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30.3.1917 Erstes Blatt
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btt Wkcht zmn -6. Mürz, daß es sich um: die Zerjtzörerr ^Paragon" undHlewellyn" handle, von welchen der ersteve gestmken, der zweite schwer beschädigt worden sei.

Kristiania, 29. März. (WTB.) Die Gesandtschaft in London drahtet, daß der norwegische DampferMar- schall" aus Narvik laut einer MÜteillrng der Admiralität xn der YLordsee versenkt worden ist. Der Bizekonsul in Aberdeen meldet, der- DampferSandvi^ und der Ber- Seuer DampferNova" sind versenkt worden.

Mitteilungen im Hauptausschuß des Reichstags.

Berl i n , 29. Dtärz. WTB.) Im Hauptausschuß des Reichstags machte heute der Staatssekretär des Reichsmarme-- amts, v. Capelle, vertrauliche Ausführungen über den Tauch­bootkrieg, aus denen. mit erfreulicher Deutlichkeit erhellt, daß. alle Eüvartimgen sich bisl)er in vollstem Umfange erfüllten Das im kürzesten Monat trotz der ungünstigen Witterung, trotz des Eis­gangs in unseren Flußmündungen, dem langanhaltenden Nebel und der langen Nächte erzielte Ergeknris von 781 5(0 0 Tonnen im Februar eröffne die besten Aussichten für die Zukunft, um so mehr, da nicht nur die Zahl der Tauchboote in der Front in stetigem Wachsen begriffen sei, sondern auch die Boote selbst immer leistungsfähiger würden. Alle in den feindlichen und mich m einem Teil der neutralen Blätter enthaltenen Angaben über die Vernichtung zahlreicher U-Boote seien erfunden. Tie V e r l u st e hielten sich im Gegenteil an der rackeren Grenze dessen, :vas die Marine von Anfang cur in ihre Berechnung eingestellt habe. De- Frontzuwachs an U-Booten überträfe in den Mo naten Februar und März die Verluste bei weitem Äir die Gesamtzahl der U-Boote käme die Zahl der verloren ge gangenen U-Bovtx überhaupt nicht in Betracht. Unsere Gegner machten alleiLings die größter: Anstrengungen, der U-Bootgesahr Äarr zu werden. Wenn dies mit Reden im Parlament und Geschrei m den ZeiUmgen überwunden werden könnte, dann wären sie allerdimsS schon verschwunden. Er könne sich damit begnügen, den Redereien unserer Feinde die Tatsache gegeimberzustellen Große Erfolge, sehr geringe Verluste. Auch der Marz habe sich nach d«: bisherigen Meldungen sehr gut angelassen wotzdem bereits jetzt überall :m Sperrgebiet ein fühlbarer Rückgang der Schiffahrt eingetreten sei und die U-Boote Wfc viel koeniger Schifte anträfen. Letzteres sei in der Hauptsache dem Verhalten der ilkeutralen zuzuschreiben. Die Marine habe cs

begrüßt, daß die neutrale Schiffahrt das Sperrgebiet meide. Nsrtrale Schiffe zu versenken, sei ffir unsere Streitkräfte schmerzlich und eine harte, aber unbedingte Notwendigkeit.

Im Anschluß an die vertraulichen Mitteilungen des Staats- lekretärs des Reichsnrarineamls erklärte der Staatssekretär des sShhäu, Dr. Hel fferich, die technischen Erwartmigen, die auf Lmfene U-Boote gesetzt wurden, hätten sich voN erfüllt, Damit sei dre Gewähr gegeben, daß auch die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt^ würde::. Ter Schiffsverlust imferer Feinde sei heute schon io gwß, daß sie, namentlich England alle An streu gingen machten WU die neutrale Schiffahrt zur Hilfeleistung zu bewegen.

* * *

Berlin, 29.März. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundes rat s gelangten zur Annähme: Der Entwurf einer BeLnmtmachnng betreffend den Anbau von Frühgemüse auf TabaHeldern ^mrd der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Unfallversicherung voo: Angehörigen feindlicher Staaten.

Berlin, 29. März. (WTB.) Generaloberst z. D. Max Drrttwitz und Gas fron ist heute in Berlin gestorben.

Essen, 29. März. (WTB.) Der Landtagsabgeordnete für Aachen-Land, Gewerkschaftssekretär Hermann Jm- busch-Essen-Borbeek (Ztr.) ist, wie jetzt festgestellt wurde, am 7. Dezember 1914 bei einem Sturmangriff auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallen. Bisher glaubte man Imbusch sei in Gefangenschaft.

M. Deutscher Reichstag.

96. Sitzung.

PrSsDent Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 11,08 Uhr Auf der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die Beratung des !Not-Etats.

Abg. Bernstein (Soz. Arbeitsg.) erklärt namens seiner rtron, öaß sie, wie den Haushaltsetat auch den Not-Etat ab- da seine Freunde dadurch die Ablehnung der Kriegspoliti? 'der Regierung zum Ausdruck bringen wollten.

Ohne weitere Aussprache wird die erste Lesung beendet.

Auch in der sofort folgenden zweiten Lesung wird der Not- Mal angenommen:.

, Auf Antrag des Abg. Dr. Spahn erfolgt auch sofort die butte Beratung.

Ohne Aussprache wird sodann der Not-Etat endgültig gegen tote Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktimren ange­nommen.

Es folgt dr«: dritte Beratung der Steuervorlagen.

.Zuschläge zur Kriegssteuer.

Abg. Keil (Soz.): Dieser Steuer stimmen nur zu, ebenso der Bottage zur Suhermrg der Kriegssteuer, nicht aber der Berkehrs- Oeaer und der Kohlensteuer.

Präsident Tr. Kämpf teilt mit, daß zur Verkehrssteuer ein Kompronnßantrag vorliege, der die Steuer für den Güterverkehr aus Straßenbahnen fallen lassen will, sobald die Straßenbahnen an die Stelle des Speditionsunternehmens treten.

Abg. Hepke (So-. Arbeitsg.): Dieser Resolution können wir gfltuimien. Die Verkehrs- und Kohlensteuer lehnen wir ab Sie Mw em Beibrechen am Volke. (Der Redner wird zur Ortmuna gerufen.)

Ter Zuschlag zur Kriegssteuec und die Sicherung der Kriegs- fteuer werden endgültig einstimmig angenommen. Es folgt

dre Besteuerung des Personen- und Güter­verkehrs.

Hierzu liegt ein Antrag vor, den Antrag Mumm(D.Fraktion) wo Frellaffung der Fahrkarten bis zu 35 Pfg. wieder zu streichen

Abg. Mülle r-Reichenbach (Soz.): Ueber diesen Antrag muß namentlicki abgechmmt werden. Der Antrag Mumm ist eine so . Wichtige Verbesserung, daß er nicht wieeör beseitigt werden sarf. ^Abg. Henke (Soz. Arbeitsg. : Wir wünschen, daß diese ®vem auf 60 Pfemrig erhöht wird und stimmen zunächst für den Antrag Mumm

In der namentlichen Abstimmung stimmen 142 Abgeordnete M die Aufrechtrehaltung des gestrigen Beschbiffses, 169 dagegen .L^özehn Mitglieder geben ihre Stimme nicht ab. Der Antrag ist sowett wieder gestrichen.

Tie Verkehrssteirrr nstvd augenonrmeir.

Die Resolution, betreffend den Straßenbahn-Güterverkehr wrrd mrgenonrmen. Es folgt

die Kohlensteuer.

Hierzu lieg^ein sozialdemokratischer Antrag vor aus Rück­vergütung der Steuer für .Kohlen, die an Gemeinden geliefert worden sind. De Abuimmuug über diesen Auttag ist ebenfalls eir« namcnttliche. Daftir stimmen 136, dagog^r 181 Abgeordnete Fünf Abgeordnete enthalten sich der Stimme. Der Antrag ist somit abgelehnt Tie Kohlensteuer lwird angenommen.

^ In der Gosanttabstimmung wird das ganze Gesetz gegen die ^trmmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen.' Es folgt der Etat des Reichskanzlers, der Reichsk«n»lei und des Auswärtigen Amtes.

Ter Bericht des Hauptausjchiusses wird von bai Slbgg. Gröber (Zentt. und Prinz schönaich-Carolat h (nät - üb.) erstattet.

^Abg. Tr. Spahn (Ztt.): Zu begrüßen ist es, daß aus der gestr^en Rede des preußischen Eisenbahnmmisters v. Breitenbach m entnehmen ist, daß die Ausnahmegesetze gegen die Polen beseitigt werden dürften. Bei unseren Feinden scheir wrr, daß die meisten Länder ihre Selbständigkeit verlieren., Wo Me Herrscher nicht außer Landes gehen, werden sie entthront.

m Italien, scheint sich die Revolution anzubahnen Tie -sperre mutz auftLchterhallen Htäxnt auch wenn Amerika sich

zum _ Kriege entschließen sollte. Tann werden unsere Truppen zu Wasser und zu Lande auch mit ihm iwch fertig werden. (Lebhaftes Bravo!) ' r

Abg. Noskc (Soz.): Tie Feinde wollen ohne Sieg und Er­oberungen nichts vom Frieden wissen. Deshalb hat Deutschland den Verteidigungskrieg notgedrungen auszuhalten. Deshalb wün schen wir, daß die neue

Kriegsanleihe möglichst erfolgreich aus fallen möge. (Lebh. Beifall.) Das russische Volk haben wir für den Krieg rrie verantwvttlich gemacht. Es findet bei uns volle Sympathie und wir verlangen, daß alles unternommen wird, mit Rußland zu einem baldigen ehrenvollen und dauernden Frieden zu kommen. (Bravo!) Wenn die Sicherung des Landes erreicht ist, muß eine gründliche Neuorientierung erfolgen. Das Unrecht, das den Polen angetan wurde, zu beseitigen, soll in Erwägung gezogen werden. Weshalb soll altes Unrecht auch nur einen Tag länger bestehen bleiben? Bei der Neuorientierung in Elsaß-Lothringen dürfen dynastische Rücksichten nicht imtspiclen. Wir wolle:: nicht noch mehr Bundes­staaten, sondern ein festes Reich haben. Ich wari:e die Regierung, die Stimmung im Volke zu unterschätzen. Was an Neuorientierung gemacht werden kann, muß sofott geschehen. Der Krieg ist Rnso- wenig ein Hrrcherungsgrmfo für die Reformen wie für i; :euen Steuern. (Sehr gut!) Die riesigen Wahlkreise müssen au>geteilt werden, das schreibt die Verfassung sogar vor. Vkit der mecklenbur­gischen Verfassung hätte mit einem Federstrich gleich zu Kriegs- begim: aufgeräumt werden können. Das wäre ein großer mora­lischer Erfolg gewesen. Wjei:n etwa mit dem Herrenhaus nichts zu erreichen ist, damr muß es gegen dasselbe geschehen. Eine Tat durch den Kanzler würde den besten Eindruck machen. Um die konservativen Herren bei guter Laune zu erhalten, sieht der Kanzj- ler zu, wie der Unmut der Volksmassen immer mehr wächst. (Beifall bei den Soz.)

WWllww-

Auf allen Fronten haben wir dem Gegner ungeheure Gebiete ent, iffen!

Unsere U - Boote haben dem feindlichen Handel den Todesstoß versetzt!

Die Urheber des Kriegs,

Grey und Asquith, Oelcaff^ und Briand sind von ihren eigenen Völkern aus Amt und Würden gejagt!

In Kußland: Revolution!

Oer Zar: abgeseht!

Eins steht fest:

Die solide Grundlage des deutschen GtaatSgebildes und die unversieglich- wirtschastliche Kraft des deutschen Volkes. Darauf beruht auch

die unantastbare Sicherheit der deutschen Kriegsanleihen!

Hilf den Krieg gewinnen!

Gib Dein Geld dem sichersten Schuldner -er Welt, dem Vaterland«!

IIWvmu^

Abg. Müjller - Meffringen (fortschr. Bpt.): Der Zorn des Herrenhauses auf den Reichstag, berulft lurmentlkch auf dem Lobe Herrenhauses auf den Reichstag, beruht namenllich auf dem Lobe, das der Reichskanzler ihm gespendet hat. Bedauerlich waren ue geheimen Mderstänoe gegen die Neuorientierung, die ich in dem Kampfe um die U-Bootktiegsührung äußerten. (Großer Lärm rechts. Rufe: Unerhört! Unterstellung! stteuer Länn. Rufe: Verdächtigung, Beleidigung! Glocke des Präsidenetn. Präsident Tr. .Kämpf: Ich habe aus den Ausftihrungei: des Redners keme Beleidigung heraus gehört.) Ter bayerische König l^t sich dahin geäußert, daS Volk sei reif für das allgemeine u:td direkte Wahl­recht. Ist!ber Preuße dem: nicht ebenso reif wie der Bayer uird der Württemberger und der Elsaß-Lothringer? (Sehr gut!) Wehe dem Staatsmarrn, der '{jeute die Zeit verschläft in Bezug auf das Wahl­recht. Wir beantragen den:ge7uäß, das Wahlrecht ii: allen Bundes­staaten auf das Prinzip des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes zu stellen.

Abg. Strefemann (natlib.): Wir sehen den großen Eut- cheidunyen mit absoluter 9hif>e und Zuversicht entgegen, die in dem Name:: 5)indenb::rg für Deutschland liegen. Ein entthronter Zar und vier im Exll lebende Könige sind die Folgen des modernen Bündnisses mit England. Wer sich mit dem Engländer ver­bündet, stirbt daran. Das mag man sich auch in Rom überlegen. Es ist unverständlich, wie man in Rußland auf den Gedanken kom­men kann, Deutschland denke daran, dem Zarismus oder dem Zaren zu Hilfe zu kommen. Wir gömreir dein russischen Volke jede Freiheit, die es sich selber schassen zu müssen glaubt. Man braucht mit den inneren Reformen nicht zu warten bis nach de::: Kriege. Wir müssen damit jetzt beginnen. Mit der Wendung: Hände !veg von: alten Preuße::! ist nichts getan.

Abg. Graf v. Westarp (fteikons.): Im Vordergründe unserer Erörterung über die Neiwrientierung steht die Reform des Preußi- chen LandatgeS und des preußischen Wahlrechtes. Wir sind durch­aus damit einversbandeu, daß die Reformen erst nach dem Kriege Vorgenvmmcn werden sollen. (Zurufe links. Heiterkeit.) In dieser Zeit sollten sich alle Parlamente der gegenseitigen Kritik enthalte::.

Wegen tci einzelnen Reden in: Herrenhause sollte man nicht gegen die ganze Institution Sturm lause::. Entsch:Ä)e:: Einspruch erheben müsesn wir dagegen, daß man unsere Forderung nach dem ll-Bovtkrieg mit rm:erpolitischen Forderungen und mit der Kanzler^ gegnerschaft in Verbindung bringt.

Reichskanzler Dr. v. Vechmann-hollweg:

Meine Herren! Ich werde aus den: großen Kreise der von den Herren Vorrednern behandelte:: Gegenstände nur einzelnes heraus^ greifen. Vorweg liegt mir darcu:, im Namen der verbündeten Re­gierungen dem Reichstage zu danke:: für die glatte und schnelle Erledigung der Steirervorlagen. Der Reichstag hat sich mit deur heute gefaßten Beschluß ein neues Verdienst um mrser Land er­worben. Er hat em wesentliches Kriegsmittel für uns hierdurch go schaffen, das uns mit weiterer Zuversicht erfüllt.^

^ Die weltgeschichtlichen .Vorgänge in .Rußland stehen an der Spitze der Ereignisse/Soweit wir hieran erkennen können, ist Kaiser Nikolaus daS Opfer eigener tragischer Schuld geworden. Seit alters- langer Zeit^ waren Preußen :uid Rußland durch eine traditionell geiovrdene Freundschaft verbunden, aber im russisck>en Herrscherhaus war ihr letzter Träger der alte:: guten Beziehungen eigentlich schon mit Alexander II. ins Grab gesunken, llneinaedenk der Bande, die die be:mchbarten Reiche durch ein Jahrhicndert verknüpft hatten, uneingedenk der Tatsache, daß keine vitalen Interessengegensätze die beiden Länder trenne::, glitt der Zar mehr und mehr in das Fahrwasser der Entente und geriet schließlich so stark in Abhängig­keit von der unter dem autokratisästn Regime herrschenden Kriegs- Partei, daß er vor dem Schicksal6tampf des Jahres 1914 den Apell Seiner Majestät des Kaisers an die langjährige Freundschaft ui:ge­hört verhallen ließ. Eine von jeher von unseren Gegnern beliebte Legende ist es, daß es die deutsche Regierung geivesen sei, die das reaktionäre auwkratische Regime in Rußland gegen jede frei­heitliche Bervegung unterstützt habe. Selion vor einem Jahre habe ich erklärt, daß dies eine mit den Tatsachen direkt im Widerspruch stehende Behauptung ist. Als Rußland im Jahre 1906 durch J^apan und die drauffolgende Revolution in ernste Not gestürzt war, war es S. M. der Kaiser, der dem Zaren Nikolaus auf Grund- der persönlichen FremrdschaftsVerhältnisse dringend geraten hat, sick» den berechtigten Wünschen seines Volkes nicht länger zu rvidersetzen, also das ge:mue Gegenteil von dem, was auch jetzt wieder zu sehr durchsichtigen Zwecken behauptet wird. Zar Nikolaus ist andere Wege gegangen, die weder den Interessen seines eigenen, noch unseres Landes entsprechen. In einem mit seinem inneren Aufbau beschäftigten Rußland wäre kein Raum gewesen für Expausionsbe - strebungen, die schließlich zu diesem Kriege geführt und das alte Regiment so stark belastet haben, daß es sogar schwer fällt, das natürlich-e menschliche Mitgefühl mit dem gestürzten Herrscher Hause zu seinem Rechte kommen zu lassen. Wie 'ich die.Dinge jetzt weiter enttvickeln werde::, kann wohl niemand Vorhersagen Uns ist die Stellung zu den russische,: BorgÄrgen klar vor gezeichnet. Wir werden auch weiterhir: den Grundsatz befolgen, uns in die inneren Verhältnisse fremder Länder nicht c i nzumi schen.

(Beifall.) Von nrißwollender Seite toerdcn jetzt mit allen erdenk­lichen Mitteln in der Welt Nachrichten verfreitet, Deutschland wolle die kaum errungene Freiheit des russischen Volkes vernich­ten. Seine Majestät der Kaiser wolle die Herrschaft des Zaren über: die geknechtete:: Untertanen wiederherstellen. Diese Llusstreuungen sind eitel Lüge und Verläumdung, was ich hiermit mit allem! Nachdruck feststelle. Wie sich das russische Volk sein Haus ein­richtet, ist ausschließlick: seine Angelegenheit, in die wir uns nicht einmengen. (Beifall.) Das einzige, was wir :vünschen, ist, daß ich in Rußland Zustande e::ttvickeln mochtest, die es zu einem fester: und gesicherten Bollwerk des Friedens machen. (SebOafter Beifall.) Trägt die Neuordnung der Dinge daM bei, die Wieder- a:rnäher:lng der beiden auf gute Nachbarschaft angewiesenen Völker zu erleichtern, so begrüßen wir das mit Fsrerude. (Beifall.) Wir haben unter den Sünden des allen Rr:ßlands, das SerbiLnrs Mord anschlag gegen Oesterreich-Ungar:: gedeckt, im Juli 1914 gegen uns mobil gemacht und das im Dezember 1916 als erster unserer Feinde unser Friedensangebot höhnisch abgelehnt hat selbst genug ge­litten. Das russische Volk, dos diesen Krieg gewiß nicht gewollt t*it form ohne Sorge vor irgeiidioelcher (Ännvis-ckmug von unserer Seite sein. Wir begehren nichts anderes, als glücklich bald wieder im Frieden mit ihm zu leben (Lebhafter Beifall), in einem Frie­de:: der auf einer für alle Telle ehvenvollen Gkrundlage aufge- baut ist.

Meine Herren! In den nächsten Tagen versammeln sich die Vertreter des amerikanisches Volkes, die vom Präsidenten Wllson zu einer außerordentlichen Sitzung des Kongresses zusammenberufen sind, um über die Frage, ob Krieg oder Frieden zwischen den Amerikanern und dem deutschen Volke, zu entscheiden. Deutschland hat :riemals die geringste Ab' sicht gel-abt, Amerika anzugreifen, und hat diese Absicht auch heute nicht. Es hat niemals den Krieg mit An:erika gewünscht, eben- öwenig, wie es dieses heute tut. Wie ist denn der .Hergang ge­wesen ? Wir haben den Bereinigten Staaten mehr als ein nml gesagt, daß wir auf die unbeschränkte Anwendimg der U-Bootwasst in der Erwartung verzichtet Hab«:, daß (Sngtab bayu gebracht werden würde, bei seiner Blockadepolillk die Gesetze der Mensch­lichkeit und die ft:ternationvlen Abmachungen zu beobachten. Diese Blockadepolitik, daran möchte ich ausdrücklich in diesem Augen­blick erinnern, ist von den: Präsidenten Mtson selbst und von Staatssekretär Lausing als ungesetzlich und nicht zu verteidigen (Sehr richtig), illegal and indesensible bezeichnet worden. (Hört hört!) Unsere Erwartungen, die tvir acht Monate auirecht- erhalten habe::, wurden völlig enttäuscht. England hat seine un­gesetzliche und nickst zu verteidigende Blockadepotitik nicht nur nicht anfgegebe::. sonder:: a:ü>auernd verschärft. Es hat in Gemeinschaft mll seinen Verbittkdeten unser Friedensangebot hochmütig ab- gemieien und Kriegsziele verbündet, die auf unsere und unsere: Verbündeten Vernichttmg hinauslaufen- Da haben wir VudemunbeschränktenU-Bootkrieg gegriffen, da mußten wir zu ihm greifen. Sieht hierin das amerika- nische Volk einen Grund, dem deutschen Volke, mit dem es über hundert Jahre im Frieden gelebt hat, den Krieg zu erklären, will es damit das Blutvergießen vermehren? Wßr sirü) es nicht, die die Verantwortung dafür tragen. Das deutsche Volk, das weder Haß noch Feindsck)aft gegenüber Amerika empfindet, wird auch dies zu ertragen und zu überwinden wisssen. (Brapo!)

Meine Herren! Die chinesische Regierung hat ihre Beziehun­gen M uns abgebrochen. Der chinesische Gesamtste hat seine Paffe verlangt. Unsere Beziehungen zu China stnd stets der fteundschafd- lichsten Natur gewesen, und wenn die Beziehungen jetzt ein Ende gefunden haben, sv brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß hier nicht ein freier Entschluß der chnresischen Regierung vorliegt, sondern daß ne unter dem Druck -unserer Gegner gehandelt hat. Auch dürften ftnanzielle Schwierigkeile:: dabei eine Rolle gespielt haben, dere^ China während deS Krieges :richt Herr werden komtte. Für unsere Gegner l-aüdelt es sich darum, unseren Handel auch in Chnur zu zerstören u:ü> sich das mühelos anzueignen, was deutscher Fleiß und dentsck-e Tüchtigkeit sich dort in Jahrzehnten geschaffen lwben. Der Kiüegsansgang wird, wie ich bestimmt hoffe, uns die Möglichkeit bieten, das Zerstörte, und ztvar auf Kosten unserer Feinde, dort neu aufznbauen. (Bravo!) Tann werben auch unsere fremwschaft- lichen Beziehungen zu China Wieder ausleben, und ich möchte nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß China die nötige Widerstands­kraft gegen die Habgier und den Eigennutz seiner jetzigen Beschützer ich bis dahin bewahren wird. (Bravo!)

Meine Herren!

Unseren Heeresberichten über die militärische Lage habe ich wenig hinzuzuftigen. An unserer Ostfront kommen größere Operationen :ncht in Frage. Schon die Jahreszeit und die grundlose:: Wege würden eine größere Offensive verbieten. An der W>estftont verläuft die rückwärtige Bewegung planmäßig und führt zu einer täglich tvachsenden Operationsfreiheit. Das ganze Volk wird daft'tr unseren Truppen und der genialen Führung des Feldmarschalls Hindenburg und des Generals Luden- dorss seinen Tank wisse::. (Lebhaftes Brava!) Alle anderen Fron ­ten halten mit unverminderter Zähigkeit. Dafür liefert die maze­donische Front, wo bulgarische und deuffche Truppen sich in der Abwehr französischer Truppen in glänzendster Form gezeigt habe::, einen Beweis. (Bravo!) Ueber den U-Bootkrieg hat der Staatssekretär