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19.7.1917 Erstes Blatt
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tSoner vfitaer veßüLngt. das Ufer, di tfBfrrtsttt vier Erden

MPgCKhntitm and genommen. ltnfere Zerstörer, mdcbe Prisen> ^imacttd^itcn tut Bord festen, führten sie imrter ctgenent Dampf Töct. Zwn von diesen ^-ckstffsbesatzirngen verliefen ihre Schisse, die «ndertm triheu ward«! gefangen genommen. Vier Säftffe liegen rn eörenk ^fen rrnseresi Landes. Spe heißenTellwonr",Brietzig", Marie .vvorrt" irud>xniz Blumberg".

Stockholm, 18. Juli. .(W. B.) Tie Bertcfeunij b c r hollnn > is ch c n Neutralität durch England wirr in der' sclMcdlsck)>5tt Presse jdfwrrf verurteilt.Svenska Dagbladet" schreibt:Tie gemeldeten Einzelheiten.lassen an Deutlichkeit nichts tzu wiini-.iwn übrig. Ter grobe englisä>e Uebergrifs ist nur eine konkrete Ztluftratiou zu denr Ton -vollkommener Verachtung des neutralen Rechtes, der augenblicklich aus beit Spalten von Zei­tungen wie derTimes" spricht -und den man in London an­scheinend als geeignete Leitüre zum Ban gemachten auch vir die «luittnen neutralen Länder aniicht. Es ist ja lparäkteristisch dass nicht eininal all das Entgegeickominen gegenüber den englischen Bormrnrdsclxrftsluisprücheir. das in der Form eines englisch^hoH

> ländischen Handelsvertrages Holland anfgeztmrngen wurde, dieses Laiw^vor gehässigem Mißtrauen schützt. Man närd an den drohen- >den Ton erinnett, in der vor dem Kriege englische, lluzufricden- Herr über eilüge anspruchslos-e Berstärchingen der holländischen FMte zum Ausdruck kam."

Da-- iraclOehcmd mttgeteilte englisch^ Komödieuspiel ist mit ter bollmrdischeu Angelegenheit mahl in Zusammenhang zu .bttngeri:

London, 17. Juli. (W. B.) U nter Han s^Bellairs fragte >nach der Zahl der bi'itischen und alliierten schiffe, die seit Kriegsbegiim in iteittralen Hoheitsgaväsfern, -namentlich in spa­nischen Gttvässcrn. von deutschen Fahrzeugen -angehalten oder «mgvgitfferl wurden, und was die Mliverteir dagegen zu tun ge­denken. Cecil antwortete: 'Swveit meine .Kamtnis reicht, ist die Zahl solcher Fälle, die sich nach- dein Zeugnis von Kcwttäuen Und <^ch,isssmarmschaftM in den ,'pruttschen Geivässern ereigneten, über 20. Alle ^vielten sich seit 1914 ab. Ich rveiß nichts davon, daß 'Fälle ch den Hvhetts<rätvässenl anderer Länder tatsächlich festgcitellt wurden. Ter spanischen Regierung wurden die ernstesten Borstellwrgen gemacht. Sie versichert, alles tun zu wollen, was in ihrer Macht steht, um die Benetzung ihrer HoheitKgewässer 8-u verhindern. Sie schloß früher in aller Form die. Taucküwote vmi ilircn Hohettsgvwässern und Hafen aus. Bellairs fragte weiter:

> .Denkt Eeell noch daran, daß ich vor einiger Zeit die Aufmerk- rnerksamkeit auf die Emsmündung lenkte, daß in den hol­ländischen Zeitungen Jltottzen erschienen, die durchdlicken liehen, daß die Deutschen unederholt die niederländischen Gewässer ver­letzten?" Eecil erwiderte: ..Wir verloren die Angelegenheit ittckst aus denr Auge."

Beränderuttgen im englischen Kabinett.

Neue Unruhen in Petersburg.

Petersbvra, 17. Juli. Gestern abend kam es zu einer grosten bewaffneten Kundgebung, die von den Maxb- malisten üt occnc gesetzt rvar. Stundenlang durchfuhren Automobile mit Soldaten, Matrosen und Zivilisten. bje mit Gewehren beroaffttel toaren, die <vtadt. 21m Nervsky-Prospekt wurde michofsen: mehrere Personen wurden dabei gelötet. Das erste M.aschmemgQvehr-Regr- ^ ^ 2lusruhr hauptsächlich verursacht haben. Unter den Maittfcilanim befanden sich Abteilungen der GrL7vadier-)stegimeiU.er P-arlvnwki und Moscovre. Die Soldaten besetzten die Druckerei der Nowoje Wrernja" ^und erzwangen die Veröffentli^ ch n n g eines Aufrufs an das Volk, die vorläufige R e g i e r u n g z n st ü r z e n. Das Organ des Arbeiter- Soldaten rate-:- verurteilte die Bewegung als die Revolution ge*> labrdcnd. Unzählige ffttt Mas-clsimengewehren beladene Frackst- iiragcn gehen nach der Billa der Tänzerin Kreshrnskcrja, wo sich das .Hauptanartier des ersten 'Ui i > ch 11 kengewehr-Regements findet. Tie Regimenter' Wolins'ki, Lewivski, Ismailowski und Simeo- nowskr surd noch ruhig. Die (Garnisonen in Ovanienbaum, ZarK- kaie Sselv und Peterhof richte: sich nach den Anweisungen dos Arbeiter- Und Soldatenrates.

Basel, 18. Juli. Tic Petersburger Telegraphenagentur mel­det : Das Exekutivkomitee des Petersburger Arbeiter'- und Soldaten­rates und das Exekutivkomitee des Rates der Bauerndclegiertens veröffentlichen folgenden fAurruf cm die Petersburger Arbeitev und Soldaten:Entgegen dem einmütigen Willen Rüstlands! forchern Jlirbe kannte netr auf, nrit den Müssen in der Hand euch aus die Straße zu ire geben urrd gegen die 2l-uflosung der Regimenter zu protestieren, die dnvckd Verletzung ihrer Pflichtear gegenüber) der Revolution sich selbst entehrt haben. Die Delegierten der revo- lutiois.ären Denu>kralle von ganz Rustlarch erklären euch hierdurch, daß die Auslösung dieser Regimenter infolge der Rellamallonerr dm militäritzherr Komitees und arls Weisurrg des s-dri>egSrnrnisterS Kerenski, des Mannes rmrserer Wahl, erfolgt ist imd daß jede 2lkllon zugunsteu dich er Regimenter als gegeu unsere Brüder gellchlet betrachtet wird, dw an der Front ihr Blut oergießerr. W-ir ernmern daran, daß keine bewaffnete 'Militär cm heit, ohne bchondere Errnächll-gung des Oberkommiarchievenden, der mit unÄ einig geht, etwas uuteruehüreu darf. Wer dieser Verordnung zuunderhandelt. wird als Verräter und Fernd der Revolution be- trachtel. Wir werben alle uns zu Gebote stehenden Borkech-nngen treffen, um dieser Verfügung Geltung z.n verschaffen."

Vom Exzareu.

. ^ u .0 ört «>, 19. Juli. (L. A.) LalltSeoolo" berichtet die pari kanil che Corres ponden za aus Petersburg, der: Ex zur zeige Zeichen v-on Ge i st es stör nng. Es bestehe die Besorg­nis, er könne Selbstmord verüben..

China.

H a a g. 18. Juli. Reuter meldet aus London: Amtlich wird dritgeteilt, daß Carson als ^Mitglied ohne Porrch-euille m das Kriegskabinett eintritt. Der bisherige MunillonÄniinster Addi­son wird MiTÜfter ohne Portefeuille für die llebergangsperiode, Montagnc wird St-aatssekvetär für Midien. Winston Chur­chill Munchionsminister und Sir Eri k Edd es , bisl?er General­direktor für die Munitionsversorgung. Erster Lord der Admiralität. * ^ *

Steuervorlagen in der französischen Kammer.

Bern, 18. Juli. lWTB.) Lyoner Blättern zufolge er örterte die Kammer gestern das Einkommensteuer gesetz, besonders die EmMhrung der Kopfsteuer. Di !Regierung schätzt das Steuererträgnis auf 45 Millionei Francs. Gestern ergriff CQillaux zum ersten Male sei der Ermordung Calmettes bas Wort. Er sprach sich gegen bi« Kopfsteuer aus. Es sei ungerecht, daß die Arbeiter ebenso 'Mel zahlen müßten wie die Reichen. Durch die Steuer lvür :den 500000 bisher steuerfrei gebliebene Personen betroffeu D^e Steuer werde im Lande verstimmen. England habe ein gesehen, daß die Finanzpolitik wahrend des Krieges die Ar men verschonen und die Reichen treffen müsse. Die indirekter .Steuern Frankreichs lasteten augenblicklich schwer auf den ganzen Volke. Finanzministrr T h i e r r y erwiderte, die Re ^gierung müsse das Gesetz befürworten; selbst wählend bei ^Revolution habe man die Bürgertaxe eingeführt. Der Antrac 'wurde schließlich angenommen. Die weiteren Artikel des Ge­setzes bezüglich der Steuererklärungspsticht sowie die Ge- iwinnsteuer auf Handel und Industrie wurden gleichfalls an- genomnien. Die weitere Beratung des Gesetzes wurde an\ beute vertagt.

Die Revolution in Rutzlanö.

Die ukrainische Frage.

Petersburg, 17. Juli. (WTB.) Meldung der Petersbur­ger ^elegvaphen-Agentur. Aur 16.Juli hat die vorläufig 4 Regierung folgende Erklärung über die ukrainische 'Frage verösfeTrtticbr:

Die vorläufige Regierung hat noch Kenntnisnahme der Mit- reclu ngen d er Röinilter .KerenM, DevesZchenko und Tevetelli über b\£ uPntnnidie Frage folgende Entschließung angenvnrmerr. Als höheres Organ der Verwaltung der ukrainischen AngeleqeuheitM wrrd ern besouderes 0>ener-alsekreta ri at eingerichtet werden, deisen BeaniLc von der Regierung iui Einvernehmen mit

Z^rtralrat der Ukrairve ernannt und auf gerechter Grundlage durm Vertreter der anderen Natiönalitäten, die in der Ukraine wohnen und durch ihre demvkrallschen Organisationen vertretest werden, ergänzt wevderl. Das genannte «Organ tvird dve Obliegen- heü,haben. Maßwchm'en c-inzchühren, die sich auf die Verwaltung Hetzen. Da die Frage der Organisation der nationalen Polltlk der Llframe und dw Art der Lösung der Agrarfrage in diesem Gebiet in den Grenzen des allgemeinen Grundsatzes der Uebertra- gung des Laiches an die Arbeiter durch die verfafsunggebende Ver- wrm-mlmig gelöst werden soll., wird die vorläufige Regierung eine rreundlicke 5>altung gegenüber der Ausarbeitung eines vollständigen Planes für dre Art der Regellmg der nationalen Polillk der Ukraine durch deri Zcmtvalrat dei' Ukraine annehmtni. Dieser Plan soll )v autgcftellt Eden, wie der Rat selbst glaubt, daß er den Jnter- enen des Lmrdestells selbst entspricht. El'enso soll ein Plan für die Lomng der Agrarfrage in der Ukraine ausgearbeitet werden. Diese blm'e 'urd dazu befttntmt, der verfassunggebenden Versannnkma vorgelcgt zu ioerden.

s.a dre vorläiistge Regienoig es für imerläßlich hält, wahrer b's Krieges dre Kmichfllwst der Armee geschlossen cnlstecht zu e 1Eeu, halt )ie Maßregeln für unzulässig, die dieser Geschlossen hc .wbruch tun könnten, so z. B. derzeitige Mänderung.vl der Mob Igrerungsplanc durch sofortige Annahme eines H e e r e s e r g ä n z u n g s j n tt e m s nach Territorien oder die Uebertragur rf0 . n -'V r v m diese oder jene soziale Organisation. Gleiö

zeitig eolt es die Regierimg für möglich, auch iveiter auf en engere rratronale Verelniglmg der Ukrainer in der Armee mid ai dre Erganzrmg von Truppenteile,i ausschließlich durch Ukrainer hi? zuwirten, ivbald eine derartige Maßnahint gemäß der Entscheidin- des Krwwwitmstcrs lich vom teckmischen Standpunkt aus als mch lrchund nicht als eine ^chncalerung der Kampssteichigkeit brr Anw erwecken imrb. Um im «gegenwärtigen Augenblick dieses Ziel in ein! 'ehr nlethodck'chchi und erfolgreichen Weise zu erreicheu hält r die vorlmnige Regierung für möglich, nkvaimsche Militärvc-rfonc ai- der Lösung dieser Ausgaben selbst trilnettiücn zu lassen Z diuen Zweck werden m Uebereinsllmumng mit dem Zentralrate di Uki-am- ukrainische Sonderabgeordnete dem^ Kabine ^^Ssmrnrsters, dem Generalstabe und de: t b - X --1J ber beigeordnet werden. Was die örllickst ri ' oim, ii Milttawkrusschusse angeht, so werden diese ihre Oblieqer 4^,ten aus den allgemeinen Grundlagen notier ausübm. jedoch i ^berenrmmvnirng rnit der Tätigkeit der anderen militärisch-n Sor derorganvatwuen.

Peking, 1e JE (MDB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Tlln Sch inj ui hat die Erneniruug zum Mi­ni st e r p r ä s i d e n te n und z,u.m Kriegsntirnst-er anae- nonrmen.

§eekrleg.

Reue U-Boot-Erfolge. i

derlin, 19. Juli. (Amtlich.) Eins unsere/ Ub-vote verseirktc im englischen Kaiial neuerdstigs 3 Dampfer, 2 Segler, darunter b esä irden sich zrvei fcetoafftrete beladene FrachtDainpfer wiglischer Nationalität und der englische Dreirno,fberschoner Ocoan Swell.

Der Chef des AdRniralstabes der Marine.

Ludendovff über den U-Bootkrieg.

Berlin, 18. Juli. (WDB. Mchtanrtlich.) Wie wir hÄrear, hat bei den Beiprechungen über die militärisck)L Lage, die in Berlin zwischen der Obersten >>eer-esleilltng und den Mit­gliedern des ^Reichstages stattfanden, (General Lnden- darff über freu U-B^ovt-Krieg it. a. folgendes ae äußert:

Bei der Obersten HoeoeÄertung lvar für die Führung des U-Boot-Kmeges Mnächft derMnnsch beststirmend,die feind­liche Kriegswirtschaft, namentlich die Munitions-erzenqnng, zu treffen. Die West-arnrecn erfuhren durrch die U-Boote eine wesentliche Entlastung. Die stündliche Räirnitiomsanserllguna ist gerninbert. Die U-Bo.obe haben diese Aufgabe erstiNt. Das ZnscmrmenwirVen der Marine mit der Armee stellt sich somit als mustergültig dar, entsprechend den ungeheuren Verhältnissen des Weltkrieges, in dem wir noch mit beiden F^ßeu stehen. Die Oberste Heeresleitung erwarte von dem U-Bovtkrieg fermer, daß er die Kriegsfähigkeit Englands durch Vermrnderiulg des Frachtranmes auf dem Weltmeer rmd die sich daraus ergabendeu Fvagen bricht. Die Erfül­lung auch dieses zweiten Wunsches loerde Lvnnnen und damit trotz Amerika die Beendigung des Weltkrieges und Elch der von der Obersten Heeresleitung gewünschte Friede.

Sa lonik, 18. JE. (WTB.) Meldllng des Rünterschen Bilteans. Japanische Kanonenboote sind im Mittel­ländischen Meere angel angt.

Kopenhag en', 18. Juli. (MB.) ,,Rationaltidend^ meldet aus Kristiauia: Ministerpräsident Knudsen teilte im Störthmg nrit, daß Norwegen von Deutschland die Versiche­rung erhielt, daß der norwegischen Schiffahrt i^ach Amerika keine Hindernisse in den Weg gelegt würden.

Kopenhagen, 18. Juli. Das Außenministerillm teilt nrrt: Der dänische DampferCeres" wurde aus der Reist EnglandJ^lmrd am 13. Juli verseukt.

Amsterdam, 18. Juli. (MB.) Der deutsche Dampstr Renate Leonhardt", der bei Bergen gestrandet war, wurde wieder flott gemacht und nach Buruiden gebracht

Rotterdam, 18. Juli. (MB. Nickstaurtlich.) Die Ver- rchermrgsfrrma Blanc L van der Äe veröffentlicht eine Liste wonach vom 15. Juni bis 15. Juli 190 Dampstr und Segler mme 29 Frscherfahrz-eng-e feindlicher rrnd ueutraler Lcnider infolge von Kriegshandlungen gesurrken sind.

dum nanzlerwechsel.

t. ?islin 18. Juli. s.WTB.) Der Kaiser empfing gester abend du Munster Len'tze und o. Schorleiner. Heute rwr mittag hörte der K'aiser die Vorträge des Staatssekretärs de Reicksrnarineamts v. Capelle, des Chefs des Adnckralstab^ des Ktiegsnnnisters v. Stein und des Chefs des Marstrekabinett owie den Generalstäbsvortrag. Die Kaistrin besuchte vormittag die Charite.

L. A. zufolge verlautet cki parlameictarckchn, Krcistn es sei nröglich, daß die bekannte Friedensfvrmel der Mehr-« her t sPar t c i e n im Reichsdaye überhaupt nicht zur Msstmnkmm gelange, da angenainmen werde, daß di e bevorssthendan Erklickimgen des miren Kanzlers sich in eckcem solchen Sinne halten »mstdeu. daßl sich eine Beschlußfassung über die Friedensstrmel von selbst erübrige. '

Lch'Vorwärts" sckneibt: Wir l>abeu in dies«: Tagen dar Krve der Welt mrstr wahres Gesicht gleich, mrd das ist nicht das d>cuä.l des stlegsunlden Raub Volkes, das wir m der' feindlrckm, tFrste so oft abgebildet getzmdeu l)aben. Jätzt nruß sich die Rch grerung zu diesem loahren Gesicht ^kennen. Da hilft aar mchtÄ mein. Ofsenheir, EhrlichL.it, llares Bekerrntuis zu dem, »ins lost wirklich wolleu danrit kmm per Reick)stag der Welt cknponstren.

noch

Bern, 18. Juli. (WDB. NicytamL^ Zum Ständler« Wechsel äußert sich heute notf) die gesauste fvan züsi- sche Presse vonveegend in denr Sinne, daß man abwarten müsse Der' nerce Kanzler sei vor allem ein Geschöpf der Militärpartei.

DerTe m ps" schreibt: Welchen West hat es, daß man die Vertonen .reckselt, wenn man -die Einstchtungen incht andrst? Ein Kanzler,- der von der ReichstagsmehLiheit gestützt würde, hätte heute wie gestern keine dRsttel, um sich' in seiner Stellung zu halten, n-enn er dem Kaiser, dem Kronprinzen und Lndenüorck mißfallen Nn'irde, und wenn die Parlamentsmehrheit diesen Kanzler mißbilligen würde, hatte die Reichstagsmehrbeit heute roie gestern keine gesetzlichen Mittel, ihn z-u stürzen. Unserer Ansicht nach Itürzte Bethnrann Hollweg, weil er rristiSnsstsmndlichLr Tendensen verdächllg wurde, und sestrem Rachsolger würde sick»er aus diesem Grunde ein gleiches Schicksal bereitet werden. Die Deutschen stillen sich^ vorsjchttg an die Mistest en wenden und sich an die Worte Wilsons, Ribots, Lloyd Georges und der Petersburger Re­gierung erinnern, die übereinstimmend forderten, daß Deutsch- larrd zuerst sein inneres Regime ändern, müsse. (!) Axum würde der Friede leichter werden. Aber statt zn antworten, versterben sich die Leute in Berlin darauf, Auswege zu suchen. Sie würden aber dadurch das Problem (!) nicht aus der WÄt sclwsfen und es höchstens noch erschweren.

Berlin, 19. Juli. Der Bundesrat entsandt« gefteru eirre Abordrmng Wrm scheidenden Reichskanzler von Bethmann Holl weg. Der bayerische Gesandte gedachte in einer Ansprache der großen Verdienste des Schadenden um das Mach unö brachte den Dank des Bundesrates in lvarrnen Worten zum Ausdruck. Herr v. Bethmann .Hollweg dankte in herzlicher Erwiderung für das ihm vom Bundes- rat geschenkte Vertraue::.

*

Berlin, 18. Iicki. Bon böswilligen Schwätzern werden Gerüchte oerbreitel, die von Unruhen in Berlin im An- schlicß an einige Venomnnüingen der unabhängigen SozUÄdemv- kvat^u zu erzählen wcksen. Wie das WTB. dazu vorr zuständiger Stelle ersähst, lind diese Geriichtt aus der Luft gegriffen. Tat­sache i>t mir, daß sich am Dienstag abend im Norden Bestins von denr einen Bersamnckungsloka! aus estl Zug von noch rächt .500 Personen in Bewegung setzte, der sick) bald von selbst zer­streute^ Große Teile dieser Menge begaben sich mit Ornnibusserr und Straßenbahn nach den Stadtstmern und versucküeu dost unter Führung eiües bekannten La ndta gs a b ge­ordneten, in der üblichen Waise durck> Lärmen zu oemvn- strieren. Dieser Trupp in Stärke von ^usarninen noch nicht 3 0 0 P c t f o it e u wurde durch die Polder mühelos und ohne jeden Zlmfck-ensall südrvärts rmd nordwärts der Linden zsrstreitt. ^.enr llrsprmrg der »überstiebanen Gerüchte wird von fetten der Behörden nach gegangen.

Freiburger Universitätslehrer gegen die Feinde im eigenen Haus.

Unter dein Eindrücke der letzten !Vorgänge im Reichstage haben die Unterzeichneten Dozeitten aus allen Fafultäten der uulversrtät Fveiburg i. Br., weitaus die meisten derjenigen, die pch. jetzt rrverchen ließen, die nachfolgende Erklärung abzugeben. Lie haben sch dazn vorirehmtich auch durch die Rücksicht auf die Lage Vrrrr H-vckffch'.lle im besonders gefährdeten äußersten Süd- westtn des Reiches bewogen gefühlt.

Tie schroere Not, da es sich um Sein und Nichtsein des deutschen Volkes und Reiches handell, gebietet uns, alle Kräfte zu smmneln und aick das eine Ziel hiuzübertken, das Erbe einer großen Zeit zu vesteidigen und ims durch« einen würdigen Frieden eine freie und ehrenvolle Stellung in der uns feindlichen Welt zu schaffen und zu sichern. Tic von weiten Kneifen gewünschten imreren Aenderutigen sind gewährleistet: die eigentünckiche Ver­fassung, ^ au sdei' Deittschlands Emvorkonnnen und Macht be- rüheu. die historisckn ubestionnnene, tftf im deutschen Volke und Staate wurzelnde autosttastve Geltung der Kronen soll dazu bekennen wir uns auch fernerhin uuerschiittest besteben Nichts ist jetzt weniger.anm'bracht, als durch kleinliche Ritwsttätea and Macht- ststnpw tm ImtcriT Kraft und Zeit zn vergeuden, im Auslande den Eindrilck der Schwäche und ^rwissenheit z,u estvecken und den Lieg zu gefährden, den Heer und Flotte durch heldeunMige Dü­stre ugungen zu erringen im. Begriffe sind. Was jetzt dadurch ver- sänrnt und verfehlt würde, ist durch Jahrhrmdeste nicht mehr gut! zu machen. Wir verwahren uns gegen jede Vermischung der inneren uup auÄstirtigen Bolitik in dieser Zeit des größten Ernstes, stvegüuung und Reichstag, durch volle Eintracht verbunden, sotten nur noch Eines im Auge haben und verfolgen: die Abwehr des! äußeren Feindes, des Vaterlandes Gliick und Größe.

Axenfeld. Baist. G. v. Below. Deccke. Tichl. Doflcin. Eckhardt. Fabsteins. Finke, ßstrttermaim. Götter. Grosse. Heer Heffter Hoberg. Husserl. Jacobs. Immisch. Kahler. Kürfftle. John Meier. Mergen. G. Metzer. Merkel. Michael. Nagler. Nennrann. Olt- manns. Pseilschifter. Rachfahl. Reckendorf. Stenp. Sstmibinger Sütterlin. Thiers ch. Mieders heim.

Aus Heffen.

Die heffifchkn Natwnalliveralkn gegen die Erzberyer-Scheide- mamrfche Friedcnsfvrnlel.

Der erweiterte Vorstand des Nationalliberalen Vereins Gießen beschloß nacki einem von Generalsekretär Dr. Linse-Mainz erstatteten, durch Ausführmrgen des Vor­sitzenden Abg. Dr. Osann und Reichstagsabg. Strack unterstützten Bericht über die politische Lage und innerpoli- tische Krisis einstimmig, der nationalliberalen ReichStags- fraktion drahtlich folgenden Entschluß zu übermitteln:

Der estveilcrtc Vorstand des netto null iberalcn Vereins Gießen ^t in seiner Sitzuiug vom 16. Juli einstimmig beschlossen, den. Vorstand der Reichstagsft'aktton dringend zu ersuchen, nicht mic selbst an dem, die Friedensformel Erz-bergei>^cherdemLNn ab­lehnenden Beschluß festzichalten, sondern mrch mit allen Kräften dahin M wirken, daß jenes Friedensprogramm, das unseren Fein­den doch nur als Ausdruck der Scküoäche erschettwn ivstchr, dem. Reichstag überhaupt nickst zur Beschlußfassung nörgele.st oder doch wenigstens,, falls dies nicht zu Verbindern sein sollte, von jenem mit einer möglichst großen Mehrheit verworfen wird. Der Vor­stand weiß sich dabei eins mit der ivberlvälttgenden Mehrheit von Parteifreunden im ganzen Reiche."

Wie bereits mitgeteilt worden ist, hat der Abg. Dr. Osann in seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender schon vor einigen Tagen ein in demselben Sinne gehaltenes Er­suchen der Reichstagsfraktion übermittelt. Ebenso ist der Abg. Heck-Alsfeld im Auftrag der weitesten Parteikreise des Lwudes gebeten worden, innerhalb der Fraktion energisch da­hin zu ivirken, daß die gesamte Fraktion e in st i m m i g die geplante Friedensfornrel ablehnt.

Ams St<rdt und Cnnd.

Gießen. 18 . Juli 1917 .

Frühkartoffeln.

In den großen deutschen Städten erschienen bekanntlich ,ett der zwerten.Hälfte des 17. Jahrhunderts die Kartoffeln, die von italienischen Händlern neben Südfrüchten, Siidwei- nen und 'seidenwaren in Deutschland eingeführt wurden, zunächst auf den Tafeln der reickien Bürger als auserlesenes Gemüse. Diese aristokrattfche Zeit der Kartoffeln hatte na­türlich ihr Ende, seit die Knollenfrucht zp unserer am hau itgsten angebauten Feldfrncht, zum billigenBrot der Ar meu" wurde, wie man mehrfach die Kartoffel genannt hat. ^rotzdein erleben wir es in jedem Jahre, daß die Kartoffel wenigstens für ganz kurze Zeit ihre Rolle als wertvolle Zu­kost. fa als Feinkost wieder aufnttnmt. Erst waren eS die im Frühbeet gezogenen ersten Kartoffeln, die natürlich einen ent '^«^l)enden Preis hatten, deren Hauptvorzug aber in ihrer