Ausgabe 
14.7.1917 Zweites Blatt
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^rscheini

Swettes vlatt

m« Ausnahme »«S 9mnt«f|l.

X67. Zahrgang

Beilagen:Gietzener ZamMevtzlätter" cmd Xrttsfttatt für den Kreis Girtzen".

-offjcheSfvnt«: Zranlfun am Mat« Nr. N686. Vankverlehr: St«erdcvank Kietzen.

General-Anzeiger für Gderheffen

Samstag, I». Juli l?>7

ZwiüingSrunddruck und Verlag: Brnhl'fcheUn:versitätS-Buch-n.St?indruckcr R. Lange, Gießen.

Lchriftleitung, Sefchästrflelle und Druckerei:

bchulstroße?. c)eschäf:sslellett. Verlag: ^

Schristleuung: 112.

Anschrift für Trahtaachnchrcn: Anzeiger ie

Au» Stadt «nd Land.

1 CSiejjeit, 14. Juli 1917.

Zwei Patrouillengänge.

Es war in den Maitagen westlich vvn Lens, am Flügel der Arvasschlacht, wie man kurz die fast ummterbrochene Reihe von Schbacküen and Gefechten nennt, die an: Ostermontag, dem 9. Avril, begann und die dem englischen Heere den Weg nach Dona' 3M0 in die Flanken der deutschen Berk e: d i gm:gs front im Westen öffneit sollte. Der Bogen der deutsche?: Linie, der das Kohlenbecken von Lens einschließt, batte sich nach dem Anfangserfolg der Eng­länder hei Bimy verengert, und die Ausgabe der hier kämpfenden, deutscksti: Truppen, sich den Gegner vom Leibe zu halten, und den Einbruch in den Flügel bogen zu verhindern, erforderte neben standfestem Ansharren gegen deftig und mit überlegenen Massen geführten Angriffen vor allem rmcrmüdliche Wachsamkeit und stän­dige Aufklärung der feindlichen Absichten durch rege Patrouillen- rätigkcit. Die Namen A^ion, Elen, Bier, die man aus den Heeres­berichten kennt, werden in 'der Geschichte des Krieges an die heldenmütigen Leistungen der hier stehenden Regimenter erinnern. Für deren 0)eschichte aber ist stwbl jeder Fuß dieses Bodens mit dem Gedächtnis an Taten verknüpft, die in der rnigeheuren Energie dieses Krieges fast alltäglich geworden sind und doch nicht ver­gessen werden dürfen, wenn sich einst ein neues Geschlecht an dem Beispiel der Väter ausrichte:: imb kräftigen soll. Deswegen sei der Leistung zweier Patrouillen .zedacht, durch die das 2. Bataillon eines l>esfischen JnfianterieRegiments eine besondere und begrenzte Ausgabe in vorbildlick^cr Wei'e erfüllte und dadurch an den größe­ren Zielen der oberen Leitung erfolgreich mitarbeitcte.

Der Feind hatte sich im AlMnitt, den das Regiment soeben bezogen hatte, noch? nid;: nahe heran gearbeitet, sondern lag noch etwa 1000 Meter von unseren Linien entfernt. Die Gesamtlage ließ aber darauf schließen, daß er vers^rchen werde, näher an uns lievanxukommen, um unsere Gräben erfolgreicher mit den Nah kampftnitteln des: Stellungskrieges bearbeiten zu können. Genaueres tierübe, sestzustellen, die Absichten des Feindes ztveifelssrci aus- zukläven, und. wenn möglich, zu stören, war die Ausgabe einer Patrouille, die unta5 Führung des Vizefeldwebels Eckert von der 7. Konrpagnie des 10. hessischen In f a n te ri e-R e g i a ments am 21. Mai um 3 ss ll'hr morgens vorgeschickt wurde. Auf einer nach den feindlichen Linien führenden Straßen mit Seiten­deckung vorgehend, stellte die Patrouille frische Grabarbeiten des Feindes fest und hieß nach etwa 600 Meter auf einckn feindlichen Posten, der in einen: im freien Gelände liegenden Haine ausgestellt war: beim Nahen der Patrouille zog sich dieser in einen Graben der harr am Hause führte, zurück, und sofort erhielt die Patrouille ücstcges Feuer. Der Graben war also vom Engländer beseht, der hier offenbar im Begcii e stand, sich eine vorgeschobene Linie cuizulegen. Aber die schneidige Patrouille begnügte sich nicht mit dieser Feststellung, sondern ging so entschlossen und unerschrocken mir Handgranaten: an den Graben heran, daß dessen Besatzung den Nahkampf nicht abwartete, sondern sich eiligst zurückzog. in­dem sie drei Gefallene in den Händen der Patrouille zurückließ. Mit erbeuteten Gewehren, den Ausrüstungsgegenständen der Toten und der Regimentsrrummer des (Gegners kehrte die Patrouille, von den au sge schreckten feindlichen Hauvtstellnngen mit Infanterie- uiw Ma, chmen gewahr Fi i e r beschossen, ohne Verluste nach 5 Uhr in unsere?: Onaben zurück.

Um sestzustellen, ob' der engtische Posten bei Haus :md Ostaben auch am Tage steht, und am, wenn möglich, einen der gefallenen Engländer zu holen, entsandte dieselbe Korrrpagme am nächsten Morgen eine PattvÄe unter Fichrrmg des Bizefeldwebels Jone- scheö. Ein englischer Dopoelpostear am Schonplatz des gestrigen Zusammentreffens machte es unmöglich, einen der Toten zu bergen. Lloer ruf dam Rückwege nrmchte die P.rttowille die wertvolle Ent­deckung. daß au einem abgezweig-ten Grabenstück irur ungefähr .80 Meter von dem englii'ck»en fl^sten entfernt, etwa 80 cnglisckw Ftaschemninen lagen, die der Fei-ch bis hierher vorgeschasft hatte, offenbar in der Ahsickst, von hier aus mit rasch vorgeiührten Minen wedern unseren Graben unter Feuer zu nehme». Dies mußte trotz der jetzt verschärft-,: SBadn'amfleü das Feindes vereitelt werden. Mit 5 Mann ging ^Bizefeldwebcl Jonefckwit am nächsten Morgen um V 5 0 Uhr, mit Sprengladung, Zündschnur und Handgranate,: ver­sehen, vor, um das allzu vorwitzig angelegte englische Mnenlager zu sprengen. Die Aufgabe erforderte große Vorsicht :md Geschick­lichkeit, da der englische Posten in so unmittelbarer Nähe stand, daß mit einer vorzeitigen Störung des kühnen Wjerkes gerechnet werden mußte. Sorgsältta wurde die Sprengladung in das Minen- lagcr verpackt imd die Zündschnur angelegt. ?lber. was man vom

Zufall Kr' süvchben hat, geschah; dvc Zürndnng versagte, das Minen- lager blieb unversehrt. Da entschlossen sich Vizefeldwebel Jone- scheit und Gefreiter Hüllein, ganze Arbeit zu verrichten. Mit Hand­granaten gingen sie nochmals an die Minen l^erau, verpackten eine Anzahl in geeigneter Weise in: Lager und, diesmal nur auf das Werk der eigenen Hand vertrauend, ziehen sie die zusammengckop- pelten Zündschnüre der Hawdgranatcn selbst heraus. Fünf Sekun­de:: war die Frist, die zwischen Leben und Tod gelassen war, dem: so lange nur konnte es dauern, bis die Granaten explod:erten und das Minenlagvr in die Luft fliegen mußte. Nur fünf Sekunden hatten die Tapferen Zeit, ihr Leben in Srcherheit zu bringen, aber es gelang. Kaum hatte:: sie die Biegung des Grabens erreicht, die ihnen einige Sicherheit bvt, da ging mit ungeheurem Getöse das Lager in die Lust, mrd die Spreugstücke, die unsere Gräben und Unterstände hatten zerstören sollen, flogen zum englischen Doppel­posten. um ihn: zu melden: die deutsche Patrouille ist wieder da­gewesen und hat ihr Werk vollendet!

Die tapferen Patrouillenführer, längst mit dem E. K. ausge- zeichnet, erhielten mit ihren Leuten besondere Belohnungen. Der Gefreite Hüllein wurde zum llnterossizier befördert, und ein Re­gimentsbefehl empfahl die Patrouillentätigkeit des Bataillons als vorlnldlich zur Nachahmung.

Ausrunftspflicht über wirtschaftliche Verhältnisse.

Berlin, 12. Juli. lWTB. Amtlich.) Der Bundes- rat beschloß in feinet heutigen Sitzung eine Verord­nung über die A u s k u n s t s p s l i ch t. Danach sind der Reichs kan zier, die Landeszentralvehörden und die vor: diesen bestimm ttm Stellen berechtigt, jederzeit Auskunft über wirt­schaftliche Verhältnisse jeglicher Art zu verlangen. Alswirt­schaftlich? Verhältnisse^ werdenftvt der lBerordincng besonders erwähnt: die Vorräte sowie Leistungen und die Leisttrngs- sähigkeit von Unternehmungen und Betrieben. Der Ans- kunftspflicht sind lvie nach früheren Verordnungen über Vorsts erheb nn gen unterworfen: landwirtschaftliche und ge­werbliche Unternehmungen, öffentlich-rechtliche Körperschaf­ten und Verbände, sowie alle Personen, die Gegenstände, über lvelche Auskunft verlairgt wird, in Gewahrsam haben oder gehabt haben oder ans die Lieferung solcher Gegen­stände Anspruch haben. Naturgemäß bleibt die Ans kunfts­pflicht von Privatpersv-nen auf diese Gegenstände beschränkt. Die zur AusLnnflsernholung berechtigten Stellen und die von ihnen 'Beauftragten sind auch befugt) zur Ermittlung richtiger Angaben Geschäftsbriefe und Geschäftsbücher ein­zusehen, sowie die Betriebseiirrichtungen und Ramne zu be­sichtigen und zu untersuchen, in denen Vorräte erzeugt, gelagert oder seilgehalten werden oder in denen Gegen­stände M vermute:: sind, über welche Auskunft verlangt N7rrd. Dre Mständigen. Stellen sind wie bisher ferner beftrgt, ErTrrichtuivgen -uord die Führmnz besonderer Lagerbücher vor- zufchreiben.

Zum Sckrntze der betroffenen Unter::ehmaengen ist vor- gescheu, daß die zu Ermittlungen Beauftragten streng ver- pfttchctet sind. Veiftt^wiegerche: t W. beobachte::, sonne sich der Verwertung der GefchLst»- «der Betriebsgeheimnisse, die sie in Ersalnnmg gebracht haben, zu enthalten. Wer der- gegen verstößt, kann auf Antrag nrit Gefängnis bis zu einem Fahre und mit einer Geldstrcrse bis zu 15 000 Mk. bestraft werden Auch bestimmt die Berordnung, daß das Ergebnis der Auskünfte oder Ermittlungen nicht zu steuer­lichen Zwecken vernnnrdet werden darf. Die Nichteirrhaltirng der Verpslichtn.:u;en, die sich aus den Bestimmungen der Verordnung ans seiten der Auskunftspflichtigen ergeben, wird unter strenge Strafe gestellt, wobei eine Mstu.fm:g erfolgt ist, je nachden: ob Vorsatz oder Fal)rlässigkeit vor­liegt? Die Vorräte, die verschwiegen worden sind, können als dem Staate verfallen erklärt werden, ob sie dem Aus­kunftspflichtigen gehören: oder nicht.

** Schwarz^ Dci ß-Theatcr. Seltersn ea 81. Fnt Programm vom So:mtag, d«: 14.. bis cinpöl ö'contag. den 1.6. Juli, tvirkt Asta Nielsen mit ihrem Partner, Ludwig Trau:- mairn in einem glänzenden Lustspiel in 3 Akleck, bditeltDüs Liebes-ABC". Ms zweites Stück ist ein spamwnles Liebesdrama Kunst und Unschuld" vorgeftlien, anßerden:Das Erbe des Coil.bops", Wildwestdrama, und das interessante Städtebild Algier. Bon Dienstag ab spielt Leopoldine Konstantin mit Egede Nissen :uch Rudolf Schildkrmtt in den: mvder::en Gesellschastsdrama Das Wiegenlied".

Landkreis Gießen.

** Großcn-Linden, 13. Juli. Dem Lokomvtiv Sber^ Mcher PH. Stengel L, von hier, welcher bei der Betriebs-P.^erk- stätte (tzießen tätig ist, wurde das Verdiem)kreuz für Kriegsdienst verlrehien.

** 31 einh ar d s Hain, l.'-. Juli. Johannes H o s ma n^r von hier erhielt die Hessische Tapserkeits:nedaille am 15. Februar.. Hofnmnn steht seit Kriegsbeginn in einem Inf.-Regt, im Felde. Starkenburg und 3rheiuhessen.

ch. A u s R h e i n h e s s e n, 13. Juli. Der Stand der Rebat ist günstig. Sie kommen mit großer Schnelligkeit voran. Mlerdings zeigt sich die Peronospvra in letzter Zeit häufiger. Vom Sauerwurm glaubt man ebenfalls Schaden befürchten zu dürfen und bat sich in der Binger Ecke bereits auf die Nikotinbekämpsung eingerichtet. Gesck ältlich herrichei: die bekannten Verhältnisse bei .zurückgehendcn Beständen, kostete in letzter Zeit das Stück 1916er in der mittleren Provinz 390E4200 3Nark, 1916er im allgemeinen 52006000 Mark und darüber.

-- 37t ainz, 12. Juli. In der Momlacher Gemarkung hat die A p r i k o s e n e r n t e ihren Älnsang genonrmen. Sie ! :efert reiche Erttäge und den Züchtern ein gutes Einkommen. Im Kriegs.- jahr 1914 erlnelten die Monröacher für das Pfund Früchre 5 Pfg. im Kriegsjahr 1917 nach den Festsetzungen der Landesobst stelle einen Erzengerpreis von 60 Psg. Das sind 1200 Prozent mehr?

Hcssen.-Nassau.

mr. Frankfurt a. M., 12. Juli. Mit dem Korns chnitt wurde nunmehr auch in der Gemarkung Frankfurt a. M. begonnen, nachdem die ün 3Raingau liegeiwen Ortschaften schon teilweise cin- gefohren haben. Mit dem Kürnerertrag ist man im allgemeinen sehr zufrieden. Die Achren sind gut ausgereist und vo:: ziemlich hohem Gewicht. Das Stroh aber ist vielfach) nicht so gut- wie im Vorjahr geraten.

rLiechliche Ncrehrrchten.

Lvangettsche Gemeinde.

Smrntag, 15.Juli. In der Stadtkirche. Vorm. 8: Zotzl. Christenl. f. d. Neukons. a. d. Markusgein. Pft. Schwabe; Oh«: Pft. Mahr : 11 : Kinderk s. d. Matthä usgem. Psr. Mahr. Mittwoch, 18.Juli, abds. 8: Kriegsbetstunde Pft. SÄvabe. In der Jo­st a n n e s k i r ch e. Vorn:. 8: Zugl. Ehristenl. s.d. Nenk ons. a. d. Johannesgcm. Pst. Ansseid: 9V*?: Prof. D. Sckrian; 11: Kinder? s. d. Lukasgem. Pst. Bechwlsheimer; äbds. 8: Brbelbespcechung im Johmmcssaol. Kir chberg. Sonntag. 15. Juli, vorm. 10; 11: Christenl. f. d. weibl. Jugend. Lollar. Sonntag, 15. JuK, nachrn. IV 2 . Rtittwoch, 18. Juli, abds 9 1 /,: KrregÄietstunde. XHkai Gußmann. Wa rtburg, ev. Jüngl - u. Männer-BeriTM. Diez^ straße 15. Sonntag, 15. Juli, nachm. 3 1 /:-: Ausflug: abds 8: Bortrag. Mittwoch, 18. Juli, abds. 8V*: LeseaVend, Gäste willk. Bibelkränzchen s. Schul, höh. Lehrmrst. Jeden Miwooch vort 6-7 s. d. jung. Mt.; jeden Samstag vm: 67 s. d. ä£r Mt. im Johamressaal. Bibelkränzchen f. Mädch. a. d. Jobannes- gemeinde. Jeden Dienstag vm: 67 im Johannessaal.

Katholische Gemeinde.

Samstag, 14. Juli, nachm. 5 u. abds. 8: Olelegenh. z. hl. Beich:e. Sonntag. 15. Juli, vorin. 6^/»: Gelegerch. z. hl. Beichte; 7: Hl. Vtesse; 8: Austeil. d. hl. Kommurrion; 9: Hockiamt m. Pred.; 11: Messe m. Pred., "Militärgottesd.: nachm. 2: Chmstenl., darauf säst. Br:wersch.-And.: 6: Aich. z. hl. Moisius. Dienstag u. Freitag, abds. 8: Kriegsbitt and. Diaspora-Gottesd. am 15. Jul:: Hun­gen 8, Lich 9r st>.

Dir Uunstgewrrbrausftellung.

Bon Paula Messer-Platz.

Mancher fragt wollt erstauTtt, wie kommt eine Kunst gewerbcaussrclltmg i,l den Knnstverern, der doch nicht der angewandten, sondern der reinen, derhoheir Kunst" diene:: soll? Mancher eckp.tt eben nicht, luic <mg beides zu lammen bängt: daß das 5stmstaewerbe nicht ernraa- Handn^erk und Geschäft ist. sondern Nr Kunst feinen Ursprung und feine Lebeirsstast verdankt. Die künst­lerische Joei' ist auch hier die Wurzel, und nur msosern sie sich tnn einen Gebrauchsgegetttstand, um ein Gerät des Alltags rankt, ist Kunggewerbe von Künft verickrieden. Wohl verstanden: soioeit es ernsthaft ist und nicht .Kitsch. Soweit das Geistige auch hier das Erste und Bewegend! war. Dem: der Gedanke ist die Er vöhung jedes Dinges, das nicht einfach dem Nutzen dient.

Unser deutsches .Kunstgewerbe ist noch jung. ?lber in einer 3eü, wo sich die 3Aenschie,tsgeschichte ö: drei Jahre zusammen.- drängt, hat Jugend aujgebört, wie ein Bottmirt zu klingen. Es wird iriä/it mehr nach dem 'Alter. sondLn nach der Leisllmg gefragt. Und diese ist gut. das ^igt auch die hiesige Ausstelllmg. Betrachtet n.an sie als Gesancherscheinimg, so überrascht angenehm das Fehlen jet-es Bizarven, Ueberspannten. Extreme werden ;a stets Gegen­stand der Jugcickmeigui'.g i'cm. hier entweder als gänzliche Fvrn:- losigkeit oder als über steig.'Ne CKsetzlichkeit der Form. Unser Kämst- e-werbe hat diese Stunn und Drangperrode imJugendstil" Himer sich gelassen :md Ijebt sich heme frei und sck-ön vom Hinter- gnnü) eiires geschichtlichen Werdens ab.

Neben diesem Gemeinsamen findet sich fast in jedem Aus­gestellten eine feine persönliche Nüauce, em Verflochtensein mit dem Ich des Künstlers, so baß von der Arbeit ganz unmittelbar auf Äesien Temperament, Charakter und Ideale geschlossen werden kann. Man betoackü? sich ei:m:al die KinderNeibchen von Marie Charlotte Bödicker St. Georgen im Breisgau). Da muß nran an ein Häuschen dealen mitten im (Karten, an viel Sonne. Dlwrren und Kinherf:a''.md^.tPrsten. Und so lebt diese .Künstlerrn a.,g,' ckns solcher Umgebung fließt die Heiterkeit in ihr Schaffer:. In ihren: Gartw: sind die bunten Blumen zu dem blauei: Leinen- stssen gc'stonoei:, und ein Frühlingstag hot das weiße Kinderkleid mit den: qiawni Jäckchei: gedichtet, als vor den Schnecbergen ine Schlüsselblumen aus der gri'men Wiest wncküen. Ten Vorgang des Werdens neben das Cndcrgebnis zu halten, dazu wird der Beschauer nur feilen anpdeitet. Und dock: entsteht tieferes Verständnis nur da. wo das einzelne Werk iricht als eärzebllas gesehen wird imfr die künstlerisch ' er^insachung der Natureindrückc' nicht als Zufall, wa-, stie niemals ist. Nicht daß man solche Dinge kauft, ist sckwn Kultur, soltderi: daß inan dw: seelischen Beziehimgen zwischen Geaensiattd und Zkünstler nachtastel und neue, eigem- hinzugibt. Bewn^ers muß tiervorg'hobei: werden, daß diese Kinderkleider immer sckLü bl' c'eri 'Nirgends ist die t^fahr der icl»ergrostei: 'He*

wußthcit, die auf unser deutsches K::nstgeioerbe lauert, so zerstörend für das Wesen des zu schassenden Dmges wie beim Kleü) der in holder Unbewußtheit dahiuledenden Kinder. Es n: selbstver­ständlich sein wie eine zärtliche Handbewegimg. Wie das iveiße Kürelchen mit 3tosenknospen oder das einfarbig grüne für einen trotzigen Buben.

Auch F a n n p Zwiesele (Ulm, Prornerstr. 5) liebt Blumen, viel Blumen. Aber sie sieht sie nickü ganz so heiter, sie gibt ihnen umschlossene Linien, sie hält sich in der Füllung streng an die z:: füllende Form und bannt an Stilisierung. Die^ große Leincmdecke ist benierkenswert durch die außervrdentlickie Sicherheit, mit der Farbe neben Farii^ gesetzt wird. Als einzige Stickerei und farbiger ^Mittelpunkt ii# einem bimfel gelialtcnen Zimmer wäre sie wohl von vornehmster Wirkung. Bon den Kissen sind ihre grauleinmen eigenartiger als ihre seidenen. Diese gedämpften Töne passen in jeden Raum, man loeiß sofort, daß mm: sich an chnen nicht über-i selben wird. Die Kirrbelarbeit zeigt die gleiche n:hige Linien­führung, die auch der lila Schvcibmappe ihre stille Harmonie gibt. Wie geschickt ist lher der Grund gefüllt! Sie schmückt und bleibt doch bescheiden. Das wird dem Kunstgewerbe nicht immer leicht. J^)es Di:u; will Zentrum sein, während jedes mir Stufe bedeuten darf zum Gesamteftrdruck. Eine Stufe freilich, die nicht übersprungen werden kann, ohne eine Lücke zu hinterlassen. In der Ausstellung wurde versucht, besonders an der Schrewtisck>ecke ein Beispiel auszustellen, wie dies gemeint ist. Wie ein Still­leben abgerundet und gcsctzosstn muß solch eine Grulwe sein, keine Farbe zu wer:ig, kein Schroergewickt am falschen Platz.^ llel>er den: Ganzen soll als feinster Reiz noch eine Idee liegen, die aufc zu fange:: und läck>elnd zu »genießen mir den Wenigen vorbelwlte:: bleibt. Hier ist es das Hohelied der Farbe. Beginnend mit dem vollen Akbird des lila Batirlissens^) steigt es am leise:: Ton des Holzkästckiens zur blaue:: Vase und vermittelt biefc durch bei: Kontrast der dunkelglühenden Rose mit der lila Schreib:::appe. Hier ist eine Pause und eft: RnheMukt. Die iveiße, sckflvarz und blau beschriebene Bnchstite nimmt den Rlchtlumrs heiterer wieder auf. führt üfn über den rötliche:: BucMÜll^riD hinweg mchj schwingt ihn jul>eliw zu dem purpurseidaie:: Tuch empor. Das Gegengewicht zun: lilck K^iss'Nl ist darin gcschasstn. Es bedarf mir nvck: eines halblmtten Nachspiels, :vie es in den Molltönen des großen rosa Kissens klingt, um das Liod^ flar und schön zu vollenden.

An dieser Gruppe soll sich auch zeigen, wie Möbel :md Bild in Beziehung «wbvachl werden müssen. Einmal, indem man das Bild nur als Raumwert benützt, lieber einem breiten Möbel muß ein breites Bild die Linie mlffangen und sie weitcrgeben, so die imtere Berechtigimg M:n Hänglm des nächsten Gegenstandes er-

*) Botikdrnck ist ein Berfiahvm, bei dem dre. nicht zu färbenden Stellen nnt Wackts bedeckt norden.

zeugend. Zu viel Bilder verwirre::. Tie Teilung einer Wand durck' Bilder darf mrr so lange sortgesührt werde::, als dadurckl eine klare Gliederung entsteht und sie den Zusammenhalt n::? den Möbeln unterstützt. Die kleine Zeichnung über dem Sttrhl z. B. verbindet dies«: mit der Wand und weist ihn: seinen Platz an. Aber auch d«n Inhalt nach müssen Bild und Möbel verwandt sein. Die Radierung von G. Jahn über dem Schreibtisch ist nack>- denllich, fast von llassischer R:ll-e. imb verlockt mit ihrer lichten Fernsicht den Geist des Arbeitende::, gedankenreiche Ausblicke zu

Viele hübsche Zierlichkeüen stichelt Anna Less'b (München, Theresienstt. 7), Beutel, Bildck?en, Deckcken. dmen a! die Bedeutung und Schönere fehlt, di« Hedwig B r u ck m a: cWiesbadm, Louisenstt. 61 erreicht. Der Wiener Einfluß ist zu unverkeimbar, besonders in de:: Buck^inümwen. Selbstbewnß und eigenartiger svreck)en ihre größeren Arbeiten, nzie die d:m Lederdecke und der schwarze Schal, der von .nmz ausnehmenl Schönheit ist. 'Er kam: ebensogut von einer Mattone zum ernp Kleid, wie von einer iimgei: Fi'au zu einfarbiger Seide getrae werden. Er paßt zu allem, gcnmu wie die duftigen Spitzen krag die Kr VereinFrauen kle i dung" (Deutsche Fvnien: düng und Frauenknlttrr", Hannover, (beorgeplatz 10) geschickt .! Wahrlich, die deutsche Frm: sollte endlich die demsche Sr lieben lernen! dttckst .veil sie deutsch ist, sondern tvei! sie schön Weil fic in den letzten Jahren d:rrch künstlerische Durcvbildu der Röuster einer wirklickren Vvllkommeul-eil entgecrengelu, die : ge,:vhnl>eüsmüßig nur etwa von venetianischen oder vo-' Brüsse Spitzen erivartca:. Im Kunftgttverbe und ist es nur so Kmrstgelverbe? glmcben wir Deutsche selber noch nicht an w Wie könnte:: nur da andere an uns glanl>e:c nwchcm! Die bedingt-' Abhängigkeit :wnStilen" haben wir a glücklich üb w:mden. Der Künstler muß zst>:r durch sie Inndnrrtzgr en, al nur. um sie zu vergessen. So erimierr in dem Liuol.mm'chu der klenven rmwei: Schrchtcl chwn Margret Kranz Sr? ftirt a M., Poitstr.) der sp:m:gende Hirsch an altdeutsche Rtot und :m geneben Gürtel die Ornamente an komisck^ -sttlrreil aber dcuh lmt die Künstlerin dabei gearbeitet, inie , i e n\:U neckst luic der^Stil wollte. Jlwe besondere Hiugrbmcg gilt \ PünftlenirfKn Schrpt. Als Schiller::: von stkndols Koch de-, Herrn gel>er der bekanntenKochschrift", ist in ihr die Frenbe an dekoi t\)xn imd dock) klaren Sckwiftzeichcm geweckt nwrden Ein fr ftmngeves Gesch«:rk läßt sich wv-bl kaum denken ai- chlch . band.v,ckmel^ues Buck,, dessen Jnlxrlt seelische Erlebir je zu»ist! Geber m:d Einpfänger verdeMlicht und beffen Zeilen dmriüm lutb von scknnucttndei: Linien :md Bildern, wie zane-.> Ei, im: und der Hang zun: Fabulieren sie sich ansdenken.

, (Schluß folgt .)