Ausgabe 
13.7.1917 Zweites Blatt
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Nr. 162

Zweites Blatt

167. Jahrgang

Lrfcheirtt ltgltch mit Ausnahme des sonntags.

Verlagen:6i*ftea<r ZamilienblStter" und ..«reirblatt für den Kreis Siehen".

-osticheittonto: Zrankftrrt am Main Nr. N686. Vankvertehr: Gewerdebank Siehen.

Genrral-Anzekger für Gberhrffrn

Zreftag. »Z. 3ui: 19(7

ZwrllingSrundoruck und Berlar: Brühl'jcheUnrversilälS-Btich.-.Stemdrucksret.

R. Lang e, Gieren.

5chrrftieitung. Geschäftsstelle und Äruüerei:

Schulst rave 7. eschcff.^üelleu. 'erlag:

Schriftleilung: »s-s^ 112.

Anschriftfür E re htnachrrchren:Anzeiger^irüen.

wie eine englische Zeitung über den U-Vootllrieg

denkt.

Sehr im Geg-eiffatz zu den o-ptimistisch«n Worten ovn. ' toyd George beiutteilen englische Zeitungen den augenblick­lichen SdanD des U-Bootkrieges viel nüchterner. So schreibt auch diePall Mall Gozette" von: 21. Juni:

Man kann sich kein abschließendes Urteil, bilden, solange man die Hohe der vers-eutteu Tonnage nicht kennt: denn in den Mel­dungen der Wmiralittit spielt ein Schiss non 1600 Tonnen die gleiche Rolle wie eins von 16 000 Tonnen. Unsere Verluste bäufen sich in verhängnisvoller Weise. Wir dürfe, t keinen Llnspruch daraus erheben, den Feind überwunden Ku haben, und werden unserer Schiffe schneller beraubt als in, irgendeiner Zeit seit dem dunklen April. Die nrcrftidje Lage ist nicht so, daßj sie z-N einer Verringe-- rung unserer Sorgen bevechtigte."

Der englische Leser wird sich ^veifellos fragen, >vem er nun mehr Glauben schenken soll: den optimistischen Reden non Lloyd l?jeorge, der die U-Bootsgefahr als beseitigt er­klärte, oder den vorstehenden Auslassungen des angesehenen Londoner Mattes. Da auch noch andere englische Zeitungen fortgesetzt auf die schweren Bedrohungen durch den Tauch- bootkrieg Hinweisen, so dürifte der englischje Ministerpräsident in absehbaver Zeit mit seinen hochtönenden Reden keinen Glattben rnehr im Lano-e finden, um so mehr, als die Tat­sachen und die Ziffern von versenkten! Schiffen seinen Worten jede Berechtigung nehmen.

Wir rüier dürfen voller Vertrauen und Zuversicht dem günstigen Ende des U-Bootkrieges entgegensehen, denn er wird uns, trotz Llohd George, dem ersehnten Ziele zu­führen.

II» I IIIMWI

Jeder mustere ferne Goldfachen und komme!

Goldankaufßelle

in den Räumen der Vezirksspariasfe Gießen ist morgen von bis \li Uhr geöffnet!

A«, Stadt «atz Land.

Dießen. 13. Juli 1917.

L. U Von der La n de s universi t. Herr Geh. Justrzvart Professor Dr. Leist hat den an ihn ergangenen Ruf an die IlniDersität Göttingen zum 1. Oktober d. I. ai^ genommen.

** Abliefer un-g verdorbener Eier. In letzter Zeit ist in steigendem Maste die Beobachtung gemacht lvor- beu, daß Geflügelhalter i:t Erfüllung ihrer Eier-Abgabe- pflicht verdorbene oder geknickte Eier an die Aufkäufer ab- > izfexxx. Ja, es ist sogar mehrfach vorgekonnn-en, daß bereits ausgebrütete Eier abgeliefert worden sind. Eine solche Hand­lungsweise verdient die entschiedenste Verurteilung, und cs ist bedauerlich, daß ein Teil der Geflügelhalter ein derart geringes Verantwortlichkeitsgefühl besitzt. Selbstverständlich werden in alben Fällen, in denen die Abgabepflichtigen r«,ch ermittelt werden können, diesen die verdorbenen oder gekrrickten Eier zurückgegeben, bzw. wird ihnen mitgeteilt: daß die Abgabe dieser Eier nicht als Erfüllung der Abgabe- pflichL gilt. Außerdem aber wird gegen solche Geflügelhalter mit aller Strenge vorgegangen iverden; zum mindesten haben sie eine Strafanzeige wegen Betrugs zu gewärtigen.

** Die V-Lüge für alle Urlauber. Zur Benutzung der Militärurlauber -Schnellzüge werden jetzt auf den

preußffch-hessischen Staatserstubahiten und den Reichseisenbahnen! auch solche Urlauber zugelassen, deren Mürtäisahrscheine oder Ur­laubs chernc erneu Vermerk Mer SchnellMgsberechtigung mcht tragen.

Landkreis Gießen.

** Grüuing en, 13. Jnli. Uitterofffzier Wilhelnr Euler. Sohn des Adam Anldreas Euler, hat am 4. April bei einenr Nah­kampf an der Westfront das Eisenre Kreuz zweiter Klasse erworben, die Hessische Tapferkeilsmedaille besitzt er schon.

i-!L ang -- G ö ns,. 11. Juli. Durch einen Kaminbrand ent­stand ein Zimmerbrand bei dem Landwirt Anton B i p s VII. Rechtzeitig wurde das Feuer noch entdeckt, so daß ein großer Schaden zu verhüten war. Durch KieiZfeuerwehrinspektor Dickore stn- det Sonntag, den 15. ds. Mts. eine Inspektion statt. Da bic meisten Mitglieder der Feuerwehr im Feld stehen, so wurden die Jahr­gänge bis zum 50. Lebensjahre herangezogeu.

LJ Lang -- G öns , 12. Juli. Unter militärischen Ehren wurde der Veteran Flurschütz Joh. Müller beerdigt. Iah. Müller machte den Feld 1870/71 mit, er konnte dieses Jahr noch sein 25 jähriges Jubiläum als Flurschütz feiern.

** Oppenrod, 13. Juli Schütze Heinrich K-inzebüch, Sohn des Landivirts Gustav Ktuzebach von hier, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert.

Kreis Büdingen.

4t Büdingen, 13. Juli. Das Eiserne Kreuz erhielten der Uuterofstzier Karl Glanz, Unteroffizier Oskar Nürnberger und der Schütze Willy Hardt. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Unteroffizier Krämer, ebenso wurde derselbe zum Vizeseldwebel befördert.

4t Düdelsheim, 13. Juli. Das Eiserne Kreuz, früher schon die Hessisch'- Tapferteitsmedaille, erhielt der Geireite Karl Vv l z.

4t Haincheu, 13. Juli. Das Eiserne Kreuz erhielt Adam Reichart

4t Orleshausen, 13. Juli. Das Eiserne .Kreuz, bereüs früher Hessische Tapferkeitsnredcnlle, erhielt der Unteroffizier Hein­rich T r i e b e r.

4t Sto ckhe i m , 13. Juli. Hier starb der in iveiteren Kreisen bekannte Gastwirt Andreas Weitzel.

Kreis Alsfeld.

Up. A u s d e m O h m t a l, 12. Juli. Wenn Schütze-Hoppe das Wetter zu machen UNrd'deu Wind dabei nicht vergessen hätte, so könnte es nicht besser für die Landwirtschaft fein, \x ne es jetzt ist.' Die nun endlich dirrchioeichendcw. Niederschläge lassen den zweiten Klee schnitt und das Grummetgras emporivachsen. Aus getrockneter Rasen mat uachsolgiender Bewässereg bringt Grummet. Gerste und Hafer, denen es zu ttocken geworden, schießen jetzt aus dev Aehren empor. Am besten stehen aber die Kartoffelfelder. Sie zeigen sich jetzt als dichtgeschl-ossercc Felder über den Furchen. Sie ver­sprechen, wenn eas Wetter günstig bleibt, eine Bollernte, wie vor zwei Jahren Bei dem jetzigen Hacken der Setzvflmrzen zeigt der Boden eure lockere Beschaffenheit wie selten.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 12. Jnli. Leutnant Karl Äc oller, der seit einigen Wochen vermißt wurde, hat seinen Angehörigen mitgeteilt, daß er verwundet in französische Gefangenschaft geraten sei. Im nahen Dorfe Quack fmrd bei starker Beteiligung das Schlitzerläuder Missionsfest statt. Im Grütesdier.st pvedigte Missionsiuspektod Weißhaupt-Leipzig. Er legte klar, iveshalb das evangelische Deutsch­land vom Werke der Mission rächt lasten könne und dürfe. In­folge imgünstiger Witterung konnte die Nachversammlungnicht, wie vorgesehen, im Freien abgehalten werden, sondern mußte ebenfalls im Gotteshaus stattfinden. Erfreulich vxrr die Mit­teilung, daß die Arbeit der Leipziger Missionare in Deutfch- Ostafrika am Mimandschavv bis heute noch nicht gehindert sei. Daß >die Ausff'ihrungen auf guten Boden fielen, bewies auch der Ertrag der Sammlrmg für die Mission in Höhe von über 300 Mk. Kreis Schotten.

4ft S cho t t e n . 13. Juli. Der Stabtrat Krd. S chl ü r b VIII. wurde liruf sein Nachfuchen von den Funktionen eines Bürgermcister- S teil Vertreters entbunden uiü> an seiner Stelle der stadttat Karl Weitz für die Dauer 'der' Beurlaubung des Beigeordneten Zinier behördlich ernannt und verpflichtet.

4t Gonterskirchen, 13. Juli. Das Scmitätskreuz erhielt der Gefreite .Konrad Rohn.

Kreis Friedberg.

Friedber g , 11. Juli. Die Lebensm'ttel-nür Vilbel erwarb kürzlich melwere tausend oberst ^"''-.l airdkäse zum Preise poir 14 Pfennig das Stück. Da jedoch ^ des hiesigen Kreisamles vonr 15. Februar für den \' a - - m rr. i preis von 810 Pfennig festgesetzt ist, verbot da- reisamt dar Vilbeler Kommission jede Ueberschreitung der. dachst' . " der hiesige Leben s mittelausschuß brachte sogeuarrntc-' Nrnnzer l Handkäst tut Gewicht von 50 Gramm zmn Preise, von 22 V'n^ngen zmu Verkauf und setzte sich damit auch in Widerspruch zu d rreis- amtsverfügung.

Hessen-Nassau.

X. Hanau 1.2. Juli. Infolge von Beschwerden darüber, daß in Beschlüssen der Preis - f ungs ste l le n nur der Konsumentenstandpun kt vectteteu und das berechtigte Jntevesst des Kaufmanns nicht ausreichend berücksichtigt sei, be­schloß die .Hanauer Handelskammer, an die Magistrate zu Hanau, Fulda und ffstlühausen den Anttag zu richten, in die Preis- prüfungsstcllen einen Vertreter der Handelskammer auizunehmen.

sj Marburg. 11.Juli. In der im Haus Freidhos hier ab gehaltenen erstell Mitgliederversammlung des Schaf Züchter- Vereins für den Kreis Marburg wurde mitgeteilt » inz-wffchen Besichtigungen von Stammherden stattgefunden haben. Man sei ?u dem Ergebnis gekommen, Zuchtböcke des ben-ährterl. Faanken-- schafes emzüführen, iveil sich diese Rasse für die hiesige Gegend an« besten eigne. Bezüglich der durch die Zusammenl-.q >>r.a.,s schlechter gewordenen Weiden wurde gewünscht, daß die Oedstüäe in den Forsten möglichst benützt werden dürfen. llutt. ganz erheb­licher Beteiligung von Andächtigen aus dem hiesigen und ^ umliegenden Kreisen wwvde Jjjortc hier in der lutherischen Pfarr­kirche das Missionsfe st abgehalten. Festprediger waren Geno- valsuperiuttndent Dethmering - Kassel und Missionar Gsell- Fvanksurl."

[] Wette r, 11. Jüli. Das langfährige Mitglied de- .Kreis­tages ünd Kreisausschlusses für den Kreis Marburg, der Königl Forstmeister Wolf, ist gestern nachmittag gestorben

Lkkvchlsche

Israelitische Hdigionsgemeinöc. Gottesd i. ö. Synagoge Süb- Anlage . Samstag, 14. Juli. Vorabend: 8.30: morgens: 8.80 Pre­digt. ' Mbds. 9.55 u. 10.30. Israelitische Reffgwns 7 -seUschaft. Slibbatfeicr, 14. Juli Freitag abd. 8.20: -Lamsrag vorm. 8,30 Predigt. Nachm. 5.00: Sablütausg. 10.30. M>chengottesdicnst: morg. 6.30, al^>s. 8.00.

Tkerchc «nd SchnLe,

Gießen, 10.Juli. Am Somitag, den 11., und Montag, den 12. November hält die Hessische Missionskonferenz ihre dir Pc, Mise Jahresversammlung in den Mauern unserer Stadt ab. Die stnb ces-- versammlung rvird ebenfalls unter dem Zeichen des Jübeljabres der Reformation stehen. Sie wird eröffnet am Sonntag, den 11. No­vember, durcb einen Fcstgottesdieust, in dem Pfarrer D. T; Bnsch- Frankfurt und Mifsionsinsvektor Hoffmann-Darmen predige 'wer­den. Am Montag findet dann eine mehr akademische Feier 'statt, für ioelchc Professor 0. Dr. Schian-Gießen den Hauptvvrl' - Mer- ^kommen hat. Schon jetzt seien, die Missionsfreunde in unserer Stadt und der ganzen Umgebung ans diese Tagung hrngewiesen.

Nrrefkasten der RedakUsn,

SVlttOrrvme Anfragen bleiben u»brrückfichttst.l>

Z. hier. Es handelt sich> um die Bundesrcüsverorbuuug oonr 26. März 1914 bett. Aufwandentschädigung für soldareureiche Fa­milien. Diese Entschädlgung kommt aber nur bei Ableistung der gesetzlichen zwiei- oder^drei jährrgen Dienstpflicht in Frage. Wenn also beispielsweise drei Söhne je 2 Jahre akttt bei der Infanterie gedient haben, so kann beim Eintritt des vierten Sohnes die Aüffoandentschädigung beansprucht Werdern Im übri­gen veriveiseu wir auf die unter in 3. Juli l. IS., Nr. 153, 2. Blatt, rm Briefkasten unserer Zeitung veröffentlichte Auskrrnft in der gleicherc Angelegenheit.

Gietzenev Stabttbcatcr*

Das Dreimäderlhaus.

Mckl Lob macht voreingenommen. Und so mußte auch die schwärmerische. Begeisterurig eines jeden, der das Stück schon ander­wärts gesebeu hatte, bedenklich stimmen. Aber der 2lbend war eine höchst angenehme Enttäuschung.

Zwar die Entstel-urrgsweise des Singspieles ist solcher Art, daß man rmbedirrgt dagegerr Einspruch erheben müß. Zumal, ivenn nmn hört, das Rezept sei mattsermeile schon auf Schumann angewendet worden. Die erste ?lnsführung hat immerhin einen gewissen Reiz der Originalität für sich rrnd ist mit großem Geschick her gestellt. Für den, der es noch nicht wissen sollte, sei die Entstehung de Stückes kurz angegeben. Der österreichische Schriftsteller Rudolf .Hans Bartsch Hai eine« Schubert-Roman verfaßt,Schwammerl".

findige Literaten, Dr. A. M. Mllner und Heiz Reichert, l,aben ihn. bühneuartig zugesämitten. Ein Dritter ini Bunde, .Heinrich Berte, hat Schuberts schönste oder bekannteste Melodien hervovgesncht, für Orchester bearbeitet und ihnen die Texte der beiden arrderen unterlegt. Was dadurch zustande kam. ist das Drei- mäderlhaus Mchrk von Franz Schubert. Daß, sich gegen diese Art der Bearbieitmcg allein schon gegen das imllkürliche Unter­legen von Texten unter fremde Melodien asthetische Bed enken: ssauerster Art erheben imffsen, bcHcrrf keiner^ Frage. Ern Trost bleibt aber: Selbst die Bearbeitturq nach Bartsch und die Bearbei­tung nach Schubert ist sicherlich denr vorznziel>err, was die drei At'.toreu als eigenstes vorzusetzen gehabt hätten. Sckmeßluh tst auch eine geschickte Bearbeitmrg eine Kämst, und dc^ imttde, wie anderswo, auch frier in Gießen vom überfüllten Hause anerkairnt. Die Direktion wird sich sicher zu mehrfacher Wiederholung ver­stehen müssen. Wir wünsch-en ihr Glück dazu, und gönnen den Er­folg noch hurrdertrual eher dem Dreirncüierlhaus als dem Juxbaron oder gar ^ Wie einst int Mai. .. _ ^ .

Einer der Haupworzüge des Stückes ist die ^umvolle Hand­lung. die Schrrberts «tuglückliche Liebesgeschichte in den Mittel­punkt stellt. ^.

Adolf Falken hatte die Rolle Schuberts übernommen. Eme bestimmte Seile seiner Darstellungslveise, die deir Künstler zuerst als schüchternen Ehegatten in einem belang loset: Entakter, später in derBerlorenert Tochter" zeigte. \jcd er hier zu ganz erstaunlicher Höhe enttvickett. Schon die Maske war vorzavglich. In der zurück- lmltenden Art seines Spieles gab er das Schüchterne. Welffrei^^ eines Charakters, wie er ihn darzustellen hatte, ganz vorttefflich! uneder, und bot damit eine Leistiprg, die aller HochackMng wert fft. In dieses Lob müssen atich- die gesanglichen Darbietungen mit cnt_- beschlossen werden. Mit dem von Haus aus guten, aufckMuend noch wenig geschulten Stimmaterial wußte er alles eriricheu, lvas «rur erdicht werden konnte. Neben ihm sei Trudel Ulrich das

' Dar- Auch die

Haiderl, Hertha H a v e n i t h, taten ihr Bestes. Als Baron Schober zeigte sich Paul Löffler unseres Wissens ^äi in ersten Male rn eurer größereii Rolle. D«r Künstler, der noch sehr jung zu sein scheint verfügt über gtttes. bildungsfähiges Darstellungs- mtfr StinMMterial. Einigen gesanglickM Anforderungen zeigte er sich noch nicht ganz gewachsen. Zu ihm und Schubert gehörten als Freunde Cutt L e r ch, Oskar F e i g e l und Karl S t c i n m e h e r, alle drei iurch besten Kräften bemübt, zu flottem Spiel mtt betzu- ttagen. Der Deuwiselie Griff, Hertha E l l e n h a u s e u , hätte inan ein anderes Auftreten gewünscht. Es entsprach kaum der Boifftellung, die «mm sich von der Hoftheatersäugeriit Giuditta Grffi rnackpen mußte. Aus der groß«« Zahl der übrigen Mitwirken­den sei rwch l?ervorgehoben: Rudolf Voll, der Vater der drei Mäderl, ^Mert Heine mann, der auch aus dieser NebenroNe des Noiootnp eine außerordeittlich charakteristische Figrtr machte, «md Luise Delosea als ttatzbürstige Hausbesorgerin.

fDie flotte Aufführimg war der Spielleitung Rudolf Gvlls zu danken. Das Bühnenbild des ersten 'Aufzuges war besonders reizvoll. Die ntnsikalische Leitung hatte Kapellmeister August B o s che ck, der die Melodien Schumanns, soweit es sich :Nit einer Kriegsbesetzung möglich machen ließ, recht anmutig zu Gehör bvachde. 22 .

DerMann von Rinn-'.

Zum 150. Geburtstage Joseph Spcckbachers, 13. Juli.

Joseph Speckbacher, derMann von Rinn", verdient gerade in diesen Zeiten, wo die Tiroler ecneut so viele Beivaise ihrer Treue Und ihres Heldenmutes gegeben hoben, wohl ein Wort dank­barer Erinnerung. Unter den Führern des Tiroler Votksauf- standet von 1809 ist er eine unvergeßlickte Erschernmtg: eine Pracktgestalt, tanuengleich, mit schwarzen Augen, langen schwarzen Lockeii, kühner Nase: mit den Augen des Mlers und den Sinnen der Gemse. Obgleichl der Sohn eines rocht wohlhabetiden Bauern aus Hall, litt es Speckbachers Seppl doch nicht int Frieden geord­neter VeMltnisse: er suchte die Einsmutett der Berge, liebte die Gefalwen und die kühnen Streiclie und war natürlich als Wilderer tätig, wobei er auch gelegentlich in Gefahr geriet, den bayerischen Lmidjägern m die Hmw zu falle,«. Erst nach semer Verheiratung im Jahre 1794 ivurde er seßhaft «md friedlich und gelangte zu angeseheiier Stellung unter seinen Landesgeirossen. Ten Gedanken der Befreiung Tirols von denketzerischen" Bayern ergriff er von vornherein mit eigentümlichem Fanatismus. Die haben keinen gefährlichieren Gegner gehabt, als diesen einstigen Wildschützen, der in seiner Heimat Weg und Lieg kamtte, der den außerordertttichsten Vkul mit stählerner Tatkraft und pfiffiger Bauernlist vereinigte. Das zeigte fiel* gleich zu 'Anfang des Auf­standes: da verteilte der Speckbacher ün Unter-JNntale Taiiseude von Zettem, auf denen die unverfänglichssit Worte standen 's ist Büt", «ind gleichzeitig trugen die von dm Bergen berab- stürzenden Bäche große Massen von Hvbelspänen, Niehl und Tier­

blut zu Tale - die hatte Speckbacher hineinschütton lassen^ und das waren dir Signale, aits die die ganze Bauernschast sich erllob.

An einer Reihe der enffcheidendeti Ereignisse des ?tufstaN >es hat Specklwcber bedeutenden Anteil genomuNm. Er war uitcrmüdlich. Er erschien, wie cm Zeitgenosse gesagt hat. im Kampfe , 'nie ein« Kriegergestalt aus den Heldenzeiten der Kreuzzüge": und es kam dann über beit schlichten Bauersmann etwas Unhe: uliches, jr Dämo­nisches, das ihn ganz zu verwandeln schien. Da war er durchaus Feldhauptniann, und es ging vvn'ihm eine Zuversicht aus, die jeden seiner Streiter mit vollem Vertrauen erfüllte. Speckbacher war eine leidenschaftliche stLatur, und die Herren Beamten, mit denen die Tiroler Führer im Juni Befprechüngeu hatreu, regten ihn durch ihren vornehmen Dünkel «xeivaltig auf. DamälS meinte sein Freund Hofer zu dem Zornmütigen:Ein braver Tiroler bist du. Simpl, das muß lrjahr sckin, wenn dit a bissel a besserer Etzrist wärst, schaden kömtt's dir meiner Seele nix." Der kühnste unter allen^ seinen kühnen Streichen war wohl der. wie er. um festzustellen, ob die Nachricht vom Znaffuer Waffenstillstände richtig sei, in die von ibm belagerte Feste Kufstein selbst sich begab und dort in einer Ver­kleidung alles beobachtete und erkimdete, was er f. ben und erfaitten wollte. Er gehörte z-u denen, jne bis zuletzt aus hielten Ms alles vorüber war. gestaltete ,sich Speckoachers Säffcksal überaus hart. Gleich einem aufgescheuchten Tiere luchte er in grimmiger Winter - kälte in der Einsamkeit des Hvck'igebivges seine Zuflucht, lebte dann, jeden Augenblick eines lieber falls gewärtig, in enter .Höhle Und lag schließlich sechs volle Wochen laug in itnmftLelbarster Nachbarschaft seiner Feinde im Stalle seines Hauses vergraben. Endlich! gelang ihnt doch die Flucht, er kam nach Wien durch, n.wrde ehrenvoll empfangen Und ausgaz-eick'net imd könnte, sick ein Gütchen kaufen. Taff' geriet er bald in allerlei Schivieri gleiten so daß er fick in ernster Not sab: damals war es, daß er mir einem Eng- länder wettete, er werde die Spitze des Stephcmstttrmes erklimmen. Und dies lebensgefährliche Unternehmen auck wirklic!' nisffihrte. Er fieiwutn dadurch ein Stink Gesto. das er gerade dungend brauchte, aber mau würde diesen Zug in Speckbachers Lebens-« geschickte gern vermissen.

Ter Ausgang seines Lebens ist nicht ohne Trägst "! er 1813 beim Anbruche der neuen Zeit wieder na cd Tire! n n einte, I stieß ^r auf veränderte Verliältniffe. Das Land hatte ra ^mach in die baverische Herrschaft zu finden begönne,!, und oer einst sy hock ^verehrte Führer im Freibeitskampfe wurde :e - ..Laute-. Verführer" reckt unsreunditich ansgenvmweu und mni ; - L.luckt antreten. Iber im Iahte 1814 ward Tirol endgültig ,nieder! österreichisch und der Kckrscr häufte oui Speckback er e tze Ebnen.. Beider Huldigung zu Innsbruck 1816 lonute ber frkaim i>e 11 gstnn. als Sckützenmaftn seine tapferen Jnutaler a. Kaiser Franz vor-, überführen. Taun zog er sich auf

hatten ilm vor der Zeft alt gemuckt:_J ctwn im Jahre l820 neb er. Er liegt aus dem .Kirchhofe ber Stadt Hall begralwn. ote er einst mft so erstaunlicher Kühnheit erobert hatte.