34 Zweites Blatt
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Beilagen: ..Siehener 5amNiendlätter" und „ttrelrdlatt fiir den Ureis Stehen".
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HU. Jahrgang
y
General-Anzeiger für Gderheffen
5reitag, Kebruar1917
ZwillmgSrunVoruck und Verlag:
B r ü hl'sche Universiläts-Buch-u.Strlirdnlckerei.
R. L an g e, Gießen.
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Schulstrave?. "eschäsis gelte u. Verlag:
Schriftlettung: 112. «
Anschrift fiir Tr<.htimchrichten:AnzeigerGte')en.
Mit der neuen „Möwe" auf hoher See.
^oickmg „Politiken" veröffeicklicht einen langen , VerM des norivogifcheii Kapitäns A. Anderson, dessen >--nnN rm Tezember von unserem .Hilfskreuzer im Atlantischen lvnrde. Die Ndannschaft kam zuerst auf den Kreuzer, v e Öm ^^uleten englischen Dampfer „Yarrowdale" richtet^ o^sem nach Deutschland. Der nrMvegische Kapitän bc-
"Halkbjörg" war am 23. November von New . v" mtt der Bestimmung nach Frankreich abgefahren: das Wetter SSJ?* Es ging deshalb bis zum 4. De-
K? n nttd) Wunsch. An diesem Tage lagen wir ans 20 Grad west-- Ircher Lange und dachten selbstverständlich nicht, das; schon die NMhsten -sttrnden uns eine sehr peinliche Ueberraschnng bescheren wurden. Ich sah drunten in der Messe nrrd speiste zu Mittag, als von der Brücke gemeldet wurde, daß ein Tanwfer in Licht sei, was an f i ch nrchts Besonderes weiter war: als ich jedoch hinauf- sali ich zu meiner Berwiru.deru.ng, daß der Dampfer zuerst mit Kurs von Norden nach Lüden lief, dann jedoch den Kurs mchrfam änderte, schließlich einen großen Bogen um uns beschrieb M dann geradewegs auf uns znhielt. Ich suchte ihm durch ein 7/E^^nermanover ans dem Wege zu gehen, er aber drehte uns plötzlich die Bnttferte zu und hißte im gleichen Augenblick das ^^nal - floppen Sie sofort!" Gleich daraus ging auch die 7 u * e K rre g s fl ag ge hoch, die Bordverttcidung ver- fchlvand und wir gewahrten zu imserrm Schreckeir. daß nur anstatt eines friedlichen Haridelsdampsars ein modernes deutsches Kriegs- fchisf vor uns hatten, das die Mündungen seiner Geschütze ans uns gerichtet hielt. Wenn noch irgend ein Zweifel möglich gewesen ivare, fo hätten die vier Torpedoausschußrohre u;id die,außer den anderen Geschützen, anr Bug, am Heck und ans dem Mitteldeck aufgestellten 16 Zoll-Kanonen ihn sehr bald beseitigeii müssen. .
0 ...ZF!' deutsche Kreuzer setzte alsbald zwei Boote aus, die mit - Offizieren, .->0 Mann und einem Signalgast bemannt waren: sie tvaren famt und sondebs bis an die Zähne bewaffnet und brachten !£;£«}• einige Bomben mit, die für unser Schiff bestimmt waren, ^ne s^fftztere und ermge Ma;rn gingen mit mir in den Salon hin- unter wid verlangten die Papiere zu sehen, aus denen l>ervorging, *!• rSZ l mt Stückgut nach Bordeaux bestimmt war, während dm Osn^ivre behaupteten, daß sich Bannware an Bord befinde, und daß das schiff deshalb versenkt werden müsse. Ich gab schließet Drittel der Ladung in der Tat aus Bannware be-
ftehe^daß es fedoch gegen alle Uebnng sei, aus einem solchen Grunde ern schiss zu verrenken. Daraufhin schritten die Offiziere zu einer der Ladung, und als sic entdeckten, daß ich ZlNk und M^snng an Bord hatte, schickten sie den Signalgast auf me Kommandobrücke und holten vom Kreuzer gegenüber Jnstruk- ttonen em, die da lauteten: „D a s Schiff wird versenkt!"
. , ^^^'ttö'wre fragten, ob wir noch etwas von unserem persönliche Eigentum mitnehmen möchten: damr müßten wir uns aller- mngs beecken: inzwischen wurden im Maschinenrauni schon die 80 m den gelegt. Es glückte mir jedoch noch, die Schiffspapiere und zfver Sacke mit 500 Konservenbüchsen auf den Hilfskreuzer lnnuberzunehmen.
Als ich an Bord des Kreuzers kam, legte ich bei dessen f* Wj®: Agen..dre Versenkung des „Hallbjörg" Protest ein. Ich fand den Kapitan in seiner Kabine, und während ich mit ihm sprach, wurde rch unwillkürlich auf die an der Wand langende Abbildung emes Schiffes und eines Schiffsdurchschnitts aufmerksam: über beiden stand „S. M. S. Puyme".
^ scheint Sie ja lebhaft zu interessiere::," sagte der
Kapitän, dem mein Blick nicht entgangen murr, „ich mache Sie des- balb von vornherein darauf aufmerksam, daß Sie sich nicht etwa cm Bord des Schiffes dort befinden ..."
Mehr sagte er darüber nicht.
. sodann, ob es mir erlaubt sei. die Versenkung
inernes Schiffes zu photographieren, was mir gestattet wurde. Ms es foweit nmr, ließ mich der Kapitän rufen imd sagte mir, mit der Uhr m der Hand:
,^Jn zwei Minuten erfolgt eine Explosion im Maschinenraum."
. m der Tat — nach genau zwei Minuten gab es einen
luvchwaren Knall imd gewaltige Maschinenteile wurden durch hindurch nne Spielzeug in die Luft geschleudert.
„Nach genau drei Minuten wird das Achterschiff folgen," sagte lher Kapitän, „und dann erst kommt das Vorderschiff." Und ganz io geschah es auch. Es war Punkt 3 Uhr 45 Minuten auf 49 Grad nördlicher Breite und 26 Grad westlicher Länge, als ich mein /Schrsf zum letzter: Ada! sah. ... .
In 'den unteren Räumen des Danrpsers fanden wir 93 Mann von dem englischen Dampfer „Voltaire ans Liverpool vor, der am Tage vorher versenkt worden war: am übernächsten Tage kamerl überdies von einem mit Fisch fahrenden, nach Gibraltar besttmmten Neufundland-Schoner noch 6 Mann hinzu, ^im Abend desselben Tages kam der der Canadian Pacific Railw Quebec, gehörige Dampfer „Mount Temple" in Sicht der , gegen 750 Pferde, eine große Hundeherdc und über 5000 Tonnen Stückgut an Bord hatte. Ter Dampfer wurde wie jeder anders versenkt.
Am 8. Dezember gab es schon wieder eine neue Begegnung: diesmal war es der von London stammende Tanrpfer „K i n g
George" der außer einer Ladung Sttickgnt auch noch 750 Tonen Pulver an Bord führte. - - An Bord des deutschen Kreuzers fchren man es sich eine Weile zu überlegen, was mit dem Eng- lander anzufangen sei; daun aber wurden langsam und sehr vor- frchtig die Seeventile geöffnet und nach rund acht Stunden war der Dampfer von der Meercssläche verschwunden. Die Berech- -^.vutschen war^ auch in diesem Falle sehr richtig, denn hatten sie dem Dampfer feilt Torpedo geschickt oder Bomben m um gelegt, so wäre alles im Umkreis von vielen Meilen — und darunter auch das deutsche Schiss selbst - durch bk Explosion der rresigen Pulverladung zerstört worden.
Am 9. Dezember wurde der in Liverpool beheimatete Tauip- qq cm a 1 a:/*- * 1 ' 1 a n Ran ge" versenkt, der miit Stückgut Uiid 38 Manu Besatzung von Baltimore nach Liverpool unterwegs war; am nächstfolgenden Tage bereits kam der der White Star Line gehonge Georgic" in Sicht, der außer 7000 Tonnen Stückgut Ü? 9 en 120(1 Pferde geladen hatte. Ter deutsche Kreuzer feußrte Mer fcharsö Schüsse ab, bevor der englische Dampfer, der sich auf w ^ ? on Philadelphia nach Brest befand, eiidlich abstoppte.
j 0ri) oes Engländers schien eine unbegreifliche Panik aus- gebrochen zu sein, denn gegen 50 Manu, die anscheinend geschlafen hatten, eilten wie besessen aus Teck und stt'irzten sich im bloßen Hemd ins Meer: dabei hatte ihnen bis dahin niemand auch uur Geringste getan. — Es stellte sich in der Folge heraus, daß das Schiff in der Hauptsache Baumwolle geladen hatte; es sank des- 9ulb, trotz der Oefsnung der Ventile, sehr langsam, und bekam nach Verlaus von fünf Stuiiden ein Torpedo zugesandt.
11. Dezember tauchte endlich der englische Dampfer ,-D.arrowdale" auf, der mit Sttickgnt auf der Fahrt von Philadelphia nach Havre begriffen war und gewiß nicht ahnte, welches Schicksal sciner mitte/i im Atlantischen Ozean wartete. Jnzwijchen hatten sich auf denn deutschen Kreuzer von den in der Zwischeiizeit versenkten Sck,ifseu gegen 500 Mann angesammelt; dieser Belastung wollte sich der Kreuzer gern entledigen, und er folgte beshalb zwei Tage lang deni „Narrowdale", der sich dev Verfolgung verheblich zu entziehen suchte. . . .
Das Wetter war vorerst außerordentlich ungünstig, als es sich jevoch Ilangsam gebessert hatte, schickte der jdeutsche Kapitän 20 Mann zum „Aarrowdale" hinüber und zwang das Schiff, fick dem Kiirs des deutschen Kreuzers anzuschließen. — Nach einigen Tagen tauchte dann der Kohlendanipfcr „Saint Theodore" aus London ans, der der Dritte im Bunde wurde, selbstverständlich, nachdeui er eine entsprechende Brisenbesatzung erhalten hatte. . . .
Tie Norweger wurden sodann zusainmen mit einer Anzahl anderer Seeleute an Bord des „Barrowdale" geschafft, den Leutnant z. S. v. Badewitz bekanntlich am Sylvestertage iir Swine- müiide einbrachte. Ueber den Aufenthalt an Bord des aufgebrachten Schiffes und dessen Führer äußerte sich der Norweger folgende ranaßen:
„Einen so merkwürdigen Menschen wie den Führer dieses Schiffes habe ich mein Lebtag nicht gesehen, und ich ivnndere mich heute mxf), lok er überhaiipt zu leben vermochte. Er schlief über- haiipt niemals. Von dem Tage an, an weichein er das Kommando überiiahm, bis zu dem Augenblick, da wir das Schiff in Swines münde verließen, blieb er l-artnäckig an Deck, und das Einzige, was er sich an Ruhe gönnte, war. daß er ab und zu für einige Augenblicke in seinen: Lehusttihl einnickte. Ti^er Manu, aus dem eine rücksichtslose Energie sprach, schien wirklich nicht lleinzukriegeu zu sein . . .
Am 31. Dezember tief „Aarrmvdale^', von allen Seiten aus das freudigste beglückwünscht, in S w i n e m ü nde ein; wir wurden jedoch erst dort, dann aber in Neustrelitz untergebracht und ^nnten erst au: 27. Januar irach Erledigung von nramugfachen Formall- täten in die Heinrat zurückkehren."
Unterstützung von Zamilien der zum Heeresdienst einberufenen Mannschaften.
Kriegselterngeld — Beorderung von Dcannschasten zur Post- und Eifenbahnverwalttmg — Wohnungswechsel — Entlassung zur Arbeitsau snahnre.
Kz. Im Anschluß an die Ausführungen im Gießener Anzeiger Nr. 24 vom 29. Januar lf. Js., 2. Blatt, verdienen die nachi- slehendnt Erläuterungen in den beteiligten Kreisen genaueste Beachtung. — 9latfj Ministerialaintsblatt Nr. 3 von 1916 ist als fest- ftehenb zu betrack-ten, daß Kriegselterngeld und sonstige Bewilligungen (e i n u: a 1 i g e Unter st ü tz n n g e n), die dem Gesetz vom 27. Juni 1871 unbekannt waren, als solche das Recht ans Fortbezug der Familienunterstützung überhaupt nicht berühren, solange die Bedürftigkeit forrbesteht. Es hat nach Erlaß des Reichskanzlers das Gesetz vom 30. Septenrber 1915 (R.-G.-B1. S. 629) bei Gewährmtg von Kriegsetterngeld keine Anwendung zu sinden imd es besieht außerdem auf Bezug von Kriegselterngeld kein Rechtsanspruch. Teinzufolge ist die Miiitärverlvaltnng bei der Gewährung dieser Versorgungsgebührnisse, hinsichtlich des Beginns der Zahlung, nicht an die Bestimmungen gebunden, die für das Einsetzen der gesetzlickm: Witwen-- und Waise::Versorgung durch den 8 29 Nr. 1 des Mililärh interbkiebenengesetzes gegeben sind. Im Falle seiner Anwendung, inuß aber Bedürfttgkett der Eltern von vornherein bestanden haben. Stellt sich Bedürftigkeit dagegen erst später heraus, so nnrd auch das Elterngeld von diesem Zeitpunkte
winteriälte einst und jetzt.
Me aus Meldungen aus verschiedenen Gegenden des Deuttchen mciches hervorgeht, hatten imr am 3. Febr. den tältefl m Wintertag seit hundert Jahren. In Leipzig, also ungefähr in Deutscki- larks Mttte (der geographrschc Mittelpunkt liegt in dem kleinen Dreieck 'zwischen Torgau, Wittenberg und Bitterseld), sank das Thermometer an diesem Tage in den VorinittagSstunden ans 12 (Ärad, ging nachmittags bis auf 9 Grad herauf, um bis Mitternacht nieder auf 16 Grad zu sinken. Vom Rhein werden 23, von der Eifel 26 Grad gemeldet. Wjst sich die Winterkälte weiter gestaltet, bleibt abzuwarten. Es dürste aber bei dieser Gelegenheit interessieren, daß der ft r e n g st e W i n t e r, der je über Deutschland hereinbrach, derjenige im Jahre des Regierungsantritts Friedrichs des Großen war. Dieser berüchttgte Winter von 1740 hatte für Berlin und seine Umgebung die schwersten Folgen. Die Kalte war so stark und anhaltend, daß die Eöve so ttef gefror, daß man stie Tote:: nicht mehr bestatten konnte. , Zudem brach in Berlin — wohl hauptsächlich infolge der durch die Winterkältc hervorgerufencn Verkehrsschwierigkeitei: — eine Hungersnot aus. Friedrich der Große ließ deshalb die Magazine öffnen, die hungernden Arnren speisen und ermäßigte die M'zisen ans das Getreide. Bekannllich treten die meteorologischen Ereignisse nicht gleichzeittg überall mit gleicher Wucht und Stärke in die Erschei- nunA. So muß der Spätwinter 1754 im Elbtale besonders hart empfunden worden sein, denn von da wird ebenfalls über eine durch die Kälte veranlaßte soziale Maßnahme berichtet. Der Kurfürst ließ, wie eine damalige Chronik erzählt, „aus fürstlick)em Mitleiden für die Dresdener Armen die „Pattentenburg" (der erste Anfang eines Dresdener Krankenhauses) Tag und Nacht heizen, damit sie sich von zwei zu zwei Stunden daselbst aushalten. und aufwärmen konnten". Andere. Beispiele beweisen aber auch, daß man von einem kalten Mnter allerlei Votteil haben konnte. So war, um Nur diess eine Jahr zu nennen, im Mnter 1459 die ganze Ostsee zugefroren, so daß man nach Dänemark, nach Sckiweden, ja über das gleichzeittg fest gestorene Skagerrak von Jülland nach Norwegen mit Schlitten fahren und reiten konnte. Auch aus dem Nordseegebiet wird ähnliches berichtet. Auch dort sind die größeren
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Buchten wiederholt zugefroren. So kehrtmr die englischen „Adven- turiers", die im Jahre 1564 infolge eines Einfuhroerbotes der Statthalterin der Niederlande ihre Handelsfaktoreicn von Antwerpen nach Emden verlegt hatten, am heiligen Abend desselben Jahres über die harr gefrorene Ems mit Sack und Pack zurück nach Holland. Dcehrhach «wurden auch — was jetzt gerade besonders interessieren wird — kriegerische Unternehmungen durch Eisbrücken be- günsttgt. So verschaffte König Karl X. von Schweden bald nach seinem Regierungsantritt im Febniar 1658 nach glücklich vollbrachtem Zuge über die gestoreneu Belte seinem Reiche durch den Frieden von Roeskilde seine natürlichen Grenzen, und andererseits setzte im Winter 1ß75 der Große Kurfürst den Schweden in Schickten über das EW des Haffs nach und verfolgte sie bis nach Kurland. Man würde jedoch in der Annahme fehlgehen, als ob die Zeit der strengsten Winter weit hinter uirs läge. Auch in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts ist es den Bewohnern von Norderney, ja von der Insel Borttim wiederholt gelungen, über das Eis auf das Fcslland herüberzukommen: anderen: glückten kühne Spaziergänge von Osttriesland über die Ems und den Dollart nach Hollaüd. 2luch die meteorologische Stattsttk lehrt, daß die sttengen Winter früher nicht hüusiger waren als jetzt: wir sind nur jetzt viel besser gegM ihre Schrecknisse gerüstet, so daß wir nicht mehr so viel unter denselben zu leiden haben, wie unsere Vorfahren. Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Schneesälle. Auch da ist keinerlei erkennbares Nachlassen zu konstatiev.'n. Qkrabc in neuester Zeck wcrren z. B. für Berlin die stärksten Schneesälle und di-' dicksten Schneedecken zu verzeichnen, von denen inan überhaupt Knude hat. Von einer Aendernng des Klimas in den letzten Jahrhunderten wird man demnach keineswegs sprechen dürfen, ohne sich einer Selbsttäuschung hinzugeberr. Der diesmalige überaus strenge Winter wird ja aus verschiedenen Gründen, die hinzukommen, wieder doppelt und dreifach schmerzlich empfunden. Da mag es allen überängstlichen Gemütern zum Tröste dienen, daß wenigstens für unsere tapferen Truppen nach Möglichkeit auf das beste gesorgt ist.
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— Ein Hamburgisches Wörterbuch. Der für die niederdeutsche Sprache und Literatur so verdienstlich wirkende
ab bewilligt. Insbesondere wird in den Fällen, in denen Anttäge auf Bewilliguug der vorgenannten Versorgung erst geraume Zeic nach dem Tode des Kriegsteilnehmers gestellt lvorden sind, eine Bedürftigkeit für die Zwischenzett dann nicht curgenommen werden können, wenn die Gesnchsteller ihren Lebensunterhalt bis dahiu ans ihren Einkünften und dem Bezüge der Familienunterstützung bestritten haben. Auch die We iter gew ä hr un g der Farn i l i e n u n t e r st ü tz u n g wird sich also in solchen Fällen unter allen Umständen, der durch die Betvilligung aus Heeresmttteln veränderten Bedürftigkeit cmvassen oder ganz außer Bettacht zu lassen sein.
Tic neuerdings au geordnete Beorderung von Mannschaften phne militärische Gebührnisse zur Freimachnng noch zurückgestellter Beamten, Angestellten und Arbeiter bei der Post- und Eisenbahn Verwaltung führt ebenfalls zu Aenderungen des Familienunterstützungsverhältnisses in den weitaus meisten Fälle;:. Tie Beorderung der Maunschflften erfolgt zwar ohne die militärischen Gebührnisse, sie werden aber von der Verwaltung, bei der sie verwendet werde;:, nach den Besoldungssätzen der bettefs'endefir Stellen abgefunden. Da die in Frage kommenden Heerespflichttgen nicht entlassen werden, sorrdern im Militärv^hältuis bleibau, so steht den Angehörigen wohl Familienunterstützung auf Grund der bestehenden Bestimmungen, aber nur noch.im Falte der Bedürftigkeit, zu. In den meisten Fällen setzen jedenfalls die zurzeit gezahlten hohen Löhne die Abkommandierten in den Stand, aus ihrem Verdienst für ihre Familie ausreichend zu sorgen, so daß unter den neuerlichen Verhältnissen die Gewährung von Familienunterstützung nicht mehr in Frage kömmt. Allerdings wird in Fällen verschiedenen Wohnsitzes eine We.ilergewäh- rung am Platze sein. Die notwendige Prüfung der verälcherten Verhältnisse wird durch die bestimmungsgemäß angeordnete Be- nachrichttgung der Lieserungsverbände seitens der Truppenteile und Verwalttrngen sehr wohl möglich sein und zur richtigen Beurteilung der Fälle führen.
Der § 6 der Bundesratsvecorünung vom 21. Januar 1916 bestimmt, daß bei Wohnungswechsel die auf Grund des Gesetzes von 1888 1914 bisher gewährte Unterstützung nur dann angemessen zu erhöhen ist, wenn der Aufenthalt aus berechtigten und dringenden Gründen gewechselt tmrrde. Hiervon kann z. B- nicht die Rede sein, wenn der^Alüfeuthatt gewechselt wurde, rveil der Ehemann in einer anderen l^adt neuerdings in Garnison^ steht. Es kann hier nur darauf hingewksen werden, daß dem Lieferungsverband des Wegzugs- uick) demjenigen des Zuzugsortes wegen Nicht-Ersatzes derartig unnöttg erwachsener Kosten völlig freie Hand gelassen worden ist, und daß nur in den dringendsten Fällen von Zuschüssen die Rede sein kann.
Nach neuester Anweisung durch den Reichskanzler findet die Bestimmung unter Nr. 2 der Bundesratsverordnamg vom 3. Dezember 1916 (außerordentliche H a l b m 0 na ts r a te für Entlassene auch auf die Fälle Änwendmrg, in denen der zum Heeresdienst Einberufene zur Arbeitsaufnahme entlassen wird. Hierbei ist natürlich besonders zu beachten, daß für die Zett, während der die Familie, trotz der Entlassung des Einberufenen, noch Familien Unterstützung erhält, neben dieser nicht noch ein Betrag zum A n s g l c i ch zwischen Arbeitsverdienst und früheren militärischen Bezügen (Erlaß des Reichskanzlers vom 9. 1. 1917) gezahlt wird.
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Wort 05RAM bünSl
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Verein „Quickborn* zu Hamburg hat, wie in seinen Mitteilunge; berichtet wird, beschlossen, die Schachrng eines Hambilrqische: Wörterbuchs in die Wege zu leiten. Sein Zweck soll die Samm- lung der im Volksmnnde gebräuchlichen Ausdrücke sein. Die Aus gäbe ist dringend, weil das Großstadtleben mehr ;md inehr di, deutsche Sprache verdrängt. Es steht zu beiürchten, daß ein <5te schlechtsalter werter auch der letzte Rest der alten, früher üblicher Ausdrucke verloren ist. Die Absicht des Wörterbuches geht vor allem aus eine möglichst nnckassende Sammlung; etwas Aehnlichet ist außerdenl vor inehr als 150 Jahren erschieirenen „Idicticon Hambnrgense von Richey nicht bekanrit geworden. Durch dir ^rergcbrgkert eines Vereinsnntgliedes sind die Mittel für die erster nolrvendigen Vorarbeiten bereit gestellt worden. Der Arbeits- vlan ergibt sich von selbst nach den; Vorbilde des Wortschatzes von vubeck von Colmar Schuinann. Das Werk kann aber nur gedeihen, weni: möglichst viele Mitarbeiter ans allen Kreisen gewonnen werden, ^ie Elnteiluiig wird nach Berusskreisen gevlant und einheitlich durchgesuhrt werden.
~ « w it felg, 8. Jan. Geheimer Sanckätsrat Dr. Karl
Gerster Hai der Grotzh. Hofbibliothek in Tarmstadt ferne rn langen Jahren gesammelten Bücherschätze alter Medizin m | d)er Tmtetrk und Makrobiotik geschenkt. Tie kostbare Sa;nni- um ! a &l 1400 Werke, 200 Dissertationen und viele Hand- sckrrsten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Letztere rühren rast
l amtlich von Aerzten her und behandeln die hygienische 'Prophylaxe und Therapie. Unter den Druckwerken befinden sich Klassiker der an tuen Medizin, der bnzanttnischen Literatur des 4. mrd 5. Jahr-, Hunderts, vorzügliclie Wer^e aus der Blütezeit der arabischen Heck runde. Sehr reich i»t auch die Schule von Salerno vertreten Tann folgen rn immer reicherer Fülle die ärzckichen Schriiiieller des .Nrttetalters bis zur Nerizeit mit ihren Werken, meisten^ in Qngrnalausgaben: vielfach find noch die Manuskripte Vorhände;; L-chl;ew:ch bergt die einzigarttgc Samnilung noch eine Fülle von Kochbüchern iir Druckiverken und Handschriften, von Laien Kochkunst lern und Aerzten verfaßt. Die Samnckung darf als eine der reechhalttgstcn ihrer Art bezeichnet, tverden. Viele Werke aebö'-en zu den allergrößten Selteilheiteri.


