Nr. 94
Der Sketzener L«zei-er
erscheint tätlich, außer Sonntags. - Beilagen: Oießener Zamllienblatter; Kteisblatt
für den Kreis Gießen.
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Erster Statt
167. Jahrgang
Montag, 25. April
Eichener Anzeiger
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General-Anzeiger für Oberhessen
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sämtlich in Gießen.
Nottenangriff aus Dover und Calais. Ein Türkensieg bei Gaza.
(WTB.) Grohrs Hauptquartier. 21. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Erkundnngsvorstöße imYpern-Bo ge nbrächten eine Anzahl Gefmlgene und Beute an Grabenwaffen ein.
Die allmähliche Steigerung der Feuertatigteit zwischen Loos und der Bahn Arras —Cambrai hält an.
Heeresgruppe De nt sch er Kronprinz.
Truppen aller deutschen Stämme vollführen auf dem gewaltigen Schlachtftlde m: der Aisne und in der C h a m - pagne im Kampf Mann gegen Mann, wie im bis zum Tode getreuen Ausharren bei schwerstem Feuer täglich und stündlich Heldentaten! Der Heeresbericht kann sie nicht einzeln nennen.
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Gestern vormittag wurde durch Stoßtrupps die ehemalige Zuckerfabrik südlich von Cerny vom Feinde gesäubert; weiter östlich, an der Hurtebise Fe., schlugen unsere Truppen französische Teilangriffe ab. Am Brimont wurden französisch-russische Sturmtnrppen verlustreich zurückgewiesen.
In den Nachmittagsstunden setzte an der ganzen Aisne-Front und in der Champagne wieder starker Artilleriekampf ein. Heftige Angriffe entwickelten fick bei Braye. von der Hochfläche von P a i s s y bis in die Senke östlich von Craonne, und zwischen P r o s n e s und der S u i p p e s -Niederung. Am Chemin deö Dam es brach der feindliche Sturm im Feuer, an einzelnen Stellen im Nahkampf zusammen. In der Cham Pag ne scheiterten die Angriffe vor unseren Stellungen.
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Nowlich von Reims rmd in den Argonnen brache:: unsere Sturmtrupps in die feindliche Linie und kehrten mit Gefangenen zurück..
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Oestlich von S t. M i h i e l verlief ein Unternehmen nach Wunsch. Auch dort blieben mehrere französische Gefangene in unserer Hand.
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Das ungünstige Wetter der letzten Tage schränkte die Flugtätigkeit ein.
Seit dem 17. April sind in Luftkämpfen sieben, durch Abwehrkanonen drei feindliche Flugzeuge abgeschossen worden.
Auf dem
! Oeftlichen Kriegsschauplätze uafc an der
Mazedonischen Front
ist bei meist geringer Gefechtstätigkeit die Lage unverändert.
Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff.
(WTB.) Grobes Hauptquartier, 22. April. (Amtlich.)
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
An mehreren Stellen der flandrischen und Artois- Front nahm gestern der Artilleriekampf an Stärke und Ausdehnung zu; nördlich der S c a r p e steigerte er sich zeitweilig zu äußerster Hestigkeit. Truppenbewegungen vor unseren Linien wurden unter- Vernichtungsfeuer genommen. Ein starker englischer Erkundungsvorstoß am nördlichen Ufer des Baches wurde durch Gegenangriff zurückgeworfen.
An der englischen Front nordwestlich von S t. Q u e n - t i n vormittags kleine Gefechte. Südlich der Somme nur Ar- tiUerietätigkeit.
Heeresgruppe Deutsch er Kronprinz.
An der A i s n e und in der Champagne blieb fast durchweg die Kampstätigkeit bis zum Abend gering.
Bei Berry-au-Bac sprengten unsere Sturmtrupps ein französisches Blockhaus mit Besatzung. Bei Braye, Hortebtse Fe., an der Straße Reims—NenschLtel, nördlich von P r o sne s und auf dem Westufer der Suippes Gefechte. die für den Feind verlustreich endeten.
SiDlich von Ripont wurde ein französischer Vorstoß abgewiesen.
HeereSgrupp'e Herzog Albrecht.
Die Lage ist unverändert.
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Die Gegner verloren im Luftkampf gestern sechs Flugzeuge, von denen fünf durch die Jagdstaffel des Rittmeisters Freiherrn v. Richthosen abgeschossen wurden.
Marineflieger brachten über Nieuport e.n f e i n d l i che s Luftschiff zum brennenden Absturz in See.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Mazedonische Front.
Anslebende Gefechtstätigkeit im Cerna-Bogen und südwestlich des Dojrau-Sees.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
m
Die Abendberichte.
Berlin. 21. April, abends. (WTB. Amtlich.) Bei Arras starker Feuerkamps nördlich der Scarpe. An der
Aisne-Champagne-Schlachtffont im ganzen geringere Tätigkeit, Pie bei Braye, Hurtebise Fe. und nordwestlich Auberive zeitweilig zunahm.
Im Osten nichts Neues.
Berlin. 22. Zlpril. abends. (WTB. Amtlich.) Heftiger Feuerkampf in einzelnen Abschnitten der Arras- Front; Jnfanteriegefecht bei Loos im Gange.
An der A i s n e und in der Champagne tags bi^er meist ruhig, nur nordöstlich S o i s s o n s lebhaftes Feuer.
Vom Osten nichts Neues.
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Die Sozialdemokrat ie ist mit einer Kundgebung ans Tageslicht getreten, die wir im vorliegenden Blatte ausführlich mitteilen. Uns interessiert daran vor allem die Stelle, die sich mit der auswärtigen Politik und dem anzw- bahnenden Frieden befaßt. Denn wie und in welcher Gestalt der Friede erreicht werden könnte, ist uns heute allen doch wohl das Problem, das' allen: andern vorangeht. Die Sozialdemokratie fordert nun im Einvernehmen mit dem russischen Arbeiter- und Soldatenrat auf, „einen gemeinsamen Frieden vorzubereiten, ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen auf der Grundlage einer freien und nationalen Entwicklung aller Völker". „Die Machtträume eines ehrgeizigen Chauvinismus" sollen bekämpft, die Regierung gen zum „klaren Verzicht auf jegliche Eroberungspolitik gedrängt „und auf dieser Grundlabe so rasch wie möglich Friedensverhandlungen herbeigesnhrt" werden.
Wir aber wissen, daß in Rußland die provisorische Regierung und die Revolntionsparteien noch keinesweas einig sind im Ziele eines solchen Friedens ohne Entschädigungen nick) Wtretungen. Da muß :rns die .Drängende" Qpvadje Scheidemanns doch recht zu denken geben. Es gibt keinen vernünftigen uird fühlenden Menschen, der den Frieden nicht von ganzem Herzen herbeisehnte. Aber man denke an die wahnwitzigen Kundgebungen der Eittente auf das deutsche Friedensangebot. Sie dürfen nicht unvergessen bleiben, wenn die Wendung der Dinge in Rußland das Ende des Krieges hercrnveifer: läßt. Hat die deutsche Regierung noch immer nicht genug getan? Scheidemann Läßt in der Sonn- tagsmrTnmer des „Vorwärts" lurter der Heberschrift „Klarer Entschluß!" gegen den Reichskanzler Farben auftragen, die von Bescheide:,heit keinen matten Schimmer haben, aber desto mehr geeignet finb, Herrn v. Bethnrann Hollweg über die Geister, die er rief, ungeduldig werden zu lassen. Der „Vorwärts" schreibt n. a.
„Es geht nicht weiter mit der Politik der Konzessiönchen und des diplomatischen Versteckspielens. Die nervöse Erregung, die dieser Zustand der politischen Undesinierbarkeit hervorruft, durchdringt alle Schichten des Volkes. So scharf in den meisten aiweren Dingen die Meinungen ausci:: and ergehen : das Recht, yu. wissen, was nun eigentlich werden soll, möchten auch wir als allgemeines Menschenrecht proklamieren. Beschämend muß für die Regierung der Gedanke sein, daß das Geklapper der rechtsstehenden Presse den Zweck haben könnte^ sie wieder ein Schrcktchen zurückzudrängen. Für einen lebenden Menschen, toie den Reichskanzler, ist es sicher nicht angenehm, ,venn sich nur ihn ein Kampf entspinnt wie um die Leiche des Patrvklvs. Immer mehr gerät die Regierung in die Gefahr, das Objekt der sie umgebenden Streitigkeiten zu werden, statt selbst mit kräftiger Hand das Ruder zn führen. Immer deutlicher wird das Bild des Herrn von Bethinann als eines Mannes, der zwar weiß, was er will, aber cs doch nicht oder nicht ganz tut. weil er vor Einschüchterungen Kurückschreckt. Ist es wahr, tvas der Reichskanzler in hundert schönen Reden von der frei eit Zukunft des deutschen Volkes gesagt hat, dann ist es Zeit, diese Zukunft endlich emnial Gegew.vart iverden zu lassen. Und war der Kurs des .Friedensangebots der Tisza-Reden, des Czerninschen Vorschlags, der Antwort auf die Petersburger Erklärung richtig, dann muß er duvchgesteuert toerden bis zum Ziel! Bestücke aber die Meinung, z-u einschneidenden Reformen, sei es zu früh, so hatte man nie durch an kündigende Reden die Erwartungen des Volkes spannen dürfen. Und wäre die Furcht vor „Zeichen der Schwäche", als die mm: bei einigem bösen Willen Friedensangebote immer auslegen kann, vorl?errschend, dann hatte nichts von dem geschehen dürfe::, was seit dev: 12. Dezember geschehen ist."
Das ist die laute, aufdringliche Sprache von Parteipolitikern, die gerne Recht behalten und den Weltkrieg zum Zeugnis haben wollen, daß sie allein von allem Anfang an auf den richtigen Bahnen gewandelt waren. Herr Scheidemann mag aber selbst stark an jener Unfteiheit der Entschließungen kranken, die er dem leitenden Staatsmanne vorhält. Er treibt Parteipolitik, die auf die Opposition der sozialdemokratischen „Arbeitsgemeinschaft unter Haase und Ledebour Rücksicht zu nehmen hat. Mit solcher Mischung dürfen aber die Geschicke des Volkes und die weitwirkenden Abschlüsse des .Krieges nicht gelöst iverden.. Besonders schädlich und verderblich erscheint uns das Wühlen gegen einen Sonderfrieden. Wir sehen, wie London und Paris bemüht waren, den Revolutionären in Petersburg die beruhigende Erklärung ab- zupressen, daß diese nicht mit dem Gedanken eines Sonderfriedens spielten. Die Engländer und Franzosen beharren eben bei ihren Grundsätzen und Absichten, das deutsche Volk zurückzudrängen unb zu knechten. Und wenn Herr v. Beth- mann Hottweg den .Herren um Scheidemann nachgeben und die von diesen geforderte Erklärung abgeben tvttrde, so stünde den Feinden nur ein neues Tor gegen uns offen, während sie alle Türen und Ritze gegen uns verschließen und hinter festen Wällen gegen uns sitzen bleiben. Siegen wir dann int U-Bootkrieg, halten wir unter blutigen Opfern ihren Angriffen stand, müssen sie erkennen, daß sie uns nickst bezwingen können, sondern daß ihnen selber das S&cffct an der
Kehle sitzt, dann greisen sie vielleicht nach dem Rettungs- anker, den ihnen Herr Scheidemann fürsorglich bereitlegt. Haß und Einkreisungspolitik aber würden gegen Deutschland nach dem Frieden ihre neuen Ränke spinnen. Wir vertrauen, daß der Reichskanzler nur einen Frieden schließen wird, der die Tatsachen und Wirklichkeiten im Angl führt und nicht von Ideen und Utopien geblendet ist.
Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.
W i e n, 21. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:
Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Gefechtstätigkeit erhob sich auch gestern nicht Über das gewöhnliche Maß. doch setzte der Feind an der Küstenland i s ch e n Front beträchtliche Lnftslrritkrüfte zur Aufklärung unserer Stellungen und der Räume dahinter ein. Die seitlichen Flieger warfen auf mehrere Orte hinter unserer Front Bomben ab. Bei Laghi, nordwestlich von Arsiero, drangen nach kurzer Artillerievorbereitung Abteilungen des Infanterieregiments Nr. 14 in die feindlichen Stellungen ein und brachten von dort einen Offizier und dreißig Mann als Gefangene zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v.Höfer, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Im Ansthluß an einen feindlichen Lnstschiffangriff auf die Umgegend von Triest, der keinen nennenswerten Schaden brachte, belegte am 20. April vor Tagesanbruch eine Gruppe unserer Seeflugzeuge die Militaristen Anlagen von San Eanziano mit Bomben un& erzielte mehrere Treffer, die aucfj einen großen Brand Hervorriefen. Alle Flugzeuge sind unversehrt zurückgekehtt.
Flottenkommando.
W ien, 22. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:
Oestlicher Kriegsschaupt^tz.
An zahlreichen Stellen der Front let 'Me Artillerie- und Minenwerfer-Kämpfe.
st
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Küsten lärcki scheu Front herrsck e. auch gestern überall rege Fliegertätigreit. Im Gebiet der 2 .cki Zinnen drangen Landsturmabteilungen in eine . Stellung
nächst der Drei-Zinnen-Hütre ein und nahbs, einen Offizier uiÄ 75 Mann gefangen und erbeuteten Mck: Maschinengewehre.
Sonst hielt sich die Gefechtstätigkeit in den üblichen Grenzer:.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hpfer, Feldmarschalleutnant.
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Die Kämpfe an der Westfront.
Berlin, 21. 9lpril. (WTB.) Trotz der heftigen Kämpfe, die <rm gestrigen Tage im Rcmme der Aisne und in der Champagne stattfnnden und sich an martdjeu Stellen zu äußerster Wildheit steigerten, bot das gewaltige Ringen, wie schon in den letzten T«gen, nicht mehr das Bild einer einheitlichen, nach großen strategischen Gesichtspnnkten geleiteten Schlacht, vielmehr löste sich die Schlacht in heftige vereinzelte Kampfhandlungen aus, die aus rein örtliche Erfolge hin zielten. Auch gestern erneuerten die Franzosen ihre ver- zweiselten Versuchs aus der ?llpe-Nieder:mg den Ausstieg zum Höhenzng des Chemin des Domes zu erzwingen. Ihre Angriffswelle:: brachen wie an: gestrigen Tage im deutsck:en Feuer zu- sanrmen. Westlich von Craonne gerieten die ftanzösischen Sturm- haufen in flankierendes ArtMeriefeuer, das sie reihenweise nickerwarf. Im Gegensatz zu den erfolglosen Angriffen der Franzosen gelangen die deutsche,: Gegenstöße, die ihnen, wie südlich Cerny Geländegennnn einbrachten. Auch östlich von Craonne, im Raume zwischen Craonne und dem Bache Miette, sckMerte ein heftiger ftanzüs:scher Angriff, der nach starker Artillerievorbereitung, die nachmittags zu rasendem Tronmrelfeuer anwnck>s und imter Unterstützung von Panzerwagen gegen 6 Uhr abends erfolgte. Größten- tecks wurden die Angriffe noch vor :mseren Gräben medergeschmettert. An einzelnen Abschnitten kam es zu bllttigen Nalikömpsen und heftigen C^egenstößen. Nach dem abflauende,: Feuer in der Nacht lebte heute :nott,en stärkeres feindliches Arttlleriefeuer, auch schwerer Kaliber, an einigen Stellen wieder ans.
Der Block Brimont, der Drehpunkt der Schkachtfwnt, wurde ebenfalls wieder angegriffen, abernvals vergeblich, unter schweren französischen und russischen Verlusten. Nördlich von dem nur wenige Kilometer von Reims entfernten Bethenv ,vurden feindliche Grabenteile vor unserer Frmtt gescnrbert und dabei zwei Unterossiziere und vierzelM Mann gefangen genommen. Nordwest - lich von Auberive, an dem östlichen Flügel der Schlachtfwn: änderte sich die Lage im allgemeinen wenig. Feindliche Angriffe gegen die von uns gelzaltenen Höhenstellungen wurden bluttg abgeschlagen. An einzelne,: Stellen gewannen :oir im Gegelurngrif; Raum. Feindliche Teilangriffe, die gegen Albend eüssetzten. n*rr- den gleichfalls zurückgcwiefen.


