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22.2.1917 Zweites Blatt
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Nr. 45 Zweiter

Erscheint täglich mit Ausnahme des S-nntagS.

Verlagen:Siehener Zamilienblätter" und Ureisblatt für den Ureis Gießen".

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lbk. Jahrgang

General-Anzeiger Kr Oberhesjen

Donnerstag. 22. tzevruar W

Zwillingsrunda ruck und Verlag:

Br ü hl'jche Universitäts-Buch-u.St.'indruckerei.

R. Lange, Gießen.

Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstratze?. Eeschäfc. stelle u. Verlag: e=^6i, Schriftlettung: 112.

Anschrift für Draht lachrlchtemAnzeigerGießen.

Die neuen Steuer-Vorlagen.

er .rlin ' 21 Febr. (Priv.-Tel.) Dem Reichstag ist jetzt ein j&i der neuen ^teuergesetze zu gegangen, darunter das Gesetz über die

Sichern u g sür di e ko m men d e Kri e g s steu er.

D>er Entwurf hat folgenden Wortlaut:

1 Tie noch dem Kriegssteuergesetze vom 21. Juni 191t ^Rerchsgesetzblatt S. 501) steuerpflichtigen Einzelpersonen Haber, vor erner Berlegrmg ihres Wohnsitzes oder Aufenthalts in das Ausland auf .Verlangen der Steuerbehörde Sicherheit für eine künftige Kriegssteuer zu leisten. Die oberste Larrdesfrnanzbehörde oder bie von ihr bezeichnet Bchörde bestimmt den Betrag der leckrer heit. Dieser Betrag kann nach den für die Einziehung öfserttlicher Abgaben geltenden Vorschriften beigetricben Werders

Tie Vorschriften im Abs. 1 gelten auch, wenn Tatsachen var­liegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß ein Steuerpflich­tiger auf andere Weise, insbesondere durch Verbringung von Ver­mögen ins Ausland, die.Beitreibung der künftigen Kriegssteuer gefährdet.

Verweigert ein sich inr Ausland aufhaltender Steuerpflich­tiger die Sicherheitsleistung, so kann sein in: Inland befindliches Vermögen mit Beschlag belegt werden.

^2. Die in ben( §§ 13, 20, 23 des Kriegssteuergesetzes vom 21. Juni 1916 bezeichneten Gesellschaften und juristischen Per­sonen haben in eine neu zu bildende Kriegs steu errücklage sechzig vom Hundert des in dem werteren Kriegsgeschäftsjahr erzielten Böehrgewinns einzustellen.

Als weiteres Kdiegsgeschäftsfahr gllt das auf die Kriegs- gejchäftsjahre im Sinne des 8 15 des Kriegssteuergesetzes fol­gende Geschäftsjahr.

Für die Berechnung des Mehrgewinns finden die Vorschriften im 8 14 Abs. 1 und 2, §ß 16, 17, 18, 20, 23, 24 des Kriegssteuer­gesetzes Anwendung.

Hat der Reichskanzler mit Zustimmung des Bundosrats gemäß 8 24 oder- der Bundesrat gemäß 3 36 des Kriegssteuergesetzes An­ordnungen getroffen oder eine anderweit Berecbiniung des Mehtr- gewinns bewilligt,' so gelten die Grundlagen dieser Berechnung auch für das neue Kriegsgeschäftsjahr. >

§ 3. Die Befreiung von der Verpflichtung zur Bildung einer ^-onderrücklage gemäß 8 7 des Gesetzes über vorbereitende Maß­nahmen zur Besteuerung der K^iegsgewinne vom 24. Dezember 1915 lReichs-Gesetzbl. S. 837) erstreckt sich auch aus das neue Kriegs-- geschäftsjahr.

, 8 4. Die Vorschriften im § 6 Abs. 2, 8 8 Ms. 1 bis 3 und Ms. 5, 8 9 des Gesetzes über vorbereitende Maßnahmen zur Be­steuerung der Kciegsgewinne vom 24. Dezember 1915 gelten ent­sprechend auch für die neue Kriegssteuerrücklage.

ß 5. Der Bundesrat ist evniächtigl, Ausführungsbestimmungen zu erlassen und Zuwiderhandlungen mit Geldstrafe bis zu ein­tausendfünfhundert Mark zu bedrohen.

In der Begründung heißt es:

Die Erhebung der außerordenllichen Kriegsabgabe für einen weiteren Verwaltungszeitraum ist infolge der Fortdauer des Krieges, ganz abgesehen von beit geldlichen Bedürfnissen des Reiches, schon ein Gebot der ausgleichenden Gerechtigkeit. Es empfiehlt sich, für die Ausgestaltung dieser Ktiegsabgabe die Erfahrungen bei der Ver­anlagung aus Grund des Kriegssteuergesetzes vom 21. Juni 1916 zu verwerten und deshalb den Ausbau der Kriegssteuer selbst noch yinauszuschieben. Daraus aber ergibt sich die Notwendigkeit, schon jetzt gewisse Sicherungsmaßnahmen zu treffen, damit die spätere Mgabenerhebung nicht erschwert oder gefährdet werde.

*

Der Entwurf eines Gesetzes über die Erhebung eines Zuschlages zur KriegSfteuer.

hat folgenden Wortlaut:

8 1. Zu der auf Grund des Kriegssteuergesetzes vom 21. Juni 1916 bis 17. Dezember 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 561) geschulde­ten außerordentlichen .Kriegsabgabe wird zugunsten des Reichs ein Zuschlag in Höhe von 20 vom Hundert ihres Betrages erhoben.

8 2. Die Begrenzung der Zahlungspflicht aus den Betrag der nach dem Gesetz über vorbereitende Maßnahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne vom 24. Dezember 1915 zu bichenden Sonder­rücklage (tz 22 Ms. 2 und 3 des .Kriegssteuergesetzes) gllt für die Mgvbe einschließlich, des Zuschlags.

8 3. Die Festsetzung des Zuschlags erfolgt durch den Steuer­bescheid (§ 29 des Kriegssteuergesetzes^ Ist ein Steuerbescheid ohne gleichzeitige Festsetzung des Zuschlages erteilt worden, so erfolgt die Festsetzung des' Zuschlags durch eine nachträgliche Mitteilung des Besitzsteuevamts an den Steuerpflichtigen.

8 4 Wird die Ktiegsabgabe im Rechtsmittel--, Berichtigungs-, Neu- oder Nachveranlagungsver,ahrcn anderweit veranlagt, oder wtrd die Rriegsabgabe aus Bllligkeitsgründen ernräßigt oder erlassen, so ist auch der Zuschlag entsprechend anderweit fest­zusetzen oder zu erlassen.

8.5. Gegen die Festsetzung des Zuschlags steht den: Stuer- pjftchtrgcn nach näherer Bestimmung der obersten Landes-Finanz- bebörde nur die Anrufung der übergeordireten Verwaltungsbe­hörden offen.

§ 6. Der Zuschlag wird mit der Abgabe #u den gleichen Fristen und Teilbeträgen erhoben.

Die Vorschriften 'in §-'25, § 31 Abs. 3 bis 5 und § 32 des Kwiegssteuergesetzes gelten auch für die Entrichtung des Zuschlags.

§ 7. Als Abgabe im Siune von 88 10, 11, 28 Abs. 3, §8 33, 34 3/ des Kriegssteuergesetzes gilt die Abgabe einschließlich des Zuschlags.

Uriegsbrrefe aus dem westen.

Von unseren: Kriegsberichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die U-Boot-Wirkung auf die Stimmung der französischen

Front.

Vor Verdun, am 19. Februar 1917.

Bis vor kurzem haben sich viele französische Gefangene an die Instruktionen gehalten, die sie für den Fall der Gefangen­nahme mitbekommen, und insbesondere versucht, ihr scheinbares Vertrauen auf den Endsieg zur Schau zu tragen. Bei den Ge­fangenen, (bie in ssren)letzten Kämpfen vor Verdun eingebracht worden sind, der Mehrzahl nach besonnene, ältere Leute aus Paris und dessen Umgegend, ist ein^ bemerkenswerter völliger Stimmnngs- umschwung festzustellen. Sie gaben sich keine Mühe, ihre Freite darüber zu verbergen, daß der Krieg für sie zu Ende ist, zumal viele von ihnen des Glaubens sind, daß ihre Gefangenschaft nicht /lllzu lange dauern werde, da der Krieg in absehbarer Zeit aus- gehen müsse. j>Ifcer im Gegensätze zu den Gefangenen aus der Hochzeit der Sommeschlach-t, die noch von der Zerschmetterung Deutschlands prahlten,^denkt von diesen Franzosen keiner mehr an die Möglichkeit eines Sieges der Entente. Sie glaube:: auch nicht mehr an dieAushimgernng" Deutschlands, diese würde nach ihrer Meinung für Frankreich ein größeres Unglück sein, da Hinden- burg der Mann sei, der wohl zuerst den letzten Franzosen in dem besetzten Nord- und Oftfrankreich verhungern ließe, ehe er zugäbe, daß einer seiner Datschen Landsleute Hungers sterbe. In Frank­reich sei auch alles teuer und knapp, und jetzt werde wohl Eng­land das erste Land sein, das den Hungergurt unrschnallen müsie.

Befragt wegen der großen neuen Offensive, von dev die französischen Zeitungen so viel reden, sagten die Franzosen, diese Offensive werde, wenn, sie komme, wohl ebenso ausgehen, wie die frühere::, oder schlimmer, denn früher hätte England helfe:: können. Was aber solle jetzt aus Frankreich werden, wo England nicht mehr helfen könne, selbst wenn es endlich ernsthaft wolle! Wenn man ihnen sagt, daß zur Entschädigung für den U-Bootkrieg die Entente doch vielleicht die Aussicht habe, Amerika als offenen Verbündete:: zu gewiim-e::, so ^brechen die französischen Soldaten ebenso wie unsere deutsche:: Frontwächter in Gelächter aus, nur daß daS französische Lachen bitter klingt Das sei Unsinn, sagen sic, die Vereinigten Staaten seien ja nicht einmal mit Mexiko fertig ge­worden. An der französischen Fvont richte eine deutsche Flinte mehr aus als sämtliche Note:: des Herrn Wilson. Die Bundesgenossen- schaft Amerikas könne den Franzose:: nicht ein einziges deutsches Bataillon vom Halse schaffen.Niemand be: uns an der Froitt glaubt mehr an den französischen Sieg", so wiederholen die Ge­fangenen immer wieder. ..Aber Euere Offiziere glauben doch daran?"Nein, sie glauben nicht mehr, und sie sagen es auch nicht mehr."Wer glaubt dem: dann noch in Frankreich an den Sieg?" Darauf antworten die Gefangenen achselzuckend:le Gouverne­ment," die Regierung. Einer fügte hinzu:Wenigstens sind das die einzigen, die es noch immer zn sagen wagen, weit die es sagen müssen, da sie dafür verantwortlich sind, daß alles so ge­kommen ist."

W. S ch e u e r nt a n n, Kriegsberichterstatter.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. Februar 1917.

** Lernt schweigen in Wort und in Schrift! Ueberall finden sich ans Bahnhöfen, in den Eisenbahnwagen und öffentlichen von Militärpersonen besuchten Lokalen die

Plakate:Vorsicht bei Gesprächen, Spionengesahr!" Immer und immer wieder und jetzt wiederholt wird durch daÄ Generalkommando in d r i n g e n d st e r Weise darauf auf­merksam gemacht, daß auch die Zivilbevölkerung in ihren Mitteilungen sich strenge Zurückhaltung «uferlegen muß. Diese Mahnung richtet sich hauvtsächlich an den weiblichen Teil der Bevölkerung. In dieser schweren Zeit ist ja ein Mit­teilungsbedürfnis erklärlich. Aber man muß doch bedenken, daß jede unvorsichtige Aeußerung über Maßnahmen militä­rischer Art im Jnlande oder über ans dem Aelde erhalte:^ Mitteilungen, besonders in der Oeffentlichkert, in Straßen­bahn- und Eisenbahnwagen, inrendlichen Schaden anrichten kann, ja gerade dem Sohn oder Mann, von dem man redet, mit vielen Kameraden das Leben kosten kann. Auch dieselbe Zurückhaltung ist nötig in Schreiben an die Soldaten: aus Briefen, die bei Gefallenen, Verwundeten oder Gefangenen vom Feinde gefunden worden sind, hat er schon häufig wertvolle Aufklärungen erhalten. Gegenüber der furcht­baren Ueberwacht, die in den nächsten 'Monaten gegen uns losgelassen wird, kann sich unsere Heeresleitung nur durch rasche, ungeahnte Schläge gegen den Feind helfen: er muß überrascht werden, deshalb schweigt? schweigt! da­mit er nichts vorher erfährt!!

** Die afrikanischen Filme i in Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34. Für den jagdsportlichen Teil der Expedition hatte die Gesellschaft den bekannten afrikanischen Meisterjäger Robert Schumann gewonnen. Selbstverständlich hatte Schumann eine un­geheuer schwierige Aufgabe zu bewältigen. Seine Jagden mußten! ausnahmslos, um Filmaufnahmen zn ermöglichen, bei vollem Tageslicht erfolgen. Ferner hat Schunmnn erreicht, daß Jäger und Wild zu gleicher Zeit -auf das Bild gebannt sind. Man sieht also stets, ohne Szenenwechsel, den Jäger beim Schuß und das getroffene Wild. Erst nach jahrelangen Versuchen gelang es, mit besonders konstru­ierten Apparaten, dir bei der Aufnahme fast keinerlei Geräusche verursachten, sich dem Wllde so weit zu nähern, daß es in erkenn­baren Dimensionen kinematographiert werden konnte. Einige Auf­nahmen, wie die Jagden auf Flußpferd, Oryx, Elefant, sirch unter! höchster Lebensgefahr gemacht worden. .Be: einer Nashornjagd Mußten Kinoapparat und Jäger bis auf 4 Meter an das gefährliche Tier heran. Selbst der Laie wird sich ein Bild davon machen könne::, daß hier das geringfügigste Versel>ei: mit einer Katastrophe für Jäger und Aufnahmeoperatur geendet hätte. Außer den intec- essaMen Ja gdaaf nahmen hat die Gesellschaft zur Bereicherung/ ihrer Programme auch sogenannte Völkerstudien aufnehmen lassen. Wir werden die Eingeborenen bei ihren interessanten Sitten und Gebräuchen beobachten können. Sogar ein von den Negern selbst gespieltes und in SzLne gesetztes LustspielEn: afrikanisches Liebesidyll" gelangt als willkommene Abwechslung zur Vorführung^

Kreis Lmtterlmch.

z. Crainfeld, 22. Febr. Tie in Nr. 40 unseres Blattes erwähnte Jagdverpachlung der der hiesigen Gemeinde zustehendar Wald- und Feldjagd, bei welcher Seb. Fritz H. das Höchstgebot von 255 Mark hatteist dahin zu -ergänzen, daß der Orts Vorstand für diesen Betrag nicht die Genehmigung erteilte. Tie bisherige Jagdpachtgesellschaft erbot sich freiwillig, dieselbe für 300 M<tk jährliche Pacht auf 9 Jahre zu übernehmen, woffir die Ge­nehmigung erfolgte. Die hiesige:: Bieh'haltr liefern ihre Milch nicht an die Molkerei /Bermuthshain, wie früher vom: Großh. Kreisanit bestimmt war. Ein früherer hiesiger Butterhändler sammelt die Butter allwöchentlich bei den Lieferanten und schickt solche an die Zeittral-Fettverwertnngsgesellschaft nach Darmstadt. Die Ehefrau des Peter Mink von hier, erhielt gestern die traurige Nachricht, daß ihr Ehemann im Lazarett Kremasz, Gouvernement Wolhynien, Rußland, emt 3. Februar an einer Lungenentzündung verstorben sei.

Hessen-Nassau.

ra. Frankfurt a. M., 21. Febr. Das V. Sinfonie-Konzert im Zoologischen Gatten unter Leitung von Konzertmeister Ab'red Heß findet statt am Mittwoch, den 28. Februar, abends 8 Uhr. Zur Aufführung gelangen: Unvollendete Sin'önie von Schubert, eine OuvertüreChampagner^ von Waldemar vo^ Bausenern, Meisterßnger-Vorspiel und Tannhäuser-Ouvertüre von Wagner. Frau Else Gentner-^ischer von der hienqen Oper wird die Arie der Elisabeth aus Wagners .Tannhäuser" und Lieder von Brahms singen.

Ein ungedruckter Aufsatz Goethes sowie Neue; ;u Schillers wallenftein.

Vom 8. August bis 8. Septeinber 1793 weilte Schiller auf der Reife in sckne Heimat, die er so lange Jahre nicht besucht hatte, als berühmter Dichter in Hellbironn, wo er bei dem Assessor und Kauf­mann Rueff von Sulmartor wohnte. Er verkehrte hier auch mit dem Senator Christian Ludwig Schübler, der sich sehr für Astrono­mie irrteressierte. Nach der Familienüb^rlieferung ist Schiller durch die Gespräche mit den: Senator zu den astrologischen Partien des Wallenstein" und zn der Figur des Sen: angeregt worden. Diese Tradition läßt sich nicht direkt beweisen, aber sie gewinnt an Wahr- sch^nlichkeit durch folgende bisher unbekannte Stelle aus £:nem Briefe Schüblers an den hanrwvettchen Gesandten von Knebel, einen Bruder des bekannten Freundes Goethes, der ein vorzügliches Tele­skop besaß:Hr. Hofrath Schlller von Jena, der bekannte Dichter und Historiker, ist seit 14 Tagen zu Hellbronn und hat sich im Ruesffschen Hause eingemiethet, er hat die Mficht, seiner Gesund­heit zu pflegen, und hofft, dieselbe bei uns wieder herzuftellen. Er ist auch ein großer Freund des gestirnten Himmels, und das Wenige, was ich ihm im Verttauen von dem großen Schraderischen Tubus (welcher durch Dero Gegenwart nach Heilbronn reisen zu müssen, veranlaßt werden dürfte) gesagt habe, macht ihn sehr lüstern; und er wünschte ans jeden Fall, Dero nähere Comroissauce, da er auch die Ehre hat, Dero Herrn Brrwer zu Wäimar zu kenneu." Dies Schreibeu bat Professor Dr. Werner Dentsen in der Groß­herzoglichen Bibliothek zu Weimar aufgesunden, in einem Aktcn- büudel, das die Auffchrift trägt:Acta, das ftir Leg.-Rath v. Knebel in Heilbronn durch Herrn Professor Schräder in .Kiel verfertigte siebensüßige Teleskop betr. 1792,1793." Die Geschichte dieses Tele­skops veröffentlicht er nun in denHannoverschen Geschichtsblät­tern". Professor Georg Christoph Lichtenberg in Göttingen hatte, die Bestellung bei Schräder oermittejlt. Sein Gutachten über das Instrument sowie das gleichfalls lobende Kästners liegen bei den Akten. Nach dem Tode Knebels erbte sein Bruder das kostbare Tele­skop, das aus diese Wleise nach Weimar kam. Mer Earl Ludwig von Knebel hatte kein Interesse an dem Besitz und wünschte ihn durch Gkjethes Vernrittlung zu veräußern. Der große Dichter und Naturforscher stellte das Instrument, das ihn aufs lebhafteste anzog, mit Hilfe des Mechanikus Auch in seinem Gartenhause auf und machte mancherlei Beobachtungen damll. Um einen .Käufer zu fin­den, versprach er dem Freunde,eine recht kunst- und handiverks- gercchte Beschreibung" zu liefern. Man glaubte bis jetzt, daß dieser Aussatz verlöre:: gegangen sei. Nach einem Brief Goethes an Knebel vom 2. Aprll 1800 war ergemacht und liegt parat". Er wurde nicht gedruckt, weil Goethe Knebel den Vorschlag tat, ihm das In­

strument, das 400 Reichsthaler in Louisdor zu 5 rh. gekostet hatte, ftir 400 Taler^Kurrant abzulassen für die BMiothek, die damals eine stattliche Sammlung an physikalischen Apparaten und Instru­menten besaß. Nun hat sich der Aufsatz, den Goethe nach seiner Ge­wohnheit diktiert und mehrfach persönlich durchkorttgiert hat, in dem Aktenbündel gefunden. Er ist b'etlleltBeschreibung eines New- tonischen Spiegel Teleskops, welches von den: Herzogl. .Hof-Mechanr- kus Auch in Weimar zum Verkauf angebotcn wird," und beginnt mit einer ausführlichen Schlldernng des7 englische Fuß langen und beinahe einen Fuß dicken Rohres", dasachteckigt, schön vock Mahagoni Holz gearbeitet, in einem sehr beguem eingerichteten, ebenfalls von Mahagoni Holz gearbeiteten Stativ ruht, tvelches man durch vier messingcm Räder mit Charniereu auf dem Fuß­boden, nach allen Seiten hin und her beioegen kann' . . ." Mit ersichtlicher Freude an der sinnreichen Einrichtung des ganzen Me­chanismus beschäfttgt sich Gotthe eingehend mit den drei Haupt­tellen des Rohres, zunächst mitdem groß>en Hohlspiegel, welcher im Hintergründe liegt, durch einen eisernen Bügel in einer cen- trierten Lage festgehalten nnd durch eine mit Schloß und Band versehene Tl)ür verschlossen wird, so daß er auch bei einem großen Transport sich nicht verrücken könnte ..." Als zweiten Haupt­teil bezeichnet Goethe dann den Reflektor, der sich an der:tdung des großen Rohres beftndet,ein in 45 Graden jchiefstehdnder, metallener Plan Spiegel, welcher mit einem eisernen Stiel in eine messingene Hülse nrit einer Stell Schraube eingeschraubt ist, um ihn, nach Belieben, mit einem gntgepaßten, messingenen Dickel- bedecken nnd ihn im Kästchen verwahren zu können". Drittens end­lich folgt eine Schilderungeiner 1 Fuß langen und 3 Zoll beiten messingenen Platte, ganz vorn, nahe der Mündung, auf der 5llken Seite, in welcher eine Oeffnung mit einem starke;: Gewinde wo ein dickes messingenes Rohr eingeschraubt ist, in welches die Ocukare, nach beliebiger Vergrößerung,, eingeschraubt werden können. Auf Effekt des Tubus ist sehr auffallend und wird gennß einen jeden Auges und Gegenstarwes, verschiebe:: kann . . ." Auch die ein­zelnen Einrichtungen des Tubus und seine leichte Handbärkeit, die die Ausführung der verschiedensten Bewegungen erlaubt,ohne daß der Observateur von seiner Stelle ttttt", erfüllen Goethe mit großer Bewunderung, und er schließt seinen Bericht mit den Worten:Der Effekt der Tubus ist sehr auffallend und )vird gewiß einen je^en Kenner, der damit astronomische Beobachtungen macht, sehr er­freuen: denn er hat ein schönes weißes Licht, ohne Nebel. Auch die äußerlichen Dekorattonen empfehlen den inneren W'etth." Bon den Studien, die Gyethe mit dem Instrument vornahm, geben die Tag- m:d Jahresseste sowie der Briefwechsel mit Schiller Auskunft. Leider wissen wir nicht, wo derTubus'" geblieben ist, dem der Dichter eine so anschauliche Beschreibung gewidmet hat.

Ein Geschenk des Kaisers.

Kassel, 18. Febr. Der Kaiser hat die bisher rm Schloß Wilhelmshöhe aufbewahtte K u p f e r st i ch s a m m l u n g von mehr als 9000 Blättern der Kasseler Gemäldegalerie geschenkweise zu­geeignet. Die kostbare der Oeffentlichkeit nicht zugänglich geivesene Sammlung enthält in erster Linie Arbeiten, die dem 16.18. Jahr- hnrchert entstammen. Albrecht Dürer ist in ihr mit einer großen Zahl seiner besten Stiche vertreten, ebenso die Holländer Östade, Berchem Waterloo, Lucas van Leyden, ferr:er Rubens mi^ meister- lick>en Arbeiten. Von erlesener Schönheit sind die Watteaustiche und die berühmteSuite d'cstampes pvnr sewirc a l'histoirc des moeurs et du costume des Francois". Auch die Hogarthschcn Kupfer sind in der Sammlung vertreten. Die Gemäldegalerie wird d:e kostbare Schenkung, sobald sie gesichtet ist, den: Publikum in wechse'ndep Aus)iellungen zugänglich machen.

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- Der neueOthello^ b ei R e : n h a r d t. Aus Berlin wird uns geschrieben: Da seit dem vorjährigen Macbetb keine neue Inszenierung den Shakespeare - Svielplan Reinhardts oer- mebrt bat, brachte das Deutsche Theater jetzt eine Um- inszenierung desOtbelloE heraus, mir verschiedenen Umbesetzungen, in der Hauptsache aber zu dem Zweck, Paul W e g e 11 e r zum ersten Male als Othello ersmeinen au lassen. Dieses Unternebmen erschien von Hause ans darum besonders dankenswert und mtereffant, weil vorher eia andererStern" der Berliner Schanspielbnbne. Albert Baffermann, den Mohren von Venedia gespielt batte. Ter Erfolg des Abends war so groß, daß er viel'äch sogar die sehr hoch ge­spannten Erwartungen noch übertrai. Wegener leate mit beson­derer Durchdringung der Gestalt alle wesentlichen Einzelzüge des Othello dar und.setzte sie so kräftig ineinander, daß man trotzdem nicht von einer Zersplirterung svrechen kann, sondern vielmebr von einer durchaus starken, einheitlichen Figur, die alle Einseitigkeiten der bisher bekannten Otbello-Darstellnngen zu vernieiden ivustte. Bon besonderen: künstlerischen Werte war die atlinäbliche Ei.i Ge­rung, die die Liebe, die Eifersucht und schlleßlich die Raserei des RatnrkindeS Othello iiberzeugend glaubhait machte. Neu war auch! die Desdemona der Gertrud Wilcker, sympathisch. ev.t; ..lUt hie und da auch mit Innerlichkeiten, die ans ein noch nicht ganz befreites Talent schließen lassen. Der Iago des Herrn v ^ stein, mit viel Witz, nur vielleicht etwas zu bieder, und der un­ständig gespielte Cas,:o des neuen Mitgliedes Johannen Ricbwann ergänzten die Auffnbrung, die in eine brausende Weaener-Huldianuo ausklang.