Nr. 46 Zweiter Blatt
«rsch-iiU »SNch mit Ausnnhme beä S-nnIagS.
M. Jahrgang
vetlagen: „Sietzener ZamtlienblStt^ und ..«reirblatt für den Ureis Sieben".
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
. Zreiiag, 25 . zedmar >>»7
ZwillingSrundoruck und Verlag: Brühl'scheUniversiläts-Buch-u.Steindimckerel.
R. Lange, Gießen.
5chrif1leitung. Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraue?. Oeschäf.Klette u. Verlag.
Schriftlellung: 112.
Anschrist für Truhtnachrlchtenr AnzeigerGteßen.
Mb. Deutscher Reichstag.
81 l.'^r\ e L S> » nnerS,aS ' ben 22 ' S-br°°r 1917. T«n Platz des Abg. v. Payer (Fortschr. Pp ) w ^
«3a^an in ben Reichs!-,« eingetreten ist. schmstckt ein «turnen.
bon^oe^.tinf" 5 «.^ ^""erich. Ohof ift W c 8“ 1 besetzt, bie Tribünen find überfüllt, folget A^s^rache"^ ^ ditznng um 3V. Ubr n,rt
h vT-. Wiederzusammentritt des Reichstages
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ZZjjS E es stch geschaffen hat durch feine Tatkraft und seine ftn^fchrtttene Technik In dem f e i e r l r ch e r n st e n A u g e n- '*}*£ wrr durchleben, pnd wir uns dessen gewiß, daß wir diese Waste nicht eher nreüerlegen werden, als bis das Ziel lL^Xi mp l t L 'seicht ist, die Verteidigung der Un<ch.
un ^ rer Heimat. (Lebh. Beifall.) In enrtbteLfh???* 1 * ? ^ 5 lr 1n *" c §röhien Kämpfe eintreten.
u ^ dankbar und bewundernd un- seremstol-en Heer und den Heeren unserer Verbündeten (stürm. Bersall), unserer stolzen Flotte (erneuter stürm. Beifall) und unseren unvergleichlichen Tauchbooten und deren iZiJj? M JLl 0 « r Besatzung (wiederholter lebh. Beifall), wir ?"ht zuletzt den erprobten und genialen Führern zu Wasser und zu Lande. (Stürm. Beifall.) Wir ent. w « dem ganzen Volke, das wie nie zuvor an
der Arbeit ist trotz aller Schwierigkeiten, für Kaiser und Reich.
dr« ffretfyett und Unabhängigkeit unseres Vaterlandes zu wirken. (Sturm. Betfall.)
_, ^°iibent Dr. Kaemps macht dann Mitteilung von dem Ableben des nattonalliberalen Abg. Roland-Lücke und des auf ton Felde der Ehre gefallenen Abg. von Meding, Deutsch- Hannoveraner. Er fügt hinzu, während die Abgeordneten sich er- 0011 ?^ing hat sich freiwillig zum Kriegsdienst für dre Verteidigung des Vaterlandes gemeldet. Er ist durch einen Kopfschutz verwundet worden und sofort seiner Verwundung ans dem Felde der Ehre erlegen. Der Platz, wo wir seine markige gestalt so oft gesehen haben, ist leer. Ich habe ihn durch einen Lorbeerkrcmz in Ihrem Namen schmücken lassen. Dem Offizierkorps des Regiments, dem Bruder des Verblichenen und der Deut- scheu Fraktiou habe ich das schmerzliche Beileid deS Reichstages in Ihrem Namen auSgedrückt. Van dem Stell- Vertreter des Reichskanzlers ift folgendes Schreiben ain- gegangen: ,Wiederum hat cin Mitglied des Reichstage« die Treue ^um deutschen Vaterlande mit seinem Blut besiegelt. Der Abg. v. Meding ist auf dem Felde der Ehre gefallen. Euer Exzellenz beehre ich mich, zu estuchen. dem Reichstag den Ausdruck meiner ernsten Anteilnahme an diesem Verlust zu übermitteln, den er durch den Tod deS dahin geschiedener! Helden erlitten hat." — Ich banke dem Herrn Reichskanzler in Ihrem Namen für den warmen Ausdruck seiner Anteilnahme. Sie haben sich zu Ehren des Ge- fallenen und »benso zu Ehren des leider zu früh verstorbenen Abg. Roland-Lücke von Ihren Plätzen erhoben. Ich danke Ihnen dafür.
Der Präsident begrüßt darauf den Vorsitzenden der Polnischen Frokt, on, den Abg. Fürst Radziwill, der lYz Jahr in Rußland interniert war und jetzt glücklich in die Heimat zurückgekehrt ist. Fürst Radziwill wird von mehreren Abgeordneten lebhaft beglückwünscht.
Daraus tritt das Haus in die Tagesordnung ein.
Die Anleih edeukschrift für 191« wird ohne Aussprache gennehmigt.
HüssrWer heim AeichsmMlSrgerichl.
Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung eines Gesetz. Entwurfs betr. Einberufung vou HilfSrichtern zum Re.ichsmilitärgericht.
Ministerialdirektor Lewald empfiehlt die Vorlage, Der Reichskanzler soll ermächtigt werden, für die Dauer des durch den Krieg verursachten Bedürfnisses ständig angestellte Richter in der erforderlichen Zahdals Hilfsrichter zum Reichsmilitärgericht ein- Mber-ufen. Die Dienstgeschäfte des Reichsmilitärgerichts haben sich im Kriege mirrdestens verdreifacht, so daß chre ordnungsmäßige Erledigung schon jetzt die Arbeitskraft der vorhandenen richterlichen Beamtem boll in Anspruch nimmt. Durch daS Gesetz über den Belagerungszustand und über die Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund des Kriegszustandes sind die Ge- schäfte des Reichsmilitärgerichts erheblich vermehrt worden. Die Mehrbelastung wird ruxh wachsen. Mit den vorhandenen richterlichen Beamten («vei Senatspräsidenten, acht Räten) sind die Dienftgeschäfte daher nicht mehr zu erledigen. Als Hilfsrichter sollen in effter Linie richterliche Militärjustizhoamte in Frage kommen.
Abg. Stadchagen (Soz. Arb.) bestreitet die Notwendigkeit des Gesetzes. Man solle kleine Verfehlungen nicht verfolgen, dann werde das Gericht nicht überlastet sein.
Abg. Landsberg (Soz.): Das Gesetz vom 4. Dezember vorigen Jahres mutzte zu einer Steigerung der Arbeit des Reichs- militärgecichts führen. Deshalb stimmen wir dem Gesetz zu. An sich waren wir bereit, die Vornahme der drei Lesungen in der heutigen Sitzung gutzuheißen. Da Widerspruch erhoben ist, so wenden wir nichts gegen die Ausschußberatung ein, erhoffen aber schleunige Arbeit des Ausschusses.
Abg. Däne (Fortschr. Vp.): Wir wünschen keine Verzögerung Und sind deshalb gegen dre Ausschußberatung. Die bessernde Hand kann dann bei der Beratung des Justizhaushalts im Hauptausschuß angelegt werden.
Abg. Merlin (Deutsche Fraktion) widerspricht der Äussihuß- beratung.
Abg. Fehrenbach (Ztr.): ES ist schwer, das Reichsmilitär,
jtrafgesetzbuch während dcS Krieges zu ändern, zumal wir ja in absehbarer Zeit ein Ende erhoffen dürfen, andererseits erheischen die unleugbaren Härten eine recht baldige Reform. Es ist ein wahrer Jammer, daß man um die schrecklichen Strafen oft nur herumkommen kann, indem man fast das Recht beugt. Vielsach werden die Militärgerichte mit unnötigen Sachen belastet. _ Es tut einem wirklich leid, daß die Zeit der hohen Militärs mit solchen Sachen vertan wird. Das sind nicht der» emzelte Fälle. Noch schlimmer sind die Erfahrungen. die wir mit der Handhabung des Gesetzes über die Schutzhaft vom 4. Dezember 1910 bei den unteren militärischen Instanzen haben machen müssen. (Hort, hört!) Was soll man dazu sagen, wenn der Gouverneur einer Festung sich um dieses Gesetz einfach) nicht kümmert. (Lebhaftes Hört, hört! links und im Ztr.) Da ist doch die Frage berechtigt, ob denn nur der Feldwebel und der Hauptmann von leinen Soldaten Gehorsam verlangen kann, oder ob nicht auch der Gouverneur einer Festung dem Militär- oberbefehishaber zu gehorchen hat. (Sehr gut! links und im Ztr.) Diese Gehorsamsverpftichtung den ^Herren beizubrirrgen, wäre höchste Zeit. (Beifall links und im Ztr.) Es sind böse Sachen
passiert, dre ernen ganz- mumgai^mai Eindruck machen müssen. ^^dre,em Gesetz aber, das vollkommen klar und absolut notwendig ist, können wir diese Sachen nicht erledigen. Wir werden Venn Jumzetat darauf zurückkommen und kündigen bas jetzt schon an, damit dre betreffenden oberen Stellen wissen, was bevorsteht, s^vehr gut!) Hoffentlich sind eine Reihe dieser Fälle dann schon erLedrgr. (Beifall links und im Ztr.)
Der Antrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt und daS Gesetz in erster Lesung angenommen.
Ein Antrag, der von allen Parteien unterzeichnet ist, und der zu r Vorberatung der Ernährungsfragen einen Aus, chuß von 2 8 Mitgliedern ein setzen will», wird ohne Aussprache angenommen.
Das Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Freitag, 1 Uhr pünktlich: An- s r a g eit. E r st e Lesung des Haushaltsplanes und in Verbindung damit die erste Lesung der neuen Steuern und der K r e d i t v o r l a g e , zwmte und dritte Lesung der HilfSrichtervorlage.
Schluß 4K Uhr.
Die Vorgeschichte des Krieges im ungarischen Abgeordnetenhaus.
Budapest. 21. Febr. (W!TB. Nichtamtlich.) Im Abgeordnetenhaus richtete Abg. Holle (Karolh-Partei) an den Ministerpräsidenten die Anfrage, ob er geneigt sei, der Einsetzung eines parlamentarischen Ausschusses zuzustimmen, der über die Friedensbedingungen vertraulichen Gedankenaustausch pflegen solle. In der Rede, mit welcher Holle seine Interpellation begründete, machte er auch verschiedene Bemeickung.en über die Ploliitik des Deutschen, Reiches. Der Ministerpräsident erwiderte, er müsse gegen die Darstellung gewisser Tatsache): un-d Ereignisse protestieren, welche der historischen Treue widerspreche und nur schädlich sein könne. Vor allem protestiere er dagege)), daß Holle die Vorgeschicht/e des Krieges so dargestellt hab^, als ob dieser Krieg uns nicht von einem von bösen Angriffsabsichten erfüllten Feind aufgezw-un- gen worden, sondern als ob er durch eine in der deutschen Politik eingetretene Wendung hervorgerufen worden sei. Er verstehe nicht, daß sich ein Manm im ungarischen Parlament finde, der eine solche Rolle übernehme. Die Expansion, die das Deuffche Reich seit 1871 gezckgt habe, sei eine friedliche, wirffchastliche und kulturelle Expansion, die die Unabhängigkett, Existenz und Lebensinteressen keiner einzigen anderen Nation und keines einzigen aist- deren Staates bedrohte und die, wenn sie auch- für Kch einen Platz an der Sonne wünschte, doch nienranden aus der Sonne verdrängen wollte. Es sei eine tendenziöse und böswttlrge Entstellung des Tatbestandes settens unsever Feinde, wenn sie vor ihrer eigenen öffentlichen Meinung die heutige Lage so erklärten, als hätten sie sich gegen die Ervberungsabsichten und gegen die andere Nationen bedrohenden Machtbestrebungen Deutschlands verteidigen müssen, Tie Geschichte eines Menschenalters lehre, daß der europäische Frieden stets dann bedroht war, wenn die Kraft Frankreichs uno des russischen Reiches für europäische politische Ziele frei )var, und stets habe die ganze Welt den europäischen Frieden für gesichert angesehen, wenn diese Mächte anderswo Komplikationen hatten, sie also zum Angriff nicht bereit waren. Hinsichtlich derKolonialpoli- tik, von welcher Holle gesprochen habie, sei es doch sehr natürlich, daß ein Reich, das so expansive roirtschaflliche Kräfte besitze wie Deutschland, darnach strebte, Kolonialpolitik zu treiben, aber man möge doch die Kolonial Po litt k Deutschlands in den letzten 30 Jahren mit der Kolomalpolittk anderer Großmächte vergleichen. Welcher Staat habe ein seine Unabl>ängigkeit liebendes Volk von hoher Btt düng und europäischen Ursprungs bloß deshalb angegriffen, um seine eroberungssüchtige Kolomalpolittk geltend zu machen, sei es Teuffchland gewesen? Wir führen diesen Krieg, sagte der Ministerpräsident, wett wir ihn zur Rettung unseres angegriffenen Leben-s fuhren müssen. Wir werden ihn gegen jeden führen und unter allen Umständen so lange, aber auch picht eine Minute länger, als zur Rettung unseres Lebens, unserer Sicherhett und unserer Existcnz- interessen rwtwendig ift. Hierin sttmmen alle unsere Bundesgenossen mtt mrs überein. Wenn der Vsierbiund diesen Krieg mit einem Frieden beschließen würde, wie er den Feinden vorschwebe, so könne ein solcher Frieden durch keinerlei Uebereinkommen zu einem dauerhaften gemacht werden. Ein dauerhafter Friede könne nur so beschaffen sein, daß >er bei niamandeftn Revanchegedanken errege. Ter Minister sagte zum Schluß: Ich habe die feste Ueber- zeugung, daß die berechtigte Masse, welche wir gebrauchen, eine zweckmäßige Waffe sei und Erfolg bringen wird, der die einzige Vorbedingung eines möglichst baldigen und zufriedenstellenden Fnedens ist. Ich bitte meine Antwort znr Kenntnis zu nehmen.
Me rechte Sette des Hauses zollte der Rede lebhaften Beifall. Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde alsdann zur Kenntnis genommen,
Budapest, 22. Febr. (WTB.) Abgeordnetenhaus. Nach der Rede des Mnisterpräsidenten T i s z a erwiderte Holle, er stimme nttt den Ausführungen des Ministerpräsidenten über den Frieden überein. Der Vorwurf, als ob er die wirtschaftliches Entwicklung Deutschlands als die Ursache des Krieges bezeichnet habe, rnüsse er enffchieden znrückweisen. Er habe in seiner Rede nur den MD und die Eifersucht hervorgehoben, den die wirtschaftliche Entwickelung Deutschlands hervorgerufen habe. Im übrigen erklärte er, das ungarische Volk sei bereit, auch^ weiter die größten! Opfer zu bringeri, doch dürfe man auch! die Zukunft Ungarns nicht vergessen. Während der Antwort Holles verließen alle oppositionellen! Abgeivrdneten mit Ausnahme der anwesenden acht Mitglieder der Karvlyigruppe den Sitzungssaal.
Die Blätter h^ben hervor, daß die oppositionellen Frakttonen, die Andrassygruppe, die Apponyigruppe und die klerikale Volkspartei durch Verlassen des Sitzungssaales bei Der Wstimmung deutlich ausdrücken wollten, daß sie mtt den Ausführungen Holles nicht übereinsttmmen. l
Sieg- und Kriegsergebnis gefährdende Bermittlungs- und Durchlöchernngsversuche. Nach der beschimpfenden Abweisung des Kaiserlichen Friedeusnugebo-tes dnrch unsere Gegner gibt es für Deutschland kein Znrück. Die dem deutschen Volke durch die Aushuugerungsmaßuahmen Englands aufgezwungenen, in keinem Falle zu vermeidenden Wirb schafts- und Ernährungsschwierigkeiten werden ertragen'und überwunden werden, wenn die Gewißheit besteht, daß alte Waffen, die Deutschland zur Verfügung stehen, rücksichtslos angewendet und bkeichFeitig alle Maßnahmen getroffen werden, die möglich sind, um unserem Volke, das für die Nieder werfung der Gegner alle Kräfte anspannt, und insbesondere unserer Arbetterschaft, die dem Heer die Kampfwerkzenge liefert und in gleicher Weise leistungsfähig erhalten werden muß wie das Heer selbst, ihre schwere Arbeit zu erleichtern/'
Eine Kundgebung der niederrhcinisch-weslfälischen Handelskammern.
In der am Mtttwoch in Essen abgehaltenen Sitzung der Vereinigung von Handelskammern des nieder- rheinisch-westfälischen In d u str i e b e zir ks , an welcher Vertreter der Handelskammern zu Essen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Münster, Osnabrück, Wesel, Hagen und Saarbrücken teilnahmen, wurde einstimmig folgende Entschließung gefaßt:
„Die Vereinigung von Handelskammern deS' nieder- rheinifch>-westfälischen Jndustriebezirks erblickt in dem uneingeschränkten Gebrauch auch der U-Bootwasfe, wie er durch den Entschluß unseres Obersten Kriegsherrn nunmehr in die Wege geleitet ist, das sicherste Mittet zur Abkürzung und siegreichen Beendigung des Krieges. Dankbnr begrüßt sie daher diese)! Entschluß, in der festen, auf das Kaiserliche Wort gestiltzten Zuversicht, daß die dazu berufenen Stellen ihn rücksichtslos und entschlösse)) zur Durchführung bringen werden, unbeirrt durch übel angebrachte, die Interessen unseres Vaterlandes auf das schwerste schädigende,
Der verschärf!« Arieg.
Mau schreibt uns aus Wien:
Nun geht es hart auf hart. Nun bekommt auch der Wiener, der trotz dem und jenem von der Schwere des Krieges bisher viel weniger belastet war als sein deutscher Bruder, die strenge Straffheit der Zeit ganz zu spüren. Das Schlimmste freüich ist glücklict! abgewendet: die Riesenkohlenkiste (von 75000 t) der Städtischen Elektrizitätswerke, der man in den letzten Tagen schon bede))klich auf den Grund sah, ist wieder ein bischen aufgefüllt, und so behält Wien, das weder Pferde- noch Autovmnibns, noch Untergrundbahnen und nur eine unbrauckchare Stadtbahn hat, sein einziges Massenverkehrsmittel, die Straßenbahn, wenn auch nach Zahl und Zeit beschränll. Weniger Wagen fahren,, und um 9 Uhr ist Sä-lnß. Man mag sich nach einem Tage, an dem man sich an Haltestellen und auf übervoll gedrängten Plattformen die Beine in den Leib gestanden hat, früh, wie die Kinder in die Klappe legen. Tie Straße rockt ohnedies nicht an. Alle elektrischen Bogenlampen sind — wtt znm Flugzeugschutz, in Wahrheit aber znr Strom- und Kshlen- ersparnis — abg-edreht. Nur die Gaslaternen brennen, und auch von denen nur jede zweite, und auch diese nur mtt dämmrig halbem Licht. Schattenhaft huschen fremde Menschen fremd aneinander vorüber. Nur Gestaltenumrisse, pelzvermummt, mit hochges^chlage- nem Kraaen, sieht man, keine Gesichter, und das gibt der sonst so bunten, fröhlichen und heiteren Wiener Straße einen düsteren, melancholischen und fast scheuen Zug. Die breiten Lichtkegel, die sonst strahlend hell aus den Schaufenstern der Graben-, Kohlenmarkt- und Kärntnerstraßengeschäfte über den Bürgersteig fielen, sind eNoschen. Spar Vorschrift auch hier. Stumps und dumpf und iu kaum kenntlichen Mafien liegen hinter den Spiegelscheiben all die verführerischen Dinge, deren graue Monotonie nicht mehr verführr^ Schutzmänner patrouillieren auf und ab, und wo sie ein verbotswidriges Licht erblicken, muß es sogleich verlöscht sein. Auch vor dem Heiligtum des Wiener Lebens machen sie nicht Halt: sie treten im Kaffeehaus ein, aber nicht „auf einen Schwarzen, Kapuziner oder eine Melange," (das gibts ja nicht), sondern zwecks Einschräntting des LiMverbrauchs, zwecks Verdunkelung wenig oder nicht besuchter Nebenräume, zwecks Aenderung der Sitzordnung, und der Herr vom Kasscttisch muß neben den Herrn vom Fenstertisch, der ihm irnmer dre „Illustrierten" vor der Nase weglvest, Platz nehmen: es gibt keine Stammttsche mehr!
Um 11 Uhr aber fit ScUuß; um 10 Uhr für Gasthäuser, um 9 Uhr für Straßenbahn. Theater und Tingeltangel und aars der Dämmerung des dlbeichs sinkt die Stadt in einen ftühen Schlaf. Tie Theater mußten ihre)! Spielbeginn um 1—2 Stunden nach vorn verlegen, hart an den Arbeitstag, auf 6 oder 6y 2 : dennoch sind die Sitzreihen nicht leer, ja, manche Vorstellung ist ausverkauft. Theoterleidenschaft? Vielleucht! Mehr aber noch: saute de mieux. Tenn das Th«iter ist das einzige Vergnügen, das man bis auf wetteves den Wienern ließ. Bttderausstelllmgen und Museen find gesperrt, im Dunkel liegt der schöne große Ban des Konzerthauses und der alte Kasten des Musikvereinsgebäudes: es gibt keine Konzerte mehr in der Stadt Beethovens, Brahms', Hugo Wolfs und Schuberts! Und — das ist die einschneidendste Unterbindung des modernen Amüsierbedürsnifies — auch! die Kinos sind gesperrt, überall, allenthalben, am Tage ebenso wie des Abends. Ta bleibt immer „halt' nichts anderes als das Theater übrig."
Oder Zuhausesern. Ja, das Zuhausesein ist auch so eine Sache: einmal wenigstens dürfen nun die Mietskasernenbewohner über die Palaisbesitzer und 10 Zimmer-Eigentümer lachen! Nichts inehr haben sie von ihrem Raumluxus, nicht nrehr als höchstens 4 Räume und nicht mehr als 60 Watt pro Raum. Sonst setzt es 500 Kronen- Sttafe und „Pranger"! Ein bische)! kostspielig für einen geselligen Abend. . . . „Sparen, surren!" räumt es aus alle)! Ecken, aus allen dunklen Winkeln. „Sparen, sparen!" Manche wollen es zwar nicht glauben, sie rechnen und räsomrieven: aber trotzdem der Riesenleib der Zweimttlwnensbadt täglich mit 7-00 Waggons KvUe geheizt wird, kommt es dochl auf jeden Zentner an. Bald kommt uns ja die Wärme nicht mehr von unten, sondern von oben; Frühling, Sonne, Wettersturz. Das ist jetzt das große Sehnen, in den Kaffee- Musen und Sttaßenbahnen schlagen sie jetzt die letzte Sette der Zeitung zuerst ans, denn dort steht der Wetterbericht, die metev- wlogische Uebersicht, die Vorhersage. H. W.
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Nur das auf dem Gla& baJJon cin de ätzte
Wort OSRAnbuiti
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