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27.4.1917 Erstes Blatt
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M.Y8

Der

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Erstes Blatt

J 6 Z. Zahrgaug

§rettag. 2 :. AM \ 9 \T

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sämtlich in Gießen.

(WTB.)

(Amtlich.)

Der Chef des Kneasaittfs über die $

rohes Hauptquartier, 26. April.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht.

Gestern raffte sich der Feind bei Arras nur noch zu Teilangriffen auf.

SiÄlich der Scarpe stürmten seine Angriffswellen dreimal igen unftre Linien, dreimal fluteten sie zurück. Der Artillerielampf hielt in einigen Abschnitten in beträchtlicher Starke an.

Bei Ga prelle liegt unsere Stellung am östlichen Dorfrande.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die Cft'samtlage ist unverändert. Der Feuerkampf be­schränkt sich auf begrenzte Frontstellen. Bei H u r t c b i s e F e. und öftüch wurden durch Gegenstöße, bei denen wir drei Offi­ziere und mehr als 166 Franzosen zu Gefangenen machten, unsere Stellungen auf dem Chemin des Darnes-Rncken ver­bessert. Am Abend griff der Feind nach heftiger Feuersteige­rung beiderseits von Braye in drei Kilometer Breite an. er wurde blutig abgewiesen.

In der Champagne kam cs nur zu Handgranate n- kämpseu.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Keine besonderen Ereignisse.

Gestern verlor der Feind sechs Flugzeuge, von denen Leutnant Sch ä f c r zwei, seinen 22. und 23. Gegner, abschoß.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

SrÄlich von Riga, bei Zakobstadt, bei Smorgon. westlich von Luck, östlich von Zloezow. an der Zlota-Liva und längs Putna und Sereth har die russische Feuertatigkert und dem­entsprechend unser Dergeltnngsseuer zugenommen.

Mazedonische Front.

Aussagen von Gefangenen aus dem Kampfe am Doiran- Sec am 24. April ergaben, daß dort die Engländer mit star­ken Kräften auf schnraler Front einen in seinen Zielen roeit- ges^ckten Angriff geftchrt haben. Die wackere bulgarische In- ftrnterir hat einen schönen Erfolg davongetragcn. alle ihre Stellungen behauptet und dem Feind im Verein mit deut­schen und bulgarischen Maschinengewehren und Batterien «Ävere Verluste zugefügt.

Der Erste Generalauartiermcister Ludendorff.

*

Der Abendbericht.

Berlin, 26. April, abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kampffronten ist nichts Besonderes zu berichten.

* * *

Wer hätte gedacht, daß wenige Tage nach dem großen Sieg unserer Kriegsanleihe sich noch die Notwendigkeit er­geben würde, auf dem besonderen Arbeitsgebiete der Erzeu­gung des Heeresbedarfes Mahnungen zur tatkräftigen För­derung des nahen Friedens auszusprechen! Und doch ist cs so weit gekommen, dank einiger Querköpfe, einiger Lieb­knechte, denen fanatische, politische Wahnideen das Gehirn überschwemmt und das Herz erstickt haben! Der Chef des Kriegsamtes, General Grüner, hat im Hauptausschuß des Reichstags dieser Rotte von Menschen heute kann man diesen Ausdruck wohl mit Recht anwenden kräftige, hoffentlich wirksame Worte gewidmet. Wir müssen uns hüten vor einer Suggestion, die von diesen Menschen ausgehen und unberechenbaren Schaden an richten könnte. Denn ein großer Teil unseres Volkes uird unserer Arbeiter sind keine geriebe­nen Politiker, die die Motive der Verführer scharf zu er­fassen verstehen. Gröner hat davon einige bezeichnende Bei­spiele gegeben. Die politischen Schlafpulver gegen das not­wendige Wachen und Sorgen für unsere Kämpfer müssen jetzt bis zur letzten Unze verboten werden! Strenge der Aem- rer und Aufklärung in den Reihen der Arbeiter werden da­für sorgen, daß dieses Verbot gehalten wird.

Selbst derVorwärts" schreibt:

Ein Streik im gegenwärtigen Augenblick wäre nichts anderes, als wenn die Mannschaft eines Schiffes, weil sie sich mit dem Kapitän und den Offizieren nicht über Entlohnung und Be­handlung verständigen kann, während eines Sturmes die Arbeit einstellte. Das Schiss geht zugrunde und erreicht wird nichts als der allgemeine Untergang. Für uns und unsere «eigene Zukunft helfen wir, daß Deutschland im Sturme dieses Welt­krieges nicht zugrunde geht."

Zu diesem treffenden Vergleich wäre noch hinzuzufetzen, daß während eines Sturmes füglich auch nicht zu erörtern wäre, ob das Schiff nach Rettung aus der Gefahr diese oder jene schöne Zukunftsfahrt antreten solle. Auch die General- kmnmrssi-on der Gewerkschaften Deutschlands hat die Ge­fahr miterkannt mrd an General Gröner ein längeres Schrei­ben gerichtet, das auch Hindenburg vorgelegt werden sott nach in dem es heißt:

Die Erhaltung und die Sicherheit des Reiches stehen an erster Stelle. Nach allen Kundgebungen der Gegner Deutschlands unterliegt es für politisch reife Menschen keinem Zweifel, daß nicht eine Verminderung, sondern nur die Erhöhung der Widerstaichs kraft Deutschlands uns den baldiger! Frieden bringe:: kann. Wo diese volitische Erkenntnis nicht vorhanden ist, sollte zum mindesten das Mitgefühl mit un'ecenan den Fronten ihr Lehen Kn elenden Söhnen nud Brüden: me Arbeituehnierscha.fi von Handlungen fernhalten, die .geeignet sind, die Kraft der Kämpfenden zu lähmen. Seit Jahres­frist haben England und Frankreich, unterstützt von den Bereinigten Staaten von Amerika, ungeheure Massen von Geschützen und Mu­nition an der französisch-belgischen Front aufgehänft. Das Unge­heuerlichste, was ein Menschenhirn sich auszumalen vermag, ist über Misere dort kämpfenden Volksgenossen herein gebrochen. Nur ein herzloser und gewissenloser Mensch kann dazu raten, diesen die erforderlichen Bertcidigungsmittel zu versagen. Diese Auffassung beherrscht nach unserer innersten Ueberzeugung auch die Bevölke- rungskreise, die durch unsere Organisationen vertreten werden. Unsererseits wird alles geschehen, sie nicht nur zu erhalten, sondern in stärken und zu erweitern. Von unverantwort­lichen Leuten ist, glücklicherweise mit ganz vereinzeltem Erfolg, versucht worden, Arbeitseinstellungen der Waffen- und Munitwns - «hMr poetischen Zlvcchen toiGuftfas «N miachyr« Der Wunsch

nach^ einer baldigen Beendigung des blutigen Völkerringens ist ebenso wie in den anderen kriegführenden Ländern auch int deut­schen Volke groß. Er ist menschlich erklärlich und verständlich. Das Bestreben, «ein Mittel zu finden, die Beendigung des Krieges her­beizuführen, beherrscht auch die arbeitende Bevölkerung. Bedauer­lich ist, daß einige, wenn auch unbedeutende Kreise dieses Mittel in einer Verweigerung der Herstellung der zur Landesverteidigung erforderlichen Waffen erblicken."

Diesen Sätzen folgen tarnt einige berechtigte Hinweise auf die oft noch mangelnden Ausgleiche in unserer Volks- ernährung. General Gröner hat unseres Erachtens weise daran getan, daß er von der Empfehlung drakonischer Maßregeln gegen die Bolksversnhoer ain Anfang abgesehen hat. Es war und ist gut, daß der vollen Wahrheit in diesen Dingen der,Wcg geöffnet worden ist, und auch in den un­reifsten Köpfen kann jetzt kein Gedanke an ein Märtyrer­tum der Agitatoren aufkeimeu. Wenn es nur in der all­gemeinen Politik unserer Reichsregierung ähnlich bestellt wäre! Auch dort wird mit Milde, Entgegenkommen und Be­schwichtigung gegenüber falschen Propheten gearbeitet; aber es fehlt an der nötigen Aufklärung über die Tatsachen, die doch zugrunde liegen müssen. Nickst nur in der werktätigen Regung der Arbeitshände gibt es ein zwingendes und dringendes Gebot der Stunde, sondern auch im Denken und Trachten unseres Volkes. In heißer Arbeit, in der Aufopferung von Blut und Kräften sollten wir nur an das Nächstliegende rühren. Das Nächst­liegende ist aber kein Jllusionsfriede, sondern ein solcher Friede, wie er uns von Anfang an vorgeschwebt, wie ihn der Reichskanzler selbst früher mit deutlicheren Worten als in seinen letzten Verkündigungen Umrissen hat. Ter Reichskanzler hat im vollen Einvernehmen mit dem Kriegsamt ein ausgezeichnetes Verständnis für die Not­wendigkeit der Ausnutzung aller Arbeitskräfte im Dienste der Landesverteidigung. Hat er das gleiche Verständnis auch für die Nottvendegkeit, die darin liegt, daß wir auch die richtigen Denkmittel für die Erhaltung der Einheit im Volke finden? Wir müssen doch kämpfen auch mit jedem Gedanken vor verblendeten, ungezähmten Feinden, einen starken und tapferen Gedankenkämpf. Sonst gewinnen doch die Schlaspnlverv.rmittter und l hm en die Kriegsarbeit.

* * *

Der österrerchisch-nrrgarffche Tagesbericht.

W i e n, 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Oeftlicher Kriegsschauplatz.

Die russische Artillerie forderte an mehreren Stellen das Vergeltungsfeuer urfiierer Geschütze heraus.

Keine besonderen Kampfereigni'se.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant.

Die Schlaht bei Arras.

Berlin, 26. April. Die Schlacht bei Arras flaute ain dritten Kampftage sichtlich ab. Die Engländer vermochten ihre gelichteten und zusammen- geschossenen Divisionen nur noch an wenigen Stellen des Frontabschnittes beiderseits der Scarpe zu stärkeren An­griffen vorzutreiben. Der mächtig angesetzte und wuchtig be­gonnene Durchbruchsversuch der Engländer ist buchstäblich verblutet. Nach den Aussagen jener Teile unserer Kampftruppen, die bereits im Osten fochten, lassen sich die Verluste der Engländer nur mit jenen der M a s s e n v e r l u st e d e r R u s s e n v e r g l e i ch e n , die diese bei ihren ohne Unterstützung der Artillerie ausgeführten An­griffen erlitten. Aus allen Gesangenenaussagen geht eben­falls klar hervor, wie ungeheuer die englischen Bataillone zu­sammenkartätscht wurden.

Zwischen Lens und Gavrelle ließ das feindliche Artil- leriefeuer im Laufe des gestrigen Vormittags stellenweise nach, während um den Ort Gavrelle wie an den vorheri­gen Tagen abermals erbittert gekämpft wurde. Ein ver­einzelter feindlicher Vorstoß nördlich vom Bahnhof Roeux brach in unserem Feuer unter schweren Verlusten zusammen. Südlich der Scarpe griffen die Engländer dreimal erbittert an. Unter schweren Verlusten wurden sämtliche drei Angriffe, zum größten Teil schon durch Feuerwirbel, zurückgeschla- gen. Auch tveiter südlich wurden sämtliche Vorstöße abgewie­sen. Gegen Abend war der Ostrand von Gavrelle nach Kämp­fen von größter Wildheit wieder in unserer Hand. Die starke Artillerietätigkeit flaute bedeutend ab. Der erschöpfte Geg­ner unternahm am Abend keinen neuen Sturmangriff mehr. Als einziger minimaler Erfolg der wiederholten verlust­reichen Angriffe blieb an der Straße Monch-YPetves ein schmales Grabenstück in der Hand des Gegners, das er mit enormen Blutopsern bezahlte. Durch einen Gegenangriff wurde das Engländernest indessen wiederum gesäubert. Im übrigen fanden auf der Kampffront außer vergeblichen feind­lichen Patrouillenvorstößen keine neuen Jnfanterieangriffe statt. Das starke Artilleriefeuer hielt nur nördlich Lens und gegen unsere Stellungen westlich Arleux und Queant an. Unsere Artillerie brachte bei Huttuch ein feindliches Muni­tionsdepot zur Explosion und beschoß erfolgreich feindliche Wohngräben. Eigene Patrouillen drangen westlich Huttuch in die feindlichen Gräben ein und kehrten mit einigen Ge­fangenen zurück.

Der zweite D u r ch b r u ch s v e r s uch der Engländer bei Arras darf heitte als völlig gescheitert angesehen werden. Während aus englischen Gesangenenaussagen, be­sonders denen von schottischen Regimentern, die bei Roeux in unsere Hand sielen, klar die Absicht der Engländer, in der zweiten Arras schlackst ans jeden Fall durchKusboßen, herpprgeht, pexjucht das englische! .Kriegsiamt diese Absicht

!age im Innern.

abznleugnen, indem es vorgibt, der mit gewaltigen Mafien von Menschen und Munition angesetzte Angriff habe nur die Eroberung einiger Dörfer zürn Ziele gehabt. Wie bei Reims im Süden, ist der Durchbruch der Entente auch bei Arras gescheitert. Nach der ungeheuren Schwächung ihrer Kampf­kräfte in diesen blutigen Schuacksttagen steht die Entente ihrem strategischen Ziel ferner denn je. .

Bon der übrigen Westfront.

Berlin, 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Die Artillerie- täfigkeit war am 26. April im Ppern- uiü> Wytschaete-Bvgen leb­haft. Feindliche Patrouillen wurden verjagt. Eigene Patrouillen drangen in die seindlichrn Gräben ein und lehrten mit Beute zurück.

Südlich der Chaussee Bapamne-Cambrai hielt das, /tarke Artilleriefeuer auch nachts über an. Ein feindlicher Angriff gegen unsere Sicherungslinien bei Vendbuille wurde verlustreich abge­schlagen, wobei einige (befangene in unserer Hand blieben. ^Vor- sühlende feindliche Patrouillen wurden abgewiesen. Die Stadt St. Quentin erhielt, das übliche rückstchtslose, Feuer.

An der A i s n e hielt gleichfalls das feindliche Artillerieseuer in wechjelirder Stücke an. Tie südlich Corbeny aufgefüllten ftan- zösischen Gräben wurden mit Erfolg unter^ Vernichtungsfeuer ge­nommen. Bei dem bereits gemeldeten französischen Angriff beider­seits von Vraya, erlitt der Gegner äußerst schwere Verluste. Auch hier blieben Gefangene in unserer Hand.

Nördlich von Reims und nördlich Prosncs starkes Artillmie- feuev. Unsere Stoßtrupps drangen nordwestlich Po>npelle in feind­liche Gräben und lehrten mit einigen Gefangenen inid Beute zurück.

An der übrigen Westfront mehrere eigene erfolgreiche Lluf- ttärungsunternehmungen.

General Gröner ü'-.e? die §treiibewegn/gen.

Berlin, 26. April. (WTB.) In der henfigen Sitz,mg deS HauptaussBusses des Reichstages erklärte im Anschluß an die Ausführungen eines sozialdemokratischen 2lrgeordneten, der ebenso wie andere Mitglieder die Ausstände der Rüstuugs- ttrbeitdr vernrtrilte, der Chef des Kriegscnntcs, Exzellenz! Gröner:

Es hat nach gefreut, daß der Vorredner die Rüstmrgsstreiks? verurteilt hat. dlber et hätte weiter gehen können. Nach dem langen Wrucken-Winter, dm: wir hinter uns haben, nach der langen Kälte verstehe ich durchaus die Depression, in der sich die Arbeiter be- fanden oder in die sie kamen, als Plötzlich die Herabsetzung dev Brotration eintrat. In diese Depression hinein kam plötzlich< ich will nicht sagen, wol)er der Ruf:Wir müssen der Regierung zeigen, daß sie versäumte, rechtz-eifig Vtaßrrahmen zu treffen. Wir müssen demonstrieren. Wir wollen am 16. April strecken." Dieser Gedanke ging ime ein Lauffeuer durch die Fabrikein Ich bekach Briefe von Ärbeitern, die die Sache beschrieben. Niemand ^wusste recht, woher die Sack>e kanr. Es war der Boden bereitet für eine Massensuggestion. Nun habe ich die Sache wenig tragisch ausge­nommen aus dem einfachen Grunde, n-eil ich sie mir aus psychologi­schen Gründen erklärte. Am 16. April sollte gestteikt werden. Ich habe für meinen Teil bei beu leitenden Persönliclrkeiten immer davor gewarnt, mm sofort mit strengen Maßnahmen vorzugehen, weil ich der Auffassung rvar, man tue ganz gut, das Ventil JJftntal zu öffnen und die Stimmung äbblasen zu lassen.

Der 16. April trat ein. Die Leute waren durchlaus vernMfNg. Sie gingen heraus aus den Fabrikeir. Sie wußten selbst nicht, warum. Ich habe hier einen Brief liegen, d^en ich erst heute vor- mitvllg bekam, worin ein Arbeiter mir schreibt:, wir haben ge­fragt, warum sollen >vir eigentlich streiken? Warum sollen wir heraus aus ben Fabriken? Am 16. dbpril, u.m 9 Uhr oder 10 Uhr früh, riefen einzelne Leute in den Fabrikeil: aber heraus aus

der Fabrik, Leute! Einige mutige Leute frirgen da: Aus welckiem Grunde, zu welchem Ziel? Sie erlfieltan keine Antwort. Ab und zu wurde geantwortet:Du hast doch Hunger. Du sollst zeigen, daß du Hunger hast!" Das war die Tendenz am 16. Auch am 17. April zeigte sich uitter den blrbeitern viel Verständigkeit. Tausende gingen hinaus in den Grunewald, gut gekleidet uiw »rächten sich einen guten Tag. Ich hätte gar nichts dagegen einzuWender: von meinem Standpunkte aus. Unterdessen batten die Gewerkschaften, denen vorher der Massensuggestion gegenüber ein Einfluß nicht aus reicheich nröglich war, die Lattung der Sache in die Hand ge- nommen, mid es wurde beschlossen, am 17. April, am arrderen Tage, die Arbeit wieder arffzimehmen. Das ges^chah auch in zcchl- reichen Betticben.

Bis dahin hätte ich eine Minderung der Produkfion durchaus ruhig hingenommen, um «eben einmal den Arbeitern Gc'legenheit zu geben, sich nun von dieser Depression zu erhol-en. F^etzt trat aber eine ganz scharfe W-end:m-g m dieser Sache ein. Vom Mittwoch! ab traten politische Dinge in den Vordergrund, und damit hörte die Gemütlichkeit in der Sack-e auf. Das muß ich ganz scharf erklären. Und Lvocher rührten diese polifischen Dinge? Ihnen allen ist daS Leipziger Programm und das ganz u n v e r * schämte Telegramm an den Reichskanzler bekannt. Der Inhalt ist leine ganze Reihe polittsckier Forderungen, Wahl- rechtssoroerungen, vor allem aber zum Schluß die Forderung nach Einsetzung eines Arbeiterrates nach russischem Muster, ltnb zu dem Zwecke sollte der Reichskanzler eine Deputation emp- fangen. Das hvar toll, mehr als toll. Und diese polifischen Momente sind hierher übertragen worden. Sie sind in die deutschen Wafsen- und Munittonsfabrikei: ll-iaieingetragen wockxw, und die Uncrsahren- l/ctt, Gutmütigkeit u:ü> Ehrlichkeit der Arbeiter ist mißbrauche worden. Wir haben auch Beweise, daß aus dem Ausland« Agitations material ^hereingeschmuggell wurde. Solche Schmuggelwaren sind in Unsere Hände gefaleln. lieber die Logik eines solchen Agitationsmaterials brauche ich kein Wort zu ver­lieren.

halte ich es doch für nöfig, gerade an: heutigen Tage nvctz einige Worte zu sagen und meine persönliche Auffassung für die Zuft'.nft ihnen darznlegeir Es wird morgen von mir effr Ausruf an die Rüstnngsarbeiter in ganz Tentschlm:d verbreitet wcrdcm. Ich verlange, daß die Streiks anfhören. Es gibt feilte Streiks mehr mib wir werden rücksichtslos gegen die Draht- ziehe:' Vorgehen rnü lwerdei: diese politischen Landesverräter treffen mit der ganzen Schveve des Gesetzes. (Bravo!) Wir iverden von den Arbeitern verlanget:, daß sie bei der Arbeit bleiben und daß sie unentwegt dis zum glücklichen Ende des Krieges auf jeden Streik verzichten, und zwar aus irncerer Ueber-zeugung verzichten und dazu müssen sie aufgeklärt Lverden. Wem: wir das von ihnen verlangen, müsset: ^vir aber auch vertümffig sein und etivas mideres ttm. Wir müssen dei: Arbeitern unter allen Umständen Sprach­rohre geben, durch die sie ihre Wünsche rechtzeitig und richtig an die richtigen imd zuständigen Stellen briwzell können.

Welches sind diese Sprackwohre? Ich habe schon vor längerer Zeit an die Regierungen die Anregung gegeba:, in die Lebens­organisation der Provinzetl nttb Kommunen A rbeiter^ Vertreter hinenLLMrehmen. danfit sie Kell»Ür mitarbcibe» imb