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11.5.1917 Zweites Blatt
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«r. «o Zweiter Blatt

Erscheint läßlich mtt AuSntchme de» VsnntagS.

Beilagen:Gietzener ZamNlenblatter'' und Ureisblatt für den KreU Sietzen".

Postscheckkonto: Kranffurl an-. Main Nr. U 686 .

Vankvrrkehr: Hewerdebentt Sietzen.

ltzk. Jahrgang

Senerar-Anzeiger Kr Gbechefien

SveUag, ((. Mai W

Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'jcheUniversttäts-Bttch-u.Steindrnckerei.

R. Lange, Gießen.

LchrifHeitung, Geschäftsstelle und DrAckerei:

Schulstraße 7. Geschäftsstelle u. Verlag:

Schristleiturrg: 112,

Anschrift fflrTrahto.achrtchten.'AnzeigerGiesten.

Mb. Deutscher Reichstag.

104. Sitzung, Mittwock-, 9. Mai. (Schluß.)

Der Marinvetat wird bewilligt.

ES folgt der Etat der Schutzgebiete.

Mg. Woldstein iVp.) berichtet über die Ausschnßverhand- llmgen iaib spricht der Schntztruppe in Deutsch-Ost-Asrika und ihrem Führer Oberst mm Lettow-Vorlxeck den Dank aus. (Bravo.)

Al^. Dr. ?! reudt (D. Fr.): Wir wußtet:, daß imsere Kolo­nisten der Uebermacht nicht dauernd Stand halten konnten. Mit Stolz blicken itrir auf tmsera Schrtztruppe. Die Behandlung der Missionare rmd ler Fraisen fällt axt{ die Urheber dieser Bel-mrdlung ärrrück. Int ganzen detttschcn Volke hat dieser Krieg den 5ivloni al­gedanken wachg.chalten.

Der Etat der Scktttzgtckietr wird bewilligt.

Es folgt der Etat des Rei chs koloni al a m ts.

LiÄg. Noske <Soz.): Wir hoffen, daß es Deutschland ge­lingen nnrd, auch lstnsichtlich der Kolovrien unversehrt auS dem ükriegc hervorzüc-eel-en.Keine Wmerimren" gilt mich für England.

Abg. Dr. Thpina (natl.): Die Kolonial-Deutschen müssen reick-lich entschädigt werden, und zwar von den Schadenstistern. Die Kolmrial-T-eutschen nrussen in ^die Entschädigimg-sfeststellung ein- l^-ogen 'werden, damit nrir im Friede:: rechtzeitig unsere Rechnung ausmackten lönnerr. Um England lvürde sich niemand kümmern, luenn nicht d-> Kolon iainnrcht dahinter stände. Ebenso Hot Deutsch­land seine ltoion.ialpod.tik aus wirtschaftlichen Gründe:: zu kultu- !' tb ideellen Zwecken getrieben. Wir erwarten auch für die tz.olviriei: einen, starken deutschen Frieden. (Bravo!)

Mg. v. B ö i'j len o or f- l pin skons.): Unfern Kolonial- Dentsck>en, insbesondere der Schutz rruppe mit ihrem Führer von Zettow-Borbeck, gebührt unser meeingeschränkter Dank. Wir trauern tnck-t um das Verlorene, wir gewinnen die Kolonien wieder: mora­lisch isaben wir sie schon wieder gewonnen. Für den Friedens-' gädanken ist c? an: besten, man arheftet viel ftir ihn und spricht nwrng davon. Bravo!)

?log. W <:! d st e i tt (Vp.): Die Kolotrial-Deutschen ntüssei: hin- ftchtlüd der Eickschlidigungen den Reichsdeutschen gleichstehen. Be- »nders erneut l-aben^ in ich die Ausführungen des Abgeordneten NoÄe, das; ar . . die Sozia!dernokratie die Unversehrtheit der Kolo­nien verlangt.

Mg. Schwarze -Lippstadt (Zentr.): Das Schicksal unserer Kolotrien wird auf den europäischen Schlackstftldert: er.tschieden. Wir müsftu unsere Kvlomen^wieder bekommen.

Mg. £> o i: f c Soz. A.-G.): Wir stehei: der Kolonialpolitik, die bisher getrieben wurde, nach wie vor ablehnend gegenüber.

Stalchssekr-elär Dr. Sols: Für die anec leimen den Worte für die heldenmütig' Altung imserer Schutztrttpve mtb unserer Kolo- ui-al-D'enitsrlwm danke ich herzlichst. Die Regierung ivird sie nicht rat Stich lassen. Den Ahg. .Henke zu bekehren, nruß ich ausgeben. Daß der Mg. Rost' sich nameirs der 'Äozi-albeinokratie für die Kvlsin-cklpolittk Lnsgesprocheu hat, ist die beste Anerkemrmrg für uns. Die Eiuge'ovrenr.N'-'PoMä des Frhrn. v. Rcchenberg ertz leichtert das so lret'denmrüti-g« Durchhauen in Ostasrika. (Leb- !>after Deisal!. Mi; Aus-mchme des Vertreters der Hansestadt Bremen, Hern: .Henke, (Heiterkeit) inacht der^ ganze Reichstag ie Kelonsalpoliiüi mit. Er tvird den Wrederansbau der Kolonien ulitmachm. den ich mit positiver Sicherheit vor mir sehe. (Leib­hafter Beifall.

Der Etat' loird bewilligt.

Ohne Dedette wird der Etat für das Reichsmilitärgericht und der Etat der Reiärsschnkd bewilligt.

Beim Etat der allgemeinen Finantzvern-altung spricht

Mg. Zimmermann (7«ttl.) der Reichsbank den Dank aus für gewaltige Lersttmg. Ihr Umsatz überschrefte nn letzten! Jahre 1 Msli.au und fei großer als der Unffatz aller anderen! Weltinstituck'. Dun Geldmarschall Havcnstein gilt unser beson­derer Dank.

Der Etat der allgemeiwO: Finanzvenvultuug wird bewilligt,

ebeifto das EbUsgesetz.

Damit ist eie z:veite Lesung des Gesamletals erledigt.

Kächste Si'.ung Donnerstag, 11 Uhr. (Deutsch-türkische Ber- träge, Eru älnur. gssragru.)

Schluß gegen 8*/, Uhr. /

105. Sitzung des Reichstags.

Am Biutdesratslis-rkre die Staatssekretäre Tr. Helssrrich und Zimmernmm: und Ministerialdirektor Tr. Kriege.

Präsident Dr. Kamps eröffnet die Sitzung um 14% Uhr. Auf der Tag svrdnwug steht zunächst die erste Lesung der deutsch-türkischen Verträge.

Staatsseü eiin Z i nt nt erma u n führt aus: Die Msicht der Verträge ist, Auen Ersatz für die Kapitulation«: zu schassen. Die Kapit-ulati.o7.-eu srnw» ursprünglich ein Zeichen dafür, daß die Fremden in der Türkei nur geduldet und sich selbst überlassen ivarcm. Mit d?-: Zeit haben sich die Kapitulationen zu einem VorreckN der Frvmden heratisgebildet, die eine bevorzugte Stellung g« nosscn. Das ist von der TüWei als ein großes Nebel empfunden worden, nauruttlich als die Japaner als Artgehörige eines nicht- chnstiichert von der Gerichtsbarkeit befreit ^wurden. Ueöer-

dies ist die Tür'ei seit 1908 ein Verfassungsstaat. Es war daher siwu vor dem Kriege der einzige Wunsch der Türkei, die Kapi­tulationen abpisch-asscit. Dielen Wünsch htat auch die Entente aus zu-- uütLu gesu-w., um der Türkei die Abschaffung der Kapitulation en kwgen eine w AZ nullende R-eutvalität ccnAubieten. Die Türkei hat ober daraus nur den Schluß g-ezogen, daß die Kapitulationen abge- schafft roerden müßten, uard ist wvnige Monate später als Bttndcs- gciwsse an unsere Seite getreten. Sie hat sich als unser Verbündeter bewährt mrd^große Erfolge erzielt. Deretschlaud hat anerkannt, daß für die Türkei die Abschaffung der Kapitulationen das oor- neh:nr:-c, wm:n uickck das einzige .Kriagszielt sei, denn die Türkei ist <-'ori:sownrig Zvre wir in den Krirg gezögert, um Eroberungen zu mastunt. Daß fi-e dieses Ziel arreickü, dazu will ihr Deutschland belwii. Wir lu-i.cn Wert darauf, daß die Türkei sch kraftvoll und selbständig ttit'.b ckeln kann. Wenn das erreicht werden soll, darf unru sich aber Mehl aus N..>gictttyneu beschränken, soirderit es rnuß alten Verhältnissen Rechnung getragen werden und an die Stelle ' Akten ntuf; etwas Neues treten. Die Reichsbntnng glaubt durch die vor!'.egenden Verträge diese Alrfgcrbe gelöst zu haben. Zur Pft'ege der beiderleiluEvr Interessen und zur Erreichung der beiderseitigen M neg^ielc bitte ich Sie, d:n vorliegenden sieben Vertragen lnög- ^l-lhst bÄd.ntch einlTellig Ihre Genehmigmtg M erteilen. (Beifall.)

Mi:liirerialdirektor Dr. Kriege gibt ausführliche Vdittei- lurtgeit über die Verträge und über Bcstünmungen der eillz-el.nett Verträge, i.n sich auf brc> Völkerrecht, das össenffiche, religiöse mrd Recht oezielM. Er führt aus: Das Werk war schwer. Zum ersten Male nt 4a den Verträgen rricht die ftmtzösische Dipkomateti- Ipvache vcvenldel worden, sondern dte beiderseitige Lattdessprack>e. Dte Mianmnz des türkischen Wortlaittes, ztt der lrervorraaende Kenner der Lürcuchmt Sprache lnnzng^ogelt wurden, mackste große Arbett. Wtr hofteyl, daß unter diesem nnten Recht die Freiheit und dte Selbständtgkeit der Türket in einer ftiedlicRn Staaten- gemein schlaft ihre gesunden Gaben und .Kräfte betätigen wird, nicht zuletzt zu Nutz tind Frommert des verbündetest Deutschen Reiches.

. Mg. Dr. v>pa bn sZcmtr.): Wir hoffen und wünschen, daß dme Vertrage der gurket «me sriedlicl-e Entnstcklüng sichern wer- dm zum Vortetl des Bündirffses zwischen unseren beidett Ländern.

Mg. Landsberg (Soz.): Wir beglückwünschen die türkischen Verbündeten dazu, daß es ilInert gelingt, sich von den drückenden, knechtenden^ Fesseln zu befreien, die das türkische Volk an der vollen Entfaltung der Kräfte verhindert haben. Wir hoffett, daß unsere türkischen Bundesgenossen reckst bald diese rmsere Glück­wünsche an uns znrückgeben können. Wir bedaucrtt außerordentlich, daß die Verträge nicht mehr geändert werden können.

Abg. Tr. v. Liszt (Fortschr. Bolksp.): Auch meine politisck-cn Freunde tragen keftte Bedenken, dett Rechtsverträgen ihre Ge- nehmtglmg zu erteilen. Wir begrüßen die Verträge, namentlich hinsichtlich des Begriffes des politischen Verbrechens.

Mg. v. Kreth (kons.): Für uns ist es ein befriedigendes Ge­fühl, daß Deutschland init der Türkei als erste Großmacht derartige Verträge abgeschlossen bat. Wir haben volles Vertrauen zur Türkei und sind überzertgt, daß auch diese Verträge zu einer glück­lichen Entwicklung der Türkei beitrageit werden. Wir sehen die Türkei nicht als ein Objekt der Ausbeutung ent. Wir sind ihr für ihre militärischen Leistungen dauernd dankbar. (Beifall.)

Abg. Thoma (nat.-lib.): Wir begrüßen die Verträge, die für die Türkei die Entwicklungsfähigkeit sichern. Die Freundschaft mit der Türkei ist eine alte Uebevlieierung in unserer auswärtigst Politik, und das militärisck)e Bündnis ist für alle Zeitert ent 91darkstein in der Geschichte der beiden Länder.

Abg. Zertin (D. Fraktion): Wir stimmen den Verträgen zu, auch dein Auslieserungs vertrage, der unserem monarchischen Gefühl entspricht. Für die Türkei Hubert ir eine rmüegrertzte Wertschätzung. Die Nennen OKrllipoli, Kut-el-Amara und Gaza erden von uns geseievt, als wären es deutsche Siege. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Stadthagen (Soz. Arbeitsge.): Tie Verträge ürrden anders ausgefallen sein tu ihren einzelnen Bestimmungen, wenn der Reichstag vor dem Abschluß von Verträgen zrt hören gewesen äre. Dem Ausliieferüng'.s- und dem Nieder lasst nt gs vertra g ionnett unr nicht znstimmcn. Die Ausheburtg der Kapitulationen ist gewiß ein Vorzug.

Abg. Freiherr o. Richthofen (nat.-lib.): Die Bedenken müssen zurücktreten hinter der starten politischen Bedeutung für die Zukunft Deutschlands rtnd der modernisierten Türkei. Erst mit der Aufhebung der Kapitulationen ist das neue Leben in der Türkei tnöglich geworden. Die heute vorliegenden Verträge sollen die Grtlndpseiler für das neu zu erbauende türkische Staatswesen sein.

Ministerialdirektor Dr. Kriege: Es ist ausgeschlossen, daß politische Delikte extra zu Mslieserungsdelikten gentacht werden sollen. *

Damit schließt die erste Lesung der Verträge.

Es folgt sofort die zweite Lesung.

Mg. Tr. Sv ahn (Zentr. > beantragt die En-bloc-Annaknne der Verträge, nrit Ausnahme der Auslieserimgs-, Niederlasftmgs- ttnd WehrfliMigen-'Verträge.

Die En-blor-Annahme der Verträge erfolgt. Die beartstandeten Verträge Pferden in einfacher Ubstimttrnng angenommen. Jrt der sofortigen dritten Lesung werden die Verträge gleichfalls ange­nommen, ebenso die Ansführungsbestimmungen zu den Verträgen, sowie dieZReckstsverträge, dte sich auf das Schutzgebiet beziehen.

Präsident Dr. Kämpf bittet um die Ernräckstigung, dar osmani'icküen Kammer Gruß Und EK'ücklVunsch zur glücklick)eir Erledi­gung dieses großen Werkes überinitteln zu dürfen. (Lebhafter Beifall.)

Daraus ivcrden

die Ernährungsfrage»

erörtert. Den Bericht über den Wirtschaftspkan erstattet der Abg. Dr. Matzinger (Ztr.), während dessen Ausführungen der Präsident des Kr ie gserit ährun g s anttes v. Batocki am Btmdesrats- tische erscheint.

Der Berichterstatter stellt fest, die Ausschnßberatungen hätten ergeben, daß die dütreide- und sonstigen Vorräte ausreichend seien und daß bei der bisherigen Opferwilligkeit des Volkes das Durch­hallen gesichert sei.

Abg. Mertin (D. Fr.) erstattet den Ausschußbericht zur Denkschrift über die wirffchastlichen Maßnahmen während des Krieges.

, Der Berichterstatter für die Petitionen, Mg. S tu b b e (Soz.), verzichtet auf das Wort.

Präsident des KriegserttährungSamtes v. B a t o c k i: Die Grundlagett unserer Volksernährung erscheinen unseren Gegnern für ^ einen Krieg unhaltbar, da wir 40 Prozent unserer Be­dürfnisse aus dem Auslande beziehen müßten, zumal der Mehr­bedarf des H-eeres 'hinzukomme. Diese Erwägungen der Geg­ner entbehrten nicht ganz der Begründung. Tatsächlich macht sich, je länger der Krieg dauert eine wachsende Knappheit geltend. Wir können froh und dankbar sein, wenn es unserer lündlvirtsichaftlichen Bevölkrwung gelingt, die Erzeugung auch nur einigermaßen auf der Höhe zu erhalten. Die unbestellten Flächen in den feindlick)en Lmtdern, oie nicht abgesperrt sind, nehmen viel mehr zu als bei uns. Man hoffe aber nicht, daß man durch hohe Preise oder durch eine Zwangspwduktion die Erzeugung wesent­lich höher rrtachen könne. Wir haben mit enter großen Knappheit ziürechnen. Damll haben wir uns abgesunden. Das Ziel muß sein, die Erzeugnisse richtig zu verteilen zwischen Mensch und Tier. Darin ist Kweifellos bisher viel gefehlt worden. Die großen Städte und die dichtbewohnten Jndustriegt'biete machen die Verteiluttgs- arbell auch nicht leichter. Gelingt es nicht, diese Zentren zu ver­sorgen. so bricht unser Wirtsck-aftsleben zusammen. Der freie Handel wäre nicht imstande, die Vevölkeritng in zwölf Monaten mit einer Ernte zu entäTjrcn. Beim freien Verkehr würde nichts zurückgehalten, wohl aber überverbraucht werden. Die Erfassung der Erzettgung muß lückettlos sein. Jede Lücke bedeutet eine Preissteigerung. Ich erinnere dabei an die Gänse. Mir sehen, daß unsere Feinde uns die Ratiotuerung nach- ntachen. Das Brotkartensystem ist aber in unserem Sinne für Eng- laitd undurchführbar. Man hüte sich aber vor eitter übertriebenen Kritik von Klubsesseln und teuren Mietetr. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den Leistungett der Lletnter. Die Ärbeitsfreudigkeit wird durch solche Kritik nicht gefördert. Ein weiterer Mangel liegt in dem Verdeüberl der Wären, der Eier, Kartoffeln mtb des i Schweinefleisches. stdeun Zehntel des Behaupteten sirrd falsch. Ein kleuter Teil nur trifft zu. Bed-auerlich ist der Schleichhandel, gegen den nur mit Hilfe des Publifftms angekämpft werden kann. Von enter solchen Untersttttzitng ist aber keine Rede. Fair das nächste Jahr wird ob Krieg ober Friede mit einer Knappl-cit zu rechnen sein. Bei Obst und Gemüse wollen wir jetzt der: Kleinhandel walten lassen. Hoffentlich gelingt der Versuch. Die Organisation wird weiter auszubauen sein. Die größten Schüvierigkeiten bilden aber die Bestandsauffrahme und Bestandsschätzung. Das letzte Jahr war abnortn. Der ungewöhnliche Frost hat unsere Kartosfelvorräte er­heblich geschnwchr. Wir hattet: den Schade:: aber zunächst weit höher eingcschätzt, als er nachträglich tatsächlich war. Ein Fehler war es ferner, daß wir zu spat in dett Schweinebestand eingegriffe:: haben. Unsere Hoffnung auf Rumänien darf nicht übertrieben wer­den. Gewiß werdeit wir enteit erfreulichen Zuschuß von dort be­kommen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß unter englischer Führung das Land gründlich vernichtet worden ist. Unsere Ber- bündeten können nichts abgeben. Die Türkei und Bulgarien führet: schon viele Jahre Krieg um chre Existenz. Ihr Wirtschaftsleben hat dadurch sehr gelitten.^ Auch Oester eiH-Ungarn kommt nicht in Betracht. Weit größere fruchtbare Teile sind dort in den Händen der Feinde als bei tttks. An: scUrmmstetc statrd es mit der Fett-

er-eugung. Durch unsere Desamckerungspolitik sind tvir aber fttt ow Znktlnft gesichert. Die Koblrübenwocknnt haben unsere Sorgen vermehrt. Die Kritik wurde lebhafter. Jeder Mensch ist ja Sach- ve:ständiger auf dem Gebiete der Ernährting, und jeden Krllikev lvhe ich m,ir daraufhin an, ob er nicht geeignet ist für mein Amt. Bisher habe ich aber noch keinen Ersatz gesunden. (Heiterkeit.) ^ich brauche die Mitarbeit des ganzet: Volkes, nametttltch der Be­hörden. Bei der Kritik sollte mehr Verständnis herrschen zwischen -ladt und Land. Ich hoffe, daß trotz der großen Schwierigkeiten! uird Anforderungen der nächsten Zell bei dem bewährten (leiste unseres Volkes alles überstanden wird. Gerade vor einem Jahre drohten unsere Gegner mit dem Hnngergespenst. um unsere Truppen würbe zu machet:. Ich bin sicher, daß diese Hoffnung der Feinde auch diesmal znsammettbrechett wird, und daß wir siegreich be­stehet: werden. (Beifall.)

Abg. Lederer (Ztr.): Wir dürfen nicht n:it dem Dank an dich. Lmrdwirte zurückhalten. Uttser Schicksal ist unzerttenttbar ver­bunden mit der Landwirtschaft. Hätte die Lartdwirtschaft ihre Schuldigkeit nicht getan, t-v wären wir längst verhungert. Dir Dezentralisation ist das beste Mittel gegen die lieber zeit tratisatipn« Darunter leidet die gcrttze Bevölkerung. Man muß nicht nur dick Stimmtmg bei den Arbeftert: erhalten, sondern auch bei den Bcntern. Wurde der Bauer einmal streiten, so luüre das unser Untergang. Die neu entdecktet: Brotkartensabrikeit tragen, ernens grüßten Teil der Schuld cn: dem Mangel. Nicht die Verfütterungj an das Vieh, auch die Hamsterei ist mitschuldig. Mit den Prrx dukten der Lcntdwirte. werdet: itt der Großstadt die unglaublichsten Preise erzielt, ohne daß die Bcntern auch t:ur einen Pfennig mehä Gewinn habet:. Die Battern habet: den besten Willen. Das beweist die Bereiltmlligkeft, Stadtkinder atrfzmiehmen. Deshalb^ wollen! wir ben. Gegensatz frischen Stadt und Latid, zwischen L-üd und Nord nicht verschärfen. Die Bauern helfen uns den Krieg Winnen. Mit Ehrfurcht, Stolz mrd Dankbarkeit mt'issen wir ihren Hevoismrlrs atrerkennen.

Mg. Schmidt-Berlin (Soz.): Der Vorredner hat für seine Ausführunget: keitterlri sachliche Begrüitdung herbeigebracht. Dell Blw.-ern, den er meinte, hat er sich selber ztrrecht gemacht. Nicht ein Wort haben wir gehört von der Not de'.- (Großstadt. Narr von bex. Not der Bauern hat er gesprochen. Der Präsident des Kriegsernähtantgsamres hat Fehler zugestmtdei:. Den Vorwurf tonnen wir ihm nicht ersparet:, daß> wir ans alle diese Schwierig-, leiten hingewiesen haben, ohne daß was erfolgt wäre. Der stütz- zeitige Ausdrusch ist nötig, um die Bestände in die ösfctttlrchck Bewirtschaftmtg ztt bekmnmen. Der preußische Landwirtschasts^ minister ist doch der Vater aller Hindernisse. Es ist klar, daß der Einfluß des größten Bnttdesstaates rmheilvoll wirken muß für die ganze Wirtschaft. Die Versorgung nrit billigen Fleischrativneni muß in allen t^emeindeU durchgesührt werden.

Daraus wird die WerterberirttMg aus Freitag 11 Uhr vertagt^ (Außrrden: Älltsragen.)

Schluß nach r/»7 Uhr.

Die Rlchürmen für die Verteilung des Linmachczuckers.

Nach der jetzigen Lage der Zuckerivivtschaft hrtt es sich ermög- llchlm lassen, statt der ursprmtglbch vorgesehenem 000 000 Dvppä- Zetttner 900 000 Doppelzmttner Zucker für die häusliche Obstora- N'.erttr.tg in diesem Jahre bereit Ar sULlen. Im Vvwigen Jahre sind zahlreiche Beschwerden über die ungleiche UnterverisLung des für die häusliche ObstwettverLung zugoteiÄrm Zuckers entstanden, ins- besvtchere darüber, daß die ZutÄlung in den benachbarte!: Bezirken: sehr -.mgleich gehandhabt wurde.

Die Verteckung auf die Bundesstaiaber: erfolgt unter Zugrunde-- legtmg der ZaUen d-r Obstbämne, ausschließlnh Wälnußbäume und der Bevölkerung, die zu gleichen Teilen berücksichtigt werden. Die Aufgabe der VUndesregieritTtgen^ tvird es sein, die Kommunal- verbände zu einer möglichst sachgemäßet: und gerechten Verteilung uird Berwendtmg des Emumchezttckers anzu. halten. Um be: der U.ttterperteiltkng des Ennnachezitckers größtmögliche Gleichrnäßig-, keil zu erveiä^etr, sind die nachstehenden Richtlinien ausgestellt: worden.

Die Herstellung vton Brottrttfstrichmrttelt: ans nicht v-erteilleve Einmackezucker dawck^ die KvnmrtrmMrrbände ist nur mit besonderer OKnelMigmtg der Landeszenttalbehörden oder der'von ihnen de- stimntten höheren Vevwalttntgsbehörden zulässig. Soll mehr als Vs der dem Komtnunätoerbanl) zugereilretr Men-gon m: Eir.mache­zucker zu Brotaufstrich verarl^eiteL werden, darf die Genehntignüg hierzu mir im Einverttehmen mft der Reichs zuckerstelle erLeAj ttierden. Zur Erlangung der Genehmigung hat der Kvntmunal- verbrnd den Nachweis zn führen, daß es nach den Verhältnisse!:! seines Bezirks nicht zweckmäßig ist, den ganzen ftir die häusliche Obstverwertmrg zugetollten Zucker für diese zu vettrettden und daß er ferner in der Lage ist, die sachgemäße Verarbeituttg tmd Her­stellung einwandfreier Ware zu gewähÄeisten. Bet der Erteilung der Gemchnncpmg ist der Kommunalverband zu verpftichten, den aus erspartem Einmachezuckcr hergestellten Brotaufstrich, abgesehen von der Bersorgtntg der Kvarckmaustalten, dorzütgsweise denjettigut Bevöllerttngskreisen zukvmnten zu lassen, die keinen Emmackzezucker erhalten habe,:, und sich zugleich die Gendtzmigtrng des Wsalzpreffes vorznbehalten.

Eitnnachezucker soll wtr au .Haushallungett. nicht an Einzel- persmten ohne eigenen Haushalt und an die Haushaltungen wieder nack) der Zahl der HaushalllMgsangetzorigen abg egebeit tverdert. Es soll keinem Haushalt mehr zugeteilt ^werden, als er billigertverse für die der Kmegsktmppheft etttsprechettd in bescheürenen Grotten zu haltende häusliche Obstvettoertung beanspruchen kann. Be: der etwaigen bevorzugten Berücksickstigung der O bstgartentesitzer soll vermieden werden, daß der Obsttzüchter zn übermäßiger Jitanspruch-- nähme des Obstes M-grmsten des späteren Verbrauches im eigenen Haushalt an Stelle der Beräütßerung an andere Verbraucher ver­anlaßt wird. Gegebener:falls ist der Obstzüchter im Verhältnis zn seiner vorzugsweise:! Belieferung tnit Einmackrezitcker zu ver- vftick.'sten, einen besttmtnlen Teil des eingemachten Obstes für Lazarette oder ähnliche gemermrützige Zwecke gegen angemesiene Bezahllmg l>erzugeben. Das 5striegSernährungsatnt wird einig« allgemeine Richtlinien für die ziveckmästige Vorlvendung dos Zuckers T>ei der 7-äuslichen Obstverwertung iit geeigneter Form bekannt geben und dadttrch die Komttrmtalvecbätlde i.tt dii' Lag« versetzen, an alle Hanshalttmgen, die Eirnnachezucker erhalten, eit: sstäerkblatt ähnlichen Inhalts, das ecsorderlick>en:alls den be­sonderen Verhältnissen des Bezirks angepaßt werden kann, nr- kommen zu lasset:. Eine trochtnalige Zcheillmg vcm Ernmachezncker im Herbst aus der uarert Ernte, wie im vergangenen Wirtschafts­jahr, -wird in diesem Jahre nicket stattsinden. Dagegen soll es den Kdmnnmalverbättdet: Mbetwmmen bleibet:, um die für das Einmachen ausgegebenen Zuckerntenger: ztt vermehren, etwaige Rücklagen jetzt zu verteilen und es ferner den Verbrauchern zu ermöglichen, crnster den: Einmachezucker die ft'cr den aßgrmeiiten Verbrauch der nächsten Monate bestimmten Anckermengen schon jetzt zu beziehen, soweit eine zweckmäßige Verwenduttg gesichert erscheim. Wird sogenannter Mmtdzttcker vor den: eigentlichen Vevtvendrmgs- nwnat zu Einloch- oder sonstigen Zwecken hercrusgegeben. so ist die Bevöllarmtg eindrnrglich darüber aufzttlläreu, daß eitre ent- spreckende Ktirzung des MtttdverbrouM eiittrtcket: muß, da spätere Ersatzlieferung nicht stattfinden kam:.