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Zweiter Blatt
Erscheint tagitch mit Ausnahme des Sonntags.
Beilagen: „ökgcner zamilienblätter" und „Xreisblatt für den Ureis Gietzen".
-ostscheSkonto: Frankfurt am Main Nr. \\ 686. Varrlverlehr: Sewerbebanl Gießen.
\t>Z. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheften
Samstag, \J. Februar \9\T
Zwillingsrundoruck und Verlag: Brüht'scheUniversiiäls.Luch-u.Stelndluckerel.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäft,lelle u. Verlag:
Schriftleilung: e-sD 112.
Anschriftfür Drahtnachrichten:AnzeigerGießen.
Die Uriegsvordereitungen in den einzelnen Staaten.
Die erläuternde Note Balfours an Wilson hat wieder betont, daß Deutschland sich seit 40 Jahren aus diesen Krieg vorbereitet habe, während seine Feinde ahnungslos über sauen worden seien. Den besten Beweis für die Unwahr berten dieser Behauptung erbringen die Etats der Hoere und Lotten bei den kriegführenden Staaten in den Jahren vor dem Kriege. Während der drei Jahrzehnte vor Ausbruch, des Krieges, von 1881 bis 1900 hat Deutschland für sein Heer und seine Motte 25,2 Mill. Mark
Oesterreich 10,3 „
England 30,9 „
Frankreich 269
Rußland 30,3
ausgewerldet. Also jeder einzelne der Staaten des Dreiverbandes hat seinen Völkern größere Lasten der Kriegszwecke auferlegt als Deutschland. Für die Kriegsrüstuugen gegen dre Mittelmächte waren in drei Jahrzehnten 88,i Mi'lliar- ben, und wenn man vor: dieser Summe die Kosten des Burenkrieges und des Russisch-Javanischen Krieges avzieht noch immer 79 Milliarden nusgegeben worden. Die'Mittel-- inächte dagegen haben in dem gleichen Zeitraum nur 35,7 Milliarden für diese Zwecke ausgegeben. — Rach dem Etat von 1912/13 hat Deutschland 1570, Oesterreich 617, England 1467, Frankreich 1236, Rußland 1547 Millionen für Heer und Flotte ausgegeben; also der Dreiverband 4277, die Mittelmächte 2186 Millionen.
Die Kriegslasten, welche die Westinächte ihren Völkern ausgebürdet haben, sind also viel höher als die, welche der Preußische Militarismus für erforderlich hielt
eanüvrrtkchaftliche Erzeugung und Preisbildung.
Angesichts der entscheidenden Bedeutung der Förderung lind nichtigen Verwendung der landwirtschaftlichen Erzeugung habet
Unterzeichneten Hochschullehrer für landwirtschaftliche Betriebslehre die Frage der künftigen Preisgestaltung eingehend bemalen. >vas Ergebnis wird znsammengefastt in folgenden Leitsätzen.
^ I. Im allgemeinen:
1. Das erste Ziel ist die möglichste Vermehrung der Bvden- erzeugnisse durch volle Sicherung der technischen und wirtschaft- luhen Leistmigsfähigkeit der Lanchvirtschast. Ter Aufrechterhal-- ^ung oder womöglich Bermehrrmg der Gesamterzeugung sind durch den Mangel an erfahrenen Betriebsleitern, durch die Knapp- beit der menschlichen und tierischen Arbeitskräfte und des Kunstdüngers enge Schranken gesetzt.
„ , 2* Das Recht und die Pflicht der Kommunakverbände, zur Bestellung geeignetes Land, das der Besitzer nicht bestellen kann oba: will, anderweit bebauen zu lassen, mruß beibehalten weiden^ Em darüber binaus gehen der Anbauzwang verbietet sich bei der Eigenart des landwirtschaftlichen Betriebes. Er würde im Kriege noch verhängnisvoller wirken als im Frieden.
_ 3. Für die Ernährung der Tiere dürfen Körner und Hack- trüchte in ländlichen und städtischen Betrieben nur insoweit beansprucht werden, wie es nach Deckung des unbedingten menschlichen Ernährungsbedarses möglich ist. Unter de,: Tieven geht das Arbeitsvieh vor. Schafe und Rinder müssen in solcher Zeit gehalten werden, wie es zur wirtschaftlichen Ausnutzung der nicht oder nicht mehr für menschliche Nahrung geeigneten Badenerzeug-, Nisse zweckmäßig ist. Tie tierische Höchsterzeugnng kann nicht durch möglichst große Berne,inng, sondern durch richtige ^Abgrenzung der Zahl der Tiere erreicht'werden. Tie Schweinehaltung erschwert am meisten die Verhinderung widerrechtlicher Verfütternng menich
noch unter dem Friedenspreis der Winterkartoffel. In Ostdeutsch- «N L rt J\ L.^ r erheblich höher als dieser, aber er berücksichtigt Nicht voll, die schweren Nachteile, dre dort die Miestrung der normalerweise zur Aufrechterhaltung der eigenen Wirtschaft erstrder- lichen Kartoffeln den meiste:: ältlichen Betrieben bringt. Ange- melchn erscheint für ganz Deutschland ein Mindestpreis von 100 Mark die Donneim Herbst mit der Berechtigung der Landeszentral- behorden m Gebiete,: mit besonders Holsen Friedenskartoffelpreisen oen Preis iu angemessenen Grenzen darüber hinaus zu erhöhen. Im Reiche ist den Landes Zentralbehörden die Regelung der Fruhiahrkartoffelprei st zu überlassen.
< ' Reichliche Gemüsepreise sind schon bei dein großen Arbeits-
beoars dieser Früchte geboten. Eine Gefährdung des Anbaues anderer notiger Früchte durch Gemüsebau ist nicht zu befürchten, erwüäksckff^i ^ et,te kläglichste Ausdehnung des Gemüsebaues
14. Kohlrüben (Wrußen) und Runkelrübeniverden überwiegend zur ^ersutterung :m eigenen Betriebe erzeugt. Ein Höchstpreis muß aber zur Vermeidung unerwünschten Wettbewerbs mit Kar- wsseln und Zuckerrüben festgesetzt werden. Angemessen erscheinen solgende Preise ab Hof mit der Möglichkeit der örtlichen Preis erhohung für besttmmte Gebiete wie bei Kartoffeln'
Wruken (Kohlrüben, Steckrüben, 30 Mark je Tonne
Futterrüben.25 Mark je Tonne
, Fltttermöhven.40 Mark je Tonne
. 1.». Ein mäßiger Preis für die käuflichen Kraft- und Ersatz-
sutterm ittel, nötigenfalls mit Reichszuschüssen, ist nötig, um die gio^en Schwankungen in den Kosten der Hervorbringung der Vieherzeugnisse zu vermeide::.
16. Die Preise für Schlachtrinder sind im Vergleich zu den Preisen der Bodenerzeugnisse zu hoch. Dadurch ist auch eine vom landwirtschaftlichen Standpunkt bedenkliche Steigerung der Preise für Zucht- und Magervieh hervorgernsen. Das für dieses Höchstpreise nicht durchführbar sind, kann die Minderung dieser Preise nur mittelbar durch Herabsetzung der Schlachtviehpreise erfolgen. Ern verhältnismäßig hoher Preisstand ist trotzdem beizubehalten, weil durch den Wegfall eiweißreicher Kraffsuttermittel eine starke Verminderung und Verteuerung der Erzeugung eingetreten ist. Gegenüber dem heutigen mittleren Höchstpreis von 195 Mark für den dz erscheint ein mittlerer Preis für Schlachtrinder von Iva Mark angemessen. r
„17- Die Preise für Schlachtschafe sind aus den gleichen Gründen zu hoch. Da die Schafhaltung, insbesondere des dringlichen Wollbedarfs wegen, der Förderung :md Ausbreitung bedarf,^ müssen die jetzigen Weltpreise für mindestens drei Jahre zugesichert werden. Für Schlachtschafe ist ein mittlerer Höchstpreis von 165 Mark für den dz angemessen.
18. And) die Schweinerpeise sind zu hoch. Tie Herabsetzung der letzt geltenden Preise der Schlachtschweine unter 80 kg um 20 Prozent, über 80 kg um 25 Prozent erscheint geboten.
19. Tie Frischmilchpreise sind infolge der außerordentlichen Knappheit eiweißreicher Futtermittel in den meisteii Gebieteii erheblich zu niedrig. Tic Bntterpreise sind im Verhältnis zu den bisherigen Milchpreis, wenn man den höheren Wert der Magermilch in Betracht zieht, verhältnismäßig hoch. Die Frisch- mckchpreist bedürfen daher einer erheblichen Erhöhung, die allerdings eVst %m Wiirtersütteruugsperiode einzutreten braucht, da rm Sommer die Erzeugungskosten durchschnittlich erheblich nie driger sind. Unter Berücksichtigung des höheren Wertes der Mager- wilch ist der Biitterpreis so sestzusetzen, daß die Mckchverioertung be: Butterherstellung nicht vorteilhafter als beim Frischmilchverkauf wird. Hiernach ist für das Berliner Preisgebiet 30 Pfg. ab Hof für 1 Liter Vollmilch angemeffen.
Für die übrigen Gebiete haben die Landeszentralbehörden: eine angemessene Heraufsetzung der Milchpreise vorzunehmen.
Lcne dazu geführt werde,:, einzusehen, daß die Eltzbachersche Bo- rechrmngsart der Produktionskosten direkt irreführend ist und den tatsächlichen Verhältnissen bei weitem nicht gerecht wird.
Im dringenden Interesse der Landwirtschaft liegt eine mögliche Stetigkeit der Preise. Eine solche ist fixe ihre gesunde Ent- T - rr L ^ ,iy 0 / 1 mutiur | wicklnng unentbehrlich,
luner üoahrungsmrtt.el. ne Anpassung der L>ckzwe:nezahl an dio aez Aereboe-Breslau Brinkniann-Ronu ^-öblickt-^ss«'
Ä .«“*« Berücksichtigung des | Ä«,
Kirchner-Leipzig. Schnieder-München, v. Seelhvrst-Göttin gen, Waguer-Weihenstephan, Warmboldt-Hohenheim
Weide- und Abfallfutters besonders wichtig.
4. Tie vorsteherchen Ziele sind nicht nur durch Zwangseingrisfe, sondern in erster Linie durch eine sachgemäße Preisgestaltung für alle Erzeugnisse des Bodens Mid der Tierhaltung zu erreichen. Die jetzige Preisgestaltung hat sich inr Laufe der Kriegszeit in völlig unrichtiger und auf die Dauer verhängnisvoller 'Richtung entwickelt. J,rdem man bei rnedriger Preisfestsetzung von Brot getreLe und Kartoffeln die Prcisenvvicklung der tierischen Erzeugnisse, vor allen: des Fleisches, zu lange frei laufen ließ und erst spät durch Höchstpreise regelte, hat sich das falsche und verhängnisvolle Preisverhältnis entwickelt, dessen alsbaldige Berichtigung' notwendig ist.
5. Die gesamte Preisbemessung muß so erfolgen, daß das Hauptziel, die Beschaffung niöglichst ausreichender Nahrungsmittel für die Menschen, erreicht wird. Sie ist derart zu gestalten, daß auch für Betriebe in biesonders ungünstiger natürlicher und wirt- schasllicher Lgge, sowie für die von Frauen geleiteten, von Arbeits-- kräften stark entblößten Betriebe, eine die Lebensfähigkeit gewährleistende Rente sich ergibt. Daß dabei besonders aünsttg liegende Betriebe eine höhere Rente, als unbedingt notwlendig wäre, erzielen, ist unvermcidlick)
6. Eine höhere Festsetzung der gesamten Preislage, als hiernach erforderlich, ist 'nnzulWg. Die freie Preisbildung für einzelne ivirtschaffliche Haupterzeugmsse ist unmöglich, weil sie für weite Volkslreisc zur unerträglichen Neberteuernng führen muß. Die Po- littk des Anreizes ist zu verwerfen. Nur der Anbäu besonders notwendiger und in: Frieden zurücktretender Früchte (Oelfrüchte, Hülsenfrüchte, Gesprnjtpflanzen ist zur Deckung des Mindestbtzdarfs durch verhältnisinäßig günjtige Preisbemessuug zu fördern.
II. Im einzelnen:
7. Die verschiedenen Preis- und Mlieserungsbediugnngeu für Hafer und Gerste sind betriebs- und volkswirtschaftlich unberechtigt. Sie benachteiligen die ohnedies in ihrer Leistungsfähigkeit an: nieisten gefährdeten ärmeren Bodenarten und müssen durch gleiche Behandlung beider Fruchtarten beseittgt werden. Die jetzige Preis- Höhe ist ungefähr bcizubehalten.
8. Der Roggen- und Weizenpreis ist dieser Preishöhe anzu passen.
9. Hiernach sind solgende Getreidepreise für die nächste Ernte
angemessen, zur Erreidiung der unter 5 ausgestellten Ziele aber auch unbedingt erforderlich: !
für Roggen . 260 Mark je Tonne
„ Weizen.300
„ Gerste.270
„ Futtergerste .... 260
„ Heeres Hafer .... 270
,, Hafer ...... 260 „ „
10. Unter Berücksichtigung der Ausführungen zu Ziffer 6 erscheinen die heute geltenden Preise für Hülsenfrüchte angemessen. Für Oelsaaten erscheinen die für den Herbst festgesetzten Preise angemessen.
11. Unter Berücksichttgung eines Roggenpreises von 260 D^ark ist ein Zuckerrübenpreis von 40 Mark zu niedrig, ein solcher von 50 Mark je Tonne angemessen. Der Zwang zum Anbau einer bestimmten Fläche führt nicht zum Ziel.
12. Ter diesjährige Kartoffelpreis ist zur AusrechtLrhältung der Erzeugung ungenügeiid. In Westdeutschland steht er zun: Teil
Von einem Landwirtschaftslehrer erhalten wir folgende Zn schrist:
. Inr Leitartikel des „Gießeuer Aiczeigers" vom 14. Februar wird ein Aufsatz von Professor Eltzbacher besprochen, betttelt Irrwege unserer Ernährnngspolittk", in dem mit Sachkeiurtnis und Gründlichkeit Ernährungssvagen behandelt sein sollen. Tie auszugsweise aus diesem Aufsatz angeführten Berechnungen über P r odu k tio n sk-o stkn fatfrm: jeidoch unbedingt zu einer Nachprüfung heraus. Wir halten es für nöttg, durch unsere Ausführungen die städtische Bevölkerung zu dieser Nachprüfung der Eltzbacherschen Berechnungsweise der Produktionskosten anzuregen. Beim Lese:: der Berechnungen drängt sich nämlich unwillkürlich die Vorttcllung ans, ob es sich bei unseren landwirtschaftliche,: Nutztieren um Automaten handelt, bei denen der Einwurs von 55 Pfe,mig in Gestalt von Roggen genügt, um unten ein Pfund Schweinefleisch und Speck (Eltzbacher meint doch wohl Lebendgewicht, d. h. Fleisch und Speck, ^einschließlich Knochen, Einge- weiden, Blut nffv.) mit 'unfehlbarer Sicherheit hevauszuziehen Nach.Eltzbacher bestehen nämlich die Produktionskosten scheinbar nur aus den Ausgaben für das Fxttter. Mjan versteht wirklich nicht, wie ein SachkmMger u. a. folgende Punkte unberücksichtigt lassen kann:
1. Verzinsung und Anwrttsatton der Stallgebäude und In standhaltung derselben.
2. Wartting und Pflege bei den heute erschwerten Leutever hältnissen und hohen Löhne,:.
3. Kosten für die Zubereitung des Futters kDämpf^n der Kartoffeln, Schroten der Frucht usw.)
4. Verzinsung des in den Tieren und Futtermitteln investierten Kapitals.
5. Der günstige Ansatz vm: 1 Pfd. Schweinefleisch (Lebendgewicht) durch 5 Pfd. Roggen usw. stimmt m,r für die eigentliche Mastzeit.
6. Das Pfund Lebendgewicht be: arrznkausendem Ferkel bettägt jetzt 1—2 Mark. Dieser Mehrpreis wirkt natürlich erhöhend auf die Kosten des fpäterei: Ansatzes.
7. Starke Beeinflussung der Ziuiahme oder sogar Riickgang des Gewichts der Tiere bei weitergehender Fütterung durch Ausbruch von Seuchen oder sonstigen Erkrankungen.
8. Ausgaben für tierärztliche Bemühungen und Medikanrente und Stalldesinfektion-en.
9. Abgang von Tieren durch Tod; im Fall der Versicherung Prämieirza httrng :md nur teilweiser Ersatz des entstandenen Lchadens.
Diesen die Produktion vertenerrrden Fattoren steht der evtl, geringe Vortell durch Gewnrnung von Dünger gegenüber.
Ob ferner ein Kapital ff: Roggen und Gerste oder in Gestatt von lebenden Schweinen einem Verlust mehr aus gesetzt ist, darüber dürfte man doch eigenttich rare einer Meinung sein. Das angeführte Argument der Betriebserleichterung durch Ersparung der Abfuhr des Getreides kann nicht als stichhalttg anerkannt ,verden, eS biirfte sogar in vielen Fällen das GegeittM der Fall sein. Hoffeiitlich wird durch diese kurzen Ausff'ihrrmgen auch jeder
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. Februar 1917.
Spart mit Kartoffeln, denn fie müssen bis IS. August reichen.
Die deutsche Kultur in den baltischen Provinze».
lieber dieses Thema sprach aus Veraulassung des Vereins für das ^lmtschtum im Auslande Bruiw G ö tz aus Riga gestern abeud im großen Hör)aale der Universität. Der Vortrageride begründete die diatur des ballischen Teutschtuurs aus seiner geschichtlichen Ausgabe bei aller Friedensarbeit, Vorpostei: zu stehen gege,: nn Ueberslutettverden Deutschlands durch die slavischc Welle. Trotz äußerlicher Abhängigkeit, der sic nicht entgehen könnten, hielten Deutschen Herren an ihre,:: Deutschtum uiwediugt fest und blieben den ] umgebenden Fremd Völkern gegenüber' dadurch immer die Herrn:. Das deutsch-baltische Herrntticn: umfaßte dabei nicht nur den Wel, soiwern ar:ch den Bürgerstand. Ihre Kraft wurzelt m ihrer Aufgabe, in ihrer Sendung. Was die Baltnr nicht aus Liebe zu Rußland, sondern nur aus Tätigkeitsdraug diesen: Lande genutzt haben, hat da: Deutschenhaß der Russen groß werten lassen, da sie zu bitter -empsaxcheu, daß sie ohne die Dienste der Deutschen ihre eigene Barbarei nicht überwinden konnten. Bo,: diesem Ge- ttchtspunkte aus deutete auch der Redner die Haltung der Deutsche Balten be: der lettischen Revolution. Zu den wchttragcndsten bal- tffchen Unternehmungen der letzten Zeit gehörte die illusiedluug von 20 000 deutschen Bauern aus den innerrussifchen Kolonien, wo- durch ein nationaler Bauernstand geschaffen wurde. Tie ent- ichechende Rolle, die die nationale Selbstbehauptting bei den Batten gejp:elt hat, führte auch zu den: .vielberufenen Konservatismus, der e:ne bewußte Waffe im Kampf gegen die russische Regierung war. Das Verhältnis zur Scholle, zur Fa mitte, zur Stadt, erhält eine starte Gesuhlsbewnung. Das baltiiche Geistesleben hat eine Fülle von bedeutenden Künsllern, Politikern, Gelehrten und Jvur- ^^^^orgebracht Tie Enge und Abgeschlossenhctt hat viele zu weltfreiuden Lwicherlmgen gemacht. Erst durch eine Angl:ederung an D^rtschland ww:de den Batten die MögttckLett gegeben, in unmittelbare Beziehung zum wirkenden Leben der großen. Wett zu treten. ..nt der bewußten Abgeschlos 1 enheit der Balten hängt es zusammen, daß die^baltiscbe Kunst keinen bedeutenden Dramatt^r auszuwcnien hat. Das Erblühen einer starken imd ttgmwillig originellen Lyrik m den letzten Jahren weist ab-r darauf hin, daß Verborgene .Kraste sich dort gesamnrelt und geformt habm. Das Gemernsame der Zungen baltischen Dichter ist die Art ihrer Geistiq-
als in Deuffchland.^
r 1 ?' 1 hat be: aller Urwuchsigkett etwas lleberwissendes, UebevwachE, spielerisches Nervöses. Ihre leidenschaftliche Inbrunst kommt mehr vom Geiste, als vom Blute. Es ist die spate Kunst Inllschttims. Zum Beweist hierfür trug der Rckner Gedichte des mngverstorbeneu Kurt Bartels, Herbatt von Hoerner, Guido Hermann Eckardt, Elfriede Skal- berg, Gustav Specht, Hellmull) Krüger und Bruno Goetz der Redner eff:e feine eindringliche Charakteristik, die die schMmgsn unserem Fühlen noch naher brachten. lieber ^sck und Malern faßte er sich küi^er und nannte mit knapper Charatteristtk die w-lchttgsten Namen. Die Architektur des Dalle»- drms veranschaulsthtvn u. a. die voi^üglichen Lichtbilder, die sich dem mrt großem Beifall aufgenommenen Vorträge anschlossen.
Poftscheckverkehr.
rr ^Folgendes von,der Reichs-Postve.rloattung vertriebene Merkblatt über i.er: Pochcheckverkehr sei hiernttt im Auszug tveiterenl Krerjen zur Kenntnis gebracht.
vaterläudische Pflicht ist es, mit alle:: Mitteln dahin zu stteben, daß der Umlauf an Bankiwten und anderem baren Gelbe auf das notwendigste Maß beschränkt und der bargeldlose Zah- lungsau^gleich ge,ordert unrd. Diesem Ziele dieur auch der Post- scheckverkehr der Zugleich den Ztthlungsverkchr vereinfacht, ver-- billigt und beschleunigt. Jlxz Beteiligung an dieser zum Nutzen der empsohttn ^i^ ^^lfenen Einrichtung wird daher eindringlich
Ter Postscheckkunde braucht keine größeren Geldbestände in der Wohmriig oder :m Geschäfte berett zu halten oder zu vertvahben: W keine Verluste durch Unterschlagung, Diebstahl, Feuer zu! befurchte::. Der Post,checkkuiide weist vom Sckireibttsch aus seine Zahlungen durch Ausfüllen von Vordrucken lUeberweisungen oder Schecks) m: Fwiisprecl)gebühren, Zeitungsgelder m:d andere Zahlungen an Postkassen werden auf Antrag des Postscheckkunden ohne iveiteres von seinem Postscheckkonto abgebucht, ohne daß er jedes- mal eine Ueberweisung auszustelten hat. Keine Mühe, kein Versehen durch Zahlen, Verpacken, Versenden von Geld. Tie Wege zur Polt, um Postanweisungen oder Wertbriest aufzulststru. und Mi- dere lästige Gange die notwendig sind, um die für die Ferttgun-g eines Wertbriefs erforderlichen Banknoten, Reichskasstnscheine usw zusammenzn^kommeii, fallen weg. Ter Postscheckttnide rveiß auch daß be: den Vorzügen d:e die bekannt blaue Zahlkarte bietet, die Rechnungen von deil Schuldnern schneller bezahlt werden. Die Be- ttage die der V"stschEcKunde erhält, norden fernem Konto beim Postscheckamt gutgeschrieben. Auch hier fällt das zeitrm'bende imS lästtge Geldzählen iveg, das Bestellgeld wird gespart ^ .Dre Eingänge an Zahllarten irnd Ueberweisungen von tmbmt beim Postsck>eckauit dem 'Posffck»e^mch^ gutgeschrreben che Zahlungsaufttäge des Postscheckkunden äleber- werlungm und Schecks) werden vom PostsckEonto abgechickt. Ter Postscheckkunde erhalt über alle Eingänge und Aufträge, die tagsüber auf seinem Postschecttonto gebucht worden sind, am n ä chsten M v rg c n durch die Post kostenfrei emen Rechmn'asauszug, der- auch dre HoheGuthabens angibt, lieber da- (Guthaben kamr der, Postscheckkunde ,og ech Wiede, durch Ueberweisung oder Scheck Klugen bic^UcBertragimg bcS Zahttmgsverkehrs an das
Postscheckamt wird also auch die Kassenführmrg des Postscheckkunden sehr vereinfacht und verbilligt. Er braucht nur den Rechnumrs- ouszug des Postscheckamts nachziiprüfen und die einzelnen Posten' m die Kassenbücher zu übertragen.
Aus dem Postscheckkonto muß eine Stanimeinlage von 50 Mk gehalten werden.
^bührnk rm Postscheckverkehr sind sehr niedrig m:d viel billiger als die Gebühren für Postamvei,ungen und Wertbriefe ^ Beitritts genügt bie Ausfüllung eines For
mulars, das be: allen Postanstatten erhältlich ist.
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