Ausgabe 
31.3.1917 Zweites Blatt
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96 Sitzung i'Sd)£u&). s Äarf) fewt Reichskanzler sprach

Abg. Werner-Gießen (D. Fr.'):

^ _»TOrnJcnTCT Ijabeit sich stets mit papünnrcn Protesten gegers-

Uo^r England Pcgnugt, In uitfcrcr bekannten U-Bootnote hatten »runS dre freie Ent»chließung firr den darin gekenuzeickmeten be- mnrmten Fall tvrbeballen. Präsident Wilson schickte (Gebete zum Himmel und Ge» chossc an unsere Feirrde, vielfach sogar Geschosse nrtt grsttgen Gasen. Auch ganze Fliegergeschwader amerikanischtw gerinnst kämpfen auf seiten unserer Feinde im Westen. 75 000 s JlnwntawT kämpfen als .Canadier ebenfalls im Wjeslen gegen uns, auch lind ranadrschc Truppen durch das Gebiet des Staates Maine ymovrmgelasien worden. Bei dem Einbruch in das Geschäftszimmer des (vekrerars der dentsctien Botschaft in Waslsington, .Herrn von sind den Amerikanern' verlKngmsvollc Schriftstücke in die d)Mrdc gefallen, so auch Scheckreste, aus denen wichtige Schlüsse ge- ^üen loerttw konnten. Im Falle des öftirrrricfyifcfycn Botschafters iS? r? - oül ebenfalls eine Völkerrechts Verletzung vor. Amerika sich m alles lnneingemischt, so in die Verpflegung und Ernäh- Polens. Deutschland und Amerika sind grundverschieden in den Aultassungen über die Ziele des Krieges. Die Deutschen sind ordnungsliebend, Amerika ist kapitalistisch, es ist nichts als eine Art Filiale unserer Feinde Dernbnrg l)at in Amerika Min fallen erregt, so daß ihn der deutsche Botschafter als Privatperson schließ- ^Erdicknitteln mußte. Die Voraussagungen der maßgebenden! Stellen haben sich bisher nicht bewabrheitet. Das feindliche Amerika »ckxwet uns »reuiger als das neutrale Anteridu Der Redner be- dauert die elenden Verfhiltnisse in den feindlichen Gefangenen- Die Amerikaner betrieben in Berlin Spionage für die Eug- länder. Der Redner kritisiert die Vorgänge ans dem Festmahl der amerrkmn'chen Handelskammer in Berlin. Amerika ist wohl der Ueberzeugung gewesen, daß man keinen Ernst mit dem uneingc- schvaukten U-Boot krieg machen würde. Der tl--Bootkrieg darf in kerner Weise gegenüber einem (Staat durclLirochen »Verden. da das» l^-Boot das einzige Mttel ist, um den Krieg zn einem schnellen Ende zu bringen. Die Mexikaner verlangen ein besseres Verständnis für ihre Zustände in Deutschland Sie sind darüber ungehalten., daß man die Lügcnberichte der englischen und amerikanischen Presse über die mexikanischen Verhältnisse in Deutschland unverändert ab- 6ruckt_ Der Großvater des Reich skanz-lers hat noch vor 1806 die Entlassung des nachmaligen Reichskanzlers Bismarck gefordert. Die Sozialdemokratie hätte es gar nicht wagen können., sich dem Willen der breiten Massen zn Anfang des Krieges entgegenzustemmen. Bis Mr Stunde hat die Sozialdentokratte nichts von ihren Idealen auf- gegeben. Sie hat im Gegenteil im Abgeordnetenhaus den .Kampf gegen die anderen Klassen verkündet. Durch ihr Verhalten will sie hauptsächlich ihre b.ämpsfälngkeit verstärken znm Kampf gegen die anderen Klassen. Dein Danke an unsere Kämpfer an der Front und auf der See schließen wir uns von ganzem Herzen an. Der Friede muß der Opfer wart sein, die er gekostet hat. Mit einem Geschäfts »rieden können wir uns nicht einverstairden erklären.

Staatssekretär Dr. Z i m m e r m a n n: Der amerikanische Bot schafter (Perarv bat fiel) bei mir b es chw er t . Bersclnedene Amerikaner, die seine erbitterten Gegner waren, hatten einen sogenannten W'attt- heitÄ>und gegründet, der von Zeit m Zeit Schriften gegen den Botschafter losließ. Der Botschafter wünschte, daß gegen diese Her­ren polizeilich oder gerichtlich vorgegangen werde. Soweit Gegen­stände in Frage kamen, die für das Reich von Interesse waren, bin ich den Besü.werden nachgegangeu, und ich habe gesinrden. daß sie grundlos tvaren. Im übrigen bandelte es sich um Differenzen Müschen den Amerikanern und ihrem Botschafter. Davon habe ich mich) ferngehalten. Ich habe es als meine Pflicht bettachtet, solange der Botschafter lster war, ihm mit der nötigen Achtung zu begegnen.

Dr. Werner-Gießen (D. Fr.) lvünscht, daß, die gegen den amerikanischen Botsckiafter erhobenen Beschwerden widerlegt würden.

Staatssekretär Dr. Z i m m c t m a n it: Ich bin den Beschwer- den nachgegangeu. sie waren zweisellois unrichtig, besonders dis Sache mit den Pässen. In der Presse konrrte ich nicht darauf ein- gehen, weil ich die Persönlichkeit des Botschafters schützen mußte.

Das Haus vertagt sich. Freitag 10 Uhr: 1. Gesetzentwurf zur Herabsetzung der Mindeststrafen im Militärsttafgesetzbuch; 2. Kanz- tavetat (Fortsetzung). Schluß 8 Uhr.

Abschluß der Staatsvoranschlügs-Veratungen.

Unser Tarmstädter Mitarbeiter schreibt uns:

Die Frühjalnstagung der beiden hessischen Stärrdekammern hat msi dem drittletzten Tage des ablauäenden. Monat' noch recht­zeitig rhreu Abschluß; Kunden mrd man kann wieder einmal sagen: <§n$£ gut, alles gut! Damit soll aber keinestvegs bebruptet werden, daß attf .'. waS uns in der Märztcvgnng des dritteai .Kriegsjahves von rmiern gesetzgebenden Körperschaften beschert tvorden ist, mm auch w i r k l s ch g u t getvesen »väve.

Der Kardinalselsler nicht nur des hessischen Parlameittes ist, daß KN viel, viel zu viel mit leeren Worten znm Fenster hinauf gearbeitet wird. Es tan und darf natürlich dein vom Volk ge­wählten Vertreter das Reckst der freien Meinungsäußerung in keiner Weise beschrankt wer chm. Gr hat aber auch die Pflicht, sich reicht nur den parlamentarischen, sondern ata den allgemein gül­tigen Vorschriften anzupassen, »oas leider von einer Anzahl Rednern bei der jüngsten Etats bercttuna nicht, ^H'^^phcu ist.

Das Hauptziel für den lieber,^mg zu den eiruährigen Staats- vorausch.lägen, die Abkürzung der Beratung,m infolge der Verein­fachung durch die alljährliche Bilanzausstellung, war also nicht erreickst ivordeu. Nun hat der Weltkrieg mit seiner damals ganz unübersehbaren Ausdehming und Tauer den langauSaebreitetens varlamcntarisckum Verhandlungen ein Ende bereitet. Im ersten Krisgsjahre einen ordmmgsmäßigen Staatsooranschlag den Kam­mern vorzulegen, war die Regierung außerstande, und man begnügte sich damit, den Staalsl-oushattsplan des Vorjahres auf das neue Fahr zu übertragen und die. Regierung zu ermächtigen, die aus den Umständet sich ergebenden Veränderungen selbständig vorzunehmen, wozu natürlich nur ein paar kurze Kammersitzungen erfordert ül. waren. Für das Etatsjahr 1916/17 wurde aber nach dem Beispiel anderer Bundesstaaten und auf arcsdrückliches Er­suchen bet ürmbftäitbc vvn der Regierung ein ordentlicher Staats­haushaltsplan vorgelegt. Er schloß bekanntlich mit einem Fehl­bettag von 4 573 000 Mk. ab, und die Regierung verlangte zur teilweifen 'Deckung desselben eine 20pvozenttge Steuererhöhimg. Welch harten Kämpfens in Parlament und Presse es bedurft hat, biejeit anoeforderten Satz auf 12 Prozent herabzndrücken, ist noch in frischer Erinnerung. Tie Zweite Kammer trat aber im Vorjahr erst am 15. März zusammen mta erledigte die ganzis schwierig'' ?lnfgabe bis zum Monatsschluß in höchstens einem Dutzend Sitzungen. In diescnc Jahr aber trat die Kammer bereits am 6. März zusamnren und begamc die Beratung des Voran­schlags schon am 7. März und trotzdem man diesmal viel leichtere Arbeit hatte, mußte noch das parlamentarische Zwangsmittel einer Bor- rmd Nachmitlags-^Sitzmig anr^veiidet werden, imt denStaats- haushaltsplan ftiberHaupt rechtzeittg bis zum 1. April fertig zu stellen. Von der )1iegierung waren die Vorbedingungen für eine rasche Abwickelung der parlanrentarischen Arbeiten gegeben worden: Der Herr Finanzmiirister hatte eine günstige Entwicklung der beiden finanziellen Grundsteine des Larrdes, die Ueberschüsse aus der Preußisch-Hessischen Wenbalmgemeinschaft und bert Mehrerttag aus der direkten Staatseiirkommensteuer fostge- steltt, die beide ü berras chenderweis e und zur allgemeinen Fretae um je etnxt h'I Millionen in die Höhe gegangen sirrd. lind da das rechnerisäße Manko vorc 1900000 Marr aus deni vor­handenen Rest ftmt>s gedeckt wi/rd, so ist, wie der Herr Finanz- rninister ansdrücl lick, betonte, nicht nur für das neue Etatjahr feine Steuererhöhung erforderlich, sondern es erscheint auch die Hoffnung begründet, daß selbst bei einer längeren Dauer des Weltkrieges und bei. ireuen Lasten für die Staatskasse das Gleich­gewicht unserer FinanMr an fischt erhalten toerden wird. Da hätte es doch eigentlich auch für die Iweite .Kammer eine fteudigte Aufgabe sein sollen, den ersten Kriegsetat ohne Mehrbelastung der Steuerzahler rasch zu verabschieden. Aber das Gegenteil war der Fall. Schon die allgenveiire 2ttissprach' über den Voranschlag dehnte sich über die Ysebühr lang aus und für die Sonderberattmg der Rechmmg für die Abtaisiu^grn des Ministeriums des Innern wurden gar vier volle Sitzungstage verwendet, in denen, von den Kammermitgliedevn einige 60mal, vmr den Regierungs Vertretern e&m 20mal das Wort ergriffen wurde; verschiedene der Reimer

fernen un Zeitraum von wenigen Stundeic vier und siursinak zum Wort, um bald über die Mängel in der .KartaM- oder Fett Versor­gung, bald in der Brotrationierung, der Milck>- und Butterliefevung od« der Handhabung der Scho,nur-Rotlauf-Impfung ihrem Syev^en l^uft zrr machen, und die Berharrdlmigen tourden dabei so ans- emandcrgerissen, daß für den Zulwrer eine g(Ordnete Uebersicht über- liaupt nicht mehr möglich ivar. Run war aber schon bald nach dem Kriegsarisbruch in lieberesirstimmung mit der Regierung ein er- wietterter parlamentarischer, der svg. Kriegsausschuß ins Leben a^ntteil worden, der sich ausschließlich mit der Beratung der Wirt- jchattsichen Fragen zu beschäftigen batte und der Regierung bei aueu wichttgeren Wirlschaftsmaßnahmen mit Rat und Anregung zur Hand sein sollte. Zu den Sitzungen dieses .Kriegsausschlusses ort* ai1 ^ Kam me rmi tglieder hinzugezogen, die besondere tthtträge stellten oder sonst ein Interesse für einzelne kriege- nnrtjchasiluhe Aufgaben bekundeten. Was hat nun dieser 2lusschnß überhaupt ftrr einen Zweck, wnrn die einzelnen Mitglieder alle dte von thm längst erledigten Fragen im Kammerplemlm wieder von neuem auswllen?

Aus Stadt und Land.

ließen. 31. März 1917.

Das schönste Bild.

Voll Hofsirung sieht's das Vaterland:

Den Griffel habt Ihr in der Hand,

Ihr zeickmet an der Zukunft Bild!

Je mehr, je rascher wird's enthüllt.

Wird Euch das schönste Glück beschieden,

2hr helft zum Lieg, und Sieg bringt .Frieden!

*

April.

Der Monat April hat senren Ramcn aus dem Lateinpchen; hergeleitet: aperire hich bei den alten Römlern öffnen, und sie gebrauchten das Wort recht gerne, wenn sie ausdrücken wollten^ daß die Natur erwacht, daß die Erde das alte Winterkleid ablegt und neue üraft für den Sommer sainmell. Freudig erwartet man den sich nock: recht zaghaft bemerkbar machenden Frühling, der uns die ersten sonnigen Tage bringen soll. Freilich darf man diesem Sonnenschecn nicht allzu sehr sein Vertrauen schenken, dennder April inacht, was er will" und aufA-rilwetter und Herrengunst >oll sich kein Mensch verlassen". Die Witterung ist nach dem Charak­ter das Monats vollkommen unberechenbar. Scheint noch eben die Tonne heiß, so ziehen schon in den nächsten Stunden schwere Wolken am Himmel auf und ein ergiebiger Regen ergießt sich über die Lande. Manchmal sogar wird man durch ein prächtixtz's Schnee- geitöbcr überrascht, dennkein ?kpril ist so gut, er schneit dem Bauer aus den Hut". Der erste Tag des Monats war meist dem Scherz geweiht und lver in denLlpril geschickt" Hrar und dann nicht gute Miene zium bösen Spie! wachte, der brauchte rvahrlich für den Spott nicht m sorgen. Der an sich harmlose Spaß ist durch ganz Europa mit Ausnahme von Spanien una Portugal verbreitet. Zurückge­führt wird die Sittedes in den April schickens" auf einen Finanz» kniff, der sich im Mittelalter ereignete. Auf dem Reichstag zu Augsburg, nämlich im Jahre 1530, »ockchcr den protestantischen Fürsteir Gelegenheit geben sollte, dem Kaiser ihr Glaubensbekennt­nis zu überbringen, wollte man außer dem Religionsstteft auch das Münzn>esen regeln. Es fehlte jedoch an der Zeit, so daß auf den ersten April ein besonderer Münztag angesetzt wurde. Dieser Tag war das Ziel zahlreicher großartiger Spekulationen. Nun wurde plötzlich der Münztag überl^aupt nicht abgehalten. Die schlauen, geldgierigen Kanflente verloren ihr Vermögen und hatten außer dem großen Schaden auch noch den Spott ihrer Kameraden zu erdulden. Man hatte sic einfach in den April geschickt.

In manckien Gegenden des deutschen Balerlatrdes heißt der April ataOstermond". eine Bezeuwumg, die unter Karl dem Großen zur Einführung gelangte, da das liebliche Osterfest mit seinen 'marmigfachen Sitten und Gebräuchen meistens in den Monat April fältt.d Ostern ist eur echtes Frühlingsfest, so recht für das deutsche, sinnige Gemüt geeignet. Die Eltern ziehen mjt den Kindern hinaus in die Natur, der Landmann betrachtet dte bestellten Aecker, er macht seinenEmmansspaziergang". Im Frieden spendete Küche und Keller die herrlichsten Genüsse für den verwöhnten Gaumen und wenn »vir auch beute auf den Besuch eines lieben Gastes, desOsterHafens", vergeblich narrten, so wollen wir auch dieseEntbehrung" tvillig erttagen im Hinblick darauf, daß unsere Väter und Brüder im Schützengraben ja noch viel/ viel größere Entbehrmtgen zu erd-ickveir Haber', als wir, die rvir rroch in der traulichen Hennat unserer täglichen Arbeit ungeftisit nachgehen können. Für die Sckmler und Schülerinnen kommt jetzt die gefürckp- tetste Zeit des Jahres, die Versetzu.ng, und der kleine ABC-Schütze trägt stolz seinen funlelnagelneuen Ranzen zur Schule. G-esundli-eit- lich müssen mir uns noch immer vor Erkältungen hüten. Am besten hält man sich an ein altes Merksprüchlein unserer Vorfahren, das folgendermaßen lautet:

Aprilen ziert das Erdreich fein Mit schönsten .Kräutern, Blümelein.

Spazier in Luft, halt mäßig Dich,

Jag', impft wird', das Erdreich Jetzt hitzet mehr sich unser Blut,

Drum Aderlässen ist sehr gut.

Lebensmittelmarken.

Für die Zeit vom 2. b,s 8. April 1917 haben nachstehende Lebensmittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 14. Woche, gültig vom 2. bis 8. April 1917

Buttermarken 14. , 2. , 6. ,

Fleischmarken , 14. . * , 2. . 6. ,

Kartoffelmarken, 14. 2. . 8.

Zuckermarken Nr. 10 und 11. gültig bis 30. April 1917. Seifenmarken für den Monat April.

Ein Nmtanfch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.

Geschäftsstnnden des Stadt. Lebensmittetamtes von 912 Uhr vorm., 24 Uhr nachm.

Sonntags von 1012 Uhr vorm. Markenausgabe für Urlauber.

** Eis onb ah rr - Werk führer i. R. Alb. Schufst konnte am 29. d. M. seinen 80. (Geburtstag begehen. Unter den Glückwünschenden befand sich auch der hiesige Evang. Arbeiter-Verein, der ihin, seinem Mitgründer und früheren langjährigen Rechner, durck) seine Vorstandsmitglieder Heß und Heuser die Urtttnde iiber die ihm durch die diesjährige 5)auHtversammlung verliehene Ehrenmickgliedschast über­reichen ließ.

** O berhessischer Kunstverein. Erfreulicher­weise hat andy die Ausstellaurg des Aussteller-Verbandes Miinchener Künstler, welche seit Smrutag neu eröffnet ist, eine gute Ausnahme bei den hiesigen zVunstfreunden ge­funden. Der Besuch der Ausstellung war auch die Woche hindurch rege, rtnd es besteht schon jetzt die Aussicht, daß manches der ausgestellten Kunsttoerke seinen Kaufliebhaber hier finden wird. Die Ausstellung ist morgen Sonntag vvn 11 bis 3, cm Werktagen von 11 bis 1 und Mittwochs auch noch nachmittags von 3 bis 5 Uhr geäffrret.

** Für die U-Bo ot-Spend e stellte Kommerzien­rat Ad. Noll dem Vorsitzenden des hiesigen Flottenvereins!, Herrn Oberbiblivthekar Heuser, 700 Mk. zur Berftlguug.

** Der Zweig verein vom Roten Kreuz, Aliee-Frauen-Berein Gieften teilt nrit, daß seine Geschäfts­räume: Auskunftsstelle, KAsse (Geburtstagsspende), Abt. für Liebesgaben, sowie der Bezirksausschluß für verinißte und

Deutsche vom 5. bis 11. April ernschlteßlüh

r^fen bleiben.

** Schwarz-Weiß-Theater, Sellerswog 81. Jur Programnt vmn Samstag, 31. Mär.z, bis^ einschl Montag, 2. Aprct, gelangt zur Vorführung: ,L>m Schatten der Schuld", Detettü>Drarna in drei Ulkten, verfaßt, inszeniert und dargestellt von Del Zopp. Außerdein gastiert das !*> liebte Künstlerpaar Wanda Treutnann, VigoLarr- sen in dem dreiaktigen SittendramaDie schrvarze Katze".

Landkreis Gießen.

g. Lollar, 31. März. Vorgestern abend wurde in de« großen SaalZum Sckiwanen" durch einen vaterländftcheil Abend für die 6. Ltriegsanleihe geworben unter dem Vorsitz von Burger- ,neister Schmidt, der die Versammlung eröftnete Lehrer Daa b hielt einen Lichtbüdervorttag in -1. Zerren ber bie Ar­beit der Reichsbank und il>rc Bedeutung für Teuftch-lands wttt- fchaftliches Lebrn klar vor Augen füllte. Die anderen Bclder zem- ten schöne Partien aus dem Lal)ntal mrd ^^lttfcb-Süd-veitafrika, das l-vftentlick? bald »nieder in beut>'eben Hände?l »ein wird. Pas­sende Lieder der 1. Klasse imb Dekkanrarionerr emzelner "Schüler füllten die Pansen aus. Dekan Gu ß mann sprach über dre Pflicht eines jeden Deutschen, bei der 6. KriegÄnckeibe zur Stelle zu fern, und betonte bert Wert der Sammelzeichnnngen desonc^rs für die konfirmierte Iugerrd. Bürgermeister Schmidt dankte den Rednern und schloß nach kraftvollen Worten unter Hmweis auf den Ernst der Zeit den gelungeneu Abeub.

Kreis Lauterbach.

vc. Schlitz, 31. März. Eil» Schlitzerländer Lehrer bewahrte als ein für ihn kostbares Vermüchtms h»l»wert Mark in Gold auf, die sich im. blutbefleckten Brustbeutel feines im ersten Kriegsjahr gefallenen hoffnungsvollen Sohnes befanbm. ES »oar ihm dies' begreiflicherweise »nie ein Heiligtum, wie ein letzter Gruß desToten. Nunmehr aber hat der Vater des gefallenen Tapferen dem Vaterland das bis dahin sorgsam gehütete Vermächtnis geopfert und zur Stär­kung unserer Golottaft »er Reichsbank abgeliefert. Hut ab vor sol­cher Selbftüberwindilng und Vaterlandsliebe! Es mag »roch manche geben, die in gleicher Lage zu einem solchen Opfer sich bis heutck noch nicht entschließen konnten. Möchte auch ihnen um des Vater- lairdes »villeu der Entschluß jenes Vaters und Vaterlandsfreundcs vorbildlich sein!

Kreis Schotten.

z. Ans dem oberen Vvgelsberg, 31. März. Die Hosfuung aus ein baldiges Frühjahr scheint den Witterungsver- l?ältnissen »rack geschrmmden zu sein. Aus strimgeu Frost der vorigeir Woche war in den ersten Tagen dieser Wtae starker Schneefall.' eingetttten. Weit und brett, sotveit das Auge reicksic, ist alles »ricder in eine »veiße Schneedecke eingehüllt, im Oberwalo liegt der­selbe sogar 2025 Zenttmeter hoch. Am Tage herrscht mittmter Tauwetler, nachis starker Frost. So werden »vir auf Palmarum^ anstatt frischen Grüns kahle Fluren, anstatt grüner Zweige Eis­zapfen zu sehen haben.

Gictzener Stadttheater.

Sonntag, den 1. April, nachinittags 3 1 /* Uhr. bei lleinen Prei­se: Neuheit!Könige". Ende 6 Uhr. Abends 7^2 Uhr. bei lleinen Preisen:^tein unter Sttaen". Eride 10ift Uhr. Dienstag den 3. April, abends 7V.,, Uhr, biei gewöhnlichen Preisen, (ermäßigt), 12. Dienstag-Abonnements-Vorstellung:Stein unter Stcrneteft Errde 10(ft Ilhr. Mitt»voch, den 4. April, abends 7^- Uhr. bei ge-- wöhnlick^en Preisen (ermäßigt), 12. Freitag-Abomcements-Vorstel- lnng:Heimaftft Ende lOy* Ul)r. Somttag. den 8. April, aberwä 7 % Uhr, bei Volkspreisen:Maria Stuarftft Ende 10-Va 11^:.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) ^

Stadtkinder auf dem Laude.

Gestatten Sie einem Pfarrer, der sich mit der Unterbri n gung von Stadtkindern auf dem Lande befaßt, öffentlich Widerspruch pa erheben gegen eine offenkundige Verdrehung der Tatsachen, die sich der Zkeichstagsabgeordnete Büchner von der Soz. A.-G. am 21. März im Reichstag geleistet hta. Er sagte nämlich: will man für die Landarbeit sogar die Kinder herarrzrehen. Das ftl ja der Zweck des Rufes: Stadtkinder an.fs Lackteft Eine solche AÄußerung könnte gerade in den Kreisen, die die Worte des sozialdemokratischen Abgeordneten besoirders ge»rau lesen, die Wirkung haben, sie »iftßtrcruisch geg^rr alle Bestrebungen zu machen, ihren Kindern für die Ferien eine Unterkunft ans dem Lande zn vermitteln, wo sie sich bei besserer Kost und in guter Luft nach de» Entbehrungen des Winters roiebfu stärken können, sie könnte aber auch Erbitterung Hervorrufen bei den Landleuten, die sich zur Aufnahme eines Stadtkindes bereit erklärt hoben. Diese könnten sagen: Wenn die Leute in der Stadt glauben, wir wollten ihre Krnder zu eigennützigen Zwecken, um ihre Slrbeitskrast cruszubeuten. dann mögen die Kinder bleiben, wo sie sind. Der Ruf:Stab1 linder auf's Land", ging zunächst nicht vom Lande aus. Vielmehr wurde der Ruf in der Stadt erhoben und fand auf dem Lande eine» e'rfteulichen Widerhall. unserer Gegend war es die Kreisschul- kommission, die an die Schulvorstände mit dem Ersuch«: heranttat, für Stadtkinder geeignete Familien auf dem Lande zu oermittel», die bereit wären, die Kinder für kürzere oder längere Zeit aus­zunehmen. Und dieser Ruf wurde da»:n auf dem Lande ausge­nommen, und Hunderte von Kindern dürften sich infolgedessen einiger sorgenfteier Wochen auf dem Lande erfreuen. Wenn man sie ihrer Neigung und ihren Fähigkeiten entsprechend beschäftigt, so lwird das wohl kein einsichtig er Mensch tadeln,' am »venigsten Ivohl die Eltern der Kinder. Sollen die Kinder etwa auf dem Lande herumlungern intb faulenze»!, während die Landkinder tüchtig ickaffen? Die Arbeit schändet und schadet nicht: umso besser sch»neckt nachher das Essen, umso besser schlägt die Kvst au. Und wenn die Stadtkinder durch ihre Arbeit ein wenig zur Förde rung der Landarbeit beitragen, so ist das im Interesse imfere* VateAandes nur nützlich. Aber um der Arbeit willen nimmt man fre nicht'auf, sondern um ihrer selbst »villen, aus Liebe. Es gibt eben scheints immer noch Lt»tte, die das nicht einsehen wollen. Sie dienen ganz gewiß nicht den ärmeren Kindern.

Wöchentl. Ueberflcht der Todesfälle l d.Ltadt Kietzen.

9. Woche. Vom 25. Februar bis 3. März »917. Einwohnerzahl: anqenomn»en zu 33100 (inll. 1600 Mann Militär). Sterdlichkeitsziffer: 32,97 Nach Abzug von 13 Ortsfremden: 12.56'/^.

Es starben an Z«f.

Altersschwäche 5 (4)

Lunqeutuberkulof« 2(1)

Akute Miliartuberkulose 1 (1)

Lungenentzündung 8 (1)

Krankveiten des Herzens 2 ft)

Grhirnschlag 1

anderen Ürankhetten des

Er­

wachsene

M4)

1

2

1

1

Kinder

tm 1. Lebens- vom 2 blS jahr IS. Jahr

KD 1 (1) Ml)

KD

Nervensystem»

1(1)

1(1)

anderen Krankheiten der Ver

dauungsorgane

1(1)

1(1)

Krebs

2(1)

-(!>

1(1)

anderen Neubildungen

1(1)

Verunglücklmg

1 (1)

1 ( 1 )

anderen benannten Todes­

ursachen _1 1

Summa: 21(13) 15(8) 6 (5)

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffentlichung des Großh. KreisgesundheiLsamts Gießen . > Dr. Walger, Med.-Rat.

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