Nr. 51 Zweites
Grfth»tn1 «glich mit Ausnahme des Sonntags.
Beilagen: ..«tehensr ZamUienbUttef und „Ureisblatt für den Kreis Sietzen".
psffscheckkonto: Zranffurl am Main Nr. N68b. Vankverkehr: Sewerdebank Gießen.
Äiatt ir>r. Jahrgang
General-Anzeiger
Dienstag, t. Februar 1917
ZwtlUngSrundüruck und Verlag:
Brü hl'jche Untversttäts-Bnch-ii.Stl'iltdinckerüc.
9t. Lange, Dieben.
5chr1s1leltiing, Geschäftsstelle und Druckerei:
Echuisttnüe?. ^eschüf'Slletteu.Verlag:
Cchristleuung: 112.
Anschrist f :v T r> htnachr«chtcn:An-eigerDtGben.
Ariegshriese von der rumänischen 5ront.
Bon rmserm Mut südöstlichen Kriegsschauplatz kvcksandten Sonderberichterstatter.
Mnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.! Kleine KrbegSerlebnisse aus dem neuen ?hlhr.
lH- .
Fokscmi, ÄkMte Januar.
Buzeir.
%kt JfarmAuert sind cUtitwbcr reich, und bann meflt xecht reich, oder arm. Sie wuchern, oder sic werden bewuchert. (Ämen Mittel stand in unserem Anne gibt es fast garnicht. 'Ihn ^ »wtrctcir die Juden nstb allenfalls noch die Angehörigen fremder ^mrcrtcn, also Grierhcn, Frxnrzosert, Deutsck-e, Oesterreicher und Umgarn, auch einhelne Bulgaren.
Man sagt dem elsgwctett Rirmänicu nack,, daß' cs sehr viel Geld für seinen Juwelier und sedren Schneider, sschon tvcuigeü für Wäsche und ganz wenig- fürs Seife Esgebe. T'tm entspricht das Aussehen der Städte. Ihr Hockchanluxus ist das Steckenpferd der Kommunen. Auf §kairalisatimr legen sie weniger Wert. Entweder fehlt sie gortz, oder sie bargt nichts. Die Reich tat bewohnen vrrmkhafte, kostbar ansgcstattcte Häuser, Einfatnilieuhä irser mit bäl- dachrugcschmückter Vorfcklirt und gediegmeir ftanzösis ^.eu Möbeln im Innern. Anch Etnrchtung und Instand gewisser Ärmlichkeiten sind echt französisch — ick) lvage nicht mehr anzudeutcNi! Es läuft einem ein leises Grauen über beit Rücken, wenn titan , von den Männern ganz abgesehen, die anspruchsvollen Frautcku aus den Boulevards der Städte — jede hat ihre Boulevards 'rach Pariser Vorbild — ansieht irrtb sich vorzustellett sticht, w tc rarg-efähr sie sich mit dieser dunklen Serbe ihres Privatlebens i vie anch die Nutzmetzer der besten Stabsquartiere jetzt gründlchst ki nneu lernen) wohl abfindeu mögen. Das Pack, im Gegensatz zu )xn oberen Zehntausend, ivo-hnt elend. Ich gebraml>e der: Ansdru ft.' im Siunc der Ecnfchatzirng seiner wrbentitteltm Mitbürger feite »yä des vorn eh men Rumänen. Typisch sind die Frauen vom Lar »de. Strasse Erscheirrungen, wie alle Köpfteägerinnen. Sie kleiden ^sich in die berühmte nationale buntgestickte Bluse — weist oder ifnnt in der Grundfarbe, je nach bent Lande Steil — uUd tvatei: bars'^st tmd bar- beinig mit wirklich bis zur Unmöglichkeit hock-geschwiz^n Röcken durch den nationalen Treck. Wenn >es irgendwie feucht odir kalt ist, sckinrückt sie ein alter, möglichst bunter, echt eirropäisckst^' Theater- moutel, ein Fanlilienerbstück, — ant liebsten von rotchi*. oder sanft gr ü n em Plüsch. Beim Waten wird er vorn ausermmdv rg>eschlageu und mitgerafft, so das; mir die Rückseite durch Schl-gm m und Pfützen schleift. All das sieht ungeheuer malerisch alt'd, doch ist einem die Freude an der schonen Bluse usw. ein fülr ^allemal verdorben, sowie man M erstenmal gesehen hat, wie ihtc: Trägerin die wetten Aermel geräuschvoll als Taschentuch benützt. Uebcr die Sauberkeit .abseitiger RäumlichSeiben iknes Hauses brau/ hen sich die ländlichen Runränimren nicht werter den Kopf zu zerbrechen: da solche meist nickst einmal andeutungsweise vothanden sil tb. Es siud eben fröhliche Naturkinder, die fröhlich in der freien A'atur leben. Der Städterin der unteren Schichten fehlt die Bluse i/ ab fehlt der Mantel meist. Sie bringt es nicht zu ihnen. Iveil sie^ gu arm ist- dvch sind sic auch ihr Ideal. Uebrigens sind die Franc/, der ärmeren Bevölkerung, die man in den Strasteir der großen Städte trifft, mech vom Lande. Oder es sind Zigeunerinnen. Di^Z Zigeuner als unt e rste Bevölkerungsschicht sind anch «irre der -strnkleu (Selten, rumänischer Kultur.
^Dons les Roumams svnt saks, trds sals!^, . belehrt mich Madame F., die FvanzSsttr, zu der ich in Bnz-eir/ins Quartier komme, einmal ums arweve. „Me Rumänen sind- schmutzig, sehr schmutzig. . . . Ihre deutsche Soldaten sind ganz cst/lders. Das erste an jedem Morgen bei ihnen ist, dcrß sie sich wosäienx Die Rumänen waschen sich wochenlang Nicht!" Sie ahmt in Uper Lebhaftigkeit pantomimisch nach, wie die Deutscher: es mache« i, wenn sic sich frühmorgens waschen, und prustet dabei und schüttr £t sich. O, sie hat nidjfö gegen die „Boches", die alte Dame: sie sirrd ihre Netter gewesen. Rumänen und Russen, die bei ihr irgl Quartier lagen.
A«nft, wigenschatt r»nd Leben.
— Kinodümmerüng. Man schreibt uns ans Wien: Knapp vor Weihnachten hat die österreichische, und ungarische Regierung ein Einfuhrverbot für LuxusgegenstLrQe erlassen, zu denen M,ch Roh- und Minstfilme gezählt worden sjönd. Aber da es in Oesterreich-Ungarn nur 3 Kunstfilmfabriken Und gar keine Rohfilm sabrik gM. stehen die österreichisch-ungarischen — theoretisch — vor der Sperre. Theoretisch sage ich, und das hojt »einen sehr guten und bervck'tigten Snm. KiNoverächter möge,: sich f rerkän, Kinov-ersechter ihr Haupt in Sack nnb Asche hüllen. Die Stühe hat nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine sehr gewichtig-wirtschaftliche Seite: In Oesterreick- besahen, inrmerhin 2000 Kino ?, die rund 50000 Pir soncn besck>äftigen und ernähren. Besonders rill Wien hat das ft/ino- wesen in den letzten Jahrm beträchtlich zug eilommeir. Kein gröste rer Neubau, in dem nicht für die Unterbci uq ung einer Lichtspiel- bühne gesorgt wäre. Die Erlangung einer ^lÄnolizenz ist sozusagen die Anwartschaft auf eine Million. Mittlei le Kinos werfeir 20 000 und 30 000 .Kronen im Jahr ab, aber Gli vkspilze bringen es auf 100 000 und darüber, trotzdem die Tages tz»esen ganz beträchtlich sind, in einem mittleren Kino rund 350 Kronen per Dag, das ist 125000 Kronen im Jahr. Wenn davon J30 000 Kronen Rein- geromn bleiben, so sieht man, dast das Geschl^t seinen Mann mehr als redlich nährt und der „Artikel": KinoiVorstellung recht sehr gesucht ist. Kurz und gut: das Kino ist barfl n, dem .Kaffeehaus in der Tagesgunst der Wiener den Rang abznlausen, und das will m der Stadt der Kaffeehäuser, in der es bereits 300 Kientopps gibt, etwas heißen . . . Ganz gewiß würde dur,h ein drakonisches Einfuhrverbot nicht nur das ganze Leben der/Stadt eine wesentliche Aenderunq erfahren, sondern auch so und st> vielen Huirderten der Lebensnerv abgeschnitten werden: denn am Kino verdient nicht ratr der Besitzer irrtb seine Angestellten, faWxxn es verdient auch ein ganzes Heer von Zwischenträgern, A.wnten, Filmverleihern, die sozusagen die Theateragenten des KiNo tz sind unlb dvn Kunst- film von der Fabrik zur Mihne leiten. Z.hrer gM, es hier m Men, teils konzessioniert, teils nicht konzcstiomert, nicht weiiiger als hundert: sie sind gerade in Oesterreich fa Eretch, wdil es iN Oesterreich fast keine (nur 3) Filmfabriken! gibt. Alles Material also kommt aus Deutschland, Dänemärk, Sc hl vedeu, Norwegen, und mit den heimischen Kinvbesitzeru wären eMnso die ausländischen Filmfabriken geschädigt. Und darum gab eis in den letzten Tagen in Wien internationale Kinoversammlirngeiil, Deputationen, Resolutionen, Proteste und Ministeraudienzen. Obwohl die Sache nicht gar so arg ist: denn gleich ein paar Tags nach jeirer Einfuhr- verordiiniig, am 1L. Dezember schon, hat ddr. österreichische (und die ungarische- Regierung verfügt, das; reichsdcKtsche Filme eingeführt werdet: dürfen. Die Kinobesitzer, insbesorAiere die großen Filmverleiher, die zum Teil mir mit ..neutralcDi" (dänischen, norwegischen, schwedischen) Filmen handeln, sehen freilich mit der Freigabe deutscher Filme ihre Existenz nicht als fjeiettet an. Das ist für sie sehr bedauerlich, aber eine Frage voll öffentlichem Jhtt^reste ist es nicht. Für die Exislen?^ der 50 00ch Personen in der österreichischen Kinoindustrie und die Existenz; des Kinos ist durch die Verordnung vom 19. Dezember vollauf «vsorgt, und das bleibt schließlich- hoch das Wesentliche.
haben sie ansgeplüudert. Sie reißt ihre Schränke auf. „Tvut efti vtde, monsieur! Tout!" „Mlcs ist leer, alles!"
Nicht nur für 9lrcksttettcii, gute und schlechte, närrisck>e und ver- Zünftige, ist Ruuiäuiau ein Dorado, sondern fast noch mehr filv Bildhauer. Alle diese Städte stiwtzeu voi: Deukmälmn jeder Art. Besmiders beliebt srud die Brouzebüsleii illustrer Persönlichkeiten. Man hat im Anslande keine Alnurng, wie viele solche der dankbaren Erimrermig il/rer Ntitbürger würdige Männer hier wirken und geimrkt haben — wenigstens nach der Zahl der Standbilder zu urteueu! Weniger als die Bildhairer kommen die Ntaler aus ihre .Kostzvi. Dem häusli-chen Kimstbedürfiiis des Rumänen genügen im allgemeiiien fabrikmäßige Buutdnicke schäbigster Ausfülirnua ii: anspruchsvollen Goldrahmeit. Auch die Zusaiume.nstellnug ist wuiidcrbar. In dem Zimmer, in dem ich diese Zeilen sckweche, hängen z. B. ein König Earol, ein sagender Ehristns und Lcda mit dem Schwan, letztere als liier sehr beliebter und in versclned-eiisten Darstellungen perbreiteter Vorwurf. Von wirklichen Bildern findet man allenfalls die billiger Franzosen. Tie Arbeit des Porträtisten ersetzeit auch in den voinehmsten oder vielmehr reichsten Häusern dergröstertc Photographin!: anch iudiistri »läßig h wgestellte zeichne rtsche VergrÜsterungan sind überaus beliebt. Sie werden ja auch bei uns durch ZeitnugSairzeigeu — „völlig umsonst, ratr gegen Gebühr für den RÄMen!" — und durch Reisende genug angeboten. Selten, dast in Deutschland jemand darauf hincinsüllt, man wundert sich, von welchen Abnehmern die Unternehmer, die in Paris ihren >^itz liaben, eigentlich leben. .Hier sieht man es. Sonst ist alle -L-ch>varz-Weist 4t :nust in gimnänien so ziemlich unbekannt. Insbesondere sind Stickte als Wwidsclminck etwas, wonach man sich vergeblich umsieht. Sic knallen nicht genug.
Ick komine zu dieser kurzen Skizze rnmänisckier Kultur gerade bei der Erwähnung Buzeus, weil diese schöne Stadt noch dreckiger ist, als, andere rumänische Städte. Noch schroifer als anderwärts steht hier das, Wohlleben Weniger der Verkümmernug der Masse gegenüber. Die Denrmalwut allerdings scheint l)ier nicht so stack zu grassieren, wie sonst in Rumäuien.
Im ocksteckigeu, schlanken Turm des holländisch-belgisch an- mntendeu Ratl-auses mit seinen Spitzgiebelu und Artadcu sitzt ein Kuusttresfer mrserer Artillerie. Er hat ausgereicht, den Beobachter dort zu beschleuniglcm 9lbslicg zu veranlassen, sonst aber keinen Schaden weiter getan. Das Geschoß ist yenau in die Achse des Turmes gefahren, ohne dessen Gleichgewicht weiter zu erschüttern, und war sogar so rücksichtsvoll, ihn nicht erst auf der anderen Seite wieder zu verlassen, nachdem cs angczeigt, dast das Ziel gefaßt war. Sonst ist der „Palazul Muuicipal" völlig unversehrt. Nein, wir sind wirklich nicht darauf aus, Kunstbanlen unnötig zu zerstören. Selbstverständlich sind auch die Krankenhäuser mrl ihrer pompösen Stirnseite unverletzt geblieben. Oben hui, unten pfui: es ist in ganz 9iumänicu überall dieselbe Geschichte! Außen auch lyer Glanz: drinnen Stank und Kot, und auf faulendem Stroh inmitten davon eine Ueberfülle unglücklicher, jammernder Menschen. So haben wir das große Militärspital bei unserem Einzug vorgefunden. Viele iwch ganz unverbunden, keiner mit einem Verbcntd, der nicht längst erueuerungsbedürftig gewesen wäre, eine Masse dringlichster Operationei:; was l)alf da alle Anfopfevung, so mierkenneuswevt sie war, der zwei rumänischen Schivestern, zweier Ofsizicrsfranen, Sie allein bei den Patienten zurückgeblieben waren? Unserer Aerzte l>arrte harte Arbeit. In der Stadt wohnt Herr Marghilomau, btn Großbojar und einer der rcichsk'U Leute Rumäniens. Nicht schlecht, natürlich: und auch sonst gibt es der Schwergescgneteu eine ganze Anzahl in Buzeu. Doch die Masse bewohnt ein elendes Gerümpel von kleinstädti- sck>en Häusern und bmifälligen, schiefen, schmutzigen Hütten: das Elend guckt auS allen Ecken: und selbst in den Vierteln der Vornehmen kann man, sofern es regnet, über keinen Straßenübergang hinweg, ohne bis au die Knöchel in Wasser und Schlamm zu patschen.
Die kleinen Leute sehen in uns, wie überall in Rumänien, so etwas wie ih« Befreier. Nicht nur für den Augenblick: sic machen sich ans besteve Zeiten Hoffnung, dre für 'sie unter detttscher Herrschaft mm endlich kommen sollen. Für so naiv, wie wir es
—- Berliner Musikbries: Eine Sinfonie^Ur- aufführung in Berlin. Aus Berlin wird uns geschrieben: Zu einem künstlerischen Ereignis wurde die Urausführung der „S i n f o n i a g i o c o s a" für großes Orchester vonMarTrapp durch das Philharmonische Orchester unter Max Fiedler. Der Essener Dirigent, der in Berlin eine große Gemeinde anzieht, hat sich durch die Wiedergabe dieses eminent schwierigen Werkes aus> dem Manuskript ein neues Verdienst um die deutsche Musikpflege erworben, obwohl ihm, dem WrahmÄnterpreten ersten Ranges, die dMiysischc Mustk Trapps wenig liegt. Der junge Berliner Komponist hat mit dieser Sinfonie (Opus 8) ein ganz prächtiges Stück Musik geschaffen. Freilich ist es keine Smfonia giocosa, keine lustige Sinfonie, schon der Meite Satz, eine sich von wohltuender Einfachheit zu gewaltiger Gcfühlsausladuug steigernde Romanze, niehv aber noch dchs beinahe ernste Dri!o de, barocken Scherzos sprechen gegen die Bezeichnung, und auch das Filiale ringt sich erst nach mancherlei Widerständen zur befreieiiden Fröhlichkeit durch. Bewundernswert ist vor allem die themattsche Gestaltnugsgabe Trapps, wie er mit wenigen, konziseit Motiven cruskvmwt, sie in allen viev Sä^cn verwendet, verändert und kunstvoll verschlingt ■— das werden ihm nur wenige nachmachen. Selbstverständlich erscheint ftä einem modernen ToUsetzer heutzutage die Bdbertschung der Instrumentation; Trapp findet aber trotzdem noch neue Klangkombii- uationen und mischt die Tonfarben, besonders im erften und dritten Satz, aufs glücklichste. Nattirlich finden sich in den grotesken Teilctz: öfters Anklänge an Richard Strauß: aber als Ganzes betrachtet, erklingt die Srnfonie durchaus als selbständiges Kunstwerk. Wie die G-Dur-Siirsvirie von Weingartner und die D-Moll-Smfonie von Straeßer sollte sie dei: Eingang in alle größeren .Konzertmstitute finden, ein stolzes Wahrzeichen deutscher Schafsenskuust im Weltkrieg.
<— Neue ausgegrabene Kirchenrefte frührhrist. licher Zeit. Aus Trier wird uns geschrieben: Die alte einstige römische Kaiserstadt im Moselland besitzt noch eine Anzahl stolzer Baurcfte alter Jahrhunderte. Unter sachkimdiger Leitung ist manches wertvolle Monument des Mtertums sveigelegt worden, iiud mich der Knieg verhindert die Forschungsarbeiten nicht. Kürzlich wurden in der alten Mariminer Abteikirche interessante Ausgrabungen vorgenommeu. Be: Nrederlegnng eines Teils der Klosterge- bäude hatte man bereits ein gut erhaltenes Kirchenportat gefuiiden, dessen kunstvolle Ranken verzierunger: und saubere Ausführung die Freude aller Altertums freunde fand. Neuerliche Ausgrabung^ legten eine uralte Kircheuhalle frei, die aller Wahrscheinlichkeit nach eines der erften cknüstttchen Gotteshäuser in Trier war. Die aus Men Sand- und Ziegelsteinen ansgcführte Mauer, in die das schöne Kirchenportal eingesetzt war, umschloß einen Raum von etwa 9 Meter Breite und (18 Meter Länge. Der Boden, auf dem dieser be-mervenswerte Fund gemacht wurde, die frühLre) Mariminer Abtei, ist kulturgeschickülich berühmt und intereisant. Als größte und chänGendste Abtei, die auf eine anderchalbtmrs endjährige Vergangenheit zurückblicken dürfte, genoß die Maxmimec Abtei und ihre der Wissenschaft und Kunst dienenden Mönche Weltenruf. Die ldold- und Kunstschätze der Maximmer Mönche, ihre wertvollen Handschriften- und Reltauiensammlungen fmiden durch Jahrhunderte hindurch die Bewunderung aller Fremden.
ui diesem Falle nach ihrer Anssassung sein würden, beim Friedcit Erobertes wieder hcrauSzugeben, halten sie un-3 nicht. Das Gesetz der Wasseu IxU ihnen in der Vergangenheit oft genug neue Herren gebracht. Ltzarum sollen wir jetzt nickt als solche koiillueu? So erklärt sich die Freude bei unserem Einzug iiberall in Rumänien: sie blieb auch nicht aus, als General v. E. in Buzeu einsuhr Kämxu die Deutschen doch iiberdies als Helfer in uumittelbarer Not! Die Rumänen waren geschlagen gewesen und latteii, nach russischem Diktat, nach Mrdeu abrückeu sollen. Ihre Fülwimg ivar jedoch ebenso demoralisiert, wie die Truppe selbst: sie brackste es weder fertig, sich vom Feinde zu lösen, noch auch mir den Trost über den Fluß im Rücken der Stadt zu bekommen. Alle Straßen in der Stadt waren gestopft voll mit Wagen, Artillerie und Truppen, die zurück wolltet, und da sie damit doch nickst weiter kamen, plünderten Ofsiziercuvie Mannschaften znnäcl)st einmal die (Geschäfte der Stadt. Dann kamen, um jlmen zu Helsen, die giussen. Sie ninclsten erst an der Brücke Ordnung, dann in der Stadt, deckten den Rückzug der Rumänen und — nahmen ihnen, um sic nicht anfzuhalten, auch das Geschäft des Plünderns ab, das sie rau: ihrerseits gründlichst besorgten, lkebri- gens duldeten ihre Ossiziere ' - ^ ebenso 'itm* vorlM auch die traten ihren Leuten giMNüber — nicht, dast sie in die vi-rschosjenen o<n> nehmen Häuser einbrachw. Dort wohnten Mitaustifter des Krieges, die sich in Sicherheit gebracht hatten vielleicht ganz irn- mittelbar Pensionäre des „Rubels ans Reisen"!, Sie wurden geschont. Dagegen konnte die Truppe mit den kleinen Leuten um- springen, wie sie ioollte. Dast die Russen das Zurückgetzen besser verstanden als die Rumänen, zeigte sich schließlich auch in Buzeu. Noch am ?lbcnd hatten sie sich benommen, wie getvöhulich. Am anderen Morgen ivaren sie wie fvrtgcblasen. Und an iljrcr Stelle waren schon um 6 Uhr Pickelhauben.
Bcsoirders ausführlich erzählt mir von all dem ein Spießbürger, einer der anögeplünderten kleinen Kmiftente. Auch ihm sind, wie der Madame F., nette (Seiten au unseren Soldaten ausge- fallen. „Es sind gute Menschen!" meint er. „Man merkt das an allem. So daran, wie sie mit ihrett Pferdeit nmgelien. Tie Russen und auch trnsere Soldaten lasset: die Pferde im Freien stehen, mag das Wetter sein, lvie es will, bis sie selbst Unterkratft haben, und dann stellen sie sie in beu ersten besten Torweg Ihre Leute aber ruhen nicht, bis die Pferde gut nutergebracht und versorgt sind. Erst 'dann jel>eit sic, lvo sic selbst bleiben."
Es macht immerhin Freude, das; auch Fremde und besonders Angehörige des Landes, mit denen wir im Krieg sind, so etwas bemerken. „Feindeslob klingt!. .."
Und nun noch die Stimme eines rnniänisclstn Patrioten, eines gebildeten Mannes, über ben Krieg als (Ganzes.
„.. . ich lveist im Augenblick nicht, ob die Kaiserin Eugettie. noch immer lebt. Sie erirarerir sich, ivelche Rolle sie 1870 acspiell hat? Der Krieg war ihre ..Petitegluerve", ihr Miner Krreg. Dam'rlS haben Frankreich und die Dynastie bas Unersetzlichste verloren, ums eilt Staat oder eine Dynastie verlieren kann: ihre Prestige. Es tvar die Schule der Kaiseritt. Mnlier lacct in ccclcjia! Man soll Werber nicht in die Polftik hincittreden lassen! ES ist selw klug von den Deutschen, dast sie sich ans Untcrrockpolitik nicht einlasscu Wir waren nicht so klug! Die Königin von Rumänien l>al die Rolle der Kaiserin Eugenie von danrals gespielt: dieser Krieg ist tfyr „llerner Krieg" mit dem gleick)en Ergebnis im Hinblick auf unser Land und il>re Familie. Beide sind ihr Prestige los gewvrdett: die Dynastie König Kavols hat ihren Rick als geschickter Antvalt unserer Jirtevessen gegen Etiropa verlöre::. und Ru- mäinen selbst den als etitscheideirde Vdilitärm«cht des Alkans! An unserer Stelle tritt Bulgarien. Gs ist tim Jammer! Mitschuldige der Königin warm eine gewisse Bojaren- klicke, und einige bestochene Politiker — nickst Bratiann, wohl aber Take Jonescu!" — Ich habe dieses Urteil immer Wiederkehr^ hören, votr Crajowo an über Bukarest bis Foksani.
Adolf Zimmer mann, Kriegsberichterstatter.
Auch Goethe nnb fein fürstlicher Gönner, der Herzog öou Weimar, weilten 1792 als Gäste in dem Max immer Kloster. Detr Pamk der Gemächer, die reiche, glänzende Möicchstafel ttnb die Kunst- schätze hatte Goethe in begeisterter: Worten gerühmt. Und doch konnte er nur einen lleitrerr Teil der Kuristsamnilimgeti sehen, da! das Kostbarste davon die Mönche vor der: eitrdrmgetrdetr Franzosen fvrtgesckstlfst hatten. 4 Jahre nach Goethes Besuch, 1796, drattgen die Franzoset: in die' Abtei ein, schleppt«: vieles fort und zertrÜrrt- merten alles übrige. 1802 hob eit: srmrzösisches Gesetz das Kloster und seine Rechte aus: Abt und Klosterbrüder irrustlen fliehen. (Goldgräber rnachten sich im' Jahre 1807 in der verlassenen ?llbtei an die Arbeit, denn sie glaubten, die Mönche hätten die .Klosterschätze vergraben. Doch sie fauder: nichts, nur einen aus römisck)er Zeit staminendeii Stcinsarg und Totengaben. Alle diese früheren Eni- dcckungeil und geschichtlichen Ereignisse in Max im in treten ;etzt in den Hintergrund vor den neueir iittereffcmtert Misgrabungen, bw ihren Abschluß noch nicht gefunden haben.
— Wiederherstellung-arbeiten ant Aa che u e r Münster. In der Hauptiahresversammlung des „KortsvereiuS zur Restauration des Aachener Münsters" Niachte der Vorsitzende Mitteilungei: über die Wiederl^erstelluirgsorbeirert an diesem geschichtlich und klöistberisch gteichbedeutsan:en Bantverve. Mit dem Ja lue 1916 ist die Fertigstetttlng des eigentlichen Münsters im lücttcflcit Maße abgeschlossei: tvorden: Übrig blieb nur noch die Aus- Nialmtg des Chores. Tieserhalb setzte sich der Vorstand oes Karls- Vereins mit dem Ztunstnialer Berdonl-eiier in Köln in Verbindung, und es erwies sich fitr die Vorarbeiten zunächst ein (Äerüst bis zu schtoindelrider Höhe als erforderlich. Diese Vvrarbeiteil führten Over, tvie die Kunstchronik berichtet, schot: in der: erster: Taget: zu der Entdeckung, daß in den (vewölbcriptpim, besotiders im öjl- lichen Teile, sehr bedeiitmide Senkimger: eingetveten irxiren. VCITnr Ernstes droht der Einsturz des hoheil Chorgewölbes und eS bedarf dringetrd einer umfasseirdeti mtb recht kostspieligen Grneloerimg. Darüber ist <m den zuständiger: Stellen beveits eilt ausfühctick)es Gutachten abgegarigerr, ^besser: Ansicht sich auch Professor .Konard angeschlossen lat. Die Mittel zur Erneuermrg müschei: :n diesem Falle, da der K'arlsverein nicht imstande ist, sie anszrkbrmgen, von Staats weger: bereitgestellt werden. Da als eine Mitnrsnck'' des Uebels sich daS Vorbeifalwer: schwerer Lastkraftwagen heransgestektt hat, so ist zunächst einmal ein Verbot des Besalyrens dieser Straße dicrch solche Cöesährte beantragt worden. Nach Abklopfung oes Mörte-ls trat übrigens an idc-n Ehorwänder: mtter der Tlrnck>e eine ganze Artzahl gottscher und späterer Malereien zutage, die größtes Interesse hervorriefen und ztreisellos dem Ansgange des 1.). Jam- hunderts angehören. Die Hofftmttg, diese Mltzcr wieder I^rztl- stellen, wurde bei fottschrc-ften der Arbeit zwerfekhaft . du- Wieder- Herstellung wlrrde über 100000 Piark kosten. Jnsolgeoessy: neigt der Ausschuß der Meiramg zu. diese Bilder ^ mit nnnu
entsprechenden Stoffe zu überspanuett und es der Zukunft zu. überlagert. die Mittel sttt eüte Errreuerung der Mackevtt-er: «mi-nstkvrqen mr. Frankfurt a. M., I.Febr. EuGN d'Alderts Oper „Die toten Augen" hatte bei der ErstaufMrtmg am heuttaen Sonntag abend im Opernhaus, wie auch in änderet: deirttchet: Sttüüen einen vollen Erfolg zu verzei ckMrn. Ter anwesende .Komponist wmcke mehrfach gerufen und begeistert gefeiert.


