Bl 59 äroeites Blatt
Erschemt tkzllch mit NuSrnchme des Ssnutag».
\bl. Zahrgan-
Beilagen: • „Siehnrer $cratmt#&ßtter“ und „Kreisblatt für den Kreis -letzen".
V«ffsche<Noitto: Zranksurt am Main Nr. U68*. 8«nt»erfeijr: Seserbebanl Sietzen.
Gietzener Anzei
General-Anzeiger für Gberhefsen
Donnerstag. J5. ßebruar W
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'fcheUnwersttäts-Buch-u.Stnndruckerek.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstrave?. Geschäfts stelle u. Verlag: bl,
Schriftlettung: 112.
Anschrift für TruhttiachrtchtetnAnzeigerGießen.
Zu England? Lebensmittelversorgung.
cheidungskampf hat begonnen: unser nächster und gefährlichster Feind, England, stecht vor der furchtbaren Gefahr der Umzingelung durch unsere Tauchboote. Die Aufgabe ist, jede Zu- 7 nhr aller Art nach England zu unterbinden, fßs versteht sich, daß in der Unterbindung der Zufuhr nicht bloß die gesteigerte Beschränkung der Lebensmittelversorgung Englands in Frage kommt. Auch auf die Zufuhr anderer Waren haben wiir es sehr nachdrücklich abgesehen, so beispielsweise auf Grubenhölzer und Eisenerze. Doch halten wir uns zunächst einmal an die Lebensmittelversorgung als das wichtigste GelÄet.
Seit jeher legt man in England auf Essen und Trinken mehr Gckwrcht als in Deutschland: von allen Ländern Europas war bisher England daS reichste Land, das in seiner Lebensführung verwöhnteste, daS in seiner Vielseitigkeit an Vorräten am besten ausgestattete. Wir dürfen uns kein Hehl daraus machen, daß bis vor uicfjt allzu langer Zeit trotz der Versenkung noch so vieler Schiffe in England von einer Schwierigkeit der Lebensmittelversorgung keine Rede war. Wir haben ebensowenig Grund, irgend einen Zweifel in die Schilderungen neutraler Berichterstatter zu setzen, nach denen bis vor wenigen Monaten außer einer gewissen stellenweise sehr fühlbaren) Zuckerknappheit daS englische Volk nicht bloß auskömmlich versorgt war, sondern in seinem früheren Wohlleben durch derls Krieg sich in nichts stören ließ. Es ist auch unter allen Umständen richtig swie wir es vielfach in Zeitungen gelesen haben), daß England bisher seine Soldaten viel verschwenderischer beköstigt hat — mit Braten und Süßspeisen, Näschereien, Marmeladen, Kuchen und Schokolade — als etwa in den besten Friedenszeiten in Deutschland sich unser Mittelstand ernährte. Wer die üppigen englischen Lebensgewohnheiten aus eigener Anschauung kennt, wird darüber nicht erstaunt gewesen sein. Denn zur englischen Lebensführung in jeder Lage gehört eine bei uns unbekannte Reichhaltigkeit der Ernährung: jeder Durchschnittsengländer ist gewöhnt, des Morgens zum Kaffee außer Butter und Brot und eingemachten Früchten seinen gebratenen Fisch, sein gebratenes Stück Fleisch zu essen, sein Rührei mit Schinken vorzu finden; er verlangt um 12 Uhr mittags seine zweite reichhalttgc Fleischmahlzeit, er setzt sich zur Hauptmahlzeit des Tages um 6 Uhr abends. Zudem ist der Engländer ein starker Fleischesser, und das beste Fleisch ist für seinen Gaumen gerade gut genug: wie etwa Lebensmittel wie Wurst, konserviertes Gemüse, wie etwa Sauerkraut bis in die untersten Volksschichten hinab in England als verabscheinrngswürdig gilt. Zu der Verwöhnung in Fleisch fmtrmt die Verwöhnung' in Brot: ein derbes Roggenbrot, ein grobes Scliwarzbrot, ein einfaches Weizenbrot, wie es in Deutschland Sitte ist, kennt England nicht Die englische Bevölkerung ißt Weisen- und Roggengebäck nur in den verfeinerten Formen der Zubereitung, wie sie ftei uns unter den Namen „Stollen", „Stuten" usw. als Sonntagsgebäck bekannt sind.
Wir haben wahrhaftig gerade in diesen Zeiten, in denen unsere eigene Lebensmittelversorgung knapp geworden ist, nicht den allgr- geringsten Grund, unsere Feinde um diese verwöhnte Lebensführung zu beneiden. Demi es liegt auf der Hand, daß wenn einmal — mtb vielleicht gar in allernächster Zeit — die Lebensmittelversorgung Englands bedroht ist, das verwöhnte England unter Lebens- mittelknappheit sehr viel schwerer zu leiden haben wird, als es in Deutschland je der Fall sein könnte. Wäs unsere Tauchboote zu tun haben werden, muß eine rasche Tat sein. Diese rasche Tat, auf die wir hoffen, findet eine Beschleunigung in dem Umstande, daß England bereits jetzt, bevor der verschärfte Tauchbootkrieg eingesetzt hat, mit schwerster Besorgnis einer beginnenden Lebensmittelknappheit sich gegenübersie'ht.
Und nun folgendes: Wir wissen, daß die Weltgetreideernte des Jahres 1915 glänzend war, wir wissen, daß England bis in die Mitte des Jahves 1916 hinein mit Brotfrucht voll auskömmlich ausgestattet hxtr. Wir wissen aber auch, daß seit dem .Herbst 1916 ein rapider Unrschwung Es dem Weltgetreidemarkte eingetreten ist: Zunächst versagte die eigene Ernte Englands um ein Siebentel (wobei 51 t erwähnen ist, daß die ganze Ernte der englischen Insel im besten Falke nur für zwei bis drei Monate des -Jahres zur Ernährung ausreicht), eine schwere Enttäuschung brachte Ca na da ebenso wie die Union, von denen ersderes noch nicht einmal die Hcklste, nämlich 42 Prozent, die letztere nicht viel mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent aus dem vergangenen Jahre liefern konnten. Ein schwever Ernteausfall stand in Indien und Argen- ümöt zu erwarten. Wie sehr sich England auch bemühte, im September und Oktober die Zufuhr an Brotfrucht zu steigern, so konnte es doch nicht verhindern, daß im November und Dezember trotzdem die Zufuhren stark unter die Ertrage des Vorjahres herabsanken, mit dem Endergebnis, daß England am 13. Januar 1917 — abgesehen von den unsichtbaren Müller-, Händler- und Bäckervorräten — über nur 5,3 Mitl. Quarters gegen 6,4 Mill. Quarters Brotfrucht und Mehl in der gleichen Zeit des Jahres 1916 verfügte. Tie Versorgung für die kommende Zeit muß aber England mit den schwärzesten Zweifeln erfüllen, denn die Mißernten Nordamerikas und Argentiniens sind so arg, daß auch ohne den verschärften U-Bootkrieg schwerlich an die Zufuhr eirres ausreichenden Ueberschusses zu denken ist. Wir wissen aber auch iveiter, daß England mit lebendem Vieh augenblicklich viel schleckster als in früheren Jahren versorgt ist, wir wissen auch, daß die Zufuhr! an Mais, dem wesentlichsten Produktionsmittel für die Fleisch!- «nd Fetterzeugung, an Hafer, Reis, Butter beträchtlich gegen: vergangene Jahre nachgelassen hat.
Doch sind möglicherweise diese unsere Kenntnisse über die mangelnde Versorgung Englands nur Utopien? Ist möglicherweise England viel besser versorgt als wir es annehmen? Plagen England vielleicht gar nickst die Beängstigungen um feinte Zukunft, wie wir sie vermuteit? Wir können als Beweis für die Richtigkeit urtserer Behauptungen eine Gegenprobe anstellen, die unanfÄjbbar ist. Denn wir kennen die Gesetze und Verordnungen, die England während des Krieges erlassen hat. Und dieses Kenntnis ist lehrreich! und beweiskräftig als Reaktion auf die bestehende Lebensmittelknappheit.
Zu Beginn des Krieges kannte England nur eine einzige Ernährungsschwierigkeit: die Zuckerfrage. Denn der größte Teil des auf den britischen Inseln verbrauchten Zuckers kaue aus Deutschland. Also setzte es zur Rationierung des Zuckers gleich bei Beginn des Krieges eine Kommission eint. In den folgenden zwei Jahren bis zum Oktober 1916 hat England zur Ernährungs frage nicht eine einzige wichtige gesetzliche Bestimnrnng erlassen. Ich Oktober 1916, überrascht durch die Ereignisse, begann die Einsicht in den Ernst der Lage; am 11. Oktober 1916 schuf die Regierung bie staatliche Weizenkommission, wel die Kentroll der Weizeneinftrhr übernahni. Kaum war diese Kommission da, als die Regierung sich zu einer Verordnung über das Ausmahleat von Weizen bequemen nrnßte und eine ÄuSmahlungsauote verschiedener Weizensorten fesrsetzte. Bereits im November 1916 konnte der neue Lairdwirtschastsminister Prvthero nicht umhin, die Lage Englands mit der einer belagerten Stadt zu vergleichen und es erschien unter dem 16. November das große Blankettgejetz, »velches das Handelsamt ermächtigte, Verordnungen betreffs Lebensmittelversorgung zu erlassen. Diese Verordnung ttaf Vorsorge gegen die Verschwendung oder Vernichtung notwendiger Lebensmittel, stellte den Verbrauch fest und schränkte tfrrt ein, übernahm die Kontrolle über Erzeugung und Herstellüng, suchte für gerechte Verteilung und Ueberwachung des Verkaufs zu sorgen und künsttiche Preissteigerungen zu verhüten und schuf, mit einent Wort gesagt, in schöner Ueberemsttmmung mit den bereits bestehenden deutschen Vevordnungen eine Regelung der Lebensmittelversorgung, die der deutschen Regelung ähnlich sieht wie ein Ei denn andern. (Hierbei sei daraus aufmerksam gemacht, daß die gelegentlich von deutschen Zeitungen gebrachte Notiz, in England seien allgemein fleischlose^ Tage" eingesührt, unrichtig ist. AuchGrund eben dieses BlankettgesetzeS haben bisher nur einzelne Städte die Einhaltung von wöchentlich zwes^leischlosen Tagen ungeordnet. Zu diesen Städten gehört übrigens nicht London. Neuerdings hat die englische Regierung d» eeinheitliche Regelung in Llussicht genommen.) Die Wirkung des Blankettgesetzes zeigte sich noäs im November 1916 unmittelbar: das Handel samt verbot sofort die Verwendung von Weizen in Brennereien und Bvcrue- reien und ordnete eine Bestandsausuahme von Kartoffeln an. Gleichzeitig erließ die Zuckerkommission eine Verfügung betreffend die Herabsetzung des Zuckerverbrauchs; sie bestimmte die Einschrän- kuug der Lieferungen an Fabrikbetriebe, Brauereien, Mineralwasser- und Boirbonsabriken, sie gestattete eine Verteilung nur noch an Abnehmer, die die Art des Verbrauchs genau anzugeben vermochten. Ter 17. November brachte außerdem die Festsetzung von Höch st preisen für Milch.
Tie Besorgnisse um die Produktion des eigenen Landes verraten zwei Gesetze aus dem Anfang Dezember 1916: das Ackerbaudepartement regelte die Ausdehnung des Anbaues auf bisher unkultivierte Ländereien und übertrug die Ausführung der Arbeiten lokalen Komitees. Gleichseitig richtete das KriegSamt eine Neue Stelle für die Kontrolle und Ueberwackzung des bebauten Landes ein. Das Kriegsminisberium selbst übernahm, um die Erzeugung von Hafer für den Haeresbedarf zu fördern, selbständig die 2Ä>auung aller dem Fiskus gehörenden Weideländercien.
Mit Gülttgkeit vom 18. Dezember 1916 bis 15. März 1917 wurde eine Regelung des Verbrauchs und Verkaufs von Saatkartoffeln erlassen. Am 6 . Dezember wurde ein einheitliches Kriegsbvot „N a t i o n a l b rv t" eingeführt, das nur zu 70 Pvoz. aus reinem Weizenmehl besteht. Mitte Dezember 1916 erschienen die Bestimmungen über die Zusammensetzung der Mahlzeiten in Gasthöfen, Klubs und Restaurants. (Eine Mahlzeit, die zwischen 6 Uhr urrd Vs 10 Uhr abends eingenommen wird, darf aus nicht mehr als 3 Gängen und eine zu anderer Zeit eingenommene nicht aus mehr als zwei Gängen bestehen, Käse wird nicht als Gang angesehen: Vorspeisen, frische uitd getrocknete Früchte und Suppen zählen als halbe Gänge.)
Ueberaus wichttge Bestimmungen brachte der Anfang Januar 1917: die Regierung setzte jetzt die Weiten-, Hafer- und Kartoffelpreise für das laufende Jahr fest. Ferner ordnete das Kriegs- ernährungsamt an, daß die bisher bestehende Weizenausmahlung von 76 Prozent um mindestens 5 Prozent durch weiteres Aus- niahlen erhöht werden müsse oder das Mehl durch Hinz-ufügen von Gerstenmehl, Maismehl, Reismehl oder Hafermehl gestreckt werden solle. Zu gleicher Zeit erschien ein Verbot der Ausgabe von Informationen über Getreide. Ter 10. Januar brachte eine Bäckereivervrdnnng-, wonach Kuchen nicht mehr als 20 Prozent Zucker enthalten darf: neue Bestimmungen über das Einheitsbrot wurden erlassen. Tie Verfütterung von Getreide an Fasanen oder anderes Wild wurde verboten. Zur Fabrikation von Schokolade wurde die Verwendung von Milch untersagt. Schließlich erschien Mitte 5Arnuar 1917 eine Verordnung betreffend die! Einschränkung der Erzeugung von Bier um 30 Prozent vom 1. April 1917 ab.
Aus allem ist zu ersehen: zwei Jahre und zwei Monate seit Beginn des Krieges hat sich England uni eine gesetzliche Regelung seiner Lebensmittelversorgung nicht gekümmert. Dann setzte die staatliche Fürsorge ein, zuerst langsam und tastend, dann in erregter Steigerung. Woher diese Erregung? Die Lebensmittel werden knapper! Die Gefahr steigt! Denn England ist auf Zufuhren zum großen Teil angewiesen.
Unsere Tauchboote gehen zur rechten Zeit an das Werk.
Aus Stqdt und LanD.
Gießen, 15. Februar 1917.
"Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne. Am 16. Februar 1917 ist ein Nachtrag zu der Bekanntmachung vom 31. Dezember 1915 betreffend Veräußerungs-. Verarbeit ungs- und Bewegungs-Verbot für Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne (Nr. IV. I. 761/12. 15. K. R, A.) erschienen, durch welche die zum Kl einv erkauf in Warenhäusern und sonstigen offenen Ladengeschäften frei- gegebenen M engen an wollenen und wollhaltigen Strick-- garuen wiederum erhöht worden sind. Es sind nunmehr 60 v. H. der Vorräte, die sich am 31. Dezember 1916 bereits in Warenhäusern oder in sonstigen offenen Ladengeschäften befanden, zum Kleinverkaus oder zuin Verkauf an Hausgewerbebetriebe ireigegeben, mindestens jedoch 25 ke°. Als Bedingung der Freigabe ist die Vorschrüt bestehen geblieben, daß der Verkaufspreis der einzelnen Sorten nicht höbcr beinessen wird, als der zuletzt vor dem 31. Dezember 1915 von demselben Verkäufer erzielte Verkaufspreis. Weitere Freigaben von Strickgarnen sipd für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen worden; Eiiizelanträge auf Freigabe können jedoch nicht berücksichtigt ,verden.
Kreis Büdingen.
Effolderbach, 15. Febr. Das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt der Vizefeldwebel Karl Spitznagel im Jns.°Rgt 115, daS Eiserne Kreuz der Landsturmmann Robert Lenz.
Kreis Schotten.
n. Eschenrod, 14. Febr. Ten, Dragoner Hahn, der seit Kriegsbeginn ununterbroebeii im Felde steht, wiirde von dem Kom- iiiandeiir der 25. Res.-Tivision das Eiserne Kreuz 2. Klaffe wegen hervorrageilder Leistwigen persönlich überreicht.
Hessen-Nassau.
— Frankfurt a. Nt.. 13. Febr. Bei einigen hiesigen Wirten beschlagnahmte die Polizei 300 Pfund Wurst und Fleischwaren. Ermittlungen ergaben, daß die Waren in einem Maindörfchen bei Miltenberg von zwei jungen Burschen gestohlen und hier verkauft wurden.
— Griesheim a. M., 14. Febr. Durch das letzte Hochwasser wurden hier große Mengen von Balken, Grubenhölzern, Floßstännnen, schwellen, Brückenteilen usw., ferner Türen, Treppen, Kasten und viele andere Gebrauchsgegenstände an Land gespült. Größtenteils stammen die Holzsachcn aus den Baugruben der Mainkanalisierungsarbeiten.
X Hanau, 14. Febr. Die Stadt Hanau hat mit Gemeinden des Landkreises mw größeren Gutspächtern Verträge Wer die Lieferung von Früh- irud Spätgemüse, sowie Frühkartoffeln abgeschlossen, die so gehalten sind, daß auch eine immerforte Produktion, namenttich von Gemüse, erfolgt. Obgleich die in den Verträgen feft- gelegten Preise an sich schon ziemlich hoch siird, ist in denselben trotzdem noch die Bestimmung ausgenommen, daß die Preise für den Fall, daß infolge schlechter Ernte höhere Höchstpreise festgesetzt werden sollten, entsprechend erhöht werden. Sollten dagegen nildrigere Höchstpreise festgesetzt werden, so bleiben die Vertragspreise von Bestand. Für die Landwirte ist also nur günstiges geboten, denn eine Erniedrigung des Vertragspreises ist ausgeschlossen, die Möglichkeit der Erhöhung aber gegeben. DaS Saatgut für die Frühkartoffeln wird von der Stadt Hanau zu 8 Mk. der Zentner zur Verfügung gestellt, sofern die Stadt nicht selbst mehr wie 12 Mk. bezahlen muß, sonst zu 9 Mk.
— Marburg, 13. Febr. Beim unvorsichtigen Umgehen mit einem alten geladenen Gewehr erschoß in Dreihausen ein junger Mann sernen neben ihm siebenden Freund.
Ausdem Kreise Marburg, 12. Febr. Die Butter- preise sind jetzt wie folgt festgesetzt: Die Erzeuger erhalten für Molkereibutter bei Mgabe an die Kreissammelstellen 2,40 Mk., für Bauernbutter 2,00 Mk., die Buttereinkaufsstellen erhalten von den Ablieferungsstellen 2,27 Mk. und im Neinhandel bei Abgabe cm die Verbraucher für Bauernbutter 2,38 Mk., für Molkereibutter 2,60 Mk. In den Verkaufsstellen, die ihre Butter von der .Krers- sammelstelle beziehm, beträgt der Verkaufspreis für Bauernbutter 2,50 Mk., für Molkereibutter 2,60 Mk.
Gerichtsja«,!.
X, Hanau, 12. Febr. Der Fuhrmann Johannes R o e l o f 3 aus Oberhausen, der vom Heeresdienst zur Arbeitsleistung nach Langenselbold entlassen worden war, hatte sich unberechtigt die Ordensbänder des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeits-- medaille zugelegt. Als man gegen ihn vorgehen wollte, ergriff er die Flucht und nahm ein Paar Schuhe mit, die er gestohlen hatte. Es gelang bald, ihn zu ergreifen. Die Strafkammer'erkannte heute aus 5 Monate Gefängnis.
Gberhesfisches Museum und Gail'sche Sammlungen.
Wie luus der Vorstand mitteilt, hat sich trotz der schweres Kriegszeit das Interesse für die beiden hiesigen Museen keineswegs« vermindert, was sich durch zahlreiche, zum Teil recht wertvolle ^wendirngLn kundgibt. Der Besuch lvar recht rege, besonders erfreulich war es, daß unsere tapferen Feldgrauen von deit regelmäßigen Führungen fleißig Gebrauch machten.
Der bauerlick-e Hausrat und die Volkstrachten haben eine außerordentliche Bereicherung durch em: dauernde Leihgabe des Gwßherzioglichen LandesmuseimtS echalteu. Vermehrt ivurden: Fayencen, Po^ellane, Zinn- und Glasware. Einen dankenswerten erheblichen Zuwachs hat die Zahl der.Kupferstiche von I. G. Wille, der 171H aus der ObernrüUe bei Rodheim a. d. B. geboren tvurde, erfahren, darunter zwei Originalseichnungen des Künsllers.
Die A u s g t abunge n mußten naturgemäß eingestellt iverden, da es an Arbeitskräften fehlte. Bei Anlage des Kriegs- gefangenen-Lagers und bei Erdarbeiten aus dein „Trieb" wurden ledoch Gefäße mit Dtetallbeigaben der verschiedensten Zeitabschnitte aus Brand- und Melettgräbern freigelegt und dem Museum Wer- wiesen.
Sofort nach Kriegsausbruch begann man Erürneruugen an die große Zeit M scnwmeln, und aus kleinen Anfängen ist rmnmehr ein stattliches K r i e a s m u s e u m erwachsen, das «aber leider wegen des mitzulänglichen Raumes nur zum kleinsten Teile der Oessent- lichkett zugänglich gemacht werden kamt. Das Kriegsmitseimt birgt u. a. eine reiche Saininlung von Notgeld, 450 Stück von 130 Orten, Kriegsmedaillen, Zeitungen, Aufrufe, Bilder und Karikaturen. Sehenswert sind die verschiedenen Arbeiten der Kriegsgefangenen, cutch Zeichnungen und Gemälde aus der Künstler- Lilonie unseres Lagers. Befreundete Kriegsteilnehmer schicken fleißig Ermner-mgen aus dem Felde. Tie vmt Frau Olga Hasstl- mann-Kurtz in Wiesbaden künstlerisch aus geführten Pastellbildnisse ;rach Typen im hiesigen Lager uutergebrachter Gefangenen werden dem Krregstnuseunt, wenrt es hoffentlich demnächst üt einen ge- atftiefcaen Raum übevgMhrt ^ ^ besonderen Zierde gareicheu-,
Tie Teilnahme aller Besucher erwecken die Bilder der gefallenen Gießener Helden. Das D^useum beabsichtigt eine würdige Heldentafel zum Andenken an die fürs Vaterland gestorbenen Gießener .Sieger zu errichten und erbittet hierfür Photographien mit Angabe von Namxn und Daten auf der Rückseite. Empfangsannahme: Kommerzienrat und Beigeordneter Louis Emmelius, Ostanlage 21 und Direktor des Museums, Major a. D. Dr. h. c. Kramer, Ludwigsplatz 10 II.
*
—: Ein unbekanntes Selbftbildnis^von Anselm Feuerbach. Die Reihe der zahlreichen Selbstblldmsse von Anselm Feuerbach war bisher durch eine Lücke von 17 Jahren unterbrochen. Ztvar war aus dem Briefwechsel Feuerbachs zu entnehmen, daß er auch in seiner reifsten Zeit an einem Selbstbildnis gearbeitet hatte, dochi lvurde hierüber nichts Näheres bekannt. Erg jetzt ist es gelungen, dieses Selbstbildnis, dessen Vorhandensein oft vermutet und ebenso oft geleugnet ivordeu war, cm die Qeffentlich- keit zu bringen. Das Bild stammt aus dem Nachlaß der Schwester Feuerbachs, Enrilie, und ging dann in den Besitz einer bckdischen Familie über. Auf Grund emgehender Studien und einer Zusammenstellung für diesen Fall besonders toichtiger Briefftellen Feuerbachs setzt nunmehr §>ermann Uhde-Bernays im Cicerone die das Werk betreffenden näheren Umstände auseinander. In einem vom 25. Januar 1868 an seine dRhttter basierten Brief schrieb Feuerbach: „Nächste Woche vollende ich mein Pvrttät, welches ich mit dem Frühlingsbilde vor meiner Abreise zu Euch schicke." Feuerbach kam aber nickt dazu, daS Bild vollständig l>er- zustellen, wenigstens ist Uhde-Bernays der Anftcht, daß dent Büd die bei Feuerbach gewolmten letzter! subtilen Feinheiten fehlen. Die Malerei deutet nach der Meinung von Bernays mckedingt auf den Feuerbvch des Jahres 1868, irud die Technik gemahnt an das damals bereits vollendete Porträt der Charlotte Kestner. Das Bild iß : n jeder Begebung monumental, alles^ ist aus stärkste, größte -Üvirkung angelea^ Ties ivird als der walnßchüulichste Grund ailgegeben, warum gerade dieses Selbstbildnis unbekannt, ja sogar noch zu Lü^eiteu Feuerbachs versthvlLu: war. 186 7 und
-luuu iwu ocuuuw JIUUU.LUJ H-ijL iufULi iLUL|ro:t lovroen, n>cu er „die kleine, unscheinbare Tochter der Goerhesch-n Lotte in königlicher Gestalt auf einen Herrscherthron gesetzt habe." Da Fener- bach äußerst empsindlich war und fürchten mochte, daß die monumentale Art seines Selbstbildnisses, die natürlich aus rein künstle- rischeu Grmtden beruhte, den Anlaß zu Mißverständnissen und einem Kreuzfeuer von Angriffen bilden könnte, wollte er wahr-^ scheinlich nichts mehr von dem Bilde wissen. Seine Schwester Emilie, die sich so vieler ihm selbst mißliebig gelvordener Werke annahm, hat dann auch dieses Selbstbildnis übernommen das bis Ende des Jahres 1916 verborgen blieb.
— Hamburger Uraufführungen. Aus Hamburg wird uns gelchrieben: Der Frauenllub veranstaltete einen Eulen- berg-WendB Es kam etn einakttges Lustspiel „M e ssa l ine" des rhemtschen Dtchters zur Uraufführung, das einen ehelichen Steift abhandelt. Natürltch tn der eigentümlichen schalthaft-spötttschen Tonart Eulenbergs. Emiunger Gelehrter m mit einer Wissenschaft- ^Hen Arbeit über „Mesjaltne" beschäftigt. Er vernachlässigt dabei letne < 5 rau jo jehr, daß diese aus das Werk eifersüchtig wird De« daraus nch ergebende Konflikt hat nicht den Reiz, um das Stück anziehend zu machen. — Ein Mysterium „D a I e s u a u f Erd eit
9 <m Tur u c nb Orchester, von dem Altonacr Kompoutsten: ^ in) 11 rfi, das einige Episoden von der Verheißung des Lichtes Je,u umfaßt, fand bei der Uraufffihrung starken Beifall —
S?r eute Mege der niederdeutschen dramatischen Literatur auß der Buhne hat im Thalia-Th elater mit einem N i ed e r- d e u t s ch e n E i n a k t e r a be tt d begonnen, der drei kleine Dialekb- stucke . von Frch Stavenhagen, Gorch Fock und Hinrich Arte de brachte. Die Ausführungen wurdet« von Mitgliedern der Gesellschaft ffir dramansche Kunst besorgt, die mit ancrlcnncw- blC ^entümlichkeiten der niederdeutschen Sprachwelt sich zu eigen gemacht haben. In den Einaktern „Der
irT ° a rr 9 Tf Cb a K f und,,L angeLüd" konnte man dar-
stellcnjck)« Einzelleijtungen beobachten, wie sie ähnlich bat Berufs- ichauspieler des ^urch^chintts kaum gelingen werden DaS Zu-' jammeksprel ließ allerdings viel zu wstitschen Wrig. ^


