des § 2 über bie Freilassuna bcr politischen Gefangenen an und neunte Kenntnis von den Erklärungen der Alliierten über die Aufhebung der Blockade.
Aus Norwegen.
Kristiania, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Bei dem gestrigen Festessen für das neuzusaminengetretene Storting sagte der König: Ohne Uebertveibung kann man sagen, daß die ernsteste Zeit uns noch bevor steht. Obwohl die Verantwortlichen Männer sich lehrlich bestrebteir, strenge Neutralität zu beobachten, scheint es, als ob die Forderungen, die an diese gestellt werden, immer weiter steigen, was die Lage erschwert. Aber ich will die innige Hoffnung aus- sprechen, daß es gelingen nröge, das Land auch fernerhin außerhalb der Schrecken des Krieges!zu halten, wenn sich alle ihrer Verantwortung bewußt sind.
Der Seekrieg.
Ein deutsches Kaperschiff.
Amsterdam, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Wortlaut der bereits gemeldeten Bekanntmachung der englischen Mrniralität über die Versenkung von Handelsschiffen geht hervor, daß es sich um das Werk eines deutschen Kaperschiffes handelt. Der als „Netterby Hall" gemeldete Dampfer dürfte richtig „Netherby Hall" heißen. An Stelle von „Georgie" ist vermutlich „Georgic" (White Star Line), ein Dampfer von 10077 Br.-R.-T., zu lesen; an Stelle von „Amieres" vielleicht „Asnieres", ein Segelschiff von 3103 Tonnen.
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London, 18. Jan. (WTB.) Lloyds meldet: Der norwegische Dampfer „City of Tampice" wurde versenkt. Es bestätigt sich, daß der Dampfer „Hansi" aus Bergen am 7. Januar versenkt wurde. Die Besatzung ist gerettet.
Londo n, 19. Jan. sWTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel det, daß der britische Dampfer „Auchenrag" (3916 Br.- R.-T.), der dänische Dampfer „O rnlf (1574 Br.-Rj.--T.) und der britische Segler „Kimpurney (1944 Br.-R.-T.) versenkt wurden.
London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der englische Dampfer „Master" ist nach einem Zusammenstoß gesunken. Vier Personen kamen ums Leben.
London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Lloyds mel det: Der englische Damp fer „Garfield" (3838 Ton nett) ist versenkt worden.
Kristiania, 18. Jan. (WTB.) Das Stahlschiff „Brabant" von Kristiania ist vor Flamboronghead am Montag nachmittag auf eine Mine gestoßen und gesunken. Die Besatzung wurde gerettet, ausgenommen drei Frauen.
Balfour und die Antwort auf das Friedensangebot
London, 18. Januar (WTB.) Der Staatssekretär des Meußern Ba l fvnr hat an den britischen Botschafter in Washing- öra folgende Depesche gesandt, die der Regierung der Vereinigten Staaten am 16. Januar übermittelt wurde:
Indem ich Ihnen die liebersetzung der Note der Alliierten Übersende, mochte ich folgende Bemerkung machen, die Sie zur' Kenntnis der Regierung der Vereinigten Staaten zu bringen haben:
Ich. entnehme aus dem allgemeinen Gedankengang der Note
Präsidenten, daß er, während er von dem lebhaften Wunsch erfMt rst. daß der Frieden bald kommt, mrd daß er, meim er fimrant, dauerhaft sei, sich für den Augenblick wenigstens nicht selbst mit den Bedingungen befaßt, unter welchen er zustande gebracht werden soll.
Seiner Majestät Regierung teilt völlig das Ideal des Präfix deyten, hat aber das starke Gefühl, daß die Dauerhaftigkeit dieses FmÄens m wertem Maße v-on seinem Charakter abhängen muß und daß kein dauerhaftes System internationaler B^rchungen ach Gorndlagen errichtet werden kann, die tatsächlich hoffnungs- ws und mangelhaft sind. Dies tritt klar zutage, wenn wir die HiUWtmnstände betrachten, die das Unglück ermöglicht haben, unter welchem dre Welt jetzt leidet. Diese bestanden in dem Bor- handensern einer Großmacht, die von Herrschbegierde .perzchrt wurde inmitten einer Gemeinschaft von Nationen, die mr dre Verteidigung schlecht vorbereitet waren, zwar in reichem unterstützt durch internationale Gesetze, aber durch keine Maschinerie, um sie duvchtzusetzen, und geschwächt durch die Tatsache, _ dal weder die Grenzen der verschiedenen Staaten, noch chre innere Versa, sun-g mit den Bestrebungen ihrer einzelnen Nassen überernstimmten oder ihnen eine gevchite und billige Behandlung scherten. Daß dieses Letztere Uebel stark gemildert würde, wemr die Alliierten die in ihrer gemeinschaftlichen Note entworfenen Veränderungen in der Karte Eicropas durchsetzen könnten jTt onenbar imb ich brauche nicht besonders daraus hinzuweisen ES rst tatsächlich emgewendet worden, daß die Austreibung der Türken aus Europa keinen eigentlichen oder logischen Au. an diesem allgemeinen Plane bilde. Die Schaltung des turrrmchn Reiches wurde viele Menschenatter hindurch und von emem Staatsmann von Weltruf als wesentlich für die Er- a-utung des europäischen Friedens betrachtet. Weshalb, so wird Euch, wird fetzt du Friedenssache mit dem völlkommeneü Umsturz^dieser uberlieserungsmäßigen.Politik in Verbindung gebracht. Die Antwort darauf lautet: weil die Umstande sich völlig geändert habni. Es ist unnötig, jetzt in Erwägung zu ziehen,
X r ^' >ntt ^ ten Ziiaei ' dre zwischen den kevwlvhen Rapen des nähen- Ostens vermittle, ein Plan war welche: niemals ausgeführt werden konnte, als der Sultan arrfrichng und du Mächte geeint waren. Sicher ist, iwß er jetzt m/fr, ausqeiührt werden kann. Die Türkei der Einheit und des .^«chrtttes ist mindestens ebemö barbarisch und viel aggressiver, !?ls du Türkei ,des Sultans Abdul Hamid. In den Händen Deutschlands, hat sie sogar offenbar ausgehört, ein Bollwerk des Friedens sie tvrrd offen als ein Werkzeug der Eroberung benutzt. Urtter deutschen Offizieren kämpfen jetzt türkische Soldaten Es denen sie lange vertrieben waren, und öie tür- frübc Regierung, du von Deutschland beaufsichtigt und mit allen Mitteln mckerstützt wird, ließ sich Metzeleien in Armenien und Syrien zuschulden kommen, wie sie so schrecklich selbst die Geschichte dreier unglücklichen Länder nicht aufzuweisen hat. Augenscheinlich Eidern du Frudensmteresten und die Ansprüche der Natw- mrlttäten m gleicher Weise, daß die türkische Herrschaft über ^de Rassen wenn möglich, beendet wird, und wir dürfen hoffen, daß du Austreibung der Türkei aus Europa ebenso viel zur L-ache des Friedens beitragen wird, als die Rückgabe deritalie- n.ischen Jrredenta an Italien oder jede andere der Ge- vietsveranderuugen, die in der Note der Alliierten angegeben werden.
Es ist augenscheinlich, daß solche territorialen Wiederherstellungen. wenn su auch die Gelegenheiten zum .Kriege vcrmin- En können, kerne hinreichende Sicherheit gegen dessen Wiederkehr^ buten, wenn Deutschland oder vielmehr diejenigen .Kreise ^Deutschland, die seine öffentliche Meinung bilden, seine Ge- ichrckc beherrschen und sich wiederum vorsetzen, die Welt zu be- Eiu^n-Su mögen dann zwar finden, daß Abenteuer durch die neue^^w^ng der Tinge schwieriger sind, aber kaum, daß sie unmöglich wurden. Sie werden dann immer noch ein politisches «Yftem zur Hand haben, das durch und durch auf militärischer ^unolage aufgebaut ist. Sie werden weiter große Vorräte militäri- T^.^^^'^"??^^Eustände anhäufen und weiter ihre Angriffs- me^wen vervollkommnen, sodaß ihre friedlichen Nachbarn nieder- ]üt r ^ en können, bevor sie sich selbst zur Verteidigung wrzuverettm vermögen. - L.
Wenn in dieser Weise Europa, so bald der Krieg vorbei ist, ms es zur Zeit des Beginnes des Krieges war, trotzdem aber sich nicht in größerer Sicherheit befinden wird, dann werden die Zukunftshoffnungen für die Welt, die der Präsident hegt, ihrer Erfüllung ferner als jemals sein. Sind Menschen vorhanden, welche glauben, daß internationale Verträge und Gesetze für diese jungen Zustände hinreichende Vorsorge zu treffen vermögen? Aber solche Personen beben die Lehren schlecht begriffen, die von der neuesten Geschichte so klar ausgestellt worden sind. Während die anderen Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten und Großbritannien, darnach strebten, durch Schiedsgerichtsver- träge die Sicherheit zu gewinnen, daß keine Aussicht auf Streit den Frieden stören könne, den sie dauernd zu gestalten wünschten, starw Deutschland abseits. Seine Geschichtsschreiber und Philosophen predigten den Glanz des Krieges. Macht wurde als der wahre Zweck des Staates proklamiert. Ter Generalstab schmiedete mit einer unermüdlichen Industrie zusammen die Waffen, mit welchen im geergn^en Augenblick der Machtgedanke vollendet werden sollte, ^vreje Tatsachen haben klar genug bewiesen, daß Vertragsabschlüsse zur Aufrechterhaltung des Frieders nicht dazu angetan waren, viel Geneigtheit in Berlin zu finden. Diese Tatsachen ließen darauf schließen, daß derartige, einstmals abgeschlossene Verträge schließlich unwirksam werden könnten.
Das sprang in die Augen, als der Krieg ausgebrochen war, aber dann war die Beweisführung dafür allerdings überwältigend. So lange Deutschland das Deutschland bleibt, das ohne einen Schatten von Berechtigung in barbarischer Weise ein Land über- rannle und mißhandelte, zu dessen Verteidigung es verpflichtet war, kann kein Staat seine Rechte als genügend ansehen, wenn er l^ruen besseren Schutz für sie besitzt als einen feierlichen Vertrag, xer Fall wird noch schwieriger gestaltet durch die Ueberlegung daß diese Methoden 'berechneter Grausamkeit von den Mittelmächten^ nicht nur dazu bestimmt sind, diejenigen zu zerschmettern und auszur erben, mit denen sie sich im Kriege befinden, sondern auch dazu, diejenigen einzuschüchtern, ruft denen sie noch im Frieden leben. Belgien war nicht bloß ein Opfer, es war ein Beispiel. Tie Neutralen wurden darauf hingewiesen, sich die Schand- taten zu merken, von denen seine Eroberung begleitet war, die; Schreckensherrschaft, die seiner Besetzung folgte, die Wegbringung eines Teiles seiner Bevölkerung und die grausame Unterdrückung! des zurückbleibenden Teiles.
Und damit die entweder durch die britische Flotte oder durch ihre eigenen vor den deutschen Armeen glücklicherweise geschützten Völker sich trotzdem vor den deutschen Methoden nicht sicher glau den sollten, wetteiferte das Unterseeboot innerhalb seines Wirkungsbereiches beharrlich mit den barbarischen Praktiken der Schwesterwaffen. Tie Kriegsstäbe der Zentral machte sind es sichtlich zufrieden, die Welt in Schrecken zu versetzen, wenn sie sie nur auf diese Weise ihre Schreckensherrschaft icnterwerfen können. Wenn dann die Mittelmächte erfolgreich sind, so werden sie den deutschen Methoden ihren Erfolg verdanken.
Wie kann irgend eine Reform der fttternationalen Beziehungen auf einen solchen Frieden begründet werden? Ein solcher Friede würde der Triumph alles dessen bedeuten, was den .Krieg gewiß und was ihn brutal macht. Es würde die Unzulänglichkett aller der Mittel beweisen, auf die die Zivilisation baut, um Gelegenheiten für internationale Streitigkeiten sonne deren Grausamkeit zu beseitigen. Deutschland und Oesterreich-Ungarn machten den gegenwärtigen Krieg unvermeidlich', indem sie die Rechte eines Neinen Staates antasteten, und sie erzielten ihre anfänglichen Triumphe, indem sie die das Gebiet eines anderen schützenden Verträge verletzten. Werden kleine Staaten in ihnen ihre Beschützer für Verträge erblicken können, die von ihnen als Schutz gegen Angriffe abgeschlossen worden sind? Terrorisnrus zu Lande nnd zur See wird bleiben, da er sich, als Mittel zum Siege erwiesen hat. Werden ihn die Sieger aufgeben auf einen Appell der Neutralen hin? Wenn bestehende Verträge nicht mehr sind als Fetzen Papier, können uns dann neue Verträge helfen? Wenn die Verlegung der grundlegenden Regeln des Völkerrechts von Erfolg gekrönt ist, werden die versammelten Nationen nicht umsonst daran arbeiten, diese Verträge zu verbessern? Niemand wird von ihren, Bestimmungen Nutzen haben als die Verbrecher, die sie verletzten. Tie, die sie halten, werden unter den Paragraphen leiden.
Daher kann das englische Volk, obloohl es den Wunsch des Präsidenten nach Frieden vollauf teilt, nicht glauben, daß der Frieden dauerhaft sein kann, wenn er nicht auf den Erfolg der Sache der Alliierten gegründet jfft. Denn ein dauerhafter Frieden kann kaum erwartet werden. wenn nicht drei Bedingungen erfüllt sind. Erstens, daß die bestehenden Ursachen internationaler Beunruhigung 'oweit wie möglich entfernt und geschwächt werden sollten: zweitens, daß die Angriffslust und die bedenkenlosen Mechoden der Mittelmächte bei chren eigenen Völkern in Mißkredit geraten, drittens, daß hinter allen verttagsmäßigen Mommen zur Verhütung oder Begrenzung von Feindseligkeiten irgend eine Form internationaler Sühne gesetzt werde, welche dem kühnsten Angreifer Einhalt gebietet. Diese Bedingungen mögen schwer zu erfüllen sein. Mer wir glauben, daß sie im allgemeinen im Einklang mit den Idealen des Präsidenten stehen, und wir sind überzeugt, daß keine von ihnen stlbst unvollkommen erftiltt werden kami, wenn der Friede, wenig- tens soweit Europa bettoffen wird, innerhalb! der großen Grundlinien gesichert wird, die iü der beigefugten Note gezogen sind
Deshalb hat England gebracht, bringt noch und ist bereit, noch iveiterhin Opfer an Gut und Blut zu brrngeii, die ohnegleichen in einer Geschichte dastehen. Es trägt diese schweren Lasten nicht nur um ferne verttagsnräßigen Verpflichtungen zu erfüllen, noch um einen unfruchtbaren Triumph einer Gruppe von Nationen über die anderen zu sichern. Es bringt sie, weil es fest glaubt, daß von dem Erfolg der Alliierten die Aussicht auf eine friedliche Zivilisation und auf diejenigen internationalen Refornien abhängt, welche wib die besten Denker der neuen und alten Welt zu hoffen ivagen, dev Beendigung des gegenwärtigen Unheils folgen werden
Rusfische Gefangenenbehandlung.
Während die Engländer bisher Meister ftr der Mißharrdlung dentfcher Offiziere (Barolong-, Cwmpton-, King Stephan-Fälle) und die Russen in der grausamen Behandlung gefangener deutscher Soldaten zu sein schienen, liegt jetzt ein Beweis dafür vor daß auck die Russen in der 'Behandlung deutscher gefangener '-Ofsi- zwre nicht viel mehr Anstand haben, als ihre großbritannischen Bundesgenossen.
Ter Leutnaitt zur See Killinger, lvelcher als Marine- tteger im Osten tätig war, wurde im April 1915 bei einem Anfllärungsflug zusammen mft dem Oberleuttrant v o n Gor- rissen von den Russen abcpeschpssen und stürzte mft der Maschine ins Wasser. Nach dreistündigem Treiben in den: mit Eissckwllen bedeckten Wasser wurdeir die beiden Offiziere von den Russen anf- gesischt. Rachem sie nach mehrstündiger Fahrt auf dem Wasser an Land gebracht waren, transportierte man die Deutschen in ihren nasseii Deidern ans offenen Leiterwagen im Schneegestöber nach Libau. I hre Hände halte man mit Telephon drähten
lauf den Rücken nnd die Füße kreuzweise ebenfallsl
mit solchen Drähten so gefesselt, daß ihr linker Fuß an der rechten Sprosse des Wagens und der rechte an der linken Sprosse befestigt wurde. Vor allem gab man ihnen auch keine Gelegenheit und Zeft, ihre Kleider zu trocknen, und nur ein russischer Admiral erbarmte sich der Schiffbrüchigen und schenkte ihnen znlmnmen ein Unter- beinlleid, lvelches die beiden Offfziere abioechselnd trugen. Von Libau wurden die beiden Seeoffiziere sofort über Wilna nach Petersburg gebracht, nachdem ihnen von Libau ab immer wieder eröffnet worden war, daß sie als Räuber behandelt und gehängt werden würden. In Petersburg kamen die beiden Offiziere in Einzelhaft in eine .Kerkerzelle in der be- rüchttgten Peter und Pauls-Festung. Hier ivurde .Mllinger ebenso wie von Gorrissen 6 Wochen gefangen gehalten. Nur während der ersten 8 Tage durfte er eine Stunde täglich in einem lleftien Ge- angeneirhofe an die frische Luft. Auf Wlingers Protest gegen mese würdelose Behandlung eines kriegsgefangenen Offiziers gaÄ ihm der beaussichtigeilde russische Offizier zu verstehen, daß .Mlfti- gers Lage sich sofort verbessern würde, wenn er bei dem Verhör Auslagen machen würde, die für die Russen von Wert seien. Man versuchte also, durch Erpressung einen Kriegsgefangenen zum Hochverrat zu zwmgen. Nachdem die Russerr endgültig eingesehen hatten.
daß sie von einem deutschen Offizier auf dieseni Wege nichts erfahren konnten. wurde Leutnant Killinger nach Libau abtranspor- tiert. Die Begleftniannschaften eröffneten ihm während der Reffe, daß er zur Zwangsarbeit in den Bergwerken Sibiriens „begnadigt" sei.
Tie Behandlung in den verschiedaren Gefangenenlagern spottete zum Test jeder Beschreibung. In dem Gefangenenlager von Omsk waren die Offiziere zu 50 und 60 in einem Raum znsammengcbracht. Es gab weder Matratzen noch Betten und alles wimmelte von Ungeziefer. Berschiedentliich traten .Fleckfteber und Cholera auf, den besonders unter den Mannschaften viele zum Opfer sielen. Für die insgesamt 30 0 Offiziere gab es nur eine Bedürfnisanstalt, die offen mitten aus dem Hofe lag und von welcher der Unrat niemals w e g g e s ch a f f t w u r d e. Das Gesängenengehalt für Offiziere war aut 50 Rubel festgesetzt, von welch>em man sich, selbst zu vermlegen hatte. Diese Lumme wurde zum großen Teil von den Russen unterschlagen und als Repressalie gegen Deutschlands angeblich! schlechte Gefangenenbehandlimg bis aus 18 Rubel herabgesetzt. Nur mit Hilft der Oesterreicher, die von den Russen etwas menschlicher behandelt wurden, war es den Deuffchen möglich, ihren Lebensunterhalt zu beschaffen. Für ein Teller Suppe mußte man
z. B.
Rubel an den staatlich! bestellten Kantinenwitt zahlen.
Die deutschen Offiziere wurden meistens nur in Mehwagen befördert und bis zu 30 in einem Wagen zusammengepfierchit Bei der Kälte des srbittschan Winters und der Länge des Transportes hatten die bedanernswetten Kriegsgefangenen Elftsetzliches zu leiden.^ Die Russen nahmen dabei selbst aus Verwrmdete und Kranke nichit die leiseste Rücksicht. Auch sie wurden, wie die Gefunden, in Viehwagen ttanpottiert und blieben tagelang ohne ärztliche Hilft.
Leutnant Killinger ist auf eftrem solchen Trans Pott ent- slheon und nacht einer abenteukulichen Flucht über China und Amerika nach Deutschland zurückgekehtt.
Um dem Reiche.
Vom Parteiausschluß der Sozialdemokratie.
Berlin, 19. Jan. Der Parteiansschußder Sozial- dcmokratie nahm^gestern zu der durch die .Reichsbrnferenz der Opposftion geschaffenen Patteilage Stellung. Es wurde eine Entschließung mit 29 gegen 10 Stimmen angenommen, in der es heißt, die Schaffung einer Sonderorganisation und die Zu- gehöttgkeit zu dieser ist unvereinbar mft der Mftgliedschaft in der Gesamtpartei.
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Berlin, 18. Jan. (WTB.) In der heutiaen Sitzung des Bnndesrates gelangten zur Annahme: der Entwurf einer Bekanntmachung über den Verkehr mit Mineralölen usw., der Entwurf einer Bekanntmachung über Stickst o f f, eine Aenderung der Bekanntmachung über Bereitung von Backware vom 6. Juli 1916, eine Ergänzung der Bekanntmachung vom 31. Juli 1916 betreffend d'e Liquidation b r i t i sch er Unternehmungen, eine läge betreffend die Festsetzung der von privaten Versrche- rungsünteruehmungen für das Kalenderjahr 1916 zu erhebenden Gebühren, der Entwurf einer Bekanntmachvng über die Beurkundung von Geburts- und Sterbefällen Deutscher irrt Auslände, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Eintragung der Legitimation unehelicher Kinder v'vn Krie.gsteilnehmern in dem Geburtsregister, der Entwurf einer Bekanntmachung über, die Verfolgung von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über wirffchaft- liche Maßnahmen.
Berlin, 18. Jan. (Privattel.) Den Zeitungen zufolge rst in der letzten Nacht im 61. Lebensjahre in Wilmersdorl' Legattonsrat a. D. Hermann vom Rath gestorben, der zunt Mgeordnetenhaus im Jahre 1910 als nationalliber-aler Mgeordneter für Wetzlar gewählt wurde, nach Mlaus der Legislaturperiode aber keine Kandidatur nrehr cmnähm.
Stuttgart, 18. Jan. (WTB.) Der Kaiser hat'auf die Kundgebung der acht w ürttembergischen Handelskammern mit folgendent Telegramm geantwortet:
Den acht Handelskammerrt Württembergs meinen herzlichen Dank für das markige Bekenntnis schlwäbischer Treue in stttrmbewegter Zett. Der deutschen Faust und dem deutschen Schwert wird es mit Gottes Hilfe und unter bewährter Führung gelingen, das Vaterland und die Menschheit von dem schweren Druck der Kriegsfurie zu befreien und den durch Verblendung der Feinde verhinderten Frieden mit Blut und Eisen zlu eEmpfen. Wilhelm I. R.
Aus Hessen.
Der neue Staatsvoranschlag für fyi>7.
Tarmstadt, 18. Jan. (Eig. Tel.-B.) Ter neue hessische Staatsvoranschlag für das Etatsjahr 1917 ist soeben sertiggestellt worden und wird im Laufe der nächsten Woche den Mitgliedern der beiden Ständckammern übersandt werden Zunächst ist den Kantmermitgliedern heute früh die Denk- schrtft des Herrn Finanzministers zugegcrngen, in loelcher in der üblichen Weffe eine Gesamtübersicht über die finanzielle Lage des Grvßherzogtums gegeben wird. Das Erfreulichste in dieser Derckschnft ist die Feststellung des Herrn Finanz' Ministers, daß es bei dem neuen Staatsvoranschlag möglich gewesen ■ ist, 'trotz der Fortdauer des^ Krieges die Ausgaben des Staates mit den Einnahmen unter Heranzichmrg eines Zuschsifffts aus den' vorhandenen Restefonds so in Einllang zu bringen, daß von einer Sleuererhöhung für das neue Etatsjahr Abstand genommen werden konnte. Es wird damft die bereits vor mehreren Wochen die von Hernr Finanzmmister Dr. Becker im Finanzausschuß der Zweiten Kammer bei Vorlage des Geietzentnmrfs über die Gewährung von Krtegsteuerungs- zulagen an die Beamten itnd die Lehrerschaft abgegebene diesbezügliche Erklärung bestätigt. Die Denkschrift schließt mft der Bemerkung, daß der Entwuff des Finanzgesetzes im allgemeffien dem Gesetz für das lausende Jahr entspricht, und erllätt:
„Ein RücKilick mif die Entwickelung unserer finanziellen Ver- hältmsie während der Kttegszeit zeigt, daß die vorsichtige imb fttrsorgliche Finanzpolitik in. der Zeit vor dem .Kriege, spaname Wirtschaft während des Krieges und die auch durch die schweren Erergnrffe der letzten Jahre nicht ins Wanken gekommenen ge- nnden Gntndlagen der hessischen Volks- und Finanzwittschaft uns ne beiden ersten Jahre des düsteren Völkerringens ohne allzu schwere Erschütterungen haben bestehen lassen. Der 9lusblick ftl die oukunft, wie er in dem Voranschlag für das Jahr 1917 seinen zahlenmäßigen Ausdruck fmdet, mtb insbesondere die aus den Ergebnissen der Eisenbahnen und Steuern zu entnehmende g ü n - sttge wirtschaftliche Fortentwicklung lassen aber auch die Hoffnung begttindet effcheinen, daß das Gleich g e w i cht- tu u n s e r c n F i n a n z e n selbst bei längerer Tauer des Weltkrieges und auch bei ttebernahme nicht unerheblicher neuer Lasten auf die Staatskasse, wie sie die in Kürze den Landständen zugehende Vorlage wegen Gewährung von Kriegsteuernngszulagen! an Beamte. Volksschnllehrer nsw. bringen wird, noch ohne einschneidendere Hilfsmaßnahmen aufrecht erhalten werden kann. Merdings wird sich diese Hosfnnng nur dann vcr- wirllichen, wenn einerseits im eigenen Haushalt auch weiterhin an den seitherigen bewährten Grundsätzenspar s am st erWirt- chaft sestgehalten wird und wenn uns andererseits ernstere Eingriffe rn unsere Finanzwittschaft von außen erspart bleiben"
Der vottahrige.Staatsvoranschlag schloß bekanntlich mft einem von der Regierung selber als „sehr erheblich" bezeichneten Fehl-,
• UTL ^ ^ lc * 1DaT/ die Ständekämmern zwar nicht eure 20 Prozenftge, wte die Regierung beantragt hatte, Mr doch


