastisch darüber, daß Ranisay Maedonald die Resolution des Reichstages unterstütze und gänzlich den einen Satz vergesse, der sich aus die Freiheit der Meere bezieht. Was ist mit dieser Freiheit der Meere gemeint? Deutschland bezweckt, daß eine Nation mit einer Flotten-, machst diese Flottenmacht nicht benutzen darf, während eine Nation» nift einer Militärmacht an keine Einschränsirngen gebunden ist. Und was nützt es, irgend etwas aus den Beschluß einer Körper-' schaff zu basieren, die nicht die geringste Macht hat. Bonar Law fuhr fort: „Wir haben unsere Ziele bereits bekannt gemacht. Deutschland hat niemals etwas derartiges getan. WarumWeil man ihm dann iit die Karten blicken könnte in jenem Äugend blick, in dem die Friedensbedingungen schwarz auf weiß niedergelegt werden müssen. '
Die Vo rfälle in Rußland haben eine große Veränderung der Lage geschassten. Die Lage ist gefährlich. Wir wollen ims jedoch keine verkehrten ^griffe» davon machen. Tie Hilfsquellen Englands mrd seiner Bundesgenossen reichen aus, um das Land sicherzustelleu.
Wouar Law saßt noch einmal die Kriegsziele Großbritanniens zusammen, inden: er sagt: Wir kämpfen nicht allein für die eigene Freiheit, sondern auch ftir das Recht der anderen Nationen, ihr Lebeii nach eigenem Willen leben zu können. Wir kämpfen auch- tum die Deutschen ans Belgien zn vertreiben, in das sie eingefallen sind, nicht Nur im Widerspruch gegen die Verträge, sondern mit einer Art der Schreckeinjagung, die seit dem. Dreißigjährigen Krieg in Europa nicht wieder erlebt wurde. Wir kämpfen, uni die Wiederherstellung 'zu sichern, insoweit eine Wiederherstellung des grausainen und unverdienten Unrechts, das dein belgischen Volke zugefügt wurde, möglich ist. Das gleiche gilt für Nordsrankrcich. Bonar Law forderte die Pazifisten am, zu erklären, ob die Formel keine Schadenersatzleistung bedeute, ob England voii Frankreich die Annahme eines Frizens ohne Wiedergutmachung des begangenen Unrechts fordern solle, ferner ob die Formel -.Keine Annexionen" bedeute, daß Elsaß-Lothringen, welches Frankreich mit Gewalt abgenommen wurde und immer noch mit Gewalt von deutscher Seite behalten tverde, auch fernerhin einen Tell des deutschen Kaiserreichs bilden solle. Dieser Gedanke sei lächerlich, wenn er von seften deutscher Pazifisten komme, die am meisten nach dem Frieden verlangen. Diejenigen! aber, auf denen die Verantwortung ruhe, trügen eine lebendige! Erinnerung der Vorfälle von Juli bis August 1914 in sich. Bonar Law schloß: „Bestand im Reichstage irgendwelcher Friedens Wunsch, so lange sich der Krieg zugunsten Deutschlands abzuspielen schien? Tie.se Fri e d e n s w ü n s ch c zeigten sich erst, als D c n t s ch l a n d g e s ch l a g e n zu werden schien. Die einzige Art, um wirkliche Friedensgesühle in Deutschland hervorzurusen^ besteht darin, daß wir zeigen, daß wir bereit sind, dnrchzulämv-fen, bis der deiitsche Militarismus vernichtet ist. Wenn aber der Friede käme, während noch die militärische Maschine imgebrochen in den Händen des Gegners sich befindet, so würden wir nicht die go- ringstc Sicherheit dafür haben, daß die Geiahr, die die jetzige Generation ruinierte, nicht ancb die folgende Generation minieren tverde. Es besteht eine große Verschiedenheit zwischen der deutschen Regierung und dem deutschen Volk, cü»er beide. Volk und Regierung, sind dazu gekommen, daß sie den Krieg
Schwär; weitz-ttunst in varmstadt und Gießen.
i.
In der Hessischen Kunstausstellung in Darmstadt 1917 befindet sich auch eine Abteilung für zeichnende Künste, oder, wie man sich niehr umfassend ausdrückeu kann, für Schwarz-Weiß- >lünst. Allerdings ist auch dieser Ausdruck eigentlich noch zu eng, da in einzelnen Pulikteii durch AnwenDuug von Farben bei denl verschiedenen 2lbdruck-Versahren wenigstens in bezug aus die äußere Erscheinung sich der Uebergang zur Malerei vollzieht. Diese ver- hältmsmäßig kleftre Ausstellung ist' in ihrer Art ausgezeichnet, da sie nicht nur sehr gute Eftrzelleistungeu enthält und dabxi eine .liebersicht der jetzt in dieser Richtung tättgen hessischen Künstler gÄck, sonderii auch in bezug auf die künstlerischeil und technischen Herstellungsarten reichhaltig und lehrreich erscheint.
Zunächst gebe ich die Nanwn der beteiligten Künstler und Mmstlerinnen:
2t l t h e i ni, Georg, Darmstadt, Best, Frieda, Mainz, Bolz, Karl, Mainz, Bonin, Elisabeth. Wornrs a. Rh., Eckstein. Willp-Im, Düsseldorf, Eimer, Ernst, Darmstadt, Frey, Herina, Tormstadt, G e ii g n a g e l Theodor, Darmftadt, G e o r g i, Hermann, Tarmstadt, G öbel, Ludwig, Nieder-Jngelheim, G r os ch , Sophie, Gonsenheim bei Mainz, H alm, Peter, München, Hart- mann, 2llbert Tarmstadt, Heiß, Mieze, Wvrms a. Rh., von H o f m a n n , Ludwig, Weimar, I o ch h e i m , Konrad, Offenbach a. M., Kä telhö n, Hermann, zurzeit Essen, Kayser, Leo, Tarmstadt, Keil, Hermann, Kelsterbach a. M., Kl e u ke ns, Friedrich Wilhelm, Tarmstadt, Kunz, Hugo, München, von L a d i g es, Dagmar, Worms a. Rh., Mendelssohn, Märia, Darmstadt, Otto, Heinrich, Düsseldorf, Pfau, Conrad, 'München, Preetorius. Emil, 2Nünchen, R e i s k e , Paul Will), f, Mainz, Sanin , Ralph, Offenbach a. M., S chm oll von Eisenwerth, Karl, Stuttgart', Schott, Mlf, München, Schreiner, Riidolf. Tarmstadt, S e i p, Gertrud, Tarmstadt, Su tter, Eonrad, Müiick)en, Thie mann, Carl, Dackrau, ^Ubbelobdc, Otto. Goßfelden bei Vkarburg, Waentig. Walter. München, Wer brich, Elisabeth, Gonsenheim bei Mainz, W e i n h e i m c r, Jakob, Langebrück bei Dresden, Ziegler, Maria, Maftiz.
Diese Uebersicht bekommt jedoch rnhalllich erst Bedeutung, wenn man einerseits die dargestellten Themata, andererseits die ÄiersdellunqSart untersucht. Dre Thennrta lasseir sich rm wesentlichen in folgende Gruppen bringen:
I. Die hessische und deutsche Heimat. Wir finden hier die Landschaft bei Roßdori und KirchÄrg., .Holzschnitte von Alt- beim: das alte Xcrc in Auerbach, und Darmbach, Radierungen von Leo Kayser: den Domplatz in Wvrms, Radierung von D. von Ladiges; RlMnüberschwemmuug, Radierung von Maria Mendelssohn.; Hirschhorir und Wimpfen am Neckar, Mim ZMrzburg, Radierungen von Conrad Pfau; Duderihofen, Holzschnitt von R. San in: im Vogelsberg und Rotenfels a. M. von Gc^trud -Sei p: das Lahrttal bei Marburg, scrrtuge Zeichinrng pchr Nbbclohde; ferirer 2llt-Frankfurt (LöheiMffe und Ra- Minzelgasse), Kohlezeichrrungen von K. Io chh e i m: Hamburg, Bleistiftzeichnung von Herina Frey; Grunewaldsee und Blick aus Cöln, .Holzsckmitte von Karl Thiemann; Eifeldorf urrd große Eifellandschaft, Färben-Holzschnitte von Maria Ziegler; Hochöfen bei Nacht, Kaltnadelradierung von Heinrich Otto.
II. Darstellungen ans dem jetzt von den deutschen Truppen besetzten fremdem Gebiet: Blick auf Boismont, Ham und Laon, Bleistist- und Buntstistzeichnungen von Theodor Gengnagel; Kanal in Brügge, Radierung von Peter Halm; Rethel und Laon, Radierungen von Conrad Sutter; Brügge, „Der grüne Kai" fnud der „Beguinenhof"^. Holzschnitte von Karl Thiemann; im Slanicultal, BuntstistMchnung vrnc R. Schreiner.
Jur übrigen sind ausländffcl)e Darstellungen selten. Zu cr- wabnen ist: 2lus Amsterdam. Lithographie von Hermann G e o r g i und Passeiertal bei Meran, Radiermrg von Hermann Kät el b ö n, ferner Blick ans Florenz iwit Peter Halm.
HI. Sonstige 'Darstellnngen von Landschaften, Naturszenen, Gebäuden uiid Innenansichten, wobei ich besonders die .Kaltnadelradierungen von Otto Heinrich „Schäfer" und „Schafherde", sowie „Hochösen bei Nacht" hervvrhebe; ferner Glockenstuhl, getönte Zeichnung von Elisabeth Bonin.
IV. Jllusttationen nach Schriftstellern, besonders die fünf Illustrationen zu Jean Pauls Idylle ,. Schulmeister lein Wuz" von Emil P r e e t o r i u s mrd Szenen aus Jean Pauls Titan von Rolf S cho t t.
V. Freie poetische Kompositionen, z. B. Volkslied, Radierung
von Ernst Eimer: Wohl aus Kaineraden, Scherenschnitt von Eckstein; Flucht/Radierung von Lvphie Grosch: Neigen, Kreidezeichnung von Mieze Heiß: Tänzerinnen, Träumerei und Harmonie der Sphären, Holzschinttc von Hermann Keils Eule, Zeichnung von Fr. W>. Kleukens: Loreley, Radierung von Hugo Kunz: Brandungswelle und Kriegssaat, Holzschnitt und Lithographie von Schmoll von Eisenwerth: Tie Frucht der Erkennllns, Goldnes Zeftolter und Liebesgarten, farbige Zeichnungen von R. Schott: Raben im Schnee, Linoleumschnitt von Elifak.eth W e ihr ich: EinsiedlerWohnung, Zeichnung von I.
Weinheimer; schließlich besonders die Holzschnitte und Dlgra- phien von L. v. H o f m o rt n (Tanzgruppe, Brandung, Frauen in Userllippen, Tanzwirbel, die Furt, Badende Nymphen, Sommer).
Diese Uebersicht erweckt das Brdürsnis, sich über die verschiedenen technischen Mpthvden, die bei der Herstellung dieser Werke angewendet wurden, .Narheit zn «rsckasfen. Sic lassen sich in dieser Beziehung in folgende Gruppeii teften:
1. Zeichnungen (mit Bleistift, Buntstift, .Kreide und Kokste).
2. Radierungeir mit ihren 2lbarten (Kaltiradelradierungen und Aquatinta). Hierher gehören auch wohl die handkoloriertm Zin^eichiiungen und die 2llgraphien.
3. Holzschnitte mit ihrer in der Richtung der Malerei gehenden Abart der Farbenholzschnitte.
4. Lithographierr.
5. Lftwleumschnittc. d. h., tvenn ich das Verfahren richtig versehe, 2Ibdrucke von Linolenmschnitten.
6. Scherenschnitte.
Wer sich über diese technischen Verfahren genauer unterrichten wftl, sei aus das ausgezeichnete, mit vielen Originalradierungen ii. a. versehene Buch voii Herniann Struck hingetoiesen, deffenj Beschaffung ich unserem oberbessischen Knnstverefti als Arlleitung ftir seine Mitglieder dringend empfehle.
Airs der gegebeneir Zusammenstellung geht hervor, daß die Sammlung von Scbwcrrz-2Äeiß-Künst bei der Darmstädter 2lus- stellung gerade auch in technischer Beziehung sehr reichhaltig und interessant ist. Es ist dabei sehr wahrscheinlich, in einem mir bekannten Fall sogar sicher, daß der durch den Krieg bedingte Mangel an Kupferplatten weserttlich dazu beiträgt, um die Verwendung von anderen Materialien ftir künstlerische Darstellung zu begünstigen. Es liegt hier eine der kompensatorischen Erschei- irrrngen vor, die während dieses.Krieges in unserem ganzen Wirt- sckwftSleben so häusig smd. Dabei ist die Wirkung offerrbar für das Wiederaufleben früher beliebter .Kunstfonnem besonders des Holzschnittes und der Lithographie, sehr günstig und lebhaft zn begrüßen. Daneben wagen sich, vorläufig vereinzelt, mich aanz neu>- zeitliche Materialien, z. B. das Linoleum, als Grundlage die Kunst- schnfttes hervor. Eine Wiederbelebung der alten Silhouettenkunst des 18. JahrhuTiderts bleuten die Scherenschnitte.
Bon diesem Standpunkt bettachtet, bedeutet die Darmstädter 2lnsstellung eine viel stärkere Einwirkirng des Krieges auf die Kunstübung, als sie im Mbrigen bisher durch die bloße WaU von Gegen- stärwen hervorttitt. Jedenfalls verdient auch dieser Teil der Darrn- städter Ausstellung eine eingehende Beachtimg und wird für den, der sich Miihc gibt, sie genaii zu bettachten, eirre Qüelle der geistigen Erhebung bilden.
II.
To Gießen durcv ein glückliches Zusammenwirken einer Reihe von .Kräfte« und Gelegenheiten rm Beariffe ist, eine durch
aus sehenswerte Kunstsammlung in geeigneten Räumen zu erhalten, erscheint es gerade im Httrblick auf die Mteilung für zeichnende .Künste in der Tarmstädter 2lusstellung unbedingt notwendig, jetzt auch die Grundlage für eine Sammlung der Schwarz- Mc iß-Kunst in Gießen zu schaffem Es ist in den Kreisen der Kunstliebhaber bekannt, daß schon seft längeres Zeft eine ÄTrzahl von privaten Sammlern in Gießen mft Eifer und Erfolg bemüht geweseii ist, sich eine Sammlimg dieser Att anziilegen; und, wenn man einmal aus den BNappen der Privatbesi^i' diese Blätter für eine 2lusstellung im Oberhessischen .Kunstoerej»beiommen könnte, würde fid> Dermiitlicf) ein ziemlich umfassendes «ild, besonders der deutscheii Radierkunst aus den letzten Jährzeynten, ergeben. Es ist jedoch notweiidig, darüber hinaus nunmehr crrcch bei der in der Entstehung begriffenen Gießener Sarnmlung, die sich aus dem Besitz der Stadt Gießen und des Oberhessis chert Kunst Vereins zusammensetzen wird, an die Anlage einer 2lb- teftnng ft'tt Schwarz--W^iß-Kunst zu denken. Dabei möchte ich es von vornherein für wünschenswert erklären, daß dies incht in der in großen Vtusecn üblfthen Form des Kupferstichkabinettes geschieht, sondern daß die Schwarz-Weiß-Kunst neben der Oelmalerei, sorveit es sich mft der Erhaltung der Blätter verttägt, der öffentlichen Betrachtung ohne weiteres zugänglich gemacht wird, was sich z. B. mft Wündelrahmen, wie sie auch für die von R i t g e n - sche Aquarell-Sammlung geplant sind, in periodischer Wesse machen läßt.
Nachdem eine Reihe der Gießener unb oberhessischen Stifter für den 2lnkaus von Bildern aus der Darmstädter Samnllnng für den Oberhessischen .Knnstverein persönlich wertvolle Oel- und Pa« sttlll'llder ausgesucht hat, ist der Rest der gestifteten Beträge entsprechend der vorstehend entwickelten 2lbsicht zum Ankau > einer Sammlung von Schwarz-Weiß-Kunst bei der Darmstädter Au§- stellmig verwendet worden, und zwar sind folgende Werke aussi gesucht worden:
l. Georg Alt heim: Kirch-bera nird Landschaft bei Roßdorf (Holzschnitte), 2. Frieda Best: Madonna (Holzfchwfttt, 3. Ernst Eimer: Volksliä) lRadierung), 4. Herma Frey: Hornburg (Bleisftstzeichnung,, 5. Hermann Georgi: Landsclmft (Lithographie), 6. isophie Gros ch: Flucht <Radierung), 7. Peter Halm: Kanal in Brügge, 8. Albert Hart mann: Rast aus dem Heimweg mrd St. Georg (Linoleumschnftte), 9. L. v. H o f m a n n: die Holzschnitte Tanzwrrbel und Tanzgruppe und die Algraphierr Badende Nymphen nrrd Sommer, 10. Leo Kayser: 2lltes Tor in Llüerbach, Darmbach, und Winter (Radierungen), 11. oon La- d i g c s: Domplatz in Worms (Radierung), 12. Ntaria 2N e n d e l s- sohn: Ufer tRadirriMg), 13. Otto Heinrich: Hochöfen bei Nacht (Kaltmrdelradierung), 14. Conrad Pfau: Wimvsen aus Neckar und Würzbürg (Radierungen), 15. S ch m o l l v o n E i s e n- werth: Brandungswelle (Holzschnitts und Kriegssaat 'Lithographie), 16. Gertrud Seip: Im Bogelsberg mrd Rvthenfels a.M.
< Holzschnitte), 17. Konrad Sutter: Laon nrit Kathedrale (2r^- dierung), 18. .Karl Thiemann: Grunewaldsee (Holzschnitt. 19. Otto Ubbelohde: U^berschwemmung (RcftneruugZ 20. @(i sabeth Weihrich: Raben im Schnee (Linoleumschnür), — im ganzen also 29 Werke von 20 Künstlern.
Diese Zusammenstellwrg gM eine zwar bei beschränkten Mit» teln rftcht lückenlose, aber jedoch im wesenllichcm als G r u n d l a g c brauchbare Zusammenstellung von dem dreifachen Gesichtspunkt der dargestellten Gegenstände, der Künst- lersiPersönlichkeiten und der technischen Methoden Bei dem weiteren 2lusbau unserer oberhessssäien Sanunlung lassen sich diese drer zum Test rwch unvollständigen Gesichtskreise letrin noch umfassender gestalten. Die für den Oherheffischen Kunstverein an gekauften - Blätter der Schwär z-Weiß-Kunft t verden voran^sich'. sich zunächst den Mitgliedern des Oberhcffismen .Knnstverein- möglicherweise auch, ftu Zusammenhang mit anderen 2L'erken dieier 2lrt von fttnstlersscher Betäsigimg, der Oeffenllichkeit zugängticp gemacht werden. Dr. R. Sommer


