Nr. W
Erstes
Blatt
16Z. Jahrgang
Mittwoch. 23. Mai m
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Siehener Hamitienblötter;
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für Lev Kreis Sieben.
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General-Anzeiger für Oberhessen
8anfoerfel)t: Sewerbebank Gießen
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sämtlich in Gießen.
Englische mh sranzöstsche Lgriffe abgeschlagen.
Eine Kampfpause am Jssnzs.
MTB.)' Großes Hanvtauartier, 22 Mai. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Fm U p e r n - Abschnitt, bei L o o s, O P P t) und in breiter Front südlich der Scarpe war die Kampftätigkeit der Artillerie tagsüber lebhaft.
Bei mehreren starken Vorstößen, die vorinittags bei B u l L e e o u r t, später bei Croisillrs ansetztm und völlig fehlschlugen, erlitten die Engländer blutige Verluste und büßten über neunzig Gefangene ein.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zwischen den Höhen des Chemin des DLmes und der Ais ne. nördlich von Reims, und vom oberen Vesle- bis zum SmpveS-Tal entwickelten sich zeitweilig heftige Artilleriekämpft.
Südwestlich urrd südlich von N a u r o y griffen die Franzosen im Lauft des Tages mehrmals unsere Höhenstellungen an. Die dort kämpfenden mürttenwergischen Regimenter schlugen den Feind im Gegenstoß zurück und behielten über 150 Gefangene ein.
Llbends brach ein französischer Vorstoß am Südhange des Pachlberges (südöstlich von Moronvilliers) zusammen.
Oestlich der M a ä s lebte gestern das Feuer auf. Es kam dort zu kleinen Vorfeldgefechtcu. die uns Gefangene einbrachten.
Eine unftrer Jagdstaffeln schoß im gleichzeitigen Angriff bei Bouvaneourt, nordwestlich von Reims, fünf feindliche Fesselballons in Brand.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Nichts Neues.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist mwerändert.
Mazedonische Front.
Znnschen Prespa-See uiw Eerna, auf beiden Wardar- Ufern und an der Struma zeigte sich die feindliche Artillerie wieder tätiger als in den Vortagen.
Der Erste Generalguartiermeister
Ludendorsf.
Der Abeudbericht.
Berlin, 22.'Mai, abends. (WTB. Amtlich) Von den Fronten sind wesentliche Ereignisse nicht gemeldet.
Der „Vorwärts" veröffentlicht einen Briefwechsel zwischen dein zweiten Vorsitzenden des Altdeutschen Verbandes Frhrn. v. Gebsattel, und dem Reichskanzler, aus den Mav-
taicien des Jahres 1915. Dieser Meinungsaustausch liegt zurück. Damals schon hatte der Alldeutsche Verband große Besorgnisse wegen der angeblich zu eng ge
steckten Grenzen der Kriegsziele unserer Regierung. Frhr. v. Gebsattel schrieb in diesem Sinne dem Kanzler einen ziemlich geharnischten Brief, in dem vor einem Verzicht auf die Ausnutzung Unserer militärischen Siege gewarnt wird mit dem Zusätze: „es wäre der verhängnisvollste politische Fehler, der gemacht werden könnte, mtb seine nächste Folge wäre die Revolution." Wachsende Schuldenlasten und Enttäuschungen würden eine Volkserhebung herbeiführen. Der Reichskanzler erwiderte mit scharfen Worten und warf den dikldeutschen „bis ins Groteske gesteigerten Mangel an politischer Einsicht" vor. Auch die Drohung mit der Revolution, den „Versuch einer Minderheit, die von der Krone berufenen Leiter der Reichsgeschäfte ihrem Willen zu unterwerfen", wies Herr v. Bethmann Hollweg in sehr gereizten Ausdrücken zurück. Wir begreifen es, daß der „Vorwärts" die Drohung des alldeutschen Führers mit der Revolution jetzt triumphieret veröffentlicht. Sie ist eine ebensolche traurige Entgleisung wie die bekannte Aeußeruug Scheidemanns. Weder die Rechte noch die Linke hat ein Recht, dieses aufhetzende Wort in schroerer, harter Zeit unter das Volk zu werfen. Das sind auch Störungen des Burgfriedens schwerster Art, und im Zeichen des Burgfriedens, das heißt der Geschlossenheit des deutschen Volkes, wollen wir doch über den äußere n Feind den Sieg davontragen. Wer die Gegensätze im Innern mit solchen unerlaubten Mitteln schürt, der hilft schließlich den Feinden vor unseren Toren.
Leider ist der Kampf um die Kriegs ziele noch nicht Lei- golegt. Die verdrossenerl Stimmurrgerr halten noch nach, obgleich sich der Streit um die Ziele im einzelnen nicht mehr handelt. Proftssor Dr. Dietrich Schäfer erklärt in der Dienstag-Nnnmrer der „Tägl. Rdsch": „Wir wollen nicht annektieren. Annektieren heißt ein Land in der: eigenen
Staat einschließen, wie es rn.it Hannover, Kurhessen usw. 1866 in Preußen geschah. Das will keiner von uns. Wir wollen nicht die Belgier in bas Reich haberr, nicht die Polen, auch nicht Kurland und Litauen. Wir wollen den Bewohnerrr keine ReickMLürgerrechte geben. Sie sollen irr besonderer politischer Organisation leben, aber in einer Form, die uns davor sichert, daß ihre Kräfte von den Gegnern gegen uns verwendet werden formen. Das ist der Sinn unserer Forde- rrrngen, also nicht Annexion nrrd nicht Länderraub."
Jur „Verl. Tgbl." schreibt in einem temperamentvollen Aufsatz gegen die Kanzlergegner der Abg. Konrad Hanß- rnann: „Die Opposition von rechts gibt dem innerpolitischen Frühjahrsrennen ihr chevalereskes Parfüm. Aber wenn der Ton von rechts her gegen Minister und Kanzler derb wird, dann glauben die nm Haase, sie werden nicht mehr -für Gentlenreu gehalten, wenn sie nicht im gleichen Salonstil reden." In der „Post" zeigt der Führer der Freikonserva- tiven, Freiherr v. Zedlitz und Neukirch, daß es mit einem Block für die Politik des Kanzlers nicht weit her ist, denn er zählt unter der Ueberschrift „Die Zügel schleifen am Boden" Herrn v. Bethmann Hollweg seine staatsmännischen Fehler auf, in der inneren wie der äußeren Politik.
Es wäre jetzt unserer Meinung nach die Zeit, eine Ruhepause in der beiderseitigen Offensive eintreten zu lassen. Der Reichskanzler hat vorläufig genug zu hören bekommen: warten wir es doch nun einmal ab, welche Wirkungen eintreten. Anfhetzende Aeußerungen verschlimmern alles. Jeder Tag kann entscheidende Verschiebungen der Kriegslage bringen, militärischer und politischer Art; dann wollen wir der Lage kraftvoll gewachsen sein, und Voreingenommenheit und Prinzipienreiterei müssen bei uns auf allen Seiten verbannt werden!
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien. 22. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:
Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Der Feind am Jsonzo sah sich gestern gezwungen, nach siebentägigen ergebnislosen Kämpfen seiner Infanterie Ruhe zu gewähren, üknr östlich von Görz unternahmen die Italiener einen Vorstoß, der abgewieftn wurde. Unsere Sturmpatrouillen holten in dieser Gegend einen Offizier und 36 Mann und ein Maschinengewehr aus ben feindlichen Gräben.
Auf der Karschüchfläche kam es zeitweilig zu starker Ar- tillerietütigkeit.
Kärnten und Tirol unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
DK Kämpfe im Westen.
Berlin, 22. Mai. (WTB.) An der Ar ras fronet war
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am 21. Mai das feindliche Artillerieftuer nörbftd) der Scarpe tagsüber nur stellenweise heftig. Die dentsclMn (beschütze riefen! in feindlichen Batteriestellungen und Munitionslagern verschiedentlich Explosionen und Brände hervor. Gegen Llb-end schlvoll das! feindliche Feuer zu großer Stärke an. Die Engländer beschossen mit Vorliebe die französischen Ortschaften hinter unseren Stellungen, besonders Lens lag wiederum unter starken englischen Feuer.
Dem gemeldeten Angriff auf BnNecourt waren in der Nacht zum 21. vereinzelte englische Angriffe vorangegangen. Bei dein starken Vorstoß, der am Vormittag stattscrnd und durch stärkstes Trommelfeuer vorbereitet worden nxrr, erlitten die E n g l ander s chwerste Ver ln ste. Wo es ihnen gelang, in unsere Gräben einzudringen, wurden sie im Nahkampf und mit Handgranaten vertagt und vernichtet. Unsere Linie blieb mwerändert. Am Abend wurden verschiedene engllsche Vorstöße in der Gegend von Bulleeourt zurückgewiesen. , .
Im Raume von S t. Quentin mäßiges Arttllerreftuer und für uirs günstig verlaufene Vorseldkämpfe, die uns Gefangene einbrachten.
Am Höhenrücken des C hem in des Dakutes schwoll gegen Abend bei guter Sicht das Feuer zu großer Heftigkeit <m, besonders gegen den östlichen Teil, ohne daß indessen hier ein Angriff erfolgte.
Im umkämpften Hohengebiet der westlichen Champagne nördlich Prosnes war das Artilleriefeuer außerordentlich stark mrd steigerte sich gegen Abend gegen den Keil- und Pöhlberg zu größter Wucht. Um 6 Uhr und um 9 Uhr des 21., vormittags, schlug ein württembergischeS Regiment, das auch am' Vormittag seine Stellungen südlich Nanroy zäh gehalten hatte, zwei starke französische Angriffe ab. Die Frcarzosen erlitten dabei empftudliche Verbifte und ließen 75 Gefangene in den Händen der Württem- berger. Der Erfolg eines andef-en in diesem Mschnitt kämpfenden württembergis chen Regiments, das 150 Gefangene leinbrachte, wurde bereits gemeldet.
Der bereits aur 21. Mai einsetzeirde lebhafte AxAtlleriekainpf auf dem östlichen Maasufer hielt auch anr 21. mwerändert au.
Die Fliegertätigkeit.
Berlin, 22. Mai. (WTB.) Die eigenen und die feindlichen Flieger waren gestern an den Hauptkampsfronten außerordentlich tätig. In der Champagne entwickelten sich in Verbindung mit den neuen französischen Angriffen w a h r e Luft s ch' lachten. Nachdem gegen Mittag ein einheitlich angelegter Erkundungsvorstoß starker feindlicher Geschwader abgeschlagen loar, faßte der Gegner nachmittags eine gewaltige Menge von Jagdflugzeugen zufamme» und warf sie gleichzeitig mit einem Angriff aus der Erde in den Kampf. Unsere Flieger traten den feindliche in geschlossenen Geschwadern entgegen und drängten sie nach einem harten Ringen über die Linie zurück. Der Gegner büßte vierzehn Flugzeuge ein. Dabei schoß der Oberleutnant Ritter von Tuschet seinen zwölftel: Gegner ab. Außerdem verlor- der Gegirer auf dem Balkan ein Flugzeug. Lager und Truppen- untertünfte hinter den .Hauptschlachtfronten wurden in zahlreichen Angriffen mit Bornben belegt.
Die frarkzösischen Verluste.
Berlin, 22. Mai. (WTB.) Die nördlich der Aisne am 16. April eingesetzte 69. französische Division erlitt so starke Verluste, daß sie trotz zwölftägiger Ruhe und dem Eintreffen von Ersatz noch nicht wieder komplett ist. Am gleichen Tage wurde hier auch die 42. Division derart geschwächt, daß sie als Angriffstruppe nicht mehr gewertet roer- den kann. Bon der Aisne bis an den Kanal nordwestlich von Reims wurde am 4. Mai die 4. Division eingesetzt, votl der einzelne Teile mindestens 40 Prozent Verluste erlitten, ferner die 3. Division, von der die Regimenter 51 und 128 über 30 Prozent, das am 7. Mai eingesetzte Regirnent 87 etwa 40 Prozent Verluste hatten. Noch schlimmer erging es der 167. Division, deren Regimenter 170 und 174 am 4. Mai teilweise brs 50 Prozent des Bestandes auf dem Kampffelde ließen. Von der 41. Division werden die Verluste der An- griffstruvpen der Regimenter 23 mtd 133 mit 30 Prozent, der Regimenter 229 und 363 am 19. April als sehr stark, am 4. Mai mit 40 Prozent angegeben. Der Gefechtswert dieser Divisionen hat durch den langen Einsatz besonders stark gelitten. Bon der 152. Division verlor das Regiment 114 am 19. April bei Sapigneul etwa 20 Prozent. Von dem Kanal nordwestlich Reims bis Marquise Fe. nordöstlichPru- nay wurden die Regimenter 403 und 410 der 151. Divisioii am 16. April vorgeworfen, deren Verluste werden als stark bezeickpiet, während für bas Regiment 410 bis zu 50 Prozent Verluste aiigegeben werden, ferner wiirden hier Territorial- regrmenter und die 7 Kavalleriedivision eingesetzt. Von der Marquise Fe bis zur Suippes stand die 169. Division, dereil Regiment 13 ain 17 Llpril fast aufgerieben wurde. DaS Regi- uierit M6, das üachj dem Angriff arn 30. April bereits herausgezogen war, wurde für ben Angriff am 30. ?lpril ernertt enigesetzt und verlor etwa 40 Prozent seines Bestandes. Von der 20. Division wurden beim Angriff am 30. April etwa 30 Prozent verloren. Von dem Angriffsbataillon des Infanterieregiments dir. 2 blieben nur wenige Mann übrig. Die 19. Division, die am 30. dlpril und am 5. Mai angriff, hat fast 50 Prozent liegen lassen. Die 131. Division, die schon bei dem deutscher^ Gegenangriff am 22. April stark gelitten hatte, verlor bei dem Angriff am 30. April teilweise bis zu 50 Prozent. Die 128. Division griff am gleichen Tage nnt einer Kompagnie der Jnfanterieregimenter 169 und 168 an. Ihre Verluste sind bis zu 50 Prozent anzunehmen. Endlich koinmen für biefeit Abschnitt die 8. Division, deren Angriffstruppe 20 bis 30 Prozent verlor, und die 60. Division in Betracht.
Die Niederlage der Italiener.
Wien, 21. Max. (WTB. Nichtamttich.) Wie am vorhergehenden Tage, richteten sich auch gestern die Hauptanstrengungen des Feindes gegen den Raum Vodice—Monte Santo. An den übrigen Abschnitten ging -es verhältnismäßig ruhiger her. Auf der Hochfläche des K a r st s, luo sich die beiderseitigen Artillerien den ganzen Tag lang bekämpften, nahm erst in den Abmdsttrnden das Ge?» schützfener an Stärke ab. Dagegen batten unsere Truppen, die den MLonte Santo verteidigten, einen sehr schlvei-eic Tag. Sie bestanden ihn in heißem Ringen mit einem an Zahl überlegeneit Feinde als Sieger. 'Schon seit den frühen Mngeustunden laks aus dem sogenannten Klofterabschnitt heftiges Feirei'. Dort, >oo sich die ttostlosen Ruinen des der berühmteu blinden Zerstörungswut der Italiener zum Opfer gefallenen Bergklosters reMi-m, vereinigte sich das Feuer von Geschützen und Mmenwersern aller Kaliber. Um SV 2 Hin vormittags nimmt die i tal i e n i sche Infanterie den ersten Anlauf. Unser Vernichtungsfeuer treibt sie zurück. Neuerdings beginnt die gegnerische Artillerie in bis znm äußersten gesteigerten Trommelfeuer gegen unsere Gräben zu wüten. Diese werden, völlig eingeebnct. Als jedoch die Jtalie^cer gleich daraus zuvl zweiten Sturm antreten, ist unsere Infanterie ttoßdem aus dem Platze und empfängt den Feürd mit einem raseirdeir Gelvehr und Maschinegewehrscner. An zwei Stellen dringen, die Jtallcuer in unsere Gräben ein: aber schon packt sie unser Gegenftoß und wirst sie lvieder hinaus.
' f» t i-tvii i' f’f» \ 1 n v UrtiiMi nvnt mi\ A r t v .> •«*
ierbei zeichnete sich neuerdnigs Landsturm, lind zwar Marburger ndstnrm, in hervorrageiwer Weise aus.
Wieder begann die Arttllerie der Italiener zu arbeiten und den Monte Sairto mit Granaterr zu überschütten. Ihre Infanterie blieb den Nachnrittag Über iit den Gräben. Als die Dunkelluit herein- brach, rollte sie heran, und zwar abermals ohne jede Artillerie-, Vorbereitung. Es erfolgte ein allgemeiner Infanterie- an g ri f f gegen den ganzen Raum B o dic e—M oute Santo. Bei Vodice konnte zlvar der Fain.d in einzelne Grabenstücke > it- drjngen, vermochte aber seinen 0)ewtmr nicht z,t bebanftten. Ein


