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iehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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R. Lange, Gießen.
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Schriftleitung: «LE 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließen.
Uerenski Robespierre.
Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:
Wahrend die Hsevesmacht der russischen. Revolution rn Ostgalizien zuscrurmeubrach, hat sich der- kleine kranke Advokat Kerenski vom Posten des Kriegsministers zu dem des Ministerpräsidenten und Diktators ailfgeschwunqon. Er ist tatsächlich .Herr über die Revolution gelvorden insofern, als sein Gegenspieler Leuiii ans Petersburg fliehen mußte, die Zeitung „Prcüvda" eingestellt und die Maximalisten jetzt als „Stautsverväter" verfolgt werden. Es war ein ver- üoeifeltes Ringen, und offenbar kam Kerenski dabei obenauf. Aber Mio lauge? Schon murrt seine Partei, die sozial- revotutioi'uire, gegen ihn, und i:n Arbeiter- und Soldatenrat gelingt es rricht, bto Bolschewiki unterzukriegeu, die in Kerenski bereits ihren Hauptgegner sehen. Man hat den neuen Diktator einen russischen oder auch einen kleinen Napoleon genannt, man vergleicht tf>n mit Gambetta und damit die ueueflx: Lage Rußlands mit der Frankreichs l870 nach Sedan. Aber dmuit ist nur die militärische Seite der derzeitigen Katastrophe, nicht die politische und die persönliche psychologische beleuchtet. Es handelt sich ja mit einen ireusu Akt der grandiosen inneren Umwälzung unb imt einen Mann, der nicht Militär trotz seiner Eigenschaft als^ Kriegs- und Marinem nnster ist, sondern der Sprecher inefex UmwälUOHg. Und hierin ähnelt Kerenski keiner Figur der Geschichte überraschender, als Robespierre, dem blutigen Jakobiner, dem Diktator der französischen Revolution von 1793. Auch Kevenski ist bereits der „blutige", der 'ireilschNnuger über alle Andersgläubigen nach rechts und vach links hin. Emst, in der Duma und dann int Arbeiter- nd Scttdatcnrat wußte er tticht laut genug gegen die Un- ittlnk)keit der Todesstrafe und gegen den Staat zu donnern, der nicht in ihre Beseitigung willigen mag, und heute überantwortet er die Leninisten dem Tode ohne Aburteilung, aßt das Standrecht in nften „anarchistischen" Städten verrücken und ans die Truppen schießen, die der von der Entente gSvünschten Offensive abgeneigt sind. Während er n-och vor wenigen Wochen volle Amnestie für jeden forderte, der, um der Freiheit eine Gasse zu bahnen, politische Gegner uiedergedolcht hatte, verkündet er jetzt das Recht auf Mord als höchstes politisches Notrecht, utck verurteilt unr Dode, ohne die Verfolgten zu hören, ohne ihnen das ?ccht zur Verteidigung zu lassen. Utck während er als t awalt vor Gemchtsfthvanken so oft nrit Pathos versicherte, daß es besser sei, wenn zehn Schuldige ohne Strafe blecken, als rvenn ein Unschuldiger dein Galgen verfällt, läßt er etzt fünfzig mck hundert Unschuldige niederknalleu, um aelleicht einen zu treffen, der mit dem Gang der Dinge -richt einverstanden ist dem sotw-eränen Willen des „Volkes" den Gehorsam versagt und dem gefährdeten Staate, wie Ke- enskc ihn jetzt versteht, seinen Arm zum Schutze nicht eihen will. Auch der Jakobiner pflegte einst seine'Gegner nicht als Kämpfer, sondern als Verbrecher, als Frevler an der .Heiligkeit des Dogmas zu behandeln, auch^er kannte nur 'w Dodesstrase für den Zweifel, und er hielt des Todes cken für schuldig, der es wagte, seinem Willen auch nur m Gedanken zu wLerstoeben, auch er strafte nicht erst die Tat, sondern schon die Gesinnung, er stellte den Andersgläubigen außerhalb des Gesetzes und hielt es für löblich ihn selbst dann zu töten, wenn er nicht mehr imstande war, chm zu schaden. Vielleicht hat niemand das innerste Wesen des Terrorismus so treffend gezeichnet, !vie jener Girondist, der den Männern um Marat und Robespierre znrief- „Bürger, die Furcht bst gestattet, daß die Revolution wie Saturn nach und nach alle ihre .Kinder verschlingen tvird " Stürzt Kerenski heute den russischen Staat nicht in dieselbe Gefahr? Und tut ev es nicht mit denselben gleißnerischen und heuchlerischen Wortett, mit denen einst Robespierre um sich warf und mit denen auch die Ententemäuner Ribot. Lloyd George und Wilson in ihrem engeblichen Feldzug der Demokratie gegen den Autokratismus gelegentlich sich schmücken? Man halte nur die neuesten Erlasse Kerenskis an die „Burger Rußlarcks" neben bie Programme Robes- pierves. Der phrasengeschwollene Jakobiner, als er bereits durch Blutströme ging, nannte als Ziel der Revolution: „Wir wollen ein liebenswürdiges, leichtsinniges, elendes Botk durch ein großherziges, mächtiges und glückliches ersetzen und albe Laster und Lächerlichkeiten der Monarchie gegen alle Tugenden Und Wunder der Republik vertauschen." Dasselbe verspricht Rußlands neuester Diktator seinem Volke und watet an den Fronten und im Innern durch ein Meer von Blut, er selbst vielleicht, wie einst fern grauenhaft ähnliches Vorbild vor 120 Jahren, schließlich ein Opfer der Rache der Massen.
Petersburg, 25. Juli. sWDB? Meldung der Petersburger Delegraphen-Agentur. In einer bei seiner Rückkehr von der Front Vertretern der Presse gewährten Unterredung! sagte Ministerpräsckent Kerenski: „Gegenwärtig ist die Haupt- Itage die Zusammenfassung der Gewalt. Die vorläufige Regierung hat nur das Ziel der Verteidigung des Staates aegen seine Zer- tetzung durch Anarchie und wünscht das Heil der Aftnee. Die Re- cherung wird sich ans das Vertrauen der Volksmassen und die Armee stützen. Rußland retten und seine Einheit d u r ch B l u t u n d Eisen schmieden, wenn die Gründe der Ehre und des Gewissens nicht genügen. Wie es auch stehen möge; niemand wird aus der auswärtigen Lage YLutzen fttehat können, um den Versuch zu machen, den Stand der Dinge vor der Rckokütton wrederherMstelletr. Iw gegenwärtigen Augenblick ist es ununi- aanglr,1 notwendig, den Rückzugzum Stehen zü bringen, die wirtschaftliche Zerfahrenheit zu beseitigen und die Finanzen "ruber m Ordnung M bttugen 'Die Bevölkerung soll ihre persönlichen Interessen vergessen und an die erste Stelle die Interessen des Staates rücken. Die Läge an der Front ist sehr schwer. Sie erfordert heldenhafte Maßmchmen. Trotzdem bin ich überzeugt, naß der Staatsorganismus kräftig genug ist, um den Krieg ohne eine Etoeift Amputation führen zu kmmen Auf jeden Fall tvird die vorläufige Regierung ihre Pflicht tim, die (&> rungenschaften der Revolution stärken utck erweitern und ent- schlosseu der verbrecherischen Tätigkeit und den Erfolgen der Verräter ein Ende setzen."
Lloyd George und Gilbert.
Im Zusammenhang mit Lloyd Georges letzter Rede ist es interessant, auch einmal eine wichtige Stimme von jptssetts des Ozeans zu hören, und zwar die des amerikanischen Politikers Gilben. der in der „Newyork Trübune" die Aufmerksamkeit des amerv-
kanischen Volkes darauf lenkt, daß es gar nicht ahne, wie nahe die tGesahr iet, den Krieg zu verlieren. Diese Aeußerungen sind um so bemerkenswerter, als der Herausgeber dieser Zpttnng, Neid, fei« Ausbruch des Weltkrieges in der vordersten Reihe der Entente-, Q9 .** Q f£ r(> . l /ärupfte und durch vielfache verwandtschaftliche und pri- c Beziehungen mit der englischen Aristokratie und der Londoner Gesellschaft verbunden ist. Reid hätte wohl kaum dem Kassandra^ - ^ seinen Spalten Aufnahme gelvährt, wenn er,
wie Lloyd (George, von ähnlichen optimistischen Hoffuiungen be- ftelt gewesen wäre. So aber darf Gilbert zugeben, daß England und Frankreich von Aushungerung bedroht sind, daß die Os/fensive tm Westen ein Fehlschlag gewesen sei und man, falls kern Mittel gegen Tauchboote gefunden wird, mit der Möglichkeit rechnen! üküßte. daß die Zentralmächte den Krieg gewinnen.
Es scheint danach, als ob die „Newyork Tribüne" der schnell ernüchterten öffentlichen Meinung Amerikas Rechnung zu tragen genötigt ist. Für uns und unsere Verbündeten gewinnetr dadurch dte amerikanischen Verhältnisse immer mehr an Klarheit. Schock ■SrrVr ote Rede des Generals Robertson hörte man, daß es allein WtlsonS Verdienst gewesen sei, wenn Amerika sich auf Setten der VerbandSmächte gestellt hätte. Die Vereinigten Staaten sind ja Unter den kämpfenden Parteien die einzige Großmacht, die ihrem Parlament gegenüber absolut unverantwortlich ist. Wenn Lloyd behaupten, daß sie für die Demokrattsierung und Freiheit der M den Zentralmächten gehörenden Völker kämpfen, so tU wohl die Frage berechtigt, was sie und das ameritänische Volk dazu jagen würde, ioeckn irgendeine ftemde Großmacht, z. B. v^apau, den Vereinigten Staaten den Krieg erklären wollte, um die ParlameMarisierung der amerikanischen Regierung nnt Waffengewalt durchzusetzen.
Die Völker des VierbundeS werden kaum im Zweifel sein, wem sie mehr Glauben schenken sollen, den: Redeschwall von Lloyd George oder den Ausführungen der einflußreichen „Newyork Tribüne". Itzck übrigen überlassen wir es ruhig unseren wackeren Unterseebooten, dem deutschen Volke den Beweis zu erbringen, was wertvoller einzuschätzen ist, Lloyd Georges, aus Verlegenheit geborenen, mit Stimmungsmache berechneten Worte, oder deutsche Taten, Mnd die Geschichte wird dereinst über den Wortkünstler Lloyd George ebenso den Stab brechen, wie sie die Taten unserer Unterseeboots-! leute als Höchstleistungen menschlicher Tatkraft und vaterländischer Hingabe würdigen wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen. 26. Juli 1917.
** D e rLebens mittel f ü h r e r. Ta niemand leugnen kann, daß es auch für die gewissenhafteste HauSftau immer schwieriger wick, sich in den zahUosen Bekanntmachmrgen über Lieferungs- termine, Mengen usw. der Lebensmittel zurechtzussnden. ist eine Art Führer durch diese Wirren, wie ihn K. Wernicke im nächsten Heft der bei der Deutschen Verlags Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zettschrift „Ueber Latck mw Meer" schildert, mtt Fretcke zu begrüßen. Er soll es jederntann ohne besondere Mühe möglich machen, ssich an aUe einzelnen Bekanntmachungen zu halten und keinen einzigen Termin zn versämnen. Zu diesem Zweck bedient man sich eines gewöhnlichen Oktavheftes, das enttprechend den ol Tagen eines Monats genau 31 Blätter ertthält. Auf die rechte Sette eines jeden der Blätter klebt man ein weißes Blatt Papier von der halben Größe der Heftsette mtt dem unteren Rand imd den decken Seitenrändern fest, so daß eine nach oben offene Tasche entsteht und das gan^e Heft 31 derartige Taschen enthält. Diese Taschen werden von 1 bis 31 numeriert. Bez!eichnungen für WocheMage und Monatsnamen bringt man aber nicht an, damit das Heft in jedem Monat von neueni benutzt werden kann. Nun sch necket man aus der Zeitung die Lebensnrtttelbekanntmachungenj heraus und steckt jede in die Tasche, deren Nummer dem angegebenen Monatsrage der LebensmitteUieserung entspricht. Wenn mehrere Bekanntmachungen aut einen einzigen Liefeiungstermin fallen, kommen sie natürlich alle gemeinsam in dieselbe' Tasche. Weckn andererseits eine einzige Bekanntmachung für eine befttmmte Lebensmittelgattung mehrere Tertnine enthält, so wird nach Erledigung des ersten Termins diese ausgesttichen, und der Ausschnitt überssedelt in die Tasche des zweiten Dermins usw. Wenn in der geschilderten Weise alle ^lusschntttc in dem Heft untergebracht sind, erübrigt es sich rmr noch, jeden Morgen in diesem eigenarttgeü Lebensmittelführer nachzusehen, ob die Tasche des betresfendeq TageS Ausschnitte enthätt. Nack Erledigung der Kauft werden die bezüglichen Ausschnitte entfernt imd vernichtet. i
Landkreis Gießen.
# Hattenrod, 24. Juli. Das Eiserne Kreuz mck die Hessische Tapferkettsmedarllc erhielt Seminarist Hch. Graulich bei einem Jnf.-Regt., zarrzett in einer Offz.-Asprr.-K!omp.
:: Bi klingen, 24. Juki. Die traurige 9äachricht traf ein, daß unser verehrter Lehrer Christian Wcklter, Unteroffizier in einem Jnf.-Regt., am 12. Juli eine schwere Gramttverletzung erhielt, an der er am 13. Juki im KriegSlaLarett zu Remägne erlag. Ein tüchtiger Lehrer wird von der Gemeinde betrauerl: ein herzensguter, tadelloser Mensch ist für sein Vaterland gefallen. Weiter war zum Offizierskursus vorgeschlagen und sollte demnächst in die Heimat zurück. Er hinterläßt eine Witwe mtt einem 5jährigen Töch- terchen. Sein Angedenken wird in ttnserer Gemettcke in Ehreck gehalten.
Kreis Büdingen.
£ B'üd iu-c n . 25. Juli. DaS Eiserne Kreuz erster Klafft erhielt der Leutnant Werner G e b h. — Das Eiserne Kreuz erhielten die (Geometer Klos und Weidmann!, bereits früher Hessische Tapftrkettsmledaille.
# Echzell, 25.Juli. .Fürs Vaterland starb in Toulouse fSLdfvankreich) infolge der erhaltenen schweren Vwwimdrmg der Musketier Hugo Stv l 1, Inhaber des Essernen Kreuzes.
# Nieder-Mockst.adt, 25. Juli. Das Esserne Kreuz erhilt der Lcmdsturmmann Hei mich E ckel.
Kreis Lauterbach.
z. Ber mut S Hai n, 24. Juli. Dem Bezirkspräsidenten des Hasftäbezirks Herbsteiu, Förster Wilhelm Bille muth, hier, wurde vom. Grvßherzog das Krtegsehrenzeichen verliehen.
Kreis Schotten.
ü- Schotten, 25.Ktti. Die Fel'ddiebe find auch hier am Geschäft. Einen i hiesigen Landwnt wurden aus einem Kartoffelacker eine große Anz>ahl Sträucher ausgewogen, der .Knollen beraubt und die Sträucher wieder säuberlich in die Ecke gesteckt. In einem Garten wurden Gurken gestohlen und die übrigen Reben', da Idie Tat bei Nacht gesciiah, zortrc'ten. Ferner wurden Hühner und Hasen aus Ställen entwendet. — Landwirte auS Stornfels, Eichelsachsen, Wingershausen, Ulfa und Rainrod erhielten toegen Verheimlichung und unrichtiger.Eingabe von Getreide und Vkehk im Februar ds. Js. Strafbefthle bis 100 Rbk.
ü- Burkhards, 25. ^Juli. Die Hessische Tapferkeitsmedattle erhielt der Dragoner Wilhelm Ru hl. in einem Garde-Trag. Regt.
Gedern, 25. Juli. Die Geick ü s e per mi t tlu n g s- stelle für den Bezirk Gedern erhielt der Vertvau-enÄckatm Wilhelm Ho f Mann.
Al ba ch , 25. Juli. Die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt Lehrer Heinrich Gr oh bei einer Telegvaphen-AbteiLrwr.
Kreis Friedberg.
-st- Re iche 1 she iM, 25. Jüli. Zum Ossiziersstelloertreter befördert wurde der Lehrer Karl Bogt, gleichzeitig erhielt er das Eiserne Kreuz.
Hessen-Nassau.
Fc. Frankfurt a. M ., 24. Juli. Im Interesse des leichteren Geldverkehrs haben die städtischen! Behörden von Frankfurt und Hanau sich geeinigt, das von ihnen ausgegebene Not- Kleingeld wechselseitig anzunehmen und einznlöftn
Sitzung -er Stadtveror-neten.
Gießen, 25. Juli 1917.
Die auf heute uachtutttag 4 Uhr anbercrumte öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nahm, da nur 5 Punkte zur Beratung standen, einen raschen Verlmif. Anwesend waren die Beigeordneten E m m e l i u s und G r ün e w a ld sowie die Stadtverordneten Ebel, Eichenauer, Fader, Heichelheim, Huhn, Jann, Leib, Löber, Orbig, Petri, Plank, Schaff st aedt, Urstadt, Vetters, Winn und Wimme- n a u e r.
Zu Urkundspersoneu wurden gewählt die Stccktvervckneten Heichelheim und Winn.
Oberbürgermeister Keller eröffnete die Sitzung uick begrüßte zuerst Stadtverordneten >Orbig, der nach langer schwerer Krankheit zum ersten Male wieder der Sitzung beiwohnen konnte. Sodann übermittelte er den Dank des Vereinigten Kaninchenzuchtvereins für den von der Stadtverordnetenversammlung bewilligten Zuschuß.
Bei dem B a u g e s u ch des Frickrich Groß für das Grundstück Neuemveg 32 handelt es sich um die Errichtung eines Kümins. Tie Baudeputation beftirwortet die Befreiung von § 18 des Ortsbaustatutes unter der Bedingung, daß die Anordnungen der Brandversicherungsinspektion eingehalten werden. Das Gesuch würde genehmigt, ebenso ein nicht auf der Tagesordnung vermeicktes Gesuch der Eiftnbahnverwaltung um Genehmigung, das Bahnwärterhaus an der Licher Straße mit einer weißen Einfriedigung zu versehen.
Zu Punkt 3: Vorlage der Rechnung der Stadt- rasse und des Stadterweiterungssonds für 1913 stellte Stadtverordneter Heichelheim fest, daß kettl Anlaß zu Anständen gefunden worden sei.
Zu Punkt 4 beantragte Oberbürgermeister Keller die Beschaffung einer Turbine für das Elektrrzitäts^ werk. Die Kosten, 13000 Mk„ gehen zu Lasten des Erneuerungsfonds.
Stadtverordneter Sch aff st aedt erkundigte sich, ob die alte Turbine nicht wieder betriebsfähig gemacht wecken könne, was Oberbürgermeister Keller verneinte.
Stadtv. Vetters führte aus: Schon vor Jahven habe der Direktor des städttschen Gas- und Wasserwerkes die Anschaffung einer weiteren Turbine beontvagt, um die Wasserkraft besser aus- zunützen und erkundigte sich, ob die Neuanschaffung nicht nnt jenem alten Projekte vereinigt werden könnte.
Oberbürgermeister Keller erklärte, der Ersatz der Turbine sei von dem Wässerkraftprojekte unabhängig. Jenes Projekt könne erst einige Jahre nach dem Kriege verwirtticht wecken, wenn die erfockerlichen Materialttn besser zu beschaffen seien. Durchgeführt mufft es auf jeden Fall werden^ um bei den erhöhten Kdhlenpveisen die billigere Energiecmelle au^unützen.
Zn Punkt 5 führte Oberbürgermeister Keller aus, eine Reihe, von ^ Leuten, die rrt städtischen Häusern zur Miete wohnen oder tttidtisches Eigentum gepachtet haben, seien um Ermäßi- gnngoder Stundung der Pacht summe erngekonunen. Um nicht jckesmal die Genehmigung der Stadtverordrietenvei^ sammlung einholen zu müssen, fei es vorteilhaft, wenn dtt Bmv- deputatckn ermächtigt werde, selbständig von Fall zu Fall ihre Entfcheckungen zu treffen. Der Antrag Mucke genehmigt.
Außerhalb der Tagesocknung erkundigte sich Stadtv. Winn nach einer Eingabe, die städttsche Kohlen- und Holzverforgung betreffend, die er am 28. Juni gemacht habe. Die Eingabe befürwortet unter anderem, der Bevölkerimg Holz zu annehmbarem Preift zur Verfügung zu stellen.
Obeckürgernteister Keller antwortete, daß die land- und torstwirtschaftliche Deputation im Sinne der EtNMbe beschlossen habe.
Eine weitere Anfrage des Stadtv. Winn, ob beschlossen worden sei,, Nußbäu me auf städtischem Grunde anzupslmzen, wucke ebenfalls bejahend beantwortet.
Beigeockneter Grüne Wald fügte hinzu, daß Nußbäume nur an geschützten Stellen angepflanzt werden könnten und daß beschlossen worden fei, den Rat der Stadtgärtner über Anpflanzungsstellen ein zuholen. Zu der Frage, unter welchen Umsttttcken Nußbäume ain besten gedeihen, äußerten sich noch die Stadtv. Winn, Huhn und Schaffstaedt.
Beigeordneter G rün ewald führte sodann aus, daß der Gewerbebetrieb eines hiesigen Einwohners, in dem Oelsaaten geschlagen werden, sett einigen Tagen von Gendarmen bewacht 'mert*' um die Laicklente, die ihre Oelfaat dortbin bringen, 'uittersuchen zu lassen. Er rügte dieses Verfahren als gesetzwckrig, da die Untersuchungen, ob die zuaestandene Oelmenge nicht überschritten werde, nur den örtlichen Bürgermeistereien znkomme. In diesem Falle habe das Verfahren eine für die Stadt schädliche Nebenwirkung, da 7—800 Landleute, die täglich dort mahlen ließen, abgeschreckt würden und sich an andere Mühlen wetcketen. Dadurch tvecke der städttsche Verkehr geschädigt. Besonders aber müsse dagegen Stellung genommen wecken, daß die städttschen Schutzleitte mißbraucht würden, bei den Uittersuchungen behttflich zu sein.
Die Stadtverordnetenversammlung wandte sich ernsttmmiq gegen das geschilderte Vorgehen und Oberbürgermeffter Keller versprach, sich an die maßgebende Stelle zu wenden, um Abhilfe zu schaffen.
Weiter beanstcockete Beigeockneter Grünewald, daß in der Stadt ein geschmackloses Flugblatt vertellt wecke mtt dem Titel „Deutschland zum Tode verurteilt". Das Flugblatt das von der Kriegsäurtsstelle ansgehe, sei geeignet. Unrrche zu er* regen. Er ersuchte daher, die städttschen Schutzleute nicht, wie Vvr- geschtteben. zur Verteilung des Flugblattes zu benützen
Stadtv. Vetters bez-eichnete das Flugblatt ebenfalls als geschmacklos. Die Bürgerschaft wisse, was sie von solchen Hetzereien zu halten habe. GA sei datier eine Verteilung durch städtische Schutzleute zu verhindern.
Den Ausführungen des Beigeordneten Grünewald schloß sich auch Stadtverockneter Ebel an. Der Inhalt da:> Flugblatts sei bereits vor vier Wvckum im „Mattn" erschienen. Die Art und Werse, nnt der Verbreitung dieses Flugblattes Sttmmuug machen zu wollen, habe in werten Kreisen Widersvruch beiworgerusen.
Stadtv. Vetters betonte, es sei unsinnig, solche Hetzereien zu verbreiten, da fic in ähnlicher- Weise auch in deutschen, alldeutschen Blättern erschienen, woraus Stadtv. Ebel dij^ deutsche Presse in Schutz nahm, die niemals ein Dokument so Fliedttger Gesinnungsart wie das des „Mattn" hervorqebracht habe
Oberbürgermeister Keller schloß sich der Atisicht seiner Vorredner, die Verbreitung des Flugblattes sei überflüssig, an da man dockt wisse, daß die feindlich' Presse jedes Maß überschreite Daher toerde er anocknen. daß die städttschen Schutzleute nicht zur Verbreitung des Flugblattes benützt werden.
Hiermit tvar die öffentliche Sitzung beendet.


