Nr. ( 1 \ Zweites
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vei lagen: „Sietzerrer FamilKnbrStter" und „Ureisblal! für den Ureis Sietzen".
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Blatt 167. Jahrgang
Freitag, 25. Mai W
Zwillingsrundortlck und Verlag:
B r ü hl^fche Unwersiläts-Buch-u.Stti'.ldruüerei.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulst raue 7. Geschäftsstelle::. Verlag:
Schristlcilung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießeu.
Aus Stadt sind Land.
wie die Franzosen den Zarismus umschmeichelten, als er noch an der Macht war.
Seit den schnellen, und Lilberraschenden Erfolgen der russischen Revolution und dem, lvie es scheint, endgültigen Sturz des Zaren- ^llns wetteifern die Organe der französischen öffentlichen Meinung, Regierung lvie Presse, darin, der jungen russischen Demokratie ihre lubelnde Begeisterung zu bezeugen, und der: gestürzten, fluchbeladenen Zarismus zu schmähen. Wir dagegen, die Deutschen, denen doch gerade der Zar unter Bruch seines Ehrenwortes, durch seine Mobilisation Ende Juli 1914 den Krieg aufgezwungen hak, werden als me Bewunderer und festesten Stützen des Zarismus beim russischen Volke verleumdet, dem wir angeblich den gestürmten Absolutismus wieder auszwingen wollen.? Daß das nur eine Heuchelei, eine zu durchsichtigstem Zwecke vorgeirommene Umkehrung der Wahrheit ist, leuchtet ohne lveireres ein. Beim deutschen Volke hat der Zar niemals irgendwelche Sympathien gcnoffeu, und in keiner deutschen! Zeitung aus all den Friedensjahren wird man eure Verherrlichung lerner Person Mi dem Garrz anders dagegen bei den Franzosen.
leint ein Blick in irgendtvelche französische Zeitungen, der letzten ^ahrzehntte, sogar in solche, die sich „sozialistisch" nennen, daß rn dem republikanischen Frankreich nichts mehr im Schwünge war, als eine unwürdige, man kann geradezu sagen, hündische Um- schmerchelung dos^ Sekbstl>errschers aller Reußen und aller Personen seiner Farnilie, sowie seiner Günstlinge! Wahrend des Krieges, als mmi von dem großen Verbündeten im Osten die Rettung er- 'hvffte, nahm dies Gebaren so groteske Formen mr, daß man sie nicht anders als byzantinisch bezeichnen kann. Es ist gut, das einmal aus Grund eines besonders bezeichnenden Beispiels festzulegen.
Vor uns liegt eine Nummer der „Lectures pour tvus" vom 1. Avril 1ll16, der Weitestverbreiteteii illustrierten Wochenschrift, die in Paris erscheint und dieselbe Rolle spielt, wie bei uns etwa die ..Woche"; sie hiird inHunderttausenhen von Exemplaren vom französischen Publikum verschlungen. Man muß es diesen Pariser Zeitschriften rühmend trachsagen, daß sie es verstehen, in geschmackvoller Ausstattung und in glänzend geschriebenen Artikeln ihren Lesern ernen Stofs darzubieten, welcher ihren nicht gerade hochstehenden geistigen Bedürfnissen entspricht. Aber welch niedrige Verhetzung, welch tödlicher- Haß gegen alles Deutsche spricht aus jeder Zeile, jedem Bild! Wir könnten unseren! Volke derartiges überhaupt nicht vorsetzen. Hier sei aus einen Artikel hin gewiesen, der „La cour de Russre" überschrieben ist mrd sich mit der Familie und dem Hose des Zaren beschäftigt. Da findet man die leberrden Mitglieder der Familie Romanow in cheatraliscken Posen abgebildet, selbst die kleinen Prinzen in ihren SpielurttförMchen, begleitet von einem lobhudelnden Text voll unterwürfiger Schmeichelei, wie sie ein bezahlter Hoffchrfftftetter nicht dicker auftragen könnte! Da lesen wnr von der Großfürstin Olga, „dieser graziösen Jungfrau", der „char- marrben Figur" der Großfürstin Tatjana, und auch der jetzt mit ieinem Bstter in der Versenkung verschwundene „Tsarewitsch" bekommt sein gebührendes Teil Lob ab. Daß der edle Zar selbst in all« Himmel gehoben wird, versteht sich von selbst, und man bedauert offenbar, nicht auch in Frankreich ein so vorbildliches Staatsoberkau Pt zu besitzen.
Das ist nickt etwa eine vereinzelte Entgleisung; die ganze fran- zöfische Presse der letzten Jahre ist voll von ähnlichen Artikeln, täglich wurde dem großen Freunde au der Newa Weihrauch gestteut. Man erinnere sich mir, lvie die offiziellen Vertreter des französischen Volkes schvD üov dein Kriege bei den Zarenbesuchen sich benahmen, wie sogar Führer der Sozialdemokraten den russischen Herrsck)er scküveiswedelnd umdrängten, der Tausende ihrer Genossen hatte hängen oder zur Zwangsarbeit in den sibirischst Bergwerken veruv- veileu lassen. Heute freilich ist das alles anders. Nun will man von dem ehemals vergötterten Zaren nichts mehr wissen und rühmt sich, den Russen zur Freiheit verholfen zu haben, »welche doch nur nffolge der Niederlagen errungen werden konnte, die deutsche Heere dem zaristischen Rußland bei gebracht haben.
Aber alles Lügen und Verdrehen wird die sranzösffche Republik nicht vottz der Schmach reinwaschen können, daß sie, um ihren Rachegelüsten zu fronen, sich mit der schlimmsten Th rannen macht der Welt gegen das friedliebende deutsche Volk verbündet hat.
Dießen, 25. Mai 1917.
** Personalnachrichten. Ter Oberlehrer Dr. E. Henning.er, der seit 1. April 1910 am Lhzeum und Oberlyzeum zu Görlitz angestellt ist, wurde mit Wirkung vom 1. April 1917 an die 15. Realschule Berlin (Mitte) versetzt.
** D i e n sts u b i l ä um. Heute sind es 25 Jahre, daß Vorarbeiter Wilh. Müller in städtischen Diensten steht.
** Die Goldankau fs stell e ist am. 26. und 29. d. Mts. g e s ch lo s se n.
** Stiftung. Herr Gustav Bock zu Berlin, der vor zwei Jahren die in der Ausstellungshalle des Kunstvereins untergebrachte Sammlung von Gemälden und Zeichnungen als Dr.-Hans-Bock-Stiftung der Stadt überwiesen hat, hat nunmehr in hochherziger Weise seiner Vaterstadt Gießen eine wei tere Summ lungvon60sehrwertv ollen Kunstwerken zugewendet. Es befinden sich darunter Werke von Th-oma, Kl ingar, Kampf, Trüb n er. Cvrinth, Dettmann, Pellar, Spitzweg, Liebe rmanu, Meyerheim u. a. Die Stadtverord- n e t e n - B e r s am m l u u g hat diese das Kunstleben unserer Stadt weiterhin fördernde Stiftung als Guftav-Bock-Stif- tung unter dem Ausdruck wärmsten Dankes angenommen.
** Kriegsteuerungszulage für städtische Beamte. Die Stadtverordneten-Versammluug beschloß in der gestern stattgehabten nichtösferttlichen Sitzung einstimmig, mit Wirkung vom 1. April 1917 den städtischen Beamten, Lehrern und Arbeitern eine einheitliche Kriegsteuerungszulage zu verwilligen. Die Zulage beträgt für Verheiratete 132 Mk. jährlich. Hierzu kommt für jedes Kino eine Erhöhung von 33 Mk. jährlich. Unverheiratete erhalten 72 Mk. jährlich.
** Dos fünfzigjährige Bestehen ihrer Synagoge in der Süd-Anlage feiert am ersten Psingst- tage die hiesige israelitische Religionsgemeinde. Ein Jahrhundert lang hatte die Gemeinde sich des noch heute in der ZoFelsgasse stehenden Gebäudes als Gotteshaus bedient, das namentlich bezüglich des Platzes ein getreues Bild der gedrückten politischen und sozialen Lage darstellt, in der sich die Juden im Mittelalter und bis tief in die Neuzeit hinein befanden. Die geringe finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde brachte den seit Anbruch einer für die Israeliten glücklicheren Zeit gehegten Wunsch nach einem würdigen Gotteshause zum Schweigen, bis durch die Tatkraft des damaligen Vorstandes, an dessen Spitze Moritz Hirsch stand, alle Bedenken zurückgedrängt wurden unb die Opserwillig- feit der etwa 50 Familien zählenden Gemeinde die Mittel für den Bau gewährte, der damals trotz seiner Einfachheit als eine Zierde der Stadt angesehen wurde und auch jetzt noch seiner Umgebung sich würdig einfügt. Mit denn Wachstum der Gießener Bevölkerung nahm auch die Größe der israelitischen ßseineinde in dem Maße zu, daß noch 25 Jahren eine bedeutende Vergrößerung des Gotteshauses vorgenoni- men werden mußte. — Anläßlich dieses Jubiläums hat der Vorstand der Gemeinde, dessen Vorsitzender Geh. Kommerzienrat Heichelheim ist, eine ansehnliche Suinme ols Stisttmgssonds bereitgestellt, über dessen Verwendung erst später endgülttger Beschluß gefaßt werden soll.
** Nochtdicnst der Apotheken. Tie Hirsch-, Pelikan- und Engelapotheke geben im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes bekannt, daß sie vom 21. Mai d. Js. an ihre Apotl>eken um 8 Uhr abends schließen. Der für dringliche Fälle bestehende Nachrdienst
beginnt in der diensthabenden t)lpotheke um 8 Uhr. Die Regelung >des Nacht- und Sonntagsdienstes bleibt ini übrigen lvie bisher.
Landkreis Gießen.
** Betten Hansen, 25. Mai. Der seit Kriegsbeginn im ^-elde stehende Gefr. H. Sie ul, Sohn des Landwirts Ioh. Georg Steul II., wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Die Hessische Tapfcrkcitsmedaille erhielt er schm voriges Jahr.
lü Lang-Göns,24. Mai. Dein Gefreiten Karl Schmidt, bei einem Art.-Regt.^ wurde die Hessische Tapierkeitsmedaille verliehen. Das Eiserne Kreuz erhielt er bereits früher.
Starkerrburg und Rhcinhesjen.
ha D a r m st a d t, 24. Mai. Tic hiesige Stadtverord - n e t e n -Versa in m lang beschäftigte sich heute nachmittag mit der Beratung des B o r a n s ch l a g s der Stadlkasse für 1917. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 10 506 700 Mark ab, wovon 9 895 300 Mk. auf die Verwaltung und 611600 Miark auf das Vermögen entfallen. Die VerivaltnngSauSgabenj weisen gegen das Borjaln eine Steigerung von 420 560 Mk. aus. Die Ausfälle von 75 000 Mk. an Verbrauchsabgabe und 130 000 Mark Mindereinnahme beim Schlacht- und Viehhof werden ausgeglichen durch die höheren Beträge i>er Genreindeumlagen; insbesondere auch der Waldungen. Im ganzen schließt der Voranschlag mit einem um 172 000 Mk. höheren Fehlbetrag ab als im Vorjahr, der durch die kürzlich eingesührte Erhöhung der Gaspreise ausgeglichen wird. Es bleibt ein Fehlbetrag von insgesamt 650 000 Mk. zu decken, der aus dem zurzeit 2163 000 Mk. enthaltenden Ausgleickisfonds entnommen werden soll. Die Gemeindesteuer bleibt dieselbe wie im Vorjahr und zwar 140,4 Prozent für die Einkommensteuer und 23 7 Ps. für je 100 Mk. Vermögen.
Kreis Wetzlar.
ra. W e tz l a r , 25. Mai. Mit Genehmigung der Stadtverwaltung wird zurzeit ans dem Sportplatz „Ochsenwiese" an der Bahn- Hofstraße unter möglichster Rücksichtnahme aus die sonstige Ver- wendl'.irkeit des Platzes eine Hindernisbahn für zeitgemäße Leibe-Übungen angelegt. — Amtsgerichtsrat Dietrich-Wetzlar und .Mark, ander 5tzeil-Brcmnfels erhielten beide das Verdienstkreuz für Kriegshilfe.
ra. Altenkirchen, 25. Mai. Musketier Emrl G a t h erhielt das Eiserne Kreuz. Er ist der dritte aus der Familie, dem diese Auszeichnung verliehen wurde.
vevrnsschte-.
* Kaiser Wilhelm als indischer Gott. Während des Weltkrieges ist Kaiser Wilhelm II. in Indien zur Gottheit erhoben worden, so berichtet eine angesehene englische Zeitung, .der „Rdanchester Guardian", und bei Idieser merkwürdigen Mitteilung stützt er. sich aus anrttiche Berichte aus Bihar und Orissa. Es handelt sich um einen indischen Eingeborenenstamm, den der Oraan, der im südwestlichen Bengalen aus der Hock>ebene Chota Nagpnr Ansässig ist, ein Volk von etwa 810 000 Kopsen, das in Feindschaft mit den Engländern lebt mrd. dieser Feindschaft des öfteren in offenem Ausruhr Ausdruck gegeben hat. Dieses bengalische Volk nun, so erzählt das englische Blatt, vercnrstaltet nächtliche Feiern, bei denen der Sonnengott und der „Deutsche Baha" Vater ange- rusen wird, >er solle die „Teufel" aus dem Lande treiben, wornnter die Engländer zu verstehen sind, damit das Land bessere Ernten und niedrigere Lebensmtttclpreise bekomme. Diese Verehrmig des deutschen Kaisers als Gottheit soll aus dein Fahre 1915 stammen. Der Eingeborenenstamm liatte erfahren, Das der deutsche Baba ein mächtiger Feind Englands sei, und beschloß, ihn um Hilfe anzurufen. Als die Engländer einige deutsche Missionare aus dem Grenzgebiete des Stannnes vertrieben, erhielt diese Bewegurrg neue Nahrung. Bon englffcher Seite ist sogar behauptet worden, diese Bewegung ginge lzum Teil aus die deutschen Missionare zurück, allein der amtliche Bericht erklärt ausdrücklich, daß hierfür keür Anhalt zu ffnden sei.
welttrieg und ttunstmartt.
Die Wirkungen des Weltkrieges auf den Kunftmarkt haben aller Bvraussetzungen gespottet. Er fft nicht zusanrmengebrochen: vielmehr ist die Nachfrage gestiegen, und das nicht rtirr aus dem Grunde, weil Geld, das etwa sonst für große Reffen verwandt irorb«n war-, mm für Kunstiverke verfügbar wurde, u-ein, es hat sich -auch herausgestellt, daß vielen Menschen Kun s t w e rk e und Kunstgenuß Bedürfnis geworden ttxnrsit und daß sie auch in der Kriegs- zeit dies .Bedürfnis nicht Unterdrücker wollten. Die Nachsragg blieb also groß und an Stelle des gefürchteten Preissturzes trat vielmehr eine Preissleigerung ein. Allein der Weltkrieg hat, lvie Emil Waldmann in einem fesselnden Aussätze im jüngsten Hecke von , Kmfft und Külfftler" -Verlag von Bruno Eassirer, Berlin) dargelegt hat, noch andere nachhaltige und bemerkenswerte Wi'ri- kungsn auf den Kunftmarkt ansgeübt. Dahin gehört vor allen Dingen die Stärkung des nationalen Elementes in der Knnftpflege und der .Kunstliebhaberei. Nicht nur in Deutschland allein macht man die Ersshrung, daß die heimische Erzeugmrg im Ansehen stieg, sondern auch in Holland, m den skandrnavffchen Ländern und in Amerika. Die holländische Schule, die Morls, Israels und Mauve, eiffuhren auf .Amsterdamer Bersteigermcgeu überraschende Betver- tungen: Werke von Btttuve kosteten rund 70 000 und 90 000 Mark, eckt Israels sogar beinahe 100 000 Aöark. Der Begründer der Barbizon-Lmidschaft in Amercka, Blockslock, um den sich früher drüben niemand gekümmert hat und der ins Irrenhaus wanderte, wird letzt von Newyorker Händlern mck durchschnittlich 20000 bis 30 000 Mark gekanff, ja das Museuni in Toledo (Ohio) hat eines seiner Bilder mit 80 000 Mark erstanden. Aehnlich ist der Vorgang in DeuffchlM,d. In den jüngsten Versteigerungen wurde ein Zügel mit 17 000 Mark bezahlt, eck: Böcklckp der ein paar! Jahre vorher 16 000 Mark gekostet hatte, fand jetzt für 21 000 Mark einer: Käufer; ein Bild des jungen Eichhorst erzielte 10000 Mark, -ein Werk von Haider 23 000 Mark. Für gute deutsche Bilder, die übrigens schon vor dern Kriege teurer waren, als Franzosen, kanir man »vvhl heute jeden Preis fordern und meff'teirs auch erhalten. Die „Konservenmacheriunen" von Liebermvnn wurdenj mit 60 000 Mark bezahlt, und selbst eine ziemlich belanglose Nebenarbeit dieses Künstlers hat 30000 Mark erzielt. Ein schönes, aber nicht einzig an Gitte dastehendes Nöcckrn.erbildnis von Lei bl, das für eine Galerie für etwa 120 000 Mark erworben ivurde- gilt als billig, Menzelsche Guaschen, wurden mit 60 000 Mark „notiert", und Wien kaustc einen großen Z-euerbach für 225 000 Mark, weil man sich sagt, daß man ff'rr Werke von dieser Bedeutung eben diese Preise anlegen müsse. Mit Riesenschritten rückt die Zeit näher, in der für einen großen frühen Menzel eine Viertelmillion auf den Tisch gelegt wird.
Dabei spielt der Ghauvinismus auf dem Kunstmarkbe doch keine Rolle. Der Preissturz der Franzosen, mit dem mancher Spekulant ^heimlich gerechnet haben mochte, ist nicht eingetreten, ja die Preise für ihre Werke standen ausnahmslos etwas höher als vor dem Kriege Cozannes „Tulpen", obgleich nicht gerade leckres seiner allerstärksten Bilder, brachten 40 000 Mark, Degas' mäßige „Tänzerinnen" 27 400 Viark, ein Bi8mistz»ps von Manet
31000 Vdarck 'Landschaften von Klonet 35 000 mrd 36 000 Mark, ein nicht sehr großer Akt von Renoir 26 000 Mark, ja selbst Franzosen zweiter Güte, die wir wirklich nicht brauchen, wie Bonnard mrd Denis, ^erzielten noch immer 5000 Mark. Ans denr Gebiete der alten Malerei dieselbe Erscheinung eurer starken Preissteigerung. Beispielsweise wurde ein mäßiges Durchschnittsbild von Crarrach, das viellei^cht selbst nur ein Werkstattbild ist, mck 12 000, und ein schlechter MaeS mit 11000 Mark bezahlt - das sind Kriegspreffc. Tie Versteigerung Moll lehrte, in welchem Tempo die in Deutschland bisher immer etwas schsvierrgen alterr Italiener gestiegen sind. Eine BLadorma von Giovanni Bell im erzielte im Jrrni 1913 bei der Versteigerung Nemes 60 000 Mark, während die Nivllsche genau das Sechsfache brachte, beinahe eure Viertel- mcklion Mark. Aehnlich liegen schließlich die Verhältnisse ans dem Markte ff'tt alle Kunstgen»erbe.
Der groge SUberkelch von Antiochia.
Tic ältesten Darstellungen von. Christus und den A poste ln?
Im Jahre 1916 wurde^ beim Graben eines Brrumens zu AnliockM am Orontes in Syrien in aufgedeckteu unterirdischen Kammern neben einer größeren Anzahl gänzlich zerbrvchmer Silbergegeifftände eine Reihe von wohlerhaltenen, überaus wertvollen Albergeräten aufgesünden. Es waren dies zwei Kelche, drei Buchdeckel und ein großes Zeremouiallreuz. Tie Ausgräber verkauften den Fmrd :roch im selben Jahre an die gegenwärtigen Eigenttimer, die Brüder Konchakji. Bei Ausbruch des Krieges wurde dieser kostbare Schatz zur größeren Sichttheit aus Paris nach New Pork überslibrt, wo er vmi den ersten amerikanischen Fachmännerir untersucht worden ist. Während die Buchdeckel ins 5. Jahrhundert gehören, ist der große Kelch- sicher noch in das erste Jahrhimdert nach Christus zu setzen. Ta die Ortsüberliesernng von einer großen chrfftlick>m Kathedrale zu Antiochia, der christlichen Glaubenszeuttale im Osten, in den friihen Jahrhundenen des Christentums spricht, so mögen die Gegenstände zu einer alten Antiockiiaer .Kirche gehören.^ lieber das Haupfftück des Schatzes, den 19 Zentimeter in der Höhe rmd 18 Zentimeter im weitesten Durchmesser messenden Kelch, hat nun Gustavus A. Eisen im „American .Journal of Arckasology" eure Untersuchung veröffentlicht, aus der 'lxervorgeht, daß das e-tiirf nicht allein künstlerisch von seltenem Wcxte ist, sorrdcrn, möglick-erweise durch die den Kelch schmückenden Gestalten Christi irnd der Apostel auch eine ganz außergetvöhnlich geschichtliche und veligimrsgeschichtliche Bedeutung besrtzt, ckrdem diese Gestalten^ nach dem ameritanischien .Forscher überhaupt die ältesten aller Christus- und Aposteldar stellu n ge n sein sollen Die „Kunstckr.ronik" oer- öffentlichit einen lehr mris-'Unstreichen Bericht über Eisens Abhandlung. In seiner Form, Technik und Ausschmückung kann der Kelch von Antiochia im allgemeckren mit denr ungefähr gleichzeitigen Silberschatze von Bvscvrsale verglichen werden. Tie tünst- lerischeir Derzreruilgen und Bildnisse müssen von einem Meister hergestellt worderr sein Das Orrraineirt besteht aus einem ver- wicketten Rahmenwerbe von Weinttauberr, deren Relren zwölf
Rahmen bilden, in denen jeweils eine sitzende Figur dargestellt ist. Diese Skulvttiren sind höchst künstlerisch und in einem 'durchaus iraturalistrschen Sttle hergestellt, und zwar in zwer Gruppen, Von denen jede irach einem Christus oder nach einem Täufer hin schaut. Die Deutung der beiden Mittelfiguren ist nicht ganz sicher: sie mögen zwei verschiedene Darstellungen von Christus sein und den Täufer throneird darstellen. Die eine dieser Figuren gleicht der des Kaisers Augustus auf dem Boscoreale-Becher, während der Thron mit dem jugendlichen zwölfjährigen Christus dem des lugendlichen Augustus auf deni gleichen Augustus-Becher gleicht. Die Avostel haben alle dieselbe Stellung, viele tragen Schrift- rollen ckr den Händen, einer scheint eine Geldbörse, ein anderetz vielleicht ein Schwort zu halten. Die Köpfe sind nicht allein vott außerordentlichem künsllerischen Werte; sic zeigen auch Individualitäten, die nicht aus bloßem Zusalle beruhen können. Eine derartige Individualisierung in der antiken christlichen Kunst hat fickt bisher erst im 5. Jahrhundert feststellen lassen. Das überraschende Ergebnis, zu dem Eisen kommt, ist dieses: „Es erscheint unwabrschemlich, daß ein Bildhcmer 12 Köpfe und Gesichter so verschieden und streng individualisiert hat darstellen können, ohne das; er die dargestellten Persönlichkeiten oder wenig st ens zuverlässige Bildnisse von ihnen vor sich hatte, die ihn geleiter haben. Jedes her Bildnisse auf denr Kelche zeigt gmrz ungewöhnliche Charakteristtken, wie nran ,'ie außerhalb der klassischen Bildhauerkunst selten findet. Christi Antlitz scheint göttlich. .Kein folgender Künstler hat in seinenr Antlitz solche Süßigkeit und solche Liebe wiedergeben können, wie sie auch die schriftliche Ueberlicsermig von Christi berichtet and wie sic also hier zum ersteu Male verwirklicht ist. Ebenso merkwürdig sind die Köpfe der Apostel. Jeder trägt -einen Eharatter und doch ist jeder Kops mir einten Zentimeter bock. Zu bemerken ist noch, daß die Echtheit des Kelches urrgends bezweifelt wird. Ter innere Kelch scheint eine besondere geheiligte Relignie gewiesen zu fein, und der Skulpturenmantel wurde hitrzugefügt, zugleich um ihn zu erhalten und um ihn zu schmücken.
Die Berlepfche Vogelfammlung.
Frankfurt a. M., 24. Mai. Nach dem Jahresbericht des Senckenberg-Museums ist nunmehr die iveltberühmte und wissenschaftlich hochbedentmde Bogelsamnilung des Freiherrn von Berlepsch trotz riesenhafter Angebote englischer und amerikanischer Museen nun völlig in den Besitz des Senckenb-erg-Museums über«' gegangen. Dieses 'hat damit eine Bereicherung an ornithologjselten Schau stücken erfahren, wie sie zurzeit kein anderes Museum Deutschlands aufzuweisen hat.
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W i e n, .25. Mai. (Priv.-Del.) Wie die Korrespondenz Wilhelni erfährt, steht die Direktton des Hosburgtheaters mit Alexander Girardi in Unterltandlnngen, deren Abschluß nahe bevorsteht. Girardi wird voraussichtlich mit Beginn des Jahres 1918 in den Verband des Hosburgtheaters eirrtteten.


