Ar. 25 Zweites Blatt
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tt>r. Jahrgang
eiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Giekener
Dienstag. Zü. Januar btt
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R. Lange, Gießen.
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Schriftleuung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Ariegsbriese aus dem Westen.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
Eine französische Niederlage auf 304.
s Bor Verdun, am 25. Januar 1917.
Westfälische und badische Truppen haben heute einen wertvollen und schönen Erfolg! auf dem ivestlichen Maasufer davongetragen. Die Franzosen haben hier wiederholte und opferreiche Anstrengungen gemacht, um die beiden, das Kampfgelände beherrschenden und durch das nun bald ein volles Jahr andauernde Ringen geschichtlich gewordenen Gipfel „Toter Mann" und „Höhe 304" zurückzuerobern. An der Wachsamkeit und Zähigkeit der Verteidigung scheiterten ihre Anstürme. Dagegen haben wir im Dezember 1916 in zwei, kräftigen Gegenstößen dm Feind auf dem „Äoten Mann" in tausend Meier Breite zurückgedrängt und ihm auf 304 die „Backzahn" genannte wichtige Beobachtungsstcllung entrissen. Den Franzosen blieben nun noch am West hange einige Erhöhungen, deren Besitz für sie wichtig, für uns lästig war. Ihre Wegnahme init möglichst geringen Verlusten war' die Aufgabe des heutigen Tages. Bis zunr Mittag lag die ganze Verduir- ftont beiderseits der Maas bei eisigem, klareni Wetter ziemlich friedlich. Den Schall kleiirer örtlicher Minen und Arttlleriekämpfe dämpfte die Schneedecke ab. In den frühen Nachmittagsstunden begannen aus allen hierzu bereitgestcllten Batterien die deutschen^ Geschütze auf breiter Front das Vorspiel. Während ein Teil von ihnen, gemeinsam mit den Minenwerfern, die als Einbruchstellen vorgesehenen feindlichen Stellungsabschnitte mit nachdrücklich'm Zerstvrungsftuer taktmäßig zer'hämmerte, hielten and'.re die zahllos auffahrende ftanzösische Arttllerie und die Forts des Marre- ruckens mit solchem Erfolge nieder, daß die zuerst'einsetzendc feindliche Höhenwirkung ganz schnell nachließ und dann völlig öer- ILummte. Pünktlich zur angesetzten Minute brachen dann im Walde Von Malanoourt badische Truppen in die ftanzösische Stellung ein, nahmen die Grabenbesatzung gefangen und kehrten init ihr und mit Beute befehlsgemäß zurück. Sie hatten bei diesem Unternehmen nicht einen einzigen .Verlust, nicht einmal einen Verwundetem. Zwanzig Minuten später sprangen Stoß- und Sturmttuppen der wiederholt ausgezeichneten westfälischen Regimenter aus ihren Gtäben und brachen an den beiden befohlenen Mschnitten unwiderstehlich in die ftanzösische Linie ein. Schon acht Minuten später traf auf den: Beobachtun gsstande der Gesechtsleitnng, wo ich der Kampfhandlung beiwohnen konnte, die erste Meldung ein: der eine der beiden befohlenen Abschnitte 'roar fest in unserer .Hand, im anderen war der Nahkampf für uns günstig in vollem Gange. Alsbald.angesetzte französische Gegenangriffe scheiterten. Der Feind mußte sich darein fügen, die wichtigen Stellungen verloren und auf 304 eine NiÄ>erlage erlitten zu haben.
Der Umfang der Beute steht noch nickt fest, ebensowenig die Zahl der Gefangenen. Bis ich vom Gefechtsabschnitt schied, waren an den ersten Sammelstellen schon über 200 Gefangene eingebracht. Tie angreifenden Truppen waren von einem hohen Geiste beseelt, der bei ihnen und den Nachbartruppen durch das stoßartige Gelingen noch gesteigert wurde.. Kennzeichnend für diesen Geist ist, daß die Westfalen den Angriff lebhaft herbeigewünscht hatten, denn sie wollten mit den Franzosen eine Rechnung begleichen, nachdem diese das Friedensangebot unseres Kaisers abgelehnt hatten. „Franzmann muß wieder mal Wests alensänste schmecken, damit ihm der Kamm nicht zu sehr schwillt!" sagten sie. Besser aber als Worte kennzeichnet die Tatsache den Geist unserer Verdunkämpfer, daß an die Sturmbcttmllonc schließende., nicht zum Sturme befohlene Truppen süb nicht halten ließen, sondern gemeinsam mit den Kameraden vorbrnchcn und den Feind aus seinen Stellungen lstnausschlugen, io baß diese in insgesamt 1600 Meter Breite weggenommen und die Franzosen hier zu beträchtlick-em Zurückweichcn gezwungen wurden.
W. Scheuer mann, Kriegsberichterstatter.
Großes Hauptgnartier-West, 26. Jan. 1917.
Tie Gesamtzahl der Gefangenen bei dem gestrigen Sturm auf 304 beträgt, wie jetzt feststeht. 12 Offiziere und 500 Mann. Nachts Mischen 10 und 11 Uhr setzte der Feind zu besonders kräftigen Gegenangriffen an, um sich der verlorenen Stellungen wieder zu bemächtigen, wurde aber abgeschlagen. Bei der Beschießung der Forts des Marrerückens erhielten die Panzer kuppeln des Forts VacherauviUe zwei Volltreffer schwersten Kalibers, was die Untätigkeit dieser mit ihren weittragendm Geschützen sonst besonders zum Eingreifen in ben gestrigen Kampf geeigneten Veste erklärt
Bei dem beschriebenen Vorstoß flüchtete der Feind in dichten sparen ungedeckt nach Esnes zu, wurde hierbei von unserer Ar- tillerie wirksam gefaßt und erlitt sehr schwere Verluste. Zurzeit ocfchictzen wir lebhaft die in unserer Sicht und unterhalb der von uns ^besetzten Hänge gelegenen Geländestücke, in beiten sich die Franzosen neu festgesetzt haben.
_W. Schcuermann, Kriegsberichterstatter.
Ariegsbriese aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugswüse, verboten.)
Die neuen Kämpfe bei Mitau.
Mitau/26. Jan.
Es war zweifellos, daß der Vorstoß der Russen von Riga aus, der am 5. Januar begonnen hatte und bis zum 11. vormittags dauerte, von uns erwidert werden würde. Wie der Heeresbericht inzwischen gemeldet hat, haben wir am Dienstag früh damit begonnen. Nach , ziemlich starker Kanonade in der Nacht setzte an dem genannten Tags morgens früh um 7 Uhr unser Trommelfeuer ein und hielt bis 9 Uhr an, dann begann der Angriff. Oestlich ging er vom sogenannten Blinddarm aus und hielt sich an die Linie unserer alten ersten Stellung, weiter westlich drückten wir auf das Sumvfgelände und den Anfang der Dünen, stießen von Kaluzem aus die Aa entlang vor und suchten! links des Flusses von Düne Drachenfels her zu umfassen, gleichfalls im Laufe unserer alten Stellung. Kampfzentrum wurden die Blockhausstellung im sogen. Hack bei Mangal, die Gegend um Schule Ogle und westlich der Aa die bei der großen Wegekreuzung. Auf der östlichen .Hälfte war der Anfang leichter gewesen, dank unserer ArtillMevorberei- tung, löste sich danir aber in sehr schwere Kämpfe auf; im Westen war es gleich vom Beginn an äußerst schwierig. Immerhin, links wie rechts des Flusses, kamen wir vorwärts, am besten ein Bataillon auf der rechten Flanke, und in der Nacht konnten wir unseren Vorteil noch erweitern.
Der zweite Tag, der Mittwoch, gehörte rechts der Aa fast ganz den wütenden Gegenangriffen der Russen, die schleunigst Verstärkungen aus Riga herangeholt hatten. Diese Angriffe wurden abgewiesen, und aus der östlichen Linie drangen wir auch an diesem Tage bis dicht an die Dünen, an der Stelle der Südschneise vor. Ebenso ging es am Mittwoch westlich der Aa vorwärts. Wir gelangten hier bis in die Gegend nördlich der großen Wegekreuzüng. Die Nacht wurde weiter ausgenutzt, und als am Donnerstag vormittag die Russen rechts der Aa erneut angriffen, erlebten sie trotz dreifachen Versuches das Schicksal des Vortages. Äscher Tag! sich neigte, hatten wir dank ostpreußischer Tapferkeit ans der Westseite unser gesamtes ehemaliges Gelände wieder in der Haird und waren auf der Ostseite im Besitz unserer früheren zweiten Linie. Insgesamt bedeutete das dre fast völlige Zurückgewinnung des vorher besetzten Geländes. An Gefangenen gemacht haben wir dabei rund 2300, darunter 14 Offiziere, und erbeutet wurden 13 Mn- schrnengewehre. Die Verluste der Russen sind auch sonst sehr groß gewesen, ihre Toten liegen stellenweise in dicken Haufen, eine Division darf als ausgerieben gelten. Unsere Flregertätigkeit war rege. Der Frost hat nachgelassen, in der Mittagszeit sogar ganz ausgehört.
_I V. für Kriegsberichterstatter: Rolf Brandt.
Ans Stabt uttb €and.
Gießen, 30. Januar 1917.
** Zum Mangel in Kleingeld. Dem Mittel- rheinischen Fabrikanten-Verein ist auf eine Vorstellung bei dem Reichsbank- Direktorium wegen des Mangels an kleinen Münzen und Scheinen nachfolgende Antwort zugegangen:
„Auf das gefällige Schreiben vom 12. d. M. teilen wir Ihnen ergebnst mit, daß die Anforderungen des Verkehrs
und der Heeresverwaltung sowohl an Darlehenskassen schein neu wie an kleiner Münze in den letzten Monaten derartig hohe gewesen sind, daß es, zumal der Verkehr diese Zah- lun-bsmittel nicht zurückgab, uns unmöglich war, die Ansprüche aus den vorhandenen Beständen und den fortlaufenden Lieferungen der Reichsdruckerei und der Münzstätten voll zu befriedigen. Unter diesen Umständen haben wir die Reichsbankstelle Mainz und die Reichshauptstelle Frankfurt a. M. trotz ihrer wiederholten dahingehenden Anträge nicht in dem Umfange, wie es erwünscht war, mit kleineren Zahlungsmitteln ausstatten können. Inzwischen hat sich die ^ Reichsdrnckerei auf die Herstellung erheblich größerer Mengen eingerichtet, so daß wir hoffen dürfen, den Anforderungen cm Darlehenskassenscheinen in der nächsten Zeit wesentlich besser als bisher entsprechen zu können. Was die eisernen 10- und 5-Pfennigstücke anbelangt, so ist auch darin ein großer Mangel entstanden, einerseits weil die Heeresverwaltung bedeutende Beträge in die besetzten feindlichen Gebiete gezogen hat, andererseits weil die Fabriken, denen die Anfertigung der zur Herstellung von Münzen erforderlichen Münzplältcheu übertragen ist, diese nicht liefern konnten, da sie vorläufig durch Munitionsanfträge in Anspruch genontmen waren. Es sind 'Schritte betau, um die Fabriken nach dieser Richtung hin soweit nötig zu entlasten. Infolgedessen wird nun« mehr voraussichtlich mit der Ausprägung größerer Mengen von o i e s e n M ü n ze n gerechnet werdeir können. Kupfer wird zur Prägung von Münzen seit geraumer Zeit nicht mehr freigegeben, es ist aber die Ausprägung von 1- Pfennig stücken ans Aluminium in die Wege geleitet worden. In welchem Umfange und Zeitmaß sie wird erfolgen können, hängt wieder davon ab, wie die Fabriken in der Lage sein werden, Plättchen anznfertigen."
Kreis Schotten.
^.Lardenbach, K'reis Schotten, 27. Jan. Aus unserer Gemeinde sind den Heldentod für das Vaterland gestorben: Karl St ein müll er, Otto Reuning Karl Reuning .Karl K n o ß , Wilhelm M ö l ch e r, Kaspar Nuppel, Wilhelm Lind und Otto Lein. Zwei Mann sind iu Gefangenschaft geraten: Paul Psiorz in Frankreich und Otto Dörr in Rußland. Eine große "ä a V.^ c l^ te ^ Auszeichnungen: das Eiserne Kreuz erhielten: Eduard M ö l ch e r, Otto Keller, Wilhelm Keller, Eduard Schorn- bcrt, Heinrich Lang und August Nickel. Mit der hessischen Tapferkettsmedaille wurden ausgezeichnet: Karl Lein, Heinrich Lein, Eduard M ö l ch e r > Heinrich Lang, Otto Rü hl, August Sauer, Heinrich Kn ö ß und Heinrich Dörr. Die österreichische Tapferkettsmedaille erhielt Theodor Weinberger, Sohn des evang. Pfarrers Weinberger dahier.
Starkenburg und Nheinhessen.
a - Offenbach, 26. Jan. An Stelle der mit Ende des Jahres 1916 ausge>chiedenen Hälfte der Mitglieder des Kreistags sind auf sechs Jahre zu Kreistagsabgeordneten von den Bevollmächtigen der Gemeindevorstäiide gewählt worden: Oberbürgermeister Tr. T u l t o , sowie die Satdtverordneten Hch. H e i l m a n n unv Hermann N e u m a nn für den Bezirk Offenbach, Wilhelm L u f t I. kür Neu-Isenburg, Peter Erkerath III., Mühlheim, für Den Bezirk Rungenheim, Martin Wenzel, Hainstadt, für G r o ß - S t e i n h e i m , Bürgermeister David Singer für S 1 1 i-, ge nstadt und Bürgermeister Adam Winter für Jügesheim.
Hessen-Nassau.
= Niedernhausen i. T, 25. Jan. Durch Beschluß der Gemeindekörperschaften kaut für den Ort eine Z i e g e n ft c u e r zur Einführung. Die Jahressteuer beträgt für jede Ziege 1,50 Mt. — Daß diese Steuer von sozialem Geist zeugt, wird lvohl niemand behaupten können. Mit dem gleichen, vielleicht noch größerem Recht sollte man dann auch die Kühe besteuern.
-. 77 .? berste in, 27. Jan. Während in fast allen Städten die Geistlichkeit die Eltern der Konfirmandinnen ermahnt, zu den bevorstehenden E i n se g n u n g en die Kinder in möglichst ein- lacher Kleidung erscheinen zu lassen, geht der hiesige Kirchen Vorstand noch weiter. Er erklärte die Einsegnung in neuen Kleidern für nicht angebracht, sondern wünscht, daß die Kinder zur Feier in ihren gewöhnlichen Sonntagskleidern erscheinen. Der Beschluß verdient weiteste Nachahmung.
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Solche Lampen ' falfchzn Bei
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Ißodan - .,Q -L amp en haben bei peninpßem Stpomverhp&uch fux> die t\eipe che oqgerriASantig iechni/ch hochft erreichbare Lebensdauer*. Auf Anfrage hr.iieo wir die machßgelegenje B^ugsguelbz mit ,
SiurrtGLns -SchuckruThiiGJrliG • Siemensß&cH:
Jüan, weife etwa als ^gleichwertig'' empfohlene l^m pua Qpjaikk. upd beßehe, ausdrücklich auf Wcdran. £j \
uAztan- Lampen Type ,(3 find nur echt mH ihren Jchufynarke auf der Glasglocke*


