Ausgabe 
23.6.1917 Zweites Blatt
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Me auSgedehitten, mit reichen Ä'sngen an Pilzen bestandenen Lbälves ms mr die Dörfer reichen. Prof. V ü l z i n g - Darinstadt als Vortragender, der selbst ein guter Kenner des Vogelsberges ist, konnte die^ erfreuliä^e Mitteilung machen, daß im Bogelsberg rmter ungefähr 200 eßbaren nur kaum 50 giftige Pilze wachsen. Die meisten Pilzvergiftungen seien nicht etwa auf den Genuß wirklich giftiger Pilze zurückzuführen, sondern in den meisten Fällen rührten sie von verdorbenen Pilzen her. Nur srischge erntete seien zur Ernährung vollständig unschädlich. Professor Polzing wird im Herbst zurzeit der Pilzernte mit Pilzsuctiern Exkursionen in den Wäldern des Bogelsberges unternehmen. An 5)and einer Anzahl empfohlener guter Bucker kann sich selbst der Laie der Pilzsammlung ohne Schaden widmen. Iln anschließenden 2 Bor- rrag der Tagesordnung sprach Kreisarzt Med.-R.at Dr. Best ülier: ..Wie kann die schule bei der Verhinderung der tveiter-en' Ausbreitung ansteckender Krankheiten MitwirkenDurch ge­eignete Vorkehrungen kann selbst sctMi durch den Lehrer in der Schule eine Verbreitung ansteckender Krankheiten, wie Diphtherie. Scharlach usw. verlnndert rverdeu. Nach Beeridigmig dieses Vor­trages erfolgten noch einige Mitteilungen des Großh. >N'eis>chul- inspektors. Schulrat Fenerbach, )vorauf der Vorsitzende der Kon- seren» diese beschloß.

** Laubach. 23. Juni. Stnd. tbevl. K. Bo hu, seit einem Fahre in einem Feld-Art.-Regt., wurde, zürn Leittnant d. R. be­iordert. Nnnme.hr gehören die 3 Söhne des Relttanttmanns Bohn dem Offizcerftmrde an.

E. Lauba ch, 22 Juni. Nach sehr langer Trockenheit haben wir endlich den lang ersehnten, crglnckrnden Regen bekommen, wvuach Mensch. Tier und Pflanze lechnte. Gestern abend 10 Uhr trat plötzlich nach t^or ansgegangerieni Wirbel sturm durch ein über unser« Stadt ziehendes Gewitterder langersehnte Regen ein, welcher sgst die ganze Nacht hierdurch anhielt. Hat es doch zum letztenmal stit wn Pfingsten bi er fast nicht geregnet; denn alle Gewitter zogen regerklos an Lttubach vonlber und brachten unseren dürstenden Fluren kerne Erfrischung. Es war höchste Zeit, denn aller Pflanzenwnchs nxrr Min Stillstand, ja pu Rückgang gekommen. Für das Hemnacbeu, rvelches sich s-enrem Ende naht, ivar das heiße Wetter seither sehr günstig, denn der Heumack" r ^onnc" sorgte für rasche Föttrerung der Arbeit. .Was frühmorgens gemäht wurde, konnte oft an denselben Tage ncrch emgescheuert werden, wodurch niese Arbeitszeit und Arbeitskraft erspart wurde.

Kreis Friedberg.

^ AnS der W et t er a n, 20. Juni. Wenn nicht attes käufcht, w scheint das Khiegsjahr 1917 doch noch ein ziemlich gutes Obstjahr zu sfeben. .Hat dock) schon der Blüdenanfatz die besten .Hoffnungen, umsomehr, als auch die gefürchteten drei Eisheili- fuu ohne Schaden worüber gingen. Wohl die knappste Ernre liefern bie Zwesschen. denn sie zeigen -einen schwachen Behang. Es hat wskl feine Ursache darin, daß wi-e der Landmann sagt -- in die Blüten regnete. Mit dem im vergangenen Jahre so viel ge-- kochten Zwetschenmus wird es dieses Fahr knapp aussulssn. Hin- izegen fallt d:>' Kirschenernte nicht gerade schlecht aus. Gegenwärtig' sind die Frühkirschen reis. Auch tue Spätkirsü''N hängen ziemlich dickst. Merdins ist Meister Starmatz schon eifrig am Verzehren. Gute Ernte-Ertvage verzeichnen die Aepfel. Es iverdon bereits Vorsehrungen getroffen, um den beliebten Haustruuk herzu stellen. Vielfach sind die schrverbeladenen Aeste gestützt mit Steckern. Be­sonders guten Behang zeigen 'Schafnase, Gelber Richard. Winter- Goldparnräue, Charta movsky und Rheinischer Bohnep.sel. Weniger haben Sckxmer von Boskoov und die verschiedenen Reinetten an- ge-etzt. Allerdings märe für die Aevssl. nüc für alle andern' Kuttnrpflanzan ein durchweichender Landregen vonnöten, denn bereits liegen viele angesttzte Früchte infolge der allzu großen? Trockenheit mss dcnn Boden. Auch die Obstbaum ssssche sind an. der Arbeit, ganze Baunw sind von dem Gespinst der Apfel baum--Ge- spinstmvtre überzogen. Hier wäre das Verbrennen »ehr nötig, aber ltt-KN mangelt es an Arbertskrästtni. Weniger mackst sich die Obst- Nird-c dieses Fahr bemerkbar. ' Auch die Bienen lassen eine einte Ernte erhoffen, memi auch ihr Ertrag nicht an den. der Aevstck Iveranreickt. Während die Wirtschasssbirnen m guten Anssichtev Anlaß geben, haben die serneven Tafel birneu nur die Art anbesetzt. Wie jedes Jahr, so wird die allbekairmo Glockenbrrne die Höchst- erwage liefern. .Mch Gute 0nr«e, die sogenannte Honigbiene,, hängt gNt. In den Garten beginnen die Beeren zu reifen und am Johannistag werden die ersten ge e r ntet, Auch ihnen war das späte Frühjahr von Vorteil, denn die einzelnen Trauben sind gut besetzt. Die Trockenheit konnte ihnen nicht viel anhaben, wenn auch best S tachel beerspanner hier und da einigen Schaden cm gerichtet hat.

Starkenburg und Nheinhessen. ,

** Main-, 21.Jimi. Der Mittelrheinische Fabrikanten- Verein hielt am 19. Juni unter dem Vorsitz des Herrn Pro­fessor Dr. Beck-Biebrich hier eine außerordentlich zahlreich be­suchte Mttg lüLerversammlung ab, cm der auch eine Reihe von. Ver­tretern der Rcgiertmgsbehörden, Kvmnw.nal verbände und Eisen- d ahn Verwaltungen teil nahmen. Aicßerdem nxrr als Vertreter des Reichskommssiars für che Kohlenverteilung Herr Direktor Dack>- Mannheim anweseird. Zunächst, machte der Geschäftsführer, Syn­dikus Me es in ann-Mainz, einige Mitteilungen, »rnüche die Aus- kanftsstelle vereinigter Verbände, den Wirtschamichen 2öachrichten- dienst, die Aufhebung der Verträge mit dem feindlichen Ausland, die Kennzeichnung miÄändischer Waren, die Teussche Lichtbild- ksüZellschaft, die Vereinigung für deutsche Siedelnug und Wan­derung und die Ueberg<mgsnnrtschafr betrafen. Hierauf erörterte Redakteur Jutzi-Köln in eingehenden Darlegungen die gegen- tvärtig in imserer .Whlenversorgnng bestehenden Schwierigkeiten. .Fm einzelnen toies er nach, daß alle Versuche, die Kohlen knappe Herr aus das Versck>ulden des einen oder des anderen der an der Loh len Versorgung beteiligren Organe zurückxufuhreu, fehl gehen. Die Wirkungen des .Krieges auf die Whlc'nsörderuirg tnrd die gewaltige Stergenrng des Kohlenverbraurbs, ebenfalls infolge des Krieges, haben ein germsses Etzverhältnis zwischen Bedarf imd Angebot an üdhlen bervmgerufen. das zurzeit noch nicht über- stunden ist. Nm es ausMgleicheir, ist die äußerste Einschr än- k u n g des Bedarfs auf das unbedingt Nolloendige erforder- tick, und es ist zu erwarten, daß nach dieser Mchtnirg hin deml- nächsr einschneidende Maßnahmen sowohl l»ezüglich des Bedarfs der Industrie, wie «udj des privaten Köhleirverbranchs erfolgen» werden. Ebenso »rstchttg ist ach der anderen Seite die Steigerung der Förderung, die mit allen Mitteln und unter Unterstützung durch die oberste Heeresleilnng anzustreben ist. Bei allen diesen Maßnainnen steht selbstverständlich das Ztel im Vordergrund, imscr? Ücüstungsindchtrie ausreichend mit Brenn- stosien zu versorgen, damit sie alles Herstellen kann, was zur M- wehr unserer Feinde notwenvig ist. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Äesprechmg cm, in der namentlich der Vertreter des Reichskmnmissar>. Dircrtor Dach-MannlMnr Ausllmft über eine Reibe aus der Mitte der Versammlung gestellter Fragen gab. Die Versammlung trug wesenttich m? Märung der Ansichten bei und stärkte andererseits das Vertrauen, daß bei Durchsütrnng der in Aussicht gmimunrnnr und in aller Kürze brettereil Kreisen be­kannt werdenden Maßregeln trotz bestehender Küappbeit doch der­artige VerlegenUm-n nicht entstehen werden, wie sie tni letzten Winter zu oerzeichr.en waveir.

Nlrche und Schnle.

* Evangelischer Zw eck verband für das Groß- Herzogtum Hessen. Die im Zweckoerband zusammengeschlos- senen evangelischen Vereine Hessens werden ihre diesjährige Ge- ckmttaoung am Montag, 25. Juni, in Worms abhalten. Aus An­laß der Vierhundertjahrfeier der Reiormation soll damit diesnwt eine wissenschaftliche Tagung verbunden werden. Die Tagesordnung ist olg.nl - Bornuttags 10 Uhr im Saale des Evangelischen (be- mewdel Mses geickKittsorderttliche Gesamttagung! l. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Anträge. Vornritrags 11 Uhr, dbenda, nnü nichastlickw Tagung! 1. Erösfmtng und Begrüßung durch den Bor.itzimoen Pwrrcr 11. Wiaiv aus Darmstadt. 2. Bortraa von Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Eck aus Gießen überRecht- fertigungsglaube und moderne Welttrnfck-auung". Nachmittags 2^ Uhr: Fortsetzung: o. Vortrag von Professor I). Dr. Schade r pus Ml KherLuther wrnd dre chrMiche Freiheit". 4. Vortrag

vmr Professor v. Dr. D i e hl aus Friedverg lLber .Luthers, Zwing­lis und Buoers Einfluß aus das innere Leben der hessischen Mrche". 5. Schlußtvort: Pfarrer Bennbeck aus OkarKen. dkachmitbags 5Vi Itfjr: Feier am Lutherdenkmal mit Ansprache von Geh. Hofrat Professor Dr. A. E. Berger aus Darmftadt.

Börsen-Mochenbericht.

= Frankfurt a. M., den 22. Juni 1917.

Angesichts der günstigen Kriegs- und Wirtschastslage, der guten Ernteaussichten und der flüssigen Geld Verhältnisse blieb^ auch in. dieser Woche im freien Verkehr der Börse zuversichtliche Stimmung vorherrschend, das Geschäft beschränkte sich aber in der Hauptsache auf Spezialitäten, die von der Svekulatioir, ungeachtet der derzeitigen bohen Kilrsbeloertung, immer noch für kaufwütdig gehalten und weiter im Kurse herausgesetzt wurden. Das börsen-« technische Moment d<r Wären kn applieit und des überreich fUeßerr- den Geldsttomes ist es. das immer wieder der Aufwärtsbewegung die Wege ebnet. Durch die starke Beschäftzchung und die regelmäßi­gen Auszahlungen der Regierung an die Industrie Heroen stets neue Millionenbeträge slnfsrg, die zum Ml der Börse Zuströmen.. Die bvbe Bewertttng der I n d n str i e papi e r e wäre indessen trotz der Geldilüssigleir nickÄ denkbar, wein: nickst in unseren führen den Gesck äitskreisen eine zuoersichtlick>e Auffassung über die Zukunft' bin Industrie feste Wurzel geschlagen Hütte. Welch ungeahiste Mög­lichkeiten hier allerdings gegeben siird, zeigen u. a. die großen Fort?- i-d ritte in der Zellulose- und Fettgelviinumgöinüustrie sowie die neuen Veriadren in der Erdöl- und chemischen Industrie. Frucht­bare Anregung boten dem Börsenuettehr neben der für uns vorteil- lwften Kriegslage die Fortschritte in der Zusammenfassung der Essen verbände sowie die nunmehr als endgültig anzusehenben Preis- erhölmngen für Hüttenprvdutte Für eine große Anzahl von Son­der papieren traten daher neue Kauf er schäften l^ervor und der An s- stteg dieser Warte verlieh der Börse trotz der Er-nückstenmg, die an' anderen Stellen vielfach sich zeigte, ein festes Gepräge.

Am Montan markte ivaren es namentlich oberichtesifche Meiste, die ans die Erwartung günstiger Monatsausioeise regeri Kauslust zu anziehend-e-n Pressen begegneten. 'Auch Deutsch-Luxem­burger toaren genagt und l-öher, währerrd die rheinisch-nnsstfätt- sckxn Werte ihre Kurse gut de Haupt-'ton. Von Rüstung s w orte >l waren Mnv.scheid, Hirsch Kupfer und einzelne Maschissrcnhss- brikaktien stark begünstigt, w Augsburg, Nüml>erger,- linger, Hunchold. Mwnus. Fun s Waggonfabriken und 'Aotoren- sabri? i^barursel. Auch für Kl euer, Fahrzeug Eisenach, Benz und Neckarsulmor Fahrradwerke trat größeres Interesse be^vnr. trenn cusch die Kurse einigen Schränkungen unter!agen. In Dminler- Aktion n>ar das Geschäft ruhiger-, dg nuru ;unäccht das Resultat der Bert .'.nd-l ungen einer Minorität Gruppe mit d^- Verwvltuwl wegen einer Kapitalsiransaktton alnvarten will. Am« E l e k t r o w e r t o n begegneden Aktunuckaroren Berlin und Felten fr Guilleaume grö­ßerer Nachfrage. Lebhafte Umsätze fauben in Zellstoff Waldbos- Aktien statt. Chemische Worte lagen zurr Teil etwas schwäch-r. Eine Abschwächnng emchren anzch Schnfahrtsaktien. wäh­rend Banken ihren Preisstand bedanpwttnu Deutsche und srenrde Anleihen lagen fest. Privat-Diskont 4 <yo.

Vsrmi?>chtes.

* Zeit n ngsnöt e. Secks Zeitungen des Meininger Ober­landes geben gendeinschrstlich bekannt, daß sie infolge der nnge- nrein hohen Herstellungskosten geumrngen sück>. den Bezugspreis nttt dem 1. Juli d. Fs. zu erhöben. '.Andere Thüringer Blätter brachten infolge Smer- und Paviernrangels ihre llmerlnlltungs- britagen in Wegfall, nsseoer andere erMonyon nur noch zwei- seittg. In roelcher Weist fid: tm Zeicungs- rnrd Buchdn'ckgeioerbe die Hernellluigskostan und Materialien verttnwrt lmberr, zeigt fol­gende Aufstellung: Arbeitslöhne 25-40 Prozeatt, Papier 100 t,s .'TO Prozent, Krass und Lickt 15021)0 Prozent, Metalle für Ni afchinenfatz, Schriftgießerei, SdereaNipie und (KalvanaPlastik über' 300 Prozent, Dnuckwalzesr über 200 Prozent. Druckfarben 100 bis 250 Prozent, Druckssntts-Erfatzstofst 500 Prozent, Schmieröle 400500 Prozent, Putzlappen 100150 Pvozent, Heftzwirn, Heftdraht sssw, 200300 Prozent, Packmaterial 200500 Proz.

* Die Wiederbelebung destoten" Herzens. Trv^)em die Art der Todesursachen äußerlich sehr mmnttasalttgi erscheint m einem Verzeichnis der obersten Medizinalbehördeu in Deutschland werden 175 Todesnrsackien angegeben, läßt sich doch in den meisten Fälleir das Sterben ber Menschen auf das Herz zurücksühren. Tatsächlich wird fast stets durch dcrs Ver- sageu des Herzens der Tod eingeleitet, sodaß der Wiener Arzt Prof. Mtiragel rwch in seinern letzten Werk mit Rvüst behauptelt komtte, daß der Mensch säst immer vom Herzen aus stirbt. N^cherock^ stits 'haben Versuche vor allem die des nu'sischen PlitzsiologO» Kuljubko. ergebew daß das Herz mit seinem Stillstand das Sterben aller Zellen des Organismus herbeiss'chren kann, ohne selbst wirklich tot zu sein. Gelänge es also, das scheinbar tote .Herz ans irgend­eine Weise wiederzubeleben, so könnte man auch Lebewesen, die nach den bis'herig-err Anschauungen als tot erklärt werden mußten, in gewissen Fällen dem Leben zurückgeben. Mit dieser Frage be-* schästigtc sich der Rostocker Physiologe Prof. Hans Winterstein, über dessen Versuche Privatdozent Dr. Alexander Lipschütz in der ..Umschau" Mitteilung macht. Zuerst wurde festgestellt, daß nicht nur das Herz, sondern auch die Nervenzentren des Säuge­tieres. die riach dem Herzstillstand ihre Funktion einstellen muß­ten, ivieder belebt werdm kömren, mdem der ganze OrganismuÄ einer künstlichen Durchspülung mit erivär-mter, sarkerslofshgltiger Salzlösung unterzogen wird. Da es zahlreiche Fälle gibt, in denen der Tod eines sonst gesunden Organismus durch Herzstillstand im Gefolge einer vorübergehenden Schädigimg herbeigeführt wird, muß durch Ingangsetzen der Herztätigkeit und gleickLzeitige künst­liche ^Atmung auch eine dauernde Wiederbelebung des ganzen Organisnlus erzielt loerden kömren. Die in Frage kommender Todesfälle sind der sogenannte Herztod in Narkose, der Tod drcrch Gehirnerschütterrmg, durch Ersttckung infolge eines vorübergehen­den Armungshindernisses, endlich durch Erfrieren. Die ersten Ver­suche Wintersteins wurdeir an Kaninchen ausgess'rhrt, die durch Erfrierengcstprberr" )vararr. Das irortotisierdc Kaninchen wurde in eine Kältemischmrg aus Eis und Steinsalz getaucht bis zum Zu­stande des Erfrierens. Dann wurde in die am Hals zum Kopf gehende große Schlagader eine Glaskarrüle eingebunden, durch die bis zu 30 -oder 40 °/o ermärmte sauerstoffl-alttge Salzlösung in den Organismus eingeführt wurde. Gleichzeitig leitete man die künstliche Atmung, ein. Es wurden 19 Versuche an erfrorenen Kanilcchen und MeersckMeinchen^vorgenvmmen. in nicht ioeniger als 16 Fällen wurde noch 2 l / s stunden nach demersten Tode" des Tieres eine regelmäßige Herztättgkeit und eine nrehr oder weniger vollständige Wiederbelebimg der Nervenzentren und dem­nach des GesamtorganiSmus herbeigessilwt. Die Wiederbelebungs­versuche an Tieren, die in Narkose, infolge von Gehiruerschütte- rung oder Erstickung gestorben waren, verliefen nicht ganz so günittg. Jmmerbin konnte ein Kämnchen nach dem N'artowtod völlig wiederhergestellt tverden, sodaß es dauernd am Leben blieb. Zusammenfassend ist auf Grund der Versuche Wimersteiiw sestzu- stellen. daß in vielen Fällen vonTod" aus den attgessibrtess Gründeir eine Wiederbelebung gelang, indem eine errvärnlle Salz­lösung in der Richtung zuni Herzeil in das Arteriensystenl essr- aesührt wurde. Eure pral'ttsche Uebertragrrng dieses Wieder- belebungssyst-enrs ans beu Menschen wäre demnach insbeson­dere bei Herzstillstand infolge von Erfrieren als ersvlgver- versprechend anzuseycn.

^ Aerztli che Reklame vor 400 Jahren. Die ärzt­liche Künft war in ihren Anfängen und noch vor Iss, Jahryimderten mit einer gewissen jahrmarktarttgau Rvnlantik umgeben. Die be­rühmteste Gestalt unter den wandernden Acrzten, dre es mit ihrer Kunst nicht allzu gemru nahmen und die Mittel des Gaukelspiels nicht verachteten, nm die Klmdsckwit anzulocken, ist der Doktor Jo­hann Andreas Eisenbart, der mit Aufwand einer gewaltigen s Jlo Harne von Ort zu Ort zog. Tie einzige unS erhaltene Ankündigung eines derartigen wandernden Älrztes unrb letzt nach bew vomVer­ein der Freunde der Königlichen Bibliothek zu Berlin" ^vrausge- gehenen Text im nächsten Hejt der Deutschen MediPkiMeu Wochen­

schrift nntg-eteckt. Da die Typen dieser gedruckten ÄnÄinhiAun^ nachweislich aus den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts stam­men, liegt hier also ein eimvandsseies Dokument der ärztlichen Re­klame vor 400 Jahren vor. Ebenso ist festgestellt, daß die sonder­bare Ankündigung in Magdeburg gedruckt wurde, ob auch ihr Be­steller, der Arzt Johann Pisljoris, aus Magdeburg stammte, ist nicht erwiesen. Da es sich um ein kulturgeschichtlick)es Dokument! von größter Seltenheit tändelt, seien im Folgenden die charaktc- risttschsten Stellen mitgeteilt:Zu wissen sei einem Manne jeden! Standes, daß hierhergekommerr ist, ein guter Arzt, der für die nachbezeichneten Krankheiten nächst Gott dem Allmächttgen Hilfe und Rat zu geben weiß, was ihm durch Siegel und Brief bestätigt ist. Auch alte rmd langwierige Geschwüre, die schon üblen Geruch ver­breiten uird die niemand hat heilen können, kann dieser Arzt nächst- Gott denr ?lllmächtigen am besten heilen und er kann auch diejenigen! Löcheiri und Schien, die er znheilt, so beseitigen, daß sie nicht wieder aufbreck-en können, sondern znbleiben. Item das Reißew Und Ziehen in den Wiednraßsn und Knochen kann er auch der-» treiben: darüber hat er auch Siegel und Brief'. . . Item ent-- stellendc' Male oder Flecken, mit denen ein Mensch geboren worden ist, sie seien rot oder schwarzji. .! . Item den Stein zu fckmeidern oder wo sonst jemarch 0seb-reck>en am Gemuckste l>at oder zerschlissen ist, frimt er auch Helsen, nächst Gott, dem alle:ge nlüglich sind. Auch kann er den Stein vertreiben rillt Baden und Getränken, daß er ihn nickst zu schneiden braucht. Item loenn ein Mensch geschlagen! ist oder gefallen und infolgedessen raub geworden ist und nickt hören kann und rnsolge einer Krankheit stumm twworden ist, daß er nicht reden kann, so kam: er den tauben Menschen wieder hören machen und den ftummeir wieder reden, n.äckst Gott. Auch die Blinden, die starblind sind, kam: er wieder sehen machen: er weiß auch dent Star vorzubeugen durch Aderlaß und ssletränk, so daß der Erkttrnkte nicht starblind lckird, »veittr er sich beizeiten Helsen läßt, ehe es überhand nimmt . . . Auch tven der Schlag gerührt hat: auch weiß er dieser Matikl>eit wohl vorzubeugen, vor der Gott einen jeden behüten nlöge . . . Item dieser ?lrzt weiß auch Rat für mancherlei Krankheit, die ein Mensch lange Zeit in seinem Leibe geh-abt hat, Hilfe und Rat zu geben, nächst (Stott dem Allmächtigen, der mit Recht genannt wird ein Meister: wie mcrn denn aus dieser Erdeck keinen Mzllster nennen sollte, als (Hott allein, von dein alle Dinge Herkommen. Herr Johann Pistons, Arzt, und wohnt m der Her­berge." i

* D i e Ei nkr eisn ngspolitik im B ienenstaa te. Eine der sonderbarsten Ersckxünungen im Bienenstaate, die nicht selten den gewaltfanren Tod der Bienenköniginnen verursacht, tuv bei,- spM'issennaßen als eine Einkressrmgswvlitik im pratlischßnr Sinne des Wortes kund: Es ist das sogenaimteEinknäneln" der Pienentönigin. Man unterscheidet, wie M. Ritter in der Teutsclmt Landwirtschaftlichen Presse ausführt, ztvei vollkommen verschiedene Arten der Einkreisung von Bienenkönigirmen. Manchmal bilden! die Bienen um die Königin mir ihren Leibern einen dichten, knäuel- artigen Kreis, um sie vor irgendwelcher Gesalir zu schützen, im an­deren Falle lwben sie selbst die Absicht, die Königin zu töten. An denr Ausseheir des Bienenknäuels selbst kann man nach einiger Hebung redesnral genau erkermen, uin rvelche Art von Einkreisung es sich handess. Wenn sie in sreuirdlicher Wsicht, z. B. zum Schutz vor iu den Stock ein gedrungenen Muhern, geschieht, bilden die friedlich im Kreise sitzenden Bienen emen nur lockeren Knäuel, durckr» den die Königin ein- urrd auSsckstüvfcrc kann. Ist der Knäuel aber aus Grillrden der Feindseligkeit gebildet, so lut sich dies schon durch ckwrakteriftischr bösartige Zischlaute kund, außerdem ist dcr Krräuel dann oft so,fest, daß mau ihn manchmal wie eine Kugel rollen kann, ohne d.ch einzelne Bienen sich ahlösen. D>rs Eiulnäneln im feind- lick:Kl Sinne in häufiger als die Einkreisung zum Schlitze. Hat ircann den Knäuel endlich entwirrt, so fueben die Bienen sich sofort von nenenr auf die K'önigin^zu stürzen. Tatze, wird die K'onlgin Hie! 1 durch einen schneller? Stich einfach getötet, sondern langsam- u Tok< gegillilt. Für das feindselige Einkrtänelu gibt cs mannig- acke Gründe. ES richtet sich z. B. gegen eine jiknge Königll?, die bei der^ Heilnkehr von ilwem Hochzeitsflug irrtümlich in einen fat-^ scheu Stock gerät. Wie Ritter beobachtete, wird sie in solchen Fällen: fast ausiwhmslos «eingekäuess nrrd getötet. Interessant ist, datz Bienenkörttginnen nicht seiden der EinknLulung darum einfach an^, l>eim fallen^ ivell ihnen ein dem Bienen Volke ungewohnter GeruÄ anhasset. So kann das Fangen einer Königin durch dar Imker muh ihrer Freigabe ein solches Drama veranlassen. Eine der praktsschar Lehren, die ans den BwbvchümEn des Ginknäuelns zu ziehe!» sind, besteht also darin, daß die Königin möglichst u nber üh r t undk ungestört gelassen werden soll, um nicht durch Geruch oder sow- sttge Uinstände der Bevülkeri'ng ihres Stockes ungewohnt zu er*f scheinen und so ein Opfer der Einkreisungspolittk im Bienenstaats zu werden.

AirchUctze Nactzrrchten- Evangelische Gemeinde.

Sonntag. 24. Juni. Gottcsd. in der S t a d t ki rche. Vorm. 6; Zugl. Ehristzenl. f. d. Neukonf. a. d. ?Natthäusgein. Psr. Mahr; 9lH: Pfr.--Ass. Lir. Renning: 11: Kiirderk. s. d. Markusgem. Psr.- Ass. Lic. Zöeuning., In der I ohawncskir che. Vorm. 8: Zugl. Ehristenl. f. d. 'Neukonf. a. d. Lukasgem. Psr. Bechwlsheimer; 9*/»: Pss. Ausseid; 11: Kinderk. f.'d. Ivhcmu^gem. Pfr. Ausseld. Mittwoch. 27. Juni. abds. 8: Kriegsbetstunde Pir. Bcchtols- l^imcr. Wartburg, ev. Jüngt- u. A'cänner-Verein, Diez-, straße 15. Sonntag, 24. Juitt. abds. 8 : Vortrag. Mittwoch, 27. Jnm. abds. 8 j i: Leseabend. Gäste loillk. Bi b e l kr ä n ; ck e nj s. Sckml. höh. Lahranst. Joden Mttwoch von 67 f. d. jung. 2lbt. Jeden Samstag von 67 f. d. ält. Abt. im. JoÜannessaal. Bib-elkr änziche u f. Mädch. a. d. Johaimesgem. Jeden Diens­tag von 67 im Johann-essaal. Kirchherg. Sonntag. 24. Juni, vorm. 10; 11: Cbristenl. f. d. männt. Jugend. Mainz­lar. Sonntag, 24. Juni, nachm. 1p».

katholische Gemeinde.

SamStag, N. Juni, nachm. 5 u. abds. 8: Gelegen!). j, hl. Beichte, Sonntag. 24. Juni, vorm. 6'i>: Gelegen!), z. hl. Beichte: 7: Hl. Messe: 8: Austeil. d. hl. Kommunion. 9: Hochamt m.Pred. 11: Hl. Messe m. Pred.: nachm. 2: Ehristenl., daraus And.: 6: Alossius- And. Dienstag u. Freitag, abds. 8: Kriegsbittand. Diaspora- Gottesdienst am 24. Kmi: Grünberg gi/.., Hungen 'R/,, Lick) 8.

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Meteorologische beobachtungen der Station Sietzen.

Juni

1917

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23. 7"

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13,6

9,3

80

S

Sonnenschein

Höchste Temperatur am 21. bis 32. Juni 191? --- -f. 20,9' G. Niedrigste . 21. 82 . , 1917 ----ss is.2'0.

Niederschlag: 3,1 mm.

Müllersche Badeanstalt- Wasserwärme der Lahn o n 23, Juni: 19° Reaumur.

SHcffflften der Redaktion.

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d. A. tick. Ihr« Anfrage zu beantworten ist uns leider mcht möglich

Ameisen. Wie -Assrnseu. aus der Mche zu vmtteiben sind, ist uns nichr bekannt Vielleicht kann aber einer unserer Äser darübevr Auskunft geben