Nr. 30 Zweiter BIß«
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
107. Jahrgang
Beilagen: ..Gietzener Zamtlienblatter" und „Areisvlatt für den Ureis Gießen".
Postscheckkonto: Lrankfnrt am Main Nr. U686. Bankverkehr: Gewerbebank Gießen.
Gicheiw Äzei
General-Anzeiger für Gderhejsen
Montag, 5. Kebruar ^17
ZwillingSrundoruck und Verlag: Brühl'scheUnwersitäts-Buch-u.Stöindruckerel.
N. Lange, Gießen.
§chrift!citung, Geschäftsstelle vnd Druckerei:
Schulst-, age 7. Eeschäf.-Hstelleu.Verlag: L-qKöl, Schriftlettung: 112.
Anschrift für Tr. ht.rachrrchtenrAnzeigerGießen.
Ariegsbrlefe von der rumänischen Krönt.
V«nr unserm zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. 1
Kleine Kriegserlebnisse aus dem neuen Iahe.
II.
Foksani, Mitte Januar.
Bahnfahrt nach Buren.
Dtt Nahnhof von Ploesti ist eine notdürftig geflickte Ruine. Ekgerüomben und die Hand des abziehordor Kindes l-aben ihn u^r KUgerichtet. Wenn man es nicht besser haben kann, muß man Uch mtt einer Ruine bchelfen. So ist er jetzt der Ausgangspunkt wr den Verkehr nach der Front an der Grenze der Moldau, uebrrgens sind die Bal)nWfe weiter draußar noch schlimmer. Russarwerf. Wer es je gesehen, erkennt es sofort wieder Auch ohne es gesagt zu bekommen, würde er soßort wissen, wer hier gehaust hat.
Die Runüinen haben in Sickenbürgen im Zerstören öffentlicher Bauwerke und Lxr Verkehrswege allerlei Zicrückhaltung geübt, offenbar in der .Hoffnung, auf nttspvcchende Formen der Krieg-' führung unsererseits in ihvenr Lande bei etwaigem Verlust der Päsft. Slo weit sie eS nur nckt uns m tun lhattar, können, sie fug dem: auch nicht darüber beklagen, wie es in den von uns besetzten Gebietsteile des- Königreiches aussieht. So wett vor uns Russen ms Helfer der Rumänen dort waren, ergibt sich ein anderes B,Id. ^hre Verbündeten haben es den Herrschaften gründlich b'e- !md nach, dem Grundsatz der Deckung, der Arbeit ver- Mren. Du Russen nahm«: .die Berloüstung der Wege. Brücken, Bohnen und der Landwirtschaft mrf sich, die Engländer die der Petrolemnrndusttie und der Petroleamfelder.
Doch die Hausmittel aus Rostopschms Zeit taugen heut nicht mehr. Haben unseren Vornrars.ch in Rußland selbst nicht vcr- hmdert und versagen auch jetzt in Rumänien. Ein Beweis von MÄen: schon eine Woche vor Naftahr war die Bahnstrecke nach Bu^u wicker fahrbar. Sie war zwar einstweilen nicht aus einen Verkehr.eingerichtet, wie etwa den zwischen Berlin und Frankfurt a. O, aber es ging immerhin, und man war nicht mehr allein auf ine elende Straße zwischen beiden Mätzen angewiesen.
Ich fahre mit dem Friihzug. Auf dem Bahnhof herrscht Groß- bctne>, was den Lbufeuthalt im Bereich seiner fragwürdigen Gast- Irstfrii keineswegs angenehmer macht. Draußen gießt's, jeder, der hier ab und zu geht, schleppt die halbe Walachei an seinen Füßen herum, der Fußboden sieht entsprechend ans, der Wind pfeift durch die Halle, und von oben regnet es ein. Hunderte von Aldaten, einzeln oder in Transporten, harren der Abfahrt Em Militärarzt scheucht sie auseinander und macht ein«: Weg frn; Krankenschwestern hasten umher: Sanitätssoldaten laufen mit ihren Bahren. Verwundete, die von der Front angekommen sind wecken abgckvacht. Zuerst ein großer Trupp leichtverletzter, jeher den Zettel mit den «tt Luftgor Feststellungen am Kiropfloch des Rockes. S:e gehen oder hinken mit derselben gelassenen Miene vorder, wie wenn sie auf dem Marsche todrat; irgend welche Erlegung besonderer Art ist ihnen nicht anzumerken. Darm kommen die. die es schwerer getroffen hat, auf der Bahre. Nicht immer sind es die, dre sich am schmerzlckbsten gebacken, deren Zustand wirklich bckenllrch ist; bei dem Verhalten der Patienten spricht persönliche Veranlagung genim so viel mit, wie die Art der Verletzung. Ein bärtiger Obarjäger mit einem Unterleibs schuß wird an mtr wckeigetragen. Er ist die Ruhe sckbft und schmaucht gemächlich seine Pfeife. (Sn jüngerer Mann stündet sich, und ist völlig fassungslos. Er hat einen verhältnismäßig harmlosen, wenn auch vielleicht recht schmerzhaften Beinschuß.
Eine andere Gruppe. In der vorderen Reihe des Bahnsteiges fammeln sich die Offiziere eines höheren Stabes. Oho, ich habe Glück! Ter schlanke Herr an ihrer Spitze ist der Oberbefehlshaber. In der Gruppe, mit der der Oberbefehlshaber spricht, erkenne ich übrigens auch einen alten Afrikaner, Major von M., Kameruns- Angedenkens. Er wucke zu Beginn des Krieges durch Kopfschuß schwer verwundet, tut aber längst wieder Dienst. Eck: Feldgeistlicher, der vorüberkommt, trägt an seiner Mütze das Salomonssiegel statt des Kreuzes. Er ist der Feldrabbiner.
Dpr Iug geht auf die Minute ab und fährt dann flott ins Land hinein! Wir kommen über mefjrere Flüsse des Prahowa- netzeS hinweg, das in seinen mannigfachen Verästelungat das Pe- troleumgebiet Rumänrars darfbellt. Alle diese Wässer winden sich in auseinander- und wieder zusmnmentasenden dünnen Rinnen von ziemlichem Gefall durch ein breites, flaches Geröllbett. Ans dem gelben Wasser schwimmt eure opalisierende OcklsMcht; zum- Trinken wie zum Waschen ist es nicht zu brauckMi. Es war ein ganz grotesker Anblick, als unsere Truppein nertlich nach tage- lanyenr Marsch durch das brennende Petroleumgebiet mit seiner gewaltigen Qualnventwicklung aus diesem tvieder zum Vorschein kamen. Was da ankam, waren Regimenter von richtigen Mohren oder auch von Schiornsteinfegern. Gutes Wasser 'hatte, wenn man ins Quartier kam, der erwähnten Eigenschaft der Prahowa-Wäsche wogen, oft eine Stunde weit herangeholt rverden müssen. Es veichte kamn zum Trinken und Kochen, geschweige dam zum Waschen. Tie Leute mußtar also so bleiben, tvie sie waren. . . . Nun aber ging unablässig dicker Ruß auf sie hernieder, und fortgesetzter Regen tat das klebrige. Was sollten die armen Teufel machen? Sie ertrugen die Sache mit Humor.
Unsere Fahrt gibt ein lleines Bild der Wmrden, die der einzigen wirllichen Industrie des Königreiches geschlagen worden sind. Wunden, zu schwer und grausam, als daß die Volkswirtschaft des bis zum Kriege so gesegneten. Landes in absehbarer Zeit von ihnen genesen könnte; nickst schwer genug, dem Siegenden ja nur bescheidenen Anteil an den unterickisck>en Reichtumern des Pra- howatales wrzuenthaltor, dessen er zunächst bedarf. Bei Ploesti z. B. rst eine Raffinerie so zienrlich erhalten, während unmittelbar nebenan eine andere nur noch Ruine ist. Auch der gewerbsmäßige Brandstifter hat eben gelegentlich seine Fehlschläge, ob er nun Sir Grey heißt, oder Colonel Thomfen. Einzelne Fabriken und Tanks brennen noch; von der Mehrzahl ist nichts übrig, als die Trümmerstätte.
Einen ^tollen Eiirdruck macht ein großes Feld von etwa 40 zerstörten Tanks östlich von Ploesti. So ein Tank sieht an sich aus wie der wohlgefüllte Gasometer einer mittleren Gasfabrik.
Er nmß einsam liegen, sodaß, weim er durch irgend ein Mißgeschick zu brennen anfängt, weder sein Nachbar noch irgend welche Ver- waltungs- oder gar Wohnhäuser des Werkes gefährdet werden. Tie oben erwächtten 40 Tanks verteckten sich also, zu Vieren sauber ausgerickstet, auf ein weites rechteckiges Rasenseld von etwa 1 Kilometer Länge und der halben Breite. Sie alle sind von Thomsons Lorten angesteckt worden und auch glücklich ausgebrannt; sie sind dabo auseinandergeschmolzen rmd znsommengebrvchen. Das Material, aus dem sie gebaut werden, ist starkes Eisenblech. Ber- oogen, verbeull und zerrissen, verrostet urrd durch die Mut in allerlei ichillernden Farben angelaufen, liegt es jetzt hingeklatscht m regelmäßigen Llbständen in: Grase. Ein graues Etwas, dessen Statur zn ergründen dem Blick schwer fällt. Daß es ehedem aus- recfc stand, erkennt man nicht ohne weiteres. Weit mehr macht es den Eindruck, als wäre es in voller Wuckst aus der Luft hernieder- ge,chlagen; den eines merkwürdigen Luftschiffes etwa, das da abgestürzt ist. oder, als wäre dem Teufel ein Flügel abgeschossen worden. Tabu stört die Häufung nicht etwa das Unheimliche der ersten Wirkung. Was von den Tanks übrig ist, liegt so flach am
1 !o^^ großem Abstand voneinander, daß man immer nur dre Reste ernes einzelnen vor sich hat.
p 1m J*# üu Winter wenigstens, durch die der
<T^? >a n^? rrrlt l Offenbar Lattsundralbesitz: weitaus sieht man !52 Sfil* der Neubestrllung der abgverittetai Felder rechts
22? arbeitet emstweikor, soiveit das Auge reicht,
rst m>ch voll von Stoppeln und Maisltrünken! tenxn wir halten, sind zarschossoi, ge- -w. guundlrchst verbrannt, nichtsdeshoweniger aber wird«.'
^uem von ihnen fort sich mjerklvürdigertoeise bekamrten stachen Speicher mit dereinst von England an- gckauftem Werzen erhalten. Er ist besonders lang und reich gefüllt; rf 1 . Effect rn etwa fünf Mieter breiten, voneinander durch
gewennten Abteilar, jeder einzelne von ihnoi mrt besonderem, durch Staatssiegel verschlossenem Ausgarrg nach ott Rampe hin. ^ Körner lagern lose, nicht in Säcken. Wo die wurde, ist der goldene Segen irr, breitem Strom chn jetzt 5 u!rik? Rumänische Gefangene sck-auftln
fehlt es auf der Strecke cm kostbarer Barte nicht, ÄL.lMe KWmeter rst das zweite Gleise mit rollendem Material das Russen und Rumänor zurückgelassen haben — rmt Guterwagen, beladenen und leeren, mit Maschinen, mit Per- LE^en. mit Zrsdernenwagen, Es ist ein großes Chaos, dessen ^E^st'ung viel Ackert uracht. Ern großer Test der Wagen gehört aucv hier zrr denar, um die uns die Rumänen deveinst bettogen yaben. .L-rele srnd angebrannt, ein Test durch Brandlegung bis auf ^brne Gerippe zerstört. Sie werden kurzerhand über den ^amm gekrppt T!as Material, M dessen sVernichtung den Russen die BNt nicht mtpx gelangt hat, überwiegt bettächstich.
Tre rZ-ahrltraße von Ploesti nach Buzeu ist bei der Truppe be- ruchttgt rvegor ihrer elenden BesckM.ffenhett. Tie Infanterie hat ber unserem Vormarsch das Vordringen auf dem Bahndamm ihrer Benutzurm merst vorgezogen. Sie läuft auf einer tagen Strecke ^ Ä uns her. Daß sie nicht besser ist, als ihr Ruf, zeigt das Stampfen und Schlingern der Krajttoagen. die sich> auf ihr vorarbertor. Sre kommen an endlosar Zügor russischer Gefarrgoier vorüber, dre hier durch Regen mrd Schlamm ttübselig gar Westen ziehen — erne willkommene Erinnerung mr die Tage von Tannenberg, Lodz und Gorlice!
Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter.
Aus rrnd Castd«
Gießen. 5. Februar 1917.
** Personalnachrichten der Oberpostdirektion r n T a r m st a d t. Verliehen wurde das Hamburgische Hanseaten- krorz dem Oberpvstinspektor Leonhardy in Tarmstadt; das Erserne Kreuz zweiter Klasse dem Feuerwerksleutnant d. L, Telegraphen sekretär W o l f aus Worms, dem Feldpostsekretär Schott cms Tarmstadt, dem Feldwebelleutnant, Ober-Tclegraphenassistent Rertz aus Greßen, dem Unteroffizier, Oberpostassistent Frei- VV'kL™}* Worms, dem Vizefeldwebel, Postassistent I. Mohr ms Erbach (Odenwald), und dem Pionier, Telegraphachilfsmecba- nster Jung ans Mainz; die Hessische Tapferkestsmedaille dem Vizefeldwckel, Postassrstent Kalbe rla aus Butzbach; das Hessische Krregsehrenzochen den bei der Deutschen Post- und Telegraphen Verwaltung m Belgien beschäftigten Post- und Telegraphen- beamten Poftsekretar W. Schmidt aus Tarmstadt, dem Ober- Telegraphenassrstenten Hartenberg, Biaalke und Co-
- D —vuutuutta, «ülflfllie uno iLV-
b ^l gex ' c £^ m Telegraphenasslste-nten Strecker und den: Post- assrstenten Wenn er aus Mainz, dem bei der Teutschoi Post- und Telegrapyenverwaltung im Generalgouvernement Warschau be- schafttgten Telegraphensekretär Kü l ze r aus Mainz und den Ober- Posbrssistenten Röniek in Lauterboch (Hessen) und Weber in Gwß-Sternheim (Kreis Offenbach). Aus Anlaß des Scheidens ms bem Treuste: der Titel „Ober-Briefträger" dem Briefträger «w>w. Rü hl rn Tarmstadt. Angenommen wurde als Telegraphen- gehstfin Mathilde Za hn in Mainz. Uebertragen wurde dem Post- sekretär Volk aus Greßen eine Ober-Postsekretärstelle in Gum- mersbach. Versetzt wucke der Postassistent L. Koch von Butzbach nach Metz. In Ruhestand tritt der Poftsekretär Krell in Bens- ham. Gestorben ist der Geheime Postrat D i n g e l d e h in Darmstadt und der Postvettoalter i. R. SPilger in Neu-Isenburg Bor dem Feinde gefallen ist der Ober-Postassistart Freihöfer aus Worms und der Postassistent U l m aus Mainz.
** Siebenbürgischer Notpfennig. Wie bevcks berichtet wucke, srnd Deilbettäge der hier veranstalteten Sammlmrg nach Hermannstadt in Sieborbürgen abgeführt und dort von dem Sächsischen Hilfsausschuß mit dem wärmsten Tank entgegargenommen worden. ?lber es zeigt sich immer mehr, wie groß dre Verwüstungen sind, die rramenttich die in dar sächfischar Törfern ansässige rumänische Bevölkerung an Hab und Gut der wahrend des rumänischen Einbruchs geflüchteten Sachsen «rgerich- tet hat. Nach einer Mitteilung des Bischofs der evangellsch-sächsi- chen Lmckeskirchc. Tr. Deutsch, sind allein etwa 100 Psarr- und Lehrerhäuser vollständig ausgeplündert und schwer beschädigt worden. Um die Teilnahme für unsere schwer heimgesuchten und ganz auf ihre ogare Kraft angewiesenen Stammesgenossen br Srcken- bürgen neu zu beleben, wird am 10. Februar (Samstag) Professor Schlesinger, der viele Jahre in Siebenbürgen gewirkt hat in der Noren Aula der Universität einen von LichtbM-erir beq gleitetor Vorttng über Land und Leute in Deutsch-Sickenbürgen halten, dessen gesamter Ertrag dem „Sickenbürgischen Notpfemrrg^' zugute kommor soll.
. ** „Fr ontbücherei Hei Mat dank". Seit Ausbruch des Krieges sind an deutsche Ämppenteile, Lazarette urrd deutsche Kriegsgefangene im Ausland MMionen von Büchern gegangen. Ein großer Teil davon ist zerschMen, ein anderer infolge der langen Dauer des Krieges von sämtlichoc Mitgliedern desselben Truppenteils ausgelesen. Gebieterisch fordert daher das seekische Wohl unserer Truppen, neue Bücher dorthin zn geben, wo die allen in Schützengräben oder Besatznngsortor verbraucht sind. Aus diesem Grunde hat die Deutsche Tichter-Gedächttris-Stiftnng, nachdem sie im Laufe der Zeit viele tausende ihrer „Schützengrabenbüche- reiar" sowie hunderte von ,,Tragbücherschränken" hinaussandte, nunnrehr eine neue Büchersammlmrg von 24 Bänden unter der Bezeichnurrg „Frontbücherei Heimatdank" zusanrmenaestellt. Sie zerfällt in 5 Abteilungen und umfaßt 9 Bände Erzählungen mrd Novellen, 5 Bände geschichtliche Erzählungen, 2 Bände Ärllador,
4 Bände Lustspiele nick Dramen und 4 Bände Humoristisches. Me diese Bücher sind gebunden. Trupl»entelle, die ihre erste „Schiützararatabücherei" zertosen haben, so daß sie neuen Lesestoffes bedürfen, wollar ihre Bewerbung um Ut „Frontbücherei Heimatdanft' an die KrisMuch-Abteilung der Deutschen Dichter- Gckäc^nis-Stiftung in Hamburg-Großborstel fenden. Auch die neue Bücherreihe wick unentgeltlich abgegeta.
** Versicheru ngs Verhältnis der Militärper- sonen und Ausländer, die im gewerblichen Betriebe beschäftigt sind. Beurlaubte oder entlassene Mannschaften, die in einem versichermraspffichtigen, gewerblichen Betriebe arbeiten, unterliegen der reichsgesetzlichen Uusall- versicheuung; chre Bezüge sind daher der Berufsgenossenschaft mit nachzuweisen. Kommandierte Mannschaften fallen unter das Mannschafts Versorgungsgesetz und sind daher nicht versichernngs- pflichtig. Beurlaubung ist in allen Fällen anzunehmen, in denen nicht mrsdrücklich eine Kommandierung ausgesprochar wockeu ist — Kriegsbeschädigte, die aus Gründen dir Heilbehand
lung eurem versicherten Betriebe überwiesen snrd, gelten als kom- SJSSu? U1ll) ,ini) daher versichernngsfrei, wenn sie während ihrer -oeicyafttgung erner gewisser! ärztlichen Aufsicht in einer der Sach- rage angepaßtar Form unterliegen. Sie werden mich dadurch nickt oersrcherungspflrcküig, daß sie Lohn beziehor. Dagegen sind Ge- leiorLe, dre von Truppentellen oder Lazaretten gewerblichen Betrieben überwreien werden, damit sic ihre freie Zeit nützlich aus- l £!?<v bl e /^drglich zeitweise auf ibror Zustmrd ärztlich geprüft werden, als beurlaubt anzrrfehen rmd daher versicherungs- ^ ß viel ob sre in dem Lazarett imtergckracht bleiben und vertosttgt weckerr, mrd ob sie SoldÄenlöhnung bekommor oder nran. Soloator, dre neben ihrem militärischen Dienst bezro.
Kv^h"urdrerung, d. h. in ihrer dienstfreien Zell, in W? 11 Betrieben besck)äM6l Wecken, sind ftrr die Tauer dieser Beschäftigung ver,rck>erungspflrchttg. — Kriegsgefangene als unfrere Arbeller der gesetzlick>en Unfall Versicherung nicht dre sogerrannten Zivllkriegsgefangenen, d. h. die ^espflichttAen Zwilpersorren aus den besetzten Gebietar, die mrs ^^arrschen Gründar in Deutschland interniett worden sind empftehll sich ickoch, wenn die Ackellgeber sich durch Haft- Pttichtversichermna gegen etwaige Ersatzansprüche aus der Be- M^^MNg solcher Personor decken. — Zurückgehatten'e semdlick-e 2lnälani>€r ckenfulls nicht versicherungspflichtig. — Freie ausländische Arbeller, d. h. Ausländer, die unter derrselben Bedingungen wie dre übrigar Arbeiter beschäftigt werben und hinsllht- Lw) rhrer Rückkehr rn die Heimat keinerlei Befchränkungen mrter- worfen srno, ftnd ebenso wie die Inländer versicherungspflichtig. N^^oer gehorar rnsbeiondere auch die in den eroberten Gebieten des ! torndlick-or Auslandes angeworbenen Leute, die freüvillig nach dem ^ ^nlaiw kommen, um deutsche Arbeller zu ersetzen.
Das Vorlesungsverzeichnis der LaudeS- u n x v e r f 11 a t Gießen ist soeben erschienen. Den Ankündi- glmgen von allgemeinerem Jnteresie entnehmen wir u. a.: Allqem. ^taatslebre iPolull!, Prof. Dr. Gmelin; Schutzpockenimpiunp, Nachfolger von Prof Dr. Schmidt; Kurs für freiwillige Krankenpflege -^.^^^^/^^^^Eatswesen, Prok. Dr. Soinmer; Bekainpsung der GeichlectztSkrankheiten, Prof. Dr.Jesionek; Pflanzenernährungslehre ll wc untßr besonderer Berücksichtigung der Kriegs-
^ und ihre Verwendung, Die Fletsch-
mrd tüllchversorgung und -Erzeugung in der Kriegszeit, Prof.
x S ebe 3 er : ^on franzölischer, flandrischer und deutsch^ Kunst und Der Don: zu Wetzlar, Proi. Tr. Rauch; Türkisch, Pros. Dr. Sr?!, 6 3 u »J er ; Türkische Sprech- und Schreibübnngen,
Mehmed Alr Bey; Russisch, Polnisch und Bulgarisch, Prof.iDr. Hirt und Dr. Junker.
Landkreis Gießen.
" Albach, 5. Febr. Der Gefreite Ludw. Weber, der seit Anfang des Krieges im Felde steht, wurde an Kaisers Geburtstag zum Unterossizier befördert. Er ist im Besitz der Hessischen Tapfer- kertsmedaille.
Kreis Lmrterbach.
ü. Ob er-Moos, 3. Febr. Ein seltsamer Schlafbursche quartierte sich unfreiwillig in der hiesigen Lehrerwohnung ein. AkL die *jrau des Lehrers gegen Abend in das Schlafzimmer ging, um die Fenster zu schließen, flatterte ihr aus einer Ecke ein graues unheimliches Etwas entgegen. Ihrem auf das Hilfegeschrei herbei- erlenden Manne gelang es, den beißenden und kratzenden Em- dringllng drngfeit zu machen. Er entpuppte sich als ein prächtiger Turmfalke. Wohl auf der Suche nach Mäusen hatte er sich so ferner Freiheit beraubt, die ihm bald wieder werden sollte. — Unsere Gemeinde läßt in diesem Winter etwa für &000 Mk. Bau- "nd Nutzholz schlagen. Mit Rücksicht auf den Mangel an Bremrmaterialren wäre es dringend zu wünschen, daß auch eine gewisse Menge Brennholz geschlagen wücke.
Kreis Schotten.
4tzRainrod, 3. Febr. Beim Holzfällen wurde der Holzmacher S toll von einer Buche getroffen und war sofort tot. Er wollte noch eine Axt in Sicherheit bringen und rvurde dabei von dem fallenden Baume inS Genick getroffen.
* Börsen-Wochenbericht.
Frankfurt a. M., den 2. Februar.
Im freien Verkehr der Börse herrschte in dieser SBrnfr große Zurückhaltung. Trotz der allgemeinen Geschüftsmllust und immer geringer werdenden Anzahl von Papieren, in denen in Hauptsache noch bemerkenswerte Umsätze statttadar, kann dir Grundstrmmung der Börse aber immer noch als leidlich behauptet bezeichnet wecken. Eine ivenn auch nicht sehr bedeutende Ab- schwächung der Kurse erfolgte erst am Freitag nach den ponil- arttgen Rückgängar, die an der Newhorker Börse die Ankündigung des uneingeschränkten Tauchbootüäeges am dortigen Jndustrreakttenmarkt hervorgerufen hatte. Hier erstreckte sich dsS verstärkte Angebot infolge der Maßnahmen unserer Regierung mrd deren Folgen in Newyvrk in der Hauptsache auf Schiffahrtsaktien und Montanpapiere, die ihre Kurse etwas ermäßigten. Auf den übrigen Verkehrsgebieten waren die Kursrückgänge toeniger von Belang, nur einzelne Jrümstrie' ' waren etwas mehr angeboten und niedriger, wckei es sv meist nur um solche Werte handelte, die kurz zuvor kn
wovor. Hierzu gehörten einige Rüstungswert«, tote DeuOhe __
Rheinmetall, Mimscheid, Hirsch Kupfer, Heddernhvcmer, ferner Daimler Motoren, Barz und Fahrzeug Menach Lftrch Leder- sabrikaktien wie Adler & Oppenheimer, WhWÄs und FvüSrkrsche Schuhfabriken, die auf den höheren Dividardaworschkag ft Äcker getaft worden waren, gaben später im Kurse wieder nach.
I Chemische und Elektrowerte korrnten sich gut behaupten. Im allgemeinen fanden in Jcknstriepapieren keine größeren Umsätze statt. Relativ feste Haltung zeigten Bankaktien in Erwartung günstiger Jahresabschlüsse. Der Anlagemarkt zeigte sich ebenfalls in andauernd günstiger Verfassung. Deutsche Anleihen,. Städteobligationen und HyPotheken-Pfcmdbriefe standen rn guter Nachfrage und auch einzelne fremde Staatsmüechen waren gesucht, wobei diesem Gebiet der anhaltend flüssige Geldstarrd sehr zustatten kommt. Tägliches Geld bleibt mll 37 2 Prozent reichlich angeboten, ist ober nur wenig beehrt. Bcm den Banken wurden in jüngster Zell wiederum große Mengen von Schatzarrweisungen des Reiches und Schatzschernar Preußens erworben, immerhin verbleibt den Instituten noch derrnaßen viel Geld, daß sie wegen vorteilhafter Anlage einigoTmaßen in Verlegenhell sind. Der Privatdiskont stellt sich hier etwa auf 4% Prozent und darunter. Am Devisenmarkt sind die Umsätze infolge der bekmmtrn Einschränkungen weiter zurückgegangen. Die neuen Maßnahme:: zur strafferen Zusammenfassung des Tevisenharrdeks haben sich bisher nur insoserrr zum Ausdruck gebracht, als die deutsche Valuta im Auslairde, namenttich in der Schweiz und Holland, einen festeren Grundton Neigte; im übrigen sind die Sätze vorerst stabil geblieben.
Die GoldünkausfteAe
in den Raumen der Bejfrfcfoottajfe Gießen ist morgen von 2 bis 4 Ahr geöffnet.


