Nr. \22
Mettes Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des TonntagL.
Beilagen: ..Elltzrirer Z«rrttli«i»lS11er" und „Kcefsbloti fBr btn Kreis Olrtzen".
Softscheckksntv: Zrarckfvrt am Mai« Nr. \\m . BcntoerftJjr: che»erded»«r Sletzeu.
|6Z. Zahrgaag
General-Anzeiger für Gberheßen
Somsfaa, 20 . Rar \%l
ZwillingSrunddruck und Verlag: Ärühl'schLUnwersirätS-Buch-u.St.ündr'.lckerei.
R. Lange, Gießen.
5chttft!ett»ng, SeschastrstrLe mrd VruLeret:
Cchulstcaße 7. GeschäflZstelle u. Verlag: Kl,
Schrift lettung: c-E 11t,
Anschrift für Drahtnachrichten:Anzeigersießen.
i-iWöSOKfiirwas
Ar,» Stadt ««d Land.
Ginß«-,, 26 . Mai 1217.
SrtNKchseiie und Fugend in der Kriegszeit.
_ M an schreibt Es:
MenchaD-en meyren sich die Klagen über Verrohung und Ver- wllderurrg unserer Jugend. Kein Wunder! Tie Väter sind im Kriege und die Mütter durch Arbeit irntb Sorgen ums tägliche Brot vielfach so in Anspruch genommen, daß sie der Erziehung der Kruder nicht die erunmschte Aufmerksamkeit und Sorgfalt können mtcj&rfbm lassen. Dazu kommt noch, daß der Krieg selbst durch Berichte, Erzählungen, wahre und über tri ebene nsw., die Gedanken der Kinder wwieso auf das Gewaltsmne, Rücksichtslose hrulttukt und 10 zur Verrohung der kindlichen Embttdungskraft beiträgt. J3u' ttJttren als Jungen 1870/71 auch bebl-arter urtd lärmender als vorher, aber das zeitige Ende des Weges hat uns noch rechtzeitig die Flügel beschnitten. Heute ist die Gefahr infolge der langen Kriegsdauer viel größer als damals, und es ist notwendig, sie beizeiten zu erkennen, um ihr wirksan: begegnen, zu können., kzn vielen Fällen hMtdelt es sich fa mir um jugendlichen Mutwillen und Unverstand oder um mißverständlick>e, entgleiste Nachahmung von Mut, Tapferkeit und Draufgängertun:, die ja vom
Ewr gyjm
hm geneigt ist. tzln uns Erwachsenen, und zwar an allen Erwach sinren ist es^ nun, darüber zu wachen, daß unserem Nachwuch? die Aüglnr geöffnet Vierden, :rnd das; er jenen verhängnisvollen Schritt vorn Mutwillen zur Ro'heft nicht Irrt. Jeder Erwachsene sollte es als feine sittliche und vaterländische Pflicht betvack>ten, cn: der Erziemrng unserer Jugend mitzuyelsen und überall da tvehvend einzugreisen, wo sich Steigung zu Robert und Ungezogenheit, zu. Rücksichtslosigkeit und Radaulust zecht. Schube und Elternhaus können es allein nickt mein machen in einer Zeit, wo so viele gute Rtiterzieher fehlen und so viele schlimme sich einstellen. Man sollte, wo man ans der Shoccße einer llngezogcnrheit oder ^Roheit begegnet, nicht einfach denken: „Was ge.ht's ursch an? Es ist ja nicht mein Kind." Nein, gerade jetzt ist und sollte unsere Jugend mehr als je sein Gemeingut aller ln erziehensckiern Sinne. Man braucht ja nicht gleich handaoeifkich zu tverden; und in den nveisten Fällen ist das auch nicht nötig, denn das böse Gewissen des jugendlichen Sünders duckt sich in den allermeisten Fällen sofort unter ern zurechtweisendes Wort oder einen Tadel der Vorübergehenden, ganz besonders, wenn er merkt, daß ec nicht von anderen Erwachsenen in Schutz genommen nnrd. lind eine Znrechtweisimg oder ein Tadel unmittelbar^ bei der Tat wirkt mehr als eine nachträgliche Strafe ßn der Schule oder im Etternhaürs, denn es kommt als erzieherische Kraft hinzu die Sä-am vor den Augenzeugen — und auch der verstockteste Sünder schämt sich nicht gern. Man soll sich mich in seinem Tun nicht irre machen lassen, wenn einer der jungen. Radaubrüder einmal auf eine Zurechtweisung mit einem „bösen Mwll" antwortet. Vielleicht kommt er in einem solchen Falle mit seinem Mundwerk vom Regen in die Traufe und läuft einen: anderen in die Arme, der erst recht Herz und — Hand aus dent rechter! Fleck hat- denn die Mehrzahl der Erwachsenen ist immerhin noch vernünftig, Einsender dieses fort das schon in zahlreichen Füllen erfahren. Wo es sich aber um Roheiten, groben Unfug usw. von der Schule Entwachsenen handelt, da , scheniere" man sich, nicht, sondern mache Anzeige Ser der Polizer. Dos ist kein Denunzieren, dessen man sich zu schämen hätte, sondern rvohlge- meintcs Interesse für das, was uns not tut in bitterernster Zeit, und es wird daher bei allen Wohlmeinenden Verständnis und Billigung fiuben.
Lebensmittelmarken.
Für die Zeit vom 29. Mai bis 3. Juni 1917 haben nachstehende Lebensmittelmarken Gültigkeit:
Brotmarken der 22. Woche, gültig vom 28. Mai bis 3. Juni 1917 Buttermarren, , 22. „ , 28. „ , 3. .
Eiermarken Nr. 4
t leischmarken der 22. Woche, gültig vom 28. Mai bis 3. Juni 1917 artofftlmatten, 22. „ ^ 28. , „ 3. „ „
Seckenmarken f. Monat Mai bis 31. Mai, ab 1. Juni s. Monat Juni Zuckerinarken Nr. 12 bis 24, gültig bis 31. Mai 1917.
Ein Umtausch verfallener Marken findet nicht mehr statt.: ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.
Gcschäftsstttnben des Stadt. Lebensmittelamtes von 6—12 tthr vorm., 2—4 Uhr nachm. Markenausgabe für Urlauber diesmal:
Montag, am 2. Pfingstferertag vorm, von 16-12 Uhr.
. * Schwarz-Weiß - Theater, Settersweg 81. Im Spielplan vom Samstag, '26., bis ernschl. Montag, 28. Mai, zeigt sich Haus Mievendvrf mit Thea Sandten in ihrer neuen Film- schöpsirng „Das Opfer einer Frau!" einem dramatischen Filmroman in vier Abteilungen. Außerdem spielt Egide Nissen, die bekannte Bühnen schön heit, die Titelrolle rn dem oierattigen. hefteren Gesellschaftsschauspiel: '„Die Warenhaus gräsin". Eine würdige Partnerin dazu gibt Anna Miller-Linke. Nach Bedarf sind weitere güte Einlagen vorgesehen.
Attnst rrnd Visssnscherft.
Kunst, .smlürr und Krieg.
^ Jtn Laufe des Jirni 1917 wird mitten im Krieg die hessische Kunstausstellung in Darmstadt eröffnet werden. Dieser Vorgang
f 'bt Veranlassung zu einer Lstüttachttmg über Kunst, Kultur und rieg. 2>ie äst Hefts ch-ph i l oso Plüsche Berrackftilug der Kunst und ihrer Kultuttoercc iw in Derttschland inr Zusammenhang mit unserer klassischen Literatur si: das Bewusstsein getreten und bat in Schillers philosophischen Briefen über die ästhetische Erzie- lhung des Mersckien.geschlechtes euren imvergänglichen Ausdruck tzefuudeu. Diese vertiefte, mcrnchnral unter religiösen Fonneu wrftrebende Auffassung per Kunst ist später besoivders von Richard Wagner und seinen /Anhängern, di/e sich vielfach nicht nur im musikalischen Gebiet finden, weiter entwickelt worden, und war schmi vor dem Krieg in Deutschland in bestimmten Kreisen lebendig. Neben dieser ernschasten Auffassung der .Kunst und ihrer Kultur- werte läuft als Gegenspiel die in der breiten Oesfentlichkeit vielfach f?^i<b7i.e Beriveirdung der Kunst zur bloßen Unterhaltung, wobei sich eme ganze Reihe von Entartungserscch'inungerr gezeigt haben, me von den Anhängern der erstgenrrmrten philosophisch-ästhetischen Rrchlnrng ,tets msf das heftigste bekämpft worden sind. Wie hat nun der Krieg auf diese völlig verschiedenen Neigun.mn in dm Auf- Nt.d BerweuQung der Kunst gewirkt? Einerseits ist klar, daß der Kwveg besonders durch die Ueberschwemnnmg unseres ^olkes mrt mner öfter seftr zweisÄhaften Pvsttartenkunst. dre ffrg unter dern Teckmmrtel der Wohltätigkeit und der Vater- dsneb' verbrettet wurde, zum Tell verslackzeud gewirkt hat, andere! 1 eits )md me tresernsten und gewaltigea Wirkimgen des Kriege-: zunächst in per r? ick» tun g schon jetzt im vor kenn bar mrd destattgeil dre phllo,ophtsch-ästhettscho Auffassung der Kunst als erne durchaus ernsthafte Frage des geistigen Lebens.
Landkreis Gießen.
)( Mainzlar, 26. Mai. Unteroffizier Mlyelln Wehe, der früher schon mit der Hessischen Tapsmckeitsmedaille ausge- zeichntt wurde, erhielt imn das Eiserne Kreuz.
Kreis Frieöberg.
va. F r i e d b e r g, 25. Mai. Dem Rtusfetier Heinrich Krug, geliefert. Der „Verdienst", den der Rätzker auf diese Weise durch! die Leichtgläubigkeit dsr zuckev- und nrehllüsternen Leute einge- heimst hat, beläuft sich auf hohe Summen, im Landsturm-Infanterie-Regi'-nent 20, wurde die Hessische Tapser- keitsmedaille verliehen.
m. Burg - Gräfenrode, 25. Mai. Der Gefreite der Reserve Wilhelm 5) a a g, im Jnfmiterie-Regiment 46, wurde mit dein Eisernen Kreirz ausgezeichnet. Tie Hessische Tapferkeits-^ medmlle besitzt er schon
Starkeuburg und Nheinhessen.
ch. 2lns Rheinhessen, 25. Vtai. Mit den Reben geht es schnell voran. Sie nehmen eine rasche Entwickttmg und dürsten oacd eingeholt haben, was sie in langen Wochen des Frostes und der Kälte versämnt haben. Man darf unter den herrschenden. Verhältnissen ans eine weitere glttisttge Entwicklung rechnen. Tie Arbeiten gelwik derm auch put voran unter den herrschenden Ver- hältniiseis. Das geschäftliche Lebeii bmvegt sich bei den bekannten hohr.n und festen Preisen in den gewohnten Bahnen Noch mehrere W.ecnversteigermr-fen stehen in Aussicht.
Hessen-Nassgu.
D Flörsheim, 24. Mai. Die zehnjährige Tochter des Eniendrehers Frager stürzte an der Flosirinne in den Main mrd ertvcmk, ohne dast ihr von den Mitgaipift'muwr Hilfe gebracht werden konnte. Wenige Stunden vor dent Unglück ivac der Vater der Kleinen wieder an die Front abgereist.
^ F r a n k f u r t a. M., 25. Mai. Im Stadelschen Kunstinstitut hat >eme von 22 Direktoren deutscher Museen für Künst und Kulturgeschichte besuchte Versammlung in der Ueberzeugung, das; die Zeit- umstände und namentlich die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts Een Verband der öffentlichen deutschen Kunstsammlungen cr- wünscht niachen, den Deutschen Museum sbund gegründet, ^-er Bund setzt sich die Förderung musealer Arbeit, sowie die Ver- tretung der Pflichten urrd Rechte der Museumsbeamten im öffentlichen Lebest zum Ziel. Die Wirksamkeit des Bundes soll sofort beginnen.
X Hanau, 26. 2Nai. Gegm die säumigen Eierab- lieferer wendet sich in dem Amts orte Langenselbold l Kreis Hanaw der dorttge Bürgerin eist er. Es sei nickt mi gängig, so lautet die Lekanntniachiung, dast ein Besitzer von zehn Hühnern wöchentlich nur ein Er abliesere.
- <7^ P1 J ' c 11 P c ^'' .23. Mai. Der hier wohnhafte 26 jährige Friedrich G r 0 tz hat eine Anzahl auswärtiger Geschäftsleute, be- sonders Frankfurter, dadurch schwer geschädigt, daß er ihnen an- geblich Butter in Fässerm gegen Vorausbezahlung zusandte. Die Fässer enthielten regelmästig Steine und Sand. Am DoiinerÄag wurde der Schwiitdler von der Frankfurter Kriminalpolizei verhaftet. — Wegen umfangreicher Betrügereien nahni die Krimmal- polizei den Artisten Daniel Ratzker fest. Dieser verkaufte gegen BorauMezahlung Privallcuten' und Inhabern von Kstffeehäuserii große Mengen Zucker uiid Mehl, hat aber niemals die Waren
Bericht des Mitteldeutscher- RrdeitSnsrchwelSverbKndeS über die Lage des Arbeitsmarktes Im April 1917.
Das Gesamtbild der Lage des Arbeitsniarktes fft, abgesehen von der Landwirtschaft, gegen den Vormonat durch eine noch straffere Inanspruchnahme per vorhandenen Arbeitskräfte gekennzeickulet' ^ie Zahl der gemeldeten osseneii Stellen ist üt fast allen gewerblichen Berufen gesttegen, während die Ziffer der Stellensucheiiden vielfach sinkende Tendenz l-atte. Die Folge war ein stärkeres .Heran- zieherr der rveiblichen sund uaMieiitlich der jugendlichen Arbeitskräfte.
Jti der Landwirffchaft. blieben dagegen allgemein die Anforderungen wesentlich hinter der Zahl 'der zur Verfügung stehenden Bewerber zurück. Die Eigenart der Witterungsverhältnisse erlaubte eine allmähliche Erledigung der FMsiahrsbestellnng des Feldes und verhiwderre eine Zusamnrendrängung der Arbeiten und erft leichterte so deren Erledigimg. Der Scköo«erpimkt der Nachfrage lag bei den mittleren Betrieben, während Kleinbetriebe and größerg Güter ,einen geringen: Bedarf hatten. Knechte und Taglöhnwj standen gmügend M Gebote. Ebenso waren bessere .Kräfte über den Bedarf vorhaiiden. Nach weiblichem Tienstpersmial war die Nachträge in der iLandwirtschaft wesentlich reger. Voii der billigen! Gefangenenarbeit ^vird gerne Gebrauch gmnacht.
Der Bedarf an G ärlnern tmd Gartenarbeitern war ini Gegensatz hierzu sehr stark. Geleinte Kräfte wKrerr nur in geringem llmfange vorhanden und nuistten größt«rteils durch Gartenarbeiter ersetzt werden. ^
In der Metall- »md Munittonsindrrstrie zeigte sich eine stärkere Zunahme ,ber offenen Stellen, .neben welcher ein Rückgang dey Stellensuchendcni einherging. Es wurde daher in stäickerem Maße imc int Vormonat auf weibliche ?lrlwits!räste und Jugendliche zurückgegriffen. Die Lage des weiblichen Arbeitsmarktes weist dagegen in den genannten Industrien manche örtliche Verschiedenheiten auf. Während in Frantsicrt a. M. eine Zmrahme der Anforderungen und ein Rückgang uarter den Bewerberinnen zu ver-c
. . Bc- sich wlso bei, dieserc Dingen immer njm> die 9lrt latb
dre Wirkung der Krmstleistmlg und den gerUgen Zustarch bei der Auffasiung der Kunsttverke. Wir stehen, wmr vor der Eröffnung der ^armstadter Ausstellimg, die es gewagt hat, mitten im Kftiege mir dem Spruch einer sozialen Arbeit aufzutreten. Mrt Spannung erwartet mmr zu ,ehen, wae> die aus Hessen stanMiende und in Heism wohnende Zbüirstlerschaft ims in Darmstadt zeigen wird. Bei dem sirrchtbaren Ernst dieses Krieges, der sich gerade jetzt rn einem entscherdcndeli. Stadium besiudet, dürffen wir Kossen, daß diese Ausstellung nickst zu einer Stätte oberttächlickstn Vergnügens, sondern zu einer Quelle emrsthafter Bettachlung mrd geisttger Erhebung iocrtmi wird. @
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Die mm Spielsert der Frankfurti-r sMtrschen Bühnen.
Geheimrat Dr. Zeiß t>eröffentlicht siic das erste Jahr seiner Frantsurter Tl-oaterleüung nunmehr das Programrm Danach ist IM: L> ch a u s p i e l die Uraufführung solgeicder Werke vor- Msehen:
Arnold Zweig: „Die Sendung Sencacle": Carl Sternheim: „Perleberg"; Paul E r n st: „Manfred und Beatrice" - Friedrich S e b r e ch t: „David"; Max Pulver: „diarkisfos und die Aumzoice"; Earl Ha uptmau n: „Tie Anstreilmng" (in neuer Bearbeitung); Max Intngnicket: „Der Stermmkantor": Paul Kornfeld: „Die Verführung"; Robert Grötzsch: „William Dycke-rpotts Erben" (gleichzeittg mit dem Hoftheater Dresden); Heinrich Schnabel: „Die Wiederckehr"; Hans Johst- „Der nmge Mensch"; August Strindberg: „Glllcksperer" !übersetzt von Sckcering): Jacinto Bona deute: „Dü Sckule der Prinzcs- linnew' (bearbeitet von üotbarw Peats: „Das Land der Sehnsucht" (bearbeitet von E. L. Stahls Von den hier geicannten deutschen Schriftstellern wurden Arnold Zweig, Sebrecht, Korn-
Nachfrage insbestnldere näch gelernten Munitionsarbeiterinnen rnrf.^
In der Lederindustrie zeigte sich hauptsächlich in der zroräten- Hälfte des Monats ein. Rückgang in der Beschäftigimg der Sattler, während für T«.pvziever reichlich Arbeitsgelegenheit vorhaudech war.
Ein größerer Bedarf an Arbeftskräften war im Baugewerbe zu befriedigen. Mmirer und Zimmerer werden in sehr starkem Umfange verlangt und in erhöhtem Maße eingestellt. Zur Deckung des Bedarfs der Firnren mit .Heeresaufträgen mußten Lazarettinsassen! stärker herangezogen werden. Daneben wurde eine hohe Zahl Gefangener beschigftigt.
In den Veckleidungsgewerbeu war vorübergehend mit einer Verringerung sdes Beschäftigümgsgrades zu rechnen, die m einer verminderten Nachfrage nach Schneidern und Schnhniachern führte. Das Nahrungsmittetgewerbe wies gegerr den Vormonat eine Vermehrung der offenen Stellen für Metzger auf, denen ein xmt- sprech>endes Angebot vcm Llrbeitskräften gegenüberstand. Im Bäcker- gewerbe ließ die Arb eftsgelegenheft infolge des Backverbots etwas nack, doch konnten die ^ offenen S tellen mit den zur Verfügung stehenden Bewerbern besetzt werden. Das graphisch,e Getoerbe leidet nach- wie vor unter starker Knappheit gelernter Arbeiter. Packer totb ältere Ausläufer waren in großer Anzahl verlangt und konnten zum ^größeren Teil gestellt werden.
Für ungelernte Gelegcrheitsarbeiter war ein Rückgang sowohl von Angebot als auch Nachfrage zu beobachten. Eine Anzahl Wurde durch die Einberufung zum Hilfsdienst einer Dauerarbeft zug-esührt. Bau-Tagelöhner und Erdarbeiter waren statt angesordert. Fuhrleute und Fahrburschen konnten in ziemlichem Umfange beschafft Werden.
T icJZahl der Stellensuchenden Un.wr den Jirgendlichen jwar prrch unter Berücksichtigung der Schulentlassenen auffallend hoch. Allerdings nmr auch die Nachftage sehr statt gestiegen, so daß mft einer sehr hohen Verncittlirngsziffer gerechnet werden konnte. Soweit sich nicht der Eintritt in die Mimitionsindustrie ermöglichen ließ, hatte die Unterbringung in den Städten infolge der Lohnfrage mit manchen Hemmimgen ju rechnen. In ländlichen Bezirken konnte eine Eingliederung einer erhöhten Zahl Jugendlicher in die wirtichast feugesieslt werden.
In den 'kaufmännischen Berufen und bei den Bureauangestellten hat sich die Lage des Arbeitsmarktes nur wenig verändett.
Auf dem weiblichen Arbcftsmattte .herrscht die Knappheit an Dienstboten und häuslichem Dienstpettänal in der gleichen Weise vor. Tie Knappheit hat sich weiterhin verschärft, durch die Maßnahmen gege:: übermäßige Abwanderung vom Lande, die ihre Wirkung bereits erkennen lassm.
Wasch- und Pntzftauen wurden weniger verlangt wie im Vormonat. Jin Hotelgewerbe herrschte starke Nachftage nach niederemi Perionat. Näherinnen kamerr ttotz ettvas verminderter Aufträge ru gleichend Umfange unter wie im Vormonat. Hernrarl>eiberinnaS fanden leichter Stellung, während die Zahl der arbeitsuchenden; Cttickerinnen einen Rückgang auszuweisen hatte.
Vermachtes.
* Eine Gesinde-Ordniung vor 200 Jahren. Die Gesiudeordnuug früherer Zeiten griff weft tiefer in das Privatleben ein, als die jetzt bestehenden. So bestim,7Nte nran nicht nur die Löhne, sondern sogar die Geschenbe. Hierüber heißt es z. D. in eveer Gesrndeordnung ftir Brandenburg vom 12. Februar 1718: „Uebrr dieses mag denen Dienstbothen^ 1 bis 2 Thalec zum Neu-Jahr oder Wevnachts-Geschenke und über solches nichts, es bestehe o-ottn cs tvvlle, !und nnter^ wes Vorwand es geschehe, gegeben werden; und soll der- .und diejenige, welche sich unterstehen., ein mehves grt geben, wegen im vergönnten Geschencks für jede:: Groschen einen Thaler Strafe erlegen."
Die Bedentuny dc?H AnslauvSdeutschtumS für die Wiederaufnahme unseres AußenhandekH.
Die schwierige Stellnng, in rvelche die Mehrzahl der Anslarchs- deutschen nrit Kttegsausbruch gerate:: ist, wird sich, so schreibt Dr. Hmis G 0 l d s ch m i dt, Stuttgatt, zweifellos auch mit dem' Frieden noch nicht bessern. Weniger die sornralen Beschlüsse der Pariser Wirtschaftskonserenz als die tatsächlichen Maßnahme:: unserer Gegner halben eine Lage geschaffen, welche das Deutsche Reich nach dem Frieden vor die schwersten. Aufgaben stellt. Weit schlimmer ist der dauernde Schaden, den unsere Feinde systemattsch dem einzelnen im Ausland zubesügt haben, angefangen von den großen Aktien- unternehmen, die liquidiert oder vom Feftrde übernommen sind, bis zum kleinen Ladengeschäft, das der Pöbel demoliett hat. Ein erheblick>er _ Teil der betroffenen Deutschen wird wünschen, feine Existenz nicht dort, wo sie vernichtet ist, sondern in der Heimat wieder auszubauen. Aehnlich steht es mit den Deutschen im neutralen Ausland. So erwünscht dies mm von feilet der Bauern und Landarbeiter in: Interesse mrserer inneren Kolonisation ist, so wenig darf eine Rückcvanderimg aller derer erfolgen, die :m Ausland in Industrie und Handel tätig waren.
Die finanzielle Kraft für eine bald dreijährige Kriegführung verdanken^ wir gerade Deit- Erfolgen unseres Außenhandels bis Kriegsbeginn. Um so wchtiger ist es, mit Kriegsende unseren auswärtige:: Handel trotz aller Widerstände so sott wieder auch imehmen. Dafür sind uns die Auslandsdeittschn: von größter Wichtigkeit. Sie waren schon vor dem Kttege die bedeutendste:: Träger und Vermittler unseres, Außeillxmdtts, aber auch zahllose Angehörige der uns jetzt fei-ndlichen Nationen haben unsere Hcnidelsinteressen —
^ld, Grötzsch und Schmrbel bisher noch von keiner Bühne gespielt. Zur Erstaufführung siird Werke von Gerhart .Haupt mann, Schonherr, ^witz von Unruh, W'edekind, Schnitzler, Hosnwnnsthal Rtttner, schmidtLvnn, Kapßser. Strindberg, Wied, Esman::, .Holtai und Here^g angenommen. Einakter- Abende, r,ach :mtio- nvlni oder künstlerischen Gesichtspunkten emheirlich zusennmm- gestettt, werde:: besondere Pflege sinden. Geplant sind: ern Rhei- nrscberDichter -Abend (Eulenberg, Schmidtbomr), ein I r i- scher u::d ein Spanischer Abend.
„ der Oper sollen drei Werke deutscher .KompEiste:: zur UrauNubrimg kommen: Franz Schreker: „Die Gezeichneten-" Erich Anders: „Venezm"; Hrrgo Röhr: „Coeur Aß". Als Erstaufführnngen weichen anyezergt Bittner: „Das
höllisch Gold ; Mozart: „Dre Gärtnerin aus Liebe" 'bearbeitet von Brc>. Bmeldreu: „Das Loch in der Lcrndstraße" ll>ei:rbeftet von kvremü» wid das Ballett von Klenau: „Klein Jdas Vlurnen"- Als Neueinstudierungen: „Tristem und Isolde", „Ariadne £ ^^en Bearbeitung', „Eurynache". „Cofi fan tutte „Dottor und Llpotl^er" von Dittersdmtt „Die luftige:: Werber von Wnchor" und Salieris „PaLmire" (mit den aller: in H-rantmrt crl?altenen Dekorationen von FrrentesV Angttüud: tt ntzrd wrner siir oas Schnffpiel ein Cpklus „Der junge Goethe" sirr dce Oper ern Mozart-Cyklus.
Zur Eröffnung geht im Opernhaus am 12. August der „Egittoitf mit der Musik Beethovens i'.r Szene. Die erste Vvrstellcmg nn schausvielhaus bringt 6Krl?att Hau^mann^ m Frankfutt noch nxcht gespielten „Florian Geher".
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_P Marburg, 25. Mai. Der Ivefaracte Hessemnaler Otto Ubbet 0 yde m dem rmhen Dorfe törvstseldeu erhiell der: Titel Proseswr.


