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Sweiter Blatt
Erschemt tü-Nch mit AuSnahnre des Sonntags.
Beilagen: „Sietzener Zamilienblatter" und „Lreirblatt für den «reis Kietzen".
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chr. Jahrgang
Wener
General-Anzeiger für Gberheßen
5am§tag, 20. Januar W
Zwillingsrunddruck und Verlag:
B r ü hl'sche UnwersüätS-Buch-u.Steindruckerer.
R. Lange, Gießen.
Lchnftleitung, SeschaftssteLc und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäfcsstelle u. Verlag: ^#61, Schristleitung: 112.
Anschristfür Drahtnachrichten: AnzeigerAießen.
England und unsere Kolonien.
Allgemein ist ausgefallen, daß in dar Antwortnote des Zehn- cherbandes an Wilson von inneren Kolonien nrchit die Red« ist, trotzdem die Kriegsziele aus dem Kontinent mit aller tminschens- toertcit Deutlichkeit bis ins kleinste dargelegt wurden. Lind Misere Besitzungen in I4srika und der Südsee den Feinden etwa Nebensache? — Wer diesen Schluß ziehen will, kann mit der gleichen Logik bebaupten, daß England der uneigennützigste von allen unseren Gegnern ist: denn England fordert in der Antwortnote ou Wilson nichts h'tr sich. Rußland, Frankreich, Belgien, Italien, Rumänien - - alle werden reichlich bedacht mit SiegeApreisen, die erst iwch zu holen sind. Mir England geht leer aus. Mer so wenig England, dank dessen Haltung in den Julitagen 1914 der Weltkrieg entbrannte. aus dem blutigen Ringen mit leeren Händen heraus- zugehen gedenkt, so wenig dzrnkt man jenseits des Kanals daran, unsere Kolonien anstandslos znrückzugeben. Dazu weiß man in London viel zu sehr den Wdrt eines Kolonialrnches für Deutschlands Weltgeltung in inachtpolitischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu schätzen Bezeichnend ist ein Kommentar, den der über die Absichten der Londoner Regierung stets gut unterrichtete „Observer" der Antworttrote mit aus den Weg acht. Er sucht die Oesfentlichkeit darüber zu beruhigen, daß in der Note die deutschen Kolonien unerwähnt bleiben. „Südafrika, Australien und Neuseeland sind freie Dominions, und sie werden nicht zugeben, daß die deutsche Gefahr wieder in ihrer Nachbarschaft auftaucht." Die „deutsche Gefahr" in der Nachbarschaft der friedlichen Dominions! Gewiß, in den auch von England Unterzeichneten Kongoakten war vorgesehen, daß Konflikte in Europa nicht auf afrikanisches Gebiet übergreisen und dort mit ausgetragen werden sollten. Im Vertrauen ans diese Verein-, barnng hat Deutschland sich darauf beschränkt, in seinen Kolonien eine Schutztruppe^zu unterhalten, die keine andere Ausgabe als die Ausübung des Sicherheitsdienstes innerhalb der Grenzen hatte. Wenn je einmal eine größere Zahl von Truppen erforderlich war, wie in Südwest anläßlich des Hereroausstandes, so hat man bei uns stets eisrig darüber gewacht, daß kein Mann auch nur einen Tag bänger dort bleibt, als eben nötig. Hätten wir mit einem Krieg auf afrikanischen Boden gerechnet — und wir hätten wahrlich klug daran getan, dann wären wir ganz anders auf den von England inszenierten Einsall in unsere Schutzgebiete gerüstet gewesen, und Süd- !west und Kamerun wären wahrscheinlich heute noch in unseren 'Händen. England hat uns in diesem Krieg den Wert internationaler Vereinbarungen schätzen gelehrt. Wir wissen, was wir künftig davon Au halten haben. Nicht mehr aus internattonale Verträge, nur aus unsere eigene Käaft werden m'-r uns noch verlassen — j auch in unseren Kolonien! Ob die britischen Dominions uns künfttg in ihrer /Nähe „ckllden" wollen oder nicht, kann uns wirklich kalt lassen. /Darüber ietzen wir uns auch nicht mit den Dominions, sondern mit 4»em englischen Mutterland auseinander, ans dem europäischen Kon- Itutent und zur Lee.
Der Gewährsmann des „Observer" meint, niemand denke /daran, das deutsche Volk aller billigen wirtschaftlichen Aussichten tzu berauben. Man könne im asManischen Reich und in Afrika ■eilt internationales Gebiet schassen, das ultter gleichen Bedingungen Deutschland und allen anderen Landern offen stehen würbe. Wirklich zu gütigDie englischen Kolonien will man unserer Industrie und unserem .Handel verschließen, um sie wirtschaftlich noch mehr als bisher dem Mnttertande dienstbar zu machen. Das gleiche beabsichtigt Frankreich init seinem Kolonialreich. Deutschland soll als wirtschaftliche Interessensphäre ein Gebiet in Afrika zugeteilt erhalten, -das außer ihm auch iwch allen anderen als Tummelplatz dienen [form — solange es den englischen imd französischen Nachbarn paßt. sNrckts ist bezeichnender für die Ziele, die das anscheinend so uneigennützige England in dem Weltkrieg verfolgt, als dieser Vorschlag. Man will das zu Lande und zu Wasser unbesiegbare Deutschland nm Frieden an den Wurzeln seiner wirtschaftlichen Macht, an der ungehinderten Robstoffzusuhr aus den tropischen und subtropischen -Ländern treffen. Will verhiirdern, daß es über See auf eigenem Grund und Boden nach eigenem Gutdünken schalten und walten kann. Nur eine internationale Zone, nicht aber eigene Kolonien Mllen ihm offen stehen. Wir müßten die Geschäftsmänner der Citv snr diesem Weltkriege nicht kennen gelernt haben, um uns darauf ernzulassen. Auch über See brauchen wir reale Garantien, ilnd die chietet uns nur eigener Besitz. Je mehr unsere Gegner den Schleier chin ihre Ziele falten zii lasser, je deutlicher sich iln Wille kundgibt, uns politisch u,id wirtschaftlich zu vernichten, desto klarer stellt sich auch unser koloniales Kriegsziel vor Augen: ein geschlossenes, ver- .Icidiguiigsfähiges afrikanisches' Kolonialreich, das imstande ist, uns -nnt den wichtigsten tropischen - und subtropischen Produkten zu Versorgen.
Line widerliche Anbiederung.
Aus Berlin schreibt uns ein Milurb ei Lei: :
Sehet Herrn Arthur James Bulfou-r! Er lveiß die Worte zu setzen, besser als der dahinaegauaene etwas ttottene Grep. Balfour, der Mffe Salisburys, hat das Deklamieren in der Schule von Eton und in Cambridge ge- lerut. Er will in seinem Depeschenbrief an Wilson allem ^lre zeigen, daß er im britischen Außenministerium besser E Platze sei als im Marineamt. Es war immer sein liebster Sport, neben dem Golf, in einer Versammlung, vor allem in Westtn irrster, plötzlich aufzustehen und in höflicher Haltung eine unverschämte Rede zu halten, unter einem Deckmantel der Uirsch-utd die schärfsten Beschimpsnn- gen gegen irgend einen Gegner loszulassen. Die Gegner sind diesmal die Mittelmächte und ihre Friedensnote. Das Publikum, all das hiugeredet lvird, Präsident Wilson und die amerikanische Oesfentlichkeit. Es galt, die brutalen Lchmahreden der Demokraten Briarid uird Lloyd George ins angelsächsisch-aristokratische, ins listig-feine zu übertragen. Balfour, wenn er spricht, trägt so etwas in lieberrs- wurdiger Haltttna, die Aufschläge des Gehrochs mit den .Händen in Schulterhöhe umklammert, in einem elegant-- müden Tonfall vor. Fast in jedein Satz bekoiumt der Gegner erneu vergifteten Stich und der Zuschauer, damit er stark blerbt, ein Stückchen Zucker mit Hofmaniistropfen. Die ältesten, blödesten Ladenhüter englischer Kontinentalbetrach- tmrg müssen herhalten, um die Ausfälle zii stützen. Deutschland ist dre durch Herrschsucht geleitete Großmacht. Dentsch-- larid hielt sich immer abseits, wenn internationale Schieds- gerrchtsverträge abgeschlossen ivurden. Deutschland hat den Krieg gewollt und planmäßig vorbereitet. Seine Historiker tind Philosophen verkünden die Herrlichkeit des Krieges und dre Macht als Ziel. Wie der Hase mit Speck, so ist Bal- sours Konnnentar der Ententenote gespickt mit diesen abgegriffenen Redensarten, die nur danm einen Sinn erhalten, wenn man sie auf Englands Erobernngsabsichten und Krrogsziele überträgt. Aber die Frage ist: Werden die Amerikaner die perfide Umwertung merken? Wird Wilson die widerliche Heuchelei entdecken, die dieser Anklageschrift zugrunde liegt? Die Anklagen sind zweifellos sehr geschickt zusammengestellt, geschickter als in allen Noten und Reden, die bisher auf der Vierverbarrdsseite zurechtgebraut wurden. Es ist ern süßer Trank, der „den Idealen des Präsidenten" da kredenzt wird. Wilsons Ideale sind die pazifistische Einigung der Völker und die zwangsweise Verhinderung des Krieges. Balfour „beweist" in mehrmals hundert Zeilen ferner Depesche, daß nur die Bedingungen der Entente d en Zustand rn Europa herbeisühren könnten, den eine internationale Sanktion braucht, um — „den schlimmsten Angreifer zu zwingen, seine Pläne uufzuschieben", nänrlich ein beschnittenes Deutschland, ein zerstückeltes Oesterreich- Ungarn, crne „verbannte" Türkei. Es ist wieder der Gipfel der Unverschänttheit, wie in der Note der Entente selbst Wer rn Balsonrs Deklamation klingt das alles' wie der zwingende Schluß einer logischen Gedankenfolge. Daß der Ausgangspunkt des Ganzen und die stützenden Belege aus der bisherigen Geschichte des Krieges' eitel Dirnst und Lüge sind, das zu erkennen, müßte ein Richter erstehen, der die Verhältnisse in Europa überschaut, unsere militär-geographische Lage, iinsere „Historiker uird Philosophen", unsere nirhere Friedenspolitik, nrrsere Akten und Beweise gründlich kennt. Wilsoir ist nicht dieser infornrierte Richter Selbst wenn er wirklich nicht mehr „befangen" in dem berüchtigten angloamerikanischen Sinne sein sollte, ist er doch jener uns wildftenlde Schotte nab komm ling, der Deutschland nicht beucht und Europa nie dNrchmessen hat. llud darum ist es wahrscheinlich rrnd ihm menschlick) nicht einmal zu verübeln, wenn Balsonrs einseitige und verleumderische Dar- 'tellung auf ihn, Wilson, den Eindruck einer gewissen! Schlüssigkeit macht. Nur die Schwächung Deutschlands bietet Friedensbürgschaft. Nur die Austreibung der barbarisch
gebliebenen und aggressiver gewordenen Türken reinigt Europa. Nur die „Sühne für Belgien" stellt eine gerechte Strafe dafür dar, daß Deutschland die Neutralen schreaen und Niederhalten wollte. Uno nur der Sieg der Miierten führt zrr sicheren Verträgen, die kein Friedensbrecher mehr zerreißen kann. Gegen soviel schlaue Verdrehimg und Anbiederung helfen alle Aufklärungen und Gegenfragen des Wolffbureaus nichts. Wir haben rricht die Vttttel und Töne, unr uns den: englisch sprechenden und deshalb im Grunde auch englisch denkenden Präsidenten der Vereinigten Staaten so „verständlich" An macherr, wie dieser Meister heiichleri- scher Dialektik, Balfour. Urrd es ist auch gar nicht nötig. Der Krieg geht weiter rnit oder ohne Noten, und es bleibt, kein, anderer Weg, als durch die Waffen zu beweisen, n>as durch klug verdrehte Worte unserer Feinde verschleiert werden sollte. Mag Wilson Balsonrs langen Brief lesen, wie er will und beantivorten, wann er will, unsere Regierung wird es wohl jetzt vorziehen, zu schweigen uird — Hindenburg harr- deln zu lassen.
Arrr Strrvt mtfc €and.
Gießen, 20. Januar 1917.
Sebastian (Zum 20. Januar).
Die reizvolle poetische Vogel- und Menschengeschiä>tc Fritz Reuters „Hamre Nüte uit de lütte Pudel" beginnt mit einer entzückenden Kinderszene im Frühling. „De lütte Pudel," womit nickt etwa ein Pudelhnnd gemeiirt ist, solidern ein netter wcib- lichier Krauskopf von dreizehn Jahrerr uiitettoerst einerr )mge- schlickten Hosennratz irr der wichtigen Kunst der Herstellung einer Weideiislötc rind sagt zu dem Kleinen:
,^Nu lumm, lütt' Jung, nu kik ok tau!
Süh, so ward't malt igemachit), so werdeir s'snedcu (geschnitten).
Nahst (nachher) möst Du klooperr und möst beben (beten):
Pipen, Papen, Pasterjahn,
Lat de widen Flaut afgahn (Laß die loeidene Flöte abgehen),
Lat s'ol nick verdarwen (verderben),
^Lat s'recht lustig warben."
Der'Dichter macht dazu folgende Annrerknug: „Alter Kinderreim, korrumpiert aus Sebastian, an welchem Tag? nach der Volks- Meinung bei dep Weide der Saft in den Bast tritt." Noch! heute beten die protestantischen inecklenburgischen Kinder nrit diesem Reim beim Klopfen der Weidenflöten zu dem heiligeil Sebastian, von deni sie sonst nickl die geringste. Ahnung haben lnrd dessen Nanien sie )iri wunderhübsch in „Pasterjahn" zurechtgelegt haben. Fritz Reuter.hat also recht, daß der Kinderrenu als ist: eü stammt aus der Zeit vor der Einführung der Reformation. Aus den Werken Fritz Reuters kann inan noch« eine andere nicht ruinier merkwürdige limwaridlung, die der Heiligenname Sebastian in Niederdeutschland erfahren hat, feststellen. Auch dem Namen „Jung- Bauschan", den der kluge^Hund Jnirg-Jiochens iir der „Stromtid" führt, liegt der Name Sebastraii oder vielmehr dessen verkürzte Form Bastian zugnunde. Hier liegen uns also, so schreibt uns ein Mitarbeiter, bei einem und demselben Namen zlver der in- teresiantesten Beispiele dafür vor, wie sich das Bott nranchp ihm seltsam klingende Heiligeliiianren zurechtgelegt ha!. Es gibt mehrere alte deittsche Dprickpvörter, nach denen an dem ans d«r 20. Jmmar fallenden Sebastianstage der Säst in den Bast der Bänme tteten sott. Wer aber arr diesem Tage sich, eine Weiden-, flöte zureck:tklopsen wollte, würde dies sicherlich nicht fertig bekommen. Wenn uns auch, lteute manche Dichter und Rvmanschrift- steller, durch die erwähnten alten Lpcichwötter verführt, versickern, daß am 20. Januar der Frühling ims seine erst? Visitenkarte ab gibt, so ist das nicht richtig. In dieser Zeit haben wir gewöhnlich dre stärkste WNiterkälte. In ganz Deutschland sind sog. Baillösereime nach Art des oben angefühtten mit der 9ln- rufmrg des heiligen Sebastian verbreitet, diese aber werden erst im Frühling gesprochen, werrn der Saft ivirklich in den Bast der Werdenbämne gestiegen ist. Der hellige Sebastian ist rrichit wegen seines rn den Januar fallendeil Gedenktages iind der Sache in Verbindung gebracht worden, sondern lediglich ivegen des An- llanges seines Nameirs an das Wort Bast. Man bat hier iviedcr ernnial ein schlagendes Beispiel dafür vor sich, welch großer Einslutz der bloße Wvttklmig auf Bolksbräuch? aus übt ' .
Auch, noch crne andere Anrufung des heiligen Scbanian isst in Deutschland viel verbreitet. So nraiicher ruft im Scherz oder nranchmal auch im Ernst vor einer tvichttgen Ausgabe aus;
Lin aiter Khein-Vonau-Aanal-P!an.
Während ein Wasscrlveg voll der oberen Oder zur unteren Elb-e Ichoii (1662 1668 > vo'ii Großen Kurfürsten, ein solcher von dar Elbe
zur unteren Oder bereits unter Friedrich dem Großen (1740 bis 1746) zur Ausführuiig kam. brachte für Süddeutschland, das mit her 1835 eröfsneten Li recke Nürnberg—Fürth die erste Eisenbahn Deutschlands hatte, erst das Jahr 1836 die erste Känalverbindung mit dem Ludwigs-Donau—Main Kanal. Damit war eine schiffbare Verbindung hergestellt zwischen jenen beiden Sttömen, deren Ausbau, und Aneinanderschluß heute, da die freigewordene Donau als West—Ost-Verkehrsstraße und im Hinblick auf den Rhein als alter Nord—Süd-Wasserweg eine immer größere Bedeutung er- wngt, im Vordergrund der ivirrschaftspolinschen Interessen und Forderungen steht. Viel älter als diese Fordermrgen und der Lud- wigs-Doimu— Main-Kanal ist indessen ein — den heute geäußerten Wlinschen zieinlich etitsprechcndes uird außerordeullich, großzügiges Projekt, das dernraleinst Bayern mtfr Wütttemberg schon zu den oeiten der bayerischen Kurfürsten Maximilian und Karl Theodor beschäftigte, d. h. vor reichlich 130 Jahren. Bis dahin hatte der rege, Güter verkehr aus Holland und England sowohl nach den süddeutschen Gebieten selber wie darüber lstnaus nach Italien, bezw. Oesterreich und Levante und Orient vornehmlich zwei Wege ein- geschlagen : entweder den einen -- von den Rheinstapelplätzcn Köln und Mainz über Würzburg—Nürnberg—Augsburg—Regensburg oder unter Benütz»,cg der Neckarschis fahrt den anderen über Heil- bronn —Cannstatt--Ulm. Die Inanspruchnahme der beiden W^ge wechselte je nach der Güte der Verbindungen, von denen bald die eme, bald die andere dsie bessere öder billigere tvar, je irachdem eben die interessierten Staaten Kurpfalz, WÜrttemblerg. Bayern und Bistum Würzburg bei Ausgestaltung der Tarife und Beförderungsmittel eine mehr oder minder glückliche und freigebige Hand hatten.- Da kameri, mit dem Tode des Kurstcrsten Max von Bayern, 1777 Bayern und Kurpfalz io«i|e die am Ost- mrd Westrande des' süddeutschen Verkehrsgebietes gelegenen, so auch die im schärfsllnr Wettbewerb stehenden Interessenten in eine Hand, in die .Karl Theodors vvn Bayern; und dieser hatte es mm leichter, das bald da,, bald dorthin neigende Württenrberg gefügiger zu maehen.' Bald kamen Bayern, Kurpfalz und Schwaben überein, den nameirllich von Venediger Handelsherren über Schaffhausen—Basel und Tirol gelenkten itatieniMieu Verkehr über München—Ludwiqsburg zu leiten, zu welchenr Zweck in dem kbeiiwn Dlönanstädt- ckeu Lauringen (ettvas uitterhalb Ulm) eiü großes Sv edition s, m ternehmeu. eingerichtet und 1781/82 dann zwischen Bayern-Pfalz mrd Württemberg ein Vmtrog abgeschlossen wurde, nach dem „die seit geraumeir Fahren fast gäirzlich
zerfallene, so natürliche und bequeme Kömmunikation zwischen den beiden Hauptslüssen, denr Rhein und der Donau, aufs neue wieder- hergestellt werden sollte, zunächst mittels der von Württeinberg binnen Jahresfrist schiffbar zu machenden Neckarwasserstraße Noch fehlte aber zu dieser der Wps,erweg von der Donlau aus. Hier setzte lieben Heilbronner Handelsherren und dem Lauringer Speditiousr' unternehmen alsbald ein in Biainz ansässiger Italiener, Giaeomo Bernardo Natale, ein, der dem Wütttemverger .Herzog dm Bau ernes Kanals von Lmrriligen (Donau) bis Cmmstatt elupsahl und zwar unter Benutzung der FluslLuft von Rems, Kocher imd Breng drei zwischeu den beiden Puutteii gelegenen kleinen Flüssen. Zugrunde lag dreseni Projekt, mit dessen Uebervrüsnng der württenr- bergrsche LanLychaftssekretär Konradin ?1bel betraut ivar, der geniale, ,päter auch! von Friedrich Lisi Pertreteiie Plan einer Verlmr- dung des russischen Handels mit denr Rhein, der Schweiz und Frankreich durch die neue Donau-Köminerzialstraße. Ob der Gedanke der Benutzung der drei kleinen Flüsse zur Herstellung einer Wässerstraße Nordsee—Schwarzes Meer dlirchführbar war. konnte damals mcht entschieden werden. Die beteiligten Staaten slleßen sich an technischen Bedenken, insbesondere an der Wässerarmut der ge- nannten Flüßchen und an den aroßen Kosten. Es wirrde dieses Profekt beiseite gälegt, um trotz des Bkühens des Wiest—Ost-Vev kehrs und namentlich der Laminger Spedition mich später nicht mehr znm Leben zu erwachen. Denll die folgenden nnnlbigen Zeit- läuft, dre Revolution, dft nackMgelcdeii .Kriege, der Lunöviller Frieden u. a. verschoben Gebietsgrenzen, d^achbarverhillttiissc und Verkehrsinteressen derart, daß sich keiner der in Frage konunenden Staaten in der Folge berufen ftlhlen kormte, auf die Sache Zinn'ick- znkommen.
H-
— Neues von Meister Francke. Die Entdeckung des Meisters Francke bildet neben der des Meisters Bertram die wiffenschastliche Großtat Alfred Lichtwarks. Seit seiner grundlegenden Darstellung konnte das Werk dieses erfindungsreichen und lebensvollen Hamburgischen Meisters mehrfach bereichert werden: so hat Adolf Goldschmidt im Anschlüsse an Menander als wahrscheinlich erwiesen, daß der Llltar zu Nykprko in Finland, der jetzt im Museum von Helsingsors auibewahrt wird, eine Schöpfung ^rancfe§ ist. Jetzt weist Hermann Ehrenberg in der neuesten Nummer der bei Klinkhardt & Biermann in Leipzig erscheinenden .Monatshefte für Kunstwissenschaft- denr Künstler ein wetleres be- deritungsvolles Werk zu. ES sind dies die Malereien an den Außenseiten eines Altaranfiatzes, der sich jetzt im Danziger Stadtmuseum befindet, nachdem er früher in einer der zahlreichen Kapellen der Danziger Marienkirche ein recht wenig beachtetes Dasein geführt hatte. Die Geurälde zeigen vornehmlich Szenen
tw"g, den sie mrt Dcerster Franckes Hainbrrrger-Thonrasallar, wi auch mrt dem erivähnteu Altar von Nykyrko aufweiseu, läßt e als so gut wie sicher erscheinen, daß es der Hainbrrrgische Male gewesen ist, der dies Werk für Danzig geliefert bat. Die Danzige Bäder stehen allerdings zeichnerisch wie auch farblich hinter de beiden genannten Altariverken zurück. Uebrigeus ,vcist Ehrender barauf hin, daß die Danziger Marienkirche aus aller Zeit noc weitere Altaraussätze verwahrt, die mit der Kunst des große Hambiirger ?)talers in innerem Zilsaiuinenhange stehen, ohne da sie ircillch auf ihn selbst zurückgeführt werden könnten. In kuns! geschlchtl.cher Hinsicht bemerke.'.swert ist. daß sich bei diese Werken Anklange an den totit der Prager Malerei finden, so da Beziehung zwycheu Hauiburg und Prag gewonnen wir! ^Ellercht ,,t dies eine der Brucken gewesen, über die italienisch Einflüsse brS an dre Ostfee und die Nordsee vorgedruugen sind.
E i n Jubiläum d e r in e d i z i ir i s ch e n V r f: ?
^ 1 - 1^17 ift für die Geschichte der deutschen medizmischeir Press ^^ eru ^ ^oßer VedeMmig, als vor nunmehr genau 20< Jahren du ersft Berliner medizinische Fachzeitschrift ins Lebet gerufen tmrrde. Snc trug, wie Prof. Tr. Karl Kißkält im nächst der^Deiutschen Mediz-ürsscheli Wochenschrift »irtteilt, den Titt
„Aota tnedioorum JvHannes Daniel
Bevolinensiunl^ 0ft>hl gegründet.
Mid wnrdc von dem Ar Go hl. der 1665 in Bert
l. ^-~ aiaiuiwti. yi/vifi, »er
[V'"2I CTt r? > lrj : J >C f-J hlöu,ir t c ™ praktrzftrte tit Berlin mtb f<
ibatet^B Phyftkus ilach Wrietzen. woselbst er im Jäh, ? 1731 ssir Lein od machte auch der ersten Berliner Niedizinischcn Fackle
ickmft em Emde. Die Zeitschrift enthielt Anatoini,ck Praktisch,
vor allem auch Sekttonsprotokolle von gerräillichcir Sektion«
weiterhin, Klrinsches, Chincrgisch-Prakttsäfts. Bücherbesprechuna ^Handlungen über deii Verlauf der Seuchen die d fotzte untere,>e verdieneil. ^chon die erste "Nmirmer des Blati entlnelt eine Stattstik, nämlich ein Histvria morbvrmn Bern neiisinm für das Jahr 1716. Sie wurde zwei Jahre. «Väter du- Z^ck^belle der erkrmrkten und verstorbenen Soldaten der Berltt von 1721 ab erschienen regelniäsiia über dre Berliner Todesfälle des vergMigenen lahre-^ die nnck, ^ Monaten.mw Todesursachen emgeteilt natürl
nutt io enuitanMrct, nne dies l>entzutza>rc der Zall ist
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