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7.4.1917 Erstes Blatt
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Nr. 82

Der Gletzene? Vn^k-er

erscheint täglich, autzer Sonntags. Beilagen:

Gletzener Famüirnblatter; Kreistlatt

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Erster Blatt

16 k. Jahrgang

Zarnstag. 7. April \9\Z

postscherllsnts: Zranksurl a. M. U686

General-Anzeiger für

vankverkehr: Eewerbebanl Gießen

Zwittingsrunddruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. rchristlettung, Geschäst5ste!le u. Druckerei: Zchulstr. 7.

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sänitlich in Gießen.

Affs neue Kriegsostern!

Gieren, 7. April.

n<rh nixh hinter uns liegt die Zeit, da die Er­kenntnis-Beflissenen unter uns ihre kritischen Betrachttrn- gen cmstellten über zunehmenden Materialismus, Genuß­sucht und Tanz ums goldene Kalb Sie hatten recht; die reinlicher über die Begriffe Sinuenglück Und Seelensreude Nech denkenden fühlten sich häufig abgesto-ßen von dem Trei­ben, jn, auch der nicht abzuleugneud-en regen und hastenden Arbeit, die zum Verdienste, und von: Verdienste ins ein­förmige Genußleben steuerte. Nun hat der Krieg hier um- lvälzend gewirkt. Es steherr keine dampfenden Schüsseln voll Genüsse mehr vor uns, es herrschen spartanische Ge­bote, und die Hand des Krieges hat viel rohes Prassen «luSgetilgt, daneben freilich manche rauhe Seite des Mir- rerialismus noch stehen lassen. Jedenfalls sind wir, trotz der großen und stolzen Leistungen des Vaterlandes, mit­unter im Zweifel, ob der Idealismus zu- oder abnehme. Die Menschheit wird im Ferier geprüft. Die alten Pro­bleme üher die letzten Ziele des menschlichen Lebens rücken uns näher als je zuvor. Da läuten zum dritten Male die Osterglocken in den Krieg hinein. Wäre es ein Wunder, wenn Faustische Bitterkeit trostloser als vormals des Tones Fülle ablehneu wollte:Klingt dort umher, wo fromme Mensckr-en sind!" Die Natur selber scheint in das herbere Osterlied miteinzustimmen. Es umfächelt uns noch kein rechter Frühling, und alles ist auf einen großen Ernst gestimmt. Ganz anders als in Friedens­jahren sind Zweifel und Ungewißheit unsere Begleiter ge­worden. Die Osterlebensbilder, wie sind sie verändert! Ich sehe nicht mehr,wie behend sich die Menge durch die Gärten und Felder zerschlägt", und statt desDorfes Ge­tümmel" sehen wir Stille und Leere. Sehnsucht nach Frie­den, Frieden der Völker und Frieden des Herzens, greift immer weiter um sich. ?lber ein neuer Feind, hoch­mütig und voll Abneigung gegen das deutsche Volk, har sich uns gegenüber gestellt, höhnend und schmähend, was uns wahr nnd teuer erscheint. Da heißt es, aufrecht und hart bleiben im Fühlen und Denken. Wir müssen sorgen, daß nicht schwächliche Friedenssehnsucht uns zu übereilten und unnützen Schritten verleite.

Der flämische Dichter August Vermeyleu hat ein Faust- Buch geschrieben, das der milden und tröstenden Melodien entbehrt, die uns in Goethes Dichtung zuinal an den Osbertagen zu ergreifen pflegen. Die Sage von Ahnsverus, dem ewigen Juden, wird hier (der Jnselverlag in Leipzig hat das Buch in einer guten deutschen Uebertraguug herausgegeben) zu einer ähulick>en Menschheitstragödie er­hoben, wie sie der deutsche Dichter aus der Ueberlieferuug von dem mittelalterlichen Magier erweckte. Ahasverus ist finsterer, schtnerb listiger, in seinen Begabungen enger be­grenzt, als der in allen Dingen hochstrebende, der höch­sten Bildung offeüe Faust. Er hat als gleichalteriger Zeit­genosse 'des Nazareners die Leidensgeschichte Christi unt­er lebt und mitaugesehen mrd ist von Grausen und Ver- zweiftung gepackt über die Uebel und Widerwärtigkeiten der damaligen Menschen. Er tritt seine ewige, qualvolle Wanderung an. Weder auf deinWeg zur Hölle", noch auf demWeg zum Himmel" begegnet dem Dulder die lichte Aussicht eines Ruhepunktes, eines Zieles; erstu n t e r den Menschen" wird ihm der gleiche Trost, den Faust bereits auf halben: Wege erlangt, daß erein Mensch mit Menschen" sei und daß sich das Leben, von einem gewisser: Ab stand betrachtet, am Ende auch als ein schöner Traum ansehen lasse.So machte ich also, einer von diesen Tausend, einen Teil ans von einem schönen Traum", sann Ahasverus,so wäre ich mit diesen Tausend das Werkzeug, wodurch ein schöner Traum verwirklicht wird..." Die ge­ringen Dinge bekamen ihm ein lieblicheres Ansehen, und es ist ein rührender Abschluß des Ganzen, ivie Ahasverus sich mit der Schankdirne Lene verbindet, mit der er wandert und die er schließlich liebtmit dem Geheimnis ihrer Menscheuseele voll Gut und Böse"> wie sie zu ihm spricht: Laß mich, wie ich bin!" Und es war ein Karfreitag, als ihnen die Sonne zum Gruße leuchtete und als die Obst­gärten blühten von Gezwitscher nnd Geflöte . . .

Dieser Ahasverus, der sich auch in der heutigen Zeit der Tränen nnd Not sein Felleiser: mit schmerzlicher Unrast beladen könnte, fand Erlösung in der Erkenntnis, daß sein Leben im Licht und Schatten der Gemeinschaft nrit Tausenden doch einen Zweck erfülle. Sein Beispiel kehrt uns, daß man mit Leid und Groll sich nicht in der Enge vergraben soll. Die große Gemeinschaft, mit und in der wir einen schönenTraum" erfüllen wollen, ist gegen­wärtig unser deutsches Volk. Wer wollte sagen, daß es vollkommene Menschen seien, die da in Reih nnd Glied fechten, und daß man mit gehobenem Gefühl jedem Ein­zelnen die Bruderhand drücke:: könne! Nur der Blick auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten, auf den ge­meinsamen Besitz eines schönen Landes, ans den deutschen Frühling, den wir jetzt wieder erleben, und darüber noch wett hinaus ans die große weltgeschichtliche Aufgabe des deutschen Volkes, sich mit der Ueberlegenheit seines Geistes, seines Wollens und Könnens durchzusetzen unter seinen Gegnern, erhebt uns über uns selbst nnd läßt uns freudig und willig ans unserem Platze aushatten. Die allge­meine Lösung der Daseinsftage hat, wie Faust, auch der Ahasverus des flämischen Dichters gefunden. Wir aber, wenn wir im Drang und in der Oede dex blutigen Zeit uns diesem herberen, trotzigeren Gesellen ans seiner Wanderung anschließen wollten, würden dofch bald auch die schöneren, edleren Blüten des Lebens wieder zu finden wissen, und die .Hand des größeren d e u t s ch e n Vorbilds würde wieder die Leitung übernehmen. Aufersteheu muß und wird uns ein neues Deutsches Reich. Hinter dein Frühling erwartet

uns in hoffentlich nicht mehr weiter Entfernung der Friede, der ein neues Füllhorn von Gaben für uns bereit hält urü> deutsck)en Landen einen regen und freudigen Wandel uttd Handel wiedergebe:: wird. Von Ahasverus wollen wir noch einer: Willensgedanken mitnehmen, der ihn beseelte, als er noch voll Unrast die Welt durchlief:Sie werden mich nicht kriegen," sprach er bei sich selbst und biß die Zähne zusammen und'hielt sich steif. Vermeyleu sagt von ihm die schöner: Worte, die wir gerrP ans unser suchendes nnd streitendes Volk anwenden möchten:Denn das will ich euch nur sagen, er war ein Mann von: Kopf ois zu den Füßen, kein Seelchen von Zucker nnd Honig, kein Luftikus oder Jammerlappen, sonder:: ein knorriger Kerl aus einem Guß mit ein paar sehnigen Arbeitshänden, einem klaren Kopf nnd einem Kerngehäuse, an dem was war." Ein Kerl, mit anderen Worten, der über alle Wilsonschen Kongrestbeschlüsse tapfer und entschlossen seines Weges weiterzieht. . .

* * *

(WTB.) Großes Hauptquartier, 5. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Der heftige Artilleriekamps zwischen Lens und A r r as hielt auch gestern an.

Nördlich der Straße PeronneCambrai setzten nach mehrmals gescheiterten Vorstößen die Engländer abends zum neuen Angriff starker Kräfte an, denen unsere Truppen wieder erhebliche Verluste zusügten und dann auswichcn.

Südwestlich von S t. Q N e n t i n wirkte die französische Artillerie mehrere Stunden gegen von uns nachts geräumte Stellungen, die anschließend kampflos von der feindlichen Infanterie besetzt wurden.

Bei Laffaux wurde ein Vorstoß der Franzosen zu­rückgewiesen.

Unsere Batterien brachten ein Munitionslager bei V e nd resse (nördlich der Aisne) zur Entzündung. Erd­erschütterung und Knall wurden bis 40 Kilometer hinter der Front wahrgcnommcn. Ein wirksam vorbereitetes und kraft­voll durchgeführtes Unternehmen nördlich von Reims ist gut gelungen. WirbrachtendemFeindeineblu- tige Schlappe bei und machten über achthundert Gefangene.

O c st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Front des G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l s Prinzen Leopold von Bayern.

Südlich von Riga brachen unsere Stoßtrupps in die russische Stellung ein, sprengten ei'.lige Unterstünde und kehr­ten mit Gefangenen und Beate zurück.

Bei Czepicle (südlich von Brody) hotten unsere Sturmtruppen bei einem Vorstoß 41 Gefangene uui) ein Maschinengewehr aus den feindlichen Gräben.

Front des Generalobersten Erzherzog Joses.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von M a ck e n s e n.

Auf dem rechten S e r e t h n f e r bei Gartcnsca drangen Erkuilllungsabteilnttgen in einen russischen Stützprrnkt und kehrten mit dreißig Gefangenen und zwei Mincruvcrfern in die eigenen Linien zurück.

M a z e d o n i f ch e Front.

Auf der Cervena Stena, westlich von Monastir, wurden den Franzosen einige ihnen aus den letzten Kämpfen verbliebene Gräben wieder entrissen.

Der Erste Gencralanartiermeister L u d e n d o r f f.

(WTB.) Großes Haupt quartier. 6. April. (Amtlich.)

W e st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Der Artillcriekamps an der A r t o i s f r o n t hat sich in der: letzten Tagen bedeutend gesteigert. Besonders von A n - gres bis zum Süduftr der Searpe lag gestern in Zeit­wellen starkes Feuer alter Kaliber auf unserer: Stellurrgen. Mehrfache Vorstöße englischer Erkundrurgs Abteilungen wur­den von unserer Grabenbesatznng znrückgeschlagen.

Auch an der A isnc - Fro n t lam es im Anschluß an unser gestern gemeldetes, in dem beabsichtigten Umfange voll gelungenes pnternehmen bei Sapigneul nördlich von Reims zu lebhaftem Feuerkampf. Wir haben dort 15 Offiziere. 8 2 7 Mann gefangen, vier M a f ch i n e n g e w e h r e und zehn M i n e n w e r f e r mit viel M u n i t i o n er­beutet. Ein französischer Gegenangriff zwischen Sapigneul und La Neuville ist abgewicsen worden.

Auf dem W estufer der Maas schwoll in den Mid tagsstunden das Geschützfener vorübergehend «in.

*

Klares Wetter führte bei Tag und bei Nacht zu sehr reger Anftlärungs- und Angriffstätigkeit der Flieger und zu zahl­reichen Luftkämpfen. Ein bis D o u a i porgedrungenes eng­lisches Geschwader von vier Flugzeugen wurde durch eine un­serer Jagdstaffeln angegriffen und vernichtet. Alle vier Flug­zeuge liegen hinter unseren Linien. Oberleutnant Frei­herr v. Nichthosen Hot davor: zwei. also den 35. nnd 36. Geg­ner. abgeschossen.

Außerdem verlor der Feind acht Flugzeuge im Lnfi- kampf. zwei durch Abschuß von der Erde. Bon uns werden drei Flugzeuge vermißt.

O e st l i ch e r Kriegs s ch a:: p l a tz.

Front des G c n c r a l f c l d u: a r s ch a l l s P r i ir z e r: L e o p v l d v o rr Bayer

Südlich von Riga, bei Jllnrt. Toboly, an der Zlota Lipa und Najarowcä. sowie südlich von SI lNiSlau setzte die

russische Artillerie beträchtlsthr Mengen von Munition zur Wirkung gegen unsere Stellungen ein. Nach einer Minen- sprengrmg gegen die Höhe Popielicha (südwestlich von Brze- zany) vorbrechcnder Angriff der Russen scheiterte.

Bei Wegnahnre des russischen Brückenkopfes von To­boly am Stochod am 3. April fielen in unsere Hand 130 Offiziere, über 95 00 Mann. 15 Geschütze urw Minen­werfer, sowie viel Krregsgerät aller Art.

Front des Generalober st en Erzherzog Josef

Nichts Neues.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Die Lage ist unverändert.

Mazedonische Front.

In der Osthälfte des Cerna-Bogens nahm zeit­weilig die Artillerietätigkeit zu.

Im W a r d a r - T a l wurden durch Bombenabwrrrf un­serer Flieger umfängliche Muiütionslager zur Ent .ündung gebracht.

Der Erste-Generalauartiermeister Ludendorff.

*

Die ??bendberichte.

B e r l i n. 5. Apr il. abends. (WTB. Amtlich.)

Starker Artilleri. kamps zwi'chen Lens und A r r a s.

Im Osten in mehreren Abschnitten Lebhafte russische Feuertitigkeit.

B e r l i n, 6. April, abends. (WTB. Amtllch.)

An der Artoisfront und in mehreren Abschnitten der Aisn-e-Front starker ArtillLnekampf.

In Reims aufg st.'l te Bat e i n, dort erkannte Befesti­gungsarbeiten u:w Verkehr sirw von uns wirkungsvoll be­schossen worden.

Im Osten rege russische Feuertätigkeit.

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Die bisherige Aprilbeute der N-Voote.

Berlin. 6. April. (WTB. Amtlich.) Seil den am 30. März veröffentlichten Tauchbooterfolgen sind nach den bis heute eingegangencn Sammelme.'dungen weiterhin ir:s- gesirntt 13 4 0 0 0 Bruttoregiftertonnen von un­seren Booten versenkt worden. A

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 5. April. (WTB. Nickjtamtlich.) Amtlich wird verlautbarti 5. April 1917.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Außer einigen mit Erfolg ausgeführten Stoßtrupps- anternehmungen ist nichts zu melden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Bei klarer Sicht im allgemeinen lebhaftere Artillcrie- und Fliegertätigkeit als in den letzten Tagen.

Unsere weittragenden Geschütze beschossen mit guter Wir­kung eine feindliche Truppenparade östlich von CormonS.

Italienische Marineflieger warfen auf Nabresina und S i st i a n a Bomben ab.

Unsere Ortschaften im Etschtale und Areo standen aber­mals unter Artilleriefeuer. In letzterem Orte wurde die Pfarrkirche schwer beschädigt.

S ü d ö st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Im Bereiche unserer Truppen keine besonderen Er­eignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschallcutnant.

Wien, 6. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. dlpril 1917.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Bei der vorg.fftorn gerneldcter: Eroberung des Stochod- Brückenkopfes Tobol nahmen wir 130 russische Offiziere und über 9500 Mann gefangen. Es wurden 15 Geschütze, etwa 150 Maschinengewehre urÄ große Mengen an Kriegs­gerät erbeutet.

Gestern vielfach lebhafter Geschützkampf nnd sehr rege Fliegertätigkeit. An der osbgalizischen Front schoß einer un­serer Flieger ein fenrdlichcs Flugzeug ab.

An der Najarowka wurde ein Versuch der Russen, nach einer Mimnsprengung anzngrejfen. im Keime erstickt

Italienischer und s n d ö st l i ch e f Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralsLabs v. Höfer, Feldmarschallentnant.

*

Ereignisse; urSee.

Wien. 6. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Mehrere Geschwader unserer,S ec fluqz enge haben in der Nacht zum 4. April die militärischen Objekte, beson­ders die Flugzeughangars in G r a d o und G o r g o. mit zahlreichen schweren und schwersten Bomben erfolgreich be­legt Mehrere Volltreffer in den Hangars konnten fest-gestellt werden. Ein Soeflugzeug ist nicht zurückgekehrt. Die übrigen fi:ü) alle wohlbehalten in ihren Standorten eingetroffen.

Der türkische Bericht.

Konstantinopek, 5 April. (WTBü Heeresbericht ovnr 4. April.

An der T«ala-Front setzen die Engländer mch R u s s c u &.t. R ü cf z v a vor unseren Linien fort.