Ausgabe 
23.4.1917 Erstes Blatt
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An der V* lgischen Front scheiterte in der Nacht zum 20. April ein englisches Uuternehnien gegen Wytschaete. Breite ^Schützenlinien gingen in nrehreren Wellen gegen die Front einer Einheit vor. Die erste Welle 'Erde bei dem Versuche, die Draht­hindernisse zu zerschneiden, mit Handgranaten vernichtet, die fol­genden Wellen wurden von den Maschinengewehren und dem Ar- tiüeriefeiler gefotzt. Fünfzig bis sechzig tote Engländer wurden vor unseren Gräben gezählt.

Beiderseits des La Bai's6-Kanals, von nördlich Lens bis südöstlich Arras nrkt Unterbrechungen starkes Artilleriefener auch schwerer Kaliber. Für uns günstige Patrouillen kämpfe westlich von Lens und westlich Roeux. Zwischen Arras und der Ais ne keine be­deutendere Artillerietätigllit. Die Kathedrale von St O u e n * tin erhielt zehn Volltreffer iuie überhaupt vermutlich das eng­lische Feuer in den letzten Tagen grundsätzlich in der Gegend der Kathedrale und des Marktplatzes lag.

Ter Dank des Kaisers.

Berlin, 21. April. (WTB. Amtlich.) Ter Kaiser richtete

anläßlich der siegreich abgewehrten Angriffe an der Ais n e und in der Champagne folgendes Telegramm an den Kronprinzen:

Die Teineni Beseht unterstellten Truppen aller deutschen Stämme haben, in stahl hartem Willen und kraftvoll geführt, den großen französischen Durchbruch an der Aisne und in der Champagne zum Scheitern gebracht. Tie Infanterie hat auch dort wieder das Sckwclffie tu tragen gehabt und Großes in wdesmutigem Ansharren und unwiderstehlichem Angriff dank der unermüdlichen Hilfe der Artillerie und der anderen Waffen geleistet.

Führern und Truppen übermittle Meinen und des Vaterlandes Tank.

Die Schlacht an der Aisne und in der Champagne ist noch nicht zu Ende. Alle, die dort kämpfen und bluten, sollen aber wissen, daß ganz.Deutschland ihrer Täten gedenkt und mit ihnen festen Willens ist, den Daseinskampf bis zum siegreichen Ende durch- zufühven. Das walte Gott! Wilhelm I. R.

Unsere Lustsireitkräfte auf der Westfront

am 21. dlipril.

Das Wetter ließ erst gegen abend regere Fkugtätigleit zu. Unser Bombengeschwader griff feindliche Truppenunterkünfte, Stel­lungen und Bahnhöfe nrirksam an. U. a. wurde,! der ''Bahnhof und die Hafen anlagen von Dünkirchen mit sichtbarein Erfolg mit Bomben beworfen, Zu Luftgefechten kam es besonders an den Hanptkampssronten. Unsere Flieger schossen sechs feindliche Wug- zsuge ab, alle jenseits der feindlichen Linien, davon entfallet fünf auf die Staffel Nicht Hofen. Ein feindliches Flugzeug umrde durch jAbwehrfeuer von der .Erde aus jenseits unserer Stellung zur Sendung gezwungen und von unserer Artillerie vollends zerstört. Zwei Seekam Meinsitzer schossen bei NieuPort ein feiMiches Luftschiff ab, ,das brennend in di-e 0ee stürzte.

Der französische Bericht

von! 21. April, abends.

Zwischen Somme und Oise heftige Kämpfe der beide,! Ar­tillerien. Besonders in der Gegend südlich von St. Quentin zwischen der Aisne !und Cbernin des Tames haben wir unsere Fortschritte aus der Hochfläche nördlich von Scrncy jo-rtgesetzt. Ein Handgran^ten- kampf hat uns im Abschnitt von Heurtohise ermöglicht, Gelände zu gervimren, und das Sperrfeuer hat viermal Versuche des Feindes vereitelt. In der Gegend von Reiins und in der Champagne zeit­weise unterbrochener und an einzelnen Stellen ziemlich lebhafter Artilleriekamps. Von der übrigen Front ist kein Ereignis von Bedeutung zu melde,!. Die Zahl der vom 9. bis zum 20. April von den französischen! mb mglischen Truppen gemachten Ge­fangenen übersteigt 3 3 00 0. Die Zahl der in der gleichen Zeit erbeuteten Geschütze übersteigt 330.

Der zweite Sieg ver Türken bei Gaza.

Konstantinöpel, 20. April. (MTB.) 2lmtl.icher Heeres­bericht: tt

Sinai fron^r Naebdeni noch in der Nacht zum 19. April an der Front Ruhe geherrscht hatte, entbrannte gestern früh die zweite Schlacht ber Gaza. Um 5 Uhr früh setzte heftiges ieindliches Artilleries-cuer ans die Stadt ein. Es wurden bald die ersten feindlichen Angriffsbewegungen erkennbar, wenn auch starker Nebel noch die Luftaufklärung hinderte. Gagen 8 Uhr vormittags begann der feindliche Insmrderieangriff. Beiderseits der Stratze nach l'öaza griff eine Anndliche DVision an. Die zweite Division wandte ircü gegen unfl^ sndösilich von Gaza stehende mittlere Gruppe. Die feindliche Avclllerie, die sich etwas zügerrck benahm, ging gegen den rechtewFlügel unserer linken Flügelgruppe vor. Während dieser Bewegung» t wurde ein feindliches Panzerauto von uns zer­stört. Bis ^tl^fcqg iDcrr der Kampf auf der ganzen Linie in vollen! Gange, besor.dA gegen unsere beiden rechten Flügelgruppen. Trotz großer Neuste gelang es der feindlichen Infanterie nicht, näher als bis^ hthnndert Meter heranzu^omrnen. Nachmittags um drei Uhr lmtA unsere mittelste Gruppe bereits zwei feindliche Angriffe blutvffabgewiesen. Mit einem dritten Angriff ,nutzte gerechnet werKr^ nachdem der Feind Verstärkungen herangezogen lwtte. Tie Lage ist jetzt sck>on so günstig, daß Bewegungen zu einem Offensivstoß gegen den feindlichen recksten Flügel ein geleitet werden konnte,!. Um 7 Uhr abends hatte die mittelste Gruppe auch den dritten feindlichen Angriff rnit schweren Verlusten für den Gegner abgeschlagen: alle Stellungen waren fest in unserer Hand. Auf dem linken Flügel drängte unsere Kavalteriedivision erfolgreich gegen die feindliche Kavallerie vor. Allmählich machten sich Rück­zug sbewegungen am feindlichen rechten Flügel bemerkbar und in den späteren Abendstunden ging auch der linke Flügel unserer Infanterie im Verein mit der KavallerieWwisipn zum Angriff vor auf den weichenden Gegnei). In der Dunkelheit ,varen Anzeichen eines allgenreinen feindlichen Rückzuges erkennbar. Tie zweite Schlacht bei Gaza war gewonnen.

Auf den übrigen Kriegsschauplätzen keine besonderen Ereignisse.

Eines unserer U-Boote per senkte im östlichen Mittel- ineer zwei Segelschiffe sowie vierzig Seemeilen westlich von Alexandrien einen kleinen englischenKreuzer, wahrscheinlich von der Foxglove-Klasse.

Kon stantinopel, 21. April. (WTB.) Amtlicher Heeres- bericht vonr 21. April.

Jrakfront: Außer einem lebhafteren Geschützfeuer aus dein rechte,! Tigris-Ufer keine Gefechtstätigkeit.

Kaukafusfront: .Fm linken Flügeläbschnitt wurde ein feindlicher Ueberfallsversuch durch unser Feuer vereitelt. Am linken Flügel wirkungsloses feindliches Artilleriefeuer.

Sinai front: Nach der für uns siegreichen Schlackst von Gaza ging dm Gegner mit schweren Verlusten in seine Ausgangs­stellungen zurück. Unsere Verluste in der Schlacht sind unbedeutend. Ein feindlicher Flieger wurde durch einen unserer Flieger äbge- schossen; der feindliche 9lpvarat stürzte Zwischen den türkischen und den englislben Linien nieder. Ein anderer feindlicher Flieger wurde bei Teil Scheria durch- Feuer von der Erde aus zur Lan­dung gezwungen, der feindliche Flugzeugführer wurde gefangen genommen. Unsere Flieger zeigten sich in den Luftkämpfen stets den feindlichen überlegen. Sie:narfen außerdem auf die feindlich,en Lager und Reserven 300 Klg. Bomben ab. Es wurde festgestellt, daß die feindliche Flotte absichtlich eine große Moschee in Chaza unter Feuer nahm. Die Moschee wurde zerstört.

Von den übrigen Frortten werden kmne besonderen Ereig­nisse gemeldet.

In der Nähe der Insel Milos wurde ein feindliches Trans­portschiff mit zwei Schornsteinen, das 12 500 Tonnen hatte, durch ein Tauchboot versenkt.

Im Hedschas unternahmen die Rebellen wieder verschiedene Vorstöße gegen die Bahnlinie. Sie wurden überall mit schsoeren Verlusten zurückgefsstagen.

Ber lin , 2l. April. sWTB.) Bei Ga z a entwickelten sich am 19. April neue Kämpfe, die für unseren tapferen türkischen Bundes- gcnosfen siegreich verliefen. Um 5 Ubr vormittags setzte starkes feindliches Artilleriefeuer ein, dem gegen 8 Uhr vor­mittags ein Angriff von mindestens zwn englischen Jnsanleric-Divi- siorren folgte. An einzelnen Frontabschnitten griffen die Engländer bis zn dreimal erfolglos an. Während die Türken an der Mfte ihre

Flanke vor dem schweren Schiffsslachfeuer von See her zurückbogen, gewann ihr Gegenstoß gegen die rechte Flanke der bereits ins Wan­ken geratenden Engländer Raum. Dem weichenden Gegner kam dre Dunkelheit zugute.

Der türkische Großwefier im deutschen Hauptquartier.

Konstan ti nopel, 21. 2kpril. (WTB.) Großwesir Talaat Pascha ist am 20. LLpril nach Berlin abgereist. von wo er sich nach dein deutschen Hauptquartier begibt.

Abbruch der türkisch-amerikanischen Beziehungen.

Konstantinopel, 21. April. (WTB.) Die Agence Milli meldet: Infolge der Erklärung des Kriegszustandes zwischen den Bereinig Leu Staaten und dem Deutschen Reiche teilte die Osma- che Negierung der amerikanischen Botschaft in Konstantinopel mtt, daß ffe nach dem Beispiel der ihr verbündeten österreichisch­ungarischen Monarchie die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten abgebrochen habe.

* * *

RadoSlawow über die Lage.

Wien, 2Z. April. Einem Schriftleiter desNeuen Wiener Tageblattes" erklärte Ministerpräsident Rados- lawow, daß das Eingreifen Amerikas zu. einer Verlänge­rung des Krieges beitragen dürfte. Wie sich künftig das Schicksal der Balkanländer gestalten werde, könne man im gegenwärtigen Augenblick noch nicht sagen. Sicher sei nur, daß der Friede unbedingt eine unmittelbare ge­meinsame Grenze zwischen Bulgarien und Oesterreich-Ungarn' bringen werde, was dann er­möglichen werde, die ausgezeichneten Beziehungen der beiden Staaten zueinander noch inniger zu gestalteü. Der Bund der Mittelmächte werde zweifellos auch weit in den Frieden hinein mit bewährter Festigkeit dauern. Radoslawow er­klärte schließlich, er glaube nicht, daß es zu einem neuen Winterfeldzug kommen werde.

D!e Revolution in Rußland.

Petersbu r g, 21. Llpril. (Meldung der Petersburger Teke-

C henagentur.) Der Sozialist Meyer, Mftglied des anrerikani- Kangresses, richtete an das Dumamitglied Tscheidse, den Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates, folgendes Tele­gramm:

Als einziger sozialistischer Abgeordneter des amerikanischen Kongresses bitte ich Sie, kategorisch die uns beunruhigenden Ge­rüchte zu dementieren, daß die russischen Sozialisten einen Son­derfrieden nnt Deutschland begünstigen."

Der Vollzugsausschuß des Arbeiter-und Sol­daten rat es sandte Meyer folgende Antwort:

Wie in dem Aufruf des Ärbeiter- und Soldatenrates in Petersburg cm die Völker der Welt und in der Entschließung des allgemeinen Kongresses der örtlichen Arbeiter- und Soldaten­vertreter erklärt worden fft, erstrebt die gesainte russische revolutio­näre Demokratie keinen Sonderftieden, sondern einen internationa­len Frieden ohne offene oder verschleierte Annexionen und Ent­schädigungen auf der Grundlage einer freien Entwicklung der Völker." v

Petersburg, 21. April. (WTB.) Meldung der Peters­burger Telegrvphenagentur. Im Taurischen Palast hat eine Kon- erenz von Vertretern der gairzen 6. und von Teilen der 4 5.,

7., 8. und 12. Armee und der 1. Gvenadierdivision unter Teil­nahme von Vertretern des Arbeiter- und Soldatenausschusses statt­gefunden. Tie Delegierten stellten u. a. dje Frage, ob der Soldaten- und Arbeiterausschuß in Petersburg vnrklich für einen Sonder­rieden eintvete. Das Ausschußmitglied So ko low antwortete- l>er Ausschuß verwerfe jeden Gedanken an einen Sonder­rieden.

Der ukrainische NationaLkorrgreß.

Kiew, 20. April. Der ukrainische National­kongreß hat sich für eine russische, föderative Republik sowie für die Autonomie der Ukraine ausgesprochen.

Amerika und die Entente.

i to sterdam, 23. April. Der Korrespondent derDaily Mail" meldet aus Newyork, daß die amerikanische Re­gierung durch ein besonderes Departement ftir die Entente als Aufkäufer für Kriegsmaterial und Munition gegenüber de,! amerikanischen Produzenten aufzutreten beabsichtige, um, so­weit möglich, der Entente die Vorteile der ermäßigten Precse zuzuwmden, die die mnerikanische Regierung zu zahlen vftegt. Es sei alnr augenblicklich nickst praktffch, eine eudgiltige Mitteilung hierüber zu nvachen, da viele der Produzenten, vor allem in der Kupferindustrie, sich entschieden gegen die Zuwendrmg von Vor­zugspreisen an fremde Länder verwahren.

Wrlson und die Neutralen.

New Yi>rk, 21. April. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung des Reuterschen Buvscms. Der niederländische Gesandte in Washington sprach am Donnerstag Wege"!, der Möglichkeit einas Ausfuhrverbotes für Lebensmittel nach den neutralen Ländern bei Präsident Wilson vor. Hinterher wurde bekanrtt gemacht, daß die Alliierten zuerst mit Lebensmitteln versorgt werden müßten, die Erfordernisse der Neutralen aber erst in zweiter Linie in Betracht gezogen würdeir.

Der frühere Botschafter Gerard über Deutschlands Dnrchhalteu.

Rotterdam, 21. Aprll. (WTB.) Der frühere Berliner Bot­schafter Gerard sprach gestern in einer Versammlung in New Port. Er betonte, daß Deutschland weder infolge einer Revolution im Innern noch durch den Mangel an Lebensmitteln imterliegen. werde. Mit den vorhandenen Lebensmitteln würden die Deutschen, wenn auch mit Schwierigkeiten, auskommen. Sie würden auf eine harte Probe gestellt werden, aber sie gehörten zu einer Glättung Menschen, die die Probe befteheln würden. Die Möglichkeit einer deutsck-en Revolution sollten sich die Amerikaner aus dem Sinne schlagen.

Die drohende Cwnäh ungsfrage in England.

Bern, 21. April. (WTB. Nichtamttichi.) Die Lo,!doner Zei­tungen vom 16. und 17. April widmen durchweg mel-rere Spalten der inmier drohender werdenden Ernährungsfrage. Ten hervorragenden Platz nimmt die Samstags-Rede des (öeneral- nahruugsmitteldirektors Kemmedy Jones in dam Finsburgpark nn. Jones sagte darin: Ich erllare Jlycen offen, daß wir uns be­züglich des Brotgetreides zweifellos einer bedenklicken Lag-e gegen- übersehen. Wir sind nicht in greifbarer Nähe des Verhungerns, aber die Vorräte sind geringe Das Tauchboot ist mehr als eine Trohimg, es ist eine schwere tatsächliche Gefahr. Tie Knappheit an Schiffsrairm, das teilweise Mißraten der Welt- weizenernte und die Verheerungen des scheußlick.en Tauchbootes haben zusaurmen mit der Knappheit an Weizen und Mehl eine Lage hervorgerufen, die uns, falls das Volk nicht entschlossen ist und sich vernünftig damit abfindet, an den Rand des Ver­derbens bringen wird.

Auch der Aufruf Lloyd Georges an die L-andarbeiler, die Erträge der Felder möglichst zu erhöhen, da vielleicht Eng­lands Heer und Marine sonne die Zivilbevölkerung aus die hei­mische Nalwungsmittelerzeugung angewiesen sein würden, wird allgemein abgedruckt und kommentterü Tie Soldaten der Land­distrikte erhalten für die Feldbestellmcg besonderen Urlaub. Seit dem 15. April ist eine neue Verordnung für die Gastwirtschaften und Klubs in Kraft. Danach gibt es f e ft e K o p f r a t i o n e n von Fleisch, ZuclLr, Brot und MekL. Tic Brotration für die Person beträgt täglich ein halbes Pfund. Es ist bemerkenswert, daß die Restaurants, wo der Mindestpreis der Mahlzeit über 2 1 / i Schilling

beträgt, nicht unter die Verordnung fallen, so daß nur die Speise­häuter der ärmeren Klassen betroffen tverden. Mehrere Zeitungen schlagen die Verwendung von Stteckmitteln bei der Brotbäckerei vor. Andere fordern die wohlhabenderen Klaffen, die teuerer» Speisen kaufen können, auf, auf das Brot ganz zu verzichten. All- genrem wird in . Spezialartiteln und in Brieikasten-Zuschriften feäuftfren Jöimueiiei! auf die Tauchbootnot die Notwendigkeit jlrcktciter Sparsamkeit bei dein Verbrauch aller Lebensn!ittel, be­sonders des Brotgetreides,- erörtert.

Die englische BrotraLivn von 1800 Gramm ist zu hoch.

Berlin, 21. April. (WTB. Nichtamtl.Manchester Guar- drm! vom 12. April wiederholt die Klagen anderer Blätter über ^ niebrigert englischen Weizenbestände. Jin Zusammcnhang hier- schreibt das Blatt: Tie Wochenmenge von vier Pfund oder drer Pfund Weizenmehl, Ivelche von dein Nahrungsmitteldiktator! festgesetzt wurde, muß als Durchschnitt betrachtet werden und ist eher mi Durchschnitt zu hoch 'mmcssen, raenn wir ohne wirklichen, ^aangel ourch die Monate Mai, Juni und Juli hindurchkommen sollen. Leute, vielche sitzende Beschäftigungsiveise haben, brauchen mefe Menge nicht. Wenn sie es dennoch! tun, tverden die Ansprüche öer Schtverarbeitenden den durchschnittlichen Verbrauch über die Vurpfuud-Wvchenmenge Hinaustreiben und dann reichen imsere Bestände nicht aus. Das find einfache ziffernmäßige Tatsachen. Ta sZ^^ällsches Pfund gleich 453 Gramm sind, entfprechcn vier eng- lvche Pfund in der Woche cxr. 1800 Gramm. Man ersieht hieraus, bre freiwillige englischeBrottation" unserer jetzigen herab­gesetzten Brotration von 1600 Gramm fast entspricht. Dazu kommt in England der völlige Kartoffelmangel, der auch in nächster Zeit nacht behoben fein wird, weil die Kartoffeln nach den offizielleiß Angaben in wenigen Wochen überhaupt verbraucht fein werden, mi?" -ßreB angeht, so sei daran erinnert, daß das vier eugl. > Pfrnw Brot neuerdings 1 Schilling kosten, das heißt 1800 Gramm ^02 Mark. Ter Berliner Preis für ein solch,es Brot würde jetzt 83 Pfennig betragen.

Sojlalöcmofatifdjc veschiLsse.

DerV orwär ts" berichtet: Der Parteiausschuß der deut­schen Soz ialdemokratie hat sich am Freitag mit der Fr«ge der politischen Neuordnung und der Friedensfrage befaßt den Verhandlungen nahmen die Genossen Tr. dldler, Lreitz undj Dr. Renner von der Parleiverttetnng der deutsck>en Sozialdemo­kratie in, Oesterreich und die Genossen Garany und Weltner vom Partei vor stand der ungarländischen Sozialdemokratie als Gäste teil.

Am Schluffe der Verhandlungen wurde einstimmig folgende Ent-, fchließnng angenommen:

Der Parteiausschuß und der Parteivorstand der sozialdemo­kratischen Partei Deutschlands haben in gemeinsamer Sitzung init den Vorständen der Fraktionen des Reichstages und deA PreiNnschen Llbgeordneteuhauses, sowie der Land^kommffffon für Pveußen am 19. April einstimmig folgenden Befckstüß gefaßt: Wir bekräftigen den unverbrüchlichen Entschluß der deutschen, Arbeiterklasse, das Deutsche Reich aus diesem Ktieg als ein freies Staatswefen hervorgeben zu lassen. Wir fordern die völlige Be­seitigung aller Uiigleichheiten der Staatsbürgerrechte in Reich, ^vtaat und Gemeinde, sowie die Beseitigung jeder Art b u r e a u k r a ti s ch e n Regiments und seine Ersetzung durch der! eutsckieidendei! Einfluß der Volksverttetung. Mit Entschiedew- l,eft verwerfen wir pie von den feindlichen Regierungen verbrei­tete Zumutung, daß bie Fortführung des Krieges nötig sei. um Deutschland zu fteiheitlicheren Staatseinrichtungen zu zwingen.

Es ist dlufgabe des deutschen Volkes allein, seine inneren Eiw- richtimgen nach seinen Ueberzeugungen zu entwickeln. Wir be­grüßen mit leidenschaftlichem Anteil den Sieg der russischen Re­volution und tms durch ihn lentfachte Wiederaufleben der intern nationalen Friedensbestrebnngen. Wir erklären unser Einver­ständnis mit dem Kongreßbeschluß des russischen Arbeiter- mrd Soldatenrates, einen gemeinsamen Frieden vorzuberei- ten ohne Annexionen und Kriegsentschädigun­gen, auf der Grundlage einer freien nationalen Entwicklung! aller Völker. Wir bettachten es als die wichtigste Pflicht der so- I zialdenrokratischen Partei Deutschlands wie der Sozialisten aller Länder, die Machtträume eines ehrgeizigen Ehauvinisinus zu be­kämpfen, die Regierungen zum klaren Berzickst auf jegliche Er­oberungspolitik zu drängen und so rasch,vie möglich entscheidende Friedensgrundlagen auf dieser Grundlage herbcnzuftihren. Kein Volk darf durch den Friedensschluß in eine demütigende und uner­trägliche Lage gedrängt werden, sondern jedem muß die Möglich- keft gegeben sein, durch freiwilligen Beitritt zu einer überstaat­lichen Organisation und Anerkennung einer obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit den dauernden Bestand des künftigen Welt­friedens sichern zu helfen."

Für die Vorstände der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich und der ungarländischen Sozialdemottatie, die den Verhandlungen beiwohnten, erllärte Dr. Viktor Adler, daß sie sich selbstverständlich nicht in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einmischen wol­len, daß sich aber, soweit es sich um die Friedcnskund gebung han­delt, die von ihnen verttetenen Parteien dem vorstehenden Beschluß mit dem sie Wort fttt Wort einverstanden sind, einmütig cm- schließen. (

Deutschland und Spanien.

Berlin, 21. Aprll. (WTB.) DieNorddeutsche Mg. schreibt in ihrem politischen Tagesbericht:

Unsere Gegner versuchen, die in den neutralen Staaten durch die englische Seesperre hervorgerufene Mißstimmung auf uns ab­zulenken, indem sie den uneingeschränkten U-Bootkrieg für die auch m den neutralen Ländern entstandenen wirtschLftlichml Sorgen verantwortlich machen. Daß wir diesen ll-Bootkrieg^ durch die enMschen VLaßnalMen gezwungen, begonnen haben, wird sorgfältig verschviegen. Insbesondere in Spanien wurden in letzter Zell verschiedene Versuche unternommen, die öffent­liche Meinung irrezillellen. Ein Teil der spanischen Presse wies dein gegenüber bereits auf die mancherlei Maßnahmen hin, die die Zentvalmächte gettoffen ^haben, um die mit dem U-Bootkrieg unvermeidlich verbundenen Beschwernisse zu mildern und zroar selbst da, ivv diese durch eigene organisatorische Voraussicht zu einem gitten Tell zu vermeiden gewesen röären.

Es 'imrb in dieser Beziehung ausdrücklich folgendes fest- gestellt: Zur Unterfb'itzung der spanischen Fruchtindustrie hat Deutschland große Ankäufe von Apfelsinen und Bananen in den verschiedensten Prvvmzen Spaniens vorg-erwmmen. Den spani­schen Fruchtschisfen, die außerhalb des Sperrgebiets nach dem Hafen von Cette und Französisch-Marvkko fahren, wwden Gelell­scheine ausgestellt. In technischer -Hinsicht wurde dabei den von der spauischen Regierung geäußerten Wünschen in weitgehendster Weffe Rechnung getragen. Daneben haben zur Entwicklung des Fruchthandels zwischen Deutschland.und Spanien Hamburger und Bvencer Kanfleute in Verbindung mit Jitteressenten in Spanien unter der Beteiligung zweier derttscher Großbanken cllle Gesell­schaft gegründet. Währeiid der Kriegsdoner kauft diese Gescllschift bie Früchte ein und läßt sie in einer in Valencia lln Entstehen ' begriffenen Fabrik zu Konserven verarbeiten. 9lußerdem ist der Export anderer spanischer Nahrungsncittel durch die Sck/affnng un- geUndertcr Ausftchrwege über Cette nach der Schweiz gefördert worden.

Daß durch die Erllänmg der Sperrgebiete auch Spaniens Handel mit Amerika bemnttächttgt werden könnte, ivie unsere Gegirer ans streuen, entbehrt selbstverständlich jeder Unterlage. Auf Wunsch der spanischen Regierung wurde den spanischen Fischern ein Freigebiet in beträchtlichem Umfange zur Ausübung ilires Berufs im Sperrgebiet zu gestanden. Um deni in Spanien l>errschenden Kohlenmangel abzuHelsen, erbot sich di« deutsche Re­gierung bereits vor geraumer Zeit, deutsche Kvhlen in den neu­tralen Häsen zur Berffigung zu stellen. Der spanischen Negierung wurde ferner angeboten. daß die in den englischen Häfen liegenden spanischen Schiffe am t.Mai 1917 ungehindert auslansen und auf der Rückreise nach Spanien das Sperrgebiet sicher passieren können. Endlich erfolgten Anerbietungen über den Verkauf eiui;7er in spani- sck)en Häfen liegender deutscher Schiffe sowie über die Eirrrichttmg einer Passagierlinie nach England. Ein Einvernehmen hierüber wurde jedoch bisher leider nicht erzielt. Natürlicki> bildet die selbst­verständliche Bvransfetznng fttt die Abgabe von Schiffen die nötige