Nr. 35 Zweites
Erscheint täglich mit AuSnah,ne des Sonntags.
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vlatt >b!. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
5amstag. tk. Lebruar
ZwillingSrundvruck und Verlag:
B r ü hl'jche Universttäls-Bnch-u.Stsindruckerci R. Lange, Kiesten.
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Schulst r ave 7. GeschäfiSslelle u. Vertag:
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Anschrift für TruhtaachrlchtenrAnzeigerGießen
Uriegsbriese von der rumänischen Zront.
Von nnserrn zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.!
Kleine Kiirgserlebnisse aus dem neuen Jahr.
IV.
Foksani, Mitte Jammr.
A ^ f der L a n d st r a st e zur Front.
Tie rund 70 Kilometer ton Buzen bis zur Front nördlich des soeben eroberten Foksani. lege ich auf der Landstraße zurück.
Meine schönsten polnischen Erinnerungen von vor zwei Jahren werden wach. Wahrhaftig, dies hier ist wieder einmal eine richtige 'Lanjestraße. Sie ist genau ebenso zertvühlt und zerfahren wie die Wege damals. Und : n r. Trost der ganzen Arnree, die gesamte Zufuhr ist auf sie angewte,cn, bis die Bahn wieder in Gang ist. Es ist die einzige weithin, die nach Norden führt. An ihr sind die Schlachten vor Rimnicul-Scrrat und vor Foksam geschlagen nwrden.
- . ^ueit es, bald regnet es. Die Vormarschstraße ist
besteckt mit gefallenen Pferden, wie überall ton Targu Im mis und sonst von den Pässen herunter. Indessen werden es hier allmählich ihrer docki noch beträchtlich mehr, als auf früheren Abschnitten. Ich sckchtze, hast schließlich rund zehn 2uf den Kilometer ^umen: es erinnert an den Mackensenzug in Südpvlen vom Spätsommer 1915, wo es ähnlich aussah. Sind es deutsche Tiere, Riiinänen oder Russen, die dort, alle Piere steif ton sich gell rem. aufgetrieben und sperrig am Wege liegen? Ich weist es ii'.clft, pe tragen keine Uniform und Geschirr, Sattel oder Zaum- zeug hat man ihnen vom Leib genommen. Für die angeblich un- rcrnimftige Kreatur ist es ja schließlich auch egal, in wessen Dienst ne sich zu Tode analen must und hier hat zu Tode quälen müssen.
tut stumm ihr Bestes, gleichviel auf welche Seite ihr Geschick src an^ichts des Haders der Menschen stellt, und zu senttmen- tmen Betrack-tungan über ihren Antttl am Märtyrertum des Kneges ist letzt keine Zeit. Rein sachlich hätte die Frage der Verkettung des Pferdeverlusts aus beide Gegner wohl ihr Interesse, doch ist es sehr schwer abzuschätzen.
Mb und zu liegt mich ein gefallener Zugochse am Wege. Das war sonst nicht. Mag sein, daß es in Serbien und in Mazedonien derlei bereits gegeben hat; ich persönlich begegne jedenfalls dem Achsen lner zum erstenmal als Ziigtier in MllitärttansPorten, rast auch von ihnen welche gefallen sind, zeigt, wie beträchtliche ^ckmnengkeiten hier zu überwinden gewesen sind, gleichviel, ob das - >^ r öeim abrückenden Feind oder bei einer anrückenden deutschen Koloirne verlrnnm gegangen ist. Tenn der Zugochse ist zähe, zäher sogar und dann Auch leichter zu behandeln, als der trotz seines iitrmpfiinnigen Aussehens launische und eigensinnige Büffel. Wemi er traben konnte, wäre er ein geradezu ideales Kolonnentier. beider liegt ihm diese Kunst ruckst.
Ungeheure Krähenschwärme lialten auf den kahlen Marken ihr unruhiges Feldlager, oder sie. hasten krächzenden schweren Fluges auf unbekannte Botschaft lstn einem ge bei mnis tollen Ziel entgegen. Eigentlich sieht man die Krähe rmr selten unmittelbar an gefallenem Getter, um so eifriger und frecher, wenn auch uur einzeln oder in kleineren Flügen ludert die elegante Elster. Ab und zu fällt aus der Kolonne ein Schuß: dann hat einer der wildernden Hmrde daran glauben müssen, die überall in Menge herum- laufen und nach Einbruch der Dunkelheit zusammen mit heimlicherem nächtlichen Raubzeug die toten Gäule anschneiden. Die Lunde sind ein Mittelding zwischen unserem Spitz und dem Strastenhund des Orients; im Frieden sind sie wild imb bissig, fttzt ober scheu und verprügelt, )pie anderwärts auch, wo Krieg ist. Sie weichen allem, was Uniform ttägt, in weitem Bogen aus. Da Tollwut unter ihnen ist, läßt sich von keinem Standpunkt aus etwas dagegen einwenden, wenn man nach Möglichkeit reinen Tisch mit ihnen macht. Ihre überall herum liegenden Kadaver gehören auch zu den Besonderheiten dieses Feldzuges.
Tie zerschlissene, zerfahrene, schlammige Straße, die aus dem Leeren zu kommen und ins Leere, Endlose, zu gehen scheint, die ivässerige, öde, weithin dorflose Landschaft, die gefallenen Gäule, der Zug der Totenvögel in den Lüften, die schürenden, einsamen Hunde, der düstere, wvlkenschwere Himmel — all das gibt zu- 'ammcn ein Bild ton vollendeter Trostlosigkeft. Dazu die blanken Holz kreuzlein mit dem aufgestülpten Helm ab und an aus den kahlen Feldern.
Streckenweise Picken starke österreichische Schipperkommandos am Wege herum. Immer und immer toieder schneiden Wasser und Wässerchen vom nahen Gebirge her die Straße. Sie rieseln und plätschern zur Donau, die größeren als dünne geschlängelte Ader in breitem, flachem Bett, das Getvalt und Ausdehnung ihrer Hochwasser torschauender Beachtung empfohlen hält, die kleineren als dünnes Rurnsal, das sich am Boden tvenige Meter breiter, aber in doppetter Tiefe in das weiche Schwemmland eingewaschener Steilschluchten verbirgt. Ueber sie alle führen Brücken, und sie alle haben die Russen, wo ihnen die Zeit dazu geblieben ist, hinter
srch in die Lift aesprengt oder abgebrannt. Auch hier hatten unsere technischen Truppen harte Arbeit, doch auch hier sind sie ihrer /tufgcwe glanzend gerecht geworden. Längs der ganzen Sttaße ist gekämpft worden. Jeden. Graben, jede Schluckst haben sie gehalten, so lange es ging. Ging es nicht mehr, so legten sie sich vor den nächsten Einschnitt und richteten sich in Rache ein, bis nur wieder heran waren. Denn das erforderte Zeit, da die Pioniere erst den gesprengten Ueber gang für die Arttllerie zurechtmachen nrußten. >Mnner in derselben Manier: vorn eine dünne Kette ni mit Stroh warm ausgepolsterten Schützenlöchern, die Masse dahinter in dem Einschnitt, bereit, beim Sturmangriff im Gegenstoß torzubrechen, im übrigen aber sich auf die Ergänzung in der Schützenlinie eintretender Verluste beschränkend. Vor Rim- nieul Sarat und dann vor Foksani lagen von langer Hand stark ausgebaute Stellungen mit dickem Drahtverhau. Sie wurden in regelrechten Schlachten gegen zähen Widerstand niedergezwungen, ü^ie Entscheidung fiel in beiden Fällen aps unserem linken Flügel, am und im Gebirge. Wer die Stellungen gesehen hat, luirb sich nicht entschließen können, an die ^..Planmäßigkeit" ihrer Räumung, von der die Russen fabeln, zu glauben. Nein, Solche Stellungen räumt man nicht, wenn man nicht muß. Tie Wahrheit ist, daß die Russen hier Stellung und Reservestellung angelegt hatten, um unter allen Umständen iwch vor Foksani unseren Ge samtan griff endlich zum Stehen zu bringen und dann zum Schützengxabenttieg überzugehen.
Truppen, die hier haben marschieren, vielfach auch im Freien haben Nächtigen müssen! Mehr wie einmal verwandelt sich die Straße in einen richtigen Schlammsee, dessen durch die Räder des Autos gepeitschter Inhalt auf 100 Meter Länge und mehr wild durcheinander brandet.
Adolf Zimmermann Kriegsberichterstatter.
Aus Stadt und Laud.
Gießen, 10. Fehruar 1917.
Kleingeldhamsterk
Wie unsinnig vielfach an Kleingeld gehamstert wird, veranschaulicht nachstehende Plauderei, die uns von geschätzter Seite zur Verfügung gestellt wird:
„4. Masse Mieschkow" — mit diesen Worten legt Michel einen Markschein in den Kasten der Fahrkartenausgabe. „15 Pfennig", ruft der Beamte- scharf durch's 'Fenster. Wenig geistreich schaut Freund Michel von dem Beamten auf den Markschein und von dem Schein wieder auf den Beamten tritt) brummt etwas von „kein Kleingeld haben" in den Bart. „Ja, woher soll denn ich das Kleingeld nehmen, wenn jeder, der 15 Wg. zu bezahlen hat, mit einem Markschein und mehr ankommt und darauf wartet, daß ich ihm herausgebe. Das Kleingeld steckt Ihr zu Hause in den Sttumpf, und hier müssen die Leute warten. Abgzähltes Fahrgeld, 15 Pfg.! oder es gibt keine Fahrkarte" — schilt der Beamte und wendet sich mit „Wohin?" an den Nächsten, der schon ungeduldig vordrängt. Michel, zur Seite geschoben, holt verstohlen seinen Geldsack heraus, in dem noch ein stattliches Häuflein Meingeld steckt, und zahlt als Letzter 15 Pfg. für seine Fahrkarte. —
„Wie teuer ist das Hähnchen?" — „2,50 Mk." — „Es ist aber noch so klein und mager. 2 Mk. wären auch genug". — „Ktiegs- zeit", sagt die Verkäuferin; „alles ist teuer und das Futter knapp; da geht's nicht billiger/' — „Na, na, mit der Futterknappheit ist's doch gewiß nicht so schlimm. Aber ich wckl das Hähnchen doch nehmen. Hier sind 3 Mk." — „Wis? Papiergeld! und noch 50 Pfg. rausgeben! Das gibt's nicht. Mein Kleingeld habe ich selbst nöttg. Da behalte ich lieber das .Hähnchen." — „Dann behalten Sie's meinetwegen", sagt die Käuferin und versucht ihr Glück anderswo.
„5 Briefmarken zu 15 P?g. und ob Sie nicht so freundlich wären und mir auf'n 10 Mk.-Schein herausgeben wollten" — fragt der Kaufmannslehrling am Postschalter. „Wir haben gar kein Kleingeld zum wechseln. Alle Leute bringen Papiergeld; und wenn sie kein Kleingeld wieder herausbekommen, so kaufen sie nichts. Briefmarken zum wechseln wollen sie auch nicht". — „Tut mir leid", erwiderte das Schal terfräulttn. „Für 10 Mk. Briefmarken kannst Du bekommen. Ein Wechselgeschäft ist hier nicht." —
„Morgen, Herr Rentmeister. Ich möchte wohl meine 8,75 Mk. für diesen Monat abheben." — „Sollen Sie haben; hier si,rü 9 Mk., geben Sie mir 25 Mg. wieder heraus." — ,Länn ich nicht gut, Herr Rentmeister: das Kleingeld ist so knapp." — „Denken Sie bei nnr nicht?", versetzt der Rentmeister. „Es tut mir leid; da kann ich Ihnen kein Geld auszahlen." — „Na, wenn's denn unbedingt sein muß, da muß ich wohl die 25 Mg. hergeben." — „Hören Sie mal, mein Lieber; das ist doch etwas stark: „Sie können heraus!- geben und halten mich hier auf", erwidert der Rentmeister ärgerlich. — „Na ja", erwidert der Rentenempfänger sich entfernend, „man versucht's halt." — „Und Sie, Herr Kärwicki", wendet sich der Besamte an den Gemeindevorsteher von Owieschön, „was bttngen Sie?" — ,Hä, Herr Rentmeister, wir haben honte eine Versammlung auf dem Landratsamt wegen der Fettabliefernng für die Sol- datcn und Schwerarbeiter gehabt. Da wollt ich gleich die Gemeinde
steuern abliefern." — „Wie ist's denn bei Ihnen mit der Butter^ abgabe?" fragt der Rentmeister. — „Na, wir sotten die Leinen doch etwas straffer anziehen; die Leute müssen doch einsehcn, wie sehr sie sich am Vaterlande versündigen, wenn sie nicht alles irgend' Entbehrliche hergeben", erwidert der Gemeindevorsteher. „Jetzt sängt das Schlachten so recht an. Ziehen Sie auch überall die Hindew- bnrgspeckseite ein?" — „Damit geht's noch am besten," versetzt der Gemeindevorsteher; „das machen wir gleich bei der Gewährung der Schlachterlaubnis ab." — „Nun ja, ich verstehe", sagt der Rentmeister, „so'n lleiner Druck für den guten Zweck kann auch nicht schaden. Na. nun zählen Sie mal Ihre Gemeindesteuern auf: 873,45 Mk. Hoffentlich haben Sie wenigstens einen ordentlichen Posten Kleingeld." — „Leider nur für ein paar Mark", erwidert der Gemeindevorsteher. — „Es ist eine Not mit dem Kleingeld« Ueberall fehlt's, und das macht Aerger und Verdruß und hält's Geschäft auf, wie Sie vorhin bei dem Rentenempfänger sahen", versetzt der Rentmeister. „Jä, so geht's überall; beim Einziehen der Steuern habe ich auch solche Last gehabt. Die Leute sind so un- vernünftig, das Geld in den Sttumpf zu stecken, statt es in den Verkehr zu bringen."— „Ja, der Himmel mag wissen, was so ein! Kleingeldhamster eigentlich für Zwecke verfolgt", versetzt der Rentmeister. — „Früher ging's '.vit dem Goldgeld so, jetzt mit den Nickeln und Pfennigen" — wirft Kärwicki ein. „Ja", erwidert ber Rentmeister, „die ganz argen Sünder haben zwar auch heute noch das Gold in der Truhe liegen oder an ber Weste hängen. Mer es! sind doch wohl verhältnismäßig nur wenige so töricht. Das Mein- geldhamstern dagegen scheinen mir doch recht, recht viele zu betteiben. Man saßt sich an den .Kopf und ftagt: warum eigentlich? Irgend welchen vernünsttgen Grund dafür gibl's docb nicht." —- „Ich wüßte auch keinen", antwortete Kärwicki, „aber ich kann mir denken, wenn so viele hamstern, daß man's im Geschäftsleben merken muß." „Ganz sicher merkt man's", erwidert der Rentmeister, „aber allein daher kommt der Mangel an Kleingeld doch wohl nichts wenn auch die Torheit der Leute ihn verstärkt. Die Reichsbank hat Unmengen von Kleingeld in den Verkehr geworfen. Ein beträchtlicher Teil davon geht mit unseren Soldaten ins Feld und in die besetzten Gebiete und kommt begreiflicherweise nur sehr langsam? zu uns wieder zurück. t Dazu kommt noch, daß die heuttgen Preise für die Lebensmittel, die hohen Löhne, viel mehr Bargeld überhaupt ersorderu als vor dem Kriege, also auch viel mehr Kleingeld. Kürz! und gut, es kommen so mancherlei Gründe zusammen, die den Klein- geldmangel Hervorrufen". — „Ja, aber die Hamsternester," versetzt der Gemeindevorsteher, „müßte doch eigentlich der Gendarm ausnehmen". — „Eigentlich ja", erwidert der Rentmeister, „aber das Meingeldhamstern ist zu dumm, und man sollte doch annehmen, daß die Leute von selbst zur Vernunft kommen." — „Hoffen wir's." „Also Ihre Zählung stimmt, Herr Kärwicki. 873,45. Hier ist -Quittung." — „Danke schön, Herr Rentmeister — Auf Wiedersehen !" — „Auf Wiedersehen!"
*
Stiftung. Geheimrat Heichelheim hat der KriegS- iürsorge 2000 Mk: zur Verfügung gestellt zur Kleidung von Kindern aus Kriegerfamilien.
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Gießen, 10. Februar 1917.
Unsere jetzige Ausstellung umfaßt eine Kollektton des Berliner Malers Franz Türcke, einige bayerische Künstler und eine kleine Sammlung von H. Trenner, Frankfurt, z. Zt. hier im Gefangen-enlager.
Türcke, geborener Dresdner und Schüler von Bracht, Kallmorgen und Hertel, dessen Werke sich zum Teil in der Pinakothek zu München und in preußischen Kunstsammlungen befinden, ist vertreten mit Oelbildern, Aquarellen, Pastellen und Zeichnungen. Ueberall zeigt sich ein reifes Können. Jeder Strich sitzt. Die Technik, die manchem Modernen als Hauptsache erscheint, ist bei ihm vollkommen nebensächlich. Er arbeitet mit dem OelPinsel nicht anders als dem Aquarellpinsel, und man ist erstaunt, in seiner „Hol- steinschezi Landschaft' ein Aouarell zu finden. Besondere Beachtung verdienen: „Scheidender Tag". „Abend it Holstein" und „Winterabend im Riesengebivge". Das letzte, vielleichr das qualttätvollste Bild der ganzen Sammlung. Dtan vergleiche damit den „Abend in Holstein", ein Bild, trotz aller Farben Harmonie dennoch sttlmpf. Das Pastell: „Bor der Großstadt", atmet viel Licht und Sonne und bildet einen angenehmen Konttast zu dem erstgenannten. Auf dem Bilde: „Allerseelen" zerstört das Grau der Fri^hofs- maner den opttsckMi Zusammenhang. Man muß sich erst überlegen, ob das ein Fluß oder eine Mauer fein soll. Ausgezeichnet sind die Zeichnungen. Hcrtorzulieben such „Das Kreuz" und „Alte Wwden". -' ö v i? roßte r. l!e / ,ITl ^" l ^ c reuen ist in ber Bleistiftzeichnung: „Fabrik- ^ r ^ t r CT1 - Hinge haucht in Silb ergrau, vereinigen sich die striche zu Körpern, werde?» plastisch und geben ungewollt Farbe, die ,^roe des Alltags, eines nie rastenden Betriebes in kohlen- geschwangerter Atmosphäre.
cn^L L ^l G n ^ und E Dekkert arbeiten mit moderneren -. atten r Ihre Lehrer sind die Franzosen geüvesen, in Technik und Lo l< j3? ir l; r ^^tterts „Fischerdorf" erinnert <m Monet, und Oßwalds Mußlandschaft ruck ihrem Sibbergrau weist nach Paris hin. Zur Munchne^Schule gehüren P. Buirck, C. Vetter, Schmitz, Z,Kor st er und Weife. Vetters Interieur aus dein kgl. Re,chenrschloß zeigt arn ganz virtuoses technisches Können, meister- Ijntt sind ine Gobelins gemalt, aber das farblose Glitzern der .Kron-
I Leuchter schlägt alle Farbe tot imd verdttbt den ganzen Eindruck. Mit Lichteffekten zu arbeiten versteht Koefter ganz anders. Das zeigen seine beiden Entenbilder in ihrer geschickten Mssührnng. H. Trenner ist mit Landschaften und Porträts verttetem Landschaften sind nicht seiire Sache, sicherer sind seine Porttäts, und seine beiden Selbstbildnisse gehören zu den besten. Zn erwähnen sind außerdem noch ein Seestück von I. S e e I b >cc dj|, ein gutes Stttteben von G. Büchner nach Cözanne'schem Arrangement urtd eine wohlgelungene Kopie nach einem Selbstbildnisse von Raffael von I. Brasch. Das Original des Bildes befand sich in der Sammlung des Monfig. Don Mariello in Rom, und es mag des Interesses halber erwähnt sein, daß die ganze Sammlung lange Zeit für 600 000 Lire zu eriverben war, daß sie aber schließlich für 4 Millionen in «unerikanischen Besitz überging. 88.
— Die Uraufführung einer Schumauniade in Magdeburg. Man schreM uns aus Magdeburg: Man mag sich zn den Tonverfilmungm großer Musiker vergangener Zeiten stellen wie man will — von einer künstlerischen Wertung kann von vornherein keine Rede sein —, das eine wird man ihnen zugestehen müssen, daß sie mehr noch als soziale Vortväge und Bücher für Verbreitung guter Musik, wenn auch nur im beschräntten Nmfangej, beitragen. So war es dem „Trermäderlhaus", das Schubert populär machte, und so wird es auch mit den „Fa hr e n d en Gesell e n" werden, die am Magdeburger Stadttheater ihre erfolgreiche Urauffilhrung erlebten. Der Textverfasser Hgns Gaus hat den an erhebenden aber auch ttagischen Momenten überreichen Liebesroman Robert Schumanns mit Clara Wieck, die Entstehung des Konfliktes mtt seinem Schwiegervater und schießlich die Aussöhnung zu einer Bühnen Handlung zusammengefaßt, in die als Gegenspiel zum Lyrisch-Senttmentalen einige Buffofiguren eingefügt find. Jolxrnnes D o e b b u hat die Musik, zu der ihm Robert Schumanns Werke überreich zur Verfügung standen, mit unleugbarem Geschick der Handlung angepaßt. Wander- und Liebeslieder, Chöre und Duette wechseln in bunter Folge, die „Träumerei" und der 2. Satz des A.-Moll-Macherkow-ertes bilden die Zwisck>enakt- mnsiken. Ter 3. Akt wird säst ganz ton Schumanns „Paradies und Peri" ausgefüllt. In der Jnsttumentatton ist Doebba moderner Orchstertechniker, )vtt§ übrigens besonders der „Paradies"-Musik
zum Vortell gereicht. Wie sehr btt dieser Zusammenstellung daS Richttge gettoffen wurde, bewies die Aufnahme bei der Uraufführung. Das Publikum erioies sich von kttnerltt künstlerischen Bedenken angekränkelt und berttttte dem neuen Werk und den Verfassern^ die sich wiederholt zttgen konnten, freudigen Empfang. Die Wiedep- gabe Singspiels selbst, mit B a t t e u x als Schumann und Frau E l b als Clara, bewegte sich in den ton Dttektor Vogeler selbst vorgezttchneten Liifien guter Darstellungskunst.
= Ma inz , 8. Febr. Das Röm i sch-Germanrsch« Zentral mu seum erhiett durch die hockcherzige Sttftuna des Kommerzceurats Karl Opel in Rüsselshttm ein prachtvolles ro- m U/. eT r m 0 rrel i ef zugeeignet, das wahrscheinlich einst- Eb Me Vorderseite eines mächtigen Sarkvphagdecke!s bildete. Naä>- Forschungen über die verttmft des Kunstwerkes ergaben, daß es sich bis vor etwa 30 Jahren in den Magaziiren der Büla Liwovisi in Rom befand, dan in österreichischen und später in Frankfurter Prlvatbesitz gelangte. Bon hier erwarb es Herr Opel für tos Zenttalmuseum. Das Relief besitzt eine histottsch-arckäolvgische Beocmtung erjten Raiiges imd wird das Glanzstück der Sammlung ton Germanen-Tarstellimgen des Museums blldoii. Die iwch 2,35 Meter lange, 0,76 Meter brefte und 0,10 Meter dicke Sarlopbag- platte aus bläulichem italienischen Marmor .zeigt unter der Jn- ichttfttafel eure Heinere Bildszene, beiderseits derselben das Brustbild einer vornehmen Dame, sowie eine größere Figuren gruppe, ton der aber lecher ttnige FiMven fehlen. Die größere Grupps' veranschaulicht eine Gerichts- oder Huldigungsszene. Vor dem Kaiser stehen mehrere „Barbaren", deren Gesichtszüge und sonstig« individuelle Meiimale deutlich auf Germanen, und zwar Sueven oder ein diesen verroandter Bolksstamm, himveisen. Lluch in der Gruppe unter der Jnschttfttafel kommt der Germanentyp in merkenswerter Weise zur Erschttnung. Es läßt sich nach den Ausführungen von Professor K. Schumacher lMainzs im Kv-rvv- spondenzblatt des Archäologischen Instituts nicht ton der Hand wttsen, daß der auf den: Deckel dargestellte Vorgang eine Begebeil- httt der Markomannen-, Sueven- oder Menunrnenkriege behandelt, wodurch das Relief seinen aichervibentlich hohen hisvottsck)en unarchäologischen Wert erhält.


