-ls -ineS Der öctfsn und raschesten Mittel für die Förderung deü Größe ihres Volke" betrachten. Wir werden niemals Frieden erhalten. wenn nicht das deutsche Volk davon überzeugt ist. daß der Krieg keine Resultate geliefert hat und/ seine Entwicklung in anderer Richtung gesucht werden must, als im .Kriege.
Die Resolution Macdonald wurde mit 148 gegen 19 Stimmen -urückgewiesen.
Uriegrbriefe aus dem Osten.
Von unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Tarnopol.
Am Sereth, 24. Juli.
Seit säst drei Jahren ist Larnopol in russischer Hand. Ein schwerer Tag war für die Einwohner, als die russischen flüchtenden Armeeteile sich in Tarnovol zusammenballten. Am 20. Juli, er- zählt mir ein Pfarier, )wrv amf den Straßen schon kein Zivilist mehr zu sehen Bagagen und Batterien fuhren in Reihen nebeneinander. die treuen Geschütze glänzten, eilte Rieseniirasse Da schlugen Flicgerbonrben aus die Brücke über die Bahn. Eisenteile stürmten auf den Bahndamm. Eine Panik entstand, die Wagen fuhren ineinander. die Pferde schlugen Ein russischer Soldat stand vor einem Kaffeehaus mid sagte zu ein ein Kameraden: „Sieh, Deine Revolution." und der andere zeigte aus das Chaos der Flucht, da riß der Soldat das rote Mzcichen von der Brust und zertrat es sckppeigend. In einem Laden riefen ein paar höhere Ofsizieve: „Was das Zeug kostet, ist gleich, es ist doch alles verloren." Fluchend wiederholte ein Oberst: „Alles ist kaputt und verloren." 9luf der Straße nach Mikulince rollte inzrvischen Wagen hinter Wagen, zuerst russische Schwestern, dann Bagagewagen, dann Antomobilc, dann ein Zug Train, der nicht auszuhören schien.
Die Preise waren noch gestiegen: eine Suppe mit etwas .Kalbfleisch kostete zwei Rubel, denn selbstvcrstairdlich die Rubelwährung galt. Am schlechtesten hatte es die Stadt in den Tagen nach der russischen Besetzung 1914. Dann kam Ruhe und Strenge, bis endlich imch der Revolution etwas leichtere Tage kamen. Ern Ukrainer Professor. Demetrius Toros che nta, ivurde zum Gouverneur eingesetzt. Der Kieiner Gymnasialdirektor hat Sympathie mit den ukrainischen Einwohnern und der Geistlichkeit und suchte zu helfen und zu vernntteln. Seit dcr Revolution wurde in den Scyllen auch wieder die deutsche Svrache erlaubt, auch den deutschen Gemeinden rersvrach der ukramisch? Gouvernein- seine Unterstützung. Je stärker^ die ukrainische Beivegung in :)tußlond sich durchsetzte, um so besser hatten es auch die beietzten Teile von Podolien und Tarnopol. Blut läßt nicht von Blut," sagte mein Gewährsmann. Grade die Ukrainer batten am Anfang am ineisten gelitten: ihre Sprache und die deuttchc waren verboten. Jetzt salben sie bessere Zeit. Rock ick.ivere Tage waren für die Stadt unter dem Lärm der Geschütze -nd der zunehmenden Frechheit der Russen, die in dichter Masse durch die Straßen strömten. Abseits von der russischen Armee tcetten sich die belgischen .Kraftsahcbata.illvne und Pioniere. Sie ,ogen ab und riefen: „Auf kein Wiedersehen!"
Rolf Brandt, Kriegsberichterskatter.
An» Hessen.
Die abermalige Berläntzri nng der Landtags-Mandate.
. .. t'b. D a r m st a d t. 26. Juli. Der Zweiten Kammer der Land- !künde in soeben eine Regrerungsvvrlagc zugegangen, betreffmd die Blalsten zum 37. Landtag. Die halbseitige Ergänzung dieses Landtages hatte gesetznmßig jchon im .Herbst 1914 zu erfolgen, ivar aber ü-t'olg-c des Kriegsausbruchs unnröglich. Die Vornahme der Wähl wurde damals um ein Jahr verschoben, und ebenso im Herbst
1915 und 1916. Durch den Art. 1 des Gesetzes vom 24. Dezember
1916 wurden die Landtagswahlen auf die zweite Hälfte dos Jahres 191-7 ve^ovar. Der jetzt eingebvachte Gesetzentwurf schlägt nun vor. Me Boarahnu der Wahl abermals urn ein Jahr, also bis zur Ivetten Hälfte 1918, zu ven'ckneben. Dre Dauer des Memdats der im Jahre 1911 gewählten Landtagsabgeordneten ist durch Art. 1 Ah. 3 des Gesetzes von 1916 um 3 Jahre verlängert nwrden, sä daß also diese Abgeordneten im Jahre 1920 auszarscheiden haben. Tarnet nach dem Jahre 1920 die Mftige Erneuerung der Zweiten .Kammer wiederum alle drei Jahre, wie dies Art. 6l 2lbs 2 des Ges'etzes, die Landstände betreffend, rwm 3. Juni 1911, fordert, üattsmden Lmn, werden die im Ialwe 1916 aus Grund der vrdend- lcchen Erneuerungswahlen gewählten Abgeordneten bereits nach rünf Jahren, der im vorletzten Absatz, Satz 1 des Art 68 dieses Gesetzes genannte rheinlMischc 'Abgeordnete bereits nach zwei Jahren anszuicheiden haben. Eme gleiche Regelung war auch im
Art. 1 Abs. 2 des Gesetzes vom 16. Dezember 1914, durch das Me LondtagswüLlen von 1914 auf die zweite Hälfte des Jahres 1916 verschoben wurden, vorgesehen. Im ii&rtgen schließt sich Art. 1 Abs. l und 2 des Enttouries eng an Art. 1 Abs. 1 und 2 des Gesetzes vorn 24. Dezember 1916 an. nur die Zahlen haben eine dem weiteren Aufschub der Wahlen entsprechende Aendermrg erfahren.
Anträge von Kammermitgliedern.
2lbgevrdneter, .Kammerpräsident Köhler, hat einen Antrag, betr. die Abgabe von Brennholz aus den staatlichen Waldungen eingebracht. Er weist daraus hin, daß bei den staatlichen Verweigerungen von Brennholz Preise erzielt wurden, die es den weniger Beinittelten unmöglich machen, sich mit Brennholz für den nächsten Winter zu versorgen. So seien z. B. bei Versteigerungen ui der Oberförsterei Jägernburg jetzt für einen Meter Buchen- und Eichen-Sckieitholz 32—36 Mark erzielt worden, die friiher mit 6—7 Mark bezahlt wurden. Tie Versorgung mit Bremiholz werde aber in Mftfficht aus die bestehende und drohestdc Kohlen- knapp h^eit in weft^ größeren! Umfang iwtig werden als in früheren Jahren. Tie Frage sei von so großer allgemeiner Bedeu- ttrng, daß die rein fiskalischen Interessen hier zurücktreten müssen. In vorderster- Lirrie stehc die Aufgabe des Maates, mitzuhelsen, Mrß die BeoöUernng. soweit dies irgend tunlich erscheint, mit Brennstoffen zu erschwinglichen Preisen für den kommenden Winter versehen wird. Ter Abgeordnete stellt daher den 2lntrag: Großh. Regierung zu ersuchen, bis aus weiteres von Versteigerungen von Brennholz aus den staatlichen Waldungen abzuschen und das Brennholz an die Kommunal verbände des Landes zu noch näher fcstznsetzend«! billigen Preisen, die etwa den Durchschnittspreisen! des Lest«! Friedenssoi-stjahres zuzüglich ein.es 21ufschlages für die während des Krieges erhöhten Werbnngskosten entsprechen, zivecks Verteilung an die Ve.rbrauck)er abzugeben.
2lbg. Ko r ell-Ingelheim beanttagt bezüglich der dem Staat gehörigen Grundstücke des Mainzer Universitätsfonds, deren Pachtzeit demnächst abläuft. die Regierung zu ersuchen, dem Erweiterten Ersten 2lusschuß eine Uebersicht über die Grundstücke des Diainzer Universitätsfonds zugehen zu lassen und Vorkehrungen gt trefferr, daß möglichst viele Grundstücke nach Beendigung des Krieges im Eigentun! veräußert werden.
... Derselbe Abgeordnete fragt an, warum die Entschädigungen tür Flurschäden im Bereich der Festung Mainz immer noch nicht ausbozahlt worden sind. Der Antragsteller fügt als Ergän- zrmg dieser Anfrage hinzu: Ist es der Großh. Regierung bekannt, daß die militärische Behörde grundsätzlich jeden Schadensersatz von 1916 ab vettveigert?
Rn» Stndt und Lund.
Gießen. 28. Juli 1917.
^ ** 91 u szei ch n u n g e n. Der Gefreite S ch -e n k, welcher seit Ztriegsbeginn in eineni hessischen 9lrttll>wie-Regt. steht, wurde ivegen 1 eines tapferen Verhaltens vor dein Feirsde ntti beni Eisernen Kreuz 2. Klaffe «uKgL-eichner. - Grenadier Karl Weber, ivelcher seit Februar 1915 ununterbrochen cm Felde steht, wurde, nachdein er i^ssis-che Dapferkettsnredaillr erhallen, mm auch mit dem Effernen .Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
** A u s dem S t ü b 11 fy e a t e r 6 tu r e a u. Nochmals fei auf die morgige Aben.dvorstelluug hiugerviesen, die das Singspiel „D a s Dre i m ä d er l h a u s" bringt. Da es nicht möglich rvar, für diese Vorstellung eine Kapelle zn besorgen, lvird der musikalische Teil von Herrn Kapellmeister Boscheck am Flügel onsgeführt werden.
Landkreis Gießen.
^ tt. Treis a. d. Lda.. 26. Juli. Bei dem Gewitter, das gestern abend über mrsere (Gemarkung girrg, schlug der Blitz in die hüsstw Oberförsterei und in das Wohnhaus des Rechners Becker-, beide mal, ohne neTmenswerten Schaden crnz urichtzm.
i Hessen-Nassau.
. = Frank für f a. M., 27. Juli. Um eine bessere AbgrenMng
des Frankfurter VersorgungsgebieteS herbeiMführair, hat der Magistrat dem Kriegsernähricngsamt in einer Eingabe folgende Vorschläge -imterbreitet. Der Bezirk Wiesbaden möge mit dem (^rof^ Herzogtum Hessen zu einem enrhcütlichen Versorgnngsgebiet ver- evngt werden, deru gegebenenfalls auch noch der Bezirk Kassel lxinzu- gefrigt werden körrne. Falts dieser keineswegs ungangbare Weg nicht rn vettvrrklichen ist, ersckwdtt die Bereinigung der' Bezirke Wiesbaden mid Kälsel dringend geboten, dies um' so mehr, da alle anderen Provinzen ein in sieh abgeschlossenes Wirtschafts- bzw. Beriorgungs- gebiet bilden. Die Zweiteilung in Hessen-Nassau! bedeutet für Wo - bü>en einen immer stärker in die Erscheinung tretenden Nachteil. Aber mrck) Kaffel ist, der Eingabe zufolge, nicht in der Lage, den
hiesigen B«^irk m ausretchsnder Werse mit Gemüse und Obst m ocj> sorgen. Infolgedessen schlicht der Vdagistrat vor, man möge ihm den Abschluß von LieseruwgsVerträgen mit den süddeutschen Staaten gestatten oder iveirigstens in Erwägung ziehen lassen. — Noch niemals seit ihrem Bestel)en dürfte die Main - Bseserbahn zwischen Frankfurt und Gießen so große Geschäfte ans dein Personerrverkehr gehabt l-abeir, als in deir letzten Wock-eu. Mehr als tausend Personen fuhren Tag um Tag mit den Frühzügen von lster nach den oberhessischen Eisenbahnstationen, und ergossen sich von hier in drei- tem! Strome ans die Dörfer, inn Kartoffeln ein zu heimsen. Die Not -,wang Z)ie Großstädter zu diesen H a m st c r s a h r t e n. In den tcchten Tage blieb es aber nicht bec dem ehrlichen Einkauf, sondern ein erheblicher Teil der HMnstecer suchte seinen Bedarf durch Beraubung der Felder zu decken und gefährdete dadurch die kommende Ernte aufs schwerste. Ktach nrnden Schätzirngen gab Oberhessen täglich imndejwns 2000 Zentner Fnih-karwffeln an die Hamsterer ab. Diese Kartoffeln tverden aber der Allgemeinheit entzogen und gehen den großen Licserungen der Kreise Friedberg und Büdingen für die Stadt Frankfurt verloren. Me Versuche der beiden >tteise, die >>rmsterei durch polizeiliche Ueberwachung der Bahnstationen ein- zndänunen, fdjeiterte bislang <nt dem „Erfindungsgeiste" der Hamsterer, der immer neue Formen des Schleichhandels ersinnt. Nun mehr haben die Kreisämter Büdingen und Friedberg die Stadt Frankfurt ans die Folgen dieser ,,Ueberf)anifterei" und ihrer Auswüchse aufmerksam gemacht und zugleich nrit den schärffteu Mwehr nraßnohmen gedroht, ivvbei sie besonders aus die Verfügung des Ge ncra l komm an dos über den Felddiebstahl himvieien. Diese Be- kanntgabe beider Sfpeizämber, die vor drei Tagen erschien, hat ihre Wirkung nicht verfehlt. .Der Sttvm der Hamsterer ist zusehends kleiner geworden Statt der 14—16 Wägen vierter .Klaffen) die sonst in den Frühzügen nlittoltten, fahren nur sechs bis acht. Und von den Waghalsigen, die trotzdein wch in die Wetterau fuhren, mußten ne im von zeJn Kartoffeln und Sack und Korb in den Händen der (Gendarmerie lassen. Die hier lZerrschende Kartosselnvt kann auch in gewisser Beziehung als behoben angesehen werden, da Frankfurt seit dre! Tagen Frühkartoffeln an die Bevölkerung abgibt. Da- mft hat mol) ein unerfreuliches Kapitel in der bewegten Geschickte der Lebensinittelversorgnng einer Großstadt seinen^-Abschilüß ge- rnnden.
sl Marburg, 26. Juli. Gestern abend nach 7 Uhr aEuden sich iiber dem Lalmtal ucrd den Seitentälern schwere Gewitter mit heftigen Regengüssen. In mehreren Orten brachen Brände aus, vielfach gingen auch .Kornbansen aus den Feldern in Flarnmen auf und in Lohra ivicrde eine Wittve nanrens Gaul, deren Mann vor Mei Jahren fiel, vom Blitze erschlagen. Von ihren fünf Kindern, die bei ihr im .Hause ivaren, wurde eins vorübergehend gelähmt. — Für das Abfangen der Ko hlweißlinge haben Kreis- und Stadtverwalttmg Präncien von 50 Psg. für je 100 Stück ausgesetzt. Innertalb zwei Tagen brachten hiesige Schüler über 9000 Stück zur Polizei. — Im Ebsdorfer Grund wurde ein Hamster aus Weltsalen crn!ittelt, der in einem Koffer ettva 120 Eier. 15 Pfund Bntetr, sowie zahlreichen Käse, Brot, Speck, Rüböl usw. bec sich führte. Der Mann soll schon nvehrfach die lsiesige Gegend bereist laben. — Das Schöffengericht in Wetter verurteilte einen Land wirk, der beim Abholen eines Rindes Spektakel gemacht hatte, zu 100 Mprk Geldsttafe. Seine Frau und sein Va'ter kamen mft jc 10 Mk. davon.
AirchUche rrachrrchte»^
Tnad-' :> s'^irilide
Sonntag, 29. Ouii. Gottesdienst. In der Stadt kir che. Vorm. 8: Zugl. Ehristenl. s. d. Nentonj. a. d. MarkuSgem. Pft. Schwab: vorm. 9y 2 : Pfarrer Mahr: Mittwoch, Aug., aüds. 8: Kriegsbc'tsttnrd^' Pfr. Mahr. — In der I o ha nnes kir che Bonn'. 8: Zugl. Ehristenl. f. d. Neukonf. a. d. Jvhmmesgem. Pfr. Ass. Lic. Reuning; 9b^ : Pfr. Bechtolsheim er: abds. 8: Bibelbesvi im!Johonnessaal. —Wartburg, ev. Jüngl.-u. Männer-Verein, Diezstr. 15. Sonntag, 29. Juli, abds. 8: Vorttag. Mittwoch, I.Aug.. abds. 814: Leseabend, Gäste mifff. — Kirchberg. Sonntag. 29. Jüli, vorm. 10: 11: EhristeE f. d. weibl. Jugend. — Lollar. Somrtag, 29. Jüli, nackM. U/ 2 . — Mainzlar. Mittwoch, 1 Ang., abds. 9 y s : Kriegsbetstunde. Dekan Gußmann.
UalhoNsche Gemeinde.
Salmistag, 26. .Juli, nachm. 5u. abds. 6: Gelegenh. z. hl. Beicht. Sonntag, 29. Juli, vvvnr. 61/2: Gelegenh. z. hl. Beicht. 7: Hl. Messe: 8: Austeil. d. hl. Kommunion: 9: Hochmnt m. Pred.: 11: Hl. Messe m. Pred.: imcfnn. 2: Ehristenl., darauf And.: Dierrstag und Freitag, abds. 8: Kriegsbittand. — Tiaspm'a-Gvttesdcenft am' 29. Juli: Grünlwrg 9p2, Hrmgen 9Vs, Lich 8.


