Ausgabe 
30.1.1917 Erstes Blatt
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. Januar 1917.

Gedenket der hungernden Vögel!

_ »*. 1* ?L U ? *£**£ " H,jL e n Unteroffizier Rich. 9J| ü Her beim Feld-Art:ller:e-Dqt. Nr. 260 wurde mit der Hessischen Tapserkeits- Medaille ausgezeichnet. Schon im vorigen Jabre erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Dem Musketier Fritz Paul nu5 Gießen (116/5), der zurzeit schwer verivuiidet in einein Lazarett in Berliii untergebracht ist, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehe,i. Karl Burger Beamter der Reichsbankstelle Gieße.:, zurzeit Feldwebelleutnant und.Kompagnieführer der 2. Komp. Armierunas- Bataillon 172, wurde am 27. Jan. das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehe::.

^ u 3 3 e i ch n u n g. £nrtnannt Otto Wagner vom Land- sturm-Jnf.-Batt. Gießen 18/9 Beamter der Gail'schen Dcnnpf- zieg-elei und Dvnwarensabrit, dahier der gegenwärtig einer Divisvou als Konrpagnie-Führer zuge teilt ist, wurde ^ mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet.

.. ** " e " e »ie Hessische Medaille. Anläßlich des

IbechnachtSsestes erhielten die hessischen Soldaten aus dem süd- dltlichen K^Eg^scbauplatze voin Großherzogspaar eine Medaille mit folgenden Inschriften:Treue Segenswünsche und Gedenken ,Eleonore Ernst Ludwig 24. XII. 1916".

. Die Feier ihrer Silbernen Hochzeit begehen heilte Bademeister Andrec.8 Rödel und Frau. Rödel ist seit Er° Öffnung deS BolksbadeS als Schwimmlehrer dort angeslellt und war vorher schon lange Jahre als solcher in der Rübsamen'schen Bade­anstalt tätig.

.. ** 2 0 Mark Belohnung. Heute vormittag wurden in

hiesiger SlMt von der Neustadt vis zum .Hauptpostamt in. der Bahrrhofstraße 4 80 Mark, aus Papiergeld bestellend, die sich rn emem grünen Sammetbeutel befanden, verloren. Ten: Finder ^^En 2 O M a r kB elohnnng zugesicheitt. Wer Wer den Ber- blerb des Geldes Auskunft z:u geben vermag, wird gebeten, dies der Polizeiwaäie Gr. Polizeiamts dalster mitzutcileii.

Glatteis. Auf zahlreichen Fußsteigen bilden ftch m den Mittagsstunde:! durch von den Dächern herabträuselnde Wasiertrvpsen Pfützen, die, uienn die Sonne an Kraft verliert, ge­frieren und zu Glatteis werden. Wir nrachen darauf aufmerksam, daß es die Pflicht der Hausbesitzer oder deren Vertreter ist, diese für den Fußgängerverkehr gefährlichen Stellen zu entfernen oder durch Bestreuen mit Asche oder ähnlichen Teckmaterial ungefähr­lich zu machen. Für etwa entstehende Unglücksfälle haftet, soweit rricht seitens der Stadt die Fußsteige gereinigt werden, der Haus­eigentümer.

** Eine öffentliche Sitzu n g des Provinzial- Ausfchusses der Provinz Oberhessen findet Samstag, den 3. Februar 1917, vormittags 9 Uhr, im Sitzungssaal des Re­gierungsgebäudes statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Verteilung der Geländeerwerbskosten für die Wettertalbahn. 2. Antrag der Gemeinde Steinftrrth auf Llblösung der der Gesaintsannkie Löw von und zu Steinfurch obliegenden Verpflichtung der Anschaffung und Unterhaltung des Faselviehs.

** AusdemStadtheaterbureau. Von dem Gastspiel des Konigl. Bayr. .Hofschauspielers Max H o f p a u e r am kom­menden Freitag soll hier noch einem Geleittoopte des Münchener Schriftstellers Dr. Michael Georg Conrad Raum gegeben werden, der sich über den genannten DarsteNier und Rezitator folgender ­maßen äußert: /,Nennt man die besten Namen aus der Münchener .Ärnstwelt, so erscheint Max H o f p a u e r mit in der ersten Reihe. Ter Glcrnz echter Volkstümlichkeit, der das Charakterbild unver­gänglicher Zierden der königlichen Musentempel an der Isar um­wittert, ist nrft nicht geringer Kraft auch an dem Namen Max Hof- paners haften geblieben. Rastlos Wie seine berühmten Kunstgenossen ist er in die Welt gezogen, um überall, in Nord und Süd, Ost und West,, eine unvergänglich leuchtende Spur echtester Münchener Kunst zurückzulassen. Me er einst im Volksstück durch seine Triumph­züge in Europa und Amerika denr deutschen Namen Ruhm erwarb, so finden wir ihn auch jetzt als Mzitator überall da, wo ein fein­sinniges Publikum den auserlesensten Schöpfungen deutscher Hoch- und Dialektdichtung Ginn und Verständnis entgegenbringt.

** Oberhessischer Kunstverein. Die zur Aus­stellung angemeldetdn Kunstwerke sind nimm ehr einge- trvsfen, so daß die Eröffnung der Ausstellung am nächsten Sonntag erfolgen kann. Me Ausstellung wird auch diesmal wieder eine stattliche Reihe künsllerischer Werke aufzuweifen haben.

** Die Leitung des Soldatenheims veranstaltete am Vorabend von Kaisers Geburtstag eine schöne Feier. Außer der Kapelle des hiesigen Ersatz-Bataillons wirkte Fräulein Stammler von hier mit, die eine Reihe von Liedern recht wirkungsvoll zu Gehör brachte. Herr Pfarrer Steubing hielt eine zündende Ansprache, die in einem dreifachen Doch aus unseren Kaiser ausklang. Der Saal und die Nebenräume waren dicht besetzt; alle Darbietungen fanden lebhaften Beifall der Zuhörer.

Eierkarten treten am 5. Februar d. I. in Kraft. Die näheren Bestimmungen über diese jüngste Lebensmittelkarte sind au? einer Bekanntmachung im Anzeigenteil zu ersehen.

"Die Auszahlung der F a m i l i e n u n t e r st ü tz ungen an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen für 1. biß 15. Februar berw. für Januar findet vom 31. Januar bis 7. Februar 'tatt. Siehe Bekanntmachung.

- ** Im Lichtspielhaus Bahnhofftr. 34 wift) heute abend

zum letzter: Male Homunculus, 4. Teil, die Rache des Hvmunculus mit Olaf Fönes in der Hauptrolle gegeben. Ta der vierte Teil hinter seinen Vorgängern in keiner Weise zurücksteht, kann der Besuch der Vorführung nur empfohlen werden, zumal da auch noch ein gutes Beiprogramm den Rest des Abends ausfüllt.

" I m Schwarz-Weiß-Theater. SelterZweg 81, kommt ab Dienstag, 30. Januar, bis einschl. Freitag, 2. Februar zur Aufführung einer der schönsten H e nny P or t e n - Films Der Weg des Lebens", ein ergreifendes Schauspiel in drei Akten. Da Henna Porten eine bekannte und beliebte Schau- spielerin ist, dürfte dieser Film von besonderem Jntereffe sein. Als zweiter Schlager istTie Beichte einer Verurteilten" ein spannen­des Kriminaldrama in drei Akten mit der deutschen Tragödin Adele Sandrock in der Hauptrolle vorgesehen. Außerdem enthält der Spielplan noch das gute Beiprogramm.

** Berichtigung. In der Anzeige des Zweigvereins vom Roten Kreuz und Alice-Frauenverein. Zweigverein Gießen, in Nr. 23 vom 27. Januar ist ein Druckfehler enthalten. Die Kasse des Roten Kreuzes (Geburtstagsspende usw.) ist Mittwochs und Sonntags (nicht Samstags, wie irrtümlich veröffentlicht) gänz­lich geschloffen.

** Das heutige Kreisblatt Nr. 17 enthalt Bekannt­machungen Wer die Regelung der Einfuhr, StundungsVorschriften der Zahlungs Verbote gegen das feindliche Ausland, Stickstoff. Druckpapier, Hegezeit für - Wildenten und Entschädigung für ge­fallene Tiere.

Landkreis Gießen.

th. Linden st ruth, 28. Jan. In der letzten Zeit wurden wieder einige unserer Krieger ausgezeichnet. Unteroffizier d. L. Wilh R e i ch m a n n, der in den Käinpien vor Verdun im Früh- ahre schwer verwundet und kürzlich vom Militär entlassen wurde, erhielt vor Weihnachten das Eiserne Kreuz. Dieselbe Auszeichnung erhielt der Musketier Wilh. Albach, der an der Somme kämpfte. Für seine Verdienste in denselben Kämpfen erhielt Musketier Wilh. B r ä u n i n g die Hessische Tapferkeitsmedaille und dieser Tage wurde dem seit Kriegsausbruch ohne Unterbrechung im Landw.- Jnf.-Rgt. Nr. 116 kämpfenden Wehrmann Max G e r t h das Eiserne Kreuz verliehen.

l^ L a n g -- G ö n s , 30. Jan. Dem Fahrer Karl R o m p s würbe dre Hessische TapserkeitsMedaille verliehen. Karl Rompf ist der Sohn des Konrad Rompf VII., Landwirt.

"'Langd, 30. Jan. Schütze Her»nann Velten erhielt das Eiserne Kreuz, weil er ein Maschinengewehr bei den Kämpfen vor Verdun mit zurückbrachte, damit es nicht in Feindeshand kam.

** Rödgen, 30. Jan. Dem Gefreiten Wilhelm B a l s e r in . mein Gardedragoner-Regiment, wurde zu Weihnachten das Eiserne Kreuz verliehen. Wilhelm Balstr rückte als aktiver Soldat mit

seinem Regiment aus, m Ostern erhielt er die Hessische Tapferkeits- meomlle, :m September wurde er zum Gefreiten befördert. Er nahm

an den Kämpfen in Frankreich, Rußland, Galizien und Rumä­nien teil.

Kreis Büdingen.

~~ üdingen, 28. Fan. Gegen die Viehhalter, die ihre E- nnt v e r b 6 t c n e n Futtermitteln füttern, unternimm:

Kre:samt energische Schritte. Sämtliche Metzger und 'ckegchveschauer haben in Zukun't den Mögen-, Vai:sen- und Darin- nrhalt der von ihnen geschlachteten und besichtigten Tiere zu unter- >»chen. Wem: sie verbotene Futtermittel finde,:, haben sie unverzüg­lich den Behörden Anzeige zu erstatten.

, . B i s s e s , 29. Jan. Die Hessische Tapierkeitsinedaille er­hielt der Musketier Heinrich Müller im Jnf.°Regt. 186.

dcidda, 29. Jan. Heute wurde hier unter großer Be­leck: gung der hiesigen Einwohner und Vereine der zweitälteste Burger unserer -Stadt, Barbier und Heilgehilfe Engelhard F erro, Mt ewigen Ruhe begleitet. Er. hatte ein Alter von beinahe od Zähren erreicht, war von Friedberg gebürtig, aber hier über iO.Jahre ansässig und bis vor wenigen Jahren in seinem Berufe tattg. ^er Versijorbene kam 1845 hier her und wurde 1848 Mitglied der Niddaer Bürgergarde. Deshalb wurde dem Sarge auch d:c alte Fahne der Bürgerwehr von 1848 vorangetragem Jetzt lebt nur noch ein Mitglied dieser alten Volkswehr in unserer Ltadt.

Kreis Alsfeld.

4t- Zell, 29. Inn. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Lehrer Georg Gieg.

Kreis Lauterbach.

z. Crainfeld, 29. Jan. Auch aus unserer Gemeinde hat der Krieg wiederum ein Opfer gefordert, Wilhelm Oechler, welcher bei einer Maschinengewehr-Kompagnie stand, ist im Westen an der Son:me vor einigen Tagen gefallen. Es ist dieses schon der zweite Sohn, welchen die Wittve Louise Oechler dürft: den Krieg verliert. Gleichzeitig mit dieser Trauerbotschaft erhielt sie auch die^ Nachricht, daß ihr ältester Sohn Karl, welcher in einem Reserve-Jnfanterie-Negiment diente, durch einen Knieschuß ver­wundet, in Rumänien in einem Feldlazarett liege.

Kreis Friedberg.

Q. Bad-Nauheim, 29. Jan. Um unseren hier weilenden Kriegern eine würdige Kaiser-Geburtstagsfeier be­reiten zu können, wurde in letzter Sttrnde noch Rat geschaffen. Ta das Konzerthaus wegen Heizungsschwierigkeiten nicht benutzt wurden konnte, nnicbeu im Theaters aal des Kurhauses und in der Ernst Ludwig-Schule zu gleicher Zeit Feiern abgehalten. Im Kurhaus hielt Prof. Dr. Strecke r die Festrede :rnd es wirkten die vereinigter: Männerchöre, unter Leitung des Lehrers W. Bech- tolsheim e r^ mit, während bei der Feier in der Schule dils Lehrerin Frl. S i tt e sprach und der Schülerchor der Anstalt unter Leitrmg des Lehrers B e n n e r sang.

Starkenburg und Rheinhessen.

ha. Tarmstedt, 28. Jan. Zur Feier des Geburts­tags Kaiser Wilhelms fand gestern abend im Kaiserfaal eine von allen Parteien außer den Sozialdemokraten gemeinsame Nationallibcralci:, Fortschrittliche Volkspartei, Zentruni, Kon­servativen, Alldeutscher Verband, Darmstädter Turnerschaft, Ver­einigte Kriegervereine große vaterländische K u n d g e -- ibung statt. In denr überfüllten Saale waren auch die drei Mi­nister, die Generalität und Damen und .Herren aus allen Ständen vertreten. Nach einer von der Militärkapelle des 1. Ersatz-Ball. Leibgarde-Jnsanterie-Regiment 115 vorgetragenen Jubelouverture und einem vaterländischen Gedicht hielt Kreisschulinspektor, Prof, "und Hauptmann Kis s i n ger , eine kraftvolle Festrede, in der er den Kaiser als den edlen Friedens fürsten und Menschen feierte^ der nur durchs die Feinde Deutschlands zum Krieg gezwungen wurde. Tie Versammlung stimmte unter dreimaligem JWelrus aus den Kaiser folgender Entschließung zu:Tie heute am Geburtstage Sr. Mas. des Kaisers aus Veranlassung der Vereinigten Krieger­vereine, von Männern aller Parteien berufene, überaus zahlreiche Versammlung von Frauen und Männern aller Kreise und Stände von Darm stad t begrüßt den kaiserlichen Ausruf an das deutsche Volk vom 12. Januar mit voller Begeisterung. Sie ist von dem ftahlharten Entschluß durchdrungen, mit uns arm Kaiser und seinen hohen Verbündeten, mit unserm tapferen Heere und unserer uner­schrockenen Marine bis zum letzten Atemzuge auszuharrrn und ftstzustehen in allen Nöten bis zum endgültigen Siege unserer ge­rechten Sache über unsere uns mit Vernichtung drohenden Feinde."

Kreis Wetzlar.

** Krofdorf, 28. Jan.^nr Berichtigung unserer Notiz in Nr. 23 von: Tünsberg über Erlegen von Schwarzkitteln in: Kros- dorfer Forst wird uns mttgeteilt, daß die erlegten Tiere, von denen unser dortiger Berichterstatter schrieb, keine Schwarzkittel, sondern B ä r e waren.

Hessen-Nassau.

F. C. Bad Homburg. 28. Jan. Beim Oesst:en einer Flasche Waschpulver .Rubinat" in der dlähe eines offenen Lichtes explo­dierte das aufgelöste Waschpulver, wodurch ein lOjähriges Mädchen schwere Brandwunden erlitt, so daß sie Ausnahme im Krankenhaus finden mußte.

mr. Frankfurt a M., 29. Jan. Oberbürgermeister Dr. Voigt erhielt zu Kaisers Geburtstag das Eiserne Kreuz am weiß- schwarzen Bande für Kriegsverdienste in der Heimat. Heute verstarb der bekannte Schopenhauer-Biograph Gehetmrat Wilheln: von G w i n n e r im 92. Lebensjahre.

Frankfurt a. M., 29. Jan. Die Stadt läßt auf dein Starkeplatz neben dein ehemaligen Polizeipräsidium eine neue Markthalle errichten, in der hauptsächlich städtische Lebens­mittel verkauft iverden sollen. Die Beförderung der Waren nach dieser Markthalle geschieht nachts mit der städtischen Straßenbahn.

Frankfurt a. M., 29. Jan. In der vergangener: Nacht stürzte der 67jährige Eisenbahnarbetter HanS Schierstein in der Lützowstraße nieder und fiel in Ohnmacht. Da die etwas ein­same Straße inehrere Stunden hindurch von nieinand passiert wurde, erfror der alte Mann. Heute früh fand man seine Leiche.

ra. Bonder mittlepenLahn, 30.Jan. Der Mittellauf der Lahn ist seit einigen Tagen vollständig zugefroren. Von Wetzlar bis Weilburg trägt der Flutz eine ununterbrochene Eisdecke, auf der am Sonntag reges Schlittschuhtreiben lierrschte. Abseits des Flusses finden sich große zugesrorene Wassierlachen, die vom letzten Hoch­wasser zurückgeblieben sind. Die Gewinnung von Natureis ist im flotten Gange.

Grehener Nonzertverein.

Der Sonatenabend der Briider Busch bot ellvas schlechthin menschlich Vollkommenes. Die Zeiten Meister Joachims schienen wiedergekehrt. Tie Größe des Stils, die klassische Rnhe, die absolüt reine Jntonaliou, die ausgeseilte Bogentechnik und die Fülle uick> Beseeltheit des Tones, die der Altmeister der Violine besessen, sie zeichnen auch Adolf Busch ccus. Er brillier: nicht nrit billiges Virtuosenmätzchen, er macht keinerlei Konzcisi.' - an das Publi­kum, sein Spiel ist 'belebt von dem Gefühl einer großen Verant­wortlichkeit gege::über Werken rmserer großen Meister. Musikdirek­tor Fritz Busch steht seinem Bruder kongenial znr Seite. Auch bei ih:n klassische Ruhe, Beseeltheit des Tones und souveräne Be- herrschrmg der Technik. Die beiden Herren stellen im Zusammen­spiel einen Ausdruckswillen dar, sie sind gleichen Geistes und gleicher Liebe voll zu den Werken, die sic intcrpretteren. Auf Wunsch der Herren wurde eine Umstellung des Programms oor- genommen, so daß Brahms zuerst, dann Bach, Beethoven und zuletzt Reaer geboten lourden.

Tie Brahin'scke D-moll-Sonate, eines der schwersten, nicht ge­rade leicht verständlichsten Werke, eröfftntteden Abend. Vielleicht iväre cs angebracht gewesen, Brahms in die Mftte zu legen, denn mit dem 1., jenen: tief innerlichen, voll herrlicher Dramatik erftlllten Satze schienen die Zuhörer sich noch nicht recht befteunden zu können. Tie wundervolle Geigenmelodie des Adagios, die zuerst auf der G-Saite ertönt, von einem Konttapunkt des Klaviers be- gleftet wird, variiert und gesteigert in der höheren Oktave wiederkehrt, um dann sanft urw feierlich zu verhallen, brachte erst das Publikum in warme, aufnahmefähige Sttminung, die nach

dem Presto dpitoto des Finales sich in lautem Beifall äußert^. Das Gegenspiel der zigeunernden Tarantelle und des zwciten, gemessenen Themas kamen besonders wirkungsvoll z:cm Ausdruck., Tie Klavierpartie ist sehr reich ausgestattet und erfordert, wie in den Sextengängen der Coda des Allegro und den Oktavenläufen im Presto des Schlußsatzes die technische Vollendung eines ^ßir- 1 tuosen.

Tie grandiose Gestaltm:g des Präludiums und der Fuge ans der erste:: Solosonatc von Bach füllte Adolf Busch mit größter Meisterschaft durch. Ein musikalisches Erfassen war hier mit einer technischen Vollkommenheit vereint, wie sie nur wenige KAnstler besitzen.

Die wuWervollc Klarheit des Zusammenspiels der beiden; Künstler zeichnete auch die Wiedergabe der Beell)vvcn'schen So-; nate aus, deren 3 Sätze, das leidenschaftliche Presto, das oreit ausgespomrene Andante scherzoso unb das phantastische Allegro molto geradezu plastisch zur Wirkung kamen.

Den Abend beschloß, zum Gedenken des verstorbene:: Me:sters gespielt, Max NegersSuite im alten Styl". Fast den größten Eindruck des Abends brachte dieses Werk. Die Liebe und Be­geisterung der beiden Künstler für den toten Meister und sein Werk hörte und fühlte man aus jedem Ton. Das Präludium ist ein in absolut Bach'schem Geiste gehaltenes freies Voripiet. Un- 'iiagbarer Schmerz, todestraurige Verlassenheit spricht aus dem Largo zu uns. Doch mischt sich in all diese Klänge der Ausdruck tief religiösen Vertrauens, das wir, aus der nicht imbeWsichtigten kleine:: Erinnerung an denKarfteitagszauber" und an sein eigenes WerkAn die Hoffnung" heraushören.

Das thematisch-technische Meisterwerk der Fuge, deren Haupt- the:na den Hörer vis zum Ende in allen nur möglichen Variatio­nen begleitet, wurde von den Künstlern mit der größten HinAabe und detailliertester Phrasierung, mit echt Rcger'schem Pianisftmo und machtvollstem Fortissimo zu Gehör gebracht, so daß die Fuge mit monumentaler Wüvde und Größe abschloß. Ter, Besuch des Konzertes war sehr gut und strafte die im Krieg so oft gebrauchte Sentenzinter arma silent musae" wiederun: Lügen. #

ZCunft rrnd rvisßenschakt.

Wilhelm Wundt in Ruhestand getreten.

Ans Leipzig wird berichtet, daß der berühmte Philosoph Willielm Wundt, der, obgleich 85jälMg, bis jetzt sein Lehramt in voller Frische und Rüstigkeit ausWte, am 1. Oktvber in dien RuhestaW treten wird.

Wilhelm Trübner nach Berlin vernftn.

In verschiedenen Blättern heißt es, der bekannte Geschichts-- und Bildnismaler Wilhelm Trübner in Karlsruhe habe einen Ruf zur Uebernahme eines Meisterateliers und Lehramtes an der Akademie der bildenden Künste in Berlin erhalten.

Zürich, 29. Jan. (WTB.) Das Richard Strauß- Gastspiel in der Schweiz brachte gchtern in Zürich die Auf­führung derAriadne auf Naxos" in einer neuen Fassung. Strauß dirigierte sein Werk in dieser Neubearbeitung zum ersten Male selbst. Der Ersatz der beiden Moliereschen Akte drrrch eini ernaktiges Vorspiel, der die eigeittliche Oper aus einem Anhängsel 'nun znm .Hauptteil des Werkes^ gemacht hat, erwies sich als ein Gewinn von hoher künstlerischer Bedeutung. Tie viel vollendetere Ein Heft ist vor: dem Dichter .Hngv von HofmaNnsthal und von dem Komponisten geschassen. Die höchst lebendige, reizvolle, über, alle Heiterkeft zu bedeutungsvolle: Ernst ansteigende Idee des ganzen tritt jetzt erst rein ixn£ vollendet hervor. Strauß leitet das Orchester mit einem großen ganz an sein Werk hingegebeneu Schivunge und dabei fernster Ausarbeitung der zahllosen einzelnen Schönheiten. Die Ausführuirg fand tu dem Rahmen eines Gastspiels deÄ Mannheimer Hoftheaters statt. Als Gäste wirkten mft: Marie Jeritza als .Ariadne, Marie Gutheit-Schoder als iungrp Komponist und Karl Ocstvig als Bacchus. Die Spielleittmg des Mannheinver Jntcndauteu Karl Hagennrnn traf ausgezeichnet den Stll des Werkes. Wie sehr die neue Auffasftmg mrch der äußeren Wirkung zugute gekommen ist, betvies der nicht endende stürmische Beifall, der dem Kompoirfften, Dichter, Sängern und dem Spiel­leiter von dem ausverkauften Hmffe zuteck wurde. Die Bühne lvar mft Blumen und Kränzen bedectt. Strauß mußte fünfzehnmal erscheinen, um den Dank entgegenzunehmen.

Berlin, 29.'Jan. TieB. Z. a. Mittag" meldet: In einein Hause im Norden Berlins warrde in der vergangenen Nacht ein 8 4 j ä h r i g e r P v st s e k r e 1 ä r a. D. von seiner Wirtin, einer 64jährigen Schaffnerin, erschlagen, weil er zur Erwärnmng seines Zimmers Preßkohlen aus der Küche holen wollte. Der Greis verblutete, ehe Hilfe zur Stelle war, während die Mörderin, die sich mehrere erhebliche Bcrletznngen beigebracht hatte, als Ge­fangene nach der Charftee überführt wurde.

Verinischter.

* Dresden, 29. Jan. (WTB.) Mitteilung der Königlichen Generaldirektion der sächsische:: Staatseisenbahnen. Aus dem Bahn­hof Bischofswerda fuhr in der Nacht zum 29. Januar infolge Ueber- sahrens des auf Halt! stehenden Einfahrtssignals durch den Güter- zug 6834 dck: von 'Zittm: kommende Uülauberzug 834, der freie Einfahrt hatte, dem Güterz-ng in die Flanke. Es wurden meh­rere Wagen um^estürzt. Eine Anzahl Wagen w::rde beschädigt, wo­durch größerer Sachschaden entstand. Der im Packmeisterwagen des Personenzuges diensttuende Schaffner Zönnchen -Dresden wurde erheblich vettvundet. Von den Reisenden wurde niemand verletzt. Durch den Unfall wurden beide Hauptgeleise der Linie Görlitz Dresden gesperrt. Der Betrieb wird durch Umleften über Wilthen auftechterhaltcu. Nachdem es gelungen war, bis 10 Uhr vormittags das Hauptgeleise wieder fahrbar zu niachen, w::rde von dieser Zerj ab der Betrieb zwischen Mschofswerda und Demitz eingleisig ein-- geftrhrt. (

Letzte Nachrichten.

Ratiorialausschuh ftir Frauenarbeit.

Berlin, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlicku) Einem Rufe des Kriegsamtes folgend, sind heute Vertreter einer großen Anzahl' von führenden Frauenvereinen, von Fürsorge- und anderen Or­ganisationen, die sich die Kriegsivohlfahrtspflsge für arbeitende Frauen :md deren Familien zur Aufgabe machen, ferner Ver­treter der organisierten weiblichen Arbeftersch^ftt selbst zur Bil­dung eines Nationalausschusses für Frauenarbeft im Kriege unter dem Vorsitz des Generalleutnants Gröner ziffammengetrete::. Ihre Majestät die Kaiserin hat das Protektorat über die neue Or­ganisation übernommen, lieber die Zusammensetzung des Aus-, jlclfusses im einzelnen und die besondere Organisation, die das Kriegsamt für die Zusainmenarbeit mit dew in dein' Ausschuß ver­tretener: Verbänden und Vereinen geschaffen hat mtb über die Auf­gaben und Ziele, die das Kriegsamt sich aus dem Gebiete der Or- ganisatton der Frauenarbeit gesteckt hat, werden demnächst ern^ gehende Mitteilungen erfolgen.

I Unruhen in Französisch-Westafrika.

Paris, 29. Jan. (WT.B. Nichtamtl.» LautTernps" er­klärte der Generalgouvcrneur von Französisch-Wcstafrika, daß I die Finanzlage der >bolonie dank der ho^hen (Annahmen nnd der- Ausfuhrzölle zwar günstig sei, die politt'sche Lage jedoch zu Be ; denken Anlaß gebe. Seft Ende 1915 machte sich infolge der Aus­hebung von 50 000 Eingeborenen eine aufständische Bewegung 1 geltend, welche nach den Mißerfolgen der zu ihrer Bekämpf:!ng nach dem Niger-B:>gen entsandten Truppen einen bedenkliche-u Umfang annahm und erst nach sechsmonatigen sehr energischew Bemühungen in den Küstengebieten niedergckämpft werden konnte, während bei Timbuktu, im Hadgebiet, in der ganzen französi-^ scheu Sahara und im svanzöfischen Aeguatorial-Aftika die äugen i slchcinlich mft dem Aufftand in Tripolftanien zusanunenhängendeü Unruhen wefterbestehen. Die Aufständischen rekri:tterten sich zu­meist aus Fettschisten. Ferner erklärte der Generalgouvevneur^ daß zwischen Frankreich, Westasrika und Dtarokko die Verbindung hergestellt sei, so daß die Verwaltungsbehörden beider Gebiete gemeinsam eine beruhigende Aktion auf die Anhänger des vach Südmarokko geflüchteten El Hiba, dessen Autorität sich bis nach Aeguatorial-Afrika erstrecke, unternehmen könne.