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25.7.1917 Zweites Blatt
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1d7. Jahrgang

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Seneral-Anzeiger

MMwoch. 25.3nli M

ZwillingSrunddruck und Verlag:

B r ü hl'iche Universiläts-Buch-ri.Steindruckerei.

R. Lang e, Gießen.

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Schulstraße?. Geschäftsstellen.Verlag:

Schriftleitung: 112.

Anschrist für Drahtnachrichten: AnzeigerGießelu

LrkjäruKgen im ungarischen AbgeordnetenKause

über die Uriegsziele.

Budapest, 23. Juli. (WTB. Nichtamtl.) Abgeordne­te n h a u 5. Graf X i f % a sagte: Mit Rücksicht auf die bevor­stehende -Vertagung des Hauses halte ich es für richtig, wenn die im deutschen Reichstag abgegebenen Erklärungen im ungarischen Äb- geordn-etenhause Widerhall finden. Ich glaubt auch der Sache des Friedens einen Dienst zu leisten, wenn ich feststelle, daß zwischen sämtlichen Faktoren des ungarischen öffentlichen Lebens und den Erklärungen der mastgebenden Faktoren des Deutschen Reiches vollkommene Harmonie besteht, sowohl bezüglich der Llllf- rechterhaltung des Bündnisses als bezüglich der Kriegsziele und der Friedensbedingnngen. Die Versuche, die hie und da gemacht werben, um einen dieOiezüglichen Gegensatz zwischen der Monarchie und dem Deutschen Reiche zu suchen, werden durch die Tatsachen widerlegt. Ich erhebe dagegen Einspruch, da st man es so hinstellt, als ob Ungarn nicht bereit wäre bis zum letzten Blutstropfen ausznh^rrren und »u kämpfen, solange nicht ein die Daseinsinterefsen Oester­reich-Ungarns sichernder ehrlicher Friede geschloffen werden kann.

Lebhafter Beifall rechts.) Tie in: Deutschen Reichstage abge­gebenen Erklärungen und die dort gefaßten Beschlüsse stehen in voller Harmonie mit der Politik, die wir während der ganzen Kriegszeit befolgen. Es gibt viele Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und den: Minifterpräsideuteu, aber in dieser Frage gibt es keine. Deshalb unterstütze ich dessen auswärtige Politik.

Ministerpräsident Graf Esterhazy erklärte, er habe sich in den Fragen der äußeren Politik wiederholt geäußert, er be­schränke sich heute ans solgerche kurze Erklärung: Wir führen diesen! »rieg als Verteidigungskrieg, dlnch beim Friedensschluß wird nicht «.Eroberung unser Ziel sein. Wir haben unsere Friedenskundgebung fuiid unsere Bereitwilligkeit für einen ehrlichen Frieden im Ein­vernehmen mit den Verbündeten zum Ansdruck gebracht. (Mlgem. Beifall im ganzen Hause.) Betreffs des K a n z l e r w c ch s e l s verweist der Ministerpräfchent auf den Telegrammwechsel zwischen hem Minister des Aenstern und dem Reick-skanzler Tr. Michaelis, in dem Oesterreich-Ungarn die Bereitwilligkeit zu einem ehrlichen Frieden Oesterreich-Ungarns und den defensiven Charakter tragenden Entschluß, die Existenz der Monarchie bis aufs äußerste zu verteidigen, neuerlich küft zulln Ausdruck gebracht wird. (Allge­meiner Beifall.) .Der Ministerpräsiderrt verweist aus die Rede des deutschen Kanzlers und aus die vom Reichstage angenommene Ent­schließung, aars der erhellt, daß die Monarchie den aufgezwungenen Verteidigungskrieg ohne aggressive Ziele und ohne Eroberungs- cbsichten führe, zur Verteidigung ihrer Existenz und im Interesse der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker. Er sagte: Me in den letzten Tagen errungenen Siege und ihre fort-« wahrend wachsenden Erfolge sind ein neuerlicher Beweis für unsere ständige Friedensgeneigthell und unser unverbrüchliches Äusharren in diesem! Verteidigungskampfe. Nicht air uns liegt es, sondern an unseren Feinden, dies wiederhole ich abermals. Sie belastet die BerarAvortlichkeit, bafe sie, von Eroberungssucht gebeitet, einem an­ständigen Frieden entgegenstehen. (Lebh. Zustimmung^ Nachdem dieser Gedankengang in >ber rcnl äugst im' Reichstag geführten De­batte, in der Rede des Reichskanzlers, und in der Entschließung, welche vv-n der überwiegendOi Mehrheit des Reichstags angenmn- nv-n wurde, zum Ausdruck gekommen ist, bin ich in der Lage, fest- zusteNm, daß in dieser Beziehung Harmonie zvnscheu der Monarchie und dem Deutschen Reiche vollkommen besteht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das Llbgeordneteuhaus vertagte sich dann zu den Sovanerserien. Der Präsident ist ermächtigt, die nächste Sitzung im Einvernehmen mit der Regierung, wenn sich die Not­wendigkeit ergibt, einzuberusen. Aus Anfrage erklärte der Minister­präsident Graf Esterhazy, er glaube, daß die nächste Tagung zu Ende September oder Anfang Oktober abgehalten wert^.

Ein Aufruf an die Eisen- und Stahlgewerkfchaften Englands.

Bern, 21. Juli. Carson und Jellicoe haben an den Verbmch der Eilen- und Stahl-Gewerkschaften fol­genden sehr bezeichnenden Aufruf gerichtet: Tie Admiralität wünscht allen mit Schiffbau und Reparatur beschäftigten Personen ein­zuschärfen, wie ernst die Zeiten sind, in deneü wir leben. Ein entschlossener Feind ist dab'ei, unsere Inseln zu blockieren und die Handelsschiffe, die dem Volke Nahrung und der Armee Kriegsmaterial bringen, zu zerstören. Er wendet völker­rechtswidrige Mittel an. Täglich werden Handelsschiffe versenkt. Mir müssen von allen unseren Hilfsquellen Gebrauch machen, um es abznwenden, daß wir von Hungersnot bedroht werden. Dev Feind weiß dieses uitb hat alles hierauf gesetzt. Wenn es ihm ge­lingt, gewinnt er den Sieg: wenn es ihm nicht ge­lingt, ist seine Niederlage gchviß. Uns stehen nur zwei Waffen zur Verfügung, die nur in den Werften des Landes hergestellt werden können. Me eine ist eine Klasse von Kriegsff chiffen, die bit$ Marine instand setzt, die feind­lichen Tauchboote zu jagen und zu zerstören. Me andere ist jedes neue Handelsschiff, das ein gesunkenes ersetzt. Diese Waf­fen müssen zusammen verwandt werden. Die Herstellung dieser Waffen hängt allein von den Leuten in den Wersten und Ma­schinenwerken ab. In tvelcher Weise diese Herstellung vergrößert werden kann, ist eine jeden von uns berührende Frage. Wir, die wir daheim in Sicherheit sind, schulden es den Tapferen, die stünd­lich Wr uns zur See, zu Lande und in der Luft sterben, keine An­strengung zu scheuen, ihnen die Waffen zu liefern, mit denen sie den Krieg für uns gewinnen. Me Admiralität vertraut, daß die Männer der Wersten und Maschinenwerke in dieser höchsten Krisis unserer Geschichte das Ihrige tun, daß dieser Aufruf nicht taube Ohren findet.

Aus dem Reiche.

Die Preise für Schrchtrmren.

Berlin, 21. Juli. (Amtlich.) Eine 'Bundesratsver­ordnung vom 12. Juli verfügt eine Abänderung der Ver­ordnung über Preisbeschränkungen bei Verkäu­fen von Schuhwaren vom 28. September 1916. § 6, Abs. 2, dieser Verordnung lautet nunmehr:

Das Schiedsgericht prüft auch auf Antrag der zustän­digen Stellen die Preise nach und bestimmt die nach § 1 in Verbindung mit den von der Gutachterkommission für Schuhwarenpreise (§ 9) aufgestellten Richtsätzen angemesse­nen Preise. Ergibt sich hierbei, daß ausgezeichnete oder von einem Händler gezahlte Preise höher sind als die angemesse­nen, so hat das Schiedsgericht zugunsten des Reichs die er­zielten Ueberpreise einzuziehen. Welche Stellen im Sinne des Abs. 2 Satz 1 zuständig sind, bestinnnen vorbehaltlich der Vorschrift in § 12 die Landeszentralbehörden."

Durch diese neue Fassung wird erreicht, daß nicht nur, wie bisher, im Falle einer zu hohen Preisauszeichnung von dein, zur Auszeichnung Verpflichteten, der in der Regel der Hersteher ist, das über die angemessenen Preise Hinaus^ gehende (die Ueberpreise) zugunsten des Reichs ein gezogen

werden können, sondern daß diese Einziehung auch ausge­sprochen werden kann, wenn Schuhwaren ohne Auszeichnung oder trotz angemessener Auszeichnung zu übermäßigen Prei- an Händler verkauft worden sind, und daß sowohl in 0ffsen Fällen als auch im Falle einer zu hohen Preisaus- zeichnung auch Händler, die nicht zur Preisauszeichnung verpflichtet waren, auf Herausgabe der erzielten Ueberpreise zugunsten des Reiches verurteilt werden können. Gleichzeitig ist die Einschränkung der Ueberpreis-Einziehung auf Ver­kaufe der letzvchi dreh Monate urch der gleichen Art von Schuhwaren, für die vom Schiedsgericht auf Antrag die Preise festgesetzt lvorden sind, entfallen.

Berlin, 23. Juli. (WDB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Verordnung zur Abänderung der Verordnung über Oelftüc^e und daraus gewonnene Produkte vom 26. Juli 1916 die Zustimmung erteilt.

Grünberg i. Schl., 23. Juli. Auf dem Dominium Langmeil a. d. Oder ist der jüngste Sohn des Reichs­kanzlers, der 16jährige Gymnasiast Willi Michaelis, ein- getroffen, um als Jungmflnn Land- und Erntearbeiten zu verrichten.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 25. Juli 1917.

Die Hundstage.

Die Hundstage beginnen am 24. Juli und dauern bis zum 24. August, die glutvollendies canicular^s", von denen schon die alten Römer sprachen und welche nach dem Sirius oder Hunds-' gestirn benannt werden. Das griechische WortSeirios", aus! dem die RömerSirius" machten, entftantmt dem ägyptischen! AusdruckSihor", womit man den segenspendenden Nil lrezeich^- nete, und mit demselben Mrmen bezeichnet eit die Ajegypter das Hundgestirn, weil nach ihrer Beobachttmg mit seinem Sichtbar­werden die Nilflut sich hob, von der die segenbringende Erntesülle abhängig war. In anderen.Ländern begrüßte inan den Sirius weniger freudig, denn Uran hatte die Beobachtung gemacht, daß mit seinem Erscheinen die heißesten Tage begannen, weshalb man des irrigen Glaubens war. daß er die Sonne bestrahle und deren Gluten vermehre. So berichtet Plinius, der römische YLatur- forscher:Ist es nicht bekannt genug, daß der Hundesterir mit sei­nem Aufgange die Sonnenwärme vermehrt? Auf der Erde bemerkt man eine nicht geringe Wirkung des Gestirns. Zeigt es sich, so kocht das Meer, der Wein im Keller braust und die Sümpfe ge­raten in Gävung. Es gibt eine Art wilder Ziegen, welche die) Aegypter Anga nemteit; von dieser erzählt man, daß sie sich gegen den aufziehenden Hundestern stelle, ihn anschaue und durch ihr Niesen ihn gleichsam begrüße. ,Daß die Hunde zur Zeit des Hunde­sterns mehr als gewöhnlich wütig iverden, ist hinlänglich bekannt." llüd an anderer Stelle bemerkt Plinius:Dieser Stern ent- flcnnmt die Sonne Md trägt viel zur Hitze bei." Diesem bösen! Sirius wurden deshalb in Phönezien Hundsvpfer dargebracht. Die Römer opferten beim Beginn derdies coniculares" ernrn braunen Hund, und selbst bis rn die Neuzeit hat sich in England ein aber­gläubischer Volksbvauch erhalten, nach loelchem in den HUndstagest Hunde getötet wurden, um vor Tollwut sicher $u sein. Aber nicht nur die Gesundheit des Menschen schien den Römern durch das Er­scheinen des Sirjüs in Gefahr, auch die Vegetation sollte unter seiner Herrschaft leiden. Plinius sagt:Dieser Zeitraum ist futf die Weinrebe von höch!stem Belang, denn dos Schicksal der Traube hängt von jenem Gestirn ab, das wir Hündchen nennen. Meses macht sie brandig, als ob sie ans glühenden Kohlen gerostet worden wäre." Der Einfluß! des Hnndesternes auf die WittQTung ist im Mtertum so bekannt gewesen, wie es heute noch durch Banernsprüche begrün­det wird.Treten die Hundstage gut ein, so wird vier Wdchenj gutes, treten sie schlecht ein, so wird vier Wochen schlechtes Wetter", heißt es allgemein. Jin sächsischen Erzgebirge dagegen wird be­hauptet:Treten die Hundstage gut ein, so treten sie schlecht aus." Ein anderer Spruch, lautet:Hundstage hell und klar, zeigen au ein gutes Jahr." Und schon Cicero sagt:WeNn der Hundsstern trübe aufgeht, so soll man sich einer Pest befahren, wenn er aber dieselbe^ Zett schön und klar ist, so bedeutet das ein gutes Jahr." In Kärnthen und - Thüringen glaubt man, daß (Aen, in den Hundslagen geschlossen, unglücklich werden. Holz, in den Hmchs- tagen gefällt, soll nicht gut brennen, und .das scheint kein Aber­glauben zu sein, vielnrehr ist es wohl wahrscheinlich, daß das sehr ausgetrvckirete Holz schnell und unergiebig abbrennt.

*

** Aus dem Stadtth eater-Bureau. Gelegerlt- lich der Wiederholung des SingspielsDreimäder- haus" ccm kommenden Sonntag abend sei darauf hinge- '.vieseir, daß die stimmungsvolle Dekoration des ersten Aktes durch den Dekovationsm-aber Karl Löffler, der zurzeit dem Großh. Kurtheater Bad-Nauheim verpflichtet ist, hergestellt wurde.

** Kleidung für entlassene Mannschaften. Das Rode Kreuz hat vielfach zur Entlastung kommende Mannschaften im Falle nachgewiesener Bedürftigkeit mit Kleidungsstücken ausgerüstet. Diese haberc aber häufig nachher nochmals bei ihrer Heimatgemeinde Um Kleidung nachgesucht und solche dort auch erhalten, so daß sie zweimal mit Kleidung versehen rvurden. ,Dadurch werden die knappen Vorräte an Bekleidungsstücken aller Art in unzweckmäßiger Weise geschmälert und ungleichmäßig verbellt. Die Reichsbeklei­dungsstelle richtet daher cm die SSereme des Rvten Kreuzes imbi alle sonstigen gemeinnützigen .Verbände, welche Kleidungsstücke an entlassene Aiannschaft-en abgeben, das Ersuchen, von jeder Abgabe unter Angabe von Art und Zahl der ausgehändigten Bs- kleidungsstOcke oder Schuhwaren der zuständigen Bezugsschein- Aus serttgungsstelle der betreffenden Leute zu Wer dortigen Per­sonalkarte sofort Nachricht zu geben.

** Schlafwagenplätze. Cs wird vielfach darüber ge- klagk, daß Schlafwagenplätze schwer zu erhalten seien; in der Regel seien sie schon gleich irach Begirm des Vorverkaufs sämtlich ver­geben. Ties trifft indessen im allgemeinen nur für Plätze erster Klasse zu, die nur in beschränkter Zahl geführt.werden. Kann ein Bettplatz erster Klaffe nicht überlviesen werden, so sind doch beim frühzeitigen Eircgehen der Bestellung vielfach noch Bettplätze zweiter Klasse verfügbar, womit denr Besteller marcchMal gleichfalls ge­dient sein würde. Bevor er sich, nach Mlehmng seiner ersten Forderung aber dazu entschließt, einen Platz ziveiter Nasse zu verlangen, ist besonders bei Fernbestellungeir soviel Zeit ver­gangen, daß inzwischen auch diese Plätze sämtlich vergriffen sind. Wäre bei der Bvs^llrmg von vorrcherein bekannt, daß auch ein Platz zweiter Masse genehm sei, so dürften wahrscheinlich die Wünsche zmn Teil erfültt lverdeir können. Es empfiehlt sich deshalb, gegebenenfalls bei der Bestellung zum Ausdruck zu bringen ob beim Fehlen von Bettplätzen 1. Klasse solche 2. Kaffe ge--' wünscht werden.

Landkreis Gießen.

z. A l ba ch , 24. Juli. Für tapferes Verhalten vor dem Feinde doppelt ausgezeichnet wurde kürzlich der in einem' Gardegreuadier- Regiment stehende Ludwig Wagner von hier. .Er erhielt VaS Efferne Krcnz zweiter Klasse und die Hessische.^Tapferkeitsmedarlle.

i. Ettingshausen, 24. Juli. Das Eiserne Kreuz 2. M. erhielteir Heinrich Mohr, Sohn des Mlhelm Mohr, und Land- stnrmmann Ludwig Pfeiffer II., die schon beide die Tapferkeits- medaille besitzen.

** Großen-Buseck, 23. Juli. Ter Sanitätsnnteroffizier Christian Wagner in einem Jnf.-Regt., Inhaber des Hess. Sanitäts-Verdienstkreuzes, wurde rwch wegen seines tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit den: Eisernen Kreuze 2. Klasse ausgezeichnet.

LJ Lang-Göns,24. Juli. Nachdem die Glocken unserer Nachbargemeinden tellweise bereits von ihren Türmen herabsteigen mußten, hat auch jetzt für unsereVater-unser-Glocke" die Scheide­stunde geschlagen. Vorgestern abend hat die Glocke ihren ?lbschicds- gruß vom Turme gerufen, in der Kirche versammelte sich die Gemeinde, Pfarrer Weber verlas den 107. Psalm, und gemein­schaftlich wurde laut das Vaterurrser gebetet. Die Glocke ist die jüngste und kleinste von den drei hiesigen Glocken, wiegt 5 Zerrtner und trägt die Inschrift:Gos nüch in Giesen Friedr. Richh. Otto Jobs. Wenzel, Vorsteher, L. S. V. JSR. CD. Diese Glocke wurde 1811 nmgegojsen, da sie anscheinend Fehler hatte, und trägt noch mehrere lateinische Inschriften. Von den drei noch im Turme vorliandenen Glocken wiegt die größte 26 Zentner, die zweite 14 Zentner und die dritte 9 Zentner. Im Jahre 1690, am 10. März, bramrte der obere Tell des Turmes bei eirrer Feuers­brunst, die über 150 Gebäude in Asche legte, bis auf das Mauer- Werk vollständig ab, die Orgel blieb unversehrt. Tie vier Glocken waren geschinolzen, und aus dem Schutte wuiben 60 Zentner Erz herausgefunden. In demselben Jahre wurden wieder 4 Glocken gegossen nrit vielen Inschriften, die auf das Ereignis Bezug haben. Eine der geschmolzenen Glocken hatte die Aufschrift:Arnold von Fulda goß mich, Susanna heiße ich, der chrisllichen Kirche dien ich, zu Gottes Wort ms ich." Me Zinnpfeisen von der alten Orgel in der Kirche wurden auch abgenommen.

th. Lindenstruth, 24. Juli. Ter in einer Pionierkom­pagnie im Westen kämpfende Gefreite Ludwig Münch wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Auch Musk. Ludwig Deines erhielt die gleiche Auszeichnung.

Kreis Büdingen.

, 8 Bad Salz Hausen, 23. Juli. Im Konzertsaal fand gestern abend ein einmaliger Bunter Abend, dessen Progranrm ernste und heitere Tichltungm beulscher Meister umfaßte, statt, ^.er Vortragende, Willy Werner Göttig, verstand es, seine Zuhörer über die ganze Tauer des Abends hin .Lu fesseln., ^ras zahlreich erschienene Publikum belohnte dm Vortragenden durch reichen Beifall.

B^d-Salzhausen , 24. Juli. Das Eiserne K'reuz er- hcelt der Kanonier Friedrich Gennebach in einem 1 Artillerien Regiment. Wachsten Sonntag, J29. Juli, veranstaltet die M- pelle des Ersatz-Bataillons Jnfcmterie-Regt.Küiser Wilhelm" Nr. 116 hier zwei Konzerte.

4k L o r b a ch, 24. Juli. Das Efferne Kreuz erhielt der Wehr­mann Heinrich Mohn.

cv Q ^ Nidda , 24. Juli. Für die Wiederergreifung eines vom üroettsrommando Dauern heim durch-gebrcmnten Franzosen erhielt der Schüler Friedrich K o n r a d i eine Ehrenurkunde.

_ A Ranstadt, 23. Juli. Der auf dem hiesigen Hofgut be­schäftigte 17 Jahre alte Arbeiter Wolf von hier verunglückte heute beim Getreidemähen. Er erlitt einen Schädelbruch und ein Bein mußte ihm abgenommen werden. Wenige Stunden nach dem Unfall starb der Unglückliche.

Kreis Alsfeld.

** Olterbach, 23. JNli. Dem Jäger Fritz Kutt, der be­reits das Eilerne Kreuz und die Hessische Tapserkeitsmedallle bv- sitzt, wurde wegen hervorragender Tapferkeit ein Ehrenhirschfänger verliehen. Gleichtzeittg wurde er zum Gefreiten befördert.

Kreis Schotten.

8 Lerchenhain. 24.Juli. Unsere große Glocke, welche auch dem Mllitarttskus verfallen ist, wurde, nachdem sie bei eurem feierlichen M'chiedsgottesdienst zum letztenmal ihre Stimme ertönen ließ, vorigen Samstag vom Turme heruntergenommen. Eine große Vergangenheit hat sie gerade nicht im Jahre 1881 wurde sie mll der noch vorhandenen kleinen Glocke von den Ge- birüdern Ulrich, Apolda, gegossen. Bei dem Brande des alten Gotteshauses, welches am 4. April 1880 durch Blitzstrahl em- geäschert nmrde, sind auch die damals vorharGenen Glocken mid- vernrchtet worden. Im Frühjahr 1882 wurden die neuen Glocken zu ihrem hohen Glockenstuhle erhoben und haben seitdem bei LeL Und Freude ihre metallne Stimme über die Höhen unseres Vogels­berges rauschen lassen. Ein wunderbar klangvolles Geläute besaß inj ihnen unsere Kirchengemeinde, die daher die große Glocke sehr vermißt.

vollem Gange. Ansehnliche Mengen werden allabendlich von de beerensuchenden Bevöllerung zur Aufkaujfftelle gebracht. Mit Ent nistuiig toird die Beobachtung gemacht, daß seit einigen Tagen di H-orstwarte durch Arbeiterinnen in den Waldungen die Sträucher ab schneiden und vernichten. Warum dies geschieht, ist ben Bewohner unerklärlich, zumal doch die Himbeere als Nahrungsncittel zu bc ttachten ist und der armen Bevölkerung vor allem Frauen un Kindern Gelegenheit bietet, ettvas Geld zu verdienen. Es wär zu wünschen, wenn hiergegen eingeschritten tvürde, denn es i doch gar zu bedauerlich, wenn man die Sttäucher mit ihrem zahl reichen Fruchtansatz hinwelken sieht.

rr. Schl i tz , 24. Juli. Wieder wurde ein Veteran von 1870/7 Kur großen Armee abgerufen. Es ist dies der Grcfflicke Rentkammer bienet Emil Huhn. Der Bershorbene hatte im Hessischen Jäger bataillon den Feldzug mitgemacht und war dabei verwunde worden. Der Mllllär- und Veterammverein erwies ihm mit seine Fahnen die mllllaristheu Ehren.

Hessen-Nassau.

mr. Frankfurt a. M., 23. Juli. Ilm Brotkarten Fälschungen vorzubeugen, hak der Magistrat eine recht prak tische Llnordnung getwofsen. Tie einzelnen Abschnitte des Brvt scheinstteifens tragen in einem kleinen Kreise das Blld eines her vorragenden Gebäudes der Stcüä. Mese Miniaturansichten ,ver den in jeder Brotscheinperiode durch neue Bildchen ersetzt so da' es nah^MMöglich jst, Bvoksirrten zu fälschen, da 'zur Her stellnng der Bildchen komplizierte ?lpparatt und Geräte not wendig siird.

Uitii»erfHät$<ttacbric^ten*

^ = 24 Quli. Die philosophische

urck n^urwissenichaftliche Fakultät der Universität k-aben der Maischen Kuftusmimstm von Trott zu Solz in Würdigung sein« V^drenstt um die Errichtung der Universität zum Lbmidoktm beLer Fakultäten ernannt. vmwuoi

-- Frankfurt a. M., 24.Juli. Dr med R Assistenzarzt an der UräverittcEmik. hat' sich als ÄWÄL für nmcrc Mchizvi wi dcr ,«j»i^mschcn FakuttL t« habüÄwrt. Sru« MtrrttslwiL-siuv behaü-V het S&3*asinntoao±ui btetf» Arzn^mitlrl".