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19.7.1917 Zweites Blatt
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Nr. \bZ

Zweites Blatt

Erschein! täglich mit Ausnahme des S««ntagS.

Verlagen: ..Kietzener Zamiliendlatter" und ..Nreisblatt für den Breis Stehen".

-oftfcherttonio: Zranftml am Main Nr. \[m. Vanfverfehr: Gewerbebank Stehen.

chll Jahrgang

tehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Donnerstag, Juli lyfr

ZwillingSrundoruck und Verlag:

B r ü hl'sche Unioersitäts-Buch-rl.Eteindruckerer.

R. Lange, Gießen.

5chrfftleitnng. SeschästrsteSe und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Berlag: ^q>Ab1, Schriftleitung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGieiüen.

Verordnung über Höchstpreise für Getreides Buchweizen und Hirse ans der Ernte ,9,7.

Tstlrch die Bswrdmmg des Bundesrats von: 19. März 1917 sind die Preise für Getreide, Buchweizen und Hirse ans der Ernte f;! 1 '** Wem festgesetzt lvardeit, daß der Roggenhöchstpreis um

f V ^ Wetzenhöchstprets um 20 Mk. gegen die Preise des abgelaiffenen Wirtschaftsjahres erhöht, solvie der Höchstpreis für

fllU - >7 ^ M^, für imgeschällen Bnchlveizan, auf b00 nir geschallen Buichwerzen auf 800 Mk, für

imgcfd&aöe Jgrfe «tr 600 Mk. und für geschälte Hirse und 'Bruch hrrfc 4 970 Mt. für die Tonne bcftrmntt worden ist Die näheren Bestimmungen über die Preise sind dem Präsidenten des tt negsernährungsanrts Vorbehalten geblieben.

, ?^ch^N9 hierüber, die nunmehr ergangen ist, hält

IczugNch des Roggen- und Wetzeichöchstpreises daran fest, daß lm : y r bestehenden emzelnen örtlichen lPreisgebiete, die unver-, ändert belassen worden sind, von Osten nach Westen den Frie- densverhaltnisfen enttpvochond. wie bisher, mäßig steigende Sätze festgefetzt werden.

Da es unbillig w>äre, den Besitzern von Roggen und Weizen aus» der vorjährigen C&ntfcc, die bisher aus irgendwelchen Grün-

mcht alles abgeliefert haben., den höheren Preis der Ernte >917 zu gÄvähren, rst außerdem bestimntt, daß für Roggen und ck; erzen Lus frirheren ©nttoi die alten medrigercn Höchstpreise maßgebend bleiben.

Der Versuch, alte .Bestände als solche neuer Ernte abztw lictern, würde schwere Bestrafung zur Folge haben. Bestimmt ist Eh, daß die alten niedrigen Höchstpreise auch für Mischungen ir>u Roggen Und Weizen der Ernte 1917 mit Roggen and Weizen früherer Ernten gelten. Es empsiahll sich deshalb, die Lieferung! etwa noch zu liefernder Bestände aus der alten Ernte, die bst der scharfen Erfassung durch die letzte Nachschau nur ganz ver­einzelt Vorkommen dürften, jetzt schleunigst abzulicfcrit und die Vermengung von Brotgetreide der Ernte 1917 nrit älteren Vor- ralcn vor der LlbliefenmgMunterlassen. Dagegen gelten die neuen Höchstpreise auch für Hafer, Gerste, Buchweizen ,md Hirse früherer Ernten.

' Die ^Notwendigkeit des Frühdrirsches mrd der schleunigen Er­fassung des früh lstÄvchchwneti Getreides ^bedrngt, daß das Ge­treide, um mahlbar und haltbar >zn warben, in der Regel in wgenmnrtcn Trocknungsanlagen künstlich! getrocknet werden muß. A-iir diese Tüitfftüfr' Tovckmtng ist die .Zahlung pon Zuschlägen wahrend der Frühdruschzeit neben den Frühdrisschprämieit vor­gesehen. Die Zuschläge zerfallen in einen Tvocknnngslobn von l ' Mk. für die Tonne und eine Prämie, die dem Maße entspricht, um das das abgelieferte Getreide bei Lieferungen vor dem ^uniter 19 Proz., bei Lieferungen vor dem I Oktvber 1917 inrter 18 Proz. Wassergehalt hertmtergetrocknet vt. Während der Frühdrtischzeü imiß das Getreide als volllvertig ab genommen werden, falls die Feuchtigkeit bei Lieferungen vor em 16. August 1917 19 Proz. und bei Lieferungen vor dem i, Oktober 18 Proz. nicht übersteigt. Pom 1. Oktober 1917 ab ist Getreide mtt einem Fetochtigkettsgehalt bis zu 17 Proz. als voll­wertig zu betrachten.

Entsprechend den gesttegetten < 2 ackpreisen sind die Sackleih­gebühren erhöht worden. Sie betragen 20 Pfg. für den Topoel- -cwtner, bei Hafer 30 Psg. für den Doppelzentner, sofern die <r äcke binnen drei Wochen nach der Lieferung zurückgegeben iverden.

Dem .Kaufpreis dürfen 2 v. H, Jahreszinsen 'über Rcichs- bankdisbonl zugeschlagen werden, soweit sie Zahlung nicht binnen 15 Tagen nach der Ablieferung erfolgt.

Orrginalsaatgut von Getreide, Bnchweizeir und Hirse ist von den Höchstpreisen ausgenommen. Ms Originalsaatgnt gilt das Saatgut solcher Sorten, at: denen die Sdammbanmzucht durch schriftliche Belege nachgdwiesen werden kann <Hochzucht^, ivenn der Züchter in einem besonderen, im Deutschen Reichsanzeig-er zur Veröffentlichung gelangenden Verzeichnis für die Getreideart als Züchter von Orrginalßmtgut aufgeführt ist. Bei anerfanntem Saat­gut aus anerkannten Saatguttvirtschaften dürfen dem .Höchstpreise zu geschlagen iverden:

für die erste ?lbsaat ein Betrag bis zu 120 Mk zweite 100

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kur ine Lonne. Bei Saatgut aus Betrieben, die sich nachweislich in t«n fahren 1913 imd 191-1 mft dem Verkauf von Saatgetrüde befaßt haben, dünen dein .Höchstpreis, soweit es sich um die Mengen handelt, für die der Kommunalverband die Genehmigung ^ur Deräiißernng zu L-aatzwecken allgenrein erteilt bat. bis zu «0 Mk. für die Tonne zugeschlagen werden. Tie Zuschläge schließen riSir - 111 ^ b . ic Tnickwnngsznschläge. sowie die Zn- schläge für den .Handel ein. Sie sind so yit bemessen, daß die

Züchter ans ihre Koste:: kommen.und daß die Preise für die Land- mtrte, dre Saatgut benötigt erschwinglich bleiben. Mies übrige Saatgut von Getreide, Buchweizen und Hirse imtecliegt den allgemeinen Höchstpreisen.

Tie Rechjsgcchcidestelle ist bei Weiterveräußernng der Früchte mi Me Höchstpreise mcht gebundcu. Dasselbe gilt für die Kommu­nal verbände hlirsichtlich der Abgab e von Frrichten zu Futterzwecken.

Die Lage in Rußland.

Um über diese wichtige Kriegs- und Friedenssrage Auskunft zu erteilen, hatte der Deutsckpbaltisckfe Verein für gestern abend zu emem Vortrage des bekannten Rittergutsbesitzers Splvw Broe- dench emgeladen. Wie es aber auch schoii im vorigen Jahre der Fall war, mußte der angesagte Redner sich vertreten lassen und zwar, lerne Stellvertretung, Gymnasialdirektor Dr. Her nt a n m mtS Rcpal, mitteilte, weil Broederich durch die augenblickliche jchwcre poltchche Krise in Berlin sestgehalten ist. Mußte man es auch lehr bedauerii, nun schon zum zweitenmal statt des Redners lelbft, .efuen Ersatzredner sprechen zu hören, so wurde man doch ourch lerne klare und überzeugende Vortragsfoeise, sowie durch den gedanklich reichen Inhalt des Vortrags entschädigt. Dr. Hermann hat noch wahrend des Krieges ein wlles Jahr in Rußland gelebt, n rrr:? t * *cn? 0 5^ er Öls Jahre lang in Mtersburg Gelegenheit, die rusiische Psyche zu studieren. Las ltändige Versolgeir der russischen Bsaugen vermochte ihm bis in die letzten Tage hinein einen tiefen Einblick m die Umgestaltung der russischen Verhältnisse zu geben. Auf Grund dieser Einblicke legte er in einstündigem Vorträge etwa folgendes dar :

Die provisorische' Regierung, loie sich die jetzige russische Re- ^erung nennt, ijt ivirklich lehr provisorisch. Schon einmal hat sie ihren Bestand gewechselt und dabei die besten und liberalsten Ele­mente verloren. Die jetzige, stark links orientierte Richtung wird noch werter nach links steuern müssen. Der Arbeiter- und Soldatcn- rat kontrolliert die Recherung und bläst ihr seine Gedanken eint Bieier Rat ist sozialiltisch, in der Mehrheit zlvar gemäßigt, aber dre fetzige Minderheit gewinnt in der Provinz mrd in Petersburg stack an Anhang. Ein bewaffneter Anschlag ist von dieser Minder­heit lchon einmal versucht worden. Noch ist es gelungen, ihn znj vereiteln. Lrotzdem ist es so gut wie sicher, daß sie die Herrschaft N"'. sich gewinnen wird.Die Verhältnisse sind in keiner Weise kon- lolünert, überall haben sich selbständige Republiken gebildet. Kron­stadt, ein Kilometer von Petersburg gelegen, der wichtigste Kuiegs- bafen, hat sich unabhängig erklärt. Später hat es sich zwar schein­bar gefügt, geht aber doch immer iroch seine eigeneli Wege. Während desien treibt das gcmze Land seinem Ruin entgegen. Steuern gehen Nicht mehr ein, weil das Volk unter Republik Steuerfreiheit ver­steht. AnleihSn sind bei der unsickjeren Lage unmöglich. Die Frci- heitsanleihe ist gänzlich sehlgeschlaqen. Wie der russische Finanz- mrnistcr jelbjt erklärt hat, sind 6 Milliarden Noten in 3 Monaten von der provisorischen Regierung gedruckt worden, gegen 12 Mil- l'-fr-, bcT zorischen Regierung in 30 Monaten. Die Fabriken, jchlretzen ivegen der maßlosen Forderungen der Arbeiter. Sie ver­langen einen Durchschnittslohn von über 7000 Mk. jährlich, was auf dre Geiamtarbeiterzahl. 19 Mliarden Mk. Lohn ausmacht, also 7s der ru,fischen Gesamteinnahme Auch die Bauernschaft stellt Forderungen, dre das Land, zugnmde richten. Wjüirde das Projekt der Landanstecknng durchgeftihrt, so bedeutete dies einen riesigeni Rückgang der Produktivität des flacheir Landes, weil der unge- brldete Bauer sein Land aus die primitivste Weise bearbeitet. Än- ders lvar das beim Großbentz. Echvn vor der konstituierendes Berfammlung, die über das Gesetz beraten soll, haben die Baueru mtt der Aufteilung angefangeu. Die Folge >oar, daß die Anbau- stache in den kortireichen Provinzen lim 3040 Prozeitt gegen das Vorjahr zun'ickgegangeli ist.. Man sollte lischt glauben, daß ein Staat rn solchen Vcrhältmssen eine kraftvolle Polittk nach außen fuhren könrre. Selb am erweise ist das doch der Fall. So haben die Rufsen die Mliierten gezwrmgen, eine Revision der Krieg^-iel-o vorzunehmen. Die russische Sozialdemokratte hat einen großen Etndruck auf bte ganze Welt gemacht und zuletzt l>at das dem Ruftr eittgegenstetiernde Heer sich zu einer Offensive aufqevafft, die an. der österreichischen Front immerbin einigen Erfolg zn vel^eichnen hatte.

Um diese Widersprüche zu verstehen, muß man die Psyche des ruffrschen Volkes begreifen lernen. Das russische Volk hat laitgej unter dem Joche gelebt. Je stärker der Druck war, desto radikales wurde die Grundstimmung des^garrzen Volkes, bis in die höchsten schichten hinaus. So kam 1905 die erste russische Revolution, die nach etnigelt scheinbaren Erfolgen einen starken Rückschlag erlitt Hpftte ist Eer große Schlag gettcngen^ Das Volk ist frei unb hat die feste Ueberzeugung. daß die alten Zeiten dei- Monarchie nicht wie- derkehren werden. In dem Frecheitchübel ist das Volk von einem Frethettsransch befallen, der sich echt russisch auswirkt. Der Russe tst gefühlvoll und phantasttsch veranlagt, kritischen Verstand besitzt

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er nicht. Er lebt bem Schein. Er lebt in dem Rausche der Revolu­tion, ob diese ihr Ziel erreicht oder nicht, danach ftagr er nicht. Als in diese Stimmung die Friedensangebote der Mittelmächte billeintrafen, da stand der Russe vor einem Rätsel. Das mächtige, siegreiche Deutschlattd bot dent besiegten, gedeinntigten Miitf;!anb» den Frieden an! Das konnte nur zwei Gründe habeli. Entweder fühlte sich das nach russischer Ansicht autokratische Deutschland vor dem Anwachsen des russischen Revollltionsgedanrns obn.nächtig, oder die verschlagene deutsche Diplomatie wollte den: >>m eine! Falle stellen und sie wieder in den Bann der Monarclste zwingert. Solche Ueberlegungen führten Rußlmtd zu der letzten Offensive. Dabei ist allerdiitgs noch der Einfluß Kerenskis zu beachten, det eine starke Persönlichkeit ist.

Das russische Volk täuscht sich über sich selbst. Seine Frenid-- völker lassen sich aber nicht täuschest. Und diese Fremdvölker sind das Hauptproblem Rrrßlands und auch das Hanvtproblem Deutschlands. Die (fsioßrnssen verstanden zlvar zu erobern, aber nicht das Eroberte zu einem Organismus zu verarbeiten. 'Allein schon im Westen sind die Provinzen besiedelt mit einer westlich gerichteten Frcmdbevölkerung, die deni Russen Mt Bildung weit überlegen ist. Rußland hat sie national, vergelvaltigt und wirtschaftlich ans- gesogen. Deshalb riefelt diese Völker immer nach Autonomie. In der erstelt Revolution waren ihre Llnsprt'cche noch sehr gering. Jetzt verlangett sie eigene nattonale Heere, eine eigene, nnabhäiigige, konstituier eit de Versammlung nnd eigne Vertreter ans dem zukiinftß- gen Friedenskongreß, alles Borlätifer der Verselbständigung. Sie sel-en deit Zerfall des russischeit Reiches voraus und müssen sich von seinem verwesenden Orgatsismus ablösen. Hier aber müsse sich Deutschlattd sagen: Germania tua res agitur, deltn Detttschlands Mück ist es, wenn sich ein Wall von selbständigen Völkerit zwisckfett seine Grenze und Rußland schiebt. Rußlalid verliert dadurch nicht ntnr die Zahl der Menschen,^ sondern du' Intelligenz der Fremd­völker, die überall in Industrie, Diploiitatie usw. ihre M'raft den Russen geliehen hatte. Wenn diese Intelligenz sich in den Dienst des eigenen Volkes stellt, wird der Russe hilflos werden. Deskmlb ist es Aufgabe der deutschen Politik, sich des Frcmdoött rprü>lems anzunckbrnen und es sich nutzbar zu machen. Die Loslöl'nng Fimi- lands, und der Ukraine werde in absehbarer Zeit sicher gescku'hen. Die polnische Frage ist in einem gewissen Sinne gelöst worden, ivemt sie tauch für die Zukunft noch große Schwierigkeiten bietet. Eine be- fondere Rolle unter den Fremdvölkern spielen die Balten. Die Gesellschaft, die sich unter dent Namen Deutsch baltische Gesell­schaft gebildet hat, verfolgt reichsdetttsche Politik. Kurland und Litauetr sind schon seit 2 Jahren in deittschen Händen. Jetzt l-andelt es sich darum, ob diese Länder nur des Friedens ivillen ohne Ent­schädigung an Rußland zurückgegeben iverden sollen. Eine solche Rückgabe wird in Rußland, das sick) mit dem Verlust dieser Läitder schon abgefnnden, den ungünstigen Eindruck unseres Friedens- mtgeboles verstärkett. Dabei bietett tms diese Länder eilt Siedlnngs-- land, wie wir es haben müßtem Das Land ist deutsches Kultur- land, und die Letten sind nur ein ganz gering einzuschätzender Fsiktor. Ihr Rest wird sehr bald unter deutscher Herrschaft auf- gehelt, ttnttn den deutschen Bauent, die man zu Millionen aus Rußland selbst haben kann. Die jetzt enteigneten Wolgadeutschen sind vorbildliche Ackerbauern, die rnchts mtderes sein wollen als Bauern. Diese nach .Kurland hin ein zu ziehen, ist eine sehr große nationale Aufgabe für Deutschland. Sylvia Broederich tst es ge- lungert, vor dem Kriege 20 000 Deutsche aus Süd rußlmtd in oen baltischen Provinzen attznsiedeln, unö sie sind dort vortrefflich gediehen. Wenit sich DeulschlMld dieser Ostseeländer iticht annimmt und sie sich doch von RußlMtd loslösen, so Müssen sich die nnknlti-' vierten Völker, lvie znm Beispiel die Litauer, nach größeres Staaten nmseherr, an die sie sich anlehnen können. Ob dies Derckschland sein wird, weiß man nicht. England hat aber jetzt schon das Problem erkannt und systematisch Landmtkäik'c in Est- urth Livland gemacht. Ebenso ^erhandelt es ntit der russischen Regierung wegelt -Abtretung von Sttitzpunkten. Es steckt dartn eine große Gefahr für Deutschland, und England tut jetzt schon alles, um seine Fäden dort festznspürnen. Wenn Engtarch einst seine Hand auf Estland und Livlmtd legt, so ist die Umklammerung Deutschlands vollendet und die Ostsee hört auf, ein deutsches Mieer zu sein.

' Die früheren Kriege sind entschieden worden durchs die Waffeit und die Diplomatie. Jetzt wird von nmecett Feinden das Schlag- Nchrt ausgegeben, die Gerechtigkeit solle den 51rieg entscheideri. Tie' GerschtigM solle es den Deittschen gebieten, alles herauszngebett, waS sie erobert haben. Wenn dieser >?rieg iticht so endet, wie es die Feinde wünschen, sondern mit einem starken Frieden, so ist dies ein Frieden der Gerechtigkeit. Denn lvenn Denffchland sich m'gen eine Welt nt Waffen siegreich verteidigt, so ist das weder seiner Technik iwch ferner Führung zn verdanken, sondern dem morali- chen Sieg eines starken Volkes, das seüte beste .Kraft in sein Bolksheer gesteckt hat, und in diesem Sintte ist eilt starker dritte schier Frieden mich ein Sieg der Gerechtigkeit.

Knuft Mtic H^iffcnfcbaft

Der Farbensinn der Hühner. Der früher eilt-, sttmmig anerkannten Theorie, daß die Vögel die Farbelt ebensp sehen und beurteilen wie mir, wurde vor einiger Zeit durch mehrere Forstcher der Krieg erklärt. Man 'nahm bff? zu diesem Zeitpunkte an, daß die bunt-en Farben der Vögel delt Zweck batten, rum den Vögeln untereinander gesehelt zu iverden, womit natürlich dch Voraussetzung verbunden mar, daß die Vögel auf die Farben rea­leren ^ wie wir, da man erklärte, die prächitigerert Farbett der männlichen Vögel seien bestimmt, die Weibchen Mtznlocken. Ver­suche, die Rührigkeit dieser Mrsicht zu prüfelt, wurden zunächst non den Forschern^ Gräber und Porter unternomnten. Der erstere krachte Vögel in große Kästxn, deren Hälften verschieden gefärbt charen. Je itachident die Vögel die eine oder die andere Hälfte des Käftgs auffuchten, wollte er ihre Vorliebe für die bettesfende Farbe seststellen. Porter wiederum dreffierte Sperlfitge, ihr Futter aus Rapschen von bestimmter Farbe zu holen. Da aber in beiden Fällen auch andere Gründe als die der Farbe für das Verhalten der Vögel bestimmend sein können, läßt sich aus diesen Berfttchen nicht mit genügender Deutlichkeit ersehen, wie die Farben von den, Vögeln wckhrgenomnten werden. Eine unbedingte Antwort au, die vielerörterte Frage gab erst der Forscher Heß, desselt Versuche großes Aussehen erregten. Er erkannte, daß man über den Farbeit- srnn der Vögel Nur Auskunft zu erhalten vermag, wenn man einen Vergleick- mit dent menschlichen Farbensinn herbetführt. Zu diesem Zweck können entweder^ ^Farben gewählt werden, die für das normale Mienschenauge deutlich verschüden, für beit Farben- blinden aber ohne Unterschied sind, oder aber noch besser solche Farben, die für den normalen Pämschen zwar verschieden, aber sehr .ähnlich sind, wie etwa Gekdtvch-rot, Rot und Blänlich-rvit., Heß folgerte ganz richtig, daß, falls ein auf reines,Rot dressiertes .Vtühn Körner der drei genannten Farben pickt, erwiese,t wäre, daß die Hühner das Rot nicht nur als Helligkeitsgrad, sondern auch als Farbton erkennen. Um festz-nstellen, welche Körner für die .Hühner sichtbar und welche unsichtbar sind, nahm Heß, wie Hcycke in der Umschaju Mlssuhrt, ebenso einfache, wie interessante Versuche in einem djmtllen Zimmer vor. Ws mattMvarzen Sammet, auf welchen Futterkörner gestreut waren, wurden durch einen Spie­gel ein .Spektrum geworfen, so daß die .Körner in all eit Farben des Spektrums erschienen. Die Hühner pickten am roteit Ende des Spektrums so wett, wie dort die Körner auch von dem nvntschllchen Auge eben noch gesehen wurden. So war aus einwandfreie Wesse die früher verbrettete Ansicht von der Rotblindheit der Hühüter, wtderlegt, da ihnen ja sonst die Körner schlvarz erschienen, d. h. MMKax g&Dmi mm In dxr mbfxi di Mfte d^ Sp<ktrumZ

verhielten sich> jedoch! die Hühner gaitz anders. Sie pickten diä grünblauen, blauen und violetteit Körner nicht, es war also er­wiesen, daß sie dieselben nicht sehen können, daß detnnach das Spektvutn ihnen an diesem Ende stark verkürzt erscheint. Die­selben Beobachtungen gelt«t auch! für alle übrigen Tagvögel, und sie erklären sich durck, das Borhandensein farbiger Oelkirgeln in der Netzhaut, durch welche che blauen Sttahlen anfgesangen lverden. Unt anck zahlenmäßig che Beztehungert des Bogelanges zwn Mew- scbenaugk feststellen zn kömrett, lteß Heß das Lickst einer Glühlampe mit Verwendung eines- Spiegels durch ein farbiges Glas auf che Körner fallen, wobei Lampe und Spiegel m eine innen geschwärzte Rähve erngesckchvsfen waren. Dabei konnte die Helligkeit durch Ber- schieben der Lampe geregelt werden. Bei dem Versuche mit Grün hörte das Huhn bereits bei einem Lampenabstande von 47 Zentt- meter zn picken auf, während für das lltenschtiche nortnale '?l!nge che Sichtbarkettsgrenze erst bei 180 Zentimeter erreicht war. Bei Blau imrßte für die .Hühner das Licht sogar achtzig ckAal so, stark gemacht werden.wie für das fmenschliche Avtg''. Zufammengefaßt ergab sich also sttt die Hühner Und Tagvögel überhaupt eine .Kützztmg des Spekttums am kurz,velligen Ende und esste bedcnteitde Ver­minderung der Helligkeit am raten Ende. Da genau dieselben Er- scbeinUngeit für den Menschen gelten, lveltn er durch eitt rötlich- gelb gefärbtes Gras sicht, kann also gesagt werdeit, daß die Hühner die Dinge so sehet:, lvie mir sie durch eine röllüh-gelbe Brille sehen würden.

Französische Ho chs urt b Pereat s. Kurz tiach dem Deutsch-'Französtsch>en Kriege hat einmal jemand eine Zusammen- stellnng der Hochs und Pereats gemacht, die nacheinander in Frank­reich ausgebrackst wurden tmd die Wankelmüttgkeit des ftanzösischen Volkes so recht beweisen:

1788. Es lebe König Ludlvtg XVI.! Es lebe der Adel!

1789. Nieder ntit dem Adel!

1790. Es lebe Necker Ultd Mtrabealu! Es lebe die Geisllühkett!

1791. Nieder mit Necker! Meder mit der Geistlichkeit! Es lebe ber kvnstittttionelle König!

1792. Meder mit dem konstitutionellen König nnd seinem Veto! Meder mit der Konstttution von 1791!

1793. 'Nieder ntit Ludwig Capet und der Monarchie! Es lebe die Republik! Es lebe die Freiheit! Es lebe Robesp'ierre! Es lebe Marat! Es lebe der Terrorismus!

1794/95. Es lebe die Gtttllcstine! Nieder mit Robespierae! 1795/96. Es lebe das Direktorium! Es lebe Barras und 'Bona­parte! Meder mit dem Direktorium! Es leben die Konsuls! . Es lebe der erste Konsul!

1804. 'Ittedm mtt den Konsuls! Nieter mtt der Republik! Es übe der fojtftiljtfipödk Wfligl

1814. Med et mit Napoleon, dem Tyrannen! Nieder ntit dem Senat! Es leben die Alliierten! Es lebe Litdwig XVIIl !

1815. Mcder mit Ludwig XVIII.! Es lebe Napoleon! 'Nie­der mtt dem korsischen Usurpator! Es lebe König Ludwig, der Langersehnte!

1824. Es lebe Karl X.! Meder ntit den Ultras!

1830. Nttcher mtt Karl X.! Es lebe Louis Philtpp, der Bürger-- König!

1848. Meder- mtt den Ministern.! Es lebe. Gtri>ot!

1848. Meder mtt Louis Philipp! 9iieder mit tzchizot! Es tefc* die Revolution! Es leben die Arbeiter! Es lebe Lamar­tine ! Es lebe Cavagnac!

1849. Nieder tntt Lanmrttne turd Cavagnac! Es lebe der

Präsideltt! .

1843170. Es lebe Napoleon und der kaiserMe Prinz!

1870, ttarb dem 2. September: Nieder mit Napoleon, dem Zer stückler Frankreichs! Es lebe die Kommirne! Es lebe di Republik!

* Hannibal und das Schießpulver. Vom Säuen Pulver wissen wtr, daß es schon im frühen Mdertttnt dett Chinese, und Indern bekannt war. Zlvar tvurde es von ilmen nicht rnn Schteßeit tm heuttgen Sinne verwendet, wohl alter gebrauchte! st« es zum sprengen, zur Erzeugung von Brand,vttkungelt mrd z, ahnltchen Zwecken, wie lvtt heute das Feuerwerk Als Indien ij ferne Kenntttis daitn itber Arabien, und Phönizieit ttach dem Weste, verpflanzt worden, hat es wahrscheinlich auck, S>annüml ge rannt und verlvendet. Der römische Geschichtsschreiber Livins be rtchtet nämlick. Ms dem Zuge Hannibals über die Alpen war veinr Bahnen der Wege, also beim BroctMt von Felsen imd Fort väumen von Gesteinsmasse-ltacetum" gebraucht worben Dissr ^aastum" der gewöhnlichen Uebersetzung elttsprectzend einfach Esftg oder sonst ctue saure Flüssigkeit ftr cifläreu, geht mit Ruck stlht auf bte Art jener Arbeiten nicht an Aufgelöst, wie ^ heute bte Chemiker mtt Metallen ,tnd Erden tim wttd rnmi di! Felsen mcht habet:. Es lvtrd sich vielmehr bet demacetum" mr em Gemtsch von trockenen Stoffen, Pulvern, gehandelt haben unter denen der saure Salpeter der wichttgste gelveseit fern wird 'Datrn kann es aber mit großer Wahrschei jrfnrft

Mlverahnltche Sprengstoff gewesen sein, den die handelttetbendei .Karthager offenbar tut fernen Osten keimen gelernt hatten Uebei­gens war ^rchvesel. der zweite wichtige Bestwtdteü des Schieß Pulvers, den Alten ebenso bekanttt. ivvc der m der Natur frei vorkommende -Lalpeter.