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15.1.1917 Erstes Blatt
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Der Gietzener ÄnzetHer

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__ Erster Blatt 16Z. Jahrgang Momag. \l

Gietzener Anzeiger

Momag, ;5. Januar 191Z

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General-Anzeiger für OVerheUn

Nachwirkung und Vorgeschichte des Friedenzangeboter.

(DTB.) Großes Hauptquartier, 13. Januar.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.

Nördlich der Ancre fetzte der Engländer heute zu neuen Angriffen gegen S e r re an. Sie rr-rrrden größtenteils blutig abgewiesen. In einer Vorstellung setzte sich der Feind fest; wir halten die Hauptstcllung.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarsckalls Prinzen Leopold vonBayern.

Die Gefechtstätigkeit blieb gering.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Durch erfolgreichen Angriff deutscher Truppen wurde nördlich des Slanic - Tales erneut Gelände gewon­nen. In den ihm entrissenen Steilungen ließ der Feind sie­ben Maschinengewehre, sieben Minenwerfer, große Mengen Gewehrmunition und Handgranaten zurück. Vier Offiziere, 170 Mann wurden gefangen genommen.

Beiderseits des Oitoz-Tales blieben starke feindliche Angriffe gegenüber der tapferen Verteidigung deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen erfolglos. In erbittertem Nahkampf wurden dem Gegner große Verluste zugefiigt.

Heeresgruppe des Geucralfeldmarschalls von Mackensen.

Am Zusammenfluß von B uz au l und S e r e th nah­men Bulgaren ein von den Russen noch gehaltenes Kloster.

Nordwestlich von B r a i l a stürmten türkische Truppen den Ort Mihalea. Von der russischen Besatzung wurden 400 Mann gefangen, der Nest, welcher zu entkommen ver­suchte, ertrank im Sereth. 10 Maschinengewehre sind er^ beutet.

Im übrigen lag starker Nebel auf den Kampffeldern.

Mazedonische Front.

Oeftlich der Cer na gegen Stravina vorgehende feind­liche Kompagnien wurden zurückg-eworfen.

Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 14. Januar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Außer lebhafterem Artillcricfeuer beiderseits der Somme war an der ganzen Front bei Regen und Schnee nur geringe Gefechtstätigkeit.

Während der Nacht wurden an mehreren Stellen feind­liche Patrouillenvorstöße abgewiescn.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Keine Ereignisse von wesentlicher Bedeutung.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

In den Ostkarpathen drangen nördlich der Gol­denen Bistritz deutsche Grenadiere an mehreren Stellen in die r u s s i sche S t e l l u n g ein, fügten dem Feinde schwere Verluste zu und kehrten befehlsgemäß mit Beute und Gs- kfangenen in die eigene Stellung zurück.

Südlich der Oitoz -Straße wurde eine vom Feinde besetzte Kuppe gestürmt-, 50 Gefangene sielen in die Hand des Angreifers.

Heeresgruppe des Geucralfeldmarschalls v o n M a ck e n s e n.

Ungünstige Witterungsverhältnisse schränkten die Ge­fechtstätigkeit ein. Ein russischerVorstoßamSereth nordwestlich B r a i l a ist abgeschlagen.

Mazedonische Front.

Zwischen Barbar und Doiran-Sec blieb ein feindlicher Angriff gegen unsere Stellungen nördlich S t o j o- ko vc erfolglos.

Der Erste Generalquarticrmeister tzudendorff.

*

Der Abendbericht.

Berlin, 14. Jan., abends. (WTB. Amtlich.)

An West- und Ostfront keine besonderen Kampfhand­lungen.

An der Bahn B r a i l a G a l a tz ist der Ort V a - deni genommen.

* ^ *

Die Nachwirkungen des Friedensangebotes der Mittel­mächte lassen sich noch nicht affe überschauen: zum Teil sind sie überhaupt nach nicht eingetreten. So wird uns z. B. neben unserem Kampf, der jetzt wieder mit voller Ndacht ge­führt werden muß, nichts so sehr interessieren als die künf­tige Politik des Präsidenten Wilson den Kriegführenden gegenüber. Er kennt jetzt dieFrie den sb-Änng ungen" unserer Feinde, blickt in, den Abgrund von Haß uni Verblendung, üvr dem England und seine Trabanten gegenwärtig stehen. Plötzlich hat sich die Sorgenwolke etwas verzogen, die uns wegen der Mitteilungen unserer Bedingungen nach Wa­shington^ bekümmerte. Denn jetzt wissen wir, daß unser ftiedensfteundlicher Kurs nicht Gefahr läuft, in den Netzen ungünstig gestimmter Neutralen sich zu verstricken oder gar in den Hafen eines flauen Friedens einzumünden. Viel-

tercht entschließt sich unsere Reichsregierung im Eiiwer- nehmen mit unseren Bundesgenossen, beim Präsidenten Wil­son jetzt einmal anzuftagen, ob er bei seinen Friedens­bemühungen die Vorschläge der Entente überhaupt für dis­kutabel hält. Bejaht er diese Frage, so wäre dies, trotz der angenehmen Beziehungen, in denen wir jetzt angeblich mit Washington stehen, ein ziemlich unftennolicher Akt. Ist Wilson ein wirklicher Friedensfreund, so müßte er vom Standpunkt des Unparteiischen feststellen, daß seine Be­mühungen an deni gegenteiligen Willen der Entente ge­scheitert sind. Er ist unseren Gegnern ohnehin eine Antwort schuldig, auf deren spitze Bemerkungen über seine Objekti­vität. Vielleicht aber wird er es jetzt dennoch nicht aufgeben, über dem Schachbrett des Friedens weiter zu brüten. Nur dürfen wir uns dabei von ihm nicht in die Rolfe des Klügeren" drängen lassen, der nachgibt. Auf Hme Kund­machung, wie sie die Gegner herausgevracht haben, gibt es nur eine deutsche Antwort, wirklich nur eine einzige, und sie ist von Regierung und Volk ohne Zögern und Zagen so­fort erteilt worden. Des Kaisers Worte haben ikberall gezündet; es gibt jetzt keine deutsche Zeitung, die sich auf einen von dem allgemeinen Urteil abweichenden Stand­punkt stellt. Selbst der sozialdemokratischeVorwärts", der den Frieden mit allen Mitteln herbeiziehen wollte, ist jetzt bekehrt; er findet Worte, die sich von denen eines vater­ländisch gesinnten Blattes kaum unterscheiden:

Die Note der Gegner sagt ganz aufrichtig, warum ein Frieden fetzt noch nicht möglich: sein soll. Die Mittelmächte sollen ausge­plündert und beraubt werden, und zu diesem Zweck muß! ma.n sie erst besiegen. Es wird den Mittelmächten keineswegs zugemutcc, heute schon die Krieg^ielforderungen ihrer Gegner als Friedens- bedingungen anzunehmen, denn solche Zumutungen stellt man nur an einen Feind, dessen Hauptstädte man besetzt hat und dessen Widerstandskraft hoffnungslos gebrochen ist.

Die Note an Wilson ist also weit davon entfernt, ein Friedens­angebot zu sein. Sie ist eine neue Kriegserklärung mit uferlosen Eroberungszielen.

* Sxmdjfarfcit dieser Ziele kann man auch drüben nicht

glauben. Aber rndem man unentwegte Siegesgewißheit zur Schau tra<K und maßlose Forderzmgen erhebt, glaubt man, Deutschland und seme Verbündeten e<>nsnn'jchten: >: können. Man vergißt da- ber, daß die Nachgiebigkeit der deutschen Regierung an dem Willen de^> Volkes eine schranke finden müßte, der nach so namenlosen Ubiern und so gewaltigen militärischen Erfolgen nicht dulden könnte, datz Nch Deutschland ohne Zwang in die Rolle des Besiegten findet. So lehr es die Massen des deutschen Volkes billigen, daß die deutsche Regierung mit dem Erfolg der Verteidigung ihr Kriegsziel als er­reicht betrachtet, so sehr verlangen sie auch^ daß dieser Erfolg rnif bedingt aufrechtcrhalten wird.

. Die Taktik oes Aufschlagens und Einschüchterns wird ihr Ziel verfehlen Aber eine schwere und bittere Zeit wird ganz Europa noch durchleben müssen, bis sie die Aussichtslosigkeit ihres Be­mühens erkannt haben wird. Nur stückweise, mit jedem Mißerfolg ihrer Waffen werden die Gegner ihr Weltprogramm der Eroberun­gen abtragen können, ihre jetzt im Amte befindlichen Regierungen werden verschwinden müssen, und ihr Amt an Nachfolger abtreten müpen, die nicht mit unerfüllbaren Versprechungen belastet sind. Erft dann kann Europa den Frieden bekommen!

Wie werden die S o zi a l i st e n des feindlichen Auslandes diese Proklamation des Eroberungskrieges durch ihre Regierungen auf­nehmen? Werden sie fortfahren, die deutschen Sozialisten der Unterstützung des Militarismus zu beschuldigen, weck sie ihr Land vor Zerstückelung bewahren wollen? Werden sie geduldig Zusehen, wie die Blüte ihrer Völker den unerfüllbaren Träumen eines raff­gierigen Imperialismus geopfert wird? Und in Deutschland? Wird hier sich noch jemand der Erkenntnis entziehen, daß wir wirklich einen Verteidig nwgs krieg sichren, dev mir weiter durch­kämpfen müssen solange, bsis die Gegner zu einem Frieden o h n e ein besiegtes Deutschland bereit sind? In dem Manifest der Min­derheitsgruppen wird gesagt, daß wir nicht Frieden um jeden Preis, sondern Friedenohne Sieger und Besiegten" haben wollen. Nun i|t klar, daß uns die Gegner einen solchen Frieden jetzt noch nicht geben wollen. J^etzt wiäpe jede Tat, jedes Wärt, das in seiner Wirkung daraus hinausläuft, den Verteidigungswillen des deutschen Volkes zu erschüttern, ein Verbrechen am deut­schen Volke!"

lDer greise König von Bayern, der in entscheidender Stunde schon öfter erlösende Kundgebungen erlassen hat, macht sich zum eürdrucksvollen Sprecher aller seiner Bayern, die ohne Ausnahme den kaiserlichen Erlaß mit unein­geschränkter Genugtuung ausgenommen haben. Was für uns D e u t sch e nicht zweifelhaft gewesen ist, das wird dem Aus­lande fetzt mit Beweisen belegt: Kaiser und Kanzler haben schon im Oktober in vollstem Ernste und im Gefühl, eine sittliche Tat zu wagen, den Fricdensvorschlag be­schlossen. Der Brief des Kaisers aus diesen Tagen an Herrn v. Bethmann Hollweg legt ein Zeugnis ab, das die Lügen- gcspinste unserer Feinde endgültig zerreißt. Wenn die Wahrheit über die Lüge gesiegt hat, so wird auch der ungebeugte, in allen Schichten des Volkes jetzt gehärtete Kampfeswille der Deutschen und ihrer Bundesgenossen über den Rausch der Leidenschaften unserer Feinde zum Siege schreiten.

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 13. Januar 1917.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Mihalea, westlich V o d e n i, wurde durch osmauische Truppen gestürmt. 100 Mann und einige Maschinengewehre blieben in der Hand des Angreifers. Gleichzeitig nahmen die Bulgaren ein noch von den Russen besetztes Kloster nördlich des Buzaul-Flusses nächst dessen Mündung. Beiderseits des Oitoz-Tales wiesen österreichisch-ungarische und deutsche Kräfte russische Angriffe, zum Teil im Handgemenge, restlos ab. Nördlich- des Spanic-Tales wurde durch Angriffe

deutscher Abteilungen Gelände gewonnen. Vier Offtzrere und 170 Mann wurden gefangen, sieben Maschinengewehre und sieben Minemverfer erbeutet.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 14. Januar 1917.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Westlich von V a d e n i schlugen osmanischc Truppen einen russischen Vorstoß zurück. Sonst in der rumänischen Ebene wegen schlechten Wetters keine besondere Kampf- tätigkcit.

Südwestlich von Herestrau nahmen gestern die Ba­taillone des Generals Goldbach in überraschendem Angriff die Höhe 704. Im Raume von l g y e s erfolgreiche Unternehmungen deutscher Abteilungen, die dem Feinde schwere Verluste zufügten. Weiter nördlich nichts zu melden

Italienischer Kriegsschauplatz.

Ruhe.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Am 11. Januar griffen Teile dreier französischer Regi­menter die österreichi'ch-ungarischen Stellungen am Süd­ende des Ochrida-Sees von Osten her an. Der franß zöfische Angriff wurde abgeschlagen, woran auch östlich des Sees angreiftnd österreichi ch-ungarische und bulgarische Ab­teilungen mitwirkken. Gestern gingen unsere Truppen zum Gegenangriff über und warfen den Feind iiber die Eravl zurück.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Der Kaiser und die Vorgeschichte des Friedens­vorschlages.

Berlin, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DteNordd. Alldem. Ztg." schreibt: Zur Vorgeschichte des Frie­densangebotes der Mittelmächte, das die Feinde als unaufrichtiges Kriegsmanöver hingesdellt haben, ist das nachstehende kaiserliche Hanoschreiben an den Reichskanzler von besonderer Bedeutung:

Neues Palais, 31. Oktober 1916.

Mein lieber Bethmann?

Unsere Aussprache habe ich noch nachträglich gründlich über­dacht. Es ist klar, die in Kriegspsychose befangenen, von Lug und Trug'im Bann des Kampfes und im 'Haß gehaltenen Völker un­serer Feinde haben keine Männer, die im Stande wären, die den moralischen Mut besäßen, das befreiende Wort zu sprechen. Ten Vorschlag zum Frieden zu machen, ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, nm die Welt auch die Neutralen von dem aus allen lastenden Druck zu befreien. Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott verantwortlich fühlt und ein Herz für seine und die feindlichen Menschen, der unbe­kümmert nm die eventuellen absichtlichen Mißdeutimgen seines Schrittes den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Mut dazu, ich null es auf Gott wagen. Legen Sic mir bald die Noten vor und machen Sie -Alles bereit.

gez. Wilhelm I. R.

Unsere Feinde können sich darauf verlassen, daß der Ehrlichkeit des in diesem kaiserlichen schreiben bekurrveten Friedenswillens die rücksichtslose Entschlossen­heit entsprechen wird, mit der wir den Krieg, dessen Fort­setzung sie uns aufgezwungen haben, bis z-mn siegreicher Ende durchführen werden.

München, 14. Jan. (WTB. Mchtamtl.) Die Korrespon denz Hoffmann meldet amtlich: Seine Majestät der König h< an Seine Majestät den Deuffchen Kaiser folgendes Telegrami gerichtet:

Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser, Großes Hauptguartier Dre kraftvollen Worte, die Euere Majestät in de Entrüstung über die mrmaßcnde Aickwort unserer Feinde znm denk schen Volke gesprochen haben, erwecken lebhaften Wider hall in unser aller Herzen. Mit Euerer Majestät teil das ganze deutsche Volk den ehernen Wcklen, den Uebermut de Femde zu brechen, wib ich weiß mich eins mit alle meinen Bayern, wenn ich Euerer Majestät in schich'als schwerer Stunde erneut versichere, daß nur in unerschütterliche Bundestreue den uns ausgezwungeneu Kampf fortsetzen wollen um den Frieden zu erzwingen, den die Feinde uns jetzt noch vei weigern.

Mit ihren Kriegszielen haben unsere Gegner ihre maßlose Er oberungSsucht und den Willen, uns urrd unsere Berbüirdev-i zu vernichten enthüll^ Alle, Well weiß jetzt, wen die Schul an diesem furchtbaren Vollerringen trifft und wer nach 30 Mona ten des Krieges die Verantwortimg für das tocitere Blutvergießen tragt. Wir waren zu einer Verständigung bereit, unsere Femd wollen es anders. T'er Heldenmut unserer sieghaften Heere de Opfermut- des ganzen Volkes, wird auch ferner jedem Ansturin und ! cd er Ducke unserer Femde trotzen, wird mis zum Sieg und zum Frieden führen. Gott sei auch weiter mit uns und un serer gerechten Sache. Ludwia

Berlin, 15. Jan. In Bayern wurde der An fru b es Satf er«! cm bas deutsche Volk laut Berliner ..Lokal Anzeiger" tn allen Gemeinden üffentlich angeschlagen.

Der bulgarische Gcneralisfimub an das bulgarische Heer.

. . Sofia. 14. Jainmr (WTB. Nicht-riMlich.^ Mcldinm da bulgaruchen Tel^aptzeimgentur. Am 7. ds. Mts wutde ^r

Äe"en. n Tagesbefehl en