Nr. 22 Zweiter Blatt
Erscheint ISglich mit Ausnah'"- V
»>ne des sonntags.
Beilagen: „Eichener ZamillenblStter" und „Ureisblatt für den Kreis Gießen".
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\bZ. Jahrgang
nzeiger
General-Anzeiger für Oberhefjen
Freitag. 2b. Januar \9\Z
Zwillingsrundoruck und Verlag: Brühl'jcheUnwersuäls-Buch-u.Stnndruckeret.
R. Lange, Gießen.
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Deutschland pack an!
Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht die „Köln. Ztg." folgende zutreffenden Ausführungen:
Nachxnn die Verbands machte das Friede nSmr g e bot unseres edlen Kaisers in brutaler Weife abgelehut haben, in einer Note, welche den Gipfel menschlichen Wahnwitzes darstellt, muß die Stimmung in unserem Volke entschlossener denn je sein, nicht nur durchzuhalten, sondern zu siegen. Was unsere Feinde wollen, das -ist so ziemlich alles, was wir und unsere Bundesgenossen, besitzen. Ter Russe null Konstantrnopel, Galizien, die Bukowina, Ost- Und Westpreutzen, Posen; der Italiener Trieft und einen Teil von Tirol: der Franzose will Elsaß-Lothringen und das linke Rheinufer: der Engländer will unsere Kolonien, selbstverständlich auch Helgoland mtd die Häsen der NoU)- und Ostsee. Unsere Flotte, die gesamte Artillerie und das ganze Geschoßmaterial sollen aus- geliefert, unser Heer aufgelöst und unser Volk wehrlos gemacht iverden. Dazu hätte dann unser Volk alle im .Laufe des Krieges beschädigten Gebiete wiedcrhcrzustellen, Garantien für die Zukunst zu bieten., daß es nie wieder eigne, selbständige Wege gehe, welche die Wege der anderen Völker durchkreuzen und ihre Kreise stören. Weiter müsste unser Volk eine Kriegsentschädigung bezahlen von, sagen wir einmal. Hundert Milliarden, und unsere Feinde würden uns das Ausbringen dieser Dumme freundlichst erleichtern, indem sie alle öfentlichen Verkehrseinrichkungen in Verwaltung nehmen, die Mailichen Wälder und ander?, nutzbringende Liegenschaften mit Beschlag belegen, den Staat also aller Einkünfte berauben würden. Kurz: unsere Feinde wollen, nichts mehr rmd nichts weniger als Deutschland vernichten und unser deutsches Voll zum Bettel voll Europas machen. Was das aber zu bedeuten hätte, das dürste doch in dieser teuern Zeit jedem einleuchtend sein. Tank der bochentwickelten Industrie hat unser Land bisher seine siebzig Millionen Bewohner glatt ernähren können. Tie Lebenshaltung des Einzelnen toar in allen Teilen des Reiches infolge stets unehmender Arbeitsgelegenheiten imncer besser geworden. Die 'Auswanderung hatte fast vollständig aufgehört, ja, hatte vielfach der Einwanderung und Rückwanderung Platz geinacht. Auch diese 'ür unser Volk so ersprießlichen Zustände sollen, wenn es den Feinden zn Willen gebt, Mieder anders werden. Unsere Industrie wird durch schlaue Beschneidung der Zufuhr der aus dem Auslände kom nrenden Rohstoffe auf ein sehr bescheidenes, für die Bedürfnisse um'eres Volkes vollkomrmm unzureichendes Mast herabgedrückt werden. Unser Volk wird gezwunMNerweise wieder das Volk der Dichter und Philosophen werden, das ans hungrigen Augen znschant, wie, seine Feinde vor vollgedeckten Tafeln den. gemeinsamen Raub gefliesten. Dann wird unter dem Druck der all gen: einen Not, hervor- gerufen durch die erdrückelche Last der Steuern, die mangelnde Arbeitsgelegenheit und teure Lebenshaltung, imter dem 'Weh über das verlorene Vaterland die Auswand-enrng wieder einsctzen, stärker denn je, imd die Söhne unseres Volkes werden mit ihrem Schweiße die Arbeitsfelder der Welt düngen zum Nutzen anderer, während in der Heimat Freurde sich bereichern. Das darf nicht werden. Drum: Deutsches Volk pack an! 2luck ein vorzeitiger Friedensschluß ohne rechte Kriegsentscheidung käme für unser Volk einer Niederlage gleich. Welch ungeheure Lasten würde dann unser Volk zu tragen haben, wobei nicht zu vergessen wäre, daß der entscheidende Krieg doch in wenigen Jahren nach kurzer Friedenspanse geführt werden müßte. Wollte unser Volk die Zinsen der Anleihen decken, die Kriegsin validen versorgen, der Witwen und Waisen oedenken, die Schulden amortisieren und auch für den kommenden Krieg entsprcchmd rüsten, so würde es jährlich nach oberflächlicher Berechnung eine Summe von etwa 15 Milliarden nötig haben. Diese Summe müßte durch Stenerumlagen aufgebracht werden. ?luch dann käme für unser Volk eine Zeit mit einer fast unerträgliche!: Steuerlast. Dazu käme noch die aufreibende Erwartung des Entscheidungskrieges. Wer möchte das auf sich nehmen? So schwer die Opfer auch jetzt für unser Volk sein mögen, es gilt durchzuhalten und den Siegespreis' zu erringen. Drum: Deutsches Volk pack an!
Bericht über die Lage der Arbeitsmarltes
in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck im Dezember 1916; erstattet vom Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband.
Obschon die allgemeine Geschäftslage im abgelaufenen Monat leine wesentliche Veränderung gegen den Vormonat zeigte, ließen Angebotund Nachstage unter dem Einfluß der bevorstehenden Festtage und der Jnventurenanfnahmen der Firmen erheblich nach, eine Erscheinung, die in jedem Jahre beobachtet wird.
Die Lage des Arbestsmcrrktes kennzeichnet sich durch weitere Verringerung des Angebots gn Arbeitskräften. ^Facharbeiter wie MI und Ungelernte sind in genügender Anzahl nicht mehr zu fechaften, nt den Jndustrieorten läßt auch das Angebot an weiblichen Arbeitskräften nach.
In der Metall-Industrie scheint der Mangel an Facharbeitern rnsolge von Ueberweisnngen aus den Ersatzttuppenteilen und aus dem Felde z. Zt. weniger stark zu.sein. Tie Umstellung weiterer Firmen aus Heeresbedarf zeitigt jedoch fortlaufend starken Bedarf. ^>m Baugewerbe liegen die Verhältnisse durch die dringende Erledigung zahlreicher Fabrikbauten ähnlich. Hier hat auch das Verbot der Weiterführung von Privatbauten keine Besserung herbei- gesührt.
•ri Lage irrt Holzgewerbe und in der Nahrungsmittel-Industrie ist unverändert geblieben, wenn auch in der Nachträge eine geringe Ab Schwächung zu verzeichnen wir.
- 3™. Bekleidungsgewerbe waren in Frankfurt a. M. einige männliche Gehilfen arbeitslos. Nach Heimarbeit ist noch Nachfrage.
Sattler und Polsterer wurden auf Militärarbeiten stark an- gefordert, das Angebot war gering. Auch im graphischen Gewerbe herrschte fortlaufend eine nicht zu befriedigende Nachfrage. An Friseuren besteht weitere starke Nachfrage, der fast kein Angebot gegenüber steht. Das Hotel- und Gastwirtsgewerbe liegt entsprechend den EinschränkuNgen in der Brau- und Brennindustrie darnieder, süchtige Kellner und Küfer finden ttotzdem leicht Stellung.
,^m Handelsgewerbe herrschte im Betriebsmonat ein Ueber- Mmcht an Arbeitskräften, besonders an solchen mit nur allgemeinen Kenntnissen und an Anfängern. Tüchtige Kräfte mit Spezial- lemttttiffen sind mehr gesucht. Auf dem weiblichen Acbeitsmarkt herrichte in häuslichen Berufen ein starkes Unterangebot an Arbeitskräften; die Beschäftigung von Frauen in der Heeresindustrie und bei öffentlichen Betrieben tritt immer stärker hervor.
. In der Landwirtschaft war entsprechend der Jahreszeit gering e^Nachs rage.
Die bei dem Arbütsariit in .Frankfurt a. M. eingerichtete Vermtttttmg von arbeitsfähigen Lazarettinsasseii zeigte befriedigende Erfolge. Die Nachfrage besonders ttach Fachkräften ist stark, Ilnzu-- ttäglrchkeiten wegen der ungeregelten Arbeitszeit wurden gerne in Kauf genommen. In Wiesbadn herrscht größerer Andrang von weiblichen Arbeitskräften zur Munitionsindustrie, ohne daß dort geeignete DerweudungsMöglichkeit vorliegt.
Die Lag? des Vaugewerbes.
liefet die Arbeitsverhältnisse im Baugewerbe wird vom Kriegsamt geschrieben.'
Die Lage auf dem Arfeitsmarkt für das Baugewerbe ist zurzeit besonders schwierig. Die vielen sehr umfangreichen Neubauten, die aus militärischen Gründen errichtet iverden müssen, benötigen eine außerordentlich starke Zahl von Bauarbeitern, so daß der Bedarf nur schwer gedeckt iverden kann, obschon alle nicht kriegwirtschaftlichen Bauten grundsätzlich untersagt sind. Nun muß aber trotz dieser allgemeinen Beschränkung des Baumarktes zur Ausführung dringender Re- paraturarbeiteir und Umbauten sowie zur Fortführung von Bauten, deren Verfall sonst zu befürchten wäre, ein gewisser Stamm von Arbeitern zur Verfügung fein. Beiden Gesichtspunkten, dem militärischen als dem überwiegenden, aber auch dem privatwirtschaftlichen, muß Rechnung getragen werden. Das gemeinsame Interesse der Heeresverwaltung einerseits, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer des Baugewerbes andererseits, hat zu einer gemeinsamen Bespreckiung geführt, als deren Ergebnis folgende Punkte hervorgehoben werden sollen:
1. Ms ungefährer Maßstab für den Arbciterbestand, der für dringeiide Reparatnrarbeiten, Verhinderung von Verfall ufiv. zur Verfügung bleiben soll, sind cttva 25 Prozent der augenblicklich im Baugewerbe befindlichen Arbeiterbestände für jeden Korps- bezirk anerkannt iverden. Diese 25 Prozeitt müssen feit Bedürfnissen entsprechend auf den Korps feirk verteilt werden.
2. Es hat sich erwiesen, daß die Stillegung der Privat- bunten allein nicht genügt, um die freiwerdenden Arbeitskräfte den Kriegsbauten zuzuführen. Auch die Bemühungen der Arbeitsnachweise, die freiwerdenden . Bauarbeiter auf die KriegsbanteU zip verteilen, führt nicht zu einem restlosen Erfolge, da sich erfahrungsgemäß die Arbeiter leicht verlaufen. Als zweckmäßigstes
Gegenmittel ist deshalb den Gen.-Kommandos empfohlen, che Bauarbeiter-Organisationen zu den Beratungen über Still. gnng der Bauten heranzuziehen und bei der Verpflanzung der Bauarbeiter: zu beteiligen. Daß bei der Gegenwirkung gegen che unkontrolliev- bare Abwanderung der aus der Stillegung der Batrten gewonnenen Arbeitskräfte entsprechend Lohn- und Arbeitsbedingungen, Regelung der Ernährung und Unterkunft auf den Kriegsbaustellen Vorbedingungen sind, wurde allseitig anerkannt.
3. Es erscheint zweckmäßig, daß die stellv. Gen.-Kdos. bef der Regelung der Arbeitervermittelung und Arfetsv-erhältnishe für Kriegsbauten, die Unternehmer und die Vertreter der Bauarbeiter-Verbände hinzuziehen. Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat für jeden Korpsfeirk eine Kommission ernannt, die den stellv. Gen.-Kdos. bezw. fei Kriegsamtstellen bei den stellv. Gen.-Kdos. als Beirat zu dienen in der Lage ist.
4. Das Baugewerbe lhat dem Kriegsamt empfohlen, daß bei Streitigkeiten zunächst die örllichett Schlichttmgskonrmissionen und. che öffentlichen Tarifämter fiir das Baugewerbe ß ls Schlichtungsstellen eintreten sollen. Erst loenn ausnahmsweise bei diesen Stellen keine ^Einigung erzielt werden sollte, Hafer die behördlichen Ausschüsse im Bezirke per Ersatz-Kommissionen — gemäß § 9, Absatz 2 und § 13 des Gesetzes über den Vaters ländischen Hilfsdienst — in Tätigkeit zu treteii. Nach dem Wortlaut des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst.bestehen Bedenken hiergegen nicht.
5. Bei alleii_ wichtigen Fragen, die das Baugewerbe an- gehen, hat das Kriegsamt zugesagt, eine Vertretung des deutschen Baugewerbes sowohl aus Arbeitgeber- wie aus Arbeitnehmer» kreisen gutachllich zu hören.
vermischtes.
Düsseldorf, 23. Jan. (WTB.) Gestern nachnrittag brach in dem Karthäuser Kloster Hans Hain bei Unterrath ein Brand aus, der sich rasch verbreitete und die Kirche, das Hauvtgebaude uiid mehrere Nebengebäude ergriff. Tie Düsseldorfer Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen bereits einen derartig großen Brandherd vor, daß an eine Rettung des großen Kirchenoaches schon nicht mehr zu denken ivar. Schlechte Wasserverhältnisse und die herrschende Kälte erschwerten die Bekämpfung des Feuers. Ein großer Teil der Decke vom zweiten Obergeschoß des Hauptgebäudes stürzte ein und verletzte sechs Feuerwehrleute, wovon drei ins .Krankenhaus geschafft wurden.
* Berlin, 24. Jan. (Pr.-Del.) Tie B. Z. a. M." meldet.' Heute morgen entgleiste zwischen Zosten und Wünsdorf ein von Tentpelhof kommender Güterzug. Mehrere Wagen stürzten auf die beiden Gleise der Strecke und sperrten die Hauptverbnwuugi von und nach dem Anhalter Bahnhof. Ter Personertzug nach Dresden um 6 Uhr früh mußte ansfallen. Ter Materialschaden ist bedeutend.
* Zur Verhaftung der Mil l ion e n s chw i nb I erijt Kupfer teilt der,,Berl. Lokalcmz." twch mit, daß zu deren Teilhabern auch ein ö sterrei chi s cher Großindustrieller gehörte, der für eine halbe Million Einlage monatlich 12 Prozent Zinsen erhielt. Als Iran Kupfer dann deii Satz i.uf 10 Prozent monatlich ermäßigen mußte, verlangte der Industrielle die vertragsmäßig fcstgelegten 12 Prozent, worauf ihm Frau Kupfer seine halbe Milliort überweisen ließ und jede Geschäftsverbindung löste. Von der Kupferschetr Masse soll mm ein Prozeß aus Herausgabe der angeblich loiderrechtlich gezahlten halben Million angestrengt werden.
Knaben*
Penflonat
Goefhefdmle
Realklaifen, oerbunden mit Porldtuie, erteilt Cinjährigenzeugnis.
bodi a. IN. I ugnis. ;66 88 J
in den Räumen der BezirksfparWe Siegen ist morgen von KO bis \2% Uhr gesamt!
<Ss Werden vielfach unferen l/Vhfan -..Q : Lampen ähnliche eleklrifche QJruhlam « pen verfihledemzp Herkunft von 4o-10Ö Wa±t unten einem gemeinfamen. Hamen mit Halhwatt - Lampen angeboren und als fcdche bezeichnet, Dies bat ln Verbnaucherkrelfzn eine, innige Auffaffung üben den Uchleffekt den Lam* pen b^w. deren Stromverbrauch für die H^TQe hnnvopgemfen. Solche Lampen find keime Halbwatt - lampen, weshalb von dem Gebrauch dlefen falfchen Bet Zeichnung für dlefelben z u warnen IJt.
j Wotan-.ff*-Lampen haben bei gering/tem. Stromverbrauch für die Ifer^e i die gegenwärtig technlfch hochft erreichbare Lebensdauer. Auf Anfrage teilen wir die ndchftgelegene H^zugsguelle mit.
Sieion.e.in&-SchudkejFhv4t&rhe •SztenzGiisfiatcli
ttan weife etwa als ^gleichwertig'' empfohlene Lampen. guruclt und beftche ausdrücklich auf Vfotan Ad .
l\lotan-L amp en type A3 find nur echt mH Ihrer Jchufynarkjz auf der Glasglocke*


