Nr. *74 Zweites
Erscheint tSgtiti) mü 2b*5wafjme deS SomrtagS.
veilagen: ..Gietzeser ZamtiienblStter'' und „Rreisölatt für den Kreis Gietzen".
-ostscheÄont»: Frankfurt am Main Nr. **486. Vanfverlehr: Sewerbebank Gietzen.
Blatt *67. Zayrgaug
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Kettag. 27. Zuli *y*7
ZwiürngSrunddrnck und Verlag:
B r ü hl'scheUniversftäts-Buch-u.Steindrnckerei R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag: 51,
Schrift leitung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichren:AnzeigerGießen.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 27. Juli 1917.
** Amtliche Personalnachrichten. Der Groß- htxtyog hat am 25. Mi den Rat bei der Provinzialdirektionj Rherrchessen, Oberregierungsrat Theodor Muhl, zum K'reisdirek- tor ernannt. — Der Groß Herzog hat am 25. Juli dem ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Geheime:: Justtzrat Dr. Alexander Leist, die erbetene Entlassung ans dem Staatsdienst mit Wirkung vorn 1. Oktober 1917 gewährt, — Der Groß Herzog lzat am 25. Juli den Pri- vatdvzenten Dr. Paul Cermak in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der LandeSumversität Gießen ernannt. — Der Groß her zog hat am 7. Juli dem -Lehrer, Karl Kröm melde in zu Darmstadt anläßlich seines! oOjöfctigen Dwnstjubftäums am 18. Juli das Ritterkreuz 2. Klasse des Berdienstoddens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Auszeichnung. Krmrtenträger Gefreiter Georg Ritzel in eurem LeibgardesJufantcrie-Regiment erhielt das Hessische Mi- litäp-Sanitätskreuz am Kriegsband.
** Aus dem Stadl theater bnreau. Auf die Aüf- fühbmrg des nach Schubert'schen Melodien zusanrnrengestellten Singspiels ,L)as Drei müder l h aus" am kommenden Sonir- tag, abends 7 1 /* Uhr, sei auch! an dieser Stelle nochmals hin-, gewiesen.
** Beitr og'eneBetrüger. Seit einiger Zeit mehren sich in der Presse, vornehmlich in sogen. Nahrungsmittel-Anzeigern, die Anpreisungen von Rezepten zur Herstellung der verschiedensten BrotcmfstrichmittXÜ Eine auffällige Uebereinstftnmung der Anzeigen ist, auch wem: sie von verschiedenen Firmen ausgehen, nicht zu verkennen. Gewöhnlich werden sic mit dem dick gedruckten Wort .^Kunsthonig" eingeleitet. Es heißt dann weiter, der Kunsthonig sei nrühelos ohne Zucker aus jedem Küchenherd und in ledeM Kochkessel zu bereiten, das Rohmaterial sei überall erhältlich. Be-uysguelleu würden in den Rezepten angegeben. Durchweg handelt es sich uM „25 Geheiinrezepte", die in diesen Anzeigen an- geboten werden. Manchmal loerden 15 Mark für die Rezepte verlangt. Adeist begnügen sich die Inserenten mit 8 Mark. Eine Firma verlangte im Januar noch 15 Mart , für 20 Rezepte. Heute bietet sie für den gleichen Preis 25 Rezepte an. — Bei diesen Rezepten bandelt es sich keineswegs uni Geheimverfahren, vielmehr um der Zeitlage entsprechende Anweisungen, die Man immer wieder in den Zeitungen und Zeitschriften unentgeltlich finden kann. Fast durchweg Haber: die nach ihnen her ge stellten Erzeugnisse keinen ährwert. Der verlangte Preis entspricht nicht dein Werte der Rezepte. Zudem sind die Rohstoffe keinestvegs so leicht erhältlich, wie es in den Anzeigen heißt. Da die Zähl der Interessenten, die in der geschilderten, unverkennbar übereinstimurenden Weise ihre Rezepte andrsten, stets wächst, so dürfte der Verdacht gerechtfertigt sein, daß es -ich bei den immer neu mrftauchenden Inserenten um solche handelt, die selbst auf die Anpreisungen hereinfielen und nun sich durch den Weitervertrieb der Rezepte zumindest schadlos zu halten suchen.
** lieber den Ausdrusch von Getreide ist im Anzeigenteil unseres heutigen Mattes eine Bekanntmachung ver-> össentlicht. aus die wir an dieser Stelle besonders hiniveisen.
** Eine ernste Mahnung zum Schweigen enthält ein Bericht über deutsche Einbrüche, den ein „kompetenter Neutraler'^ in der „Dimes"' veröffentlicht. Der Neutrale bemerkt, wie voll alle Bahnhöfe und Inge in Deutschland von Soldaten sind :md fährt fort: „Wienn man auch bestäirdig liest, die Soldaten nick) die ganze Bevölkerung seien kriegsmüdc, so möchte ich doch nicht behaupten, daß die Soldaten den Eindruck machen, daß sie durch den Gang der Ereignisse entmutigt seien. Sie sehen im allgemeinen nrüde, aber wohlgenährt aus. Ein sehr ruhiger, aber doch recht heiterer Dm herrscht Überall, wo man aus einem Zuge oder in einem Wartesaale viele Soldaten beisammen sieht, und auch an Spaßvögeln fehlt es unter ihnen nicht." Weniger erfreulich ist die Bemerkung des neutralen Aufpassers, daß die deutschen Soldaten „unglaublich mitteilsam sind, und zwar über Dinge, die willkommenst öäahrung für Spionenohren seien." 'Allen, die den Mund nicht halten können, wird damit von Feindesseite bezeugt, welches Unheil sie mit ihrer Schwatzhaftigkeit ■ anrichteu können.
** Das Kreisblatt Nr. 127 enthält Bekanntmachungen über: Wvchenbeihckfe aus Anlaß des vaterländischen Hilfsdienstes, Außerkurssetzung der, Zweimarkstücke, Bezug der bestellten Nährmittel, Bewirtschaftung der Frühkartoffeln und Feldpolizeiliche! Anordnung.
Stärtt die goldene Rüstung der Reichsbanl! Sie stärkt die eiserne wehr unseres siegreichen Heeres!
Die Goldankausstelle
in den Räumen der vezirksspariaffe Gietzen ist morgen von *0 bis \ 2 % Uhr geöffnet!
Landkreis Gießen.
* Qüeckborn, 24. Juli. Gesten: ist die größere unsrer beiden Glocken, 1888 von Georg Otto in Gießen gegossen, sowie die zweite und dritte Glocke der Kirche Lauter aus den Jahren! 1904 und 1913 an die Sammelstelle Grünbcrg abgeliefert worden. Es war insgesamt ein Gewicht von mehr als 12 Zerttner Bronze. — Es kommt wieder die für die alten Leute gefährliche drängende Arbeitszeit. Vom Ernte!vagen, der infolge der schwierigen Verständigung mit einem ukrainischen Gefangenen zür Unzeit anfuhr, stürzte der KirckienVorsteher Ludwig Herzberger, ein Veteran aus sh87s)s, ckll, Zum Glück hatte er im Arme eine Fruchtgarbe, so daß er nur Haut- und Fleischwunden und eine Verrenkung am Arm davongetragen hat.
** Rödgen, 27. Juli. Forstwartaspiraut Brück, Sohn des Försters Karl Brück, wurde am 21. d. Mts. vor dem Feind z:rm Unteroffizier befördert.
Hessen-Nassau.
= Frankfurt a. M., 26. Juli. Auf Llnordnuug der Bezirkssynode ward die Reformations-Jubelfeier als allgemeiner Festtag der evangelischen Bevölkerung durch eine gemeinsame ^Kundgebung im Saalbau begangen. Besondere Bedeutung gewinnt die bevorstehende Feier für Frankfurt dadurch, daß zugleich eine Sammlung für tue Errichtung einer theologischen Fakultät an der hiesigen Urciversität in die Wege geleitet werden soll. Wie wir hören, sind für dies«: Zweck.bereits namhafte spenden in Aussicht gestellt worden. Tie Bezirkssynode hatte sich schon auf ihrer letzten im Februar ds. Js. stattgefundenen Tagung einmütig dahin ausgesprochen, die Errichtung der theologischen Fakultät mit alten ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Man hofft in maßgebenden Kreisen, daß der seit Bestehen der Universität gehegte Plan unmittelbar nach Friedensschluß verwirklicht wird, zumal auch die amtlichen Berliner Stellen dem Gedanken sehr günstig gegenüberstehen.
mr. F r an kfu rt a. M., 27. Juli. Der Magistrat beabsichtigt täglich! 10 000 Liter Magermilch in einer norddeutschen Molkerei! zu Trockenmilch verarbeiten zu lassen, um die Bevölkerung im Wiuter ausreichlend mit Milch versorgen zu können. Die Herstellung der Milch geschieht nach einem neuen Verfahren, das sich sehr gut bewährt haben soll.
X Hanau, 27. Juli. Auf dem Güterbahnhofc Hanau-Ost hatte man die Wahrnehmung gemacht, daß namentlich die Wein- sendiungen beraubt werden. In dem Verdachte, ein solcher! Weindieb zn sein, stand der Güterbodenarbeiter Franz Schmidt aus Hacker bei Gelnhausen. Als er znm ?Nckitar einbtrufen war, ließen die Weindiebstähle nach, sie häuften sich wieder, als er wieder in den Eisenbahndienst zurückgetreten war. Am 2. Juni d. Js. wurde Schmidt in einen: Wägen betroffen, in dem er nichts zu tun hatte. Von einem Fasse, das Wein enthielt, hatte er den Zapfkorken herausgezogen und dem Fasse etwa drei Liter entnommen. Vor dem Schöffengericht Hanau leugnete der Angeklagte hartnäckig. Er wurde jedoch durch die eingehende Beweisaufnahme vollkommen überführt mtb zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
= Idstein, 26. Juli. Im Einvernehmen mit der Bezrrks- synvde des Konsistorialbezirks Wiesbaden beschloß die Stadtverordnetenversammlung, der Stadtkirche zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier der Nassauischen Union, dre am 9. August hier festlich begangen wird, den Namen Gedächtniskirche der Nassau- i scheu U n i o n zu geben. Als Festgabe spendet die Stadt 5000 Mark Unter der Voraussetzung, daß diese Mittel zur Neu Herstellung der Kirche und Erhaltung ihrer Kunstdenkinaler verwendet werden. Für die Wiederherstellung der künftigen „Unionskirche" haben anßerdein die Kirchen gemeinde Idstein, die Bezirkssynode und die
Wiesbadener Kirchenbehörde schon namhafte Beiträge gegeben. Auch ein Gnadengeschenk des Kaisers steht in Aussicht.
Sport.
Ruderklub „H a s s i a". Aus der ant Sonntag in Frankfurt a. Mi. abgehaltenen sHegaittä, Ae ovn den dortigen Vereinen „Atmi c itick" mrd „Undine" für die noch über Kräfte verfügenden Vereine des Südd eutschen Rnder-Verbandes veranstaltet wurde und bei schönem Wetter sich guten Besuchs zu erfreuen chatte, was es der wackeren ,,Hasfta" -Mannschaft: Weber, Haus, Drechsler, Wisker: St.: Rupp vergönnt, nach anfangs scharfen: Kamps den Ga st vierer in 5: 11 gegen die Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Bornssia" und den Mannheimer Wassersport- Verein „Vorwärts" zu gewimren. Weiter saßen von der „Hassia" beim Verlosungs-Achter (3 Boote) in: siegenden Boot Weber, Haus und Rupp, zu denen sich noch je drei der besten. Ruderer der „Amicitia" und „Undine" gesellten. Im Kriegsvierer (Ehrenpreis des Hprrn Carl von Weinberg) unterlag jedoch die Mannschaft Rupv, Jödt, Reinstein, Kaiser, St.: Seitz nach heißem Ringen gegen „Amicitia" in 5:10.
Frankfurt a. M., 23. Juli. Das große Feldbergturnen . das alljährlich auf dem Großen Feldberg äbgehalten wird, findet im Hinblick auf die vaterländische Bedeutung, die das Turnen für die Wehrhaftmachung hat, auch in diesem Jahre und zwar am nächsten Sonntag, den 29. Juli, statt. Die Veranstaltimg bewahrt auch diesmal die alte Zugkraft, denn es sind wieder nahezu 1000 Wettkämpfer, zum Teil aus weitenllegenen Gegenden, angemeldet. Die Wettkämpfe beginnen Punkt 10 Uhr oornrittags nach voraus gegangenen allgemeinen Freiübungei: und bestehen aus einem Vierkampf, der sich zusantmiensetzt aus: Schnellanfen über 100 Meter, Kügelstoßen, Weftspringen ohne Breft und einer vorgeschriebenen Pflichtfreiübung, daran anschließend werden Mann- schastskämpse ansgetragen, um das ivertvolle Völsungenhorn mit Edelmetallbeschlägen nnd dem vom Obertammskreis gestifteten^ Jahnschild. Die Teftuehmer an diesen letzteren Kämpfen müssen sämtlich Sieger im Vierkampf sein. Beide Preise jtnb. Wanderpreise. Um das Völsungenhorn findet der Wettkainpf im Hand< granaten-Weittverfen und einer Mannschasten-Freiübung statt, während um den Jahnschild in einem, Ellbotenlauf gekämpft wird. Um 9 Uhr geht ein Gottesdienst für beide Bekenntnisse dett Wetttänipsen voraus, die von Pfarrer Groß, Esch, und Pfarrer Geiz, -Oberreifenberg, abgehalten werden; sie werden sich besonders feierlich gestalten durch dw Mitwirkung des Posannenchors des Christlichen Vereins junger Männer Bockenheim. Jedem Besucher des Feldberges ist es möglich, die Wettkämpfe genau zu verfolgen, wie ainlj selbstverständlich cm dem Gottesdienst teilMnehmen, do keinerlei Llbsperrungen erfolgen.
Atechliche Nachrichten«
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesd. i. d. Syrmgoge (Süd* Anlage). Samstag, 28. Juli. Vorabd.: 8.30; movg.: 8.30; nachm. 4.00; abds.: 10.10. — Israelitische Religionsgefellschaft. Sabbctt- feier, 28. Juli. Freitag, labds.: 8.10: Samstag, twrm. 8.30; nachm.: 5.00; Sabbatausgang: 9.10. Wochengottesd.': morgs: 7.00, abds.: 8.00. Sonntag, niorg.: 6.45; abds.'; 8.30.
Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen.
Juli
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Niederschlag: 0, mm.
Der Schöpfer der Landsknechtordnung.
(Zum 350. Toddstage des Landsknechtobristen Konrad von Bemel- berg, 29. Juni.)
In der preußischen Provinz Hessen, einige Stunden südlich von Eschtwsege, liegen die Ruinen der vor Zeiten bedeutenden! Reichsfeste Beimeneburg oder Bäumelberg, des Stammschlosses des noch heute blühenden gräflichen und freiherrlichen Geschlechtes! derer von Reineburg, das 1221 in die bdiden Hauptäste von deü Weißen und der Schwarzen Fahne zerftel. Unter den älteren! Gliedern des Weißen Astes ist am bekanntesten und berühmtesten Kon-wd von Bemelberg, genannt der lleine Heß, geworden, der im Jahve 1487 als jüngstes.Kind des Reft:hard von Bemelberg, Herrn zu Bffchhansen und Röhrda, und seiner Gemalilin Kattarina zur Wett gekommen ist Schon frühzeitig wandte sich Bemelberg dem Landsknechtwesen zu, und er zeichnete sich so aus, daß er 1527 Georg von Frnndsbergs Nachfolger in seiner Eigenschaft als Lands^ kirechtobrist ward. Zu seinen bekanntesten Waffentateu gehörte die Erdberung Roms im Jahre 1527, und noch als Siebzigjähriger tKrt er wesentlich dazu beigetragen, am 10. August 1557 bei Sk. Quenttn die Franzosen aufs Haupt zu schlagen. Unter Frundsberg nnd Bemelberg hatte das deutsche Landsknechttum die Zeit seines höchsten Ruhmes erreicht, und wie Frundsberg, so hielt auch Be- melberg unter den Knechten auf strengste Zucht und Ordnung. Seine genaue Kenntnis aller Gesetze und Gebräuche, wie sie bei den Landskuechken in Geltung standen, verschaffte ihm von Kaiser Karl V. den Auftrag, eine Ärndsknechitordnung anszuarbefteir. Be- metberg enlledigte sich dieser Ausgabe in den Jahren 1544 und 1545, Mitarbefter war sein Freund Reinhatt Graf von Solms. Die Nähe seines Wohnsitzes Friedberg bei Augsburg bot ihrn Gelegenheft. die Mederschrift, die den vollständigen Titel „Einj Kriegsordnnng Von alen ampter des Kriegs, wie die versechien. beställt und regirt werde:: solen und tvas einer jeden Person zü thun gehören will, ein jedes mit seiner ftgueren besonder angezeigt imd beschrieben" führt nnd sich geqmuvärtig in der Königlichen' .Hof- und Staatsbibliothek ft: Münchei: befiittet, mit den farbenreichen Bftdern aller Äemter oder Chargen zn schnftickei:, !vo- be: er nicht nur die genaue Ausführung selbst überwachen konnte, sondern auch noch den Anftleuten Bildnisähnlichkeit geben ließ. Das Titelblatt trägt das kaiserliche Wappen, darüber den Namen des Kaisers, de:: Wahlspruch „Plus ultra" nnd die Jahreszahl 1544. Tie Wilder sind teils Holzschnitte, teils Handzeichnungen. Den Schluß des Werkes bilde:: die Wappen von Bemelberg und! Solms. Es geht hieraus lieroor, daß Bemelberg von seinen Zeft- genossen in Sachen des Krieges, besonders soweit sie das deutsche Fußvolk berührten, als Auto:ität angesehen ward und als solche, lvie sich auch anderweitig beftättgt, in höchstem Ansehen stand. Im ilbrigen hat der Kaiser Benrelberg diese Arbeit ab verlangt, well er drohertte kriegerische Verlvicklungeu voraussah :mi> vorbereitet sein wolfte. Benrelberg hat ft: der „Kriegsordnung" namentlich, auch ferne persönlichen Änschapm:gen in klarer und interessanter
Weise dargelegt. Er setzt darin den Zusanunenhang zwischen gehöriger Sttenge und mftitärischen: Gehorsam und dem zu erhoffenden Erfolge eindringlich auseinander. Und wie er ltzer der Sttenge im Di-enste das Wort redet, so betätigte er auch diese Anschauungen dort, wo es sich um Ungehorsam gegen de:: Kaiser, dem er als seinen natiftlichen Herrn Gemüt und Herz ga:^ ergeben hatte, wo es sich um Verrat gegen das deutsche Vaterland handelte. Welch gute Wirkungen Bemelborgs Bemühungen um die Manneszucht batten, ersieht man u. a. daraus, daß selbst bei dem schrecklichen Zustande des kaiserlichen Heeres nach der Ersttirmung Roms von feindlichen SIchriMellern anerkannt wird, die Deutschen hätten sich vor den Spamern ui:d namentlich den Italienern durch Zucht und Mlde hervorgetan. Stets war Bemelberg bemüht, alles unnötige Mutvergießen zu vermeiden und auch die Feinde zu schonen, wenn er keinen Erfolg voraussah. JU erster Linie ist er Anführer von Fußvolk gewesen und geblieben, zusammengesetzte Heerkörper hat er nur vorübergehend besehl:gt. Am 29. Juni des Jahres 1567 ist Konrad von Bemelberg gestorben, in der Pfarrkirche zum hl. Eonradtn in Schelllinge:: in Württemb>erg haben seine sterblichen Ueberreste ihre letzte Ruhestatt gefunden.
— Tie Neuerwerbungen des König l. Kupfer- st: chka bin etts. Mus Berlin wird uns ge schriebe::: Die Leitung des K ö n i g l i ch> e n K n p f e r st i ch k a b: n e t t s hat ihren großzügigen Standpunkt tutb weiten Blick von neuem bewiesen: auch während des Krieges schreckte sie davor nicht zu-, rück, die Schar ihrer Schätze zu vermehren, wobei eine Einseitigkeit der Ankäufe ihr epftenlicheiweffe fern blieb. Tie jetzt geöffnete Llusstellung der in: Kriege geinachteir Neuerwerbuirgen überrascht sogar durch eine cntsäftede::e Schwenkung ins Moderne — eure Tatsache, die von solcher Stelle aus ganz besonders mft Gemigtuung erfüllen muß. Darnn: sei der :nodernen Arbeiten, die jetzt den: Institut angehören, zuerst gedacht. Man knut in der großen Menge von Arbeite:: jüngster Richttmg die ^Absicht erblicken, den: Michtnn: der i m,oderiren deutschen Graphich eft: osstzielleS Zeugnis zn geben. iDanebei: ist auch die hiermit verbundene prakttsche Fördarrrug nicht zu :mterschätzen. Blätter ans der Werkstatt unserer best«: Vorkämpfer, unseres trotz allen Ruhines künstlerisch- jung Geblieberren sfttt zu erblicken. Das bei aller hohen Reife, fast prickelnde, immer wieder Ideen evgeugeubfe und verarbeitende Können eines Max Slevogt, die feine Hand des viel zu selten ft: den Vordergru:ft> gestellten Hans Meid, der behende Geschmack rmd die niemals versagende Technik des stets in allen Sätteln gerechten Emil Orlik, die Wuchit, des noch, immer stürnnschte:: und stürmeltten Corinth, die frische Klarheit L i e b e r m a n n s , Und /mdlich« finden wft auch einen der füngsten, ftrteressantesten Sterne: den aberteuerlustigien, leben Eindruck sofort in seine besoiwere Kunstforiu nmwertenden, tem-, peramentvollen Pechstein. Untei: den Nichtdeutschön, die in gewissem Sinne zu dieser Linie gehören, ragt der geniale Edward
Munch hervor. — Bewährter Ueberlieserung treu ist das Kgl. K.upferstichikäbrnett in seinen Erwerbungen älterer Meister geblieben. Mit Erfolg gehorchte man dem Grundsatz, daß einerseits das Beste gut genug ist, anderersefts durch Berücksichtigung des Wesentliche der verschiedenen Schulen ein möglichst reichjhattiger Ueberblick gewährt werden soll. Neben den in ihrer Art unnachahmlichen Feinheiten Tinterettes müssen wir uns diesmal mit größerer Genauigkeft den neu angekauften Nieder-i ländern zuwntten, die von kimdiger Hand gesickftet wurden. Da gttt es Zeichnerisches und Farbiges, überlegten Stil und gefühlte, atmende Natur. Aus einer ziemlich langen Res^e ivolllm nnr nur als charaiteristisch Go Yen und Hujsnm nennen, da sonst aus dem Bericht ein JUhaltsVerzeichnis würde. Das Kgl. Kupferstich käbinett kann stch der Bereicherung seines Besitzes mft vollstem Recht freuen. Daß diese Bereicherung aber gerade während, oder besser trotz des Krieges vor sich ging, zu einer Zeft, da Frankreich und England ihre Museen ängstlich sperren, spricht eine besondere Sprache.
** E:n Gardekommandeur über den Gebrauch der dcutsäzen Schrift. Se. Erzellenz der Kommandeur des Gardekorps, Generalleutnant von Löwenseld, hat folgende Verfügung erlassen: Leider habe ich die Beobachtting machen müssen, daß die Gepflogenheit, anstatt der deutschen, die lateinischen Schrift- zeickwn anzuwenden, auch im Korps zunimmt. Die vom Anslande übernommene Schreibmaschine trägt das Ihrige dazu bei. Gegen den Gebrauch der lateinischen Schrift nniß ich mich wenden und ersuche die Herren Kon:mandeure, mich darin zn unterstützen An sich genügen die lateinischen Schriftzeichen für die deutsche Sprache
mcht. K1a88en
Xentrum8turm Ver8enäunx Krei8clien Neck3r8iilm Vereinsamt Ischias Waldsau Wachstube Urlaubspässe
oder Matzen oder Zentrums türm oder ver sendung oder Rreis chen oder Neckar fulm oder Vereins amt oder I fchias oder Wald sau oder wachs tube oder Urlaubs päffe
Massen
Zentrum sturm Vers endung Rrei schen Neckars uim Verein samt Is chias Waids au wach stube Urlaub spätze
Ich kann in der Ausschaltung der deutschen Schrift nur wieder em bettnbttchcs Aufgeben deutscher Eigenart sehen. Wir haben in unserem Volksleben ichon jvlvieso wirNich weniq Deutsche- und )m ? ganzen Tun und Treiben, in unseren Sitten
und Gebrauchen arme diachahmer des Auslandes, desto mehr ie hoher w:r uns crnbftden, gesellschaftlich zu stehen. Wenn der iw,,!.- ^E,E^usinann letzt fast allgemein die deutsche Schrift schon ab- gefchuttelt hat, :o sehe :ch darin kernen Arttrieb für den Soldaten nachzuahmwu Dem Soldaten l:eg: es ob, die Güter seines Volk,^ D« deutsche Schrift ist ein wertvolle Gm des dcnt- scyen ^vir^.. gez. von Löwerffeld.
^ ^ Gedenke, datz du ein Deutsckwr bist!
Gut deutsch allewege, also auch rn der .Schreck»- und Druckschrift'


