hfcS §xrupkAÄr»er $u betfttfftii und sich nach P-ederShurg zu he- geben.
Petersburg. 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Delegrnpbenagentur. Aus der Provinz ein- treffend; Nachrichten bozeirgen, daß die Bevölkerung einstimmig wünsche, den Krieg bis zum Siege fort- zusetzen. Die Vertreter der Kosaken erklärten in einer großen Versammlung in Tiflis, alte Kosaken wünschten: den Anschluß an das Volk zu beweisen und so alten Ge Nichten entgegen zu treten als könne das alte Regime aus ihre Unterstützmrg zählen. Alle Kosaken Ottenburgs sollen der neuen Regierung den Eid geleistet haben. In Charkow fand, wie die Agentur meldet, ein Revolu- Lionsfest statt, an dem 30 000 Vertreter verschiedener Organisationen teilgenomnren hal>en. Ein Kultus für die bei der Revolution^ gefallenen Opfer breite sich in ganz Rußland aus. U'nauf-, Irlich werde an der Umgestaltung aller örtlichen und Kreisorgane gearbeitet, die später ausschließlich mit Personen, die das öffenlliche Vertrauen genießen, beseht ioerden sollen.
s zugleich 20 Millionen Döcrrk alte Kriegsanleihe in neue 4i4prozentige Sckftitzanweisungen unrgetauscht.
Willst Du
unseren iodesmutigen 0 Boot-Helden zu Hirse kommen?
Zeichne Kriegsanleihe!
Englands Mangel an Seeleuten.
Kopenhagen, 4. April. (WTB.) Englands Mangel an Seeleuten ist deutlich am Mter der Mannschaft der an- Vommenden Schiffe orkainbar. Es sind entweder viel zu junge oder viel zu alle Leute, um den Dienst ordnungsmäßig versehen zu können. Das brauchbare Material ist längst eingezogen. Man versucht mit allen Mitteln neutrale Seeleute anzuwerben, wir drohenden Mangel zu verhiiteir. Klagen der' Schiffsbesatzungeni über schlechte 'Verpflegung sind in letzter Zeit allgemein. Auch neutrale Schiffe können in England nur mit allergrößten Schvierig- ieiten den notwendigsten Proviant erhalten.
Der geringe Kartoffelvorrat in England.
Berlin. 4. April. Wie die „Times" mitterlt, erklärte der llnterstaatsickretär Fathurs ini Unterhaus, daß in Großbritannien — außer Irland — etwa 150 000 Tonnen Kartvsseln vorhanden find. Das bÄ>nite, daß bis Mai aus den Kopf der Bevölkerung ein Pfund wöchentlich entfällt. T Harne (Arbeiterpartei) wies jedoch darauf hin, daß An Osten Londons Familien von ach: bis neun Köpfen nur drei Pfund in drei Wochen l*efantnu 2 i konnten.
Seefrfeg.
Die versenkten norwegischen Schiffe.
Kristiania, 4. April. (WTB.) Laut „Tidens Tegn" rsind seit dem 1. Februar 105norwegischeSchiffe von Srrfammen 106 000 Tonnen Gehalt verseil kt worden, hiervon alleiil im März 64 Schiffe mit 103 000 Tonnen. Die norivogische Flotte ging seit Neujahr um 149 Schiffe mit '233 000 Tonnen Gehalt zurück. Laut ,',Norges Handels og Sjoefartstideilde" sielen seit Anfang März siebzehn norwegische Dampfer dem Versuch, Kohlen' und Koks ans England nach dtorwegen zu.holen, zum Opfer.
Kristiania, 4. April (WTB.) Nach einem Telegramm des norwegischen Generalkonsuls aus Bilbao cm das norwegische Ministerium des Aeußern wurde der Ber- gerrer Dampfer „Jdrmaua" (1386 Tonnen), mit einer Ladung Kohlen von Cardiff nach Lissabon unterwegs, von erreem deutschen Tauchboot versenkt. — Der Toens- JEvger Dampfer.^Havlys^ (532 Tonnen), in Ballast von Äandeftord nach England unterwegs, wurde am Montag labend westlich von Lindesnaes versenkt. — Der Bergen er Dampfer „Mauränget, der am 20. 'Dezember mit einer Ladung Kies von Pomaron nach England <ckrgegangen ist, wird als verloren betrachtet. Die Besatzung' bestand aus 15 Mann: die Ladurrg war für 850000 Kronen versichert. — Der Dampfer „Konsul Persson", nach England unterwegs, wurde in der Nordsee von einem Tauchboot versenkt. Die ManTlschaft ging in zwei Boote und wurde nach zwei Stunden von einen: Tauchboot ausgenommen, auf dem sie 13 Stunden blieb. Während dieser Zeit wurde ein mittelgroßer Dampfer aus Haugesund unbekannten Namens in Brand gesteckt. Das Schicksal seiner Mannschaft ist unbekannt. Schließlich wurde die Besatzung des „Konsul Persson" an Bord eines Dampfers aus Porsgrund gebracht, und dieser gezwungen, die Reise nach England zu unterbrechen und zurückzukehren.
- *
Amsterdam, 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Der niederländische Dampfer Eversum" mit Getreide für die Reg ier ung ist aus Baltimore angekommen.
Aus dem Reiche.
Berlin, 4. April. (WTB.) Der Reichskanzler ist nach Zweitägigen: Aufenthalte im Großen Hauptquartier wieder in Berlin eingetr offen.
Berlin, 4. April. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Ausdehnung über den 'vaterländischen Hilfsdienst aus Angehörige der -österreichisch-ungarischen Monarchie, der Entwurf einer Bekanntmachung wegen der Zollfreiheit für Lederabsälle, sowie -die Abänderung der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf.
Berlin, 4. April. (WTB.) Die Firma Krupp hat -außer der schon gemeldeten Zeichnung von 40 Millionen Mark auf die sechste Kriegsanleihe (fünfte Kriegsanleihe gleichfalls 40 Millionen Mark) weitere 10 Millionen Mark neue 4r/zprozentige Schatzantveisungen gezeichnet und
Willst Du
Leben und Gesundheit unserer tapferen Feldgrauen schützen?
Zei,chne Kriegsanleihe!
Willst Du
die gierigen Feinde zur Preisgabe ihrer wüsten Raubund Vernichiungsptäne zwingen?
Zeichne Kriegsanleihe!
Willst Du
das Ende des Krieges beschleunigen, einen ehrenvollen Frieden sichern?
Zeichne Kriegsanleihe!
.EMWMWS»
Aus Stcrdt unS Eanv.
Gießen, 5. April 1917.
Lebensmittel.
** Wer Kuirsthonig oder Gyrup beziehen will, hat den Bezugsscktein 3 der Lebensmittelkarte von Dienstag, den 10. April bis Donnerstag, den 12. April 1917 in einem Kleinhandelsgeschäft gegen Aushändigung einer Ausweiskarte abzugeben. Mir in dem vorgenannten Termin bza Bezugsschein 3 nicht abstvt, kann bei der Verteilung nicht berücksichtigt n\Ti>cu. Die Menge an Kunsthonig oder Syrup, die auf jeden Abschnitt entfällt, sowie der Beginn der Ausgabe wird noch bekannt gegeben.
** Bestandsaufnahme der Gemüse-Konserven. Um eine gleichmäßige Verteilung der im Handel befindlichen Gemüse-Konserven unter die Bevölkerung zu ermöglichen, habere Groß- und Kleinhändler der Stadt Gießen bis spätestens 12. ds. Mts. ihren Bestand an Gemüse-Kvnserven schriftlich dem Städtischen Lebensmittelamt anzuzeigen. Die angezeigten Vorräte werden den Händlern belassen. Näheres siehe Anzeige.
*
** Am tliche Pe tsonalnachrichten. Der Großheczog hat den Generalleutnants Io suite Fei Herrn von Hehl auf dessen Antrag von der Stelle als Vertrauensmann des Landesvec- bandes Jnngdentschland .und als Vertrauensmann für die militärische Vorbereitung der Jugend im Großl-erzogtum Hessen enthoben und zu seinem Nachsiotger in dessen Stellen den O^rreral- major !z,. D. von lJo<rrtm<lm: in Darmstadt ernannt. — In den: Ruhestand versetzt wurde: am 31. März der Rabbiner der orthodoxen israelitischeil Gemeinden des Ruiübrnats Darmstadt Professor Dr. Lehmann Marx in Darmstadt ^ auf sein Nachfuchen rmter Anerkennung seiner langjährigen, treuen mW er-sprießlichen Dienste. — Uebertragen wurde: am 31. März dem Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft in Dannstadt Dr. Moses Marx die Stelle eines Rabbiners der orthodoxen israelitischen 0>en winden des Rabbinats Darmstadt mir dnn Amtssitze Darmstadt. — In den Ruhestand versetzt wurde: am 31. März die Lehrerin Anna Marie Nauheim er zu Mainz aiff ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen, treuen Dienste von: 1. April 1917 an. — Ter
Grvßherzvg hat anr 14. Februar d. Js. dem Königlich Pveußrschoq Gel-ermen Baurat K l i m be r g, Vorstand des Ersen balMbettiebS* amts in ,Kreuznach, die ^Krvüe $um Ritberkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Plstlipps des Cl-voßmütigen und dem Königlich Preußischen Eisenbahn-Haupttasserendanten Rechnungsrat A r e n ö in Mainz dos Ritterkreuz 2. Klasse dieses Ordens a:is Anlaß ihrep Versetzung in den Ruhestand verliehen. — Ltm 3. Älpril d. Js. wurde der Steuevaufseher Georg Beck in Friedberg vom Tage seines Dienstantritts an zun: Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Dieburg ernannt. — Erledig t ist eine mit eurer katholischen Lehrerin zu besetzende Schul stelle an der Volksschule zu B ü r st a d t, Kreis Bensheim»
** Der Kirchengesangverein beabsichtigt vereint mit 'dem akademischen Gesangverein Karfreitag abend eine größere kirchliche Musikanfsührung zu veranstalten, die gleichzeitig als Gedächtnisfeier für Max Reger gedacht ist, dessen Todestag sich am 11. Mai jährt. Negers plötzlicher Tod! auf der Höhe des Lebens und des Scknaffens kam nicht als Vernichter, sondern als vertrauter Freund, auf dessen Vbahnnng^ der Lebende immer gehorcht, uni> dessen geheimnisvolle Weise fast in alle seine Werke tstneinklang. In seiner Jugend sah er viel Sterben und bittere Todesnot, und drese Eindrücke erschütterten ihn iuxfy als reisn: Mann. Deshalb wundert es uns nicht, daß seine Kunst ahnungsvoll vor denk letzten Geheimnis steht und er oft die Frage nach dem Kommenden tut, und wir begreifen den Zauber, den Bach auf ihn aus übte imb daß die protestantische Moral zum Begleiter . seines Lebens ward. Der Orgel gehören die meisten seiner ersten Schöpfungen an, darunter Choralphantasien nach Bachschem Verbilde, der Orgel hat auch Negers letzte Schöpfung gegoltene Op. 145, und am Tage seines Todes arbeitete er noch an der Korrektur des gemischten Chores „Der Mensch lebet und bestehet, nur eine kurze £eil." Er griff auch hier wieder auf den Choral zurück und knüpfte an die Ueberlieferungen der alten a capella-Ge- sänge an. Einfachere Töne, wie in dem letztgenannten Chore, schlug Reger in seinen Chvralkantaten an, die er zu den Hauptfesten des evangelischen Kirchenjahres komponierte. Sie sind als Op. 79 f in bent Jahve 1904 in München entstanden. So sehr sie Bach- schen Geist atmen, so sehr unterscheiden sie sich in der Form von den Karitaten jenes Meisters. Wälzend bei Bach der bekannte Wechsel zwischen ©Ijor, Recit. und Arie mit dem Schlußchoral des Chores vorl-errsckft sind Negers Kantaten in freier, dem Sinne der einzelnen Strop!>cn angepagter Variations- und Figurativns form geschrieben. Der einst vor: H. Schütz angeregte, später von Hcrzogenberg in seinen Kirchenoratorien weiter verfolgte Gedanke, die Zuhörer durch eingestreute, von der Orgel begleitete Choräle sich an der Aufführung selbst beteiligen zu lassen, ist von Reger irr der Weise vollständig durchgesührt worden, daß er die Gemeinde in dem Variationsgefüge selbst, tells allein, teils während des variierten Gesanges des gem. Chores mit dem in gleich schwebendem Rhythmus zu singenden Cant. firm, eingreifen lässt. So ideal nun dieser Gedanke auch ist, so schwer ist er (wenigstens in unseren Gegenden) durchführbar, da unsere G^neinden nicht die gleichschweb enden, sondern die rhythmisierten Choräle gewöhnt sind, ferner die Füi)lung zlvischen Gemeinde, Chor, Instrumenten und Orgel eine viel zu lockere ist, um gefahrlos imb ohne Proben das ganze Gefüge znsammcnzulialten. Auch bei der heiligen Kar- fteitaasaufUlTrung muß dal-er der Gemeindegesang durch Frauen- und Knabenchor ersetzt werden. Auf diese Weise' wird der Hörer ein allgemeines Bild der gedachten Gesamtwirkimg dieser eigenartigen und tief enrvfund-enen K'irclienkompositionen Negers erhalten, — zu ihrer wirklichen Größe allerdings können sie nur erstehen durch bte Wärme der eigenen, regen Beteiligung der Gemeinde, die allein das rechte Band um das Ganze schlinat.
** Ein Wohltätigkeitskvnzert zugunsten des deutschen U-Bootvereins, der bekanntlich auch in Gießen, eine Saminlung in die Wege geleitet hat von Liebesgaben für die Besatzung der deutschen 11-Boote, findet am 2. Osterfeiertag nachmittags und abends im Cg f 6 Astoria statt. Wie aus dem Inserat in der heutigen Munmer hervorgeht, wird düs Konzert von Mitgliedern der Kapelle des Ersatz-Bataillons ansgesührt.
** An dem Kurs über Elektro-Diagnostik und» Elektro-Tllerapie in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten haben zirka 70 im Militärverband stehende Aerzte, größtenteils von auswärtigen Lazaretten, teilgenommen. Vertreten rvaren, zum Teil durch mehrere Tellnehmer, Aachen, Augsburg, Vtäd Ems, Bad Kissingen, Bad Oen Hausen, Barmen, Bochum, Bocholt, Bonn am Rhein, Cassel, Castrop in Westfalen, Cob- lenz, Creseld, Düsseldorf, Eisenach, Fallenstein im Taunus, Freudenberg, Fürstenfeld-Bruck, (Bayern), Fulda, Gelsen- kirchen, Gießen. Gollma, Haar bei München, Kaiserswerth, Lübbecke i. W., München, München-Gladbach, Münster, Neuhaus i.W., Nassau, Nauheim, Nepelm, Trier, Uerdürgen, Warstein, Wetzlar, Wiesbaden, Würzburg. Als Vortragende haben bei dem Kurs außer dem Veranstalter, Prof. Sommer, die Herren Pros. König, Elbs, Berliner und Henneberg gewirkt. Mehrere Sanitätsämter haben den Kurs durch Kommandierung, Beurlaubung u. a. wesentlich gefördert. Der Verlauf des Kurses zeigt, daß in militärärztlichen Kreisen an der neurologischen Untersuchung und elektrisck>en Behandlung der Kriegsverletzten lebhaftes Interesse vorlwnden ist. .
** Gießener Fröbel-Seminar. Der vor vier- zehtt Tagen schon erfolgten Prüfung der Kinderpslegerinnen folgte Dienstag, den 3., und Mittwoch, den 4. April die Schlußprüfung der Kindergärtnerinnen. Sämtliche 16 Prüflinge, 8 Kindergärtnerinnen und 8 Kinderpflegerinneft, haben das Examen bestanden und treten, soweit sie gleich Stellungen annehmen wollten, sofort in diese ein. Leider nlußte die Leiterin des Seminars ivieder viele, z. T. sehr gute Stellungen, unberücksichtigt lassen: ein Beweis, daß stets Mangel an gut ausgebildeten Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen (Kindergärtnerin II. Kl.) ist. Dieser Mangel wird auch noch nach dem Kriege imnter fühlbarer werden, da stets mehr Kindergärten/Kinderheime u. dergl. errichtet werden und die Kindergärtnerinnen auch hier Verwendung finden können. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich noch mehr junge Mädchen diesem Berufe widmen würden. Es
Gietzener Stadttheater.
Heimat.
Schauspiel von Hermann Sudermann.
Wir haben uns mit Supermanns Kunst bei der Besprechung von „Stern unter Steinen" kurz ausernandergesetzt, so daß heute wemg nachzutragen bleibt. Auch die „Heimat" gewinnt ihren Konflikt aus der Gegenüberstellung gruirdverschiedener Lebensaiffchan- imgen, die aus engbegrenztem Felde aufeinander losgehetzt werden/. Decke: ist das Spiel zwischen dm beiden Parteien nicht gleichniäßig verteilt. Magdas Standpunkt ist dem des feigen Vertreters der bürgerlichen Scheinmoral gegerrüber von vornherein überlegen und der Konflikt, der sich tragisch aus einen dritten, den autokratisch- patriarchalischen Vater auswirkt, findet keinerlei Lösung, sondern wird durch den theatralischen Zufall eines Schlagansalls künstlich abgebrochen. Bei diesem dritten Drama, das Stckermann schrieb, -zeigen sich seine mrßeren Vorzüge wohl am augenfälligsten, was den Eriolg hatte, daß „Heimat" über alle Bühnen des )n- und Auslandes ging. Viel dazu bei trug natürlich auch die Rolle der Magda. die äußerst dankbar, in ihren Grundzügen kaum zn verfehlen ist und darum besonders bei Engagementsgastspirlen bevorzugt wird.
Die Gastrolle der Magda hatte Tina Kißlin q. Wir lemten in ibr eine Schauspielerin kennen, die mit gutem Takt und feinem Empnnden die ganze Gesühlsskala der Windharfe spielen ließ, mit der sie sich einmal selbst vergleicht. Wohl ausgebrldet und wohl- laritend ist ihre Sprach', deren sympathische Klangfarbe allerdings vielfach von der Künstlerin auffällig stark als Gestaltungsmittel benützt ^vurde. Jchre Auffassung der Magda zeigte eine große Reise, die nrcht hmmer in dieser Rolle so überzeugend gestaltet wird. Nach der Magda zu urteilen, mtirc Tina Kißling eine schätzrns- werte \ -oft für unser nächsffährigeS Ensemble, wenn ihre Ver- ^vendungsmöglichkeit das i>olt, was ihre gestrige Leistung versprach. Ein zweiter Gast, Ludwig Urbach aus Stralsund, hatte die Rolle des Regierung-rrats von Keller geraählt. T^se Rolle ist bei der
Zweideutigkeit des Clrarakters nicht ganz so dankbar, wie die der (Magda, aber ein guter Schauspieler vermag sie immerhin zu starker Wirkung -zu steigern. Ludwig Urbach interessierte im ersten Aufzug, vermochte aber später wenig neue Züge seiner Gestalt hinzuzufügcn. Seine Leistung verriet gute Bühnengewandtheit, aber keine besonders interessante psychologische AuZgestaltirng. Von den hiesigerV Kräften wurde unter dem Ansporn der O^äste Gutes geleistet. Wilhelm Hellmuth hatte den starren Charakter des alten Oberstleutnant ttefflich erfaßt uub führte den Kamps zwischen Stolz und Liebe, Härte und Güte nreisterlich durch. Auch seine Spielleitung verdiente alles Lob. Oskar Feig'el hatte im Pfarrer die ihm am besten liegende sstolle der ganzen Spielzeit gesunden, da ihr seine Erscheinung und vor allem die Tonfärbung seines Organes zugute kam. Seine Leistung war deinentsprechend besonders .glücklich. Adolf F a l k e n gab einen schmucken Leutnant ab, Vally Scheid- l e r ein gefühlvolles kleinbürgerliches Mädchen, Elli D o r n h ö s elr eine würdevolle alte Dame und Louise Deiosea die ausdringlick)« Tante. zz.
Max Wesolowski. Dienstag abend trat Max Wesv- lowski zunr letzten Male als „Biegler" in Sudermanns „Stein unter Steinen" aus mck ver^bsch'cvete sich bannt vor Schluß de:' Spielzeit von Gießen ans Stadttbeater nach Essen. Wir »vollen diese Gelegenheit nickst vorliliergehen lassen, olpie die Leistungen dieses hervorragerrden Künstlers zusammenfassend nochmals gebührend hervor zu heben. Tie Rollen, die er gestaltete, waren die künstlerischen. Höhepunkte der diesjälpügei: Spielzeit. Was ihm besonders nachzurühinen ist, ist die tiefe Beriincerlichinrg, mit der er sich in die Psychologie seiner Clrarakter-Gestalte: versenkt. Ties ernröglichte es ihm, immer Mensckftn dazustellen, an denen auch dcr kleinste äußerliche Zug organisch aus der Gesamtcruffassung herauswuck)S, Menschen voll Blut und Leben, erfüllt von dem Geiste, den ihnen ilxr Dichter lieh. DaS Nacherleoen und Neu- schaffen ermöglichte auch die große Wandlmr-Ifül-igkeit von Aus-
Ackc' zu Alufgabe, die Anpasffmg an den. jeweiligen Stil des Dichters :nrd das reiche Detail der Ausarbeittmg, von der llug gewählten Maske bis zur wohldulrchdachteu, scheinbar nebensächlichsten Geste.
Max Wesolowski kan: vom Stadtthvcrter Aachen und debü • tierte als Nathan. Schon dieses Debüt ließ glänzende ^stalttmgs- fühigkeit des Künstlers erkennen, wenn er auch das Schwergewicht mehr ans Nathans Weisheit als Nathans Herzensgüte legte. Nach mehrerer! kleineren Aufgaben gelang es ihm, die nnglücktick^e stakt ldes Grenzjägers im „Weibsteusel" fest und scharf umrisseni darzustellen, sowie in QNessels „?ftter" den .Kantor prachtvoll zu charakterisieren. Vorbildlich in Maske und Spiel war sein Bur leigli in ,,Mjaria Stuart". Glänzend sein Arkas in „Iphigenie", eine Musterl-eistung der Malvolio in „Was iljt wollt" und von dämonischer Größe sein Leopold in „Könige". Sein eigentliches Feld zeigte sich aber erst in der Schöpfung Ibsen scher. Sudermann- scher und Hauptmuunscher Gestalten. „College Crampton" bot dev! 5künstler zum erstenmal die Gelegenheit, alle Eigenheiten seiiier individualistischen Darstellung straft in einer Meisterleiftung zusanunenzusassen. Wenn sich auch die Liebe und Hingabe, mit der Wesolowski die Gestatt Cramptons zeichnete, im Stile des Natu ralismus vielleicht etwas zu sehr bei einzelnen Charakterisierungsmitteln ^anshielt, so war doch diese Gestalt eine Tat von höchstem tunsllkrischen Werte. Das gleiche ist von der psychologischen Vertiefung des Konsul Bernik in „Stützen der Gesellschaft" zu sagen, und nicht zuletzt vom Biegler in „Stein unter Steinen", der vielleicht das beste war. was der Künstler uns aus großzügigk'r Tuvcbgestaltung bot. Es ist nur zu bedauern, daß die Kürze der mehrfach imterbrockiemm Spielzeit es nicht gestattete, dein gan* s)ervorragenden Kitnstler :u>ch tveitere Aufgaben zuzuweisen.
Wesolows-kis Eigenart wurde auch in der ganzen Art seiner Regieführung kenntlich, die eine weitere, sehr achtbare Seite seines Könnens ist. Wir erinnern nur an den „Siebenten 'Tag", „College Cvampton", „Stützen der Gesellschaft"'. »


