Ausgabe 
2.12.1916 Viertes Blatt
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Mb. Deutscher Reichstag.

H. Sitzung, Do«»«r-taq, den SV. November Wl«.

(Schluß)

5 7 handelt von der Aufforderung z « r freiwillt -

gen Meldung. Erst dann, wei:n jemand keine Arbeit ge­sunden hat, wird ihm eine solche zugewiesen.

Abg. Kotzmann (Ztt.) fordert, daß die Gelegenheit nicht dazu ve»utzt wird, die Bezüge der Pensionäre zu kürzen.

Abg. Becker-Arnsberg (Ztt.): Zweifellos ergeben sich aus diesem § 7 gewisse Härten; am besten ist hier eine Notverordnung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes.

Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Versicherungsrenten

werden auch an solche Rentenempfänger weiter gezahlt, die wäh­rend des Krieges wieder eine Arbeit aufnehmen. Bei den Knappschastskassen wird der- gleiche Grundsatz durebgeführt Im übrigen werden Härten, die sich aus dem Gesetz zweifellos ergebsn »verden, aber die noch nicht zu übersehen sind, am besteii durch eine Notstandsverordnuug aus der Welt geschafft werden.

8 7 wird angenommen.

Nach § 8 soll bei der Neberweisung zur Beschäftigung auf das Lebensalter, die Familienverhältnisfe usw. Rücksicht ge­nommen werden.

Abg. Jaeckel (Soz.) begründet einen Antrag, wonach auch ge­prüft werden soll, c*6 der Arbeitslohn für den Unterhalt des Be» schäftigten ausreicht.

8 8 wird mit dem Antrag angenomme n.

8.9 schreibt den A b k e h r - S ch e i n vor. Jeder Hilfsdienst­pflichtige, der bei einer der im 8 2 bezeichneten Stellen tätig ist, darf au anderer Stelle erst beschäftigt werden, wenn er eine Be- , scheinigung beibringt, daß er- die Stelle mit Zustimmung des Arbeitsgebers verlassen hat.

Aus Ausführungen der Abgg. Groeber (Ztt.), v. Payer (Fortschr. Vp.) und Ditt mann (Soz. Arb.) erklärt Staats­sekretär Dr. Helfferrch, dtrtz die Arbeiterschaft selbst mit dem Ablehrschein zufrieden fei.

8 9 wird mit «uer Seinen Abänderrma angenommen, eben­

so § 10.

Arbeiter- rrnd Augestellten-Ausschüsse.

Die 88 11 bis 14 führen Arbeiteravsschüfse und L n g e st e l l t e n a u s s ch ü s f e ein und legen ihre Befugnisse fest.

Die Konservativen wollen diese Paragraphen streichen. Die Sozialdemokraten beantragen, daß nicht nur m den mdufttiellen Bet sieben der Heeres- und Marinever­waltung, sondern auch bei den Eisenbahnen Vorschriften im Sinne der 88 11 bis 14 erlassen werden. Sie fordern ferner emerl 8 11», wonach der Bundesrat Betriebe in den Besitz des Reichs übernehmen, oder sie zu einer Arbeitsgemeinschaft zu- famWerrfchiietzen und auch Vorschriften über Abschrei­bungen und Der die Berechnung und Verteilung des Gewinnes erlaffen kann.

Abg. Giebel (Soz.) fordert Neuwahl«» zu den Lrbeiter- ausschüffen.

Abg. Dr. Slresemann (ntl.): Zum erstenmal werden die Arbeiterausschüsse hier gesetzlich eingesührt. Das ist der Sieges- zug des Organisationsgedanken^. Man hat in weiten Kreisen der Industrie starke Bedenken gegen die obligato­rischen Arbeiterausschüffe gehabt. Das hat sich geändert. Man hat freiwillige Ausschüsse gebildet und gute Erfahrungen gemacht. Man hat gesehen, daß die Autorität des Arbeitgebers durch persön­liche Verhandlung mit dem Arbeitnehmer nicht leidet. Die Ertt- wuLung in den ausgedehnten industriellen Betrieben hat uns ja d»Ls«r org anifa tori s chen Gedanksr aufgedrängt. Keineswegs spielen polibr-sche Dtachtfragen da hinein. Sondern die Errichtung voa «rbeiterauSschüffen für die Betriebe des Hilfsdienstes fteht in fachLchem Zusammenhang «nt der ganzen Vorlage, weil die von chr geforderte Entsagung der Arbeiter und Arbeiterorganisa- twaen unter anderen Umständen nicht zngestanden worden wäre, werden doch zwei Grundrechte der Arbeiterschaft, die Frei­zügigkeit und die Arbeitseinstellung, durch das Gesetz aufgehoben. Demgegenüber must die Arbeiterschaft Kautelen fordern, dast sie ihre Sorgen und Beschwerden Vorbringen kann. Die Wahl zu den ArberterauSschüffen muh nach der Verhältnis­wahl erfolgen. Alle Arbeiterorganisationen mirffen an den Ar- betteranssau'issen teilhaben. Denn da» KoakitionSrecht birgt auch das Recht in sich, sich tu koalieren, wo der einzelne e» will, und die gewerkschaftlichen Gruppen müssen Duldsamkeit üben, da sie ja für sich Freiheit beanspruchen. Unklar ist eS uns, welchen An­teil die aus den besetzten Gebieten sich freiwillig meldenden Arbeiter an der Wahl haben sollen.

Gür dre A n g e sie l l t e« a n »sch ü sfe haben wir nicht ähnliche Vorarbeiten und Grundlagen wie für die Arbeiterausschüffe. Da waren erhebliche Bedenken vorhanden. Wie will man einen Angestelltenausschuß bei einem kleinen Personal differenzierter An­gestellten mit womöglich gänzlich v«!schiede«n Tehrlts stufen die Wahl ansüben lassen, zumal die Internen der verschiedenen An- geskellten im einzelnen Betrieb weit «useioandergeheu. Der per-

MNche znstnnMenssang zwksche» «ngesteN« taf W ri te tty fa n ff»-

noch nicht üpMommen ^lockert; der emzeln« wird nach seiner per­sönlichen ^&Enfl bezaW. während die ArbeiteranSschüsse eben fttt eine eiicheMchr GehaltSskala und für einheitliche Arbeitsbedin­gungen emireten. Ein Kollektwangesteütenvertrag mit Mindeste forderungen wäre für die Angestellten wohl unangebracht. Trotz­dem Y-Ken wir uns nicht gegen den Gedanken ausgesprochen, und da die^ Angchtelltenorganisatlonen dre Schaffung von Angesteklten- ausschnffen wünschen, wollen Nur dem Gedanken entgegenkommen in ä^nlichtr WoSse, wie es bei dem Angestelltenversicherungsgesetz für die größeren Betriebe geschehen ist, wo die Einzelpersönlichkeit gegenüber der Menge zurücktritt. Die Worte im dritten Absatz des § 11:Unter gleichen Voraussetzungen" sind mißverständlich. Deshalb schlagen wir vor, den Absatz 3 so zu fassen:In Betrieben mit mehr als hundert Angestellten ,m Sinne des Angestellten- versicherungsgesetzes sind für diese Angestellten Angestellten- ausschüsse zu errichten".

Abg. Nehbel (kon-s,): DaS gegenwärtige Gesetz scheint unS nicht geeianot. jetzt mttren im Kriege die obligawrische Einführung von ArbenerauSf8i«ssen zu bringen, zumal ein Teil der Beteiligten selbst dagegen ist. Auch di« Wahlen mit ihren Nebenerscheinungen l-affen nicht in diese Zeit hinein. Wir lehnen daher diese Paragraphen ab.

Abg. Geberts (Ztr.): Wenn wir die Kriegszeit dazu benutzen würden, eine Friedensforderung durchzudrücken, so wäre die Hal­tung der Konservativen verständlich. Aber dieses Gesetz bringt doch der Arbeiterschaft eine so weitgehende Beschränkung der Frei- zÜKwrrit, daß wir sie wirlsam gegen jede Lohndrückerei schützen muffen.

Abg. Frbr. v. Gamp (D. Fr.): Ich bin stets ein Freund der Arberterausschiiste gewesen, bin aber gegen ihre zwangsweise Einführung. Mosentzetriebe, wie Krupp, darf man sie nicht aufdrängen. Lohndrückereien find gerade bei großen Firmen nicht zu befürchten.

Abg. Zubeil (Soz. Arb.-G.) trägt Klagen über zu geringe

Löhne bei Krupp vor.

Abg. Landsberger (Soz.): Was haben die Verhältnisse bei einer einzigen Firma mit den Fragen, die uns jetzt beschäftigen, zu tun? Hier kommt es auf die Grundsätze an.

Abg. Gothern (Fr. Vp.): Die Konservativen haben nichts ge­lernt und nichts vergessen. Sonst müßten sie es verstehen, twst der Zwang, bei bestimmten Privatfirmen zu arbeiten, auch Archpeneb auf Sicherungen gibt. Sonst ist für uns das Gesetz un­annehmbar.

General Grüner: Die Vorschläge der wirtschaftlichen

Omo-imM itMpen wenden wir selbstverständlich bei den Wahlen nach MUMHdeit berückffch^gsn. Ich muß mir aber Vorbehalten, auch andere PorsVuli^sitea zu wählen.

Akza. Lehrevs (DSsth. Frcrkt.): Die Einrichtung der Arbeiter- ausfchüffen sst sehr zu begrüßen.

StaatAftßretär Dr. Helfferich: Zu Beginn der Sitzung cs ist ja fveittch lauge her (Heiterkeit) habe ich erEkärt, daß die ReKverunaen zu den heute eingebrachten Anträgen nach nE SbsKvmg uchmsn kminten. Jedenfalls bedoutet schon ^dor SsM^enlde Eakwurf, wenn ihm der Bundesr»t zustimmt, «me ^nifDeivung jähezehntstang umstrittener Fragen, wenigstens Mr die .^iegÄrsg^r. Es gibt auch gewichtige Bedenke«. Bitte besten Sie also dieses Schiff nicht zu sehr, etwa durch Arbeiter- aD^fchüffe für die Landwirtschaft oder Wahlberechtigung für Minde-sstchrrge.

Mg. (Soz,): Wenn man den Arbeitern solche Lasten

ausGüiwet, nruß map gerade auch die andere Seite des Schiffes bela-stsn! (Sohr guÄ

9%. Dr. SlBchemann ßnl.) wendet sich gegen das Verlangen des MiM^dnevs. d«ß de« Unternehmern dae Gewinnverteilung und die AHtzchrsibungM vargefchmeben werden; der Besteuerung ent­gehen M doch nis>t. Wir stehen ja vor einer vollkom- merre^ So z i m i sierung unserer Wirtschaft. Die Behcrrfchu-M der RoWoAe gibt der Regierung jede Macht gegen- der JM>rrstme. Der Major Epeth von der KriegKrohchsH- abteilung ist heute der Generalgewattige im Reich. Diese Soziali­st ernn^ kan« zu finanziellen Ergebnissen führen, die Ihnen (zu den Soz.) nicht wMannnen find. Daß wir enüg find, dem Reiche zu geben, was des Reiches ist, zeigt die Erklärung ds Grafen Mestarv. daß er trotz seiner Gegnerschaft gegen direkte RerchS- steuer« für höhere Kriegsgewinn st euer ist.

Abg. Hoch (Soz.) polemisiert «ach zehnstlladiger Sitzung gegen den Vorrsdner. Der Krieg müsse wohl noch länger dwuern, ehe man das Notwendige ernenne.

Die Aussprache schließt. Im Z 11 wird «uf Antrag Alb-echt (S^.) befchloMr, daß auch schon « Betrieben mit 60 Arbeitern Ausschüsse eingerichtet werden müssen. Der An­trag des Mg. Dr. Streserckann (nl.), ten Angestellten­ausschüssen (die ^eichfalls schon bei 60 Angestellten errichtet werden sollen) die glichen Befugnisse zu geben wie den Arbeiter- auSschStzg^' wird angenommen, nachdem um Y\ 11 lkhr nacht» uoch zahlreiche Dbgem^nete über den A-bjti««»ng» modur gesprochen habe«, ' \J

tNe H V, n, !f rnd TI iMfn wf! cW«en flenbm

angenommen. Nach einem gleichfalls angenommenen An­trag Behren- (Deutsche Fracktion) sollen auch in der Land­wirtschaft Sinigung-ämter errichtet werden.

Abg. Ha«fe (Soz. Arb.) beantragt nach 10Z4stktn< diger Sitzung Vertagung. Das Haus ist über­müdet. (Rufe: Neinl Nein! Gchächter, Unruhe.) In der Kommission waren wir einig, daß dieses Gesetz in ruhiger Ueberlegung beraten werden soll. Es sind bereits wieder sieben Redner gemeldet und weitere Debatten sind zu erwarte«.

Zunächst wird noch über den sozialdemickratlschcn Antrags daß der Bundesrat Betriebe übernehmen oder zusammenschli^e« kann usw. abgestimmt. Mitten in der Abstimmung muß der Prä­sident einige Personen, die ni ch t AbgeardnÄe sind, auS dem Saal rveisen. Der Antrag wird abgelahnt.

Ein Antrag Dr. Ctresemann snatl.), daß die der Land­wirtschaft aus Grund dieses Gesetzes Ueberwiesenen nicht de« landesgestetzlichen Gesindeordnungen unterstehen, wird an­genommen.

Nunmehr wird der SerlagungSantrag Haas« gegen _ die Stimmen aller Sozialdemokraten, der Polen und Elsässer abgelehnt.

8 15 (AuskünftePflicht der Betriebe gegenüber dem Kci^tzA- amt) wird angenommen.

Bei § 16 (Strasbeftimmnnigenl tritt

Abg. Sachse (Soz.) für den Schritz des Koalition-rechtes der Reklamierten ein.

Abg. Stslle (Soz. Arb.-Gem.) bekämpft die Strafbestimmungen.

Abg. Dowe (Bp.) weist demgegenüber auf die Schutzbest^mmu»-' gen des 8 8 hin.

§ 16 wird angerwmmen.

§ 17 regelt die Mitwirkung de- Reichstag- dsrch einen 16g4iedrigen Ausschuß, dessen Zustimmung z« allgemeinen Berorbnungeu nötig ist, mit dem das KriegSamt zusammen -o arbeiten hat und der auch in den ReichßtagSpqusen ^.sammen- treten kann.

11 Uhr nacht». Abg. Eberl (Soz.) hebt die Bedentnnß dieses

Bestimmung hervor.

Abg. Graf Westarp (Kons.) lehnt namens seiner Partei dies« Bestimmung als verfassungswidrige Verschiebung der Zuständig, keitsgrenzen zwischen Reichstag und BundeSrat «b.

Staatssekretär Dr. Helfferrch: In der ReichSderstrssun, heck

diese Bestimmung keine Grundlage, es wird ein rreuer gesetz­gebender Körper geschaffen. (Widerspruch.) Sie schaffen eine un­klare Konstruktion, dieses Bedenken muß ich au-sprechen.

Abg.Drttmavn (Soz. Arb.): Da- sind ja schöne Aussichten für die Heranziehung des Reichstagsausschusses zur Mrtwrrkun-4 (Sehr wahrt links.) Diese überraschende Ablehnung laßt «n«h trau- rrge Schlüsse zu auf die ^Neuorientierung" nach dem Kriege. In weiten Volkskreisen versteht man eS überhaupt nicht, daß der Reichstag sich jetzt im Kriege immer wieder vertagen läßt, statt permanent zu tagen.' Allerdings nicht so wie heute! (Lebh. Zustg. b. d. Soz.) Es wäre durchaus möglich, eine Arbeitsweise zu finden, die unsere Rervenkraft schont und der Würde der PvkkSveiTtivetunL entspricht. (Beifall b. d. Soz.)

_ Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich habe nur meine Pflicht erfüllt. Wenn der Bundesrat dem Entwurf zustimmt, wird auch diese Bestimmung loyal ausgesirhrt werden.

Abg. Dr. Schiffer (nl.): Ich bedauere die Haltung des Staats- sekretärs. er muß doch wissen, daß ohne diese Bestimmung der Rmchötag das Gesetz nicht binausgehen läßt. (Sohr wahr! InckS.) Die Ausführungsbsstimmungen zum Hilfsdienst sind Gesetze, darauf foramt eS an. (Beifall links u. t. Ztr.)

*12 Uhr nach». Abg. Stabchage» («oz. Arb.) weist auf frühere verfassung-rechttrche Erfahrungen hm und meint ii. -Loyal' kommt von toi, Gesetz. Der Waatssekretär ist also eigens- lich mit uns einig: daß die gesetz^bende Körperschaft zu ent. scheiden hat. (Gr. Heiterkeit.)

%12 Uhr «acht,, «bg. Statzchage« schließt mH der Erwar­tung, daß daS noch nicht ermüdete Haus, de, alten Trotts müde, den richtigen Antrag, de« der Arbeitsgemeinschaft, «rmchmen werde.

§ 17 wird angenomme», gegen einige Sätze stimmen di« Kon­servativen. Nach 8 1« tritt das Gesetz spätesten- einen Monat nach Frredensschluß außer Kraft. Er wird nach kurzer Debatte angenommen.

Damit ist die zweite Lesung beendet.

Das Haus vertagt sich nach fast zwölfstündiger Sitzung auf Freitag 2 Uhr: Auslagen, Ä. Lesung de» Hrlfsdrenstzesrtze-,

Kriegesteuergesetz, Anträge.

Abg. Ledebnur (Soz. Arb.) erhebt Widerspruch gegen die 8. Lesung eines so wichtigen Gesetze- vor Ablauf der dorgeschrie- beneu -weitägigeu Frist. Da 1L Abgeordnete den Widerspruch Unterstützen, hat er Erfolg. .S rr ' -C-

Schluß der Srtz«ng: 12 Uhr «ach«, .

war, war Sfädelein gutmütiger, beschränkter Mann ohne Bil­dung, Winz enoachsen mit der höchst lächerlichen, pedantischen Lebensweise des Frankfurter Spießbürgertums ans der Mitte des 18. Jahrhunderts," und eigentlich kaum als der Begründer des Stadelschen Instituts anzusehen. Vielmehr habe als solcher zu gelten ein Advokat Tr. Jassoy,ein kluger, geistreicher, und sehr witziger Mann." Er hatte das Testament, wodurch die groß­zügige Stiftung gegründet wurde, fornruliert,was ihn irÄessen nicht hinderte, später als Mvokat für die Erben gegen eben dieses Testament «uszutreten: nicht ohne Erfolg, da die Vertreter des Instituts es geraten fanden, sich mit den Erben z-rr vergleichen.^" lieber StÄdel und die Entsiehung seiner Kunstsammlungen gibt Gerd Eilers folgende Eingaben: ,^Jn seiner Jugend hotte man ihn zur Ausführung irgendeines kaufmännischen Geschäfts nach Schaff- hausen geschickt. Es war ihm nicht eingefallen, den Wasserfall daselbst anzusehen, weil er von der Existenz eines solchen nichts wrlsste. Darüber war er nach seirrer Rückkehr verspottet worden^ was ihm einen so nack-haltigen Aerger verursachte, daß er später, nicht etwa nach Schaffhausen reiste, um den Wasserfall selbst zu sehen, sondern ihn in einem seiner Zimmer an die Wand malen ließ. Das Lob, das er über dieses Bild erntete, bestimmte ihn,, nach und rcach Gemälde zit kaufen und in seinen Zimmern auf­zuhängen. Einen Kunstwert hatten diese ersten Ankäufe nicht; sie weckten aber eine Liebhab-wei, die damr von Kunstfreunden benützt wurde, seine Wahl auf wertvollere (^jemälde z>u leiten." Eilers meint dann noch über Städel:Sich bei Lebzeiten von! eiirem Teile seines Mamuwus zu trennen, wäre ihm unmög­lich gewesen: aber eine Dispositton darüber zu treffen, die seinen Flamen auf die Nachwelt bringe, schmeichelte seiner Eitelkeit. Frau Städel, eine seiner Verwandten, hätte ihn ebenso leicht dazu bringen können, eine Twchstuiwmenanstalt zu stiften, als Dr. Jassoh ihn zur Gründung des Kunstinstituts bestimmte." Jedenfalls dankt diesem Sonderling, der Junggeselle geblieben war, Frankfurt nicht nur eine schöne KunUaurmLung, sondern auch zahlreiche KünAer genossen aus seiner Stiftung materielle Fiirderimg.

TieFranc" als Musen ms schiff. In Kristiania ist der Plan aufgetaucht, dieFram", das Schaff Nausens und Anucndsens, auf ihren l>erühmten Fahrten in der Arktis und Ant­arktis, zu dauernder Erinnerung als Museuinsschiff auMbewahren. Zu Forschungsreisen ist das schiff wicht mehr seetüchtig gemrg, und bekanntlich läßt sich Anrundssn für seine ^torHpoffrbrt, dre er übrigens doch auf das Fahr 1918 hat verschieben mästen, einen neuen Schoner bauen. Ter Man, aus derFram" ein Museum s- schiff zu mochmr, hat in Norweger! allseitig warme ZustnnNtung gefunden, und vor allen! haben auch Fridtfof Nansen und Roa1d> Amundsen selbst sich damit ooRstMtzig einvÄNtanLuu erWirt. Nklerdirvgs würde auch in bisfent Fasle eine MLvsrKrst^ttrng des

wackeren Sett^eteranM umnnyänglich fern. Zur Ausstattung des Schiffes, das zu einem schwimmenden Museum moderner Polar- sorschurrg gestaltet werden könnte, würden wohl zahlreiche Per­sonen und besonders die Nächstbeteiligten, allerlei interessante Gegenstände beizusteuern geneigt sein.

Max Klingers neue Radierungen. Aus Berlin trritb Uns geschrieben: 2Sk wenig auch das dritte Kriegsjahr die deutschie Mnstproduktion und den deutschen Kunsthandel zu schwä­chen vermochte, zeigt die Fülle der Ausstellungen und Verstei- rungen, die die gegenwärtigen Wintermonate in Berlin kenn- zchchnst. Kassirer, Nemnann, Kunstlerhaus und Sezession sind stets rege beschickt und besucht. Und daneben gibt es eine Reihe be­sonderer Ereignisse, die stets starkes Interesse beanspruchen und verdienen. Ern solches SonLevereignis stellt die neue Ausstellung im Kunststllon von Amsler und Ruthardt dar, die keinen Geringeren cS§> Max Klinger bringt, und zwar eine reiche Folge eben vollendeter graphischer Blätter unter dem Gesamttitel Das Z eIt". Es ist der modernste Klinger, der sich in diesen Radierungen offenbart, der Meister und Phantast, dessen märchen­artig angehauchte und symbolisch beschattete Allegorien in ein settj'am fesselndes Reich entführen. Der erste Eindruck ist der einer ganz^ starken, ganz in ihr eigenes Sinnen und Dichten versunkenen Künstlerpersönlichkeit die nicht mehr danach ringt, die Welt zu erfassen und zu gestalten., die viettnehr in sich gefestigt und mtt beNTußtem, frTfju gepvägtem Eigenwille» ihre Welt darbringt, als ein künstlerisches Manifest, als eine« unverrückbaren Ausdruck ihres erkänchften Wissens und Fuhlens. Das sieht inan in der anherordentlichien Sicherheit, mit der Klinger seine Eigenart in diej'cn Radierungen formt, in dem von keinerlei Bedenken ge­schwächten Hang fu. den Landschaften Und den Menschen, die in seiner Brust und ieinein Hirn und Auge leben. Auch rein technisch sind diese Blätter gedanklich sehr vertiefte Märchenstimmungen mit grsadiosen LMldjsckmftÄnnrisstm und huschenden, bei aller Un- wirllieAeit realistisch gezeichneten Gestalt«! meisterlich gelungen. Nur erscheint manches ein ivenig glMchförnrig, durch Variationen dssstlben Themas erstarrt, und ein Verzicht auf belebendes Licht Und Schattenspiel unterstützt noch diese Wirkung, die aber dem hohen Können keinen Abbruch M tun vermag. Meisterwerke eines mavchnml zu abstraöt verrieften Künstlers, die nicht leder persönlich li»de>n nmß, denen aber kein Kunstverstand seine Anerkennung zu versageu vermag.

Anilins«eben als Heilmittel Der Königsberger Chirurg Dr. Enmn Bvnnvann hat, wie dieKlrnisch-Therapeuti- sche Wochenschrift" lVerlag von Walther Rvtschild, Berlin-WA- mersdors) erfährt, Anilinfwrbstoffe in großem Maßstabe als Heil- mittel angowandt und kann mif Grund von mehr a£3 400 Krank- heftSfttAen über außerordeEch günstige Erfahrungen mit dieser

Neuerung berichten: die Anilinfarbstoffe übertreffen in entwick^ lungshemmeüder imd ßemttötender Hinsicht alle bisher bekarmte^ antisepttlchen Stoffe; zudem verteilen sie sich außerordentlich gut, )u bringen Eiweiß nicht zur Gerinnung, und in den Meng«!, in denen sie mrgewandt werden nrüsfen, sind sie vollkommen im­giftig. Sie können daher in sehr dichter Form angewandt werden^ :md ihre Vernrchtnng der Batterien führt zu rascher Abnahme von Etterungen, zur Reinigung von Wunden, zum Sinken der! Temperatur, sowie zum Besserwerden des MgemeinbefindenSft und schließlich wird bei ihrer Anwendung auch die Heilungsdauer! abgekürzt. Baumann hat yunädät in einer großen Reihe o»n^ Fällen die Anttinsarbstoffe in der veinen Chirurgie angewaudt. Er benutzte anfangs Methylenblau später Methylviolett, was in den meisten Fällen besser rvirkte. Bei Brandwimden, Riß- und Schnittwunden, Nagelgeschwüren, Sehnenscheidenvereiterunaen so­wie frischen Verletzungen der Kopffchwarte und in zahlreichen cm-, deren Fällen wurde dre Wundfläche mtt einer 4 prozenttgen Färb- - lösung bepinsett, und dann konnte die Wunde, falls sie nicht etwa besonders stark verunreinigt war, sogleick? geschlossen werden, als wäre sie keimfrei. Bei leicht zugänglichen Wundflächen konnte der Farbstoff auch in Pulverform aufgestteitt werden, während bei buchtenreichen Wunden eine Lösung deä Farbstoffes Mit Glpzerur zu ernein dünnen Brei verrührt wurde, der üuter etwas Mkoholzusatz nrtt einem Stäbchen in die Wunde gebracht wurde. Bei eigentlichen Wundhöhlen wurden keimfreie Gase mtt der Farblösung gettänkt und in die Höhlung gelegt, wid wo Fistelgäne vovhandeu waren, ivurde die F«rblöftrng mtttels einer Spritze in die Tiefe gebracht. Schon wach ein- bis zloei-. uurliger Anwendung der Farbe hörte nveistens die Eiterimg aus, der unangenehme Geruch verschüvand, und die Wunde wurde tr*cken. Bei größeren Knochenetterimgen, sowie bei der typischen Osteomyelitis wurde die Heilungsdauer erhebttck, abgrttttzt. Aich bei Bauchettermrgen, bei Abszessen des Wurmfortsatzes und bei abgegrenzten Bauck^sellentzündungen wirtten die Anilinstofse außer­ordentlich.! günstig: die Wsonderimgen Nahmen rasch

ab, !md die Höhle granulierte in der Folge zu. ?kuchi m größeren Mengen, wie der Einführung von täglich! einen! Graimn des ' Farbstoffes, wurdeu nie Schädigungen beobachtet. Bon der Bauch-- böhte aus ivurde der Farbstoff auffallend rasch/ anfgesoOen. Tie Ausscheidung aus dem Körper ^erfolgt mg den! Wege durch di? Nieren, bei denen keine einzige Schädigung beobachtet wurde. Auch bei Etterungen der Pleurahöhle nnrtte Methylviclett günstig. unl> Methylenblau erwies sich als besonders ge^gnet. um durch Spülung mtt der Farblösung die Harnblase keimfrei zu machen, was Operationen in nuchreren Fällen gelang.