Nr. 21 Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme de» Sonntags.
Beilagen: „Glehener Zamiltenblätter" und „Nreisblatt für den Ureis Gießen".
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167. Jahrgang
iehener Anzeiger
General-Anzeiger für Sderheffen
Donnerstag. 25. Janmr -.91?
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUnioersilälS-Buch-u.Steindrvckereu R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstrape?. Geschäf.»stclleu. Verlag:
Schriftlestung: 112.
AlnschriftfürDroht,:achr:chten:AnzeigerGießen-
Uriegsbriese aus dem Westen.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Artilleriekämpfe und Patrouillentätigkeit.
G>rvßes Hauptquartier-West, 21. Januar.
Ms ob sie,es nicht wahr haben wollten, daß die Somnre- durchbruchsschlacht am siegreichen Widerstand der deutschen Waffen endgültig gescheitert ist, trotzdem das britische Weltreich für dieser: einen Kamps mehr Machtmittel aufgeboten hat als je in einem früheren Kriege seiner Geschichte, setzen die Engländer ihre ziel- und zusammenhanglosen Angriffsversuche lär:gs der Front der halbjährigen Schlacht noch öfters fort. Einzelne dieser Angriffe srnd unter Umständen befohlen toorden, für welche ich die siegreichen deutschen Verteidiger Worte habe sprechen hören, die beinahe nach Mitleid klangen. Sicherlich ist sich die englische Heeresleitung wohl bewußt, daß sie mit diesen Angriffsversuchen, die bestenfalls zur Einnahme eines vorspringenden Grabenteiles führen können, keiner irgendwie belangreichen Entscheidung näher kommt. Da sie regelmäßig gegenüber den erstarkten deutschen Stelluidge:: schwere Blutöpfer kosten, so kann auch eine moralische Auffrischung der englischen Truppen nicht der Zweck dieser Unternehmungen sein. Es hat vielmehr den Anschein, als ob diese englische Kleinbetrieb scnnkeit mehr einem politischer: als einem militärischen Zwecke entspräche. Solange man noch von Kampshand- lnügen im geographischen Gebiete der Somme berichten kann, braucht:nan nicht znzngeben, daß die Sommeschlacht gescheitert ist, denn davon, daß deren Ziel nicht die Einnahme eines Schleiergrabens bei Serre und die Zertrümmerung französischer Kunstschätze in Peronne, sondern der Dmähbruch durch gan^ Frankreich und Belgien bis zum Meine sein sollte, redet ja schioju lange niemand mehr. Vielleicht müssen die Engländer auch durch gesteigerte Betulichkeit die über ihre Mannesverlnste an der Somme schwer bedrückten französischen ^Bundesgenossen trösten, nach- bem sie sich endlich entschließen mußten, diesen wieder einen größeren Frontabschnitt abznnehmen.
Außer KleinaiDgriffen und Patrouillentätigkeit ist aus den letzten Tagen nur eine zeitweilige nrck> abschnittsweise bemerkbare Zunahme der Artilleriekämpfe zu berichten. Die ganze Westfront liegt unter einer Schneedecke. Scharf einsetzender Frost hat darrn eine die Artilleriebeobachtnng brünstig ende Fernsicht geschaffen. Gestern herrschte im Sommegebiet ziemlich starkes Artillerie-Feuec bei Ransart, von Hebnterne bis zur Ancre, bei Graneonrt, Warlanconrt und am Peter-Baast-Wald. Südlich von Peronne, bei Soissons, an der Cornbreshöhe und bei St. Mihtel, schließlich in den Südvogesen beim Sudelkopf und an: Rhein- Rhone-Kanal war überall eine Steigerung der Artillerie- tütigkeit zu verzeichnen. Feindliche Patrouillenvorstöße von größerer oder gerir^ercr Stärke wurden unternommen im 'Artois bei Fromelles, bei Andechy, im Sommegebiete und bei Ribecourt und Morsin an der Aisne. Sie wurden alle glatt ab gewiesen.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 25. Januar 1917.
Gedenket der hungernden Vögel!
** Versichert Eure Krieger bei der Hessischen Kriegsversicherung, einer von den Krankenkasjenverbänden unter dem Vorsitz des Direktors des Großh. Oberversicherungsamts für den Krieg gegründeten Sterbekasie auf Gegenseitigkeit, einem ohne jede Erwerbsabsicht lediglich ehrenamtlich betriebenen, ministeriell empfohlenen Wohltä'tigkeitsunlernehmen. Gerne w ird jeder aus den eingezahlten Betrag verzichten, wenn der Versicherte aus dein Kriege zurückkehrt! Verstirbt er dagegeu den Heldentod, so kann saus dem Sterbegeld manche Not gelindert oder das Geld für die Ausbildung der Kinder verwendet werden. An Beiträgen, einschließlich der Zinsen, sind bis jetzt über 620 000 Mk. eingegangen. Jeder Anteilschein kostet 10 Mk.; Anträge nimmt die Haupt- geschästsstelle im Großh. Oberversicherungsanü Darmstadt, Neckar- straße 1 (Fernruf 2141) entgegen. Auch die Großh. Bürgermeistereien, Krankenkassen und deren örtliche Melde- und Zahl- stellen vermitteln gerne die Versicherungsanträge an diese Stelle, von der ihnen, wie auch den Gesuchstelleru selbst, das erforderliche Antragsformular auf Wunsch kostenfrei zugefandt wird. Nach den bis jetzt gemeldeten Sterbefällen kämen zurzeit auf einen Anteilschein für 10 Mk. noch ca. 200 Mk. an Sterbegeld. Um die raschere Auszahlung der Sterbegelder nach Friedensschluß zu ermöglichen, werden die Gemeinden ersucht, Arbeitgeber, die ihre einberufenen Gemeindeangehörigen und Arbeiter, und diejenigen Personen, die ihre Angehörigen versichert hatten, jetzt schon die Anteilscheine mit den st a n d e s a n: t l i ch e n Sterbeurkunden zu übersenden. Dabei ist die Angabe des Regiments erwünscht, welchem der Verstorbene zuletzt angehört hat. Empfangsbescheinigung über diese Ablieferung geht den Einsendern sofort zu.
** Von den hessischen LehrerbildungSanstaltvn waren die Vorsennnare zu Lindenfels, Lich und Wöllstein mit 43, 72 und 61 Schülern besucht. DaS Lehrerseminar zu Beusheim zählte 134, das zu Friedberg 71, das in Alzey 65 Schüler. Außerdem befanden sich 129 Seminaristen im Heeresdienst, während 79 ihre Notprüfung bestanden. In dem pädagogischen Kursus zu Darmstadt bestanden die Abschlußprüfung 7 Teilnehmer, während 10 weitere unter den Waffen standen. Die Zahl der Semmarisimnen am Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt betrug im lausenden Schuljahr 139.
Landkreis Gießen.
si- Lollar, 24. Jan. Als Kriegsfreiwilliger zog noch aus Werner Dickorä, zurzeit Unteroffizier und Krastwagenlenker. Vermißt wird auch Ernst Frank (russische Gefangenschaft). Ausgezeichnet wurden: Fahrer Ewald, Eisernes Kreuz 2. Kl.; Gesr. Otto N u h n , Eisernes Kreuz 2. Kl.; Gefreiter Hermann SHeucfcr, Eisernes Kreuz 2. Kl.: Wachlmeister Euler, Eisernes Kreuz 2. Kl. und Hessische Tapserkeitsmedaille; Unteroffizier Ringleb, Hessische Tapserkeitsmedaille; H. Viehl, Hessische Tapserkeitsmedallle; Pol:zeiunterosfiz:er Bräuninger, Hessische Tapferkeilsmedaille; Gefreiter Ernst Bolle, Eisernes Kreuz 2. Kl. und Hamburger Hanseatenkreuz; Hch. B i e r a u III., Eisernes Kreuz 2. Kl.; Karl Sei pp, Eisernes Kreuz 2. Kl.; Meier Simon, Eisernes Kreuz 2. Klasse; Gefreiter Wilh. Frank, Hessische Tapserkeitsmedaille: Karl Brusius, Eisernes Kreuz 2. Kl.; Unteroffizier und Offizieraspirant Kurt D a a b, Eisernes Kreuz 2. Kl. und Ernst Lndwig- und Eleonoren - Medaille; Feldwebel Friedrich Geißler IV., Eisernes Kreuz 2. Klaffe und Kriegsverdienst-Ehrenzeichen. — Von hiesiger Bezirkssammelstelle im Dienste des Roleii Lireuzes wurden 1362 Kg. Obstkerne, 210 Kg. Nesielstengel und kleinere Mengen Weißdornsrüchte, Eicheln und Roßkastanien gesammelt und ab-
gesandt. Mehrere Zentner Weißblech und Altpapier lagern nov hier im Keller, oh>se Abnehmer zu finden. Es ist doch mert würdig daß das Altpapietr im Prelle zurückgegangen ist, während dir- Papierpreise im Handel fortwährend steigen.
Kreis Büdingen.
X Bergheim, 24. Jan. Unsere Gemeinde lieferte im ganze« Kreise die Höchstnn^rge von Bucheckern init 30 Zentnern ab.
Im ganzen wurden in unserem Kreise 195,82 Zentner abgeliesert, was einer Menge von 1900 Liter Biichelöl entspricht; es sind daran beteiligt Höchst mit 17, Schwickartshausen mit 12,64, Ortenberg und Düdelsheim mit je 11, Rommelhausen mit 9,20 Zentnern.
r. Ortenb^erg, 24. Jan. Dem Leutnant Rich. Lucius, Sohn des verstorbenen Pfarrers Lilciils in -unserem Nachbarorte .. Usenboen, wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen.
Kreis Lauterbach.
** Bermuthshain, 24. Jan. Ein guter Fang glückte vor^, einigen Tagen der Gendarinerie Grebenhain auf hiesiger Station.) Ein Obsthändler aus Glauberg in der Wetterau, welcher zur! Herbstzeit die hier umliegenden Orte aussuchte, kam seit einiger Zeit: jeden Freitag her, :eni Butler von seinen: Lieferanten, einem Butter-1 Händler aus einem Nachbardorfe, in Empfang zu nehmen. Der Händler hatte solche, in den Oelrnühlen gesammelt, und da diese noch feine Milchlieserunig an die Molkerei hatte::, den: Glauberqer Händler überliefert,, und wollte dieser von unserem Bahnhof der He:mat zueilen. Hier wurde ihm sein Koffer abgenommen, untersucht und die 'darinnen entbaltene Butter von 23 Psimd beschlagnahmt, der Landes - Zentralstelle Darmstadt überwiesen und Anzeige erstattet. Wie mitgeteilt wird, soll der Butter- schmuggel schon läczere Zeit bestanden haben und für beide Teile ein sehr einträglichns Geschäft gewesen sein.
Kreis Schotten.
G M i ch e l b a .ch , 24. Jan. Die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt Grenadier Mattes, das Eiserne Kreuz Gesreiter Otto Fischer im Jnf.^Rgt. 353.
n. Ulrich ste. in, 24. Juni. Entgegen anderen Nachrichten können wir einwcmdfrei sestslellen, daß der Klubwirt Stein, der den Wirlschastsbetrieb des Vogelsberger Höhen kl u b s auf dem Hoherodsk.opf nun schon mehr denn 30 Jahre in Händen hat, auch weiterhin Pächter des Hoherodskopsklub
Hessen-Nassau.
X Kassel, ".H. Jan. Der Vorsitzende der Lämmer Aussel hat-, in einem Anfrnfe über die Hindenburgspend« der Zuversicht Aufdruck gegeben, es dürfe damit gerechnet werden, daß sehr viele Landwirte von ihren Vorräten für die Hindenburg- spende weit mehr abliesern toürden, als die vorgesckniebene Ablieferungspflicht ansmache. Im Regierungsbezirk Cassel wird, mie gleichzeitig der Vorsitzende der Lcmdwirtschasiskmnmer milteilt, der gesamte für d-re Hindenburgspende abgegebene Speck der Einzel-' Haushaltungen von den Kom:nunalvcrbanden gesammelt und zunächst für dte Versorgung der Rüstungsarbeiter des eigenen Kreises verwendet. Der RÄerschuß geht an die Bezirkssettstelle, von wo er den R üsvrngs< Arbeitern der Bedarfs kreise^ insbesondere in der Stadt Cassel, zugv-sührt wird. Ein etwa im Zrrgierungsbezirk dann noch verbleibende^ Ueberschuß wird der Verwaltungsstelle der Hindenburgspende in Berlin zur Verfügung gestellt.
Stieffafkti der Redaktis«^—^— i
Muovy« e Anfrage« bleiben nnberütksjchtisr.tz
A. 116. Jnsimterie-Regimenl 118, 8. Kompagnie §tillgeld. 1. Die Bundesrats - Verordnungen über Kriegs- wochenhilse enthalten keine derartige Bestimmung. 2. Die Milch muß ausgiebig, wändestens 5 Minuten lang, gekocht werden.


