Jtr.sm
Zweites
Erscheint täglich mit Ausnahine deS SomttagS.
Beilagen: „Sietzener Familiendlätter" und „Ureirblatt für den Ureis Giehen".
PoftschecNonto: Zrankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Stehen.
lbb. Jahrgang
euer Anzeiger
Kenerai-Anzeiger für Gderheffen
Zreitag, 22. Dezember fylb
ZwillingSrund oruci und pe^ag: Brühl'jche Unlver'uäks-Bttch-n.Stu idruckereu
R. Lange, Gienen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstrave?. ' e|ri;cif. 0 ; tciie n. '!?ci\rtij; &1,
Schriftteuung: 112 .
Anschriftf ir Tr ht k/lchrudten:Anzeigers ie en.
5tadt und Land — hanö in Hand
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lEnKch kaum jemand so unpatriotisch oder auch jo rielbemußt auf dic gegenscitigc »er- J2SPH,?? n st^adt und Land 'hmrrrbeitc. ?lber indirekt, melleicht unbewusst wird viel Volk-Zverhedung qc-
crklä2 9 "lt-^? ÄS Emige Beffpiel« dienen: „Ein Bauer hat CT ^ Butter wlS Wagenschmiere, als , V verkaufe/' „Ein Bauer
Milch für seine Schweine und könne sie ffi* ■gta bftwbet ft«t«rn." „140 000 3R. bat rin Mitglied r ~ u 'Yf'n-bftnrtschastsrates verdient dadurch. daß ler Spät'
kEonein unreif ausgraben ließ und als Frühkartoffeln verkaufte." ^-.^7 Wä vergraben die Bauern ihre Kartoffeln im Walde, r l ?’ ,t beichlagnahnrt werden." Solche und ähnliche Nach 5*^ man ? l - vor letzten Zeit fast regelmäßig in den Hortungen leien. Es i ft schwer, festzustellen, ob sie wahr find, denn es ist fast nie ein beftimmter Name und Ort ange- *%&• 75 «^enonÄn-en, sie wären wahr — welche Wirkung mnsfe.r solch? Nachrichten aut die Stadtbevölkev.mg haben, die oynedres hochgradrg nerv'ös und ärgerlich ist wegen der bekannten Verhältnisse? ^ Unter hundert Lesern solcher Nachrichten werden n^rirrmdncunzrg dafür den ganzen Bauernstand verfluchen und vcr- wunfchen. Ist das gerecht? Entspricht das Urteil, das auf Grund diefer Nachrichten weite Kreise der Stadtbevölkerung über den Bauernstand sich, gebildet haben, der Wahrheit? Und tragen sie ihre Not lerchiter und lieber, wenn ihnen von den Zeitungen die lallche Meinung suggeriert wird, der Egoismus der Bauern sei allem schuld tragen.
Warum berichten diese Zeitungen nichts von der Kriegsnot der Bauern, von der 18stündigen Arbeitszeit zur Zeit der Ernte ,von den L-orgen um die Tnrchhaltnng des Viehbestandes, von den vielen tausend Waggons Kartoffeln, die im Juni bäuerische Bauern binnen 14 Tagen geliefert haben, als inr westfälischen Industriegebiet durch die Grenzsperre Lollands plötzlich Kartoffel not ein getreten war, von den ungezählten Verordnungen, durchs die den Bauern die freie Verfügung über Haus, Hof und Feld fast entzogen ist?
Es wird niemand leugnen, daß einzelne Fälle vorgekommcn sind, die geeignet sind, die Konsumenten nrit Recht zu erbittern Tiefe Fälle soll man sofort dem Gerichte übergeben. Wenn aber jemand glaubt, solche Fälle der breiten Oeffentlichkeit nitterbreiten zu müssen, dann soll er auch, so tapfer sein, Ort und Namen des Uebeltäters zn nennen, damit der Fall kontrolliert werden kann und damit nicht falsche Schlüsse auf den ganzen Bauernstand daraus gezogen werden.
Nicht minder verwerflich als die Verhetzung der Städte gegen das Land ist aber anch> die Verhetzung, die teilweise auf dem Land gegen dre Städte heimlich oder öffentlich betrieben wird Wenn m<m den Bauern von der Not der Städte erzählt, dann kann man wohl hören: „Ja, aber wie ist es denn mit den vielen tausend Zentnern Mehl, die in den Städten verdorben sind, mit den vielen hundert Zentnern Räncherfleisch, die eingegraben werden mußten, mtt den im gezählten Zentnern Kartoffeln, die verfaulten, weil die Ltädte Nicht verstehen, wie man solche Dinge aufbewahrt? Es ist imataublich., was für .Räubergeschichten auf dem Lande schon
verbreitet lourden über verdorbene Lebensmittel in den Städten, über die Butter, die nach England geliefert wurde, und den Zucker, der nach Italien kam durch die Sckpckd der städtischen, Händler und ähnliche Dinge. Die psychologische Wirkung solcher öefch.ichten ist die, daß der Bauer daraus den praktischen Schluß zu :eheu versucht hat: Wenn die Städte selbst so schlecht für sich argen, braucht auch der Bauer nicht übereifrig zu sein. Woher kommen diese Geschichten/'?. Ein Teil davon mag von gewissen- !oien Leuten ganz frei erfunden sein, ein Teil ist wahr, aber vom vielen^ Erzählen so ans geschmückt und übertrieben worden, daß aus ^einer Maus ein Elefant wurde.
Tie Redner auf Banernversammlungen und die bäuerlichen Ortungen haben darum die patriotische Pflicht, mit Angriffen auf städtische Verwaltungen und staatliche Anordnungen in der fetzigen Zeit doppelt vorsichtig zu sein, selbst wenn sie von der Berechtigung ihrer Angriffe fest überzeugt sind. Wenn ein Redner den Bauern in inne Reihe „pikanter" Fälle vorführt, wie da und dort bei den staats ! ich.cn und städtischen Behörden dies und jenes gründlich verkehrt gemacht wurde, dann wird es wenig Helsen, wenn am Schlüsse die Mahnung kommt, „trotzdem" patriotisch zu sein, und den Städten zu Helsen. Denn den ersten Teil dieser Rede mtrb sich der Zuhörer leichter merken, als den zweiten, und er wird lieber davon erzählen und unwillkürlich auch noch etwas kräftigere Farbe auftragen. Und wenn unter den Zuhörern solche sind, die bei der Bestandsaufnahme Vorräte verschwiegen haben, dann werden sie zn sich selbst sagen: „Jetzt brn ich. erst recht ftoh. daß. ich dieser Gesellschaft nicht alles verraten habe." sollte schließlich der Verzicht daraus, solche „Fälle" den Bauern vorzntragen, vorübergehend einen kleinen Verlust an Popularität mit sich bringen, so würde das doch überreichlich ausgewogen durch! den Nutzen, den das Vaterland davon hätte und in letzter Linie auch der Bauernstand selbst.. Denn so, wie sich der Bauernstand jetzt bewährt, so wird man ihn in den nächsten Jahrzehnten beurteilen und bewerten. Und wer nicht alles ansbietet, daßi /er Bauernstand ftchl bewähre, der ist kein wahrer Freund der Bauern.
Also: Stadt und Land — Hand in Hand!, das sei dic Parole und nrckt: Faust gegen Faust!
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Kunst, rvrsseuschakt un& Leben.
— Tie Weihnachtsansstelluug im Berliner Künstlerhaus. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Weih- nachtsschau des Berliner Kün stier ha u ses zeichnet sich vor allem durch ungewohnte Reichhaltigkeit aus. Tie Zahl der Bilder an sich übersteigt zwar nickt wesentlich das in der Bellevuestraße Gewohnte, tvohl aber die Zahl der Künstler, da an dreißig Aussteller in ben_ drei kleinen Räumen vertreten sind. Wenn auch — der Zeit entsprechend — das weihnachtliche Element Berücksichtigung fand, so sind doch die Landschaften vorherrschend. Viele der bekannten Mitglieder der Vereinigung Berliner Künstler begrüßt man hier wieder mit aufrichtiger Freude. Vor allem Kayjer- Eichberg, der abermals eindringliche Proben seines ehrlichen durchgearbeiteten und durch! reiche Empfindung vertieften Könnens gibt. Seine Landschaften haben wieder den Zauber abendlich-verträumter Stille, und die große Liebe zu ungekünstelter, mit einem leisen poetischen Hauch abgetönter Natur zeigt sich mit den besten, allem Gewollten abholden Mitteln. Don Herinann H-e ndr i ch fällt ein „Bergsee" auf, mit seinen grau wallenden Nebelschleiern zwischen weltenfernen einsamen Höhen selst: geschickt und dabei höchst natunvahr zum Symbol erhoben. Schöne, klar gesehene Landschaften bringt auch der bewährte Konrad L e s s i n g. Originell in seiner wie das aus der Schachtel geiwurmene Spielzeug sorgsam ausgestellten Gradlinigkeit ist der „Markrplatz in Stargard", von Hans Klvhß, eine lebendige, plastisch echte und gut beleuchtete Brandung bringt Karl Saltzmann, und auch' die „Abendwolke" von Karl H e f; m e r 1 verdient gesonderte Erwähnung. Ins Auge fallend ist auch idie große Menge der Interieurs, die inü .Künstlerhaus in letzter Zeit steigernd breiteren Platz einnehmen. Sehr Hübsches leistet hier Paul Barthels, der mit verständnisvoller Liebe für die Linienschönl-eiten alter ?Mbel eine farbensatte, stimmungshaltige Pinselführung verbindet. Bennewitz von Lösen der Jüngere hat ein eindrucksvolles „Blaues Zimmer" genvalt, mit einer Kunst, hinter deren äußerlicher Einfachheit und Selbstverständlichkeit sich mancherlei technische Raffinements verbergen, ohne den Rahmen der gut konrponierteu Gesamtheit zu sprengen oder auch nur zu verletzen. 9chch mekw durchdacht erscheint ein Zimmer „Aus dem Bachhaus in Eisenach" desselben Künstlers: hier ist es gelungen, die an den Wänden lehnenden Insttumente zu verlebendigen, fast zu beseeltem Wesen zu machen, die aber gleichzeitig nrit dem ganzen Raum zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen. Von Richard Eschker ist ein gelungenes Stilleben zu sehen. Zwei scharf rönturierte, in bester Manier gemalte, nur etwas unpersönlich gehalbene Bildnisse stammen von Feder Encke. das eine Feldmarschall von Hinüenburg, das andere den Haupt- mann von Bismarck darstellend. Von den religiösen und weihnachtlichen Arbeiten verdienen drcki Werke nähere Betrackstung. „Maria auf der Flucht" von Heinrich Wolke zeigt persönliche Auffassung und hält sich von der eichtosen Reihe von Vorbildern frei. Impressionistisch ist der „Christbanm" von M<u.' Schlich- ling, nur nrit den Lichtflecken der Kerzen aus dein dämiUerig- dunklen Weihnachtsziinnrer sich loslösen. Ten El/renplatz im Hauptsaal nimmt eine mächtige Kreuziguny von Hans Lietzmann ein, als Apsis für eine gotische Torfkrrchie gedacht. In dieser absichtlich und nicht ohne Wirkung „kalt" gemalten Arbeit wird dem Motiv der Kreuzigung durch eine fast pedantische Betonung de§ rein historischen Milieus eine neue Seite abgewonnen.
— D i e Entdeckung eines Sumpf Volkes in Südes r i k a. In Stockholm ist soeben ein neuer Baud deS Berichites über die schwedische Rhodesia-Kongo-Fo rschungS-
Aus StQdt Utt^ Lctzu-.
Gietzen, 22. Dezember Die Mitchversorgung in Gießen.
In der vorgestrigen unter dem Vorsitz deß OberX burgermersters abgehaltenen Sitzung des städtischen ^e b e n s m i t t e l- A u s s ch u s s e s , zu der auch einige Stadtverordnete sowie die Vertreter der Presse erschienen waren, wurde über die durch die neuen Verordnungen des ^.^st-brnährungsamtes und des Kommunalverbanbes für Milch- und Speisefett-Versorgung für das Großherzogtmn Hessen geschaffenen Lage der Milchversorgung der Stadt Metzen beraten. Nach einem Vortrag eines Vertreters des Lebensmittelamts und eingehender Beratung konnte fes^ gestellt werden, daß die neuen Verordnungen einen Rück- r Milch zu fuhr hervorgernfen haben, daß jedoch die Milchversorgung der Stadt Gießen gegenwärtig keineswegs ungünstiger ist, wie diejenige in den ubrrgen hesftjchen Städten. Es wurde betont, daß aus den hinreichend bekannten Gründen überall Milchknappheit bestehe, und anerkannt, daß seitens der Stadtverwaltung d<rs ^ße der Verhältnisse Mögliche geschehen ist, um die Milch zu fuhr zu steigern.
Eine Aufhebung der erlassenen Verordnungen, wie dies wohl verschiedentlich als Radikalmittel e mpfohlen worden
reise erschienen, die Graf Eric von Rosen wid Prof. Robert E. Fries uu Jahre 1911 mtternommen haben, und iungste, dre vollskundlick-en Ergebnisse behandelnde Teil des bedeutenden Reisewerkes fchemt der interessanteste zu sein Er Ä Es Rätsels, das die Asrikaforscher seit Jahr
zehnten bejchasttgt hrt. Ju emer Gegend, die noch kein Weißer be- Lton. hatte -- Lwrngon war ihr am näch.stm gekommen — hat Aa .Rosen nn Loumpfvolk entdeckt, über das bisher nur phan- ta,tt,che Angaben Vorlagen, deren unzuverlässige Quellen benack- hudelt sich um da? Volk der Balwa, ™ -nhodesta, nacht wert, vom Bangveolo-See, in einem Ge- Est, das von ungeheuer ausgedehnten Sümpfen bedeckt ist Grw Roien hat zwei Monate darauf verwandt, dieses unbekannte Vrr ? SU Mneten, und gibt m )entem Reisewerke an Hand zahl- reicher Aufnahmen einen guten Ueberblick über alles Wissenswerte- Wohnungsbau, Hausgeräte, Kleidung, Sck.muck, Jagd und Frjchfang Lopeijen und Getränke, sowie Genußmittel uber^^ste und Lustbarkeiten, die Verteilung der Arbeit unter den ^auen usw Das Volk der Batuw, dem die Fabel Schlvimm- yautc zu ich rieb, fuhrt rn , einen Sümpfen ein amtchibisches unstetes Leben: die .Hutten werden auf winzigen natürlichen Inseln im sumpfe angelegt, oft aber müssen auchl künstliche Inseln gebaut werden, die aus Lchllf und Paf>yrus Feschaffen weihen, worauf dgnu halbjchwimmeude Wolfnhütten entstehen. Graf Rosen ist der Hernmft dieies Bvlles nachgegangen und neigt der Einsicht zu oaß man em Mischlingsvolk vor sich habe, das aus eineni ursprimg- lichen den Buschmännern ähnlichen Volke und einem hü^r stehenden, vom.Westen eingedrungenen Baninstmmne entbanden ist. Wahrschernlrch ist das Mpchvoll auf der Flucht vor stärkeren nach- dräugenden Völkern m das Sumpfgebiee gelangt und hat ver- standen, sich den neuen schwierigen Lebensbedingungen anzupassen. Wetter tm Luden m der Gegend der Eisenbahulwltestelle Mvastta Nt Graf Rosen ans Reste emer Negersiedluug gestoßen, die aus dem oritren Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stammt Mem An- scheim nach war es eine Sredelung der unmittelbaren Vorfahren des Batwa-Vvlkcs.
— Drei Gramm' Radium im Jahre! Drei Gramm Radium im Jahr — das ist die durchschnittliche Ausbeute an Radmni, die em halbes Dutzend Radmmfabrikwi aus hundert- tausenden von Tonnen Rohstoff gewinnt! Drei Granrm reines Radmmsalz sind eZ, für deren Getmnnung etwa 25 Menschen das ganze Jahr hindurch täglich Neun Stunden arbeiten. Freilich jtellt das gewonnene Radium auch einen recht stattlichen Wert dar — kostet es doch weit über eine Million Mark. Ein Granrm Nadntm wird m den Vereinigten Staaten gegeuwärtig mtt mehr als hunderttausend Dollars bezahlt. Nicht ganz die Hälfte allen, Radiums, das auf der ganzen Erde gewonnen wird, wird in den Vereinigten Staaten hergestellt: dort gibt es, wie der .Newyorck- Broollyn Tarly Eagle" ntttteilt, drei Radiumfabriken eine in Lansdowne m der Nähe von Phttadelphia. eine in Pittsfmrq und eme rn Denver (Colorado). Das Verführen, nach dem die F?kme- rikaner das Radium aus dem Rohstoffe gewinnen, stammt von dem Physiker der Landesuniversität von Pcnnshlvanren, Prof Kabakjian. Der Ausgangsstoff ist dabei Carnetit. ein ’ gelber, erdartiger Stoff, der in Colorado und an einem Orte in Südaustralien vorkommt. Prof. Kabakjian hat nach dreijährigen Versuchen seine Art der Radmmgewmnung soweit gefördert, daß sie für die dauernde Anwendung brauchbar ist. Er hat sie deswegeir an eine chemische Gesellschaft für Radiumgewmnung verkauft, die die Radiumfabrik in Oausdowne betreibt, deren fachmännischer Beirat er übrigens ist. Auck die anderen beiden amerikanischen
ist, kann nach Ansicht der Verscmrmlung nicht in Frage kommen. Es muß vielmehr unter Aufrechterhaltmia der in der Verordnung des Kriegsernähruilgsamts festgestellten G und- sätze eine wircksame Durchführung der Verordnungen durch geeignete Maßnahmen erjtrebt werden.
In einer Versammlung der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg hat der Leiter der Reichsfettstelle, Landrat v. Grävenitz, als die beiden größten Feinde der öffentlichen Milch- und Fettversorgung die Hand-Zentrifugen trnd den wilden Handel bezeichnet. Daß in der Umgebung der Stadt Gießen die Hand- Zentrifugen und der wilde Handel ziemlich im Schwung sind, ist von verschiedenen Mitgliedern des Lebensmittel-Ausschusses bestätigt worden, und es wurde der Wunsch crus- aesprochen, daß die zuständigen Behörden hieraus ihre besondere Aufmerksamkeit richten möchten.
Es ist keine Frage, daß der wilde Handel die Ällgemern- heit der Verbraucher schädigt. Es wird dadurch aber auch die Mgemeinheit der Landwirte benachteiligt, denn die durch den wilden Handel abgesetzten Milchmengen können, da sie sich der behördlichen Kontrolle entziehen, naturgemäß den Lieferungsgemeinden auf ihre Gesamtlieserungen an die vom Kommunalverband errichteten Sarnmel- stellen nicht angerechnet werden. Die Folge wird alsdann sein, daß von der Gesamtheit der Landwirte erhöhte Lieferungen verlangt werden müssen, weil einzelne ihre öffentliche Lieserungspflicht nicht erfüllt haben.
Im Zusammenhang hiermit drückte der Lebensmittel- AuSschuß den Wunsch aus, daß in den einzelnen Gemeinden die zuständige Behörde durch örtliche Vertrauensleute die Milchlieferungen der einzelnen Betriebe überwachen und durch geeignete Maßnahmen fördern läßt. Hierzu teilte ein Mitglied des Ausschusses mit, daß iu verschiedenen preußischen Landkreisen den Landwirten seitens der Behörden die Auflage gemacht worden sei, täglich von jeder Kuh eine bestimmte Milch meng e an die öffentlichen Sammelstellen abzuliefern, eine Regelung, die sich mit Rücksicht ans ihre leichte Turchführba.rteit und Kontrolle auch für Hessen empfehlen dürfte. Um den Landwirten die Ablieferung zu erleichtern, wird die vom Kommunatver- band bestimmte Sammelstelle Milchkannen in jeder gewünschten Zahl zur Verfügung stellen. Die in der Sitzung gemachten Vorschläge sollen dem Großh. Ministerium, dem Kommunalverband für das Großherzogtum Hessen und dem Großh. Kreisamt Gießen unterbreitet'werden.
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** Der Weihnachtsbraten. Auf Anordnung des Krieasernährungsamtes kommen in der Weihnachtswoch« auf den Kopf der Bevölkerung ausnahmsweise 300 Gramm Fleisch zur Verteilung. Da diese Zahl voll angerechnet wird, können 150 Gramm Fleisch und 300 Granrm Wurst oder int ganzen 450 Gramm Wurst- und Fleischwaren abgegeben werden.
** Paketannah me. Am Sonntag, den 24. Dezember nrerden sowohl bei dem Postamt 1 in der Bahnhof straf? als auch bei dem Postamt 2 in der Schulstraße die Paket-An nft nie- und die Paket-Ausgabeschalter nur bis 6 Uhr abends offcng.'hatzen.
-* Weihnachtsfeier. Gestern abend fand im evang. chwesternhausc eine ftimmun gsvolle Weihnachrsfeier stat . Pfar-
. usjcrsrtawa
Radiumfabriken arbeiten nach dem Verfahren Kabakjians. Worauf es beruht, nftrd als Fabrikgeheimnis sorgsam gehütet.
_ — Unbekannte Bildnisse Voltaires Die Dar- stellmig Voltaires in der bildenden Kunst hat Charles Eulmont zum Gegenstände eines Anfsatzes in der „Gazette de- Beanx Arts" gemocht, m dem er zugleich eine stattliche Reihe bisher unbekannter Voltarce-Büdnisse zur allgemeinen Kenntnis bringt. Tie Züge des großen Lpötters im Gemälde oder plastisch festzuhalten das war eine Aufgabe, die geistreiche Künstler mll reizen mochte Me aber nichts weniger als leicht war. Voltaire selbst 'erkannte iü einem Briepe an Frau Necker an, daß er schwer zu modellieren sei. da er eigentlich überhaupt kein Gesicht besite. /.Meine Augen (so schieb er) liegen drei Tannen einwärts, meine Wangen sind altes Pergament, schlocht auf Knochen aufgellebt, die nirgends fest- fttzen. A,te wenigen Zähne, die ich hatte, sind versck.vurrden Noch nre hat ern Bildhauer einen armen Kerl in solchem Ziiftande dar- ge,teilt." Um dern Künstler die Arbeit zu erschweren, war Voltaire überdies em reckst schwieriges Modell. Grimm hat belustigend ge-, schildert, wie er dem Meister Pigalle zu seiner Büste fas : „Voltaire war zn dieser Zeit wie ein Kind, das keinen Augenblick ruhig sein wnnte. Meist hatte er seinen Sekretär zur Seite, mit dem er' sein« Korre,pondenz erledigte, während man ihn modellierte; dabei hatte er beim Diktieren seiner Briefe eine ganz eigene Gewöhn- Heft' er blres pustend dic Backen answder schnitt andere Grimassen Me für den Bildhauer der reine Tod waren." Und obendrein n>ar Voltaire trotz seiner ewig wachen Selbstverspottu.ig d u. euch wieder von Eitelkeit Nicht srei. Daß er häßlich war. wusste er wohl aber: wenn der Künstler ihn so abschreckend dars'ellre, das er einem Affen glich, so war er unzufrieden und beklagte sich beim Künstler. Immerhin verstand er, daß die Unabhängigkeit des Künstlers zu achten sei, und daß man sie nralen und nwdellieren lassen inüsse wie fte es für richtig hielten. Recht machen konnten e-> ihnk nuv wenige,^am ehesten wohl Huber ans Genf, ferner Rosset-Tuvntt VE la samt-Claude und Poncet. Die erhaltenen Voltaire-Bild- uttse zerfallen in zwei Gruppen: die, die nack dem Leben 'elbst geschaffen worden sind, und dann di? zahlreich^! Porträts ^von zwetter Hand, die von dem berühmten Manne in alle Welt gingen L>ehr wenig bekannt ist, was die Züge betrisst, der junge Voltaire. In den spateren Bildern ki'hren, so verichieden die Werke auch sonst untereinander sind, doch gewisse phyftoauomische Züge immer wwder: so vor allem das dovpelte Lächeln der Augei?nnd des Mundes. , rn dem fern boshafter Geist sich widenpiegelt Kennzeichnen seines Gesichtes sind ferner die hervor stehen de Unterlippe. lleme, wie Karftmkel glänzende Augen und eine sehr hohe sehr gewölbte Stirn. Tie Ironie hat seine Züge vor der Zeit alt gemacht und gewisserin aßen ausgetrocknet, während 'ein Her» lckiger frisch blieb. Voltaires Bildnisse besitzen nur dann Leben und Aebnlichkeit, wenn sie sarkastisch sind oder eine Grimasse zeigen. Erneu ernsten oder gemütvollen Voltaire gibt es in der ganzen Galerie nicht: der Voltaire des Prozesses Calas bat keinen Darsteller gefunden. Unter den von Eulmont neu bekannt gr- macksten Bildnissen befindet sich eine ReiR von ausgeustchieten ftzwerten. gum Teck s«hr bekannter Meister. So eine Iargendbüste von ^ .0'_me Lemoyre zugeschrieben wird, so ferner das vvrziiglvche aus 1745 stammende Bildnis von Ieauret, sowie das ans Hst» gemalte. 1769 entstandene Porträt von Fasstti, das Vottaire rn altem, abgrmltztem Hausklcide und in einer großen Nee '. uü>u< darstellt. Dre Krone Mer Voltatte-Bildniffe bleibt hvUM; HouMn3 berulMte, im st-vper der Com 6 die Francaise ansgestellte Büste zu der ^nlmonl erne wohl als Vorstudie des Künstlers anszufaffend^ Maqnelte erstmalig veröffentlicht.


