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Erscheint tÄ-Ech mü ArrS«sh«e d«L Sonntag S.
l67. Zührgang
Samstag. 25. Zuni M
Betl«flen: „«lefttats ZamMendKtter- imb „Krttsbftttt ßt dev Krets Eietzen".
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General-Anzeiger für Vberheffen
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Brühl'fcheUnrversitäts-Buch-u.bttintouckere-
R. Lange, Gießen.
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Anschrift für Dro htnachnchten: AnzeigerGießen.
Der Ausschuß zur Prüfung der
AriegslieferungsvertrSge
1"chte am Mittwoch fein-, Berattmgen >mter dem. Vorsitz des Mt- nlfbermldirEors imRelchsamt des Jnnent, Dr. Lewald, fort Ern Berater Krcegsmintstettums berichtete eingehend über dre Beschaffung der Kleidung und Ausrüstungsstücke für düs Leer.
fölofgt sich längere Erörterungen. Verschiedene Mttglretor des Ausschusses miesen darauf hin, daß m Besmn des Krieges nicht unerhebliche Mißstänto aus dem^ (to- bxte des Bttlettomgswesens bestanden hatten, insbesondere seren Vrerse bezahlt worÄezi, die, auch bei Anerkennung aller Tttrerunas- verhaltnipe, vielfach weit über das normale Maß, hinausgeganger tvävQi. Es wurde aber zugleich anerkannt, das; sich die Verhältnisse jetzt wesentlich gebessert hätten und zur Zeit wohl als eiu- wvndvrei bezeichnet werden könnten.
Bon einem Mitgliede des Ausschusses wurde des weiteren be- inerkt, daß an manclzen Bettneben der Textiltndusttie die gezahlten Artoitslöhne in keinem Verhältnis zu der bestel-enden Teuerung und den GcSomneit der Unternehmer ständen. Allseitig wurto anerkairnl, daß. wo solche Mißstänto beständen, Wandel geschaffen werdet: müsse. <
Eb: Vertreter des Kriegsministeriums erklärte, das Kriegs- Ministernrm stehe auf dem Standpunkte, daß die Unternehmer im* bedingt ausreichende Löhne zahlen Müßten und daß einzuschreiten wäre, wo dies etnw. nicht geschehe. Wenn die Unternehmer derart:- gen, an sie gestellten Forderungen nicht nachkämen, so N'ürdeN ihren die Aufträge der Hveresverwaltung entzöget: werden. Ten mitgeteilten Fällen tverto das Kriegsininisterittm nachgehen.
Daraus vertagte sich der Ausschuß.
Ans Stndt rsnd Cttsrd.
Gießen. 23. Juni 1917.
Beschaffenheit der Schuhwaren.
Aus «eine an das Bayrische Staats Ministerium des Aeußern gerichtete Eingabe der Zenttatc Bayrischer Schnhhändler-Verecne in Mmchen hat dieses, wie uns die Handelskammer Mainz mitteilt, nach dem Fachblatt „Schuh und Leder" folgende Veröffentlichung eintteten lassen, die auch hier v-on Interesse sein wird:
„Die ans den Kreisen der Verbraucher immer häufiger kom> menden Magen über schlechte Beschaffenheit der Schuhwaren lassen ^ersehen, daß den kaufenden Publikum die Verhältnisse des Leder- >und Schuhmartteä nicht hinreichend bekannt sind. Wenn das zu 1 teuren Preisen erworbene Schuhwerk in verhälttttsmäßig kurzer Zeit ftuc Widerstandsähigleit nachläßt, so kann dies in einem uurettlett ^baren der Fabrikation gelegen sein und Preistreiberei seitens des Herstellers oder Händlers vorliegen, in der Regel jedoch beruhen die Mißstänto in der jetzigen Schwierigkeit der Material- bcsckafsung. Selbstverständlich, nehmen die Schiedsgerichte für Schuhwanm, die Vreisprümügs stellen, sowie die 'Haiwelskammern und die beteiligten Behörden A:üaß. jeder schwindelhaften Haltting entgegerrzutretear Dies sollten die Kausch btt ihren Urteilen übch die Handelswurdigtett der erworbenen Ware und die Reellität der Geschäfte berücksichtigen. Wegen abnehmenden Anfalls an Häuten uns des zmrehmrnden Bedarfs der Heeresverwaltung müssen die Horstctlw bekanntlich Ersatzstoffe und sogenannte Sohl ettbewehr unser: verwenden., Brandsohlen aus Sprutleder Herstellen und die Absätze 'sm zwei Drittel aus Lederersatz fertigen. Selbst diese Ersatzstoffe sind nur beschränkt verfügbar. Das für den Zivilbedarf bereitstehende Bodenleder ist bei seiner dünnen Schicht und da es aus Abfällen hergestellt wird, zu dauernd widerstandsfähigen .Halbsohlen tvenig geeignet. Auch ist die vorschriftsmäßige Herstellung von Gelenken und Halbsohlen durch das zurzeit verfügbare Arbeitspcrsonal bricht immer zu sichern. Wenn trotzdem die Ware entsprechend dem Rückgang der Güte nicht billiger wurto, so erklärt sich dies durch die außerordentliche Steigerung der Gestehungskosten. Das kaufende Publikum wolle daher diesen Verhältnissen Rechnung tragen. Ueberdies empfiehlt es sich, das Abnützen der Schuhe möglichst zu verhüte::, % B. durch Anbringung von Schutznägeln auf der Sohle, und auch sonst im Verbrauch möglichst sparsam zu sein."
* Zeppelin-Gedenkfeier. Wie wir hören, wird eine gwße patriotische Ftter zum Gedächtnis des Grafen Zeppelin für tot 7. Juli, dem Vorabend seines 79. Geburtstages, geplant. Sie wnw vom Verein für Luftfahrt und den Gießener Ortsgruppen des Deutschen Luftftotten-Vereins und des Frauen Verbundes des Dbr tschen-, Luft fl otten-Vereins in der großen Aula der Universität veranstaltet werden und soll in musikalischen Darbietungen, Ansprachen, Rezitationen und einem Bottrage mit Lichtbildern to- itthen. Näheres werden Wir bringen, sobald die behördliche Genehmigung der Feier erfolgt ist und das Programm feststeht.
* Die G ock dankaufs stelle bitbot uns, mitzrr- teilen, daß die Geschäfts stunden Dienstags nachmittags nicht mehr von 2 bis 4 Uhr, sondern von 3 bis 5 Uhr abgehalten werden. An den Samstagen sind die Geschästssttinden unverändert von 10 bis 10y 2 Uhr.
** Gesuche hessischer Staatsangehöriger um Bewilligung von Beihilfen zum Besuche solcher außerhessischer Unterrichtsanstalten, für welche im »Groß Herzog tum gleichwertige oder als gleichberechtigt anerkannte Anstalten bestehen, tverden für die Folge nicht mehr berücksichtigt werden können. Die Zuwendung von Beihilfen aus verfügbaren Staatsmitteln kann nur noch an solche hessische Staatsangehörige erfolgen, die eine hessische U n t e r r i ch t s a n st a l t zu besuchen gedenkest. Die Gesuche müssenjvor dem Eintritt der Schüler «am drei Anstalt vorgelegt werden. Zum Besuche au ß erh a l b Hessens gelegener kunstgewerblicher und gewerblicher Unterrrchtsanstalten kann eine Staatsbeihilfe an in Hessen ansässige Schüler nur dann in Frage kommen, wenn die erstrebte Ausbildung aus einer hessischen Schule nicht erlangt werden kann oder wenn der Schüler zur Ergänzung seiner auf einer hessischen Schule erworbenen .Ausbildung eine größere auswärtige Unter- richtsanstalt besuchen will.
** Bezug v on .Kalid üngesalzen. Das Kriegswirt- schastsäntt Frankfurt a.M. schreibt: Der Versand von Kalidüngesalzen hat in den letzten beiden Monaten erheblich nachgelassen. Die zurzeit günstige Berkehrslage läßt es dringend erwünscht erscheinen, daß eine Steigerung der Transporte herbeigeführt wird, um zu erreichen, daß bis zu dem nrit Sicherheit im Spätsommer und .Herbst zu erwartenden. Wiedereintritt schwieriger Betriebs- Verhältnisse der Bedarf an Düngemitteln für die Ernte 1918 den landwirtschaftlichen Verbrauchs stellen bereits im wesentlichen zugeführt ist. Wagen und Lokomotiven stehen zurzeit in ausreichender Menge zur Verfügung, und es kann dcunit gerechnet werden, daß diese günstigen Verhältnisse bis Ende August andaueru. Auch die Produktiou dar Düngemittel fabrikn kann auf einer Höhe gehaltm rv-erden, unv die hiernach notwendige Steigerung der Tsrans- porte zu ermöglichen. Es kann daher nur enrpfoUen werden, die Dünger tr ans Porte in den Vdonaten Jurri, Juli und August auf ein .Höchstmaße 51 t steigern.
Die Ablieferung getragener Uniformen erfolgt noch immer nicht in ton Maße, wie es im Interesse unserer Kriegswirtschaft wünschensmett erscheint. Bekanntlich sollen die ab- geliefcrtcn Uniformert ft'ir Iiviloeamte, insbesondere für die dep
Post, Eisenbahn und Polizei, um gearbeitet werdet^, um so den vor- bandencn Bestattü der neuen Unisormstoffe nach Möglichkeit zu sttek--
kem Gerade die mittleren und unteren Beamten leckren unter bai Kriegsteuerungsverbältnissen besonders schwer. Es soll daher durchl die Wiederverwendung dieser gettagenen Uniformen zugleich ant- gestrebt werden, diesen Beamtenschichten die Möglichkeit zu bieten^ sich init verhältnismäßig billigen Uniformen zu versehen. Wenn man dazu uock) bedeickt, daß die Umarbeitung der abgeliesertev Uniformen mit rächt unerheblichen Unkosteir verbunden ist, so loird rnan dazu kommen, die Erwartungen aus das Entgelt, das für die abgelieferteu Unisormeu gewährt w^rtor kann, nicht zu hoch zu spannen. JÄ>ensalls sind aber die Richtpreise so festgetegl, daß sie die frühere Bezahlung durch die Althändler in der Regel Über- steigen. Es muß aber immer wieder daraus hingewiesen werden, daß es Ur den Veräußerer nicht in erster Linie darauf ankommen' darf, für ein gettagenes Uniformstück einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, sondern daß es allgemeine vaterländische Pslichsi ist, jedes entbehrliche Unisormstück dieser Bewirtschaftung zuzufüch ren, auch wemt dabei kein großer Gewinn Mällt. Wer wirtschaft
lich dazu in der Lage ist, sollte hierbei nicht auf den Pfennig je mehr Uniformen unentgeltlich äbgeliefert werden, oesto billige^ können sie nach Umarbeitung an die unter den ÜAwhattni.,ien lev< denden Beamten abgegeben roerdem Ein Unrecht gegen dre sillge- meinheit bedeutet es, jetzt noch gettagene Uniformen im rchrarcks aufznbewahren, wo sie ungew'itzt hangen und häufig noch duw> Mottenftaß sck-adhast werden. Jedes Stück nruß vielmehr m hetltt- ger Zeit wieder nutzbar gemacht werden. Sehe also em jeder seinü
Schränke daraufhin itach, ob er dort rwch ein überftüftiges, nicht <--•.^ ^.--Ob es mcl oder
dringend gebrauchtes Uniformstück hangelt hat.^ wenig getragen, vorschriftsmäßig oder veraltet ist, kommt mcht m Bettacht, weil jede Uniform noch eine Verwendung findet. Jede Altbekleidrmgsstelle nimmt die Urriformen an. ''
** Im Sch wa r z-W eiß-T h eate r, Seltersweg 81, stoht auf dem Spielvlarl von Samistag, 23., bis einschl. Montag, den;
25. Juni, das Gesellschaftsdrama „Ihr Schofför !" in 3 Akten von Walter Sckynidhäßler. Als zweites Stück „Die gwtze Gefall ‘ r Kriminalschairschel in 3 Akten, verfaßt und inszeniert von sfred S^aner. In den Hauptrollen Fräulein And Egede Nissen und Frau Olga Engl, sowie ein gutes Beiprogramin. Ab Dienstag, den!
26. Jiuni, wird Riacia Orska in dem fünfaktigen Drama in fc*er Titelrolle „Das tanzende Herz" auftreten.
Landkreis Gietztzn.
Lollar, 23. Juni. Vor einiger Zeit fand ein frecher E i n b r u ch s d re b ft a h l während derselben Nacht in zwei H Lusern statt. Im ersten Stockwerke der von Frau Direktor Weber bewohnteil Villa wurden die Koffer erbrochen '.rnd alles durch- gewühlt. IN ton. Hause des Zivilingenreurs Toller wurden, entrgs Nahrungsmittel ennvendet. Obwohl die Einbrecher Spuren hinter- lassen haben, die von dem Gericht festgestellt wurden, ist der Doppel- eirich:uch bis jetzt leider nicht aufgeÜärt.
-n- Großen-Linden, 23. Jnni. Eisenbahner LiMv-tg Weiß war als Schütze bei einem Maschinengewehr seit 29. April d. Js. an der Westfront vermißt. Nun ist sein erster Brr cs aus englischer Gefangensckmst hier angekommen. Inzwischen haben dre Eltern, Schntdiener Ludrvig Weiß III., muh das Eiserne Kreuz für ihren Sohu vom Truppenteil zitgeschickt erhattelr. — Landwirt Ludwig Luh IX., Fahrer bei einer Munitionskolomie rm Westen, lvurde durch Granatsplitter am rechten Fuß verwundet und befindet sich ür einem Feldlazarett. Er rückte gleich bei Ausbruch des Krieges ins Feld.
** G rü'lrber g, 23. Juni. Wie ans dem Jnseratenteck ersichtlich, so hat die Bezirksspa/rlasse Grünberg zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs den Konto -stnrrent- und Ueber-^ lveisungsverkehr eingesührt. Da die Bezirkskassen von Grünberg, Lich und Homberg a. Ohm und deren Untererhebestellen Bank- kon'ten bei der Bezirkssvarkasse Grünb'erg besitzen, so können die Einwohner des Bezirks ihre Staatssteüern, Holz- uird Grasgelder, ohne Zeitverlust M haben, durch den Ueb^rweisungsverkehr entrichten. Auch die Bezahlung der Gememdegelder kann auf demselben W^ge geschehen. ^
Lang-Göns. 20. Juni. Der Sttirm-Grenadter Albert K r 0 m p wurde wegen hervorragenden Leistungen mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Er steht bereits über ein Jahr im Feld. Bei einer gewaltsamen Pattouille bis in die 2. Stellung! der Feinde, die vollauf geglückt war, wurde ihm die obige Auszeichnung zuteil.
** Ruttershausen, 23.JÜM. Auch Rer fand dre HaSS- sammlung zugunsten der Il-Boot-Spende statt. Sie ergab «n Betrag von 83,20 Mk.
KrriS Schotten.
^ Schotten, 20. Juni. Im Physiksaale der hiesigen Realschule wurde unter ton Vorsitz des Großh. Kreisrates, Oberregierungsrat Muhl, die Jahresko nferenz der Lehrer des K r e i )> s Schotten abgehalten. Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, gedachte dann besonders der gefallenen und noch kämpfenden Lehrer des Kreises. Das Thema zwn ersten Vortrag lautete: „Ueber Pilzkunde". Der Redner suchte durch einleitende Motte klar zu machen, daß wir in der heutigen Zeit mehr denn je unser Augenmerk auf dieses große Gebiet der Pilze, das für unsere Volksernährung von so außerortortlicher Wichtigkeit ist, richten müssen. Seine Ausführungen, die durch prachtvolle Lichtbilder unterstützt waren, wurden mit großem Interesse der Zuhörer ausgenommen. Ist es doch auch ftir jeden Bewohner des Vogelsberges eine Kleinigkeit, die eßbaren Pilze zu sammeln, da
Die Krermaurerei i-c zwei Zahrhunderten.
Bum 2(XX Gedenktage der Begründung der Freimauerei, 24. Juni.
Däc Geschichte der Freimauerei ist lange ein Tummelplatz wilder Phantasi-en gewesen, denen das die Einttchtung umgetocde Ge- l-ermnis so willig Tür und Tor öffnete, und besonders über ihre Urspttkrae hat sich eine ronranhaste Legende gebildet, die zählebig in der Literatur gespukt hat. Die Wjissen.schaft mußte hier erst gründiich durchforsten, um der nüchternen Währhett Luft und Lrcht zu schasftn. Heute wissen wir, daß die moderne Freimaueret mit 24 Juni des Jahres 1717 entstanden ist, als vier kurz zuvor zu emer Großloge, der ersten ihrer Art, vereüägte Londoner Logen,ich feierlich zusammemtaten und den ersten Großmeister wählten. In England haben die auf bas mittelalterliche Hüttenwesen zurückgehemdeu stetn- und Maurerzünste -- wie übttgens auch bis ms neunzehnte
Wetzen-- und Maurerzünste . ^ , . , , ,
Jahrhundert hinein in Deutschland — noch lange cm Scheinleben writergesühtt, nachdem die Grundlage der Werkgemetnschaft Langst zermürbt war. Es gab keine Hütte und es gab das alte edle stem- metzenwerk nicht mehr, allem es erhielt sich dre ftttltch-reltgtchc lleberlieferung der Zünfte. Denn diese waren aus reltgioier Grundlage erttckftet worden und machten ihren Mitgliedern einen frommen, rcittcn Lebeusivande! und brüderliche 5 )ilssgesimmng gegen> die Zunstgenossen zur Pflicht. Unter dem Einflüsse der aufrlarert- schien Ideen ttat dies mitcelalterliche Ideal in neuer (jwm m Wirksamkeit. Schon vorher waren in die englischen ^„Logen Icrcht"
1 mauver ausgenommen worden, und sie entwickelten sich iwlucr mehr
nach tor-rein ethisch-humanitären Richtung hin. Dre Verfassung der 1717 begründeten Londoner Großloge ließ erkennen, daß ton rnjenschliche Brudcrgedanke darin herrsche, daß die Freimaucrec cm „Bund der Bünde" sein sollte, in dem die allgemeine Gememschjatt der Menschheit über alle Verschiedenheitett der Völker, Nassen und Bekenntnisse zum Ausdruck kommen sollte.
Dieser Gedanke fand im achtzehnten Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung und des Gcheimfchwindels, sruchtbartten Boden Bald sprang die Freimauerei nach Deutschland und nach Frankreich hinüber — freilich nur, um bösen Mißbildurigen zu verfallen. Das Geheimnis, das die alten Zünfte gewahrt hatten, um Unberufene fernzuhalten, das aber die moderne Freimauerei kaum zu ihrem Glück von ihnen übernommen hat, bot anschlägigen Betrügern eine Handhabe, deren Wert sie alsbald erkannten. Der Graf von^ G-ermain und noch mehr Cagliostto benutzten die Freimaueret im größten Maßstabe zur Ausführung ihrer betttigerischen Pläne. Sie leiteten die Logen statt von beit schlichten Handwerkern des Mittelalters von den vornehmen Tempeltttterii ab und fühttenE den Schwindel des Hochgradwesens ein, indem sie die ursprünglichen drei Grade des Maurertums auf drei mal drei, damn auf 33 und schließlich auf drei mal dreißig steigerten. Das gab eine Fülle von Mindern, Wzeichen, Gebräuchen und Aemterrt, durch die man die !Köpft benebeln und der Eitelkeit gründlich schmeicheln konnte. Das Geschäft ging glänzend, Johnson und v. Hund fühtten es auch in
Deutschland ein. Hier wurde die Lage dadurch noch verwickelter, daß die Freimaueret sich mit dem Jlluminaten- und dem Rosen- kreuzertume begegnete und teilweise vermischte. Zwei tozeichnende Tatsachen sind, daß Friedrich der Große sich als Kronprinz in die Freimauerei, sein Neffe und Nachfolger Friedrich LLilhelm aber in den einführen ließ.
Die englischen Logen hatten sich von btefen Ksirderkrankheiten verhälttrismäßig am meisten frei gehalten, aber die errdgülttge und gttindliche Läuterung erfolgte von Deutschland aus. 1782 stellte zunächst der Konvent von Wilhelmsbad bei Hanau die ärgste Verwirrung ab>; LGssing aber stellt die idealen Grundgedanken des Freimaurertums zum ersten Male in seinen Gesprächen „Ernst und Falk" hell und rein ins Licht. Damals brach die Blütezeit des Freimaurerwesens an. Irrig ist fteilich. die Freimauerei als die Geburtsstätte der Humanitätsidee anzusehen, vielmehr haben Männer wie Dertor und Goethe beit Humanitätsgedanken in das Mauvertum hineingetragen. Es bleibt aber sein Verdienst, ihn ausgenommen und schwungvoll gepflegt zu haben.
Vsm Hause aus war das Freimaurettum weltbürgerlich gesinnt und gerichtet. Allein in warchsendjem Maße hat es sich im neunzehnten Jahrhundert nattonal gegliedert und geschieden. In ton 'bei Eugen Diedettchs in Jena erscheinenden „Monatsheften für 'Kültttr und Geistesleben" hat Dr. Otto Philipp Neumamt die Nationalen Typen der Freimauerei treffeitd gekennzeichnet. Die a::gelsächsische Mcmerei wurde eine große Wohltätigkeitsanstalt, die deutsche wurde philosophisch. Kärsec Wilhelm I. pflegte ihren Standpunkt mit ton Wvtten zu deuten: die Freimauerch rirht aus dem Evangelium, unbeengt durch Dogmen. Das französisch-italienische Frciiuaurertum aber entwickelte sich ganz zum politischen Zweck- verbande. Gctoffnbünde als politische Mittel sind den Romanen, speziell ton Italienern, ja schon seit Jahrhunderten vertraut, und als -eines solck>en politischen Geheimbundes bedienten sie sich der Logeit schon in den nattonalen Freiheitskämpfert. Sie wurden eine Art politischer Camorra, der Hauptsitz des» Kampfes gegen die katholische Kirckw, eine Waffe in tor Hand polittscher Parteien. Diese Entwicklung hat tvährend das Krieges zum Bruche zwischen den Logen tos'Nordens und toten des Südens und damit zu einet- neuen EpoHe in der Geschickte der Freimauerei geft'mtt. Indem die englischen Logen sich auf die Seite der Kriegshetzer stellten, verrieten sie toi weltbürgerlichert Gedanken der Freimauerei, und sowohl die deutschen, wie ailck die ungarischen Logen haben die Verbindung mit den italienischen Logen abgebrochen. Eine Frei- mauerci als einheitlich organisierte Wlelteinrichtung gibt es jetzt nicht mehr, und wie für so viele alte Einrichtungen scheint der Kneg auch für die Freimauerei, gerade zwei Jahrhunderte nach ihrer Entstehung, eine neue Zeit heraufftchren zu sollen."
— Vogelstimmen in der Nacht. Viele angeseheue BogÄsorschec haben sich zu der Meinung bekannt, daß zieHmde
Viögel ständig rufen und daß diese Vogelstimmen, immentkich in der Nacht, als fortwährende Signale zu deuten sind. Erst neuerdings hat man festgeftellt, daß die Angaben über die Bogelruse in tor Nacht, die in der Zugzeit zu hörett sind, von einzelnen Leuchtttirmen oder größeren Städten stammen, ja Dr. Weigold, tor Vogelivatt r-on Helgoland, hat vergeblich einen Auftuf erlassen, um Angaben über nächtliche Vogelruse auf See erhalten. W!a-s hat es nun mit ton Vogelstimmen in tor Nacht für eine Vewcrndttris? Werner Hagen teilt in tor „Natur", der bei Dlfeodor Thonprs in Leipzig erscheinenenden Zeitschttft der Deutschen und OesterrÄchischen Natnrw. Gesellschaft, eine Reihe fesselnder Beobachtungen hierfür mit, die einen sichererr Schluß zulassen. Um Signale handelt es sich dabei nicht, so lautet sein Ergebnis, vielmehr sind die Vogel stimmen in der diacht währeird der Zugzeit lediglich als Warn- oder Angstrnfe, als gegenseittge Erntunternng zur Vorsicht zu deuten. Hägens Beobachtungen stammeu hauptsächlich aus Lübeck und der Umgebung; dieser Stadt. Dott läßt sich der Vogelzug besonders gut beobachten, da er in nordost-südwestlicher Ricktung verlärrft und gute Landstraßen vorhanden sind. Man müßte dort also während tor Zugzeit die Vögel ununterbrochen rufeir hörmr. Uetor Lübeck rufen mtu die ziehenden Vögel wirklich sehr lebhaft: allein btt nächtlichen Stteifert in tor Umgebung hat Hagen die Rufe der Vogel schwärme tncht hören können. Nur da, wo tor Lichtkreis der Stadt beginnt, rcnd über tor Stadt selbst vernahm er die Latete der ziehenden Vögel. Die Stadt hat öfters Einfluß auf die Ziehenden: im Frühling hört man im Nordosten, im Herbst im Süditolan von Lübeck Schwärme, die zum Lrchtkrttse zurückkehren und über der Stadt kreisen, bis sie den richtigen Anschluß geffinden haben. Im Osten vvn Lübeck hörte Hagen in Zugnächten außerhalb des Lichtkreises mrr spärliche Laute; dort ziehen die Pögel an der Stadt vorbei, ohne sß. zu überaueren. Je näher tor Beobachter der Stadt kam, desto'lauter und häufiger erschallten die Stimmen. Ueber der Innenstadt war tor Lärm viel größer als in tor Vorstadt; in den Feldern Ncirdlicll davon, wo wegeit Fehlens von Straßenlärm und anderen Siadt- geräuscheu die Vogelstimmen besser hätten hörbar sein müssen, hotte Hagen aus tor Luft gar nichts, während von der Stadt tottgtteßt das Ruien erklmtg: sobald er aber die weiter östlich *!tm nächsten Dorfe führenden, durch Gaslampen erhellten Meen erreichte, hatte er die Ihuse sofort wieder über sich. Im Wälde, tor zwischen to~ Stadt und den großen Travewieken, also in tor Zuglitte seGst liegt, herrschte wieder völlige Stille, und sobald tor Beooacl'ttö
N-n-etor tu die Gegend der Laterne kam. hörte er die Stimmen den Vogel wieder Mer sich und y^ich der Stadt zu nahm das Ctofcfuril l ta „.°rS.‘ .^^Beobachtung m vielen Zugnächten und an versckie-
dmcn^Orttn rührte »>, dem ErgÄtmS, daß die Zugvöqe! nur d-rnrj ihre Sttmme erheben, wenn sie N -'* 114
o c. 14 . - . - m beit Lichtkreis der Stadt, eineÄ
Leuchtturmes, ernerSttaße kommen: in tor Dunkelheit verstumm n jie und so dürfte dte Deutung ttchttg sein, daß co sich nickt -m Signale, zaudern um Augsttufe lfaiidelt.


