** r - 1b Zweites Blatt
^scheint ta-üch mit Ausnahme des Sonntags.
Beilagen. ,.Gietzener zamillenblStter" und „Rreisblatt für den Breis Giehen".
poftjcheckkonto: Frankfurt am Main Nr. \ \m.
Vanfverkehr: Gewerbebank Kietzen.
lür. Jahrgang
GietzeM? Anzeiger
General-Anzeiger für GKerhejjen
Aeitag. (0. Januar 19(7
Zivillingsrunddruck und Verlag: Brüht'scheUniversiläts-Bnch'ii.St.'ind^: ckerei.
R. Lange. Gießen.
Lchriftleitnng. Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäfs, teileu. Verlag: <^061, Schriftletiung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeigerö'ies;en.
Die Lebensmittelteuerung in Cnglanö.
schrtttt vandclsamt hcrausgogcb-nen MonalS-
lm DezenSerheft 1916 über die @tei- 1 SmSrfqift? be % ctn,r s der wichtigsten Nahrungsmittcl am hrn*^*ii 91fa segenÄer der Zeit unmittelbar vor Kriegsaus-
das, in letzter Zeit gerade die aSu ' welche ,ur di.- Arbeiter,chrchtcn hauptsächlich in Be-- 0^»^ wie Kartonen,, Brat. MM. Butter. Mt und Etz-r. oesonbers stnrk :ni Preise gestvüg-en find.
!Uf>hr JJtä ™ a l m F den größeren Städten mit
mehr als 50 000 Einwohnern die Eier um 179 v fr der Mucker
K* P« Acht um 147, Stertoffdn um 130. Fleisch um 59-121 MeU um 81, Brot um 76 Butter und Wsc um 68 und Milch um teurer als am 1, Jul, ,914. also kurz- vor dem Kriege. N'i^n^lgq^ k wuchs die Verteuerung bei den
nniTV ^ar *- X s 9 6etm K?le von 56 auf 68, beim Mehl “““ ilÄFVan b l C Amtier oon 60 auf 68, fei den Ka,-tosfcln « •i-f 3 f 130 . ,Irtb berm Brot von 69 auf 76 p ,tz. Da die Preisstergerungeu NI den kleineren Städten und ans dem Lande
ÄS 10 f,orf| ! tnb w!ie m bm grösseren Städten
« ft ?^tei,ernng am dem Lande aber höher als in den ffeT.wI f ? n ft b . b,e Durchschnrttsprerse für Grotzbritannien insge- lamt etwas niedriger als ine für die Städte mit Wer 50 000 Ein- nioonern angegebenen Prciscrhöbnngcn. Doch stellt sich die Ver- (ÄftSftÄ» der Lebensrnittel ,in November nach den Berechnungen für kS 'Nsgelamt rntt ebenso hoch wie für die grasten
non 188 " 5 !" l-N°°emfer zum 1.Dezember für Eier
ftm al iS * wj.yirV 8, ^ Käse von 57 auf 68. für Mehl von 76 an, 85. stur Kartoffeln von 104 an, 112. für Butter von 61 ans 68 imb mr »rot Bon 6c.am 71 v. 6. Nur fein, Preis der Fische, der am l November rm Landesdurchschnitt um 132 v. ,tz höher war als vor Kriegsausbruch, macht sich ein kleiner Rückgang aus 126 v H geltend.
ln , 'l n ' er^l,l sieh, daß die Preissteigerungen in England,
Pas Brot, Mehl, Kartoffeln, Milch unb Zucker anbelauat, sunt -eck wesentlich großer sind als bei uns. Gerade also für die Nah- r 1 ' .k ie Tüt 6 i e Hanptmasse der Bevölkerung als die UN)- erlaßlichsten, in Frage kommen, sind in England also größere Aus- aabeu als m unserem „ausgchunderten" Land erforderlich.
Amr Stttdt und Lund.
Gießen, 19. Januar 1917.
Wer seine WchemhMe abüesert fördert die Misch- u.8ettversorgung.
_ 2.11. Bon der L<indesunrv>ersrtät. Der Professor und Direktor des Köm-gl. ipreuß. hygienischen Jit-- siituts in Saarbrücken Dr. Pant Got schlich hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Gießen als Na-ch- iolger des nach Halle gehenden Professors der Hygiene Dr Paul Schmidt angenommen.
** Oeffentliche Versammlung. Man schreibt iuis: Der Reichstagsabgeordnete, für Gießen-Grünberq- Ridda, Prof. Dr. Werner, spricht nächsten Sonntag, 21. d. Mts., nachm. 31/2 Uhr, im „Fjür st en h 0 s" hiev über das Thenm: „Z u welchem Ende f ü h r e n w i r den Krieg?" Dr. Werner wird dabei auch auf Die Krieas- ^rele des deutschen Volkes und ähnliche brennende Fragen näher eingehen. Es sei bemerkt, daß es sich bei dieser Ver- 'annnlnng um keine Parteiversammlnng handelt. Der Bor- trag n>endet sich vielmehr an alle Bevolkerungsschichten.
_ * ® 1 e hessischen Volksschulen waren im laufenden Schuljahre von insgesamt 212 485 Schülern und Schülerinnen besucht. Die Zahl der einfachen Volksschulen betrug 971. In den 6 erweiterten Volksschulen, von denen »ich 3 in Darmstadt, 2 in Offenbach und 1 in Gießen be- Nnden, wurden zusammen 5440 .Kinder unterrichtet. Außer den 38 eigentlichen Privatschulen mit 3847 Schülern und Schülerinnen bestehen in Hessen noch 10 sonstige Privatschulen, die von 284 Kindern besucht wurden.
.-,**r Der Anbauv 0 ir H ülsenfrüchten im Jahre 191 ( soll int Interesse der Volksernährung eine 'Ausdehnung erfahren. Andererseits müssen aber auch die nicht als Saatgut benötigten Hülsenfrüchte alsbald der menschlichen Ernährung zugeführt werden. Diejenigen Landwirte, welche schon im Jahre 1.910 Hülsen fruchte angebaut haben und
diese zu Saützwecken M verkaufen beabsichtigen, müssen die J c 1 9 a b c ö 1 c s e r H ü l j e n f r ü ch t e zu Saatzwecken um- gehend öei der Landwirts chastska m ntcr Dar m - a b t spätestens bis zum 29. Januar beantragen. Später kann eine Freigabe nicht mehr erfolgen.
~ ^ ® cr Blutfink. Der ailftnerksame Beobachter der
Vogellvelt und unserer Frühobstbäume tann jetzt wieder beobachten, lvie einer der schlimmsten Feinde der lungcu Baum knospen mu verderbenbrinq^rrdeu Werke ist. Der Blut- fink oder Dompfaff oder Kirschkernbeißer, wie ihn der Volksmund wegen seines bunten Kleides oder seines dicken Schnabels gern nennt, ist lvieder da. Ueberall tann man rhn auf den Baumen sitzen und die jungen Knospen ans> hacken sehen, so daß diese oft wie gesät unter den Bäumen liegen. Besonders jetzt in der Kriegszeit, da nichts ver- loren gehen darf, ist es nötig, diesen Räubern mit dem schonen Kleide energisch auf den Pelz zu rücken.
Kreis Büdingen.
)) B ü d i n g e n, 18. Jan. Am Montag, den 22. d. Mts. wird GelMme Finanz rat Bastian aus Tarmstadt im Gemeindesaal der hrofigen Stadtkirche für die Vertrauensmänner der Arbeit in der Kriegsanleil>e einen Vortrag halten über ,,dic Finanz- imdl Wirtschaftskräfte Deutschlands und der feindlichen Staaten"
. D Büdingen, 19. Jamiar. 9fint 4. Januar fand im Fürsten-, a?', J^ lcr Eter denr Vorsih des Geheinten Regiiw 1 tnasrates! V 0 ck m a n!n cute Sitzn ng des K r e i s a u s s ck, u s s e s s ü r K r i e g s beschädigten s ü r s 0 r g e und des lkntcrausschusses der Ratio, lallttftung flatt. Der Vorsitzende und der Geschäfts sichrer erstatteten ^erngshenden Bericht über die bisherige Tätigkeit der Ausschüsse m unserem Kreise, die ein erfreuliches Bild 'über die Erfolge besonders aus dem sehr schwierigen, aber aud) dankbaren Ps^et der Fürsorge für die .Krieasbeschädigteu bot. In fast allen Fallen gelang c<5, die Kriegsbeschädigten ihren: alten oder einem verwandten Berufe zuMfühven. Für Frau Pfarrer Tvll-Hitzkircheu, die nerzog, wurde Frau Pros. Dingel de y in den Kreisaus- fchuß.gewählt, ferner ein Vertreter der Kriegerkameradsch>aft Hassia und der Arberterschiaft. Auch für die Natiomckstiftung wurde eine ahnltche .Krersorgantsativn wie in der Kriegsbeschädigtensürsorgc geschaffen.
- * ^^^bermus, 18.Jan. Auf dem Felde der Ehre
starb der Musketier Herinami Gold sch mid t ™ 18. Jan. Das Eiserne Kreuz erhielt der Pionier
Karl Gtmpel.
r.- K Calb ach 18. Jan. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt der Unterofftzrer Eduard Krümm elbein im Dragoner- Regiment 23.
üdelsheim , 18. Jan. Seinen 90. Geburtstag feierte in korperl:ch)er und geistiger Frische der Bäcker Scheid
^'Ortenberg, 19. Jan. An: Freitag, den 2. Februar, komm eil :n unserer Umgebung 2 sehr gute Genieiudejagdei: zur Verpackftung und zwar vormittags um 11 Uhr die 1400 Morgen große Gemeinde ja gd der hiesigen Gemeinde aus 6 Jahre und nachmittags 3 Uhr die etiva 2 Stunden entfernt gelegene Jagd Gemeinde Glanberg. Die Verpachtungen sinden beide aus den Rathäusern der Gemeinden statt.
Kreis Schotten.
# A l te n bai n, 18 Jan. In französische Gefangenschaft kam der hiesige Lehrer Müll l er.
P K { ' nx f oi !L 18< ^ nn - Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Von der Heid. i
x • ^ { J f- e ^ c e m e n , 18. Jan. Das Kriegsehren reichen er
hielt der hiesige Bürgermeister Pcppel.
Kreis Friedberg.
R ei ch e l sh ei m, 18. Jan. In Rumänien stark den Hel- dentod der Gefreite Edmund ZMser im Res.-Inf.-Regt. 253, S>ohn des Postsekretars Zinsen
Starkenburg und Nheinhessen.
^ .Bingen, 18. Jan. Folgende Antivort ist auf das von
Herrn Buraerineister Reff an den Kaiser gerichtete Telegramm emgeaangen: ...Herrn Bürgermeister Reff, Bingen-Rhein. Seine wcgfestät der Kaiser und König laffeu für die begeisterte Kundgebung der schonen Rheinstadt Bingen herzlichst danken. Geheimer Kabi- nettZrat v. Valentins."
Hessen-Nassau.
ra. Aus dem Biebertal, 19. Januar. Ein uraltes G r u b c n f e l d , hochi oben am Dimsberg soll demnächst wieder ausgeschlosfen werden. Es ist Grube „Fri^dberg", auf welcher seat den: ^ahre 1890 irglicher Betrieb ruht. In früheren Jahren wurde der hochwertige Eisenstein per Achse nach Bahnhof Osießen gefahren. Fördernlacht nnd Drahtseilbahn nach Station Bieber sind vorgeschen. Gegenwärtig tverden die erforderlich^ Holzfällungen
vorgenommen, damit die Anlagen zur Ausführnng gebracht werden! können.
ra. W i l s b a ch , 18. Jan. Gewaltige S ch n ce m a s s e n nnd über unsere Hinterländer Berglandschaft, besonders um die Höhen am Dünsbcrg, herniedergegangen. Olestern wurde die ganze Ote* lwnnde zum „Schneeschippen" aufgeboten, es galt freie Bahn zu schaffen nach de: .Hauptstraße Fraul'enbach - Gladenbach, (dreist, Frauen und Kinder suchten die ineterhohen Sckmeeweiien auf dem Wege zur Eisernen Hand unter Ausbietung all ihrer Kräfte zu^ beseitigen, damit wenigstens die Po st Verbindung aufrecht erlfirlten werden konnte.
Beschaffung von zischereibeüarf.
Um eine möglichst sparsame Vertvcndung der für die Herstellung von Fischnetzen erforderlichen Rohmaterialien an Baumwolle. Hanf, Flachs usw. zii gewährleisten, l)at die Kriegs-Rohstoff-Abteilung angeordnct, daß alle bicki. den deutschen Netzfabriken eingehenden' Bestellungen an Fischernetzen dem Reichskommissar für Fischversorgung (Ausschuß für Fnschereibedarf), Berlin W. 8. Behrenstr. 14-16, Fernruf Ztr. 11 888, zur Pküsuug und Genehmigung vorgelegt werden müssen. Den Netzsabrilen ist durch die Kriegs-Rohstoff- Abteilung verboten, Netzbestellungen ohne Genehmigung dieses Au^-- saiufses anszuführen. Um Verzögerungen zn vermeiden nnd den ,Fischern den Gang der Bestellungen zu erleichtern, sind überall Flschcreigebieten besondere Vertrauensmänner- welche ihrerseits in den Fischervrtschaften örtliche Vertreter begusi S fl 0J n ' ^Üellt uwrden. Die Fischer twnden daher zweckmäßig alle Retzbestellnngen den zuständigen Vertrauensmännern oder ihren ört-« lichen Vertretern einreichen, diese werden die BesteUiuigeu auf denk» richtigen Wege weittrgebcn. Die Fischer werden gut tuu, sich recht-- zeitig nach Namen und Wohnort der zuständigen Vertrauensmänner und ihrer örtlichem Vertreter bei den Fischerei-Anfsichtsbehördens und den Fischereivereinen zu erkundigen.
Netzgarne können von den Fabriken bis auf weiteres ohne Zustimmung des Ausschlusses für Fischerei bedarf »nmittsibar bezogen werden.
Der Reichskommissar für Fischpersorgung ,Ausschuß für <vischiereibedarf> wird, soweit möglich, auch sonstigen Fischrwei-^ bedarf vermitteln.
Für das Großh. Hessen ist Herr Forstmeister Gilmer zw Hirschhorn a Neckar, zweiter Vorsitzender des Fischerei-Vereiws Großh Hessen, als Vertrauensmann ernannt. Die örtlichen :v5y. er ^kwden genannt werden, sobald hierzu geeignete Persön- lichkeiten gesunden sind.
^ Alle Berufsfischer bezw. Netzhändler werden aufgesordert, ihren" auf das Knappste bemessenen Bedarf an Netzen bis Ende Mai 1917 ^em Vertrauensmann ihre:. Bezirkes oder dessen lokalen Becmf-.' sagten spätestens bis zum 1. Februar 1917 mitzuteilen, mit bau? «emcrBen daß die Besteller durch 'Ausgabe ihrer Bestellung sich zur Abnahme^ und Bezahlung der bestellten Netze verpflichten und daher sich auf den allernotweiidigsten Bedarf beschränke!, müssen, und ferner, daß Fischer, die nach dem 1. Februar 1917 ihre Netze bestellen, nur in nachweislich besonderen Notfällen, be: plötzlichen, Berlust an Netzen nnd sonstigeni plötzlich Unvorhergesehenen anf- tretenden Bedarf an Netzen (z. B. bei dem unvorhergesehenen Auf- von Massenfischen, zu deren Fang besondere Netze erforderlich sind) auf Lieferung rechnen können.
Bestellformulare sind von Forstmeister Gilmer, Hirschhorn am Neckar, zn erhalten.
Uttive^sitäts-NachrLchten.
^ “J- 5. 1 ’.? "£! 11 r ‘ «• M., 19. Jan. Die theologische Fakultät
der Universität Di a r bürg ernannte den Proiessor Dk a r x am hiesigen Wähler. Realgumnasimn, der gestern seinen 75. Gebnrtstao feiern konnre, zum Ehrendoktor.
Nikchliehe Ncrchrichtcn
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Sud-Anlage).
Samstag, den 20. I a n. 1917: Vorabend: 4 .45
Uhr. — Morg.: 9.00 Uhr. — AbdS: 5.15 nnd 5.50 Uhr.
die Goldankausßelle
in den Räumen der Bezirkssparkasse Gießen ist morgen von 10 bis \ 2 % Uhr geöffnet!
ICttnfi, H>e?icnfd?aft un& Leben.
— K ü n st l e rr r i n n ern n g e n ei nas W ien e r N. u sikers. „Begegnungen ans meinem Lebenslveg" so nennt der Wiener Musiker Robert Fischhof die hübschen Plaudereien, Erinnerungen und Eindrücke aus jungen Jahren, die er soeben im Verlage von .Hugo Heller L Cie. 'Wien und Leipzigl erscheinen läßt. In kleinen, »vohlgelungenen Bildewn läßt er viele Größen seinep Zeit vorJrem Leser varüberziehen, von Johannes Brahms, von) Johann Strauß, von Flotow, von Brückner, von Bruch, pou der Elßner, von Joachim, von Lilli Lehmann, von Liszt uird von vielen anderen Künstlern, die er in seiner Heimat oder auf Konzertreisen kennen^ gelernt hat, weiß er fesselnd zu erzählen. Eine seiner srühe-- föcn Erinnerungen gilt dem Wiener Walzerkonige Johann S t r a u ß. Fischhof, damals ein zehnjähriger Knabe, wohnte Wand an Wand mit Strauß in Hietzing in der Hetzendorsei'slraßi'. Das Haus, das Strauß gehörte. u>ie das der Eltern Fischhofs hatte morsche, schalldurchläs'sige Wäiide, und so konnte der junge Fisch- hos stundenlang den lieblichen Tönen lansck-en, die aus dem Neben- I?au>e durch das zerbröckelte Gemäuer drangen. Strauß arbeitete gerade an der Fledermaus^ so war Fischhps der erste, der die! tvellbeka unten Melodien dieser Operette hörte, und bald kannte er das entstehende Werk so gut, daß er niehs daraus au's dem! Flügel hätte spielen können. Strauß stand in fteundschaftlichen Beziehungen zu seinem Nachbarn, und als er dort eines Tages zu Gaste war, forderte Fischhof, der Vater, seinen Sohn auf etwas' von den erlauschten Klängen ihrern Tondichter vorznsühren. Dies geschah. Strauß war zunächst sprachlos, „dann aber sauste und schnauzte er mich zornerfüllt an ntid gab mir einige Namen, die nicht im Kalender stehen. Scksließlich beteuerte er, fortan sorgen zu ivotleu, daß dem Nialesizbuben das Horchen an der Wand vergelten werde." Tatsächlich ließ er sein Instrument in ein anderes Zimmer bringen. - Mit der bedeutendsten (Hsicheinung des Wiener Musiklebens seiner Zeit wurde Fischhof zwischen Bier und Wein betannt: so.lernte er Johannes Brahms kennen. In der Folge kam er oft im Lokale des Tonkünstlervereins mit ihin zusammen, und jeden Montag hatte er Gelegenheit, die schroffe, unlieben swür di Ae Art des großen Hamburger Nteisters zu beobachten: aus seinem Munde prasselten oft schotmngslvse Bosheiten, und eines Abends benahm er sich gegen ledermann so unerträglich, bis er selbst fühlte, daß er in seinem Sarkasmus zu weit gegangen war. Beim Fortgehen verabschiedete er sich mit einer Mischamg von Humor und
Gutmütigkeit mit den Worten: „Ist etwa noch einer da, den ich -- Nicht beleidigt habe?" Er konnte aber von geinütvoller, geist- delebter Munterkeit sein, und oft leuchteten seine fristall hellen, blauen A^lgen :n frischer soimiger Herzlichkeit. Niemals war er in besserer ^tlniniung, als wenn er ein selbstgekauftes Exeniplar des ^»alonolattes seftren Bekam:ten nsit Behagen präsentierte, in dem emer der scharfen Usbergrisse .Hügo Wolfs (der dastrals Kritiken Arwb> gegen ihn zu sinden war. — Mil Pauline Lucra stand Fischhof seit früher Jugend in freundschaftlichem Verkehr. .Ihr verdankt er ein paar lsiibsch? Geschichten aus jener Zeit, wo sie ;ju> triftt zwm Berliner Hofe fand. Kaiserin Augusta war ihr anfänglich nickst besonders wohl gesinnt, der alte Kaiser dagegen zeichnete sie mtt feiner Gunst ans. Schließlich mar es unmöglich geworden, die große Sängerin bei den alftoöchendlichen .Hofwnzerten zil übergehen Sie rmirde dazu eingeladen, die Kaiserin hörte sie singen, und als die Vorträge beendet luaren, wandte sich Kaiserin Augusta an die Künstlerin mit den Worten: „Frau Lueca, singeu Sie in der Oper lieber nsit Niemanu oder mit Wachiel?" Daraus erwiderte die Lucca unverfroren im Wiener Tonfack: „Ach Majestät, das ist mir ganz Wurscht," woraus die Kaiserin sie mit den Worten „guelle horreur" stehen ließ. Kaiser Wilhelm entschädigte sie am selben Abend, nrdem er der betroffenen Wnsckerin eigenhändig eine Dasse Tee reichte nnd sie in ein ausfallend langes OZespräch zog. Ein anderinal erschien der Kaiser aus der Bühne: die Lncca sah ihn, eilte auf ihn zu und küßte ihm ehrfurchtsvoll die Hand, woraus der Kaiser sagte: „Paulchen, das ist sticht reckst, das darf nicht sein." Er ergriff hierauf ihre Hand und küßte sie mit großer Galanterie. Kurz daraus wunde uneder eine Vorstell^ init der Lucea im Openihause angesagt. In der Erwartung, daß der Kaiser wieder ans die Bühne kominen würde, malte die Lucca in übermütiger Laune einen grauen Fleck aus ihre rechte Hand. Als mm der Monarch wirklich im Zwischenakte auf die Lucca zutrat, bemerkte er bei der sich tief verneigenden Künstlerin die unreinlich auSsehende Hand: „Pfui, Paulchen." sagte er, „was soll das bedeuten, so schmutzige Hände zn haben " ivoraus „Paulchen" mit schelmischer Grandezza erwiderte: Ew. Majestät geruhten, diese Hand zu küssen — und sie stsird fortan nie mehr gewaschen werden." — Durch Pauline Lucca wurde Fischhof mit Mathilde Wesendouk bekannt. Aus ihrem Munde hat er so manches über Richardi Wagner erfahren. „Einst fühlte ich mich sehr leidend <so erzählte sie ihm), nnd als ein Arzt zu Rate gezogen wurde, erklärte dieser, daß es unerläßlich notwendig sei, ein halbes Jahr ans der Chaise
longue zu verbringen. Ich brach nach dieser Verordmmg in Tränen! aus nud^umr untröstlich. Wie ein Sonnenstrahl erschien in dieser trüben stunde Wagner bei mir, und als er von meinem schnierz- lrchen Los Kenntnis erhielt, versprach er, ivähreud der ganzen Zeit meiner Fesseln mich täglich: zu besuchen. Er hielt aus, getreulich fern Bersprechen und Ist,tote mir ohne Ausnahnie jeden "Nachmittag! wahrend meiner Erkrankung stundenlmrg Gesellschaft." Bon Fraic Weseiidonl erhielt <v>schhof eine schöne Richard Wagner-Erinnerung, in Ge,lall eines Fatjimiles des Textes der Meistersinger Auf der ersten Sem: findet sich eine Bemerkung für den Setzer- , In dem! vorliegenden .Ntanustript finden durchgängig dreierlei' Artet: den MitAetznng der VerSzeilen statt, die ich — genau nach der Hand- Krtst — me zu verwechseln bitte. Auch wünsche ich die Nement Buchftaben an der Spitze der Verszeilen beizubehalten, natürlich außer ivenn d:e oorangegaugeue Interpunktion den großen Anfang- buchstaben verlangt. Richard Wagner" — ' ^
- D e r falsche ga 1 llsche Hah n. Der „Figaro" äutzerp ui semer fungste.i Nummer seme Empörung gegen bc.t Herausgeber des nordamerikansicheu Blattes .The Michigan Preß", und zwar handelt es sich um emen Angriff gegen das über aNes ge- liebte vumbol. den sog. gallischen Hahn. Das amerikanische Blati au§ > nlcht der Hahn, sondern vielmehr das — W.ldschwem, 8U3 ge.\hcus, das Wahrzeichen der wahren Gallier ge- wesen sei. Nicht der Hahn sondern das Wildschwein sei ans den. meisten galliichen Münzen abgebildet gewesen, und zwar nicht nnr n Frankreich, ,andern auch auf den gallischen Münzen, die in Eng- J?'»f pan * cn ' Jllyrieg usw. verwendet wurden. Bon Eurova bis nach K en,asten habe alles, was gallisch war. sich des Wildschweines als nnlltar-ischen wie auch nationalen Symbols bedient. Der heule übliche gallische Hahn hingegen verdanke seinen Ursprting nnr einem latemischen Wortspiel, da ..^llu8' so,oohl Gallier wie Hahn de! deute. Wie man sich leicht denken kann, läßt der .Figaro" {ri„„ fflut neflen biefen -»nerikanilchen .Angriff- ans, mbem er erklär, bau nur der hal,n w.rkl.ch gaNsich fei. Denn nicht ein Ail könne den rrenff.Ich.n Adler dekanw'-n. sondern nur f
edle Berknnder des Sonnenausganges! ''
Graz, 17. Januar. (WTB. ''Nichtaiilftich > De, 4.
Tr. Wilhelnr Kienzl feierte heute seinen 60 evipfm C ltnb ihm zahlreiche Glückwünsche zugelonnue,^, von
Generalmtendanz.der Kömglichen Schauspiele in Beiliu 0 v, Direktwn des vostheaterS m Mmtchen und von musikhiftorl scheu Museums in Frankchrt a Main ^ luftl ° n


