Ausgabe 
30.3.1917 Erstes Blatt
Seite
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des Rncastnsrütsamts, vodtcL tch unterrichtet tun, heute morgen im D<tuptmrssckMß eingeheiwe Ausführungen gemacht. Ich will meiner­seits nur Isinzusügen, daß ix'. tl-Bvotkrieg sich im,März ebenso günstig entwickelt har wie im Februar. (Beifall.) Alle Herren Vor­redner haben den größten Teil ihrer Ausführungen den Fragen der inneren Politik gewidmet. Ich werde nicht das gleiche tun. Ich bin diesen Aus­führungen über die innere Politik mit voller Aufmerksamkeit gefolgt, enthielten sie doch manche wertvollen und ernsten Gedanken. Und doch, mernc Herren, ivahrend ich Ihnen aufmerksam zu- chörle, ist Mir doch immer und immer wieder der Gedanke gckom- ni«r, daß uwerc ^krieger draußen in den Schützengräben liegen, daß unsere Unt>crfeeb:m'e täglich mit Todesgefahr durch die See farfjren, da ß unsere Bevölkerung daheim rnanck>e Entbehrung, manche Not. manches Leid zu erdulden hat, daß die Feinde uns von allen Seiten berermen und der Gedanke ist mir immer lebendig ge- itvordeii^ Wofür soll ich arbeiten? Daß der Krieg glücklich zu Ende

.geht

chr richtig!)

Meine Herren! ich habe mich zu den Fragen der inneren Pokrttk über den Geist, in dem ich diesen Fragen in Gegenwart imb Zukunst gegenüberrreten will, oft und ausführlich ausgesprochen. Ich ^ll weder wiederholen, was^ ich gesagt habe,^ noch es para- |f5 ca ! lcrCTl - Meine Herren! Zu Anfang des Krieges sind wir, glaube ich. ia ausnahm-ios der Ansicht gewesen, daß diejenigen Fragen sLer cmreven Politik, die eine- Folge, dieses Kriegserlebens sein tmKßen, für die Friedenszeit cmfznichieben sein werden. Dir n^aren ccc Ansicht, dieser Krieg würde tncht so lange Zeit von den »Böllern ertta;ten toeroen können. 9hm ist er unendlich in die Länge ig«ocuh,en, und so haben sich auch bei beit einzelnen Parteien die Anschlnrungen über die Fragen der inneren Politik, über den Zeit­punkt ihrer Inangriffnahme in einzelnen Punkten unzweifelhaft gewandelt. Tie Herren lxiben selbst hervor gehoben, daß wir in der Foage der Pvlenpvlitik nach einer Mitteilung, die gestern die preußische Staatsvegierung im Preußischen Herrenhause gemacht hat. an dem Grundsatz, alles hrnauszuschieben bis auf die Friedens- -ert. nicht mehr voll sestt-alten können, tmb so wird es möglich sein, daß auch Fragen, die zum Geschäftsbereich des Reichstages ge­hören, .früher erledigt werden, als cs uns usprünglich vor- geschSvebt hat. Aber, meine Herren aus der Linken, loas Ihnen am nächsten liegt, worum sich für Sie alles dreht, das ist

Reform des preußischen Wahlrechts, ^ und Sie verlangen, daß ich diese Reform sofort in Angriff nehmX Meine Herren? Ich fabe int Preußischen Abgeordirereiihaus, vor dem seinerzeit diese Frage zunr Austtag zu bringen sein wird, vor kurzem die Ueberzeugung misgesprockien, daß die inneren Kämpfe, welche um die Reform des Watftreckftes sein wurden, dem Gebot der Stuiide nicht gerecht würden, alle unsere Kraft auf die Abwehr bp5 Feindes zu konzentrieren. Tie .Herren Sozialdenwkraten sind an­derer Ansicht, und wir haben heute gehört (Zuruf links). Ich bitte,' mich doo Misfpoechen zu lassem Ich will gerade auf die Herreit, die sich an die Sozialdemokraten ansch>liießeit, zu sprechen koms mett. Ich ßalie ja aus den heutigen Reden der Herren Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen Partei entnommen. daß auch sie diesen Gedanken jetzt mehr zuneigenj. Doch seit kurzer Zeit lobe ich im Preußischen Abgeordneten hause von Vertretern derselben Parteien die gegenteilige Ansicht cp'- hört (Zustimmung). Also die Ansichten in dieser Beziehung gehen sehr auseiumrder. Es besteht keine communis opinio. Mir scheint, bei der ganzen Frage sollte doch 'der Gedanke nicht vergessen werden, daß es ein eigenes Ding ist, ein staatliches Fundmnent wie das Wahlrecht zn ändern zu einer Zeit, wo Millionen von Männern, für die das Wahlrecht geändert werden soll, in beit Schützengräben sind. (Zuruf links. Zusti.mrmi.ng rechts.) Werru ich 'das einmal prat- tischausinück. n ivill: soll :ch emen Wahlkampi Hervorrufen, während die große Zahl der Wähker da draußen steht? Ter Abgeordnete Noske schien da allerdings ein einfaches Rezept gefunden zn haben. Wenn ich ihn recht verstanden habe, meinte er. wenn die Minister und der Preußische Landtag sich nicht einigen könnten über die Resorni oes Wahlrechts, dann sollte die Regierung oktroyieren, Mir schien, das war sein Ratschlag. (Zurufe links.) Niin. meine Herren, gewiß haben schon Oklroyierungen versclftedener Att mrd zu allen Zeiten stattgefunden. (Zurufe links.) Auch in Preußen, gewiß, meine Her­ren. Aber ob ein Zeitpunkt, wo ein Volk um seine Existenz ringt, der richtige sein würde, eine solche Oktrohierung dnrchzufuhren, das wage ich zu bezweifeln. (Zustimmung rechts.) Ich gebe Ihnen das gewiß tzu, und ich habe den Gedanken auch neulich int Preußischen Abgeordnetenhause misgesprocl>en. Ich habe da gesagt, es wäre mir ja am liebsten, wenn ich die Reform uwrgen machen könnte., SelM verständlich ist es sehr verführerisch, große politische Aktionen vom Schwünge größter politischer Spannung ttagen zu lassen Bei­fall links.) Das würde mir ia die Astbeit ungeheuer erleichtern. (Zustimmung links.) 2lber ich hoffe doch. Sie w»erden mir darin recht geben, in diesem Moment, wo der Krieg auf den. Höl>epunkt gestiegen ist. iwo cs sich darum handelt, alle und die letzte Kraft herauszuholen, daß ich da ganz nüchtern abwägen muß. ob die Vor­teile einer sofortigen Inangriffnahme einer solchen Llktion größer -find als die Nachteile, die irnbedingt mit ihr verÄmröen srich. Ich muß diese Abwägung vornehmen, auch wenn ich Jmvonderabilien sehr hoch schätze, ivie sie in der politischen Fortentwicklung unseres Volles liegen. Ich lxrbe mich oft geinig und, wie ich glaube, ans innerer Ernpftichiung darüber ausge­sprochen. Und wenn ich gezwungen bin, diese nicht fernen Erwägungen anzustellen, der Einsatz, um den dieser Krieg geht, ist viel zu gewaltig, als daß man sich vion Stintmungen hiirreißenj lasten dürfte: loenn ich so denken muß. so ist es ungerecht und un­richtig. mir vorznwersen, daß ich eine Politik der Stagnation triebe. Ich muß den Zweck, den Krieg zu einem glücklichen Ende zu fühven, sowohl meinem Handeln wie meinem Unterlassen untere stellen. (Sehe richtig:! veckfts.) Das ist keine Stagnation. Es mag «manchen sckmeidigen FeLdl>errn gäben, der von einer Offensive absieht, weil sie der gesamten Kriegsführung schaden wurde, und so, meine Heroen, habe ich mich bis zur Stunde auch durch die häutigen Msfühnungcn nicht überzeugen lassen können. (Hört, hört! links.. Sie öufat: Hört, hört! Ich l-abc nach meiner Ucberzeugung besprachen wird die Gründe, die ich für meine UeberzeuAung habe, einfach und ohne jede Voreingenommenheit dargelegt. Wenn ich mich nicht davon überzeugen kann, und ich kann es! bis zur Stunde tncht, daß es dwr Interessen meines Landes dienen würde, diese Reform unmittelbar in Angriff zu nehmen, dann muß ich davon Abstand nehmen, bis ich zu der Ueberzeuguug gelangt sein werde. (Zuruf: Wehe dent Staatsmann, der die Zeichen der Zeit . . .) Marne Herren! Diefar Zuruf habe ich mir selbst gemacht, und ich nehme ihn sehr ernst, und Sie, die Sie doch für Tolerantz eintveten, werden auch vor der ehrlichen Ueberzeuguug eines ande­ren Mannes Achtung haben, so gut wie ich vor der ehrlichen Ueber- r^ugung, die bei Ihnen wohirt. alle Hochachtung empfinde. Meine Herren! Es war ja natürlich, da heute, wo die Fra^n der inneren Politik von den verschiedenen Standpunkten aus besprochen wurden, die Meinungen zum Teü hart aus-einandergestoßen sind. Ich kann mich des Zweifels darüber iricht enthalten, ob es in der gegen­wärtigen Stunde richtig ist, seinem Temperament, wie es bei einzelnen der Herren Redner geschah, in einer Weise die Zügel schießen zu lassen, welche die Ueberzeugung anderer Parteien schwer verletzen muß.. (Zustimmimg rechts. ' Ich meine, wir sollten dieses Werk des politischen Kampfes aufschieben bis zu der Zeit, wo ivir wieder mit aller Sicherheit in unser zukünftiges Leben blicken fmmat.

Meine Herren? Es gibt in i-cbec großen Nation bedeutsame Lebensnwmente, und das deutsche Volk hat noch keinen größeren Lebensmoment durchlebt, wie den jetzigen, wo zugleich die enumocr entgegengesetzten Meinungen widereinander hin- und herfluten, namerrttich dann, wenn, Ivie es jetzt der Fall ist, sehr gewaltige Kräfte nac!) neue' Regiinen drängen. Aber cs kommt doch darauf an, daß über die Ateinnngszwistigkeiten der

Grundsatz der Einheit

erhalten bleibt. Und diese Einheit bewährt sich täglich und stündlich so fest und unerschütterlich in den Heldentaten unserer Krieger, daß der Wille und die Zuversicht, unser Vaterland zum Siege zu führen. Uns immer wieder zusammcnbringen muß: und uns damit, so Gott will, unüberwindlich macht. (Lebhafter Beifall.)

Aus und Land.

Dießen

Lebensmittel und Bedarfsartikel.

30. März 1917,

** Alei sch v crb rauchsvegelirng. Um eine bessere uno gleichmäßigere Verteilung des der Stadt Gießen überwiesenen Fleisches an die Metzgergeschäfte und die Ein­wohnerschaft der Stadt Gießen herbeisühren zu können, ist eine Neuregelung geschaffen worden, deren Einzelheiten aus dem Anzeigmlteile unseres heutigen Blattes zu ersehen sind. Der außerorderttlichen Wichtigkeit dieser einschneidenoen Be­stimmungen wegen weisen wir auch an dieser Stelle be­sonders darauf hin.

** Die Bestimmungen über Bezugscheine für Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren sind geändert und ergänzt worden. Näheres siehe Bekannt­machung.

** Abfallholz, das an l>er Marburger Straße und im Hose des Stadthauses lagert, soll Dienstag, den 3. April, nachmittags 3 Uhr beginnend, meistbietend versteigert wer­det!. Siehe Bekanntmachung.

*

** Auszeichnung. Der Kreisvat des Kreises Schot­ten, Dr. Ernst Merck, zurzeit Kreischef in: General­gouvernement Warschau, erhiell das Eiserne Kreuz.

** Annahme sperre im Eil- und Fracht st ü ck- gutverkehr. Vom 30. März an wird eine Beschränkung des Eil- und Frachtstückgutverkehrs eintreten. Es werden dann nur zur Beförderung angenommen: Lebensmitz- tel, Futtermittel, Düngemittel, leere Säcke, Saatgut, leben­dige Pflanzen, landw. Maschinen und Geräte, Umzugsgut, Heeresmaterial usw. Die Sperre hat in erster Linie den Zweck, die so notwendige Beförderung von Kartoffeln und Saatgut zu erleichtern. Auskunft erteilen die Güter- und Eil­gutabfertigungen. Siehe auch Anzeigenteil unseres heutigen Blattes.

** Auslandsforderungen sind bis zum 15.April bei der Handelskammer Gießen anzumelden. Näheres siehe im Anzeigenteile.

< /** Zur Förderung der Schafzucht: Wolloer-

n^ttungsgenosftnschaften. Am ^Sonntag, dem 18. ds. MtS. fand chiXrsiesien im Saale des Hotels Schütz ans Einladung des Ober- lzeiftsttz^l Schtfziichtervcreins eine Versammlung oberhessischer Schafsrennde statt. Die Vcrsamnilnng erbrachte einen Beweis für das große Interesse, das die oberhessischen «La'idtvrrte diesem wieder neu ctnporgeblüheen Zweig unserer Tierzucht entgegenbrin­gen. Lairdlagsabgeordn-.'ier Körner aus Stuttgart hob in über­zeugenden Worten die Vorteile hervor, die aus der Schafhaltung in der dcwtschen Landwirtschaft erwachsen. In den letzten Jahr­zehnten sei die Zahl der in Deutschland gehaltenen Schafe von 25 Millionen im Jahre 1672 aus 5 073 480 im Jahre 1915 ge­sunken. Jetzt im Kriege erst sei uns der damit verbundene Nachteil zu Bewußtsein gekommen, trachdcm un-^ die Zufuhr von Wolle und Baumwolle aus dem Auslande abgeschnitten ist. Dank imserer einzig dastehenden Techittk ist es uns ja gelungen, eineti großen Teil der bisher eingesührten Rohprodukte zu ersetzen, aber deshalb müssen wir doch alles daran setzen, unsere Schafzucht wieder zu hebeii. Aber nicht nur als Westler'-enger allein dient das Schaf, a-ich alä Fleisch-, Fett- und Milchlieserec ist es uns von überaus großem Wert tmd nicht zuletzt auch als Erzeuger eines äußerst wertvollen Düngers, der den Stickstoff in fast doppelter Menge wie jeder widere Mist enthält. Dabei ist das Schaf eines unserer genügsamsten Tiere und einer imserer besten Futterveriperter. Die Gefahr, daß die Wolle trach dem Kriege wieder solcheii Preis erreicht, die der Schafhaltung iiachleilig werden können, ist aus­geschlossen. Denn erstens werden auch nach Friedensschluß Jahre vergehen, bis das Ausland wieder solche Mengen Wolle und Baunp wolle aus dQl deutsck^en Markt wirft, daß dadurch der Preis imserer Wolle gefährdet rverden kömtte, mtb zweitens haben die Tnchfabrikeii unser heinrisches Produkt unbedingt nötig, um ein erstklassiges Fabrikat zu erzielen. Um einen angemessenmi Preis zu erzielen Md einen Einfluß aiif die Preisgestaltung ausüben zu können, müsset: die deutschen Schafzüchter einig sein und ein­mütig auftreten. Das ist aber nur erreichbar, wenn sie sich, zu Vereinen imd Verbänden und Genossenschaften zusammenschließcii. Solche WollverwertungSgenossenschaften sind B. in Württem­berg schon entstanden. Den Württembergischen Schashaltern, die der Geiwssenschaft beigetreten nraren, gelang es dadurch im verslosienen Jahve, ihre Wolle durchschnittlich zu eftrem 16Pw-z. höherwr Preise loszmverden, als dttchtgenossenschastsmitglieder. Nach einer sich an den Vortrag schließenden Diskussion wurde von bem oberheifischen Schaszüchtervcrein einstimmig der Beschluß gefaßt, einer noch zu gründenden Wollverwertungsge!iossensck>aft für das Gvoßherzvg- tum .Hessen beizutreten. Der Versammlung wurde dann noch er­öffnet, daß an maßgebender Stelle der Antrag eingebracht sei, daß die Wollpreise um 30 Prozent gesteigert werden sollen, um den Preisunterschied zwischen Rohprodukt uttb Fertigware in ein an­gemessenes Verhältnis zu rücken. Diese Aussichten mögen dazu beitragen, in weiteren Kreisen der hessischen Lcutdwirtschaft, den Gedanken der Schafzucht wieder aufleben zu. lassen, sowie der Borttag selbst dazu beitrug,' die Zahl der MitgkiÄer des ober- hessischen Schatzüchtervereins bettächtlich zu steigern. Der Verein lwfft, daß der Anschltiß der oberhessischen Schafzuchtervereme dazu beitragen wird, die ausländische Wolle, die zurzeit 95 Prozeitt unseres gesamten Wollbettages austnacht, auf eine sehr viel ge­ringere Menge Ktsanriiienschrumpfen Kr lasten. Anmeldungen zum Oberhessischen Schafzücksterverein nimmt der Landwirtschasts- kammer-Änsschnß für Oberhesscn in Gießen entgegen.

** Eine Geländeverpachtung dar Stadt Gießen findet Mittwoch!,, beit,4. April statt. Näheres ist aus einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte zu er­sehen.

Landkreis Gießen.

i. Grünberg. 29. März. Vom 1. ?lpril ab vcrkelnt ein neuer Zug auf der Bahnstrecke GrünbergLicb. Tank dem Etrt- gegenkommen der Bahnverwalttmg wurde die Abfahtt von Grün­berg auf 12 Uhr verlegt, so daß die Schüler der Realschule einen sehr geeigneten Zug ztrr Heinrsahtt haben, wie sie ihn schon zur 5)insahrt besitzen.

Kreis Büdingen.

r. Ortenberg. 30.>März. Ter Fahrer M. Emrich von Wipvenbach erhielt die Hefsisäte Tapserkeitsmedaill e . Gefreiter M. Holberstadt von Glauberg erhielt das Eis. Kreuz 2. Kl. Im benachbarteit Bobenhauseu erhielt der Gefreite R. Carl das Eiserne lKrenz. Landsturm mann W. Alt von Selters erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.

r. Li ßber g, 29. März. Die hiesige Gemeindejagd soll Mon­tag, den 2. April ds. Js., nachmittags 4 Uhr. in der Wirtschaft von R. Nies cnif weitere 6 I a hre verpachtet werden. _

Letzte Hrtcfrricfjteit,

Die Hindenvnrg-Linre.

Am (terbaiii, 29. März. Der,,Times" Korrefopondettt in Frankreich schreibt über die Lage der Ententettuppen: Alle Dörfer zwischen uns und der sogenannten Hindenburg- Linie sind in Forts umgetvundelL. Eine große Anzahl Ma­schinengewehre bestreichen das dahinter liegende Gebiet. Atl den Wegkreuzungen befinden sich Minentrichter von durchschttittlich 40 Fuß Tiefe. Die Zugänge ztl den Dörfern sind mit Stacheldraht versperrt.

Die Erlebnisse der Möwe.

Berlin, 30. März Aus einer Unterredung mit dänischen Seeleuten über ihre Erlebnisse an Bord der Möve wird int

21." berichtet: Der englische Dampfer Otaki leistete heftigen Widerstand. Es kam mit ihm zu einem förmlichen Kamps, wobei sechs MMN von der deutschen Besatzung der Möve trüb zwei von

iaitgenat getötet wurden. Dte Möve geriet in Bvcmd der erst nach drer Tagen gelöscht werden konnte. Die z-alstreimen engrncbeit Gefangenen aus der 2Növe waren von den anderen abgesondert wor­den. 2lls der Kamps begann, sprengten die Engländer die eiserne? Tür ihres Gefängtlisscs, aber deutsche lUöatrofen standen mit Hand­granaten bereit und hindertest die. Engländer, aus Teck zu kommen. Tie Möve wurde von sieben Sckchssen getroffen. Als auf der Otaki der Kapitän, der erste Steuermami, der erste Ingenieur sonne zwei Mann der Besatzung getötet worden waren, ergab sich der Dampfer, woraus der Rest der'Besatzung an Bord der Aiöve genommen wurde. Die 2Növe war aus ihren Fahrten sowohl in der Nähe von >Kap­stadt als auch am Rio. Als Kohlen tmb Proviant auf die Neige gingen, wurde die Heimatteise mrgettetcn. Ter Kurs ging über Neufundland und die nördlichen Teile des AtlanttsckZeu Ozeans. Im Laderaum befanden sich gegen 600 Gefangene. Am 21. März lies die Möve in den Smid ein. Tie dänisch>ep Seeleute erllärden, daß sie aus der Möve gut behandelt worden seien.

Rußland.

Petersburg, 29. VLärz-. stcachrichten, die vom Lande ein- gehen, bestättgen, daß die Bauern systemachischZne Miliz or­ganisieren, um damit die alte Polizei zu ersetzen. Sie schaffen neue örtliche Obrigkeiten, berufen Gemeindeversammlungen und geben ihren festen Willen kund, die neue Regierung zu unterstützen. Im Gouvernement Iekatrinoslaiv ordnete man Frauen als Deputierte zu dem Vollzugsausschuß des Gouvernements ab.

Petersburg, 29. März. (P.T.A.) Ter Kriogsminister hat die Aufhebung der Kriegsgerichte angeordnet. Der ftühere Kriegsminister General Polckvanow ist ins Hauptquartier agereist, um es aus neuer Grundlage zu reorganisierQt, die gegen­seitigen Beziehungen m>u Generalsbab und provisorischer Regierung genau zu bestimmen.

Tie bürgerlick;e Leichenfeier für die Opfer der Revolution wird am Freitag, 30. 2Närz auf dem aewaltigen Marsfelde gegenüber dem 2Narmorpatast stattftnden. Dte Feier wird von morgens bis um 5 Uhr abends dauern.

Der Er-Zar nach Englaikv!

Stockholm, 29. 2Närz. LautRußkija Wjedomosti" besuchte Kerenski den Rat der Arbeiterdeputierten Moskaus, wobei er auf Fragen der Mitglieder antwortete: Nikolai Nikolajewitsch wird keinesfalls Oberbefehlshaber. (Stürmst fall.) Der Zar, von allen verlassen, hat die provisorische Re­gierung um Schutz gebeten. Llls oberster Justizbeamter halte ich sein und seiner Familie Schicksal in meinen Händen, aber unsere wunderbare Revolution war fast unblutig und ich will nicht Marat sein. Mit einem Sonderzuge lasse ich den Ex- Zaren nach einem bestimmttn Hafen führen mid nach Eng­land schicken. Bewilligt mir hierzu die Vollmacht!

Amerika.

Rotterdam, 30. März. Wie aus Washington gemeldet wird, dauere die Mobtlisierung der MiliA an. Bisher sei sie in 34 von 48 Staaten erfolgt. Tie Miliz sei nicht zu vergleichen mit der regulären Armee, den französischen Territorialtrnppen oder der früheren englischen Miliz.

Gens, 30. März. Wie der Berichterstater des Petit Parifien aus Washington meldet, werde der kommenden Kongreßsitzung sofort die Umbildung des Ministeriums folgen. Wilson beabsich­tige das Kabinett aus 2Nitgliedern aller Parteien zu ergänzen.

Kohlennot in Italien.

Lugano, 30. Marz. Ein Dotter des Präfekten von 2Nailind beschränkt den Gasverbrauch mif 12V? Stunden täglich Im Hasan von Genua, dent Haupteingmtgsliasien für Kohlen in Italien, ist die .Kohleneinfuhr im Januar aus 143 300 Tonnen gegen 243 10fl im Vorjahre und im Februar auf 102 800 gegen 226 900 Tonnen im Vorjahre zurückgegangen.

Rücktritt des schwedischen Kabinetts. e

Stockholm, 29. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Schlvadische Telegrammbureau meldet amtlich: Die Mitglie­der des Kabinetts erklärten dem König, daß die aus seinen Wunsch vom 5. März veranstaltete Umfrage zur Feststellung, ob für das gegenwärtige Kabinett Möglichkeiten bestehen würden, während der außerordentlichen Kriegsumstände die Regierung mit der nach innen und außen hin wünschenswer-- ten Kraft weiterzuführen, das Ergebnis gehabt habe, daß die Möglichkeiten tticht beständen. Die Minister halten demnach das Rücktrittsgesuch aufrecht. Der König beauftragte mit der Bildung des Kabinetts den früheren Minister und Universi- tätskanzlcr Swatz.

Spanien.

Ma drid , 29. März. (WTB. OÄchLamtlich.) Hovcrs. 2lmp- liche Meldung. Ein Dekret hebt die konstittttionellen Garaw- treu in allen Provinzen des Königreich es au f._ _

KanslimnWe FMsle Wes.

Staatlich anerkannte Unterrichtsanstalt

für junge Leute männlichen und weiblichen Ge schlechtS im Handelsgewerbe und solche, die sich für diesen Beruf ausbilden wollen.

Das neue Schuljahr unserer Anstalt beginnt Donnerstag, den 19. April, abends 8 Uhr, zu welcher Zeit sich alle Schüler sind Schülerinnen in dem Schulhause West-Anlage 43 einzu. finden haben.

Anmeldungen neuer Schüler und Schülerinnen werden Dienstag, den 3. April, abends von 8 bis 10 Uhr im Schulhause West-Anlage 43 ent* gegengenommen.

Die Anstalt gliedert sich in eine Unter-, Mittel- und Oberstufe, von denen jede drei Parallel­klassen umsaßt. Neueintretende Schüler und Schülerinnen werden in der Regel der 3. Klasse überwiesen. Können sie aber durch eine Prüfung den Nachweis erbringen, daß sie befähigt sind, in einer höheren Klaffe mitkommen zu können, so werden sie in eine 2. oder gar 1. Klaffe eingereiht.

Die Pflichtsächer der Anstalt sind: Einfache, doppelte und amerikanische Buchführung, Wechsel­lehre, Handelslehre, Rechnen, Deutsch, Korrespondenz. Schönschreiben, Handelsgeographie und Warenkunde.

Die Wahlfächer sind: Französisch, Englisch, Kurz­schrift und Maschinenschreiben.

Der Unterricht findet an zwei Abenden in der Woche von 7y 3 bi§ 10 Uhr statt.

Der Besuch der Anstalt befreit die schul pflichtigen Schüler vom Besuch der allgemeinen Fortbildungsschule; schulpflichtig sind alle aus der Volksschule entlassenen Knaben, sowie die Schüler- höherer Lehranstalten, die nach vollendetem ^.Lebens­jahre austreten, ohne ein Jahr der Obertertia an gehört zu haben.

Das Schulgeld betrügt für die Pflichtsächer pro Jahr 36 Mark und für die Wahlfächer Französisch und Englisch je 20 Mark für Kurz schrift und Maschinenschreiben je 3 Mark.

Gießen, den 24. März 1917.

Die Schulkommission. 24m l-