Ausgabe 
17.7.1917 Zweites Blatt
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Kr. M Zweites Statt

trscheml-ttch mit Ausnahme des Sonntag«.

16?. Jahrgang

V ei tagen: ..Sietztner ZamiltenblStter" und Krtisblatt für den «reis Gietzen".

-oftfcheSfonto : Zrantsvrt am Main Kr. 11686. Vanlverkehr: Gemerbebank Gießen.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejfen

Dienstag, >1. M M

ZwtüingSrrinddruct und Verlag:

B r ü hllche Universitäts-Buch-u.Ster ndrucler...

R. Sange, Gießen.

Zchriftteitung. GeschSftssteLe vnd vruäerei:

Schulstratze?. Geschäftsstelle u. Verlag:

Schriftleitung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGte' en.

. Dr. Michaelis.

Ern führender Beamter bet Reichsg etreidestelle, Oer Gelegenlnrit halte, nrit bem neuen Reichskanzler mährend dessen Tätigkeit als Leiter des genannten Kriegsamts täg­lich zu vermehren, schreibt uns: Man weiß in 8er Oeffend-- lidyCeit noch nicht, welche Begabung Dr. Georg Michaelis für Diplomatie und auswärtige Politik offenbaren wird. Man weiß auch noch nicht, lote er über die preußische Wahtreform oder über die Parlomentarisierirrrg des Reiches fett. ma>n kennt ihn garH genau als kriegsorganisatorisches 'Talent. Hier hat er ferne geschickte Hand,' ntan möck)ie sagen, seine geniale Kralle gezeigt. Und wie er darin, d. h. in Kriegserrüchrun^sfragen, groß wurde, nämlich intuitiv, aus dem Nichts heraus, das ist eben bezeichnend für seine geistige Perfiinlichkeit. Der Unterstuatssekretür YRichaelis im preußischen Mbauzmriristerium hatte Ende Oktober 1914 keine Ahnung vvni Getreidewesen. Die Gründung von Reichsgetrmdestellen wurde darnäts von Mämrern angeregt, die außerhalb der Rvgrerung standen und die Verschwen­dung der kostbaren Brotfrucht nicht Länger mitansehen konnten Aber Michaelis war der emrzige höhere Reichs­beamte, der sofort die Wichtigkeit imd Dringlichkeit der Sache deyrrff. Man unterbreitete ihm den Vorschlag, eine >trn^sgetreidegeseNschast einzurichten, die 40 Mitlioneu Zentner Getreide airfkauf-en sollte, die nicht vor dein Mac 1915 zur Ausgabe gelangen dürften Ern Berliner Groß­händler hielt es damals für ganz unmöglich, eine derartige Menge zu beschaffen. Ilrtd Dr. Michaelis war so bescheiden in seinen Ansprüchen, 6 bis 7 Zimmer eines leerstehenden Amtes äE genügeicd für die geschäftliche Leitung, der , ^riegsgetveidegesetls chaft", wie sie damals hieß, anzuseherr. iHeute arbeiten 1081 Angestellte in der Reichsgetreide- üelbe. die eine Delep honzentrale von 180 AutzenanschLüssei r rnrt 36 Leitungen besitzt und 4 Millionen Mark Kosten jähr­lich verschlingt, was aber irur 5 Pfennige Berterlerung auf den ^Zentner Mehl ausmacht.! Wie Michaelis das Amt so hoch dvachte? DasGlück" so nennt er es führte ihm zwei Fachleute, Seipio aus Bvenren Und Meyer aus Düssel­dorf, zu, die ihm die Notwendigkeit der restloseir Erfassung des ganzen verfügbarecc Getreid<worrats nacbwiesen. In Wahrheit hatte Dr. 'Michaelis deci Sinn für die richtigeir Mrtarberber, ,ene seltene, irngel-euer wertvolle Gabe, 'die acrfzufinden, die der SLugenb-lick verlangt, tcnd sie sofort an die wirksamste Stelle zu scheu. Das 'ist eben OrganffatiomsgeniL. Aber nun tiirmten sich erst recht die Schwierigkeiten auf. Es handelte sich ja nicht rnn die Be- jchLaguahme einer toten Sache. Getreide lebt. Die Landwirte nrutztem gezwungen werden, zu einer bestimmten Zeit zu dreschen. Dotzu. kam, daß m an es mit 5 Millionen nnd Mehr EMenzen als Produzenteir zu tun hatte. Wieder hatte Michaelis den richtigen Jrrstiartt. Er wandte sich an eine mächtigere Stelle im Reich, tan ein Amt zu besitzen, das ,chn Schwert ist mit Schärfe". Er veranlasse den Staats­sekretär des Innern, Clemens Delbrück, den Vorgänger Helfferichs,ganze Sache" zu nrachen und die Getreüte>- beschlagnahme für das ganze Reich, seine Produktton und ferne Einfuhr, auszuspvecheir. Das half, und rrun hatte Michaelis Fahrwasser. Was er im Ausbau der Reichs- getveidestelle fernerhin, was er dann als preußischer Staats- komnrkssar für Volksernährung, insbesondere in der Zu­sammenarbeit zwischen dem .Kriegsernährungsamt und der preußischen Zentralstelle geleistet hat, ist ja in weiteren Kreisen bekannt geworden. Er hat auch da mit nicht ge­ringen Schwierigkeiten, besonders mit Abhängigkeit von den verschredenen Ministerien zu kämpfen gehabt. Er ließ sich af>er von niemandemin den Arnr fallen". W>as das heißt', versteht jeder, der die bureaukrattsche Maschinerie der Staatsämter auch nur ein wenig kennt. Dr. Mchaelis hat als oberster curd einzig vera'rrttvortliclM Dttnister des Reiches nun einen ganz freien Sinti bekommen. Er bringt aus seiner bisherigen kriegswirtschaftlichen Tätigkeit ein bestimmtes Programm mit Dieses Programm wird für dm llebergang in die Friedenswirtschaft von arißerordentlicher B^eutung sein. Michaelis ist der lleberzeugung, daß wir uns auf eine jahrelange RattonierUng der wichtigsten Le­bensmittel gefaßt machet: müssen, natürlich! wegen des Frachtraummangels und der allgemeinen Weltknappheit. Aber auch wegen der vier- bis fünffach gesteigerten Reichs- ausgaben. Michaelis ist ein energischer Verfechter des Ge- treidemonopols. Er ist für Festhalten an dem System der öffentlichen Bewirtschaftung der Landtvirtschaftsprodutte noch auf Jahre hinaus. Er wünscht andererseits die Organi­sation unserer Lanowirtschcrft in Genossenschaften, damit die individuelle Wahrnehmung des wirtschaftlichen Vorteils nicht zu kurz kommt. Aus diesein kriegswirtschaftlichen Pro­gramm heraus toerden sich zweifellos auch große politische Pläne ergeben, und man wird erstaunt sein, wie etttwick- lungssähig sich dieser preußische Kommissar als deutscher

Die Sommerausstellung der Berliner Steten Sezession.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Die neue Ausstellung, aie dem Ester irrtb der Kraft der Freien Sezession im dritten Kriegs­sommer ein anerkennenswertes, zum £ glänzendes Zeugnis ausstellt, bringt 249 Arbeiten: Malerei moderner Klassiker und oerwogener Moderner, daneben catch Plastik, die entgegen der leider bei uns bestehenden Mode diesmal gleichfalls stärkeres Interesse beanspruchen darf. Vorweg muß gesagt toerden, daß durch diese Veranstaltung die nicht genug zu betonende Tatsache bestätigt wird, daß auch das deutsche .Kunstleben cmDurch­halten" unantastbar ist. Wir begegnen in vielfach sehr sorg­fältiger Auswahl einer Fülle von Anregungen und Talenten. Vollendetes wechselt mit den noch problematischen Erzeugnissen der modernsten Richtung, und nicht zuletzt die Vergleiche, zu denen man angeregt wird, bilden die Bereicherung, deren man huvch die Ausstellung teilhaftig wird. Im Mittelpunkt der Sck)au 1 teilt schon aus (Gründen der Aktualität, der deutsche Malersubilar Professor Max Lieber manu, dessen 70. Gebuttstag am 20. dieses Monats gefeiert wird. Da die Königliche Akademie am 'Zattser Platz ans diesem Anlaß eine besondere Lieb ermann-Aus­stellung vorbereitet, muß die Freie Sezession sich mit sieben Werken ihres Ehrenprstideinteu begnügen, mit Werken allerdings, die der jüngsten und reifsten Epoche seines Schaffens zu verdanken sind. Vier Bildnisse, darunter als besonders geborgenes das des Verlegers S. Fischer, zeigen wieder Liebermanns über Einzel- Heften des Bekrittelns hinausgewachsenes Können, seine in ihren Mitteln ebenso vornehme wie selbstverständlick-e Kimst, Men-

Retchskanzlar zeigt. Zu Borschichl-orbeeren ist diese ftcrcht- bare Zeit zu ernst. Aber ein Trost ist, wie Goethe zu Ecker- mann fcvFte, daß ein wirkliches Talent nicht irre zu leiten und nicht zu verderben ist.

Av§ dem Reiche.

Die nächste Sitzung des Reichstags

Berlin, 16. Juli. (WDB. Nichtamtlich.) Die nächste Sitzung des Reichstags ^findet Donnerstag, den 19. Juli, nachmittags 3 Uhr, statt. Die Sitzung usird mit einer Rede des Reichskanzlers Dr. Michaelis beginnen. Auf der Tagesordnung stehen die Kreditvorlage tnrd die zweite Lesutrg der Reedereivorlage. Emc Sitzung des HaushaltsoussciMsses findet vorher nicht statt.

GewerblirA Betriebszählung.

Auf Grund des § 17 des Hilfsdienstgesetzes hat das Kttegsamt un Emvernehmen mit dem Herrn Staatssekretär des Innern und mich grundsätzlicher Zustumnung des Herrn Staatssekretärs des! Rerchsschatzamtes die Vornahme einer gewerblichen Be- triebstz-ähluw/g angeordnet. Die Zählung soll den ©tanfc des deutsclien Gewerbes um die Zeit des 15. Sluchcst 1917, in einigen Punkten verglichen nnt dein Stand vor Ktteitsausbttrch, erfassen.

Leitung und Slufbereittrng sollen der Statistischen Slbteilung der dem .Kttegsamt unterstehenden Wissenschaftlichen Kommission des Kttegs Ministerin ms, die Verteilung und Wiedereinsammlung der Erheb ungssormulare den Land raten (Oberamtmännern, Ober­bürgermeistern der kreisfreien Städte, Slmtshcutptlenden nsw.) so­wie den Gemente,c- (Guts-) Vorstehern Miegen.

Die Verteilung und der Verbrauch von Wild.

Berlin, 15. Juli. Die im .Kriegsernährungsamt ge­pflogenen Verhandlimgeti über die Frage, ,vie besser als inr Vorjahre Wild in die städtischen Verbrauchergebiete während der Jagdzeit zu bringen möglich sei, habm ergeben, daß eine errchttttichc Bewirtschaftung des Wil­des durch eine Reichs stelle tmerwünsäst und l>edenklich ist, daß eine Ausdehnung des F l e i s ch k a r t e n z w a n g e s aus ihm noch nicht nttterliegende Wßldarten oder eine Eitrsämurkung der be- stehendeir Vorschriften keine Abhilfe schaffen kann, imd daß die gellenderc Hüchstpvesse ausreichetrd sind. Das Ziel der Versorgung der Städte mit Wild soll deshalb ans dem tu Bayern und Sachsen erprobten Wege einer Wlieferungspflrcht von angemessenen Teilen der Jagd an staatlich bestmrntte Mnachnestellen erreicht werden. Hierzu ist eine RähmeirVerordnung erlassen worden, die. den Grund­satz dieser Ablieferungspflicht für bestimmte Wildarten feftstellt und Treibiagden anzeigepflichtig macht. Die Arrzeige der Treibjagd muß am % vor derselben bei der von der Landeszenttalbehörde. bestimmten Stelle, die das Wild ablnehmen soll, eingehen. Eirtz- sorechend der Verschiedenheit der landesrechtlichen Jagdrechte rrnd des Wildansalls in den einzelnen Staaten erlassen die Landes- zentvalbehörden die zn diesem Grundsatz nötigen Ansfuhrungs- beftimmungcn, regeln insbesrmdevf also die Höhe der abzuliesernden. Marge, die sich nach der Größe des Jagdergebnssses rieten und öom Reich durch einhertliche Prozentsätze nicht ausgedrückt werden karm. und ordnen an, ob die Ablresenmgspflicht sich nur auf Treib­jagden lerstveckt oder ob die Abliefertrng vom gesamten Ergebnisse der Airsübung der Jagd bervchnei toerden soll.

Die Laicheszentralbeh-ördett bestinrmen ferner die Abnohnte- stellan. 'wobei die Einrichtungen der Großstädte und des Wild- Handels nach Möglichkeit hevangezogen werden können.

Innerhalb der beteiligten Blmdesstaaten sind vorläusige Ber cucharungeri getroffen, die einen "Atisgleich zlvischeu sehr wild armen »und Ivildveicheren Gegenden bezwecken. Der Allgemeine Deutsche Jagdschutzverband hat sich an den Beratungen der Ver­ordnung beteiligt und ihr Mgestimnit.

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Bremen, 14. Juli. (WTB.) Hier wurde un.ter großer Beteiligung der Kreise des Handels, der Schiffahrt, des Gewerbes, der Industrie mtb ariderer Berufe Bremens die Bremer Zeitung, Verlagsqesellschaft mit beschränkter .Haftung" mit einem Kapital von U/ 2 Mllioneu Mark zum Zwecks des Erwerbes und des Betriebes, der W e s e r - Z e i t n n g" gegn'indet Das Kapital wurde über­zeichnet. Beteiligt sind ausschließlich Bremische Kreise. Zur Geschäftsfühnrng wurde Dr. Heile Und Paul Wigger bestellt. Die Uebernahme derWeser-Zeituug" erfolgt anr 1. 1. 1918.

Aus Stadt und Land.

Gieren, 17. Juli 1917.

Der Bcrtehr mit Heu ans der Ernte 1917.

Der VerketzL mit Heu aus der Ernte 1917 ist durch eine, V e r o rd nu n W des Reichs Kanzlers vom 12. Juli 1917. geregelt worden.

Der Bedarf >des Heeres an Heu tvird auch aus der dies-z jähttgen Ernte durch! Londlieferungne aufg-brmht werden. Die Schiwterigkeiten, die sich int abgelaufeneu Wirtschaftsjahr bei der Aufbttngung des mtf die Lreferungsverbände verteilten Lieferungs- svlls vielfach ergebet: haben, sollet: dadurch varmiedeu iverden^ daß der Verteilung das tatsächliche Ernteergebnis ttnd der Bestand mt GMßvieh zugrunde gelegt tr'trd und daß vvrläusig nur ein Teilbetrag zur Veranlagung kommt. Die Bundesstaaten »verden selbständig die Unterverteilung vornehnven. Nach Feststellmtg des Ernteergebnii'ses wird bei der Aufbringung des Restes ein Aus­gleich! gesckMfsen werden kömrett.

Die Heuernte wird ^duvchsärntttlich nur einen mittleren Ertrag

ergeben : atUch wmden viele Landwirte der Knappheit aller aTttxmen Futtermittel starr schwer gervigt sein, ^Idcruhftltt. au^l ihrer Wirtschaft gbzugeben. Diese Verhälttiisse ztmngetr da'at. -tmi Preis, den die Heeresverwaltung für das Heu ^ahlt, et hrbkich qlu erhöhen und gleichzeitig Höchstrvvetft sestzatsetzen. Ter sÄeinver- kaus soll, wie bisher, von Preisbesäminkungen irerblerbcu. Mtt Rücksicht auf die' Versckfteden heit der Ernte in den einzelnen Teüen des Reiches ist den Landes^entvalbehördcllt die Ennctzchttgung er­teilt worden, für ihr Gebiet oder Delle desselben ntedrige-re Höchst­preise festzusetzen und die Ausnäh-me für deir Kleinverkauf ernM- schränken oder äufzuheben.

Den Lieseemtgsverbänden ist es vielfach nicht möglich, die ihnen obliegenden Mimgen ohtn^ BerkehrsbeschränkUngen <un^ bringen, es werden deshalb solche Verbote vorläusig mgela.jcn. Oie sind jedoch nur so lange bervckmgt trnd mit t .iriiit auf die Veftorgung der Zivilbevölkerung mit Heu ^träglich«, wte sie zvr Sicherimq des Bedarfes für das Heer notwendig sind. Ein solcher. Bcdürftris kann jedenfalls über den 1. Februar 1918 hinaus nicht anerkannt werden.

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** Fahnenflüchtige ttnb Ueberläufer Mm Feinde glauben vieffach, daß sie nach Beendigimg des Ktteges durch emen, Gnadetimlaß tvieder in die Staatsbtirqerrechte eintreten dürften, ohne eine Strafe zu erleiden. Diese Hoffnung macht ein. Erlaß vom 29. Mai 1917, der noä, nicht getrügend VekMi.M ist, zuschanden. In demselbeit heißt es u. a., daß Fahnenflüchtige, die sich bis seih 15. Juli an einer Grenzstelle melden und sich trährend der wei­teren Kttcgsdauer gut führen, Begnadicptng in Aussiäst gestellt wird. Von der Anordnung einer Untersuchiuigshaft wird abge­sehen. B^ zu dieser Frist nicht Zurückgekehtte haben auf ciaeu! späteren Straferlaß tncht zu rechnen, vielnrehr tvird ihre ?lnsbür- gerung erfolgen. Ueberläuser zunt Feinde jedoch tverdett auch dann^ tuenn sic sich stellen, eitter derartigen Gnadenbehandlung nicht teilhaftig, sondern ausgeMrgert und bestraft Sie trifft die gmGS Schwere des Gesetzes.

Landkreis Gießen.

B. G. Gro ßen-Blu seck, 16. Juli. Der LanLwkhrmEr Hermann Wallen stein, welckier sckZnt. seit Kriegsbegimt sin FÄde stehlt und fdjioit vor längerer Zeit die .Hessische TapterkeLS- Medaille ^halten hat, ist jetzt intet dem Eisernen Kreuze 2. Kl. aus- gezeirhiret worden. Der Pionier Enget von liier, tvelck^r schon voriges Jahr mit der Hessrschen.Tapserkeitsnvedaille aus<sczttÄ»et wstrrde, hat jetzt auch» das lEisevne Kreuz 2. Kl. erhalten

Kreis Alsfeld.

** Storndorf, 16. Juli. Ein merkwürdiger Fall ereignete sich m tmserem Dorfe. Der Zufall toollte es, daß es dem Hund eines hiesigen Landwirts gelmig, sich in den Biehstall des Nachl- barlMifes einzuschleichen. Unglücklicher»reise erwischte er bei diesem lLotreiftug eine Häsin, die ihr Leben lassen mußte. Der zufLkg in der Nabe tvellendc Herr Johannes Schnell sal) gerade zu, wir der Hund seine Beute über den Hof schleppen wollte, sich der Lage schnell bewußt, sprang er flink hinzu und nahm dem frechen Räuber seine Beute ab. Augettblicklich war niemand von der von dem Ver­lust betrossenett Familie Roth zu Hause. Herr Schnell aber, dert' in eben genanntem Hause sehr bekannt ist und daher wußte, daß die Häsin bald Jmrgc zur Welt brülgen mußte, hatte die schit.lle Uebcv« legung, der Häsin das Fell abzuztehen und die Jungen zutage zu fördern. Und siehe da, 6 liebtrchc Lerne Ditrgercyen atmeten. Jtt dem Herzen des zurückkehrend«'n Eigentütners war min bald btt Sckmerz t'rber das Verlorene durch diesen sechssackten Ersatz nieder- gekämpft, zuntal sich die Jungen rn »oohligster Stintmung befinden, die sich dttrch unersättlichen Hunger äußert. Es bestehen die besten Aussichten, daß sie am Leben Weife, welches sie vor allem dem zielbewußten Handeln des Herrn Schnell zu verdanken frrfe.

Kreis Frie-berg.

= Ans der mittleren Wette rau, 13. JuLi. AnMar> gavete" soll die Sichel ins Feld getvageit wevden, sagt eine alle Bauernregel, wenn die Ernte in normaler Zeit reift So ist cs auch eingetrofseit. Am heuügen 13. Juli sab man utm erstertmote die Schnitter mit Sense und Sichel lTtnau^iehen, die vierte .Krteys- entte su mähen. Der Kornschnitt fe begonnen. Wenn das Korn auch stellenweise durch die strenge Kälte etwas gelitten Hot es statid teilweise ztt düttn, ist dies 5nckm und 'Aebre von Dorteü getvesen: denn um so feer komrten sich beide entwickeln Ein langer Halm trägt eine volle u.nd große Mhre. Dainit ist l«rvitZ gesagt, daß her Körnerettrag dieses Jahr u.üd auf diesen l onünjt er doch vor allsim an dein vorjähttgen weit übertreffen tvird. wmsontehr auch ein späterer Verlust, wie im vorigen nassat Jahr nicht erntreten wird. Wo das Korn besonders fett stand, hat der vorsorgliche Landmaitn Gerste dazwischen feit Atrckt diese geht der Reise entgcgetr: und von konmrerder Wockte ab hat der Bmters- ntann alle Hände voll zu tun. Wenn mm das Wetter der Arbeit günstig bleibt, so tvird ttotz Mangel attr Arbeitskräften, auch die heurige Ernte glücklich! unter Dach und Fach kotNmjen.

Spielplan des Grotzl?. Nurtheaters Sad-Uauheim.

Mittwoch, den 18. Juli 1917: Uttter Mitwirkung der Kur-, kapelle. Nenl/eit.Das DveimäderMus". Freitag, 20 Jütt' Ginnt. Gastsp. Earl William Buller.Die votn Hvchsattel" Somv- «ag, 22.Jukt: Neuheit.Die verlorene Tochter". Mtontag, 23 Julr: Unter Mitwirk. d. Kurkap.Unter der bMfedett Ändckd

Nönigl. ttuttheater Vaü-Lm§.

Dietfeg, 17. Juli: Einm. Gastsp. von Rud. Possin u. TÄde LrpsktDer erngebtldete Kranke". Samstag, 21. Juli: Unter Mit- wirk. d.Kurkap. dteuyeit.Das Dreimäderlhatrs".

schen mit schärfster Ehavakteristik und einer vertieften Lefeslva.hr- l)eit jaus die Leimvand zu bannen. Neben dem Selbskbüdnis, einent Gartenbild und einer Landschaft fesselt besonders der ./FiüWrng im Tiergcrrtert" durch die mtgekt'mstelten Feinheiten, mit denen hier das Problem der Freilichtszene wie ein .Kinderspiel gelöst ist. Eine eigene, an die Opfer der Zeit gemahnende Gruppe bildet: dte Toten: die Freie Sezession l-at im Kriege si'iuf Mitglieder verlvrert: Bemto Berneis, Karl Bötticher, BerTthard Ftttdat, Waldemar Rös­ter imd Walter Rosam. Die bedeutendsten Ettnnerungen gelten: Berneis und Rösler. Bon dent ersteren sehen wir neben Bildnissen zwei kleine Lattdschaflen, graue äüege mit windgepeitschten Bäumen, die uns begreifen lassen, daß bei Berneis der Tod einer twch vieles versprechenden Entwicklung ein Ende bereitet hat. Rösler hatte bereits seinen Stil endgültiger geftmden, aber auch er hatte twch höheren Zielen zugestrebt. Daß er sie schwerlich erreicht hätte, beweisen seine ausgesteltten Arbeiten, vor allem dieFrühlings- famner Nnd die tvmidervoll komponierte großeSchmiede". Un­ter den ganz Modernen steht Mar Pech st e i n an führender Stelle. Ter Ktteg hat Um NÄhrend einer Studienreise in heißen, exotischen- Ländern überrascht und ihn fett zu einem Gefangenenaufentl>alt in Japan verurteilt, detr er ttattirlich rein vom Standpttnkt des? Malers nicht bedauert haben dürste. Seine treuen Bilder sind Früchte dieser Reisen, ihre Exottk kommt der Individualität Peckp steins, der intensivstes Naturgefühl mit einem genialischen Hang zur Stilistik verbindet, antzerordenllich entgegen. Ein Bild großen Fornrats,Rettungsboot", bildet eine wunderbare Bereini­gung der Aufregungen des Meeres und der Menschen, snen Zn- sammenllang von stürmischen Wollet: und stürttnsch gettiebenen

Slfenergestalten, das Ganze mit fester Hand zu einem einzige hefttg-vlmiontt chen 9lkkord gesteigert. Farbig hervorragend ist d. Mldn^ rn Gritn , das Pechstnn in v»Ner Kraft srigt,. fielen tmt Smimeagfntcn, dir feine Phantasie mit den Mriteln etn mc|ö weniger als prosaischLN Technik beherrscht. Erotisch komi auch Emrl Orlrk mit einem 'Produkt seiner China- fei ,®üe die Frauengestalt in den Rm, gesetzt ist, das rst das Weck eines überlegenen Köimers Nur mi leider de,' Volte Atem der Natur durch ktthle Ileln-rlegwig und B rechtien^der Wirkung ein wenig xurückgedrängt. Um ,o mehr b>-fri drgt dos mit stackem Schmrs; lsinaemorfene Büdwis der Wtiir!

d<-m schlechterdings nichts am? .setz Meck» Geistreich und unterhalteiidt ein kleinert Aid das d, Tierknlühauer Gaul an der Arvelt zeigt. Ziemlich neu sich Beck imd MN iimge Ausländer von Itarfee etgernuiDiger ivo.ita, der^ «chwnzer Walter Bangertcr und der- Ungar Josef P a >' Tu Parleteeszenen BangeckerS verrvden die Lckmlung um 'JSgrif Mu/tern. lmbeit aber bei ongrneller Technik und Aiefit>a,.nr

olepröge. Das «.«arisch.- Neu ftadibild Batos gibt Kunde non emem bei aller Jrigend denn klaren sind reifen Talcmi. des,en Name bald in die vordeesile N ch LT^ckt fem tmrd. Im übrigen seien mrs der Fülle nocl Ä Inders gute tzmrs Baluschek, d>n amwezeich.w Waltlun Bony, -oerbrrt ,ricdler, Artnr Segne v ^ Rndr Grobmann, Oskar Moll imd Fritz Nhein mruin.o ara Koschackertcn find die beiden Putten von vonS von Marge! m cm delÄvativcr F-ri-s ..Die Zaubenlöte" von M,,,

Ue6« die Plastik soll besonders gesprochen werden. ^ !>